Tagesbild: Schlafende Katze

«Die Fähigkeit, das Wort Nein auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit.» Nicolas Chamfort

Wie frei können wir sein? Keiner ist eine Insel, wir leben in einem Netz von Abhängigkeiten, in einem Miteinander mit anderen Menschen. Wie viel Nein steht mir zu und wo muss ich das Nein als Dienst für das Ganze hintenanstehen? Wann verliere ich das Mitspracherecht an meinem Leben, weil ich mich anderen füge oder fügen muss? Wann bin ich zu sehr bei mir und vernachlässige andere und die Beziehung zu ihnen?

Aristoteles propagierte den Weg der Mitte: Nichts zu sehr und nichts zu wenig. Ein kluger Rat. Auf den ersten Blick, auf den zweiten sagt er gar nichts aus, denn diese Mitte muss man zuerst mal finden. Und vermutlich ist sie nicht ein für allemal festgelegt und auch nicht für jeden gleich.

Das Leben als Katze scheint mir da einfacher, sie scheinen ihren Weg gefunden zu haben. Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass es einer der Mitte ist.

Habt einen schönen Tag!

(Tinte im Skizzenbuch)

Tagesbild: Der Hase

«Drei Hasen tanzen im Mondenschein
im Wiesenwinkel am See:
Der eine ist ein Löwe,
der andre eine Möwe,
der dritte ist ein Reh.

Wer fragt, der ist gerichtet,
hier wird nicht kommentiert,
hier wird an sich gedichtet;»

Das An-sich-Tun propagiert hier Morgenstern. Abstand nehmen von den ewigen Fragen «Wozu», «Warum» und vor allem «Was soll das sein?» Wir wollen oft die Antworten präsentiert haben, oder noch schlimmer, haben sie schon, bevor wir genau hingeschaut haben. Dabei ist gerade das Hinschauen die Tür zu so viel Schönem, Neuem, auch Spannendem. Und wenn man ganz tief in sich hineinsieht, dann findet man da Dinge über sich heraus, die das Weitergehen im Leben stimmiger werden lassen, weil es plötzlich von innenheraus und nicht mehr von aussen bestimmt passiert.

Was einem so in den Sinn kommt, wenn man einen Hasen zeichnet…

Habt einen schönen Tag.

Tagesbild: Der Stoiker

Manchmal muss man stoische Gelassenheit an den Tag legen, die Dinge nehmen, wie sie nun mal kommen. Noch viel Schlimmer als alles, was kommt, ist nämlich die Mördergrube, die wir daraus machen.

So wusste schon Epiktet:

„Einige Dinge stehen in unserer Macht, andere hingegen nicht. In unserer Macht sind Urteil, Bestrebung, Begier und Abneigung, mit einem Wort alles das, was Produkt unseres Willens ist. Nicht in unserer Macht sind unser Leib, Besitz, Ehre, Amt, und alles was nicht unser Werk ist. Was in unserer Macht ist, ist seiner Natur gemäß frei, kann nicht verboten oder verhindert werden; was aber nicht in unserer Macht steht, ist knechtisch, kann verwehrt werden, gehört einem anderen zu… prüfe nach den von dir angenommenen Grundregeln, besonders nach der ersten, ob es zu den in unserer Macht stehenden Dingen gehöre oder nicht. Gehört es zu den nicht in unserer Macht stehenden, so halte dies Wort bereit: »Es berührt mich nicht.«“

(Bleistiftskizze im Skizzenbuch)

Tagesbild: Jungfernkranich im Skizzenbuch

Eine kleine Kritzelei im Skizzenbuch. Ich mag es, mit wenigen Strichen auf schwarzem Hintergrund ein Bild entstehen zu lassen. Hier ein Motiv, das ich in letzter Zeit häufig aufgegriffen habe in verschiedenen Medien. Vielleicht stelle ich die auch mal noch rein.

Ich merke immer wieder, wie befreiend es ist, Dinge probieren zu können. Ja, manches gelingt nicht. Aber immer wieder passiert etwas, womit ich selbst nicht gerechnet hätte. Oder aber ich lerne mehr über mich, finde heraus, was ich will, was nicht. Das sind sehr wertvolle Prozesse und in ihnen liegt eine grosse Freiheit. Dafür bin ich sehr dankbar.

Kommt gut in den Tag hinein.

Tagesbild: Affengesicht

Manchmal denke ich

«Ich mach mich doch nicht zum Affen.»

Bei Lichte betrachtet stellt sich die Frage: Wieso eigentlich nicht? Woher diese Scham, diese Zurückhaltung? Wieso nicht einfach mal frisch drauf los und ja, dann mache ich mich vielleicht zum Affen. Aber wer weiss? Vielleicht hätte ich Spass dabei? Und die anderen würden statt über mich mit mir lachen. Sich freuen. Mitmachen beim Affenzirkus.

Der Gedanke kam mir nur gerade, und er will sich weiterspinnen, doch ich stoppe ihn hier. Ich weiss auch nicht, ob ich beim nächsten Mal, wenn ich denke, mich nicht zum Affen machen zu wollen, dies dann freudig tue. Ich wage es zu bezweifeln. Aber nur schon daran zu denken, ist witzig. Vor allem, wenn ich es mir bildlich ausmale.

