Thich Nhat Hanh: Mit dem Herzen verstehen

Verstehen als höchstes Gut

Daher sollte man wissen, dass vollkommenes
Verstehen
das höchste Mantra ist, das Mantra ohne-
gleichen,
das alles Leiden aufhebt, die unzerstörbare
Wahrheit.
[…]
Gate gate paragate
parasamgate
bodhi svaha

Das Herz-Sutra ist eines der wichtigsten buddhistischen Sutras, es enthält die Essenz der Lehre Buddhas in konzentrierter Form. Es geht darum, den Dingen auf den Grund zu gehen, sie zu durchschauen, nicht nur oberflächlich wahrzunehmen. Erst in der Vertrautheit mit dem wirklichen Wesenskern der Dinge können wir sie verstehen. Die Vertrautheit mit den Dingen, wie sie wirklich sind, ist wiederum Nahrung für das Mitgefühl in uns selber und auch in anderen.

Untersuchen wir dieses Stück Papier näher, so können wir auch den Sonnenschein darin sehen. Gibt es keinen Sonnenschein, kann der Wald nicht wachsen und alles andere auch nicht. Daher wissen wir, dass auch der Sonnenschein in diesem Papier ist und dass sich beide wechselseitig bedingen und durchdringen.

Das Inter-Sein der Dinge nimmt einen zentralen Punkt in der Achtsamkeit für die Welt und die darin vorkommenden Dinge ein. Indem wir nicht nur oberflächlich wahrnehmen, was wir sehen, sondern dahinter den Kreislauf des Lebens erkennen, können wir den Zusammenhang von allem sehen. Wir werden gewahr, dass nichts unabhängig vom anderen existiert, sondern alles durch anderes bedingt ist.

Thich Nhat Hanh bringt dem Leser in kurzen Texten die Botschaft des Herz-Sutras nahe. In poetischen Bildern und klaren Worten versteht er es, das kurze und dennoch prägnante Herz-Sutra verständlich zu machen und dem Leser damit die Augen für die Wahrheit hinter den offensichtlichen Dingen zu öffnen.

Fazit
Klar, poetisch, tiefgründig, lehrreich – ein kleines Buch mit grosser Wirkung. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

 

Thich Nhat Hanh
Thich Nhat Hanh, 1926 in Vietnam geboren, gehört als sozial engagierter buddhistischer Mönch und Zen-Meister zu den bedeutendsten spirituellen Lehrern der Gegenwart. Die schmerzhaften Erfahrungen des Vietnamkriegs haben sein Bewusstsein dafür gestärkt, wie die buddhistische Lehre und insbesondere die Entwicklung von Achtsamkeit dazu beitragen können, Konflikte zu lösen oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Thich Nhat Hanh lebt im Exil, seit ihm anlässlich einer Reise in die Vereinigten Staaten 1966 die Regierung von Südvietnam die Rückkehr in seine Heimat verweigerte. Er ist Autor zahlreicher Bücher und engagiert sich in der Friedensarbeit und Flüchtlingsbetreuung.

 

Angaben zum Buch:
ThichNhatHanhHerzenTaschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (20. Mai 2013)
Übersetzung: Ursula Richard
ISBN: 978-3442220151
Preis: EUR: 8.99 ; CHF 14.90
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Bodo Kirchhoff: Verlangen und Melancholie

Die Erinnerung an den Verlust lebendig halten

Wann endet ein Leben, wenn das Herz nicht mehr schlägt oder wenn es sinnlos erscheint, dass es noch schlägt?

Neun Jahre ist es her, dass sich Irene das Leben nahm. Hinrich, zum stattlichen Heinrich fehlt ihm ein „e“, hat mit ihr die Liebe seines Lebens verloren. Er ruft sich ihren Geruch, ihr Wesen, jedes Detail von ihr ins Gedächtnis. Hinrich geht in sich, denkt über das Leben und den Tod nach, was die Liebe bedeutet und was, wenn man die Liebe des Lebens verloren hat.

Irene war die Liebe meines Lebens, jede Geste von ihr hatte Weltrang, aber was heisst das, jenseits dieser Worte? Heisst das, ohne sie gab es kein richtiges Leben mehr, oder heisst es, jede andere Liebe fiele dagegen ab?

