Bei dir
mit dir
in dir
durch dich
für mich
halt mich
fest an
deiner Seite
Bei mir
mit mir
in mir
durch mich
für dich
halt ich
dich für
immer fest.
©Sandra Matteotti
Denkzeiten – Philosophie in Theorie und Praxis
Dr. Sandra von Siebenthal
Rezensionen und Artikel rund um die fiktionale Literatur
Bei dir
mit dir
in dir
durch dich
für mich
halt mich
fest an
deiner Seite
Bei mir
mit mir
in mir
durch mich
für dich
halt ich
dich für
immer fest.
©Sandra Matteotti
Es war einmal ein Drachenei,
doch mit dem Ei war’s schnell vorbei,
mit einem Rums und einem Knall,
zerbrach die Hülle, Feuerschwall
trat heraus und dann ein Drache.
Doch da war diese eine Sache
mit dem strengen Elternpaar,
das sich zwar freute, ist ja klar,
doch befand bei solch Geschehen,
sei das Feuer ein Vergehen.
Ein wenig Anstand und auch Sitte,
so die einstimmige Bitte,
wären wichtig, täten Not,
und keine Flamme in tiefrot.
Das Drachenkind zog eine Schnute,
ärgerlich war ihm zumute,
dass die zwei altbackenen Greise,
begrüssten es auf solche Weise.
Es ist denn auch bei kleinen Drachen
oft gar wenig Grund zu lachen,
wenn die Eltern schlicht nur motzen,
– so beginnen sie zu trotzen.
Diese Alten sollen niemals denken,
sie alleine könnten lenken,
denn auch Kinder wollen Macht,
woraus erfolgt, dass es mal kracht.
Doch ist der Streit dann erst verflogen,
und glätten sich die wilden Wogen,
herrscht auch wieder Sonnenschein,
so war es immer, denn so soll es sein.
©Sandra Matteotti
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Für die abc.etüden, Woche 26.18: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 26.18 kommt von Frau Flumsel (wortgeflumselkritzelkram)
Sie lautet: Drachenei, altbacken, knallen
Der Ursprungspost: HIER
fragen
immer
fragen
doch die antwort
seh ich nicht
dunkel
immer
dunkel
und was mir fehlt
das ist das licht
suchen
immer suchen
aber finden
kann ich nicht
hoffen
immer
hoffen
aber glauben
trau ich nicht
leben
weiter
leben
denn was andres
bleibt schlicht nicht
©Sandra Matteotti
Hermann Hesse (1877 – 1962)
Glück
Solang du nach dem Glücke jagst,
Bist du nicht reif zum Glücklichsein,
Und wäre alles Liebste dein.Solang du um Verlornes klagst
Und Ziele hast und rastlos bist,
Weißt du noch nicht, was Friede ist.Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
Nicht Ziel mehr noch Begehren kennst,
Das Glück nicht mehr mit Namen nennst,Dann reicht dir des Geschehens Flut
Nicht mehr ans Herz, und deine Seele ruht.
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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn man glücklich ist oder das Glück sucht
Ingeborg Bachmann (1926 – 1973)
Mein Vogel
Was auch geschieht:
die verheerte Welt sinkt in die Dämmerung zurück,
einen Schlaftrunk halten ihr die Wälder bereit,
und vom Turm, den der Wächter verliess,
blicken ruhig und stet die Augen der Eule herab.Was auch geschieht:
du weißt deine Zeit, mein Vogel,
nimmst deinen Schleier und fliegst durch den Nebel zu mir.Wir äugen im Dunstkreis, den das Gelichter bewohnt.
Du folgst meinem Wink, stösst hinaus
und wirbelst Gefieder und Fell –Mein eisgrauer Schultergenoss, meine Waffe,
mit jener Feder besteckt, meiner einzigen Waffe!
