Selbstschutz

Wie er mich anschaut. Was er wohl denkt? Seine Augen sind so lieb. Er sagt, er liebt mich. Über alles. Ich möchte es ihm glauben. Kann ich? Kann es wirklich sein, dass mich jemand liebt?

„Wieso?“

Nun sagt er nichts mehr. Irgendwie ist sein Blick traurig geworden. War meine Frage zu grob? Habe ich ihn verletzt? Ist diese Frage nicht berechtigt? Ich meine, es ist so schnell gesagt, dass man jemanden liebt. So schnell glaubt man es und vertraut drauf, um dann verletzt zu werden. Zudem, es muss doch einen Grund geben, dass er ausgerechnet mich liebt. Er wird ja nicht einfach aus einer Laune heraus sagen, dass er mich liebt, unbegründet, einfach aus dem hohlen Bauch heraus. Oder ist das Liebe? Ein unerklärliches Gefühl, ohne Grund? Heisst es nicht, dass nichts ohne Grund ist?

„Kannst du mir nicht sagen, wieso du mich liebst? Habe ich so wenig, das dir in den Sinn kommt?“

Wieso er nichts sagt? Ob ich den Nagel auf den Kopf getroffen habe? Vielleicht waren es wirklich nur leere Worte? Wobei, so schätze ich ihn nicht ein. Ich glaube ihm, dass er mich liebt. Ich sehe es in seinem Blick, seinen Gesten, seinem ganzen Verhalten. Aber das könnte auch alles gespielt sein. Wobei, was hätte er davon? Er könnte es soviel einfacher haben ohne mich. Ich bin so schwierig, so kompliziert. Hinterfrage ständig, lasse nichts auf sich beruhen, will überall dahinter sehen, misstraue allem und jedem, mir selber eingeschlossen. Und doch behauptet er, er liebe mich. Ist bei mir, sagt, er bleibe.

„Was schaust du mich so an?“

Ich möchte ihm glauben, möchte mich einfach in seine Arme stürzen, mich an ihn schmiegen. Möchte ihm sagen, dass ich ihn liebe, möchte ihm sagen, dass ich ihn brauche, weil er mir gut tut. Ich möchte ihm sagen, dass es nichts schöneres gibt, als von ihm geliebt zu werden und dass ich nichts mehr möchte, als dass er bleibt.

„Hat es dir die Sprache verschlagen?“

Ich möchte ihm sagen, dass ich Angst habe. Dass ich mich fürchte, wieder verletzt zu werden. Dass ich mich fürchte, zu vertrauen und dann wieder alleine dazustehen. Ich fürchte, nicht nochmals die Kraft zu haben, eine Enttäuschung zu überstehen. Mein Herz krampft zusammen beim Gedanken, ich könnte ihn verlieren. In mir scheint alles schwach zu werden, ein Kloss im Hals, ein Stein im Bauch. Die Arme werden kraftlos, hängen runter, die Beine schwanken. Nur schon beim Gedanken, ihn zu verlieren.

„Dann kann es mit der Liebe wohl nicht so weit her sein, wenn du nicht mal weißt, wieso du mich liebst.“

Ich drehe mich um, gehe weg. Ich spüre seinen Blick im Rücken. Ich drehe mich nicht um. Es ist besser so.

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