Rezension: Franka Potente – Allmählich wird es Tag

Wenn plötzlich alles anders ist

Jeden Tag war er pünktlich ins Büro gegangen, hatte zwei Stunden länger gearbeitet, abends eine Stunde ferngesehen und Scotch getrunken. Morgens um sechs dann der Wecker.
Vermisst hatte er sie nicht.

Tom Wilkins hat es geschafft im Leben. Guter Job, nette Frau, erfolgreicher Sohn. Eines Tages, er ist 49, ändert von einem Tag auf den anderen alles: Seine Frau zieht ohne Worte aus. Wenig später ist sein Job weg. Die Beziehung zum Sohn war – bei Lichte betrachtet – mehr Smalltalk als Nähe. All das war ihm nie bewusst gewesen, war er doch nur mit sich und seiner Arbeit beschäftigt über die Jahre.

Als er das Kissen aufschüttelte, fand er ein zusammengeknäultes T-Shirt…Liz hatte das T-Shirt zum Schlafen getragen… Er bedeckte sein Gesicht mit dem weichen Stoff und schloss die Augen. Der Geruch von Zuhause. Familie. So hatte es immer gerochen. Erst jetzt wurde ihm das klar.

Wut kommt auf, unbändige Wut. Er trinkt sich von einem Delirium ins nächste, suhlt in Selbstmitleid, gräbt in der Vergangenheit – und findet Dinge, die er verdrängt hatte. Dinge, die ihn schockieren, die ihn noch mehr in die Wut und ins Abseits bringen. Das Leben entgleitet ihm langsam, denn er hat keinen Halt mehr. Er ist konfrontiert mit seinem ganzen Leben, das er über die Jahre ausgeblendet hatte: Die Gewalt seines Vaters, seine eigene, sein Leben als Arschloch – was er selber zugeben muss. Und er ist allein. Er muss also etwas ändern.

Franka Potentes Debütroman packt den Leser und lässt ihn nicht mehr los. Mit viel Tiefgang und Einfühlungsvermögen erzählt sie die Geschichte von Tim Wilkins, der von einem Moment auf den anderen sein Leben auf den Kopf gestellt sieht. Mit einer klaren Sprache, die der Geschichte und dem Dasein von Tim Wilkins entspricht, zieht sie den Leser in die Geschichte hinein, lässt diese real werden, erfahrbar. Der langsame Absturz in Alkohol und Selbstmitleid wird durchbrochen durch Erinnerungen an ein Leben, das mehr Illusion als Realität war, da es zwar gelebt, aber in der Erinnerung verzehrt und verdrängt worden war – bis nun alles über Tim Wilkins zusammenbricht und ihn zwingt, hinzusehen.

Allmählich wird es Tag ist ein Buch, das zeigt, was passiert, wenn man das Leben an sich vorbeiziehen lässt. Es ist ein Buch über das Vergessen, Verdrängen und Erinnern, ein Buch des Neuanfangs und der Kämpfe, die mit einem solchen einhergehen können. Tim Wilkins Psychologie seines Handelns, Denkens und Fühlens ist dargestellt, ohne sie zu erklären, sondern indem sie aus seinem Verhalten offensichtlich wird. Bei aller Tragik der Geschichte, ist diese       nie pathetisch oder bedrückend, der Erzählerin ist die nötige Distanz gelungen, ohne zu weit aus der Gefühlszone rauszugehen. Grandios!

Fazit:
Eine grandios arrangierte Partitur aus Plot, Figuren, Sprache – die Lebensgeschichte eines Menschen, dessen Dasein von einem Tag auf den anderen ändert. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Franka Potente

Franka Potente wurde 1974 geboren und gehört seit ihrer Titelrolle in Tom Tykwers »Lola rennt« zu den international gefragtesten deutschen Schauspielerinnen. Sie trat unter anderem auf in »Die Bourne Identität« und in der Literaturverfilmung von »Elementarteilchen«. Dreharbeiten für einen Dokumentarfilm über »Underground Art« in Tokio führten sie 2005 nach Japan, wohin sie seitdem immer wieder zurückkehrt. Franka Potente lebt in den USA.

