DANKESCHÖN

Oft hadert man mit seinem Leben. Sieht, was man gerne hätte und erachtet es als aussichtslos. Man wünscht sich mehr Geld, um in die Ferien zu fahren, sich was zu gönnen, statt immer zu verzichten. Man wünscht sich einen Partner, mit dem man den Alltag und das Spezielle teilen kann, statt alles alleine machen zu müssen oder es gar nicht zu machen, weil es alleine keinen Spass macht. Man wünscht sich Freunde, mit denen man was erleben kann, Spass haben, statt von Spieleabenden und Beizentouren nur zu troumen. Man wünscht sich einen Beruf, in dem man aufgeht, statt sich unter einem üblen Chef Tag für Tag abzukämpfen. Man wünscht sich mehr Anerkennung für das, was man tut, statt sich immer zu fragen, ob gut ist, was man tut und das Leben so einen Sinn ergibt.

Und so verbringt man sein Leben mit der Sehnsucht nach dem, was man nicht hat, lässt sich ab und an davon runterziehen und hadert. Man sieht die anderen, die glücklich strahlend Hand in Hand gehen, sieht Gruppen von lachenden Freunden, liest von Freude im Beruf und Erfolg, man sieht das grosse Glück und leidet am Fehlen desselben bei sich. Die anderen scheinen es immer ein wenig besser zu haben, bevorzugt zu sein, während man selber mit dem Leben kämpft, frei nach dem Motto: Irgendwas fehlt ja immer.

Und dann gibt es Tage, die rücken das eigene Bild wieder in die richtige Relation. Ein gesundheitliches Problem aus dem Nichts und die Welt, die vorher noch so beklagt wurde, wird plötzlich das Wertvollste, was man hat und man möchte sie nicht verlieren. Man spürt die Liebe des Mannes in seiner Sorge um einen, man spürt die Liebe zu diesem Menschen, wenn man sieht, was er für einen zu tun bereit ist und hofft nur, dass man sie auch weiter leben darf. Man fühlt den eigenen Wert beim Kind, wenn man seine Angst spürt, und ärgert sich im Angesicht von so viel Liebe und Liebenswürdigkeit, dass man ab und an so hart war und schimpfte, hofft, die Gelegenheit zu haben, es besser zu machen.

Man erlebt von Freunden Hilfsbereitschaft, erfährt von Firmenchefs Verständnis und Mitgefühl, kriegt sogar von Lehrern Hilfsangebote und denkt sich, dass die Welt eigentlich wunderbar ist. Und man schwört sich, dass man dies in Zukunft mehr im Blick haben möchte. Und so wird eine solche Situation zur Gelegenheit, das eigene Leben zu überdenken. Die Situation wird zu einem Bilanzziehen und zu einem abwägen dessen, was wirklich zählt und was eigentlich völlig belanglos ist. Mir hat es (einmal mehr) gezeigt, dass ich eigentlich ein Glückspilz bin und zwar auf der ganzen Linie. Ich habe das Leben, das ich mir immer wünschte, habe die Möglichkeit, das zu tun, was ich tun will, was mir am Herzen liegt. Ich habe Menschen um mich, die mich mögen, für mich da sind und die ich nicht missen möchte.

Klar gibt es immer Dinge, die man gerne hätte, die fehlen. Sei es Geld, Zeit, Kraft – von allem mehr wäre nie verkehrt, denkt man. Nur was wäre der Preis dafür? Im Leben hat alles seinen Preis. Und wenn ich meine Bilanz ansehe, muss ich sagen: Sie geht mehr als auf. Ich bin sehr dankbar dafür und für die Menschen, die mein Leben auf diese Weise bereichern.

Und da ich dies nun alles eingesehen habe, hoffe ich, dass auch die gesundheitlichen Probleme wieder gehen – ich habe meine Lektion gelernt. Ein Danke auch an meinen Körper, dass er mir immer mal wieder die Gelegenheit gibt, das Leben ins richtige Licht zu rücken und dass er mich trotz dem ab und an betriebenen Raubbau zuverlässig und treu durchs Leben führt.

2 Kommentare zu „DANKESCHÖN

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