Mein einziger Schmuck: Schleier und Feder von dir.Wenn auch im Nadeltanz unterm Baum die Haut mir brennt
und der hüfthohe Strauch mich mit würzigen Blättern versucht,
wenn meine Locke züngelt, sich wiegt und nach Feuchte verzehrt,
stürzt mir der Sterne Schutt
doch genau auf das Haar.Wenn ich vom Rauch behelmt
wieder weiß, was geschieht,
mein Vogel, mein Beistand des Nachts,
wenn ich befeuert bin in der Nacht,
knistert’s im dunklen Bestand, und ich schlage den Funken aus mir.Wenn ich befeuert bleib wie ich bin
und vom Feuer geliebt,
bis das Harz aus den Stämmen tritt,auf die Wunden träufelt und warm
die Erde verspinnt,
(und wenn du mein Herz auch ausraubst des Nachts,
mein Vogel auf Glauben und mein Vogel auf Treu!)
rückt jene Warte ins Licht,
die du, besänftigt,
in herrlicher Ruhe erfliegst –
was auch geschieht.
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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, wenn das Leben schwierig ist oder man Mut braucht
Hans- Christoph Neuert (1958 – 2011)
Alle
Alle
Welten abgesucht
nur Träume
sind mir oft geblieben
endlich hab ich – dich
gefunden
doch auch die Angst
vor Schmerz
Verlust
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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedichte, wenn man von Angst geplagt ist
Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)
Klärchens Lied
(1788)Freudvoll
Und leidvoll,
gedankenvoll sein,
Langen
Und bangen
In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt;
Glücklich allein
ist die Seele, die liebt.
(aus Egmont, 3. Aufzug, 2. Szene)
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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, wenn man liebt
Und wenn du gehst,
geht etwas von mir mit.
Und weil ich bleibe,
bleibt etwas von dir hier.
©Sandra Matteotti
Hans Brinkmann (*1956)
Rummel*
Wir machen den ganzen Rummel mit.
Jeden Tag sind wir hier.
Riesenräder überrollen uns,
auf den Karussells drehen wir durch.
Wie die Schweine und Kleeblätter
haben wir meist kein Glück. Die Schiessbuden
laden uns ein, aufeinander zu feuern,
ehe wir in die Bierzelte laufen,
wo unsre Köpfe im Schaum verschwinden.
Lachend stehen die Rittmeister
an den Kassen der Hippodrome.
Pass doch auf, Junge, wo du hintrittst!
Wie du dich wunderst, lassen sie dich
dafür bezahlen. Nichts ist umsonst.
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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, wie man das Leben angehen kann
Das Leben als Rummelplatz, manchmal dreht man im Kreis, manchmal hofft man auf Glück, doch das bleibt aus. Man stösst auf Menschen, die einem nicht wohlgesonnen sind, tritt anderen auf die Füsse – und am Schluss kriegen wir die Rechnung, da nichts umsonst ist. Alles ein einziges Trübsal? Nein! Das Gute liegt im Detail. Wir haben nur meist kein Glück, sprich: ab und an haben wir welches. Der Rittmeister lacht, wir können mit ihm lachen, statt über alles zu klagen, nur weil es grad nicht rund läuft. Wir müssen auch nicht auf andere feuern, wir sind nur dazu eingeladen. Es bleibt unsre Wahl, ob wir es tun – nur wenn, dürfen wir uns nicht wundern, wenn andere zurückschiessen. Es bleibt unsere Wahl, wie wir das Leben sehen. Jede Sicht hat ihren Preis, unsere Entscheidung bleibt, was die Währung ist.
*zit. nach „Alle Tage ein Gedicht“, Aufbau Verlag
wieder leben
lachen
sachen
machen
atmen
fühlen
hände
spüren
hoffen
springen
Lieder
singen
wieder leben
machen
Sein ent-
fachen
©Sandra Matteotti
Im Frühling 1859 reist Arkadi, der an der Universität in Petersburg soeben den Grad eines Kandidaten erworben hat, nach Hause in den Süden aufs väterliche Gut. Begleitet wird er vom Nihilisten Basarow, einem Medizinstudenten aus ärmlichen Verhältnissen, der sich durch einen strebsamen und streitbaren Charakter auszeichnet: immer auf Konfrontationskurs. An allem und jedem findet er etwas auszusetzen, Arkadis Onkel, der auch auf dem Gut lebt, ist zu nobel, sein Vater zu romantisch, die Gesinnungen der beiden älteren Herren sind nicht mehr Zeitgemäss – eigentlich die der ganzen Welt.