Angaben zum Buch:
PotenteAllmählichGebundene Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Piper Verlag (13. April 2015)
ISBN: 978-3492305921
Preis: EUR  9.99/ CHF 14.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online unter andere bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Holocaustleugnung – kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verbrechen

 „Ich möchte wissen, wo die angeblich sechs Millionen Menschen umgebracht worden sind“, ruft der Mann seinen Kameraden zu. „Warum bin ich jahrzehntelang belogen worden?“ (Panorama, Das Erste)

Ein Mensch stellt den Holocaust in Frage, spinnt Verschwörungstheorien. Das ist schon schlimm genug, noch schlimmer ist, dass er Zustimmung findet und alles nicht geistig verwirrte Menschen sind, sondern eigentlich solche, die man als klar denkend und rational erachten würde. Es sind Menschen, die eine Schuldbildung absolviert haben, Menschen, die es besser wissen müssten. In der Schweiz käme er damit durch, da wir keinen gesonderten Völkermordleugnungsparagraphen haben. Leider gibt es viele grosse Stimmen, die sich in unserem Land dagegen aussprechen, einen solchen im Strafrecht zu realisieren. Er widerspreche unserem liberalen Gedanken, beschränke die Meinungsäusserungsfreiheit – dies nur einige Argumente. Zum Glück sehen das nicht alle Länder so (eine Auflistung der rechtlichen Lage findet sich in meinem Buch Genozidleugnung als ethisch-moralisches Problem).

Ist Völkermordleugnung einfach eine Meinung, eine, die man frei äussern können soll? Ist der Holocaust wirklich eine historische Tatsache wie so viele, über die man heute frei schreiben und reden können muss, ihn auch verleugnen, weil dies der wissenschaftlichen Forschung geschuldet ist? Ist das Ganze sowieso Schnee von gestern und damit nicht mehr relevant für heutige Gesetze? Ich denke nicht:

Ein Mensch, dem in seinem Leben ein traumatisierendes Unrecht wiederfährt, trägt dieses Unrecht in sich mit in die Gegenwart und in die Zukunft. Es wird immer Teil seiner selbst sein, bedarf einerseits einer Aufarbeitung, damit der Mensch überhaupt weiter existieren kann und dieses Trauma ihn nicht überwältigt, und andererseits stellt das traumatische Unglück einen Teil seiner Persönlichkeit dar, prägt es sein Wesen unweigerlich. Spricht man nun von historischem Unrecht in der Grössenordnung von Völkermord, welcher wie im Falle des Holocaust sogar Millionen von Menschen das Leben kostete, welcher die Menschen über viele Jahre hinweg in grossem Leid leben liess und der ganze Völker ins Unglück stürzte, so hat dieses Unglück nicht nur eine prägende Wirkung auf die einzelnen Individuen, sondern auch auf die ganzen Völker. Die von dem Unrecht betroffenen Menschen fühlen sich durch ihr Schicksal verbunden, die Völker fühlen sich durch dasselbe geprägt.

Nach der Herrschaft eines Unrechtsregimes geht es darum, einen adäquaten Umgang mit historischem Unrecht zu finden. Es geht darum, sich als neue Regierung zu positionieren und zu signalisieren, dass man sich von dem Unrecht des Vorgängerregimes distanziert. Es geht weiter darum, das Unrecht, das geschehen ist, zu verarbeiten und ihm mit den nötigen Massnahmen entgegen zu treten.

