Scheisse!
Mein Wort
zur Nacht.
Unschön?
Ach was.
Kurz,
prägnant,
einprägsam!
Zu kurz gegriffen?
Absolut.
Aber:
Wen kümmert’s?
Feierabend.
Denkzeiten – Philosophie in Theorie und Praxis
Dr. Sandra von Siebenthal
Scheisse!
Mein Wort
zur Nacht.
Unschön?
Ach was.
Kurz,
prägnant,
einprägsam!
Zu kurz gegriffen?
Absolut.
Aber:
Wen kümmert’s?
Feierabend.
Wollte frei sein
stiess an Stäbe,
wollte fliehen,
sah die Tür.
Konnte rütteln,
konnte schreien,
kein Entkommen,
alles zu.
Bei dem Sehnen,
all dem Langen,
vergass ich eines,
sah es nicht.
Was ich hatte,
was auch gut war,
wär vergangen,
wär ich weg.
Frei von Ketten,
frei von Schönem,
kommt das Eine,
folgt der Rest.
Einen Preis,
muss ich wohl zahlen,
was mir bleibt,
ist meine Wahl.
Ich rieche dich
an mir
nehme dich
in meinen Traum
fühle dich
in mir
versinke
bleibe
verlieb dich nicht
in mich
reicht es nicht,
dass ich hier sitze?
ich mag nicht mehr,
es sitzt sich schlecht.
zieh deiner Wege,
freue dich.
ich sitze noch,
und geh dann auch
wohin auch immer.
kümmert es?
Keine Worte
Nur noch Fühlen.
Schreibe nieder,
streiche durch.
Fliege hoch
und tauche nieder.
Frage viel
und weiss doch nichts.
Wo führt es hin,
was wird es werden?
Es fehlt die Antwort,
fehlt das Ziel.
Gib mir ein Zeichen,
zeig’mir Wege.
Ich möcht’ sie sehen,
werde sie geh’n.
Was wirklich zählt?
Das ist nur eines:
Wir geh’n zusammen,
geh’n als wir.
Die Jugend ist ja gar verdorben,
was wird nur noch aus unsrem Morgen.
Es ist ein Elend – merkt euch des,
das sagte schon der Sokrates.
©Sandra Matteotti
Ich stelle mir vor,
das Wasser wäre deine Hand,
die mich zärtlich berührt,
sanft über meine Haut gleitet,
jeden Winkel erkundet.
Ich stelle mir vor,
der Schaum wäre dein Kuss,
der prickelt auf meiner Haut,
mir einen Schauer über den Rücken jagt,
indem er über meinen Körper perlt.
Ich stelle mir vor,
die Hitze, die mich durchdringt,
käme von dir,
weil deine Hände
und deine Küsse
tun, was sie tun.
Er nannte sie ne dumme Kuh,
sie warf nach ihm den linken Schuh.
Wieso es nicht der rechte war?
Den trug sie noch – das ist doch klar.
©Sandra Matteotti
Ich denke mir
das Leben bunt,
ertrinke doch
im Grau.
Ich töte Herz,
vernicht’ Verstand,
schliesse Ohren,
mache zu.
Es dröhnen Stimmen,
Dunkles drückt,
immer enger
wird die Welt.
Da wär so viel,
es muss so sein,
allein es dringt nicht
zu mir durch.
Die Decke kommt
bedenklich nah,
von unten drückt
der Boden.
Ich bin dazwischen,
wie bei Stühlen,
fall durch Maschen,
unter Grund.
Keine Netze,
doppelt Boden,
fangen mich
noch auf.
Ich liege da
die Augen zu,
und halt mich
an den Farben.
Sie sass hinter Gittern,
und sah all die Stäbe,
dahinter nichts wäre,
wie einst in Paris.
Sie suchte die Lücken,
und sah doch nur Stäbe,
der Blick wurde trübe
und sie ach so müd’.
Sie suchte den Ausweg,
flog hoch und fiel nieder,
die Flügel, sie brachen,
das Herz gleich damit.
So lag sie darnieder,
mit Dreck im Gefieder,
die Augen ganz schwer,
sie hoffte kaum mehr.
Nur ab und an drang noch,
ein Sonnenstrahl nieder,
fiel zwischen die Stäbe,
und brachte ihr Ruh’.
Wenn man aufhört, die Haare in der Suppe zu suchen, hat man den Blick frei für die schönen Seiten des Lebens.
Es war einmal ne Schnecke,
die blieb meist auf der Strecke,
weil alle bloss vorüber eilten,
und nie bei ihr verweilten.
©Sandra Matteotti
Er ist ein Mann mit Phantasie,
die er hegt, wie and’res nie.
So tanzt er stets durch alle Farben,
sieht den Alltag nur als graues Darben.
©Sandra Matteotti
Früher war alles besser. Da gab es noch ein Sommerloch. Alle waren in den Ferien, nichts passierte. Man nannte es auch Saure-Gurken-Zeit. Ich liebe saure Gurken eh, aber die Zeit noch mehr, denn: Es passiert nichts. Sicher nichts Schlimmes. Und nur darüber wird ja berichtet.
Wenn ich heute die Zeitung aufschlage – ok, das ist nicht korrekt, ich mache den Computer an – wobei, auch das ist nicht korrekt, denn ich gehöre zu den Unverbesserlichen, die diesen nie ausschalten, sondern nur morgens den Standby-Modus verlassen – aber das ist eine andere Geschichte für eine andere Gelegenheit. Fakt ist: Jeden Morgen kommt eine neue Horrormeldung.
Ich bin es langsam leid und ich will es nicht mehr hören. Es tut mir nicht gut und es ist nicht die Welt, in der ich leben will. Ich kann es nicht ändern.
Nun gibt es wohlmeinende Mitmenschen, die mir erklären wollen (von Statistiken unterlegt), dass mir im Haushalt viel mehr passieren kann . Statistisch gesehen ist die Gefahr eines Terroranschlags im Vergleich dazu verschwindend gering. Das mag sogar so sein. Nur sind im Verhältnis zur Weltbevölkerung auch viel mehr Menschen mit Haushalt beschäftigt, als sie an ein einzelnes Konzert gehen. Ich frage nun nicht, ob das berücksichtigt ist, das würde wohl überfordern, denn solche Theorien sind selten selber überprüft, sondern meist nur irgendwo unbedarft abgeschrieben.
Ich bin abgeschweift. Wo bitte ist das Sommer-Loch? Ich hätte das gerne zurück. Würde dazu ein leichtes Sommerweinchen trinken, den Abend geniessen, ein paar Mücken töten und mit dem guten Gefühl ins Bett gehen: Es ist alles wie gewohnt.
Vielleicht bin ich alt. Vielleicht habe ich zu viele Liebesschnulzen geschaut. Aber ja: Ab und an überkommt mich diese verdammte Sehnsucht nach ein wenig Ruhe und Normalität. Nach Alltag. Nach einem Tag, an dem einfach mal nichts passiert. Das wäre schön!
Man stelle sich das vor: Die Tageszeitung mit den vielen Bildern und den grossen Schlagzeilen schriebe:
Es war ein schöner Tag – nichts sonst.
Da war noch die Frau Leberwurst,
die trank oft einen übern Durst,
weil sie gar fürchterlich beleidigt war,
drum heisst sie so, das ist doch klar!