“diese alten Romantiker! Entwickeln ihr Nervensystem zu äusserster Sensibilität… tja, und dann ist das Gleichgewicht dahin.“
Es erschüttert den sich in seiner Ablehnung von allem und jedem gefallenden Basarow in den Grundfesten, als er sich in die schöne Wittwe Anna verliebt, die seine Liebe noch dazu nicht erwidert. Dass sich Arkadi ebenfalls in dieselbe Frau verliebt hat, treibt zudem einen Keil in die Freundschaft der beiden Männer.
Turgenjew ist es gelungen, in einer leichten und lockeren Erzählweise, die immer mit einer Prise Humor und philosophischem Gespür versehen ist, ein Abbild der Zeit zu zeichnen. Ohne den Moralfinger zu heben, weist er auf die Missstände in Russland in der Mitte des 19. Jahrhunderts hin, beleuchtet die Sorgen und Ängste der Menschen, den Konflikt der Generationen. Turgenjew überzeugt des Weiteren durch plastische Figuren mit stimmigen Charakteren. Er versteht es, die Beweggründe ihres Handelns, Fühlens und Denkens offenzulegen, ohne zu psychologisieren.
Ganna-Maria Braungardt ist es zu verdanken, dass dieser wunderbare Roman in einer neuen, zeitgemässen Übersetzung erscheint. Ein ausführlicher Anhang rundet das Buch ab. Ein Personenverzeichnis mit den –oft verwirrenden und vor allem vielen – Namen der im Roman vorkommenden Figuren und deren Beziehungen untereinander erleichtert das Verständnis, ein informatives Nachwort liefert Hintergründe und Erklärungen zum Roman.
Fazit:
Grosse Literatur: Ein flüssiger und lockerer Erzählstil, der mit Humor und philosophischem Feingefühl ein Abbild der Gesellschaft Russlands im 19. Jahrhundert zeichnet – Genuss pur und absolut empfehlenswert.
Zum Autor
Iwan Turgenjew
Iwan S. Turgenjew, geb. 1818 in Orel, gest. 883 in Bougival bei Paris gestorben, stammt aus altem Adelsgeschlecht. Nach dem Studium der Literatur und der Philosophie in Moskau, St. Petersburg und Berlin war er für zwei Jahre im Staatsdienst tätig. Danach lebte er als freier Schriftsteller und verfasste Erzählungen, Lyrik, Dramen, Komödien und Romane. Turgenjew gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des russischen Realismus und zählt zu den großen europäischen Novellendichtern. Seine Novellistik bedeutet einen Höhepunkt der Gattung in der russischen Literatur.
Angaben zum Buch:
Gebundenes Buch: 336 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (8. Dezember 2017)
Übersetzung: Ganna-Maria Braungardt
ISBN-Nr.: 978-3-423-28138-6
Preis: EUR 26 / CHF 36.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. beim VERLAG selber und BOOKS.CH
Wer sich vom Roman überzeugen will, findet HIER eine Leseprobe.
Hier brennt ein Licht,
es soll dir leuchten,
den letzten Weg,
den du heut gehst.
Ich bleibe hier,
ich möchte weinen,
ein ganzes Meer
dunkel und tief.
Ich glaube nicht,
dass dieses Leben,
je wieder sein
wird, wie es war.
Hier brennt ein Licht,
es soll mich leiten,
auf meinem Weg,
der vor mir liegt.
©Sandra Matteotti
(geschrieben zum Tag der Einäscherung meines geliebten Vaters)
Heinrich Heine (1797 – 1856)
Alte Rose
Eine Rosenknospe war
Sie für die mein Herze glühte;
Doch sie wuchs, und wunderbar
Schoß sie auf in voller Blüthe.
