Es ist, wie es ist

Ich wurde kürzlich gefragt, wie es mir geht. Ich antwortete:

Ich kann nicht klagen, im Gegenteil. Mir geht es sehr gut, privat wie beruflich bin ich glücklich, so leben zu können, wie ich es mir wünsch(t)e. Ein grosses Privileg, das ich nie zu träumen gewagt hätte. Bin sehr dankbar dafür.

Dann las ich das nochmals und fand, das könne man nicht so stehen lassen, das klänge nicht glaubwürdig oder einfach übertrieben. Ich schob hinterher:

Logischerweise bleiben auch die Tiefs nicht aus, das Leben ist nie nur rosa

Das war nun schon besser. Aber irgendwie passte es noch nicht, da es nun eher negativ endete, ich aber doch wirklich nicht klagen kann. Also schob ich nochmals etwas hinterher:

…aber ich bin zufrieden!

Und dann sass ich da und war immer noch nicht zufrieden damit. Und vor allem fragte ich mich, wieso ich Mühe damit hatte, zu sagen, dass es mir gut geht. So ganz uneingeschränkt.

Logisch, das Leben ist nicht immer himmelhoch jauchzend. Ich bin ein eher turbulentes Gemüt, das von Emotionen geschüttelt wird, mal hoch, mal tief. Ich nehme mir Dinge zu Herzen, leide, schimpfe, tobe ab und an, komme drüber weg, fliege hoch, lache, tanze, lebe. Doch auch wenn ich gerade unten im Tal sässe, das Leben grundsätzlich ist gut, wie es ist. Ich könnte mir kein besseres wünschen. Ich wüsste nicht wie.

Vor allem glaube ich nicht an den ewig währenden Sonnenschein. Auch Schatten ist mal nötig, er regt zum Nachdenken an, treibt weiter, weil man das, was man sieht, angeht, für sich und das Leben Lehren zieht. Wären die Täler nicht, wozu wären Berge gut? Es gäbe sie nicht, alles wäre Ebene. Nie hätte man den Blick über alles, die Freude, die Erhabenheit, das Hochgefühl.

Woher aber rührte nun das Gefühl, das Glück und die Dankbarkeit für das eigene Leben nicht so stehen lassen zu können? Ich habe keine Ahnung, es fiel mir nur auf, verwunderte mich. Denn es ist wirklich so. Es geht mir gut und ich bin froh, ist es so. Es gab in meinem Leben wenig Zeiten, in denen ich das so uneingeschränkt hätte sagen können. Nicht dass ich keine Sorgen hätte momentan, nicht dass einiges noch besser sein könnte, keine Frage, es nagen gewisse Dinge. Aber es ist gut… und schon wieder tue ich es. Schwäche ab. Rechtfertige. Als ob es in der heutigen Zeit nicht angebracht wäre, zu sagen, dass es genau so gut ist, wie es ist. Besser geht immer, keine Frage. Schlechter aber auch. Viel schlechter sogar. Schön, ist es, wie es ist. Genau so.

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