Wie geht es nach dem Verlust der Liebe weiter? Hinrich lebt sein Leben weiter, da sind noch sein Enkel Malte und seine Tochter Noemi, da ist Zuzan, die sich jeden Monat um ihn kümmert. Auch die Erinnerungen an die Zeit mit einer früheren Geliebten brechen wieder auf. Immer aber bleibt eines im Zentrum: Irene. Und die Frage nach dem Warum. Und die Frage nach Verlust, nach Leben, Tod und danach, wann Liebe endet.

Bodo Kirchhoff schreibt mit Verlangen und Melancholie ein Buch über die Liebe und ein Buch über den Tod. Er erzählt die Geschichte eines Verlustes und wie danach ein Weiterleben möglich ist. Er lässt Hinrich als Ich-Erzähler über sein Leben und seine Erinnerungen sprechen, so dass wir dessen Gedanken direkt und ungefiltert von ihm selber erfahren. Als Leser tauchen wir so ein in die Erinnerungen an ein Leben mit Irene. Wir lernen die Frau, die Hinrichs Lebensliebe war, durch seinen Blick kennen.

Bodo Kirchhoff berührt viele Fragen mit seinem Roman. Es ist ein Roman über das Alter, über Verlust; er handelt von Verrat, Gefühlen, und Verpflichtung – auch über den Tod hinaus. Bodo Kirchhoff schreibt über all diese elementaren Themen in einer tiefgründigen, durchdachten Weise, in einer Sprache, die direkt aus Hinrich herauskommt, die seine Sprache ist, getränkt von seinen Gefühlen, von seinen Erinnerungen, von seinem Kampf zurück ins Leben und davon, diesem Leben noch einen Sinn abzugewinnen, ihn sich wieder zu erarbeiten. Der Roman hat gewisse Längen, die aber in Anbetracht der sonstigen Grossartigkeit vernachlässigbar sind.

Fazit:
Ein tiefgründiger, tiefgehender Roman um die elementaren Themen des Lebens. Sehr empfehlenswert.

 

Zum Autor
Bodo Kirchdorff
Bodo Kirchhoff, geboren 1948, lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee. Zuletzt erschien in der Frankfurter Verlagsanstalt sein von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeierter Roman Die Liebe in groben Zügen (2012).

 

Angaben zum Buch:
verlangen_und_melancholieGebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt (1. September 2014)
ISBN-Nr.: 978-3627002091
Preis: EUR 24.90 / CHF 37.90

 

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Rückeroberungen und Trotzreaktionen

Reclaim the Street

Das war das Motto der Aktion, die grad in Zürich über die Bühne ging. Eine Gruppe solcher, die wissen, was gut ist, wollten plakativ zeigen, was alles schief läuft in Zürich (und wohl auf der ganzen Welt). Sie prangerten an, dass zu wenig Freiheit herrsche, die Städte zu sehr aufgewertet würden materiell, so dass die immateriellen Werte auf der Strecke blieben. Die neue Organisation vertreibe die Alteingesessenen und mache Prunk und Protz Platz.

Freiheit – das wollten sie. Und sie kämpften dafür. Mit Zerstörung, Ausschreitung, verletzten Gegnern, welche die Sicherheit der restlichen Bevölkerung schützen wollten. Indem sie für eine Freiheit kämpften, die wohl nicht mal sie selber betraf, sondern ein Ideal war, von dem sie irgendwo mal gehört hatten (wenn überhaupt), zerstörten sie die der anderen, die da waren, wo sie nie sein würden, noch nie gewesen waren wohl, aber dachten, nie sein zu können, weil da wäre, wer nicht da hin gehörte, sondern nur da wäre, weil die Welt sei, wie sie ist, nämlich schlecht.

Es klingt kompliziert. Eigentlich ist es ganz einfach. Zürich setzt auf Erneuerung. Auf Profit. Neuer Wohnraum wird geschaffen, alter abgerissen. Der alte war für einige erschwinglich, der neue für wenige. Für alle ist er es schon lange nicht mehr. Dass diese Tendenz nicht nur schön ist, liegt auf der Hand. Es geht viel Charme verloren, viel Tradition. Die alten kleinen Läden starben schon teilweise aus, die Wohnungen für normale Familien folgen ihnen. Das bringt Leid mit sich, klar. Das entwurzelt Familien, alte Menschen, weil sie plötzlich ihren Wohnraum abgeben müssen, nur weil irgendein dahergelaufener Baumogul eine Luxushütte mit Luxuswohnungen hinpflanzen will.