Sowohl für die Opfer wie für die Nachfahren der Opfer historischen Unrechts ist dieses Unrecht auch nach Beendigung der Unrechtshandlungen noch präsent. Die Erinnerung an dieses Unrecht ist etwas, das sie umtreibt. Nun gibt es verschiedene Reaktionen auf historisches Unrecht bei den Überlebenden, die einen schweigen, weil sie die Emotionen, die mit dem Unrecht verbunden sind, nicht mehr weiter ertragen, sie haben innerlich abgeschaltet, um sich nicht ständig neu überwältigen zu lassen. Andere jedoch sehen es als ihre Pflicht an, an das Unrecht zu erinnern, da nur die Überlebenden noch Zeugnis ablegen können von dem Schrecklichen, was passiert ist. Sie sehen es als ihre Pflicht gegenüber ihren Mitopfern an, welche nicht mehr sprechen können, weil diese das Unrecht nicht überlebt haben. Und diese Pflicht zur Erinnerung, die trägt auch die Gesellschaft nach einem historischen Unrecht wie Völkermord. In dem man die Erinnerung an das Unrecht aufrechterhält, zeigt man den Opfern des Völkermords, dass man ihren Opferstatus anerkennt und sie in ihrem Unrecht, das ihnen widerfahren ist, annimmt. Die Erinnerung und die Stellungnahme, dass das, was passiert war, Unrecht war, ist ein Dienst an den Opfern, eine Pflicht an den Opfern, welcher von den Überlebenden und der Gesellschaft als Ganzes gefordert ist.

Eine Leugnung dieser schrecklichen Vergangenheit kommt dabei einem erneuten Unrecht gleich. Wurden während des Völkermords Menschen und ganze Volkstämme umgebracht (in der Absicht, diese schlussendlich sogar vollständig auszulöschen), so versucht Völkermordleugnung nun auch noch den letzten Rest zu eliminieren, nämlich die Erinnerung an das Unrecht und damit auch die Erinnerung an die diesem zum Opfer gefallenen Menschen. Die Leugnung vernichtet dabei quasi in letzter Konsequenz und stellt so eine eigentliche Fortsetzung des Völkermordes dar.
Unter diesen Gesichtspunkten ist es moralisch gefordert, historische Wahrheit über historisches Unrecht zu erinnern, anzuerkennen und Leugnung desselben nicht zu tolerieren. Es darf nicht angehen, dass Menschen, die ein solches historisches Unrecht erlitten haben, ein zweites Mal zum Opfer gemacht werden und dass das historische Unrecht seine Fäden in die Gegenwart spannt.

Scheint die moralische Position klar, so steht die rechtliche Handhabe des Problems unter grösseren Fragezeichen. Die Frage, die sich hier hauptsächlich stellt ist, ob in einer liberalen Gesellschaft das Grundrecht der freien Meinungsäusserung eingeschränkt werden darf und jemand dafür bestraft werden darf, dass er behauptet, ein historisches Unrecht wie Völkermord hätte nie statt gefunden oder dieses wird nur schon verharmlost und unter andere Vorzeichen gesetzt. Ist es zulässig, eine Meinung unter Sanktion zu stellen? Und wenn ja, wo zieht man die Grenzen? Stellt der Holocaust eine Sonderform von Völkermord dar, da die Zeit des Nationalsozialismus und die darin verübten Verbrechen zu einer ganzen Reihe Folgen führten, welche die heutige Zeit prägen.

Grundsätzlich kann man sicher argumentieren, dass Völkermordleugnung über den Paragraphen der Beleidigung und unter Umständen auch über Rassismusgesetze und gar als Verstoss gegen Grundrechte wie die Verletzung der Menschenwürde rechtlich verfolgt werden könnte, und man könnte sagen, ein eigener Völkermordparagraph wäre insofern hinfällig. Allerdings erscheint das erstens im Hinblick auf die Schwere des historischen Verbrechens unangemessen, dass etwas, das als eigentliche Fortführung desselben qualifizieren kann, nur über Umwege rechtlich belangt wird, und andererseits wäre es auch im Hinblick auf die Positionierung eines Staates und seiner Regierung angemessen, hier direkt und ohne Umwege zu reagieren. Völkermordleugnung stellt ein Unrecht dar, indem es die menschliche Würde antastet und Menschen erneut viktimisiert, welche schon einmal Opfer wurden. Sie stellt zudem eine Infragestellung einer heute eingenommenen gesellschaftlichen und politischen Haltung ein, dass solches Unrecht wie Völkermord nicht toleriert wird, dass es nie mehr passieren darf und man sich heute dagegen stellt. Würde man Völkermordleugnung akzeptieren und ihr nicht begegnen, setzte man so ein Signal in die entgegengesetzte Richtung und das wäre nicht gewünscht und kann im Interesse der gegenwärtig wie auch der zukünftig Lebenden nicht gewünscht sein.

