Ferdinand von Schirach: Tabu

Wahrheit und Wirklichkeit in einer haltlosen Welt

Kinder waren in Sebastians Familie noch nie der Mittelpunkt gewesen. Man brachte ihnen bei, wie man das Besteck beim Essen hält, wie ein Handkuss gegeben wird und dass ein Kind möglichst wenig reden sollte. Aber die meiste Zeit kümmerte man sich nicht um sie.

Sebastian von Eschenbach, Spross einer alten, verarmten Adelsfamilie, wächst in eine Familie hinein, in der er wenig Wärme und Liebe erfährt. Er ist mit seinen Wahrnehmungen, die sich meist in Farben ausdrücken, von denen er denkt, dass alle sie so sehen, alleine.

Er sah, was andere Menschen sehen. Aber in ihm waren die Farben anders. Sie hatten keine Namen, weil es nicht genug Worte für sie gab. [...] Nur seine Mutter hatte keine Farbe.

Mit 10 Jahren kommt Sebastian ins Internat, der erste Halt bricht somit weg, vollends verloren ist er, als sein Vater stirbt. Alles, was sein Leben ausmachte, sein Zuhause, seine Familie, war plötzlich weg.

Ein Mensch sei verloren ohne sein Zuhause, hatte er gesagt, auch wenn so ein altes Haus oft anstrengend sei.
[...]
Er wusste nicht, was noch wirklich war, und er wusste nicht, wer er werden sollte.

Sebastian flüchtet sich in das Leben als Künstler, eine Welt zwischen Schein und Realität, in der er aufzuzeigen versucht, dass Wahrheit und Wirklichkeit nicht dasselbe ist. Dieses Thema holt ihn in der Realität ein, als er mit dem Vorwurf konfrontiert wird, eine junge Frau getötet zu haben. Konrad Biegler, sein Strafverteidiger, will ihm helfen und versucht mit ihm, die Wahrheit zu finden.

Ferdinand von Schirach hat mit Tabu einen Künstlerroman geschrieben, der Themen wie das Älterwerden, Einsamkeit, die Suche nach Geborgenheit, Wahrheit und Wirklichkeit behandelt. Quasi en passant beschreibt er Sebastian von Eschenbachs Leben, bleibt dabei immer an der Oberfläche, bemüht jedes nur greifbare Klischee wie die kühle und lieblose Art alten Adels in der Familie, die Kunst als Flucht vor vermissten Gefühlen und Schwierigkeiten im Leben sowie der Künstler als sich nicht festlegen wollender Frauenheld.

Man erkennt in Tabu den analytischen Denker Ferdinand von Schirach, hier und da drücken seine Analysen und auch die Fragen an die Zeit durch, regen zum Nachdenken an, geben eine Ahnung davon, was möglich gewesen wäre.

Das Buch trägt gute Gedanken in sich, Idee und Geschichte sind gut und vielversprechend, die Sprache ist klar und schnörkellos – leider ist das insgesamt zu wenig für einen Roman. Was dem Roman sonst noch fehlt, sind Figuren, mit denen man mitfühlen, in die man sich hineinversetzen, die man überhaupt fassen kann. Die einzige Figur, die plastisch rüberkommt, ist der Strafverteidiger Konrad Biegler, den man als Charakter wahrnimmt und der inmitten der eher schemenhaften anderen Figuren lebendig wirkt.

Fazit:
Viel Potential, das leider selten ausgeschöpft wird. Wer von Schirach mag, wird ihn in der Geschichte erkennen und das eine oder andere für sich mitnehmen.

Zum Autor
Ferdinand von Schirach
Ferdinand von Schirach, geboren 1964, arbeitet als Strafverteidiger und Schriftsteller in Berlin. Seine Erzählungsbände Verbrechen und Schuld wurden, genau wie sein erster Roman Der Fall Collini, zu internationalen Bestsellern. In mehr als 35 Ländern erschienen Übersetzungen. Schirach wurde mit dem Kleist-Preis und anderen – auch internationalen – Literaturpreisen ausgezeichnet. Verbrechen wurde als Serie im ZDF gezeigt, Schuld wird zurzeit verfilmt. Weitere Kinofilme sind angekündigt. Zuletzt erschien im September 2013 sein Roman Tabu.