Nur: Wenn wir nun alle Läden plündern, die uns auf unserem Wutmarsch in den Weg kommen, wenn wir die Autos, die da grad stehen, kaputt machen, alles, was nicht niet- und nagelfest ist, mitnehmen, verbrennen, zu Schrott stampfen – was genau soll das bringen? Klar, man trifft (eventuell) einen, der sich grad so eine Wohnung leisten konnte, die man sich selber wohl nie leisten können wird (zumindest heute nicht kann und wohl nicht denkt, es je zu können). Und dann? Dann ist dessen Auto ausgebrannt. Der kleine Laden, dessen Inventar man klaute, kann vielleicht dicht machen, weil er den Schaden nicht mehr tragen kann. Dessen Existenz wäre zerstört, die eigene noch gleich. Besser wird nichts. Aber darum geht es doch irgendwie auch nicht. Würde es um eine wirkliche Verbesserung gehen, müsste man doch Mittel und Wege finden, die effektiver sind. Wir leben in einer direkten Demokratie. Eine definierte Anzahl von Stimmen hilft, Sachen vors Volk zu bringen. Dann wird abgestimmt. Demokratie heisst auch, dass die Mehrheit bestimmt. Wir bestimmen immerhin frei. Mehr als so manches Land von sich behaupten kann.

Liebe Randalierer: Wenn ihr ein Anliegen habt, gibt es legitime Mittel und Wege. Die nicht zu wählen, zeigt eher eure Dummheit als die eines anderen. Zürich wird nun wieder aufräumen. Der Verlust ist 6-stellig, gebracht hat es nichts. Bis zum nächsten.

Wer die Wahl hat…

Die Würde des Menschen besteht in seiner Wahl.

Dieser Satz von Max Frisch zierte lange Zeit das Haus neben dem, in welchem ich wohnte. Jeden Tag, wenn ich daran vorbei lief, las ich ihn aktiv und stimmte ihm innerlich zu. Der Satz wurde mittlerweile überstrichen und ich bin umgezogen, geblieben ist meine Liebe zu dem Satz und die tiefe Zustimmung.

Es ist mir wichtig, die Wahl zu haben. Die Freiheit, zu wählen, gehört für mich zu meinem Leben. Ich bin immer meinen eigenen Weg gegangen. Dass der Weg nicht immer linear war, blieb nicht aus. Wird meine Wahl eingeschränkt, fühle ich mich aus meinem Leben vertrieben. Es ist, als ob jemand das Ruder in meinem Boot übernommen hätte und nun rudern will. Weil er wüsste, wo ich hin müsste. Nur: Selbst wenn ich es selber nicht wüsste, wie sollte es jemand anders besser wissen als ich?

Alles, was mich einengt, zwingt mich in die Flucht. Alles, was mich steuern will, lässt mich gegensteuern. Manche nennen es Trotz, ich nenne es Selbsterhaltungstrieb, da ich nur ich bin, wenn ich den Weg selber definiere. Sonst bin ich eine Marionette und das will ich nie sein.

Ich habe Ideale und auch Vorstellungen. Die mögen utopisch sein, nicht gesellschaftlichen Massstäben entsprechen, vielleicht auch idealistisch klingen. Aber ich will die umsetzen. Es zumindest versuchen. Wenn es nicht klappt oder nicht so toll ist, wie anfänglich vorgestellt, kein Problem, ich plane um. Aber nie, ohne es vorher versucht zu haben. Und von jedem Versuch bleibt etwas hängen. Jeder Versuch, auch einer, der nicht das anfangs anvisierte Ziel erreichte, brachte weiter. Schön war immer, wenn ich die Versuche selber abbrechen konnte, nicht abbrechen musste. Das war nie ein Versagen, es war ein Gewinn. Weil: Ich hatte die Wahl und ich habe sie getroffen. Frei.