Zu argumentieren, dass Völkermordleugnung der freien Meinungsäusserung unterstellt sein müsse und somit von einem Grundrecht gedeckt sei, welches man nicht rechtlich antasten dürfe, wäre dabei eine Affront, da die freie Meinungsäusserung vor allem deswegen zum Grundrecht wurde, um genau solche Zustände, wie sie zu den Zeiten herrschten, die man nun durch die Leugnung verherrlichen oder verharmlosen will, in Zukunft nicht mehr möglich machen zu können.

(Der Grossteils dieses Blogbeitrags ist das ursprüngliche Fazit meines oben genannten Buches, welches ich wegen gewisser Umstände zu ändern gezwungen war. )

Art meets Ad

Ich schreibe. Ich schreibe gut. Und gerne. Ich schreibe so, dass Menschen es gerne lesen. Darauf bin ich stolz, das liegt mir. Was für einen Sinn hätte Schreiben, wenn es nicht darum ginge, zu kommunizieren? Von Mensch zu Mensch? Wie oft hörte ich, meine Texte seien wunderbar, seien schön zu lesen, wie aus einem Fluss. Und so entstehen sie auch. Ich schreibe und gerate in einen Fluss und die Buchstaben quellen aus mir. Ich habe etwas zu sagen und packe es in Sprache. Sprache ist wundervoll und sie soll auch schön zu Papier (oder auf den Bildschirm) kommen. Ich überlege kaum je während des Schreibens. Es fliesst. Und das Ergebnis ist in meinen Augen so, wie es eben sein soll: Sprache, die Inhalt zu Menschen bringt. Gedanken in einer Form.

Ich bin in die Werbebranche gegangen, eine Branche, mit der ich immer liebäugelte. Cool, innovativ, kreativ sei sie. Hiess es. Dachte ich. Bildete ich mir nur ein? Nein, sie ist es. Ohne Frage. Aber: Es geht nicht mehr um Menschen, die lesen, es geht um Google, das durch Seiten pflügt und Stichworte sammelt. Texte müssen nicht schön sein, sie müssen nicht Freude bereiten beim Lesen und Inhalte portieren, sie müssen googleoptimiert sein. Dazu muss man Keywords einpflegen und Long Tails berücksichtigen. Schöne Texte, die dem Leser zeigen, was Sache ist, indem sie alle Informationen auf eine gute Weise überbringen, sind da nichts, dafür kriegt man einen Rüffel – klar mit dem Nebensatz, dass es wirklich schön zu lesen wäre, aber eben nicht gut genug für die Werbung, für die Kommunikation. Das relativiert die Floskel „Content is king“, die man gerne in Marketingkreisen hört, neu heisst es: „Google is dictator“ und alle unterwerfen sich.

Kunst ist das nicht. Mein Schreiben darf es auch nicht mehr sein. Der Frust ist gross. Ich schreibe gerne. Ich schreibe gut. Ich bin nicht eingebildet, aber das bilde ich mir ein. Trotzdem ist die Werbebranche toll. Die Stimmung in Agenturen ebenso. Aber schön schreiben muss man nicht mehr können. Man muss wissen, was Google mag. Für mich als Künstlerin, die ich bin, immer wieder eine Herausforderung. Aber ich nehme sie an.