Angaben zum Buch:
vonSchirachTabuGebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Piper Verlag (11. September 2013)
ISBN-Nr.: 978-3492055697
Preis: EUR 17.99 / CHF 28.90

 Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online unter anderem bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Hans-Martin Schönherr-Mann: Hannah Arendt. Wahrheit, Macht, Moral

Die Suche nach der einen Welt

Gesellschaftliche Strukturen lösten sich über die Jahrzehnte immer mehr auf, Individualisierungsprozesse führten immer stärker zu einem Verlust familiärer und sozialer Netze. Vormals gemeinsam getragene Lebensumstände waren vermehrt allein zu tragen, der existentielle Abgrund droht unmittelbarer, da die Netze grobmaschiger werden, die früher auffingen. Leben die Menschen überhaupt noch in einer Welt oder sind mehrere verschiedene Welten zu entwerfen, in denen sich die Individuen bewegen? Hannah Arendt verfolgt diese Frage ihr Leben lang, versucht, zu eruieren, wie eine Welt beschaffen sein müsste, in der Menschen miteinander und in Frieden leben können, indem sie untersucht, was dazu führt, dass sie es nicht tun. Sie analysiert totalitäre Herrschaftssysteme, welche immer wieder grossen Zulauf fanden, schlussendlich aber ins Verderben führten, indem sie erst Halt versprachen in Zeiten grosser Unsicherheit und Haltlosigkeit, danach aber unterdrückten.

Nach Arendt antworteten die totalitären Systeme von Stalinismus und Nationalsozialismus just auf diese Gefühlslagen. Sehr viele Menschen versprachen sich durch ihre Unterwerfung unter solche Herrschaftsstrukturen Sicherheit und Geborgenheit. Dagegen verstärkte der Vormarsch des Totalitarismus solche Gefühle der Unsicherheit natürlich bei seinen Gegnern [...]

Arendt setzt auf Pluralität und Kommunikation. Nur in der freien Auseinandersetzung können Menschen in einem Staat leben, können sie Freiheit erfahren. Es geht nicht darum, die Menschen zu vereinheitlichen, sondern sie in ihrer Pluralität anzunehmen und ihnen den Raum zu geben, sich einzubringen.

Die eine Welt entsteht nach Arendt aber nicht, wenn sich die Gesellschaften homogenisieren, indem sie sich ethnisch reinigen. Denn solche einheitlichen Staaten und Gesellschaften schliessen genau jene Welt aus, an der alle teilhaben können und die für Arendt die einzige Welt bleibt, weil die Welt niemand monopolisieren darf und letztlich gar nicht kann.

Erst wenn alle in der Welt zuhause sind und diese mitgestalten, wird es eine geeinte Welt sein, eine, die Halt und Sicherheit für alle verspricht. Dies die Theorie. Wie umsetzbar sie ist, bleibt dahin gestellt. Als Fazit könnte man sagen,

dass menschliches Zusammenleben nur darum und in dem Masse sinnvoll ist, als es in einem „Teilnehmen und Mitteilen von Worten und Taten“ besteht.

Hans-Martin Schönherr-Mann präsentiert in diesem dünnen Buch das Leben und Denken einer grossen Denkerin, er hängt es hauptsächlich an ihren Gedanken zum totalitären System auf, welche durchaus zentral waren (wenn auch nicht die einzigen nennenswerten). Er verfolgt diesen roten Faden analytisch und schlüssig, versteht es, in gut lesbarer Weise auch komplexe Zusammenhänge darzulegen und so einen Einblick in ein Themengebiet zu liefern, das obwohl von Arendt vor Jahren gedacht, noch heute aktuell ist.

Fazit:
Die zeitlosen Gedanken einer herausragenden Denkerin prägnant dargestellt. Sehr empfehlenswert.

