Wer hat die meisten Stühle – Genderfrage als Reise nach Jerusalem?

Maria Furtwängler hat eine Studie durchgeführt, die als Fazit hatte, dass im deutschen Fernsehen Frauen deutlich untervertreten sind. Auf zwei Männer kommt eine Frau. Wenn man in den sozialen Medien als Frau auf diese Studie und vor allem auf ein Interview, das der Moderator Claus Kleber im Rahmen der Nachrichtensendung Heute mit Maria Furtwängler machte, hinweist, dazu noch befindet, dass Herr Kleber die Interviewte mit ihrem Thema eher ins Lächerliche zieht, sind kritische Stimmen gleich da. Hier das Interview:

ZDF: Heute Journal

Ich befürworte den Diskurs und finde es gut, dass sich Menschen überhaupt einer Diskussion stellen. Was ich nicht verstehe ist, wie man allen Ernstes behaupten kann, dass Kleber die Studie Furtwänglers nicht ins Lächerliche zog. Dass er mehrmals die gleiche Frage mit anderen Worten stellte, welche schon beim ersten Mal verneint wurde und welche per se rational nicht positiv beantwortet werden könnte, kann nur zwei Dinge bedeuten:

  • Er findet die Interviewte und ihr Projekt lächerlich
  • Er denkt, das Publikum ist so doof, dass es nicht schon beim ersten Mal begriffen hat.

Ein Argument, das ich oft lesen musste nach all dem war das Quoten-Argument. Man wolle lieber Qualifikation als Kriterium als Geschlecht. Aber genau darum geht es doch. Ich bin auch nicht für Quoten. Wenn man aber mal die Ausbildungsstatistiken anschaut, schliessen immer mehr Frauen Studien ab und das auch noch besser als Männer. In verschiedenen Fächern. Verblöden die nach dem Abschluss? Ich meine, irgendwo muss das Wissen und die Kompetenz ja hin, die verdampft nicht einfach so. Klar kann man nun das Kinder-Argument bringen. Aber he: Männer kriegen die Kinder auch. Irgendwie. Klar geht es ohne mittlerweile – ich denke aber nicht, dass wir die Diskussion nun dahin ausdehnen müssen.

Ich war immer gegen Quoten, da ich es unsinnig finde, Positionen aufgrund des Geschlechts zu besetzen. Wenn man aber erlebt, dass ein Geschlecht wirklich benachteiligt wird bei gewissen Berufen (und das meine ich in beide Richtungen), dann finde ich das schlicht nicht angebracht und das stösst mir sauer auf. Und wenn dann einer dahin geht und ein solches Ansinnen ins Lächerliche zieht, indem er mehrmals dieselbe Frage stellt (die in dieser Form ganz klar zeigte, dass er es dahin zieht, weil das, was er erfragte, unmöglich ist und sie hat es auch mehrfach verneint), dann finde ich das auch nicht angebracht.

Ich habe nie darauf geachtet, ob ein Mann oder eine Frau etwas gemacht hat, mir ging es immer drum, dass es gut ist, mir gefällt. Ich schaue auch bei Literatur kaum auf das Geschlecht des Autors, ich lese wohl mehrheitlich Männer, dies auch aus dem Grund, dass ich viele Klassiker lese und da schlicht mehr Männer sind. Auch in dem Bereich gab es kürzlich einen Aufschrei: Frauen würden zu wenig berücksichtigt im Literaturzirkus. Ich weiss es nicht. Ich nehme da eigentlich mehrheitlich Frauen wahr, die gelobt werden – die Statistik scheint aber ein anderes Bild zu zeichnen. Wie gesagt, Quoten interessieren mich nicht, ABER:
Ich habe Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts selber erlebt und mehrfach beobachtet. Und da finde ich, da sollte man hinschauen und ernst genommen werden dürfen – nein müssen. Ganz vieles, was aber unter dem Namen „Gender“ läuft, geht mir mehr als auf den Senkel und ich denke, mit vielen Aktionen schadet man einem Bestreben der Gleichberechtigung mehr als dass man nützt, da man dann die gerechtfertigten Ansprüche durch die Lächerlichkeit anderer miteinfärbt. Ich bin mir natürlich des Umstands bewusst, dass die Grenze, was angebracht und was überzogen ist, oft subjektiv gezogen wird.

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6 Comments

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  1. Ich weiß nicht, ob Kleber die Umfrage ins Lächerliche ziehen wollte, aber er hat sich verhalten, als ob er persönlich mit dieser Studie angegriffen würde und das liegt wahrscheinlich eher an persönlichen Erfahrungen innerhalb seines Jobumfeldes, als an Furtwängler oder der Statistik. Mich sört viel eher die Tatsache, dass alle immer gutaussehend sein müssen, auch die Männer. Jugendlich, smart, eloquent und was nicht noch alles, nur um drei Sätze am Bildschirm zu sagen. Ich mag ja Typen lieber, wie Hajali oder ein paar andere, aber Alter ist da generell eine schwierige Sache. Zwar wird die TV Nation immer älter, aber gleichzeitig möchte man auch die Jugend begeistern, die aber bereits ihr Leben online gefunden hat. Für mich ist die Umfrage deshalb auch überflüssig gewesen, aber das Haus Burda hat ja die Mittel, also warum nicht ein wenig Politik damit machen.Letztendlich ist es mir total egal wieviel weibliche Stimmen Dokumentationen oder Kindersendungen sprechen, weil es ja noch das wirkliche Leben gibt und dies findet nicht in Glotzkästen statt, jedenfalls in meiner Welt!

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    • Der Jugendwahn geht für mich ins gleiche Kapitel. Bei uns werden Frauen um die 50 vom Bildschirm genommen, Männer dürfen alt werden (noch?). Es wird eine Scheinwelt von Jungen und Schönen präsentiert.

      Mir selbst ist es grundsätzlich egal, ob Frau oder Mann da sitzt, trotzdem fände ich Fairness wichtig bei der Stellenvergabe. Generell.

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  2. Die Art, wie Herr Kleber das Interview führte, hat mich sehr erbost, er ist Frau Furtwängler mehrmals ins Wort gefallen – für mich eine höchst rüde und respektlose Unsitte. Und ich hatte auch den Eindruck, dass er das Thema der Unterhaltung ins Lächerliche ziehen wollte.

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