Rezension: Andrea Camilleri – Romeo und Julia in Vigata

Es ist was los im Dorf

Wir schreiben das Jahr 1899, das neue Jahrtausend steht vor der Tür. Auf der ganzen Welt werden Feiern und Feste geplant, Vigata will da nicht zurückstehen. Ein Maskenball mit Prämierung der besten Maskierung wird geplant, wobei schon Stimmen unken, dass dies gefährlich werden könnte. Dies vor allem, weil die Situation in Vigata nicht ganz einfach ist, stehen doch zwei Familien auf Kriegsfuss und ein Zusammentreffen der beiden verhiesse Böses. Die beiden Familien erklären sich bereit, für diesen einen Abend das Kriegsbeil still zu halten (begraben wäre zu unvorsichtig, da man dem andern nicht trauen kann). Es wird eine Jury einberufen, mit darunter je einer der bekriegenden Familien: Manueli und Mariarosa

Ein Blick auf die liebreizende Mariarosa, das schönste Mädchen überhaupt, genügt, Manueli ist entflammt. Man ahnt es schon, ganz so einfach wird eine solche Liaison nicht, so dass sich Manueli einen Plan ausdenkt: Er lässt die holde Braut entführen, um sie dann in der Ferne zu ehelichen. Der Plan scheint wasserdicht, die Entführung findet statt, allerdings mit etwas ungeplantem Ausgang:

„Kompliment“, sagte Cosimo plötzlich.
„Wofür?“
„Für die Schönheit Eurer Kleinen. Schön wie die Sonne.“
[…]
Auf einem Bett in dem Zimmer lag, an Händen und Füssen gefesselt, ein Taschentuch um den Mund, ein junges Mädchen von zwanzig Jahren und sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Sie war hässlich, zwergenhaft klein, stark behaart und fett wie eine Tonne.
Die Männer hatten sich geirrt, die hatten das Hausmädchen entführt.

Ebenfalls in Vigata kam es zu einem Wettbewerb zweier Eisverkäufer. Nachdem Cecè Caruana über Jahre alleine die Menschen im Sommer mit Eis versorgt hat und das Geschäft gut lief, kam plötzlich Micheli Filippello und trumpfte mit einem grösseren Eiswagen auf. Um das nicht auf sich sitzen zu lassen, kam Cecè auf immer neue Ideen, wie er seinen Eisverkauf ankurbeln und gegen die Konkurrenz behaupten konnte. Micheli zog jedes mal nach und übertrumpfte ihn gar noch. In erbittertem Kampf buhlen die beiden um die Pole-Position, zeigen aber, wenn es hart auf hart kommt, doch viel Menschlichkeit und Fairness. Als Micheli plötzlich stirbt, sieht Cecè nur noch eine Möglichkeit.

Dies sind nur zwei der insgesamt acht wunderbaren Kurzgeschichten, die dieser zweite Band mit Geschichten aus Vigata vereint. Andrea Camillerin erzählt wieder mit viel Humor Geschichten aus der Heimat seines Commissario Montalbano. Es sind Geschichten mit viel Charme, mit skurrilen Figuren, die einerseits Schlitzohr, andererseits Menschen mit Herz sind. Camilleri zeigt sie mit all ihren Facetten, mit ihren Lastern, Freuden, Wünschen und Verschlagenheiten. Er lässt Vigata lebendig werden und den Leser in diese kleine eigene Welt eintauchen. Während des Lesens wird man das Lächeln auf den Lippen kaum los, es kann auch durchaus ein lautes Lachen daraus werden.

Fazit:
Witz, Schalk, Charme und ein liebevoller Blick auf das Leben in einem kleinen italienischen Dorf – das findet man in Romeo und Julia in Vigata. Absolut empfehlenswert!

Zum Autor
Andrea Camilleri
Andrea Camilleri wurde am 6. September 1925 in Porto Empedocle, Sizilien geboren. Er ist Drehbuchautor, Theater- und Fernsehregisseur und Schriftsteller. Bekannt wurde er vor allem mit seinem sizilianischen Commissario Montalbano, die Krimis wurden in mehrere Sprachen übersetzte. Camilleri lebt in Rom.