 

Zum Autor
Hans-Martin Schönherr-Mann
Hans-Martin Schönherr-Mann wurde am 23. Mai 1952 in Esslingen am Neckar geboren. Er studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Neuere Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und promovierte 1982 bei Manfred Riedel und Herbert Ganslandt. Von 1987 bis 1992 war er wissenschaftlicher Assistent für Politische Philosophie und Politische Theorie am Geschwister-Scholl-Institut der Universität München, wo er 1995 habilitiert wurde. Seit 2002 ist er außerplanmäßiger Professor für Politische Philosophie am Geschwister-Scholl-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er nahm Vertretungs- bzw. Gastprofessuren an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, den Universitäten Innsbruck, Passau, Regensburg, Turin und in Venedig wahr.

 

Angaben zum Buch:
SchönherrArendtTaschenbuch: 208 Seiten
Verlag: C.H. Beck Verlag (15. März 2006)
ISBN-Nr.: 978-3406541070
Preis: EUR 12.90 / CHF 19.70

 

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online unter anderem bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Frauen – es ist kompliziert

Eine neue Diskussion macht die Runde. 50’000 Akademikerinnen erdreisten sich, nach dem Studium nicht zu arbeiten, sondern ihre Kinder zu erziehen und zu bekochen. Nun hat der Staat so viele 1000 Franken in sie investiert und sie wissen nichts Besseres, als dies einfach ungenutzt liegen zu lassen. Wie kann Frau nur denken, das sei legitim? Woher nimmt sie die Dreistigkeit, einfach Hausfrau sein zu wollen, wo sich doch Generationen dafür schlugen, Frauen Bildung und Arbeit zu ermöglichen. Das geht gar nicht. Frau hat zu arbeiten. Punkt. Und sie darf schon gar nicht Steuergelder verpulvern für nichts. Den Gedanken, wie viele Steuergelder in die militärische Ausbildung investiert worden sind bei Männern, ohne dass die je in den Krieg zogen, lassen wir schnell fallen. Das ist sicher etwas ganz anderes.

Am Besten entscheidet sich ein Mädchen mit 5, ob es mal Kinder haben will oder nicht. Wenn ja, kann man Schule eigentlich abhaken, die braucht das Mädchen dann nicht, da es irgendwann mal hinter dem Herd landen wird und alles auf dem Weg dahin verschwendete Steuergelder wären. Es gäbe höchstens die Möglichkeit, zu unterschreiben, dass es nie nie nie geplant sein würde, zu Hause beim Kind zu bleiben. Diese alten Zöpfe müsste man ein für alle Mal und rechtzeitig abschneiden. Dann könnte man unter Umständen in Betracht ziehen, dass Frauen doch zur Schule und sogar an die Uni dürften. Aber auch dann stellte sich die Frage, ob die wirklich voll leistungsfähig wären mit Kind. Dass der arbeitenden Mutter dann wieder andere auf die Pelle rücken würden, die fänden, bei dem Arbeitspensum hätte man keine Kinder auf die Welt stellen sollen, blenden wir auch aus. Das ist sicher auch etwas ganz anderes.

So oder so: Gut gibt es so viele, die entscheiden, was richtig und was falsch ist, die wissen, wie die Welt zu drehen hat. So muss man sich nur noch fügen. Wäre ja zu schön, wenn jeder einfach wählen könnte, was er will.

Herr Meier und Frau Gretchen

Ein Mann – er ist halt einfach einer – lässt sich durch Hormone, Lüste und anderes dazu bewegen, seiner Angebeteten Bilder von sich und seinen durch sie bewegten Körperteilen zu schicken. Per MMS. Man ist ja modern und nutzt die moderne Technik. Besagte Frau fand das zum Zeitpunkt des Schickens wohl auch witzig, putzig, erregend –man weiss es nicht genau, auf alle Fälle störte es sie nicht, sie löschte nichts, beschwerte sich nirgends, sondern liess das Ganze auf ihrem Handy. Das Leben nimmt seinen Lauf, die Beziehung zerbricht.

