Tagesgedanken: Haben und Sein

Früher sprach man von der Dritten Welt. Darin steckt eine Hierarchie von Welten, von den Siegerländern und den Verlierern, von denen, die etwas haben, und denen, die nichts oder zu wenig haben. Es steckt eine Arroganz in dieser Zuschreibung, die dem Missstand der Armut zu einem Versagen in westlichen Massstäben erklärt. Diese Massstäbe greifen auch innerhalb unserer Gesellschaften: Die Schere zwischen arm und reich ist nicht nur eine finanzielle, es ist auch eine soziale, eine der Zugehörigkeit. Klasse ist nicht einfach eine Hierarchie, sondern auch ein Indikator dafür, wo man hingehört, welche Möglichkeiten man hat und mit welchen Diskriminierungen man konfrontiert ist. Das Haben entscheidet über das Sein.

Weltlauf

Hat man viel, so wird man bald
Noch viel mehr dazu bekommen.
Wer nur wenig hat, dem wird
Auch das wenige genommen.

Wenn du aber gar nichts hast,
Ach, so lasse dich begraben –
Denn ein Recht zum Leben, Lump,
Haben nur die etwas haben.

(Heinrich Heine)

Das Bild, man könne alles schaffen, wenn man sich nur anstrenge, ist noch in vielen Köpfen. Dieses Bild sorgt dafür, dass die, welche arm sind, oft mit Verachtung gestraft werden: Sie haben sich nicht genug angestrengt, sie sind selbst schuld an ihrem Schicksal. Das ist nicht nur eine stark vereinfachte Sicht auf die Welt, es ist auch eine ungerechte. Gründe für Armut können vielfältig sein. Krankheiten können eine Ursache sein, aber auch Alter, Herkunft, Geschlecht, familiäre Situation spielen eine grosse Rolle. Gerade aus diesem Grund wäre es dringend nötig, unsere sozialen Systeme zu überdenken und sie so anzupassen, dass kein Mensch aus dem sozialen Leben ausgeschlossen ist, weil er aus finanziellen Gründen nicht mehr daran teilhaben kann. Auch Bildung und Gesundheitsvorsorge hängen stark an der sozialen Klasse. Zu beiden sollte ein gleichberechtigter Zugang für alle geschaffen werden. 

Noch immer sind es mehrheitlich Frauen, die unter all dem leiden. Sie leisten mehr unentgeltliche Haushalts- und Betreuungsarbeit, sie werden schlechter entlöhnt (aus diversen Gründen, die im Detail klar zu definieren sind), sie erhalten weniger Rente (mehrheitlich aus den vorher genannten Gründen). Das geht alle an, nicht nur die Betroffenen. 

„Ich denke nicht, dass wir Zustände der Ungleichheit und Ungerechtigkeit ändern, wenn sie immer nur von denen kritisiert werden dürfen, die darunter am meisten zu leiden haben. Unrecht muss von allen, von jede rund jedem, kritisiert werden, ganz gleich, ob es einen selbst oder die eigene Familie bevorteilt oder nicht.“ (Carolin Emcke)

Eigentlich geht es nicht um Mann oder Frau, es geht darum, dass wir in einem System leben, das nicht gerecht ist. Nur wirkt sich dieses System aktuell mehrheitlich auf Frauen aus, die über Jahrzehnte und Jahrhunderte unterdrückt und ausgebeutet wurden und heute noch werden. Das Ziel ist eine Gesellschaft, in der keiner unterdrückt oder ausgebeutet wird, egal, welches Geschlecht, welche Hautfarbe, Herkunft, Religion oder andere zum Ausschluss qualifizierende Eigenschaft er hat.

Alte weisse Frau

Ich bin ein Unmensch. Der zweitgrösste im System. Ich bin zwar eine Frau und damit eigentlich eine Unterdrückte im patriarchalischen System, aber ich bin weiss. Und damit bin ich nach dem alten weissen Mann die zweitgrösste Unterdrückerin und Rassistin. Allein meine Hautfarbe macht mich dazu. Der Rassismus ist mir durch die Geschichte und die mir gehörenden Privilegien, als weisse Frau in einem Land wie der Schweiz leben zu können, eingeschrieben. Wenn ich behaupte, nicht rassistisch zu sein, sondern im Gegenteil sogar gegen Rassismus zu schreiben, mich einzusetzen, ignoriere ich nur die Fakten, heisst es. Ich schaue nicht hin. Und ich habe mich nicht genug informiert.

Da sitze ich nun mit dem Stigma «weisse Frau» und frage mich, ob das nicht auch eine Form des Rassismus ist: Ich werde nicht als Individuum wahrgenommen und bewertet, sondern als Teil einer Gruppe schubladisiert und angeprangert. Aber auch darauf haben die selbsternannten Kämpferinnen (es sind mehrheitlich, wenn nicht fast ausschliesslich Frauen) eine Antwort: Es kann kein Rassismus sein, da ich nicht auf eine Jahrhunderte alte Geschichte der Unterdrückung zurückblicken kann. Ich war durch die Geschichte hinweg als weisser Mensch immer privilegiert. Den Feminismus, die Unterdrückung der Frau ignorieren wir nun mal, denn das ist zweitrangig. Ich bin in meinem Opferstatus – wir sind alle per se definierte Opfer – weniger wert als eine schwarze Frau. Es steht mir nicht zu, auf Missstände hinzuweisen, die ich in der Gesellschaft sehe, da diese allesamt viel weniger ins Gewicht fallen als die, mit welchen schwarze Menschen, allen voran schwarze Frauen zu kämpfen haben.

Nun möchte ich keineswegs behaupten, es gäbe keinen Rassismus und es gäbe keine Menschen, die ihn am eigenen Leib auf grausamste Weise erfahren müssen. Er existiert und jeder Fall ist einer zu viel. Auch sitzt er sicher in vielen Köpfen fest, manifestiert sich in deutlichen und weniger deutlichen Zeichen. Dass dies thematisiert werden muss, steht ausser Frage. Es steht auch ausser Frage, dass wir hinschauen müssen als Nicht-Betroffene und zuhören müssen, wenn Betroffene davon erzählen. Sie müssen eine Stimme haben und gehört werden. In meinen Augen wäre es sinnvoll, wenn wir dann gemeinsam hinstehen und etwas dagegen tun würden. Ich bin der Überzeugung, dass man mit vereinten Kräften mehr erreicht als allein, dass man mit Blick auf das Verbindende statt immer auf das Trennende weiter kommt auf dem Weg hin zu einer (sozial) gerechten Welt.

Nun gibt es im Netz auch Stimmen, die finden, ich hätte gefälligst zu schweigen zu Rassimus, da er mich nicht betreffe. Ich müsste mich – so diese Stimmen – still und voll Scham über meine Hautfarbe und Schuld wegen meiner Herkunft in die Ecke setzen und reuig die Anschuldigungen anhören. Ich müsse mich entschuldigen dafür, dass ich weiss bin und damit Teil eines unterdrückenden Systems. Das allerdings werde ich nicht tun. Ich bin in diese Welt geworfen worden wie jeder andere Mensch auch. Ich habe mir weder Herkunft noch Hautfarbe ausgesucht, habe versucht, mit allem, was ich kann, bin und will, ein guter Mensch zu sein. Ich habe mich für Gerechtigkeit eingesetzt, stehe hin, wenn ich Unrecht sehe, helfe, wenn ich kann. Es ist sicher so, dass auch mir Fehler unterlaufen sind, dass auch ich unsensibel gehandelt oder gesprochen habe. Ich bin froh, wenn man mich darauf aufmerksam macht, ich lerne gerne dazu. Ich schätze den offenen Dialog, höre gerne andere Argumente, prüfe sie, ändere meine, wenn ich mich im Irrtum sehe. Ich möchte das gleiche Recht aber auch haben.

Ich wünsche mir eine Welt von Menschen unter Menschen. Ich möchte eine Welt, in der jedes Individuum gesehen wird, wie er ist, nicht was er ist. Wir alle haben uns nicht ausgesucht, wo und womit wir auf die Welt kamen, wir haben es dann aber – mehr oder minder – in der Hand, der zu werden, der wir sein wollen. Wir sind in erster Linie nicht weiss, schwarz, schwul, Frau, Mann oder Juden, wir sind in erster Linie existierende Wesen, Menschen. Würden wir uns als das begegnen, müssten ganz viele Kämpfe wohl nicht ausgefochten werden.

Nun weiss ich auch, dass wir davon weit entfernt sind. Nur: Wir werden nie dahin kommen, wenn wir immer wieder neue Fronten aufmachen, wenn wir neue Gegensätze bilden, wenn wir uns gegen immer wieder andere abgrenzen. Das Verbindende wird uns zu Menschen unter Menschen machen, nicht das Trennende. Im Wissen, dass die Energie immer der Aufmerksamkeit folgt, sollten wir unseren Fokus darauf legen.

Susan Arendt: Rassismus begreifen

Vom Trümmerhaufen der Geschichte zu neuen Wegen

Inhalt

«Die Meinungsfreiheit lässt ausreichend Raum dafür, etwas als rassistisch oder eben auch nichtrassistisch zu bezeichnen. Am Ende aber ist Rassismus keine Meinung, sondern eine Macht und Herrschaftsstruktur, die vermittels Privilegierung und Diskriminierung Leben bewertet, beeinflusst, beeinträchtigt und beendet.»

Rassismus ist ein Thema, das uns seit vielen Jahrzehnten beschäftigt und nie ganz zum Verschwinden gebracht werden konnte. Zwar gab es immer wieder Bewegungen, die sich dagegen einsetzten, es wurden auf verschiedenen gesellschaftlichen und auch politischen Ebenen Fortschritte erzielt, doch sind auch heute noch rassistisches Verhalten und rassistisch motivierte Gewalt an der Tagesordnung.

Susan Arndt geht dem Thema Rassismus auf den Grund, sie analysiert dessen Entstehungsgeschichte und die gegenwärtige Situation, um so zu einem besseren Verständnis kommen, da nur dieses helfen wird, Rassismus erfolgreich zu bekämpfen.
 
Weitere Betrachtungen

«Zur Geschichte der Menschheit gehört es, dass sich Gesellschaften immer wieder geopolitisch voneinander abgrenzen – mit allen dazugehörigen Konflikten und Kriegen, Eroberungen und Okkupationen, Ent- und Besiedlungen sowie Erzählungen, dass die Anderen anders seien. kulturell, religiös oder körperlich, in gegebenen Verschränkungen.»

Gruppen definieren sich durch das Gemeinsame, welches sie gerne dadurch besonders herausschälen, dass sie sich von anderen abgrenzen. Die Anderen sind dann die, welche abgewertet werden müssen, um die eigene Gruppe an die Macht zu stellen. Dies ist im Laufe der Geschichte immer wieder passiert, dieses Denken hat sich kulturell und sozial tief eingegraben. Dass etwas, das so lange gewachsen ist, sich in den einzelnen Köpfen sowie in gesellschaftlichen und politischen Institutionen festgesetzt hat, liegt auf der Hand.

„So wie Frauen nicht als Frauen geboren, sondern dazu gemacht werden… werden auch Männer vom Patriarchat dazu geformt, wie Männer zu ticken. Analog dazu werden Menschen beispielsweise in Schwarze oder weisse Positionen hineinsozialisiert – ob sie nun (so) möchten oder nicht. …Diese existieren unabhängig davon, ob sie wahrgenommen oder reflektiert werden.“

Argumente wie dieses hört man heute oft von postmodernistischen VertreterInnen der sogenannten Social-Justice-Aktivistinnen. Es wird damit ein Menschenbild zementiert, das dem Menschen die Selbstreflexion und die Möglichkeit einer Veränderung, wo nötig und gewünscht, absprechen. Ein so geartetes Menschenbild schreibt alle Macht gegebenen Strukturen zu, welchen der Mensch hilflos ausgeliefert ist. Das ist eine bedenkliche und von mir abgelehnte Sicht. Ich bin der Überzeugung, dass der Mensch durchaus in der Lage ist, sein Tun zu hinterfragen (ich behaupte nicht, dass dies in jedem Fall passiert) und sich entsprechend zu verhalten. Ansonsten wäre eine Verbesserung von gegenwärtig als Missstand wahrgenommenen Situationen gar nicht möglich. Die Geschichte zeigt, dass dies nicht stimmt.

«Weil es der Lebenssinn des Rassismus ist, aus dem Herzen von weisser Macht und Herrschaft heraus weisse Überlegenheit zu behaupten und Weisse zu privilegieren, können Schwarze, die das anzweifeln oder gar Schwarze Überlegenheit postulieren, nicht rassistisch sein.»

Auch dieses Argument ist abzulehnen. Es wäre ein Messen mit unterschiedlichen Massstäben. Zwar ist es in der Tat so, dass – gerade durch die Geschichte – die weissen Privilegien durchaus mehr vertreten sind, der Rassismus auch heute noch oft von Weissen ausgeht, doch zeigt auch da die Geschichte, dass nicht „nur“ die Hautfarbe Grund für Rassismus ist, und dass es nicht vertretbar ist, einem Menschen aufgrund seiner Zugehörigkeit welcher Art auch immer Eigenschaften zuzuschreiben.
 
 
Persönlicher Bezug

«Rassismus ist ein System, und in diesem tragen Individuen zwar Mitverantwortung, können es aber auch nicht einfach so verlassen. Umgekehrt heisst das, dass Rassismus zwar nicht durch ein blosses Wollen Einzelner ad acta gelegt werden kann, es aber dennoch auf jede*n ankommt. Es bedarf also systemischer Prozesse, die individuell mitgetragen werden, und individueller Initiativen, die systemische Prozesse anstossen und tragen.»

Ich habe in diesem Buch oft die postmodernistische Sicht auf das Problem des Rassismus beanstandet, da es einerseits zu Widersprüchen im Buch selber führte, andererseits auch eine Rollenverteilung in Stein meisselt, die einerseits auf einem falschen Menschenbild beruht, wie ich denke, andererseits aber keinem hilft. Indem man versucht, Schwarze zu Opfern, Weisse zu Tätern zu machen, nimmt man beiden die Möglichkeit einer Selbstwirksamkeit. Schwarze könnten sich nach dieser Sicht nie selber wehren, sie bedürften eines Systems, das sich ihnen annimmt und für sie die Steine aus dem Feuer holt. Das würde die Schwarzen zu unmündigen, hilflosen Wesen machen und sie in ihrem Selbstverständnis herabsetzen. Weisse dahingegen wären in ihrer Täterrolle, die sie – so heisst es – oft gar nicht sehen, festgeschrieben und könnten sich nicht verändern, da alles, was sie tun, durch ihr Weiss-Sein bereits rassistisch wäre.

Ich bin der Meinung, dass Rassismus durchaus noch ein systembedingtes, strukturelles Problem ist, da das Denken noch in zu vielen Köpfen sitzt. Es ist aber auch ein individuelles, indem jeder selber für sein Denken und Tun insofern verantwortlich gemacht werden muss, dass es ihm frei steht, es zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern. Insofern vertrete ich die Ansicht, dass wir auf allen Ebenen ansetzen müssen: Der Mensch selber muss sein eigenes Tun hinterfragen, dazu bedarf es des Bewusstseins für die Missstände und die eingeprägten Sichtweisen. Dieses Bewusstsein zu schaffen ist wichtig und nötig und da können aufklärerische Texte helfen. Es braucht aber auch eine Analyse der heutigen Systeme, um unterschwellig vorhandenen Rassismus aufzudecken und zu bekämpfen. Dies können wir nur gemeinsam schaffen, Schwarze und Weisse, die miteinander für die eine gerechte Gesellschaft einstehen.

Fazit
Ein grundsätzlich informatives, ausführliches, gut recherchiertes Buch über Rassismus, was er bedeutet und wie er entstanden ist. Dabei zu oft mit postmodernistischen Argumenten agierend, was zu Widersprüchlichkeiten führt. Empfehlenswert.
 
Autorin
Susan Arndt ist Professorin für englische Literatur- und Kulturwissenschaft und Anglophone Literaturen an der Universität Bayreuth.
 
 
 
Angaben zum Buch
Herausgeber: C.H.Beck; 1. Edition (2. November 2021)
Gebundene Ausgabe: 477 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3406765544
 
 

Carolin Emcke: Gegen den Hass

Inhalt

„Der Hass richtet sich das Objekt des Jasses zurecht. Es wird passgenau gemacht.“

Was geht in Menschen vor, die andere bedrohen, angreifen, verletzen, abwerten? Was bewegt Menschen, anderen Leid anzutun, nur weil sie von dem abweichen, was man selber als Norm gesetzt hat? Wir scheinen in einer Welt zu leben, die Pluralität ausschliessen möchte, um unter Gleichen gefühlt sicher zu leben. Dass damit eine Demokratie nicht lebbar ist, ist das Eine, das Andere ist, dass wir auf diese Weise kein friedliches Miteinander erreichen werden als Gesellschaft.

Carolin Emcke geht der Frage nach dem Hass nach, sie hinterfragt die Beweggründe und Muster desselben, zeigt auf dessen Auswirkungen für einzelne Menschen, die Gesellschaft und das politische System. Sie ruft auf zu mehr Mut zum Widerstand, zur Akzeptanz von Pluralität und zu einer humanistischeren Haltung.

Weitere Betrachtungen

„Sie müssen sich sicher sein. Ohne jeden Zweifel. Am Hass zweifelnd lässt sich nicht hassen. Zweifelnd könnten sie nicht so ausser sich sein. Um zu hassen braucht es absolute Gewissheit. Jedes Vielleicht wäre da störend. Jedes Womöglich unterwanderte den Hass, zöge Energie ab, de doch gerade kanalisiert werden soll. Gehasst wird ungenau.“

Hass ist ein starkes Gefühl und dahinter steckt eine Sicherheit, dass er gerechtfertigt ist. Das Bild steht, die Meinung ist gemacht, der Andere ist der Feind und man kann diesem nur mit Hass begegnen, da er das Eigene gefährdet. So wenig differenziert und doch so in Stein gemeisselt erscheint die Gesinnung, die sich als Rassismus und Fanatismus äussert.

„Gehasst wird aufwärts oder abwärts, in jedem Fall in einer vertikalen Blickachse, gegen „die da oben“ oder „die da unten“, immer ist es das kategorial „Andere“, das das „Eigene“ unterdrückt oder bedroht…“

Feindbilder verbinden und trennen. Sie verbinden die Einen mit den Gleichgesinnten, den Mithassern, weil allen gemeinsam das Feindbild der Anderen ist, gegen welche sie mit vereinten Kräften vorgehen in ihrem Hass.

„Um dem Hass und dem Fanatismus mit Reinheit zu begegnen, braucht es aber auch zivilgesellschaftlichen (und zivilen) Widerstand gegen die Techniken des Ausgrenzens und Eingrenzens, gegen die Raster der Wahrnehmung, die manche sichtbar und andere unsichtbar machen, gegen die Blick-Regime, die Individuen, nur noch als Stellvertreter von Kollektiven gelten lassen. Es braucht mutigen Einspruch gegen all die kleinen und gemeinen Formen der Demütigung und der Erniedrigung ebenso wie Gesetze und Praktiken des Beistands und der Solidarität mit denen, die ausgeschlossen werden.“

Wir können dem nur begegnen, wenn wir aufhören, Fronten zu bilden, wenn wir das Trennende durch das Verbindende ersetzen. Wir müssen uns bewusst werden, wo Aus- und Eingrenzungen stattfinden, müssen hinter diese Mechanismen blicken und die sie auslösenden Annahmen entkräften. Wir müssen wieder beginnen, Menschen als Individuen zu sehen und nicht als Vertreter eines (fremden und deswegen abgelehnten) Kollektivs. Wir müssen hinschauen, wenn Menschen gedemütigt und diskriminiert werden und uns dagegen stellen. Schweigen ist feige, Schweigen über Hass, Rassismus und Fanatismus, über Gewalt und Diskriminierung ist im Grunde Unterstützung von alledem.

„Nur wenn die Raster des Hasses ersetzt werden, nur wenn „Ähnlichkeiten entdeckt (werden), wo vorher nur Differenzen gesehen (wurden), kann Empathie entstehen.“

Persönlicher Bezug

„Du willst, dass es aufhört. Du willst nicht, dass nur manche sichtbar sind, nur diejenigen, die irgendeinem Ebenbild entsprechen, das jemand einmal erfunden und als Norm ausgegeben hat. Du willst, dass es reicht, ein Mensch zu sein, dass es keine weiteren Eigenschaften oder Merkmale braucht, um gesehen zu werden… Du willst, dass es aufhört, weil es eine Kränkung für alle ist, nicht nur für diejenigen, die übersehen und zu Boden gestossen werden.“

Es fängt vieles schon bei uns selber an. Wenn wir uns selber hassen, stufen wir uns automatisch tiefer ein als andere und der Umstand, dass die Anderen dann über uns stehen, gibt ihnen quasi mehr Wert und damit mehr Rechte – zu Unrecht. Kein anderer hat das Recht auf unsere Psyche oder unseren Körper. Was so offensichtlich klingt, ist im Alltag vieler nicht so einfach. Wir leben in Systemen, welche Wertverteilungen und Marginalisierungen in sich tragen und die in diesen Systemen Lebenden bis tief ins Unbewusste prägen. So sind wir uns der eigenen Abwertung oft nicht bewusst. Und genauso unbewusst fallen Abwertungen anderer aus – wir verhalten uns in einer kulturell geprägten Art und unterstützen damit immer weiter die strukturelle Gewalt.

So gesehen sind wir nicht einfach Opfer einer Kultur, wir haben einiges selber in der Hand. Aber wir leben in ebendieser Kultur und müssen ihre zugrundeliegenden Muster und Prägungen aufdecken und durchbrechen, um zu einer Veränderung zu kommen.

Fazit
Ein analytisches, differenziertes, ausführliches Buch über die gefährlichen Mechanismen und Auswirkungen von Ausgrenzung, Diskriminierung und Hass. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Carolin Emcke, geboren 1967, studierte Philosophie in London, Frankfurt/Main und Harvard. Sie promovierte über den Begriff »kollektiver Identitäten«.Von 1998 bis 2013 bereiste Carolin Emcke weltweit Krisenregionen und berichtete darüber. 2003/2004 war sie als Visiting Lecturer für Politische Theorie an der Yale University.Sie ist freie Publizistin und engagiert sich immer wieder mit künstlerischen Projekten und Interventionen, u.a. die Thementage »Krieg erzählen« am Haus der Kulturen der Welt. Seit über zehn Jahren organisiert und moderiert Carolin Emcke die monatliche Diskussionsreihe »Streitraum« an der Schaubühne Berlin. Für ihr Schaffen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Theodor-Wolff-Preis, dem Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus, dem Lessing-Preis des Freistaates Sachsen und dem Merck-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 2016 erhielt sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Bei S. Fischer erschienen ›Von den Kriegen. Briefe an Freunde‹, ›Stumme Gewalt. Nachdenken über die RAF‹, ›Wie wir begehren‹, ›Weil es sagbar ist: Über Zeugenschaft und Gerechtigkeit‹ sowie ›Gegen den Hass‹.

Angaben zum Buch
Herausgeber: FISCHER Taschenbuch; 3. Edition (23. Mai 2018)
Taschenbuch: 240 SeitenISBN-Nr.: 978-3596296873

Mithu M. Sanyal: Vergewaltigung

Inhalt

„Vergewaltigung ist eine Form von sozialer Performance: Sie ist hochritualisiert. Sie variiert von Land zu Land und zwischen unterschiedlichen Zeiten. An Vergewaltigung ist nichts Zeitloses oder Zufälliges. Ganz im Gegenteil sind Vergewaltigung und sexuelle Gewalt tief in konkreten politischen, ökonomischen und kulturellen Umständen verwurzelt.“ (Joanna Bourke, Historikerin)

Über Vergewaltigung zu sprechen, ist nicht leicht für die Betroffenen, zu tief sitzen Scham- und Schuldgefühle. Vergewaltigung ist ein gewaltsamer Eingriff in die persönliche (körperliche und psychische) Integrität eines Menschen (mehrheitlich einer Frau) und es ist wichtig, dass wir einen Umgang damit finden, der Opfern eine Sprache gibt.

Mithu M. Sanyal analyisert in diesem Buch die historischen Umstände, die zu einer Kultur führten, in welcher Vergewaltigungen stattfinden. Sie zeigt auf, wie über Jahrhunderte Frauen abgewertet und damit zum Objekt für den Mann gemacht wurden. Sie erläutert, inwiefern eine Vergewaltigung nicht einfach ein einzelner gewaltsamer Akt ist, sondern ein strukturelles Problem. Zudem entwickelt sie Perspektiven, wie man dieses Problem auf individueller und struktureller Ebene verhindern kann.

Weitere Betrachtungen

„Ereignisse mögen objektiv sein, ihre Verarbeitung und Bewertung ist abhängig von einer ganzen Reihe persönlicher Faktoren (wie Ressourcen und Resilienz) und sozialer Bedingungen (Umfeld, Kultur, gesellschaftliche Wertvorstellungen etc.).“

Je nach sozialem Umfeld, nach dem eigenen Stand in der Gesellschaft und im Leben, trifft eine Vergewaltigung das Opfer anders und fällt die Auseinandersetzung damit schwerer. Studien zeigen, dass je nach Status in der Gesellschaft Opfer mehr oder weniger Misstrauen entgegenschlägt, dass auch die Art einer Vergewaltigung und inwiefern sie dem kulturellen Bild einer solchen entspricht, die Glaubwürdigkeit beeinflusst. Des Weiteren spielt auch die persönliche Veranlagung eine grosse Rolle im Umgang mit sexueller Gewalt.

„Sprache spielt nicht nur eine zentrale Rolle dabei, wie wir Vergewaltigung be- und verurteilen, sondern auch dabei, wie wir sie verarbeiten. Wir brauchen Narrative, um uns die Dinge, die uns geschehen, zu erklären, um sie erinnern zu können, und um unsere Innenwelt für die Aussenwelt sichtbar zu machen.“

Sexualität ist per se ein Tabu in unserer Gesellschaft, die weibliche sowieso, wird sie doch verneint, verteufelt oder aber verschwiegen. Das führt dazu, dass uns die Sprache fehlt, über solche Dinge zu sprechen. Sie fehlt umso mehr, wenn es darum geht, von Gewalt in dem Bereich zu sprechen, da Schuld und Scham Schweigen befördern. Es kann nicht gesagt werden, wofür man keine Worte hat, es kann auch nicht gesagt werden, wovon man fürchtet, dass es nicht gehört werden will oder gar verurteilt werden wird. Sanyal weist auf Susan Brownmillers Satzung hin,

„…, dass Vergewaltigung nichts mit Sex zu tun habe, sondern alles mit Gewalt. Das war wichtig, weil sie damit klarstellte, dass Vergewaltigung nicht eine Spielart von Sexualität ist, sondern ein Verbrechen.“

Sexualität findet dann statt, wenn ein Konsens besteht, dass alle beteiligten Parteien das gleiche wollen. Ist dem nicht so, ist es keine Sexualität mehr, sondern Gewalt. Diese Unterscheidung ist wichtig, um eine Vergewaltigung als das zu sehen, was sie ist: Ein gewaltsamer Akt gegen einen Menschen. Daraus resultiert auch, dass der so zum Opfer gewordene Mensch keine Schuld trägt, weder durch seine Kleidung, sein Aussehen, sein Verhalten oder andere Eigenschaften. Jemand, der ein Nein nicht als Nein akzeptiert, verstösst gegen die Integrität eines anderen Menschen, verletzt seine Würde, zerstört ihn in seinem Wunsch auf Heil-Sein.

Persönlicher Bezug

„[bell] hooks erklärt […], dass die Fähigkeit, sich selbst und andere zu lieben und zu wertschätzen, ein elementarer Schritt zur Dekolonialisierung unserer Körper und Psychen ist. Schliesslich ist ein zentraler Aspekt von struktureller Unterdrückung, Menschen zu vermitteln, dass sie nicht denselben Wer haben – und damit nicht derselben Form der Liebe wert sind – wie weniger marginalisierte Gruppen.“

Es fängt vieles schon bei uns selber an. Wenn wir uns selber hassen, stufen wir uns automatisch tiefer ein als andere und der Umstand, dass die Anderen dann über uns stehen, gibt ihnen quasi mehr Wert und damit mehr Rechte – zu Unrecht. Kein anderer hat das Recht auf unsere Psyche oder unseren Körper. Was so offensichtlich klingt, ist im Alltag vieler nicht so einfach. Wir leben in Systemen, welche Wertverteilungen und Marginalisierungen in sich tragen und die in diesen Systemen Lebenden bis tief ins Unbewusste prägen. So sind wir uns der eigenen Abwertung oft nicht bewusst. Und genauso unbewusst fallen Abwertungen anderer aus – wir verhalten uns in einer kulturell geprägten Art und unterstützen damit immer weiter die strukturelle Gewalt.

So gesehen sind wir nicht einfach Opfer einer Kultur, wir haben einiges selber in der Hand. Aber wir leben in ebendieser Kultur und müssen ihre zugrundeliegenden Muster und Prägungen aufdecken und durchbrechen, um zu einer Veränderung zu kommen.

Fazit
Ein analytisches, differenziertes, ausführliches Buch über den Begriff der Vergewaltigung, deren Hintergründe und Bedingungen. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Dr. Mithu Melanie Sanyal ist Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Journalistin sowie Referentin für Genderfragen und Dozentin an verschiedenen Universitäten. Sie schreibt für WDR, SWR, Deutschlandfunk, Der Spiegel, The Guardian, taz, Missy Magazine, Vice etc. Ihre Bücher »Vulva« (2009) und »Vergewaltigung« (2016) wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Die englische Ausgabe »Rape« wurde 2017 mit dem Preis Geisteswissenschaften International ausgezeichnet. 2021 erschien ihr Roman »Identitti« (Hanser). Im selben Jahr erhielt Mithu Sanyal den Ernst-Bloch-Preis der Stadt Ludwigshafen.

Angaben zum Buch
Herausgeber: Edition Nautilus GmbH; 3. Edition (23. November 2020)
Taschenbuch: 256 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3960542452

Susan Arendt: Sexismus

Geschichte einer Unterdrückung

Inhalt

«Dem Buch geht es darum, Sexismus als etwas Systemisches zu verstehen und entsprechend zu fragen, was ihn im Kern zusammenhält. Im Zentrum steht dabei die These, dass Sexismus an Macht gebunden ist, die auf dem Postulat der binären Zweigeschlechtlichkeit aufgebaut und dadurch patriarchalische Herrschaft ermöglicht.»

Die gesellschaftlich verteilte Macht an die heterosexuellen Männer führt zur Unterdrückung von Frauen, homo-, intersexuellen und transgeschlechtlichen Menschen. Susan Arndt versucht die dahinter liegenden Mechanismen zu analysieren, indem sie auf die biologische Erklärung der Zweigeschlechtlichkeit eingeht, die daraus resultierenden sozialen Deutungen herausarbeitet und die darauf fussenden Moral- und Rechtsvorstellungen beschreibt. In der Folge werden Massnahmen aufgezeigt, die helfen, das System zu durchbrechen, dies auf gesetzlicher, sozialer und individueller Ebene.

Weitere Betrachtungen
Anhand von persönlichen Erlebnissen und sachlichen Referenzen zeigt Susan Arendt, wie präsent Sexismus in der heutigen Gesellschaft ist. Es sind nicht nur die offensichtlichen (oft gewaltsamen) körperlichen Übergriffe, es fängt schon viel früher an.

«Sexuelle Belästigung umfasst also ein breites Spektrum von Handlungen. Physische Übergriffe und diskriminierende Vokabeln sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Auch verbale Übergriffe wie Witze, Kommentare, Erzählungen über Sexualität oder (vermeintliche) Komplimente gehören zum Gesamtbild.»

Wie oft hört man als Frau, wenn man sich wehrt, man sei empfindlich, das sei nur ein Witz? Auch die Aussage, man dürfe bald keine Komplimente mehr machen, wenn man nicht inhaftiert werden wolle, ist eine gern geäusserte. Aber: Will Mann wirklich sagen, dass er so dumm ist, so wenig Feingefühl hat, um nicht zu merken, wo etwas angebracht, gar gewünscht ist, und wo nicht? Ich traue Männern mehr zu. Leider lassen sich viele Frauen von solchen Aussagen einschüchtern oder fühlen sich gar schuldig, schämen sich. Ein Teufelskreis. Bücher wie das von Susan Arendt können da helfen, ein grösseres Bewusstsein zu schaffen dafür, dass es Grenzen gibt und diese eingehalten werden müssen.

«Bis in die letzten Zipfel der weissen deutschen Männer*gesellschaft hinein wissen die meisten offensichtlich sehr wohl, dass es sich nicht gehört, Frauen* anzugrapschen oder verbal übergriffig zu werden. Dennoch tun dies viel zu viele im Windschatten der sexistischen Sozialisation und der sie tragenden Institutionen und Strukturen, Wissensparadigmen und Grundsätze. »

Das grösste Problem bei all dem ist wohl, dass hinter jedem einzelnen Mann, der sich übergriffig verhält, ein System steht, welches ihn schützt. Dieses System ist über Jahre gewachsen und hat kein Interesse daran, gestürzt zu werden. Dass zum Selbstschutz also oft mit harten Bandagen, subtilen Mitteln und machtvollen Argumenten gekämpft wird, liegt auf der Hand.

«In konsequenter Fortführung des Anspruchs darauf, Diskriminierung in gegebenen Komplexitäten zu diskutieren, adressiert Intersektionalität in seiner aktuellen Dimension aber nicht nur die Verschränkung von Rassismus und Sexismus, sondern alle Facetten der Mehrfachdiskriminierung: Sexismus, rassistische Verortungen, Religion, soziale Schichten, Nation, Gesundheit, Dis*ability, Körpernormen, Ethnizität, Alter wirken ineinander, ohne auseinanderdividiert werden zu können.»

Nie aus den Augen verlieren dürfen wir aber, dass Frausein nicht der einzige Grund für Unterdrückung ist. Alles, was nicht der landläufigen Norm entspricht, läuft Gefahr, Diskriminierung zu erleben. Meistens kumuliert sich dies noch, wenn verschiedene Punkte in einem Menschen vereint sind.

Susan Arndt ist ein tiefgründiges, sachliches und fundiert recherchiertes Buch gelungen, das auf die Auswüchse des Sexismus in der heutigen Gesellschaft aufmerksam macht und diese durchleuchtet. Dass all dies nicht auf Kosten der Lesbarkeit geht, zeichnet das Buch zusätzlich aus aus.

Persönlicher Bezug

«Sexismus ist eine Machtstruktur mit System, in das alle strukturell und diskursiv eingebunden sind, ganz egal, ob das nun jemand will oder nicht. Alle durchlaufen in gemeinsam geteilten Räumen konkreter historischer Zeiten ähnliche Sozialisierungsmuster; alle werden unterschiedlich stark davon geprägt und gebrochen. Alle stecken ein und alle teilen aus… Es geht also nicht um Schuldzuschreibungen, aber es geht um MitVerantwortung.»

Ich war in meinem Leben oft Sexismus ausgesetzt. Vom übergriffigen Chefredaktor einer grossen Schweizer Zeitung über eine Professorin, welche fand, als Frau und Mutter könne ich keine Dissertation schreiben, bis hin zu Bemerkungen, ich hätte meine Prüfungen wohl nur aufgrund eines kurzen Rockes geschafft, war alles dabei (und noch so vieles mehr). Trotzdem denke ich, ist es zu kurz gegriffen, die alleinige Schuld dem Mann in die Schuhe zu schieben und ihn zum Summum Malum zu erklären.

Wir alle sind Kinder einer Zeit und einer Gesellschaft. Das Einzige, was wir tun können, ist hinschauen, bewusst wahrnehmen, was läuft und die Missstände angehen. Gemeinsam und nicht gegeneinander.

Fazit
Ein informatives, ausführliches, gut recherchiertes, sachliches Buch über Sexismus, was er bedeutet, wie er entstanden ist und was wir als Gesellschaft brauchen, die ihn befördernden Strukturen aufzubrechen. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Susan Arndt ist Professorin für englische Literatur- und Kulturwissenschaft und anglophone Literaturen an der Universität Bayreuth.

Angaben zum Buch
Herausgeber: ‎ C.H.Beck; 1. Edition (17. September 2020)
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
ISBN-Nr.: ‎ 978-3406757976

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort und online u. a. bei AMAZON.DE und ORELLFUESSLI.CH

Carolin Emcke: Ja heisst ja und…

Ein Monolog

Inhalt

«Ich schreibe, als ob ich murmeln würde: leise, mehr vor mich hin als schon an andere gerichtet. Es ist eher ein Nachdenken mit der Tastatur. Schreibend denkt es sich genauer.»

Die #MeToo-Debatte hat ein Thema zum Gespräch gemacht, das vorher totgeschwiegen wurde: Sexuelle Gewalt. Wie werden Machtstellungen missbraucht, um Menschen auszunutzen? Wo kommt diese Gewalt her und wie können wir die zugrundeliegenden Strukturen entlarven und aufbrechen? Wie können wir unsere Welt zu einer sichereren für alle machen, zu einer, in welcher wir gleichberechtigt miteinander leben?

Carolin Emcke nimmt sich diesen Fragen an, obwohl sie schon am Anfang weiss, dass es schwer sein wird, abschliessende Antworten zu finden. Anhand von persönlichen Erlebnissen und Analysen der Gesellschaft, versucht sie die komplexen Verhältnisse von Macht, Gewalt, Sexualität und Lust zu durchdringen. Entstanden ist ein Monolog, der zum Dialog mit dem Leser aufruft.

Weitere Betrachtungen

«Um etwas kritisieren zu können, muss man es sich vorstellen können und wollen. Um sich etwas vorstellen zu können, muss man es benennen können. Wenn Gewalt abstrakt bleibt, wenn es für sie keine konkreten Begriffe und Beschreibungen gibt, bleibt sie
unvorstellbar,
unwahrscheinlich,
unantastbar.»

Viele Themen werden todgeschwiegen, als denke man, sie existieren nicht, wenn man nicht darüber spricht. Dazu kommt, dass Themen wie Sexualität und sexueller Missbrauch mit Scham und oft auch Schuld behaftet wird. Das ist bei der einvernehmlich gelebten Sexualität schon schade, aber bei sexueller Gewalt ist es verheerend. Wenn Opfer von Missbrauchserfahrungen zum Schweigen verdammt sind, weil sie nicht wissen, wie und mit wem sie über ihre Erfahrung reden können, wenn sie keine Worte dafür haben, was passiert ist, keine Sprache, die Tat und Leid abbilden, bleiben sie damit allein, ungesehen, verletzt.

«Ist ahnungslos, wer erwartet, nicht gedemütigt zu werden?
Ist selbst schuld, wer erwartet, nicht belästigt zu werden?»

Zur Sprachlosigkeit kommt die Angst: Wenn Opfer von sexueller Gewalt befürchten müssen, dass ihnen nicht geglaubt wird, man sie selber oft zum (Mit-)Schuldigen macht, werden sie es sich zweimal überlegen, ob sie das tun sollen, da sie dadurch quasi einen zweiten Missbrauch erleben würden. Sexuelle Gewalt ist nie die Schuld des Opfers, egal, ob dieses einen kurzen Rock trug, sich in düsteren Etablissements aufhielt (zumal der häufigste Missbrauch im Freundes- und Familienkreis vorkommt) oder dergleichen. Sexueller Missbrauch ist ein Unrecht, ist eine begangene Tat von einem Täter, welcher allein die Schuld daran trägt. Solange dieses nicht endlich in allen Köpfen angekommen ist, werden Opfer sich zusätzlich zur Tat auch noch mit Schuld- und Schamgefühlen quälen.

«Ohne die Fähigkeit und Möglichkeit des Nachdenkens jenseits der eigenen Bedürfnisse, jenseits der eigenen Gruppe, Klasse, Lebensform, ohne das Entwickeln von Begriffen und Vergleichen zwischen unterschiedlichen Erfahrungen kann keine Gerechtigkeit, keine Anerkennung, keine Freiheit gedacht werden.»

Bei verschiedenen Diskriminierungsformen, sei es Sexismus, Rassismus oder die Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts, gibt es immer wieder Stimme, die finden, dass Ihnen nie etwas passiert sei. Das ist toll, nur hilft es denen, denen es passierte, nicht. Auch Vorschläge, man solle weniger empfindlich sein, sich halt wehren, alles nicht so eng sehen, gehen am Ziel vorbei, da ein strukturelles Unrecht ein Unrecht bleibt und nicht durch ein dickes Fell im Einzelfall zu beheben ist. Ob es wünschenswert ist, immer auf der Hut und im Abwehrmodus zu sein, weil es normal scheint, angegriffen zu werden, stellt sich als weitere Frage – ich denke nein. Wollen wir wirklich eine Welt, in der Gerechtigkeit und Freiheit Werte sind, die gelebt werden, brauchen wir den Blick aufs Grosse Ganze, über den eigenen Tellerrand hinaus. Wir brauchen die Empathie, uns in das Leid der Opfer von Diskriminierung hineinzufühlen und die Bereitschaft, Missstände verstehen zu wollen.

Persönlicher Bezug

«Ob wir nachhaltig etwas verändern, wird nicht zuletzt davon abhängig, ob Männer auch als Verbündete wahrgenommen und angesprochen werden…ob wir nachhaltig etwas verändern, wird auch davon abhängen, ob wir das Wir… immer wieder erweitern, damit sich mehr Menschen mit den unterschiedlichen Erfahrungen angesprochen fühlen.»

Ich mag keine Fronten, keine Grenzen – und doch sieht man sie, erlebt man sie immer wieder im Leben. Sobald du anders bist, sprich, von anderen als anders definiert wirst, womit sie sich implizit als Norm setzen, bist du auf der Gegenseite. Unser Weltbild ist so aufgebaut, das geht bis zu den weisen Griechen zurück und zieht sich durch die ganze (Philosophie)Geschichte. Zu denken, dass wir da einfach mal ausbrechen können, ist wohl eine Illusion. Und doch denke ich oft, es wäre der einzige Weg hin zu einem Miteinander, bei welchem ich immer denke: «Gemeinsam sind wir stark.» Wenn wir die Welt verändern wollen, die eine gemeinsame Welt sein soll (manchmal kommt es mir so vor, als ob jeder denkt, einer anderen Welt anzugehören, weswegen er sich locker abgrenzen kann), sollten wir unsere Kräfte bündeln.

Ich sehr heute oft das Gegenteil: Gruppierungen, die sich hohe Ziele wie Gerechtigkeit, Antirassismus, Antiklassismus, Antisemitismus, Sexismus, und mehr auf die Fahnen schreiben, schiessen locker gegen andere, obwohl eigentlich klar ist, dass alles zusammenhängt, dass all die Formen des Unrechts gegen Menschen ähnlichen Ursachen geschuldet sind und Menschen auch oft kumuliert treffen.

In der östlichen Philosophie herrscht das Bild, dass wir alle eins sind, dass alles miteinander verbunden ist, vor. Ein Bild ist, dass wir die Welt durch den Atem in uns aufnehmen und uns an die Welt abgeben. Ich mag dieses Bild. Nun ist es nicht so, dass alle Asiaten durch diese Philosophie friedliche Menschen wären, aber es kümmert sich ja auch nicht jeder um Philosophie im Alltag. Manchmal wäre es wünschenswert.

Fazit
Ein mitreissender, tiefgründiger, intelligenter Monolog über Gewalt und Missbrauch sowie unseren Umgang damit. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Carolin Emcke, geboren 1967, studierte Philosophie in London, Frankfurt/Main und Harvard. Sie promovierte über den Begriff »kollektiver Identitäten«.
Von 1998 bis 2013 bereiste Carolin Emcke weltweit Krisenregionen und berichtete darüber. 2003/2004 war sie als Visiting Lecturer für Politische Theorie an der Yale University.
Sie ist freie Publizistin und engagiert sich immer wieder mit künstlerischen Projekten und Interventionen, u.a. die Thementage »Krieg erzählen« am Haus der Kulturen der Welt. Seit über zehn Jahren organisiert und moderiert Carolin Emcke die monatliche Diskussionsreihe »Streitraum« an der Schaubühne Berlin. Für ihr Schaffen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Theodor-Wolff-Preis, dem Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus, dem Lessing-Preis des Freistaates Sachsen und dem Merck-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 2016 erhielt sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Bei S. Fischer erschienen ›Von den Kriegen. Briefe an Freunde‹, ›Stumme Gewalt. Nachdenken über die RAF‹, ›Wie wir begehren‹, ›Weil es sagbar ist: Über Zeugenschaft und Gerechtigkeit‹ sowie ›Gegen den Hass‹.

Angaben zum Buch
Herausgeber: ‎ ‎ S. FISCHER; 3. Edition (22. Mai 2019)
Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3103974621

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort und online u. a. bei AMAZON.DE und ORELLFUESSLI.CH

Emilia Roig: Why We Matter. Das Ende der Unterdrückung

Inhalt

«Das Patriarchat heisst für Frauen, sich so klein zu machen wie möglich, nicht zu viel Platz einzunehmen, nicht zu viel zu sprechen, nicht zu laut zu lachen, nicht zu klug zu erscheinen, nicht aufzufallen (ausser aufgrund der Schönheit). Klein zu bleiben, damit sich Männer nicht bedroht fühlen.»

Wir alle wünschen uns eine Welt, in der wir trotz unserer Unterschiede als Gleichberechtigte zusammenleben können. Leider sind wir davon noch weit entfernt, denn noch immer sind Unterdrückung und Diskriminierung an der Tagesordnung. Anhand von persönlichen Erfahrungen und sachlichen Erläuterungen beleuchtet Emilia Roig Themen wie Rassismus, Homofeindlichkeit, Antisemitismus, Queerness und Feminismus und erklärt, worauf eine gerechtere Welt achten müsste.

Weitere Betrachtungen

«Die Flexibilisierung der Geschlechternormen, die in der westlichen Welt im letzten Jahrhundert durch die feministische Bewegung in Gang gesetzt wurde, ging bisher vor allem in eine Richtung. Frauen durften allmählich ihre männliche Seite ausdrücken durch Kleidung, Verhalten und gesellschaftliche Rollen, die sich über die häusliche Sphäre hinaus erstrecken. Das Patriarchat überwinden, heisst aber auch, die Männer von den rigiden patriarchalen Erwartungen zu befreien. »

Das Patriarchat wird häufig als eine von Männern gemachte Welt wahrgenommen, die Frauen unterdrückt. Dies ist nicht nur falsch, aber es greift zu wenig weit. Auch Männer werden in Rollen gezwängt, denen sie kaum entkommen können. Um zu einer gerechteren Welt zu gelangen, in welchen alle frei entscheiden können, wie sie leben wollen, gilt es, auch die Männer in den Blick zu nehmen und für alle die Zwänge und Einschränkungen zu eliminieren. Wir werden das Ziel einer gleichberechtigten Welt nicht erreichen, wenn wir Fronten bauen und gegeneinander antreten.

«Auch wenn jede Form von Rassismus ihre spezifischen Eigenschaften hat, verfügt sie immer über zwei wichtige Merkmale: die Konstruktion der Gruppe als unterlegen und ihre Entmenschlichung bis hin zur Vernichtung.»

Rassismus ist ein grosses Thema, noch immer ist die Unterdrückung von Menschen anderer Hautfarbe und Herkunft sehr präsent in unserer Welt, in vielen Ländern kam es in den vergangenen Jahren zu einem Rechtsrutsch, was das Problem noch vergrössert. Wir sind alle gefordert, nicht wegzuschauen, hinzustehen, einzuschreiten. Es ist wichtig, dass wir rassistische Äusserungen und Handlungen als solche erkennen und nicht tolerieren. Das ist der einzige Weg hin zu einer Welt, in der wir alle als Gleiche und Freie zusammenleben können.

«Die Schäden, die Rassismus bei einem Menschen hinterlässt, können durch radikale Akzeptanz – durch Selbstliebe – geheilt werden. Dafür muss Rassismus als System der Entmenschlichung aber nicht nur anerkannt, sondern auch dekonstruiert werden.»

Der einzelne Mensch leidet unter Rassismus, was sich tief in seiner Seele festsetzt. Wenn man weiss, dass vom Krieg traumatisierte Menschen dieses Trauma durch ihre Genstruktur an ihre Kinder vererben, kann man davon ausgehen, dass auch das Trauma von rassistischer Gewalt und Unterdrückung nicht spurlos an den Betroffenen (und ihren Nachkommen) vorüber geht. Es wird Zeit, mit vereinten Kräften gegen ein System anzugehen, das Menschen in einer solchen Weise verletzt und im schlimmsten Fall zerstört.

Persönlicher Bezug

«Another world is not only possible, she’s on her way. Maybe many of us won’t be here to greet her, but on a quiet day, if I listen very carefully, I can hear her breathing. (Arundhaty Roy)»

Ein Thema, das mich wohl nie loslässt in meinem Leben. Von klein an war es mir wichtig, dass Dinge gerecht zu und hergehen, im Studium wurde es mein Schwerpunkt, in der Dissertation hatte ich mich im wahrsten Sinne der Gerechtigkeit verschrieben. Der Traum einer gerechten Welt ist alt, sie zu erreichen erscheint oft als Utopie. Ja, wir werden die perfekte gerechte Welt vielleicht wirklich nicht erreichen, zumal die Meinungen, wie diese auszusehen hätte, divergieren. Aber: Wir können uns auf den Weg machen und versuchen, als Menschen mit Menschen zu leben, diese in ihrer Unterschiedlichkeit anzunehmen und doch als Gleichwertige zu sehen. Das wäre ein grosser Schritt in eine gute Richtung. Noch sind wir nicht da – aber wer weiss, vielleicht atmet sie wirklich schon ganz in der Nähe, wie Arundhati Roy schrieb.

Fazit
Eine fundierte, ausführliche, informative und doch lesbare Analyse der heutigen Gesellschaft mit ihren Mechanismen von Diskriminierung und Abwertung im Hinblick darauf, etwas daran zu ändern für eine gerechtere Gesellschaft. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Emilia Zenzile Roig (*1983) ist Gründerin und Direktorin des Center for Intersectional Justice (CIJ) in Berlin. Sie promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Science Po Lyon. Emilia Roig lehrte in Deutschland, Frankreich und den USA Intersektionalität, Critical Race Theory und Postkoloniale Studien sowie Völkerrecht und Europarecht. Sie hält europaweit Keynotes und Vorträge zu den Themen Intersektionalität, Feminismus, Rassismus, Diskriminierung, Vielfalt und Inklusion und ist Autorin zahlreicher Publikationen auf Deutsch, Englisch und Französisch. Sie ist Interviewpartnerin in Sibylle Bergs Bestseller „Nerds retten die Welt“ und war Mitglied der Jury des Deutschen Sachbuchpreises 2020.

Angaben zum Buch
Herausgeber: ‎ Aufbau Verlag; 3. Edition (15. Februar 2021)
Gebundene Ausgabe: 397 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3351038472

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort und online u. a. bei AMAZON.DE und ORELLFUESSLI.CH

Jasmina Kuhnke: Schwarzes Herz

Inhalt

«Schleichend verfestigte sich ein Selbstbild, gegen das ich nicht ankam, weil ich den Zuschreibungen von aussen nichts mehr entgegensetzen konnte. Ein Selbstbild, das nicht nur sagte: Ich kann nichts, sondern auch: Ich bin nichts.»

Am Rande des Ruhrgebiets wächst Anfang der neunziger Jahre ein Mädchen auf. Es ist eine Kindheit, wie man sie keinem Kind wünscht: Ein gewalttätiger Stiefvater, Ausgrenzungen in der Schule und Alltagsrassismus prägen ihr Leben. Während sie heranwächst, fühlt sie sich immer kleiner, rechnet immer und überall mit Gefahren. Als sich plötzlich ein Mann ernsthaft für sie interessiert, übersieht sie die Alarmzeichen, begibt sich in eine Beziehung, die bald zum Gefängnis wird. Und wieder prägen Gewalt und Herabsetzungen ihren Alltag. Sie weiss nur eines: Sie muss einen Ausweg finden, denn sonst wird sie das alles nicht überleben.

Weitere Betrachtungen

«Meine Oma, mein Onkel und meine Tante, mein Cousin und meine Cousine, wir hatten ein gutes Verhältnis zueinander. Wenn sie mir das Gefühl gaben, anders zu sein, dann nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil sie es nicht besser wussten. Oft war ihr Vergalten eine Strategie, um mit den eigenen Kränkungen umzugehen, die das Leben bereithielt.»

Jasmina Kuhnke erzählt einerseits eine Geschichte, andererseits deutet sie auf gesellschaftliche Strukturen. Sie zeigt auf, wie Menschen mit anderen Menschen umgehen, wenn die nicht ihrer Norm entsprechen. Die Schwarze Hautfarbe ist dabei ein deutlich sichtbares Zeichen für eine Abweichung derselben, der Umgang damit vielfältig, im besten Falle gut gemeint oder schlecht durchdacht, im schlimmsten Fall ausgeprägter und verachtender Rassismus. Während der zweite offensichtlich ist, sind es die anderen Formen nicht. Das macht sie umso gefährlicher, weil sie unter der Oberfläche ein Milieu bereiten, auf welchem der Rest wachsen kann.

«Das Gefühl, richtig zu sein, wie ich war, ist mir schon als Kind abhanden gekommen. Als Teenagerin richtete ich mich nur darin ein, falsch im Leben zu sein.»

Wenn man von klein auf spürt, dass man anders ist, richtet das etwas mit einem an: Sich nicht dazugehörig zu fühlen gibt das Gefühl der Einsamkeit, des Alleingelassenseins in einer Welt, in welcher die anderen nicht nur zusammenstehen, sondern sich als solche Gemeinschaft auch noch gegen einen richten. Es ist schwer, wenn nicht fast unmöglich, in einem solchen Umfeld ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen, das hilft, das Unrecht, das einem widerfährt, tatkräftig zu bekämpfen. Einerseits ist die Angst, alles noch schlimmer zu machen, wohl gross, andererseits herrscht wohl auch das Gefühl vor, dass einem das nicht zusteht.

Jasmina Kuhnke ist ein eindringliches Buch gelungen, ein Buch, das berührt, erschüttert, aufrüttelt. Es ist ein Buch, das aufzeigt, was man in einem Leben als weisser Mensch nicht mal erahnen kann. Es ist dem Buch und der Menschheit zu wünschen, dass sich viele davon bewegen lassen, genauer hinzuschauen und Teil einer Veränderung werden zu wollen.

Beim Lesen des Buches passierte es leicht, die Protagonistin mit der Autorin gleichzusetzen. Zwar weiss man als professioneller Leser, dass man dies nicht tun sollte, selbst wenn die Geschichte in der Ich-Form erzählt wird, und doch fiel die Trennung bei dem Buch schwer. Und da liegt ein mögliches Problem: Die Geschichte ist in gewissen Details sehr extrem, weit weg von dem, was wohl viele der Leser selbst erfahren haben. Ist das Buch wirklich «nur» Roman, stellt sich die Frage, was Übertreibung, was wirkliche Realität ist. Das ist bei anderen Büchern unproblematischer, bei der Behandlung eines so aktuellen und brennenden Themas stellen sich mehr Fragen.

Die verwendete Sprache ist wenig literarisch, sondern oft sehr hart und teilweise vulgär. Das mag vor allem am Anfang durchaus zum Inhalt und dem sozialen Milieu der Geschichte passen, wirkt manchmal aber als zuviel und erscheint gegen den Schluss mit der Entwicklung der Protagonistin immer unpassender. Man hätte erwartet, dass sich die Sprache an die Entwicklung anpasst. Störend wirkten sehr viele Wiederholungen. Ein Lektorat hätte diese streichen müssen, um den Erzählfluss weniger zu stören.

Persönlicher Bezug

«Ohne den Druck, sich Gedanken darüber zu machen, was die Gesellschaft von mir hält, war ich frei. Sie hat mich eh nie als vollwertiges Mitglied betrachtet. Nun gibt es keine Zwänge mehr. Keine Anspruchshaltung oder die Angst vor Verurteilung. ich weiss, es liegt nicht in meiner Hand, ob man mich respektiert. Ich muss anfangen, mich selbst zu respektieren, und mein Selbstwertgefühl nicht weiter von aussen bestimmen zu lassen.»

Sätze wie dieser machen das Buch für mich zu einer Entdeckung. Nicht dass die Botschaft neu wäre, nur wirkt sie im Kontext dieser Geschichte nochmals deutlicher. Ich kenne von mir selbst das Gefühl (wenn auch zum Glück aus anderen Gründen und mit weniger dramatischen Auswirkungen), nicht dazuzugehören, in meinem Sein und Denken und Tun nicht der sich als normal setzenden Gesellschaftsmehrheit zu entsprechen. Auch ich habe schon gelitten unter Unverständnis, Spott, Ablehnung oder zumindest Ignoranz. Zu sehen, wie ein Mensch nach so vielen Rückschlägen, Tiefpunkten auf- und hinsteht, ist beeindruckend und macht Mut.

Fazit
Rassismus und soziale Ungerechtigkeit – wichtige Themen erzählt in der eindrücklichen und bedrückenden Geschichte einer Frau, die gegen Gewalt und Diskriminierung kämpfen und ihren Platz in einer ihr feindlich gesinnten Welt finden muss. Empfehlenswert!

Autorin
Jasmina Kuhnke wurde 1982 in Hagen geboren. Sie arbeitet als TV-Autorin und Kolumnistin für ein Satire Magazin. Jasmina lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Köln. Sie engagiert sich in der Öffentlichkeit unter ihrem Künstlernamen Quattromilf – „Mom I´d like to follow“ gegen Rassismus und Diskriminierung.

Angaben zum Buch
Herausgeber: Rowohlt Buchverlag; 3. Edition (19. Oktober 2021)
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3498002541

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort und online u. a. bei AMAZON.DE und ORELLFUESSLI.CH

Wort oder Haltung – oder: Darf es noch ein Mohrenkopf sein?

Die Wogen schlagen hoch. Die Migros strich Dubler Mohrenköpfe aus dem Sortiment. Weil der Name nicht gehe. Er ist rassistisch. Findet die Migros. Man weiss nun nicht genau, ob das nur ein PR-Insturment war, um auf den Zug der Bewegung „Black Lives Matter“ aufzuspringen, oder aber ernst gemeinte ethische Haltung. Ich weiss es nicht, ich lasse es drum im Raum stehen.
Für mich ist die ganze Diskussion insofern irrelevant, da ich die Dinger schlicht nicht mag. Ich habe noch nie einen selber gekauft. Egal, wie er hiess. Ich wusste nicht mal um die Existenz dieser nun oben erwähnten Exemplare. Seit dem Aufruhr kenne ich sie. Würde sie aber immer noch nicht kaufen. Aus einem Grund: Ich mag keine pappsüssen Dinger, die mehrheitlich schaumen und dann auch noch Schokolade drum haben.

Um ernst zu sein: Ich bin sehr zwiegespalten bei der ganzen Diskussion. Einerseits denke ich, dass wir alles umbenennen können, es ändert an der Haltung wenig. Die, welche Menschen nicht ausschliessen möchten, tun es nicht, egal, wie etwas heisst. Für andere könnte es heissen, wie es wollte, sie täten es doch. Wir müssen an Haltungen, nicht an Namen arbeiten, vor allem bei Namen, die für die Mehrheit nie negativ konnotiert waren.

Das andere ist: Menschen sind verletzt durch Namen. Und ja, es ist ein Leichtes, dann den Namen zu ändern, man möchte ja keinen verletzen. Aber es verletzt sie ja nicht das Wort an sich, sondern das, was sie mit dem Wort erlebten. Und wäre es DAS Wort nicht, wäre es ein anderes Wort, das jemand gefunden hätte, um zu verletzen.

In meinen Augen legen wir zu viel Wert auf äussere Dinge wie Worte, zu wenig auf Haltung und Werte.

Ich schreibe das aus der Haltung einer, die das Wort ‚Mohrenkopf’so oder so nie brauchen wird, da sie nie einen sottigen kaufen würde. Und aus der Haltung einer Sprachwissenschaftlerin (es war ursprünglich eine rein regionale Zuschreibung für Südafrikaner, Mauren, um diese von den anderen abzugrenzen). Und einer Ethikforscherin (die einen grossen Teil gegen Rassismus, Diskriminierung geforscht hat). Das könnte ich noch hinterher werfen. Aber schlussendlich vor allem aus der Haltung eines Menschen, der Menschen mag. Der weiss, wie es sich anfühlt, gehänselt zu werden, der weiss, dass es weh tut. Der aber auch weiss, dass man das Aussen nicht mit Worten ändert. Nur mit Haltungen. Sonst müssten doch bitte dick und Bauch gestrichen werden. Ich wurde als Kind wegen eines solchen (dicken Bauchs – ich weiss, wer mich kennt, liest nochmals nach – aber jeder, der meine Kleinkindbilder sieht, thematisiert meine runden Backen) gehänselt. Und wegen Unsportlichkeit. Und als Lama bezeichnet… das Tier müsste man umbenennen. Mein Lehrer stellte mich vor versammelter Klasse als solches bloss. Ich kam nicht unter „ferner liefen“ an beim Schnelllauf, es war Glück, wenn noch nicht alle schliefen bis zu meiner Ankunft.

Und alles würde nicht helfen. Wer andere klein machen will, wer sie ausschliessen will, sie degradieren, diskriminieren, belächeln, lächerlich machen will: Er findet immer was. Wir können alle Worte dieser Welt ändern. Wenn wir die Haltung der Menschen nicht ändern, nicht zu einem Miteinander statt zu einem Ausspielen kommen, wird es nie eine bessere Welt werden.

In der Sprache liegt eine latente Wahrheit. Das ist so. Und ein bisschen Wahrheit steckt in jedem Wort. Das denke auch ich, die ich mit jedem Wort meine Witze treibe, ab und an aber auch getroffen reagiere auf andere Worte. In der Hoffnung, dass meine nie wirklich treffen. Ich kann es nicht ausschliessen. Aber die Haltung dahinter ist immer nur die: Ich möchte, dass es meinem Gegenüber gut geht. Und wenn die Haltung da ist, wird KEIN Wort verletzen. Wenn wir vertrauen können, dass unser Gegenüber so denkt, dann werden wir jedes Wort annehmen können. Und damit ist uns geholfen, damit hat der Humor einen breiteren Platz, damit hat das Leben eine Basis, die auf Vertrauen, auf einem Miteinander gründet, die jedem genug Boden gibt, sich selber zu sein, im Wissen: Ich bin gut so, wie ich bin.
Diese Welt wünsche ich mir!

Wer hat die meisten Stühle – Genderfrage als Reise nach Jerusalem?

Maria Furtwängler hat eine Studie durchgeführt, die als Fazit hatte, dass im deutschen Fernsehen Frauen deutlich untervertreten sind. Auf zwei Männer kommt eine Frau. Wenn man in den sozialen Medien als Frau auf diese Studie und vor allem auf ein Interview, das der Moderator Claus Kleber im Rahmen der Nachrichtensendung Heute mit Maria Furtwängler machte, hinweist, dazu noch befindet, dass Herr Kleber die Interviewte mit ihrem Thema eher ins Lächerliche zieht, sind kritische Stimmen gleich da. Hier das Interview:

ZDF: Heute Journal

Ich befürworte den Diskurs und finde es gut, dass sich Menschen überhaupt einer Diskussion stellen. Was ich nicht verstehe ist, wie man allen Ernstes behaupten kann, dass Kleber die Studie Furtwänglers nicht ins Lächerliche zog. Dass er mehrmals die gleiche Frage mit anderen Worten stellte, welche schon beim ersten Mal verneint wurde und welche per se rational nicht positiv beantwortet werden könnte, kann nur zwei Dinge bedeuten:

  • Er findet die Interviewte und ihr Projekt lächerlich
  • Er denkt, das Publikum ist so doof, dass es nicht schon beim ersten Mal begriffen hat.

Ein Argument, das ich oft lesen musste nach all dem war das Quoten-Argument. Man wolle lieber Qualifikation als Kriterium als Geschlecht. Aber genau darum geht es doch. Ich bin auch nicht für Quoten. Wenn man aber mal die Ausbildungsstatistiken anschaut, schliessen immer mehr Frauen Studien ab und das auch noch besser als Männer. In verschiedenen Fächern. Verblöden die nach dem Abschluss? Ich meine, irgendwo muss das Wissen und die Kompetenz ja hin, die verdampft nicht einfach so. Klar kann man nun das Kinder-Argument bringen. Aber he: Männer kriegen die Kinder auch. Irgendwie. Klar geht es ohne mittlerweile – ich denke aber nicht, dass wir die Diskussion nun dahin ausdehnen müssen.

Ich war immer gegen Quoten, da ich es unsinnig finde, Positionen aufgrund des Geschlechts zu besetzen. Wenn man aber erlebt, dass ein Geschlecht wirklich benachteiligt wird bei gewissen Berufen (und das meine ich in beide Richtungen), dann finde ich das schlicht nicht angebracht und das stösst mir sauer auf. Und wenn dann einer dahin geht und ein solches Ansinnen ins Lächerliche zieht, indem er mehrmals dieselbe Frage stellt (die in dieser Form ganz klar zeigte, dass er es dahin zieht, weil das, was er erfragte, unmöglich ist und sie hat es auch mehrfach verneint), dann finde ich das auch nicht angebracht.

Ich habe nie darauf geachtet, ob ein Mann oder eine Frau etwas gemacht hat, mir ging es immer drum, dass es gut ist, mir gefällt. Ich schaue auch bei Literatur kaum auf das Geschlecht des Autors, ich lese wohl mehrheitlich Männer, dies auch aus dem Grund, dass ich viele Klassiker lese und da schlicht mehr Männer sind. Auch in dem Bereich gab es kürzlich einen Aufschrei: Frauen würden zu wenig berücksichtigt im Literaturzirkus. Ich weiss es nicht. Ich nehme da eigentlich mehrheitlich Frauen wahr, die gelobt werden – die Statistik scheint aber ein anderes Bild zu zeichnen. Wie gesagt, Quoten interessieren mich nicht, ABER:
Ich habe Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts selber erlebt und mehrfach beobachtet. Und da finde ich, da sollte man hinschauen und ernst genommen werden dürfen – nein müssen. Ganz vieles, was aber unter dem Namen „Gender“ läuft, geht mir mehr als auf den Senkel und ich denke, mit vielen Aktionen schadet man einem Bestreben der Gleichberechtigung mehr als dass man nützt, da man dann die gerechtfertigten Ansprüche durch die Lächerlichkeit anderer miteinfärbt. Ich bin mir natürlich des Umstands bewusst, dass die Grenze, was angebracht und was überzogen ist, oft subjektiv gezogen wird.

Artikel zum Thema:

Mein Butterbrot

Heute erhielt ich eine Mail. Adressiert an Frau Dr. XXXX. Noch heute liest sich der Titel komisch, nach nunmehr vier Jahren, die ich ihn trage. Einerseits freut es mich, dass ich es trotz aller Widrigkeiten geschafft habe, ihn zu kriegen, andererseits ist es mir irgendwie peinlich, ihn zu führen. Meist verschweige ich ihn, ihn zu nennen fühlt sich so grosskotzig an.

Ich schloss mein Studium unter erschwerten Umständen als Alleinerziehende mit Kleinkind ab. Eigentlich wäre mein Traum gewesen, zu promovieren, aber unter den Bedingungen? Von den Einen hörte ich, ich hätte nun lange genug studiert, ich solle endlich mal arbeiten (ich hatte mein Studium mit sehr viel Arbeit nebenher verdient), von anderen kriegte ich zu hören, dass ein solcher Titel eh nichts bringe und ich mir diese Träume nicht leisten könne.

Und ja, ich konnte es mir nicht leisten, wenn ich nicht eine Möglichkeit fand, wie die Arbeit an meiner Dissertation bezahlt war. Ich hatte Glück und fand sie: Zuerst erhielt mein Forschungsantrag ein Stipendium für ein Jahr, dann eines für zwei Jahre vom SNF. Zwar musste ich auch da wieder kämpfen, da gewisse Herren in gewissen Positionen meinten, als alleinerziehende Mutter könne ich das eh nicht schaffen und würde die gesprochenen Gelder nur für Schoppenmilch und Windeln ausgeben (SIC!), aber ich packte diese Hürde. Und alle späteren auch. Tagsüber war ich Mutter, nachts wälzte ich Bücher. Zwischendrin raste ich als freie Journalistin durch die Gegend und schrieb Artikel.

Die Arbeit war im Kasten, die Promotion gelungen. Freude? Wollte irgendwie nicht aufkommen. Gefeiert wurde der Abschluss nie. Was ich zu hören kriegte, waren spöttische Fragen, ob man mich nun Frau Doktor nennen müsse, oder, ob ich bei der Prüfung einen kurzen Rock getragen und dem Professor schöne Augen gemacht hätte. Was ich auch hörte war, ob ich nun endlich lange genug zur Schule gegangen sei und es mal mit Arbeit versuchen wolle.

Und da sitze ich also. Die Mail vor mir. Und ja, irgendwie bin ich stolz, habe ich den Weg gemacht. Ich bin stolz, trotzte ich allen Widrigkeiten. Ich bin aber auch traurig. Tief drin hätte ich es schön gefunden, hätte mal irgendjemand gesagt, er sei stolz auf mich. Hätte mit mir gefeiert. Auf den Abschluss angestossen. Die Zeit zurückdrehen kann ich nicht. Aber ich kann endlich mal hinstehen und sagen: Ja, ich habe diesen Titel und ich bin verdammt stolz darauf. Ich habe ihn hart erarbeitet und ich darf ihn tragen. Niemand muss mich so nennen, aber es muss sich auch niemand darüber lustig machen.

Das wäre ein guter Anfang. Und danach packe ich alle anderen wunden Punkte an und lasse mir nirgends mehr die Butter vom Brot nehmen.

Politisch korrekte Literatur – kann man Kunst einfach der Zeit anpassen?

Die Welt soll politisch korrekter werden. Gewisse Worte sind tabu und dürfen nicht mehr gebraucht werden, weil sie die damit bezeichneten Menschen diskriminieren, herabwürdigen, diffamieren oder/und beleidigen. Dass ein bewusster Umgang mit der Sprache wichtig ist im Bestreben, eine Welt zu schaffen, in der sich alle zu Hause fühlen können und sich als Gleiche unter Gleichen fühlen, steht ausser Frage. Wie weit man in diesem Bestreben aber gehen soll, darin scheiden die Geister.

In einer neuen Debatte wird darüber diskutiert, ob man Kinderbücher sprachlich anpassen soll, Wörter wie „Neger“ sollen ersetzt werden. Noch weiter geht eine Klage, gewisse Grimm’sche Märchen enthielten sexistische Frauenbilder, vermutlich sollte man auch diese ausradieren und das ganze Märchen in eine auf Gleichberechtigung und neutrale Form bedachte Fassung bringen – oder es gleich eliminieren. Märchen, mit denen wir noch aufgewachsen sind, die unser Kulturgut waren, die Kindern einer Gesellschaft vor dem Einschlafen Halt und Trost gaben durch das Ritual des Vorlesens (aus diesen Kindern wurden u. a. die Erwachsenen, die heute die Streichung und Anpassung fordern, so dass man ketzerisch sagen könnte, dass der negative Effekt nicht so gross sein konnte, dass man diskriminierende Ausdrücke und Handlungen einfach hinnimmt, nur weil man solche Märchen hörte – aber bleiben wir sachlich) sollen nun verändert werden. Ist das wirklich nötig und vor allem angebracht?

Als Literaturwissenschaftlerin schreit mein Herz. Ein literarisches Werk entsteht in einer Zeit und spiegelt in einer Form auch diese Zeit wieder. Es ist ein Werk, das von einem Menschen in künstlerischer Gesinnung geschrieben wurde, das fertige Buch ist ein Kunstwerk, kein Gebrauchsgegenstand, an dem man nach Belieben feilen und drehen kann, sonst ist es nicht mehr das Kunstwerk, das mal entstanden ist.

Abgesehen davon, dass ich nicht denke, dass einzelne Wörter in einem Märchen einen nachhaltigen Schaden anrichten und damit in der Folge den Anstoss geben für Diskriminierung von Menschen, denke ich, dass es wertvoller wäre, mit Kindern diese Worte zu besprechen und ihnen zu erläutern, wieso man sie damals brauchte und heute nicht mehr. Das würde die Sensibilisierung der Kinder verstärken und sie auch im Alltag achtsamer machen, als wenn die Worte einfach weggestrichen wären und das Thema nie präsent.

Klar kann man dieses Thema auch in der Theorie irgendwann völlig aus der Luft gegriffen ansprechen, wieso aber eine solche Gelegenheit nicht nutzen? Mit dem schönen Nebeneffekt, dass das Kunstwerk  damit als Kunst und als Zeitzeugnis  erhalten bliebe.

Artikel zum Thema:

20 Minuten vom 29. Januar 2013

Zeit vom 25. Januar 2013

Cicero vom 20. Januar 2013

Radio Schweden vom 24. Januar 2013