Angaben zum Buch:
CamilleriRomeoGebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Verlag Nagel & Kimche AG (2. Februar 2015)
Übersetzung: Annette Kopetzki
ISBN: 978-3312006472
Preis: EUR  19.90/ CHF 27.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online unter andere bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Rezension zur Serie: Alles was zählt

Alleswaszählt

Ich liebe meine Tochter über alles. Und wenn Sie ihr das Herz brechen, dann breche ich Ihnen das Genick. Ich schwöre es.

Der Satz ist typisch für die Serie und ich liebe diese Haltung. Sie drückt Kraft, Spannung, Energie und völlig verschwurbelte Verhältnisse aus. Worum es geht? Um einen Familienbetrieb, der mal auf Eislauf setzt, dann auf Sport, dann auf Wellness, schliesslich auf Tanzen – bis alle Tänzer bei einem Busunglück ums Leben kommen und die Firma vor dem Ruin steht und sich neu erfindet. Schliesslich und endlich aber geht es um die Irrungen und Wirrungen einer Familie: den Steinkamps.

An vorderster Front Richard und Simone, die schon mehrfach verheiratet und wieder geschieden waren (aktuell geschieden zusammen). Gemeinsam haben sie ein paar Kinder (ich weiss gar nicht wie viele, zwei sind grad präsent) – er hat ein paar mehr als sie, wobei sie vor kurzem nachzog mit dem Geliebten ihrer Tochter. Noch alles klar soweit? Auf alle Fälle zeigt das so ziemlich den Charakter der Serie, der in etwa als Dallas und Denver für überm Teich zu umschreiben wäre.

AWZHochstehend ist das nicht, aber die Serie wartet immer gerade mit soviel Liebe und Spannung auf, dass ich unbedingt die nächste Folge sehen möchte. Aktuell zapple ich, weil ich wissen will, was mit Vanessa (eine Tochter von Richard und Simone) und „Big Daddy“ (viel älter, verheiratet, aber es ist kompliziert und er kein Schwein) wird.

Alles was zählt schafft es, immer so viel Neugier zu wecken, dass man dranbleiben will. Glaubwürdigkeit fällt als Entscheidungskriterium unter den Tisch, einmal gefangen, bleibt man haften. Da es nur eine halbe Stunde täglich ist und man die im Replay gestaffelt und zu Zeiten, die passen, schauen kann, bin ich seit einer ganzen Weile dabei… und bleibe noch, bis die Sache mit Vanessa geklärt ist. Dann hör ich auf (wobei ich sicher bin, dass bis dahin sicher eine andere tolle Liebesgeschichte so spannend ist, dass ich unbedingt deren Ende abwarten muss….).

Für die, welche nicht so auf Liebeschnulzen stehen, gibt es auch das Krimielement. Für diese Fälle hat Simone einen verkommenen Sohn, der immer und überall für kriminelle und mörderische Intermezzi sorgt. Auch Richard nimmt es nicht immer so genau mit dem Gesetz und wenn es um die Familie geht, drückt sogar Simone alle Augen zu – man sieht es beim Zitat am Anfang – und sie meint das so. Was nämlich ganz zentral ist bei dieser Serie: Wenn es hart auf hart kommt, gelten Liebe, Familie, Freundschaft – und alle stehen füreinander ein.

Fazit:
Nicht hochstehend oder hochtrabend, aber wunderbare Unterhaltung mit der nötigen Spannung, verworrenen Verbandelungen und menschlichen Werte, die man sich im Alltag wünscht. Das perfekte Programm zum Abschalten.

