Lug und Betrug

Wo fängt Betrug an? Bei einem Kuss? Bei mehr? Oder schon bei der Absicht eines Kusses? Muss, um zu betrügen, etwas getan werden oder reicht der Gedanke, etwas tun zu wollen? Sind Gedanken frei oder hat auch die Freiheit Grenzen?

Betrug – in meinen Augen – findet da statt, wo ich etwas tue, von dem ich weiss, es verletzt meinen Partner und ich tue es deswegen heimlich. Sobald ich etwas tue, zu dem ich nicht offen stehen kann, weiss ich eigentlich selber, dass das, was ich tue, falsch ist. Denn würde ich es als richtig empfinden, könnte ich dazu stehen, es wären keine Heimlichkeiten nötig.

Nun kann der gewiefte Mensch einwenden, das sei so nicht richtig, denn man könnte ja nur nichts sagen, weil man die Reaktion des andern fürchte oder aber den schützen wolle. Man sage nichts, weil eigentlich alles nichts bedeute, der andere das aber nicht glauben würde. Damit begeht man aber einen zweiten Übergriff. Nicht nur verwehrt man dem andern die Möglichkeit, sich zu allem zu stellen und damit umzugehen, man unterstellt ihm auch noch eine mangelnde Fähigkeit, das zu tun. Man stellt sich über den anderen, indem man für diesen entscheidet, was er erträgt, was nicht, womit er umgehen kann, womit nicht. Man entmündigt ihn und beraubt ihn damit seiner eigenen Urteilsfähigkeit.

Wo Heimlichkeiten Einzug halten, sind Lügen nah. Wo ist die Grenze? Ist etwas, das man nicht sagt, schon eine Lüge? Oder nur ein Verschweigen? Ist es erst dann eine Lüge, wenn man es nicht gesagt hat, weil man weiss, es käme schlecht an? Wird es erst zur Lüge, wenn man statt der ganzen Wahrheit nur die halbe erzählt hat, nur einen Teil vom Ganzen thematisiert hat, Teile ausliess. Oder erst dann, wenn man die Wahrheit abändert? Ist eine Lüge zum Selbstschutz vertretbar? Ist eine Lüge zum Schutz des andern nicht viel schlimmer als alles andere, weil der dabei doppelt herabgesetzt wird? Er wird einerseits der Wahrheit nicht würdig und zweitens als nicht fähig, damit umzugehen angesehen.

Thomas Mann sagte mal: Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als jede Lüge. Wie wahr…

3 Comments

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  1. Die Grenzen sind meiner Meinung nach kaum klar zu deffinieren. Jeder hat in dieser Hinsicht eine andere Auffassung und Ideale. Was für die einen absolut untragbar ist, ist für die anderen völlig ok, solange gewisse Regeln eingehalten werden.

    Wirklich als Betrug empfinden tut es der/die vermeindlich Betrogene.

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  2. Das ist wohl so. Ja. Eine stehende Grösse ist es sicher nicht. Man kann nicht sagen: bis dahin und nicht weiter. Massgebend sind meiner Meinung nach:

    a) das eigene Gewissen, das mir sagt, was geht und was nicht – meistens sagt es das ziemlich deutlich, auch wenn man es ignoriert

    und

    b) die gemeinsamen Regeln, die man abmacht in einer Beziehung. Die sind eigentlich ja ziemlich klar und beiden bekannt. Man weiss, was in der eigenen Beziehung geht und was nicht.

    und klar

    c) das Empfinden des anderen, des „Betrogenen“.

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  3. Sehe ich genau so ja. Letzlich geht es um die Grenzen und Werte welche man in der Beziehung hat. Diese sind klar und um welche es auch immer handel; Grenzen zu überschreiten, welche jemanden verletzen, ist immer falsch.

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