Ich habe in meinem Leben einiges probiert. Vieles habe ich wieder aufgegeben, gewisse Dinge blieben. Was immer blieb, war das Schreiben. Dass ich es heute leben darf, liegt daran, dass ich nie an dieser Wahl zweifelte. Ab und an am Erfolg derselben, nie aber am Schreiben selber. Ich ohne Schreiben, das gab es nie und wird es nie geben. Die Inhalte sind nicht immer gleich, aber das Schreiben bleibt. Sollte ich mal nicht mehr schreiben, bin ich tot. Ich wünsche mir, mitten im Satz zu sterben. Dann hätte ich bis ganz am Schluss das getan, was ich tun will, immer tun wollte, was mein Leben ist.

Ich bin dankbar, die Wahl zu haben. Ich bin dankbar, sie immer gehabt zu haben. Das Leben war nicht immer einfach, was sicher auch ab und an an meiner Wahl lag. Immerhin: Ich habe sie frei getroffen, nach bestem Wissen und Gewissen, ab und an ein wenig unbedarft, manchmal vielleicht auch überstürzt oder aus Launen heraus, aber immer ich. Ich bin ich, wenn ich die Freiheit habe von und die Freiheit zu. So beschrieb mich heute eine wunderbare Frau. Und sie hat mich voll durchschaut.

Hjorth & Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst

Die Suche nach den Zusammenhängen

Die schallgedämpfte Pistole hustete leise, und alle Bewegungen des Mannes froren unmittelbar ein, als hätte jemand in einem Film auf die Pause-Taste gedrückt. […] Er war bereits tot, sein Herz von der Kugel punktiert, als er aufkam. Ganz so, als hätte ihn eine unsichtbare Hand brutal in die stabile Seitenlage geworfen. […]
„Papa?“
Die Frau zog erneut ihre Waffe und drehte sich blitzschnell um. Ein einziger Gedanke schoss ihr durch den Kopf. Kinder. Es sollte hier keine Kinder geben.

Eine Wanderin stürzt in den Bergen und überlebt nur, weil sie sich an einer aus der Erde ragenden Knochenhand festhalten kann. Kommissar Torkel Höglund und sein Team von der Reichsmordkommission – Sebastian Bergman ist mit von der Partie – haben es mit insgesamt 6 Leichen zu tun und stehen vor einem Rätsel. Wer sind die Toten, wer hat sie hier vergraben und wieso?

Eine Frau aus Afghanistan trauert seit 10 Jahren um ihren verschwundenen Ehemann, welcher einfach von einem Tag auf den anderen weg war. Freiwillig konnte er nicht gegangen sein. Was steckte dahinter? Die Polizei hatte ihr nicht helfen wollen, der erste, der Interesse zeigt, ist ein Journalist. Er fängt auf eigene Faust zu ermitteln an, was nicht ganz ungefährlich ist.

Die Toten, die niemand vermisst ist der dritte Fall mit den Ermittlern der Reichskommission. Die menschlichen Spannungen im Team nehmen ihren Lauf, werden nicht weniger, im Gegenteil. Die Beziehungsgefüge zwischen den einzelnen Mitarbeitern machen einen grossen Teil des Buches aus. Der Plot ist eigentlich die Summe vieler Plots, welche etappenweise verfolgt werden. Es fängt mit einem an, um zum nächsten zu springen, welcher dem dritten Platz macht. Über lange Strecken ist der Zusammenhang der verschiedenen Stränge nicht sichtbar, man weiss als Leser nur, dass es einen geben muss, da ansonsten der Krimi (noch) unverständlich(er) wäre.

Hjorth und Rosenfeldt haben auch im dritten Fall wieder sehr plastische Figuren gezeichnet, die Orte des Geschehens sind stimmungsvoll und mit allen Sinnen erfasst. Wer Krimis mag, bei denen sich verschiedene Fäden langsam zu einem Netz verbinden, das immer engmaschiger wird, bis schlussendlich alles zusammenhängt und der Fall sich klärt, wird dieses Buch lieben. Wer ein schlechtes Namensgedächtnis hat, findet hier ein prima Übungsstück (oder er wappnet sich von Anfang an mit Papier und Stift, um die einzelnen Namen und ihre Rollen aufzuschreiben).