Rezension zur Serie: True Detective

Matthew-McConaughey-and-Woody-Harrelson-in-True-Detective-Season-1-Episode-3Lousianna 1995. Eine ehemalige Prostituierte wird ermordet, das Ganze erinnert an ein Ritual. Die beiden Kriminalpolizisten Martin Hart und Rustin Cohle, sie könnten unterschiedlicher nicht sein, untersuchen den Fall. Der Verdacht erhärtet sich, dass dies nicht der erste Mord des Täters war, sie finden weitere Mordfälle mit ähnlich ritualhaftem Vorgehen. Trotz aller Anstrengungen gelingt die Aufklärung nicht. Die beiden Detectives zerstreiten sich, beide steigen 2002 aus dem Polizeidienst aus, gehen getrennte Wege. Während sich Martin Hart mit einer Sicherheitsfirma selbständig machte, fristet Cohle sein Leben als Aussteiger und Pegeltrinker. Nach 10 Jahren Sendepause werden beide getrennt voneinander zu dem Fall befragt. Anlass dafür ist ein neuer Mord, der an die alten erinnert. Matthew-McConaughey-and-Woody-Harrelson-in-True-Detective-Season-1-Episode-1True Detective ist ein brilliant aufgegleister Krimi. Aus den Erzählungen der beiden ehemaligen Detectives erfährt der Zuschauer nach und nach, was vor 17 Jahren vor sich ging, wie die Ermittlungen liefen. Spannung pur wird vermischt mit philosophischen Betrachtungen über das Leben und generell von Cohle, markigen Sprüchen von Hart und epischen Autofahrten durch endlose Weiten.Und immer schweben über allem viele Fragezeichen darüber, was wirklich vorgefallen ist, wem man trauen kann, wo die Lösung des Geheimnisses liegt. Man wähnt sich immer knapp vor der Erkenntnis, wird aber immer wieder in neue Zweifel geworfen. Diese erste Staffel umfasst insgesamt 8 Folgen an je einer Stunde, wobei das Ende einer jeden so spannungsgeladen ist, dass man gleich weiter schaut. Ich als Serienjunkie habe es geschafft, acht Stunden am Stück auf dem Sofa angewachsen zu sitzen und wie gebannt in den Fernseher zu starren. Darum meine Warnung: Absolute Suchtgefahr, nur schauen, wenn genügend Zeit ist. Fazit Brillante Schauspieler, tolles Drehbuch, gut umgesetzt – Spannung pur mit Suchtfaktor 10. Unbedingt schauen! Informationen:

Deutscher Titel True Detective
Originaltitel True Detective
Prouktionsjahr 2014
Besetzung:
Rustin „Rust“ Cohle Matthew McConaughey
Martin Hart Woody Harrelson
Maggie Hart Michelle Monaghan

Trailer

Ich bin kein Schatz

10247225_10202193136123213_6308358534108607108_n

Spätestens als ich diese Frau mit schriller Stimme quer über den grossen Anlegeplatz des Schiffes laut „Liebling! rufen hörte, wusste ich: Ich hasse Kosenamen. Für einen erwachsenen Menschen? Das ist lächerlich. Wozu soll das gut sein? Wieso ist ein Mann ein Bärchen, Stier, Tiger, Mäuschen, Schätziputz oder sonstiges und nicht einfach Klaus, Karl, Heinz, Thomas oder Gianluca? Was will man ihm damit sagen?

Und: Fühlt man sich besser, wenn man Schatz, Spatz, Herz oder Liebling ist statt einfach nur Susi, Claudia, Sabine oder Hildegard? Ein Kosename ist persönlicher? Ich finde, eher das Gegenteil ist der Fall. Jeder kann Schatz heissen, Ilse heisse ich (wenn dem denn so wäre) – vielleicht ein paar mit mir, aber so kann nicht jede heissen, denn die heissen Berta, Heidi oder Erika.

Und drum: Wer mich liebt, soll mich nennen, wie ich heisse. Ich brauche keine Kosenamen, keine Verkleinerungen, Verniedlichungen oder sonstigen Veränderungen. Wer mich liebt, soll das beweisen und sich nicht mit abgestumpften Übernamen behelfen. Ich meine ja nur.