Habt einen schönen Tag!

Tagesbild: An Apple a Day

Guten Morgen

Was wär ein Apfel ohne -Sine,

Was wären Häute ohne Schleim?

Was wär’n die Vita ohne -Mine,

Was wär’n Gedichte ohne Reim?

Was wär das E ohne die -llipse,

Was wär veränder ohne -lich?

Was wär ein Kragen ohne Schlipse,

Und was wär ich bloß ohne Dich?
Heinz Erhardt

Nun sind es immerhin zwei Äpfel, doch ohne Sine und ohne Reim, aber wie heisst es so schön: A apple a day keeps the doctor away – und: doppelt gemoppelt hilft bekanntlich besser.
Der Apfel ist Teil einer Sechser-Serie, ich mag es Serien zu malen, die das gleiche Motiv auf ähnliche Weise aufnehmen und doch unterschiedliche Ergebnisse abgeben.


Habt einen schönen Tag!

Tagesbild: Grumblebird

Es gibt so Tage… aber wie sagte Fontane so schön:

Trost
Tröste dich, die Stunden eilen, 

Und was all dich drücken mag. 

Auch das Schlimmste kann nicht weilen, 

Und es kommt ein andrer Tag.

In dem ew’gen Kommen, Schwinden, 

Wie der Schmerz liegt auch das Glück, 

Und auch heitre Bilder finden

Ihren Weg zu dir zurück.

Harre, hoffe! Nicht vergebens

Zählest du der Stunden Schlag: 

Wechsel ist das Los des Lebens,

Und – es kommt ein andrer Tag.

Theodor Fontane

(1819 – 1898)

Habt einen schönen Tag!

Tagesbild: Bunt ist die Hoffnung

«Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt.» Ernst Bloch

Angst ist ein schlechter Ratgeber, heisst es landläufig. Ernst Bloch fand das nicht zwingend. Wichtig aber fand er, zu ergründen, woher sie kommt, was sie auslöst und welche Bilder sie für die Zukunft malt. Auf dieser Grundlage sollte die Hoffnung entstehen. Der Gedanke: «Es könnte auch anders kommen.» Ist ein wichtiger, einer, in dem die Kraft der Veränderung angelegt ist. Er fängt mit der Hoffnung an und führt im besten Fall zum Tun.

«Man muss ins Gelingen verliebt sein, nicht ins Scheitern.» Ernst Bloch

Es ist nie sicher, ob das Vorhaben gelingt, doch wenn wir es nicht probieren, dann haben wir schon verloren. Ansonsten lernen wir dazu und versuchen es nochmals. So lange, bis es gelingt. Und immer wieder, so auch hier, kommt mir meine Lieblingszeile von Rilke in den Sinn, die gleichzeitig auch mein Lebensmotto ist:

«Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
Die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
Aber versuchen will ich ihn.»

Habt einen schönen Tag!

Tagesbild: Katzendame

Irgendwo las ich mal das Zitat von jemandem, den ich vergessen habe:

«Was andere hinter meinem Rücken über mich sprechen, geht mir am Arsch vorbei.»

Die Wortwahl mag sehr deftig sein, den Inhalt möchte ich mir gerne auf die Fahnen schreiben können. Ich ertappe mich doch immer wieder beim Gedanken: «Was denken wohl die anderen?» Und noch schlimmer: «Ich kann doch nicht XXX, sonst denken andere…»

Damit stand ich mir zu oft selbst im Weg. Lao-Tse sagte dazu:

«Sorge dich um die Anerkennung anderer und du wirst immer ihr Gefangener sein.»

Als ich das erkannt habe, was für ein Befreiungsschlag war das. Natürlich ist es mir auch heute nicht egal, so weit bin ich nicht, aber immerhin steht die Tür des Gefängnisses offen und ich gehe freier rein und raus.

Katzen sind da schöne Vorbilder. Sie machen ihr Ding, kümmern sich wenig um das, was andere wollen oder denken. Wenn sie aber etwas wollen, dann fordern sie es ein. Unbeirrbar.

Habt einen schönen Tag!

Tagesbild: Bad Hair Day

«We don’t see things as they are, we see things as we are.» Anaïs Nin

Es gibt den schönen Spruch, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt. Wenn zwei Menschen das Gleiche sehen, sehen sie oft nicht dasselbe. Jeder sieht, was er durch sein So-Sein, seine Prägungen, Muster, Gewohnheiten, Erfahrungen hineinlegt. Hockney bezog sich auf diesen Umstand, als er die Kamera als Gefahr für die Kunst sah. Viele Maler kämen vom gegenständlichen Malen ab, weil sie dächten, die Kamera erfasse die Dinge genauer. Aber, und der Gedanke findet sich schon bei Cézanne, eine Kamera erfasse nicht gleich viel wie der Mensch. Die Wirklichkeit ist mehr, als ein aus einer Perspektive abgelichtetes Objekt.

Übertragen auf das Leben könnte man sagen, dass das Urteil anderer oft mehr über sie als über einen selbst aussagt. Nicht, dass man es ignorieren sollte, aber man sollte im Bewusstsein behalten, dass dies nur eine Sicht von vielen ist – die, eines anderen.

Habt einen schönen Tag!