Wenn Warten zur Nervenprobe wird

Seit 9 Uhr sitze ich hier und warte darauf, dass es halb 12 Uhr wird, ich anrufen kann. Ich versuche mich abzulenken. Weiss, es ist nur ein Routineeingriff bei beiden. Weiss, ich habe das schon oft erlebt, ging immer gut. Ich weiss, ich habe einen super Tierarzt, gehe ja extra zu ihm, weil ich ihm vertraue, weil ich ihn toll finde. Vor Ort hätte es viele, sogar nette… aber nein. Er ist der beste – für mich. Und doch: ich sitze auf Nadeln.

Um 11 Uhr krampft mein Herz zusammen. Ich werde traurig. Aus heiterem Himmel. Ich kann es nicht mehr abwenden, mein Bauch krampft mit. Ein Kloss im Hals. Ich kann nicht mehr warten. Ich rufe an.

„Der Hund hat alles gut überstanden, beim Kater können wir es noch nicht sagen….“

Ich weiss, ich war zu früh. Ich muss noch eine halbe Stunde warten. Und doch fliessen nun die Tränen. Ich kenne diese Situation nur zu gut. Anfangs Mai war es, keine 5 Monate her, als ich auch zu Hause sass. Mein Kater war beim Tierarzt. Man konnte auch nicht sagen, wie es kommt. Es sah da allerdings bedenklich aus. Trotzdem immer wieder die Hoffnung. Die irgendwann starb – weil er starb. Ich hätte nicht gedacht, dass das alles wieder hoch kommt. Mit der Intensität und Gewalt.

Alles ist wieder da, dieser unbändige Schmerz von damals, der mich überwältigte. Ich höre noch heute die spöttischen Stimmen: „Wie trauerst du denn erst, wenn es ein Mensch wäre?“ – Wer will schon Mensch und Tier in die Waagschale werfen? Wer kann schon wissen, was dieser eine Kater für mich war? Und zur Trauer um Pascha kommt nun die Angst um Schiller. Schiller, der so klein und frech in unser Leben kam. Der sich nachts ins Herz schnarchte, tagsüber hinein schnurrte. Der uns zum lachen bringt durch seinen Übermut, ab und an zur Verzweiflung mit seiner Frechheit.

Noch 15 Minuten. Die Zeit schleicht. Die Tränen versiegen langsam, die Hoffnung und die Zuversicht kommen wieder. Die Erlösung kommt, der nächste Anruf bringt Erleichterung.

Beide sind wach, beide sind wohlauf, alles gut überstanden.

Ich kann die beiden am Nachmittag heimholen.

Zuerst schrieb ich diesen Text, stellte ihn online. Dann zog ich ihn zurück. Ich kam mir komisch vor, dachte, ich übertreibe. Fragte mich, was er überhaupt bringt, wer das lesen will. Die Weinerlichkeiten einer überbesorgten Tierbesitzerin. Doch was ist so schlimm daran? Die Tiere sind in mein Leben gekommen und haben dieses unglaublich bereichert. Sie sind da, wenn es mir nicht gut geht, trösten mich; sie bringen mich zum lachen, sie füllen die Leere, die ab und an aufkommt. Sie bringen Leben in die Wohnung, wenn diese still ist, ab und an zu viel, aber es ist schön. Sie vertrauen mir, glauben an mich, bauen auf mich. Was also sollte ich tun, wenn mich nicht sorgen, wenn es ihnen nicht gut geht?

1 Comment

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  1. Hierzu sage ich, als ehemaliger Mitbewohner und Futtergeber eines Katers, folgendes; diese Emotionen kann nur verstehen, wer selber ein lieb gewonnenes Haustier hat, oder hatte und weiss, es sind nicht einfach nur Tiere, sondern es sind FAMILIENMITGLIEDER – PUNKT!

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