Nun ist der Herr ein Mann der Öffentlichkeit, sie eine namenlose Statistin, die wohl auch noch irgendwo in ihrer Ehre getroffen ist. Niemand verletzt die Gefühle einer Frau ungeschoren und so muss der Herr, nennen wir ihn Meier, bluten. Frau Gretchen (Name frei erfunden) schickt die Bilder der Presse, worauf diese sich auf Herrn Meier einschiesst und einen Skandal lostritt. Herr und Frau Schweizer stehen die Haare zu Berge, die Partei des Herrn Meier sieht Meiers Integrität als gestorben an und will sonntägliche Notsitzungen einberufen und die sehr seriöse Tageszeitung schiesst einen Artikel nach dem andern ins Netz zum Thema. Twitter, Facebook laufen heiss, fast so heiss wie die Ohren derer, die sich die Bilder vorzustellen versuchen.

Was ist wirklich passiert? Ein Mann war so doof, Hirn aus und andere Regionen anzuschalten und das auch noch bildlich festzuhalten. Er verschickte das in einer Arbeitspause privat an seine Partnerin. Das ist dumm, aber nicht strafbar. Und dumm ist es auch nur, weil man heute leider keinem mehr trauen kann und alles irgendwann ausgenutzt werden kann, wenn Situationen sich ändern. Traurig daran ist, dass man schon in einer Beziehung denken muss, dass eine Beziehung enden könnte und alles, was man in der Beziehung in gegenseitigem Einverständnis und zur gegenseitigen Freude tut, danach gegen einen verwendet werden kann.

Aber weiter in der Geschichte. Herr Meier sah das Desaster und drohte Frau Gretchen mit der Polizei, wenn sie nicht unterliesse, was sie da tat. Dass er Beziehung zur Polizei hatte, half da sicher, so dass Frau Gretchen sich nun als Opfer fühlt und den Herrn Meier als bösen Mann, der sie bedroht hinstellt. Und die grosse Masse tut es ihr gleich. Keiner fragt sich, was sie eigentlich da tat. Ob das rechtens war. Wie eine Frau dazu kommt, private Bilder ihres Expartners an die Öffentichkeit zu geben und ihn damit blosszustellen.

Ich würde ja nie nie nie Nacktbilder von mir machen lassen, sie schon gar nicht verschicken. Die Bilder mögen peinlich sein, die fehlende Weitsicht des Herrn Meiers ebenso. Dass er nicht einfach dasitzt und sie mal machen lässt, liegt auf der Hand. Jeder würde versuchen, dem Tun von Frau Gretchen Einhalt zu gebieten, wären die Bilder von ihm und würden ihn und seine hormonell bedingte Doofheit (und noch einiges mehr) entblössen. Nur sollte man mal den moralinsauren Zeigefinger einziehen und sich fragen, wie viele Dummheiten man schon selber unter dem Deckmantel Liebe oder Hormone machte. Herr Meier mag peinlich sein, aber sind wir das nicht alle mal?

Und für alle, die nun denken…. sollen das gleich seinlassen. Ich mag Herrn Meier nicht, bin nicht in seiner Partei und würde da auch nicht reinpassen. Mir stösst einfach die Geschichte sauer auf. Und das massiv. Soll doch mal jeder vor seiner eigenen Tür kehren, bevor er gegen ihn den Finger richtet. Drüber lachen ist erlaubt, es ist absolut peinlich. Aber auch absolut menschlich. Wie ich finde.

Sabine Ibing: Zenissimos Jagd

Die Rache des Verlassenen

Seit November hatte Jeremias das Haus nicht mehr verlassen, seit jenem unglückseligen Tag, an dem er zurück zu seinem Vater in seine alte Wohnung gezogen war. Tagelang lag er im Bett, dachte an Carina. Die Dunkelheit umfing ihn, sogar am Tag.

Jeremias zieht sich aus dem Leben zurück, als ihn Carina verlässt. Seine Welt liegt in Trümmern, er verkriecht sich förmlich vor ihr. Als er sich langsam erholt, beschliesst er, eine Reise zu machen, um auf andere Gedanken und zurück ins Leben zu kommen. Er bucht spontan nach Teneriffa, wo er langsam wieder Lebensmut schöpft, Pläne macht, bis er eines Abends Carina mit ihrem Mann, ihrem Bruder und dessen Frau in einem Café sieht.