Alles in allem war das Buch etwas lang, einiges hätte man kürzen und damit spannender machen können. Nichtsdestotrotz ein unterhaltsamer und gut geschriebener Krimi.

Fazit:
Unterhaltsamer und gut geschriebener Krimi mit plastischen Figuren und anschaulichen Schauplätzen, in dem sich erst unabhängige Stränge langsam zu einem Ganzen verbinden. Empfehlenswert.

Zum Autor
Michael Hjorth
Michael Hjorth, geboren 1963, ist ein erfolgreicher schwedischer Produzent, Regisseur und Drehbuchautor. Er schrieb u.a. Drehbücher für die Verfilmungen der Romane von Henning Mankell.

Hans Rosenfeldt
Hans Rosenfeldt, Jahrgang 1964, ist in Schweden ein beliebter Radio- und Fernsehmoderator und ein gefragter Drehbuchautor, zuletzt schrieb er die Vorlage für die ZDF-Koproduktion The Bridge.

Bereits vom Autorenduo erschienen sind Der Mann, der kein Mörder war und Die Frauen, die er kannte.

Angaben zum Buch:
die_toten_die_niemand_vermisstTaschenbuch: 624 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag (1. Juli 2013)
Übersetzung: Ursel Allenstein
ISBN-Nr.: 978-3499267017
Preis: EUR 14.99 / CHF 15.90

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Kein Jahresrückblick

Ich wollte einen Jahresrückblick schreiben. So richtig mit allem drum und dran: Was schwer war, was noch schwerer war, was ganz erschreckend schwer war. Und natürlich auch, was gut war. Keine Frage, das hätte auch Platz gefunden. Ich hatte auch schon angefangen mit all dem Schweren. Irgendwie lang das zuvorderst, ich hatte ja auch genug davon. Und so schrieb ich und schrieb ich und schrieb – und dachte, je länger ich schrieb, wie öde das eigentlich sei, all dieses Durchgemachte nun neu wiederzukäuen und auszuspucken.

Nicht dass es belanglos gewesen wäre, nicht dass es nichts mehr zählte, vergessen war es eh nicht, wie könnte es. Und doch: Who cares? Und: Was bringt’s? Schlussendlich war es das ganz normale Leben mit Ups und Downs. Ab und an hätte ich ein paar Tiefen gerne ausgelassen, überhaupt, man liesse sie eigentlich alle gerne aus, versucht dann aber – der Mensch tickt so – Sinn hineinzuinterpretieren, indem man zusammenbastelt, wozu sie gut gewesen sein könnten, und dass man ganz bestimmt nicht der wäre, der man heute ist, hätte man nicht erlebt, was einen so formte. Tiefs müssen zu was gut sein. Sonst wären sie ja grausam grässlich.

Ich habe den Jahresrückblick, der noch ganz am Anfang und dabei schon Unheil bepackt war, gelöscht. Er passte nicht in meine aktuelle Laune, die eigentlich (und uneigentlich) wunderprächtig ist. Klar, mit kleinen Wölkchen dann und wann, die ich mir teilweise selber kredenze, teilweise fliegen sie mir so zu. Aber auch mit viel Tollem und Gutem und Wunderbarem und so unverhofft Grossartigem (Das musste nun sein nach all dem Unheil, all dem Schweren, all dem Leid, das ungeschrieben, aber viel beschrieben da steht).

Und so wird dieses Jahr enden und das ohne einen Jahresrückblick meinerseits. Was war, das war, auf das, was kommt, freue ich mich (ok, die Tiefen, die sicher kommen werden, könnte ich auslassen, aber ich werde bestimmt für jede einzelne verdammte Tiefe einen ganz tiefen Sinn finden).

Und nun stürze ich mich voll und ganz in die Vorweihnachtszeit, Kerzen, Lichter, Musik inklusive. Allen Lesern da draussen danke ich von Herzen für jeden Stern, für jedes „gefällt mir“ und jeden Kommentar. Der Blog wäre nicht, was er ist, gäbe es euch nicht. Von Herzen: Danke!

Frohe Weihnachten und lasst uns nächstes Jahr genauso weitermachen.