Ward die schönste Ros’ im Land,
Und ich wollt’ die Rose brechen,
Doch sie wußte mich pikant
Mit den Dornen fortzustechen.
Jetzt, wo sie verwelkt, zerfetzt
Und verklatscht von Wind und Regen –
Liebster Heinrich bin ich jetzt,
Liebend kommt sie mir entgegen.
Heinrich hinten, Heinrich vorn,
Klingt es jetzt mit süßen Tönen;
Sticht mich jetzt etwa ein Dorn,
Ist es an dem Kinn der Schönen.
Allzu hart die Borsten sind,
Die des Kinnes Wärzchen zieren –
Geh’ in’s Kloster, liebes Kind,
Oder lasse dich rasiren.
(1851)
___
Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedichte bei Liebeskummer
Ingeborg Bachmann (1926 – 1973)
Ich*
Sklaverei ertrag ich nicht
Ich bin immer ich
Will mich irgend etwas beugen
Lieber breche ich.
Kommt des Schicksals Härte
oder Menschenmacht
Hier, so bin ich und so bleib ich
Und so bleib ich bis zur letzten Kraft.
Darum bin ich stets nur eines
Ich bin immer ich
Steige ich, so steig ich hoch
Falle ich, so fall ich ganz.
___
Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn das Leben schwierig ist
*zit. nach Ingeborg Bachmann, Sämtliche Gedichte, Piper Verlag.
Wie Janus zeigt zuweilen mein Gedicht
Seines Verfassers doppeltes Gesicht:
Die eine Hälfte des Gesichts ist lyrisch,
Die andere hingegen fast satirisch.
Zwei Seelen wohnen, ach in mir zur Miete
– Zwei Seelen von konträrem Appetite
Dies ein Ausschnitt aus dem Gedicht Masha Kalékos, das sie „Statt eines Vorworts“ an den Anfang ihres Gedichtband „Verse für Zeitgenossen“ stellte. Der Gedichtband erschien 1945 im amerikanischen Exil, 13 Jahre später wurde er auch in Deutschland publiziert.
„Ich habe mehr gelitten in den letzten zwei Jahren, als es menschenmöglich ist.“
So heisst es in einer Tagebuchnotiz aus dem Jahr 1938. Nachdem Kalekos Gedichte anfänglich grossen Erfolg hatten, wurden sie in dem Jahr von den Nationalsozialisten als „schädliche und unerwünschte Schriften“ verboten, Mascha emigrierte mit ihrer Familie in die USA. Der Gedichtband setzt sich denn auch mit den Themen Heimat und Fremde auseinander. Melancholisch und doch mit leisem Witz fliessen Gedanken und Gefühle Worten aufs Papier.
Gebet
Herr: unser kleines Leben – ein Inzwischen,
Durch das wir aus dem Nichts ins Nichts enteilen.
Und unsere Jahre: Spuren, die verwischen,
Und unser ganzes Sein: nur ein Einstweilen.
[…]
Eine wunderbare Dichterin, die es verdient, gelesen zu werden. Schön, hat die dtv Verlagsgesellschaft es sich zur Aufgabe gemacht, die Gedichtbände neu zu verlegen.
Fazit:
Ein Gedichtband voller melancholischer, sprachlich und inhaltlich pointierter Gedichte, die mitten ins Herz trifft. Sehr empfehlenswert.
Autorin
Mascha Kaléko (1907 – 1975) fand in den Zwanzigerjahren in Berlin Anschluss an die intellektuellen Kreise des Romanischen Cafés. Zunächst veröffentlichte sie Gedichte in Zeitungen, bevor sie 1933 mit dem ›Lyrischen Stenogrammheft‹ ihren ersten großen Erfolg feiern konnte. 1938 emigrierte sie in die USA, 1959 siedelte sie von dort nach Israel über. Mascha Kaléko zählt neben Sarah Kirsch, Hilde Domin, Marie Luise Kaschnitz, Nelly Sachs und Else Lasker- Schüler zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts.
Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 112 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (8. Dezember 2017)
ISBN-Nr: 978-3423281393
Preis: EUR 12/ CHF 19.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH