Mütter studieren nicht

Nach Jahren Abstinenz bin ich zurück. Die Uni hat mich wieder. Die Uni war für mich von je her eine Institution, die mich anzog, magisch. Schon als kleines Mädchen war mir klar, dass ich mal studieren will. Dies war umso erstaunlicher, als keiner in unserer Familie je studiert hatte. Mir war es klar und ich tat alles dafür. Zwar fiel mir die Schule leicht, gerne hatte ich sie nie. Ich mochte die fixen Strukturen nicht, mochte es nicht, im Tempo gebunden zu sein, nicht reden zu dürfen, mich nicht bewegen oder meine Meinung sagen zu dürfen, wenn mir danach war.

Ich studierte. Es war nicht einfach, ich unterbrach oft, um Geld zu verdienen, studierte wieder weiter. Irgendwann schloss ich ab. Die faule Schülerin und Minimalistin von einst hatte ein Studium und das sogar gut abgeschlossen. Ich erhielt Stipendien, promovierte. Meine Träume wurden wahr – auch wenn alles kaum je Zuckerschlecken war. Dann kam er. Der Tag des Abschieds. Er war hart. Der Halt, die Konstanz in meinem Leben, plötzlich war sie weg.

Nun bin ich also zurück, mache das Lehramt für den Unterricht an Maturitätsschulen. Nachdem ich über diverse Neuerungen stolperte, mich kaum einschreiben konnte, finde ich mich gut zurecht. Nur etwas stösst sehr sauer auf:

Mein Semester hat gerade begonnen, Sohnemanns Ferien starten bald. Ich habe dann keine Ferien, wichtige Termine wurden just in die Schulferien gelegt. Rücksicht gibt es keine, wer studieren will, muss durch. Ja Heilandsack: Darf man als Mutter nicht studieren? Ist es wirklich nicht möglich, Schulferien, die ja wirklich auf vieles Einfluss haben (Krippenplätze und Sportangebot, die dann pausieren sowie andere negative und positive Effekte), zu berücksichtigen und die Ferienzeiten irgendwie abzugleichen?

Auf die Frage beim Dozenten, ob es die nötigen Infos der entsprechenden Veranstaltung irgendwo nachzulesen gäbe, kam nur: Da müssen sie halt einen Kommilitonen finden, der für sie mitschreibt. Dass man keinen kennt, ist egal: Da müssen sie halt netzwerken. Dass dies nicht jedem gegeben ist, ist egal: Das ist nun ihre Aufgabe.

Na bingo. Dann sei das so. Mitgeschrieben wird nun, trotzdem bleibt der fahle Geschmack, dass es nicht wirklich toll ist. Irgendwie. Als Mutter scheint man ganz viele Rechte doch härter erkämpfen zu müssen als andere.

 

Was mir aber an mir auffällt: Früher schwänzte ich alles, was ich schwänzen konnte, eine Stunde verpasst? Kein Problem, lassen wir die nächste auch gleich sausen. Jetzt stresst es mich, dass ich etwas verpasse. Es ist halt doch ein Unterschied, ob man zur Schule muss, weil man eben muss, oder ob man etwas tun kann, das man tun will, wo das eigene Interesse dabei ist.

9 Comments

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  1. Ich freue mich so sehr, dass du nun Lehramt studierst… wirklich Sandra… denn ich fragte mich schon öfters: “Warum macht diese so gut aufgestellte und kluge Frau mit solch “breitem“ Wissen nicht “auf Lehramt“… gibt ihr so tiefes Wissen an die nächste Generation weiter. Das ist auch unsere “gottverdammte“ Pflicht. Meine Firma verlangt es just von mir… hat gemerkt, dass “der Vorsprung der Älteren“ hier und da doch enorm ist. Ich sage zu dieser Problematik dann immer: Ja, ist so! Die Jüngeren mögen schneller rennen – aber ich kenne die Abkürzung…
    PS: ..und Du wirst eine gute Lehrerin… und was für eine, du… eine richtig Gute… das weiss ich aber 🙂

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  2. zum teil gehört das vermutlich zum „nun seien sie halt mal selbstständig“-ding, was (meiner meinung nach) den meisten studenten wohl als hauptaufgabe gelten darf 🙂 wenn man mütter ungeregelt bevorzugen würde, wäre das auch irgendwie seltsam – aber es wäre schön, wenn es ein recht darauf gäbe, dass mütter/väter ein recht auf die rechte ihrer kinder hätten.
    verschwurbelt? oh je, es ist wohl noch zu früh…

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    • Selbständigkeit versteht sich von selber, Machbarkeit ist ab und an schwer. Bevorzugung soll sicher nicht sein, trotzdem finde ich es ärgerlich, dass Schulferien bei einer Lehrerausbildung nicht berücksichtigt werden (und in der Ausbildung von der guten Vereinbarkeit von Lehrberuf und Elternsein geredet wird).

