Lisa See: Tochter des Glücks

Mutterliebe überwindet alle Grenzen

Alles, was ich über meine Geburt, meine Eltern, meine Grosseltern und mich selbst zu wissen glaubte, war eine Lüge. Eine dicke, fette Lüge. Die Frau, die ich für meine Mutter hielt, ist eigentlich meine Tante. Meine Tante ist in Wirklichkeit meine Mutter. Der Mann, den ich als meinen Vater liebte, war überhaupt nicht mit mir verwandt. Mein richtiger Vater ist ein Maler aus Shanghai, den meine Mutter und meine Tante vor meiner Geburt geliebt haben. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs

Als Joy hinter die Geheimnisse ihrer Herkunft kommt, will sie ihren Wurzeln auf den Grund gehen und reist aus Amerika, wo sie aufgewachsen ist, nach China, um ihren Vater zu suchen. Sie ist zuerst sehr angetan von dem kommunistischen Land, in welchem ihr leiblicher Vater sich als Propagandamaler einen Namen gemacht hat. Als ihr Vater aufs Land geschickt wird, wo er sein Leben mit Malunterricht für Bauern ausfüllt, begleitet ihn Joy begeistert und bringt sich in das Leben auf dem Land ein, arbeitet auf dem Feld mit, verliebt sich in einen Bauernsohn, heiratet ihn. Nach der Hochzeit nimmt die hohe Zeit ein jähes Ende, Joy sieht sich mit Armut und Hunger konfrontiert, fängt an, das System zu hinterfragen, was unter Maos Regime nicht gern gesehen und höchst gefährlich ist.

Pearl, Joys Ziehmutter (und eigentliche Tante), weiss um die Gefahren im China dieser Tage, sie tut alles dafür, ihre Tochter wieder zur Vernunft und zurück nach Amerika zu bringen.

Joy mag vielleicht nicht meine leibliche Tochter sein, aber sie gehört zu mir, und ich würde alles für sie tun.

Tochter des Glücks ist die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach ihren Wurzeln und ihrem Platz im Leben. Es ist ebenso die Geschichte einer bedingungslosen Mutterliebe  und der Beziehung zwischen Mutter und Tochter.  Hintergrund dieser Familiengeschichte ist die Situation in China zwischen 1957 und 1962. Als Leser wird man Zeuge der Nöte der Landbevölkerung, sieht den Hunger, die Armut und die Unterdrückung durch das maoistische Regime, welches alles daran setzte, wirtschaftlich zur Grossmacht zu werden und Grossbritannien und die USA zu übertrumpfen.

Lisa See erzählt eine tiefgründige, mitreissende und emotional aufwühlende Geschichte auf eine feinfühlige, leise Art ohne Pathos oder übersteigerte Emotionalität. Die Figuren des Romans sind mit viel Liebe gezeichnet, die Szenerie anschaulich und fast fühlbar plastisch dargestellt.

Fazit

Eine emotionale, tiefgründige, gut recherchierte und literarisch grossartig geschriebene Geschichte. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Lisa See
Lisa See wurde in Paris geboren und wuchs in Los Angeles, in Chinatown, auf. Sie entstammt einer chinesisch-amerikanischen Familie. Sie arbeitete dreizehn Jahre lang als Journalistin, betreut als Kuratorin mehrere große Ausstellungen, die sich mit interkulturellen Beziehungen zwischen Amerika und China beschäftigen. Im Jahr 2001 wurde sie von der Organisation Chinesisch-Amerikanischer Frauen als »National Woman of the Year« ausgezeichnet; im Herbst 2003 erhielt sie den »Chinese American Museum´s History Makers Award«. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in Los Angeles. Von Lisa See erschienen sind Auf dem Goldenen Berge (erhielt 1995 die »Notable Book«-Auszeichnung der New York Times), Der Seidenfächer, Töchter aus Shanghai.

 

SeeTochterAngaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag (22. April 2013)
Übersetzung: Elke Llink
ISBN-Nr.: 978-3570100301
Preis: EUR  19.99 / CHF 32.90

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