Seine Hand krampfte sich zusammen, drückte den Fuss des Weinglases, bis sich der angeschlagene Rand in seinen kleinen Finger bohrte. Jeremias spürte den Schmerz in der Hand wie eine Verletzung von innen, überall in seinem Körper, an jeder Stelle. Es schien, als öffne sich eine alte Wunde, ein eiterndes Geschwür, das abgeheilt sein sollte.

 Jeremias beschliesst Rache. Er will Carina all den Schmerz heimzahlen, den sie ihm angetan hat. Er verfolgt Carina, wo sie geht und steht, verwanzt ihr Haus, ist überall, wo sie ist, ohne sich zu erkennen zu geben – als bedrohlicher Schatten, als Angst einflössende Gefahr.

Carina zuckte zusammen, als sie hinter sich eine Person bemerkte. Die Geräusche der Absätze dröhnten in ihren Ohren, Schlich ER hinter ihr her? [...] Drohend empfand sie die hohen Häuser, die eng um sie herum standen [...] Auf einmal erschien ihr die Nacht schwarz und böse. Ein Rückweg war nicht möglich.

Langsam gleitet Carina in eine immer grösser werdende Angst hinein, fühlt sich nirgends mehr sicher. Von der Polizei alleine gelassen, fühlt sie sich dieser dunklen Macht hilflos ausgeliefert und fürchtet ab und an gar, den Verstand zu verlieren. Die Geschichte spitzt sich zu, als der Verfolger auch vor Mord nicht zurückschreckt. Lässt er sich noch aufhalten?

 Sabine Ibing ist eine spannende, mitreissende Geschichte zum Thema Stalking gelungen. Sie versteht es, den Plot folgerichtig aufzubauen, so dass man als Leser gebannt Seite um Seite umblättert, um die Auflösung dieses Schreckens zu erleben. Das Thema Stalking wird geschickt in eine Geschichte verpackt, die aufkommende Hilflosigkeit des Opfers glaubhaft und mitfühlbar dargestellt. Die Psyche des Täters bleibt ein wenig zu sehr im Verborgenen, was aber der Glaubhaftigkeit der Geschichte keinen Abbruch tut.

 So gesehen wäre es Lesegenuss pur gewesen, wären nicht die vielen Längen gewesen, die man hätte ausmerzen müssen, weil sie den Lesefluss stoppten, zu viel und zu umständlich Informationen lieferten, die für die Geschichte nicht relevant waren. Dass sich dazu noch Unsummen an Grammatik- und Orthographiefehlern gesellten, machte es nicht besser und ich war einige Male kurz davor, die Lektüre zu beenden, weil ich solche sprachliche Schlamperei nicht mag. Da die Geschichte selber wirklich gut und auch packend erzählt ist, wäre das aber schade und so kann ich nur jeden Leser auffordern, über diese Schwächen hinwegzulesen.

Fazit:
Stalking als Thema spannend erzählt. Packende Story mit sprachlichen Schwächen. Sehr empfehlenswert!

Zum Autor
Sabine Ibing
Sabine Ibing wurde 1959 in Hannover geboren. Ihr Weg führte sie über Teneriffa zurück nach Deutschland und schliesslich in die Schweiz, wo sie heute mit ihrem Mann wohnt. Die studierte Sozialpädagogin veröffentlichte 1999 (noch unter ihrem alten Namen Sabine Rieger) ihren ersten Roman Ch@tlove, seit da liess sie das Schreiben nicht mehr los. 2014 erschien nun ihr zweiter Roman Zenissimos Jagd.