      Nun, ich werde es jetzt lösen können, mit kleineren Kindern oder ohne Hilfe wäre es unmöglich und das finde ich störend ( auch dass ich den Ferienwunsch des Kinds vertagen muss)

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      • ja, für dich ist selbstständigkeit selbstverständlich! hab da während meiner studienzeit ganz andere ansichten erlebt (dein prof sicher auch), und die lehramtsstudenten oft ganz vorneweg.
        aber ich verstehe sehr gut, was dich da stört, keien frage.

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    • Meine Freundin hat in Hagen studiert, ich hatte es mir auch mal überleg, mich dann aber gegen ein Zweitstudium entschieden (muss ja mal gut sein und das liebste Fach habe ich schon studiert 😉 ). Das Lehramt kann wohl nur in Präsenzunterricht gemacht werden. Hat sicher Vorteile, da Praxis wichtig ist – aber solche Organisationsdinge sind ab und an ärgerlich.

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  3. Was ich ja wirklich „bedenklich“ finde, ist, dass es die ganzen Materialien – meinetwegen passwortgeschützt für die Studis auf einem Uni-Server, damit da keine Copyright-Probleme entstehen – nicht online verfügbar sind. Gerade WENN es kein Dauerpräsenzstudium mit 40h/Woche Anwesenheit an der Uni ist, sollte sowas selbstverständlich sein. Klar, den persönlichen Kontakt zu einem erfahrenen Dozenten kann und soll das ja auch gar nicht ersetzen, aber dass man zu fixen Zeiten irgendwo antraben muss, um etwas aufzuschreiben … vielleicht noch mit Federkiel … oder gleich mit Stylus auf dem Tontäfelchen? In welchem Jahrhundert leben wir denn eigentlich? [Man darf gar nicht daran denken, dass z.B. einige us-amerikanische Unis über eigene Portale oder solche wie iTunes U(niversity) ihre GESAMTEN Lehrinhalte online stellen und die Studies im Prinizip nur noch zu den Prüfungen erscheinen müssten – oder eben beim Tutor, um Fragen zu klären. Aber auf das Material kann man sogar zugreifen, wenn man dort gar nicht eingeschrieben ist. Und das sind die vielgescholtenen privaten, teuren US-Unis … aber eine öfentlich finanzierte in der nicht ganz so armen Schweiz schafft sowas nicht bzw. setzt noch auf Top-Down-Modelle aus Zeiten, wo die „Vorlesung“ wirklich noch bedeutete, dass der Professor vorlas (weil sich die Studis die damals noch viiiieel teureren Bücher oft gar nicht leisten konnten) und die Zuhörer mitschreiben konnten …] – naja, genug geschimpft. Ich denke auch, dass Du das Studium gut schaffst (und Dich hoffentlich nicht wegen intellektueller Unterforderung allzusehr langweilst 😉 …) und dann auf Schüler triffst, die schnell begreifen, WIEVIEL sie von Dir lernen können und dies mit Begeisterung tun! *doppeldaumendrück*

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    • Doch doch, ist alles online mittlerweile – eine grosse Neuerung, die ich so noch nicht kannte. Aber just die Strukturvorlagen für eine schriftliche Arbeit soll dann da nicht sein – danach hatte ich gefragt. Das hat mich halt erstaunt und ich fand es befremdlich (was ich nicht sagte). Die Antwort auf meine Frage, wie daran kommen, liest sich im Text.

      Das Studium ist grundsätzlich gut organisiert, es macht Freude, ich finde es interessant und die Lehrer toll. Bei einigen neuen Lehrern scheint auch noch nicht alles klar zu sein – gemeinsam wird man es wohl packen. So oder so: Schön, wieder zurück zu sein und ich hoffe, es geht so weiter. Was ich wirklich hoffe ist, dass ich bald vor einer Gymnasial-Klasse stehen darf, da ich eben wirklich merkte in den letzten Jahren, dass mir Unterrichten Spass macht und auch liegt.

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