Religiöse Beschneidung soll in Deutschland möglich sein

Das Urteil des Kölner Landgerichts, wonach die religiöse Beschneidung eines Jungen Körperverletzung sei, zieht weitere Kreise. Nachdem aus jüdischen und muslimischen Kreisen scharfe Kritik zu hören war, äussert sich nun auch die deutsche Regierung zu dem Fall. Die (fachgerecht durchgeführte) rituelle Beschneidung soll in Deutschland auch weiterhin möglich sein. Es bedürfe einer rechtlichen Klarheit und dies schnell. Man fürchtet um den Ruf Deutschlands im Ausland, wo das Urteil hohe Wellen geworfen hat. Es ist die Rede von einem Gesetz, welches die rituelle Beschneidung erlauben solle.

Die rituelle Beschneidung von Jungen ist sowohl in der jüdischen wie in der musilimischen Welt eine jahrtausende alte Tradition. Sie nun zu verbieten käme einer Beschneidung der religiösen Rechte gleich. Ginge ein Land dahin und schränkte die Religionsfreiheit ein, würde es damit Zeichen setzen. Nämlich die, dass die landesübliche (wenn auch grundsätzlich vom Staat getrennte) Religion die anerkanntere sei, fremde religiöse Bräuche nach hiesigen Massstäben gewertet und taxiert werden. Das wäre gerade im Falle Deutschlands der jüdischen Religion gegenüber ein fatales Zeichen.

Ob es eines expliziten Gesetzes bedarf, war bis vor kurzem fraglich, grundsätzlich würden die gesetzlichen Rahmenbedingungen ausreichen. SIeht man jedoch das Urteil des Landesgerichts Köln, muss man dieses Urteil revidieren und wohl für einen Gesetzesentwurf stimmen. Die Frage, die sich dann stellt, ist nur: Wo führt das hin? Es herrscht in der Gesetzgebung der Grundsatz, die Gesetze möglichst allgemein zu halten, davon abzusehen, sie unnötig aufzublasen. Bedürfte man nun für jedes religiöse Ritual sowie für andere Bereiche des alltäglichen Lebens Spezialartikel, würden die Gesetzbücher auf ein Vielfaches anschwellen.

 

 

Quelle: NZZ Online 12.7.12

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