Angaben zum Buch:
IbingZenissimoTaschenbuch: 392 Seiten
Verlag: C. Portmann Verlag (14. Juli 2014)
ISBN-Nr.: 978-3906014197
Preis: EUR 17.80

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online unter anderem bei AMAZON.DE

Möpse, Tierchen und Pläsierchen

Und dann war da noch der Fall der armen Sekretärin aus dem Bundeshaus, die höchst privat und zum eigenen Vergnügen Nacktfotos ins Netz stellte und sich nun wundert, dass das gesehen wird und nicht immer gut ankommt. Wie hätte man das auch ahnen können? Wenn man doch ein Bild von sich ins Netz stellt, dann tut man das doch immer nur, weil es grad Spass macht, weil man an der Technik interessiert und von der Möglichkeit des Hochladens fasziniert ist. Sieht ja keiner, ist ja nur privat.

Der Blick sah das Bild doch (neben 1000en anderen). Da wir grad Sommerloch haben, das schlechte Wetter nun auch bald Schnee von gestern ist, war das gefundenes Fressen. Bei der NZZ ist die Auftragslage nicht besser, das Wetter ist passé, der Gazakrieg stand schon auf Seite 1, spätestens ab Seite 2 herrscht gähnende Leere. Da kommen so ein paar Nacktbilder einer Bundesangestellten wie gerufen. Das Bundeshaus sieht seinen guten Ruf (war da einer?) in Gefahr, stellt die gute Dame (von nun an Opfer zu nennen?) frei. Der Aufschrei ist enorm. Wie kann man nur so prüde sein, das sei eine Privatangelegenheit (hätte es dann das Fotoalbum nicht auch getan?) und überhaupt.

Nun hält sich so ein Skandal um eine Frau nicht lange, man muss nachlegen. Als nächstes kam die Schweiz unter die Lupe und wurde als Pornonation enttarnt. Jedem Schweizer sein Filmchen, das Heidiland verkommt zur Pornosause. Was ich mich dabei frage ist nur: Wenn es so harmlos ist, wenn eine Bundesangestellte ein Filmchen und ein paar Bildchen ins Netz stellt, wieso ist es denn überhaupt noch eine Schlagzeile wert, wenn das die ganze Schweiz tut? Darauf sollte man unbedingt mal eine Studie ansetzen. Am besten mit Steuergeldern, da es ja so wichtig und relevant ist. Und wenn wir schon dabei sind, könnten wir das gleich international ausweiten, damit wir auch einen Vergleich haben, wo wir ungefähr stehen.

Am Schluss kommt immer dasselbe Argument: Wen interessiert das überhaupt? Lasst die gute Frau doch Bildchen machen und zeigen und schreibt nicht drüber. Das interessiert keinen. Das wage ich mal zu bezweifeln. Kaum ein Thema hat so viele Reaktionen auf verschiedenen Kanälen des Social Media verursacht wie Frau A und ihre Möpse (die keine Hunde sind). Das Interesse scheint also durchaus vorhanden. Vielleicht wäre auch eine Studie spannend, wieso dem so ist.

Mich interessieren weder Frau A noch ihre ins Bild ragenden Extremitäten. Ich finde das einfach alles nur witzig. Weil ich a) gerne unterhalten werde, b) Menschen mag und ihre Verhaltensweisen spannend finde (meine eigenen auch), und c) mir grad nach schreiben war. Was mich aber ehrlich erstaunt ist, dass man sich ernsthaft wundert oder aufregt, dass so ein Bild Konsequenzen hat. Jeder einigermassen denkende Mensch müsste wissen, dass das Internet öffentlich ist, dass Fotos, die ich hineinstelle, auch gesehen werde. Dass nicht jeder Arbeitgeber Freude hat (vor allem, wenn er nach aussen ein gewisses Image pflegt), seine Mitarbeiter in allen Lebenslagen und mit allen Intimitäten öffentlich zu sehen, dürfte nicht gar zu schwer zu erraten sein. Und so bleibt es jedem selber überlassen, was er denn nun wirklich will im Leben: Sternchen und iLikes für einen nackten Busen zu erhalten oder aber mit Ehr und ohne Tadel Bundesangestellte zu sein. Wer die Wahl hat, sollte sich nachher einfach nicht über die Konsequenzen wundern. Und all die, welche sich das Maul zerreissen, sollten sich mal fragen, was sie selber so im Internet preisgeben und ob das alles klug ist.