Martin Suter: Elefant

Gut und Böse klar verteilt

Eine Entzugserscheinung konnte es nicht sein, er hatte genug getrunken. Schoch versuchte, das Ding zu fokussieren, das tief in der Unterspülung des Uferwegs stand, dort, wo die Höhlendecke auf den sandigen Boden traf. Ein Kinderspielzeug. Ein Elefäntchen, rosarot, wie ein Marzipanschweinchen, aber intensiver. Und es leuchtete wie ein rosarotes Glühwürmchen.

suterelefantSchoch, ein obdachloser Alkoholiker, der in einer Höhle über der Limmat wohnt, sieht eines Tages ein rosa Elefäntchen in seiner Höhle. Er ist sich erst nicht sicher, ob es sich dabei um eine Halluzination oder ein verirrtes Kinderspielzeug handelt, dies umso mehr, als sich das leuchtende Wesen auch noch bewegt.

Der Genforscher Roux hätte Schoch sofort sagen können, worum es sich dabei handelt. Der rosa Elefant soll eine weltweite Sensation werden, nur ist er ihm abhanden gekommen und er sucht ihn händeringend.

Martin Suters neustes Buch vereint die moderne Gentechnik und das Machbarkeitsstreben der Forschung und der Wirtschaftswelt mit Phantasie und Mystik, packt gesellschaftspolitische Probleme wie Randständigkeit und Alkoholismus hinein und garniert mit einer Liebesgeschichte. Die Figuren sind (gewollt?) klischeehaft: Wir haben einen durch das Leben ernüchterten – dafür sonst kaum je nüchternen – Ex-Banker als Obdachlosen, eine idealistische Tierärztin mit ererbtem Millionenvermögen und praktischerweise einer grossen leeren Villa, die sich als Versteck für den frischgebackenen Elfenatenpapa Schoch eignet, einen skrupellosen Forscher, machtgierige Chinesen, die vor nichts zurückschrecken, etc.

Die Welt ist klar in schwarz und weiss aufgeteilt und bietet sich dem Leser in Form von sich abwechselnden Erzählsträngen aus den zwei Welten dar. Martin Suter selber beschreibt sich als Schriftsteller, welcher sich an klare Strukturen hält, die er vorgängig aufzeichnet und dann als Geschichte umsetzt. Das merkt man den Geschichten an. Das ist nicht nur Kritikpunkt, das hat durchaus seine Berechtigung und dadurch nimmt die Geschichte auch sicher einen Lauf, welcher stimmig ist. Auch das Erzähltempo ist durchaus positiv, die kurzen Kapitel ziehen den Leser rasant durch die Geschichte, verleihen dieser eine packende Dynamik.

Mit dem Erzählstrang um Schoch und de kleinen Elefanten ist Martin Suter eine herzige, mitreissende Geschichte gelungen, die beiden wachsen einem ans Herz, man schmunzelt mit, verliebt sich ein wenig und leidet auch mit. Die Tierärztin bleibt eher blass und wenig plastisch.

Der zweite Erzählstrang um die Forscher und die Jagd nach dem verloren gegangenen Elefanten liess mich mehrheitlich kalt. Die Figuren waren weder sympathisch, um sich damit zu identifizieren, noch waren sie schlimm genug, um sie als wirkliche starke Gegner wahrnehmen zu können. Ich ertappte mich beim Lesen dabei, die Stellen eher zu überfliegen, um wieder zur Geschichte mit dem Elefanten zurückzukommen.

Fazit:
Eine schöne, packende, wenn auch etwas einfach gestrickte Geschichte mit stereotypen Figuren und einigen Klischees. Empfehlenswert.

Der Autor
Martin Suter, geboren 1948 in Zürich, arbeitete bis 1991 als Werbetexter und Creative Director, bis er sich ausschließlich fürs Schreiben entschied. Seine Romane – zuletzt erschien ›Montecristo‹ – und ›Business Class‹-Geschichten sowie seine ›Allmen‹- Krimiserie sind auch international große Erfolge. Martin Suter lebt mit seiner Familie in Zürich.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (18. Januar 2017)
ISBN-Nr: 978-3257069709
Preis: EUR 24 / CHF 26.90
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James Patterson: Die 4. Frau

Lindsay Boxer und die Fälle von Schuld und Sühne

Jacobi rief gerade einen Krankenwagen, als das junge Mädchen in die Innentasche ihrer Jacke griff und einen Gegenstand hervorzog, mit dem ich niemals gerechnet hätte. Bei dem Anblick gefror mir das Blut in den Adern. „WAFFE!“, schrie ich einen Sekundenbruchteil, bevor sie auf mich schoss.

patterson4Lindsay Boxer kämpft an allen Fronten. Weil sie im Zuge einer Ermittlung zwei Kinder angeschossen hat, eines starb, das andere ist sein Leben lang an den Rollstuhl gebunden. muss sie sich nun vor Gericht verantworten. Lindsay bangt um ihre Stelle und flieht für die Zeit der Verhandlungen ins Haus ihrer Schwester, wo sie schon bald mit ungeklärten Mordfällen konfrontiert ist, welche sie an ihren eigenen ersten Mordfall erinnern, welcher bis heute ungeklärt ist. Auf eigene Faust nimmt sie die Ermittlungen auf und sieht sich bald selber im Visier des Mörders.

James Patterson verknüpft verschiedene Handlungsstränge und Spannungsbogen und lässt seine Protagonistin an allen Fronten kämpfen. Auch wenn es ein Fall für den Women’s Murder Club ist, sind die beiden anderen Mitglieder desselben kaum vorhanden in diesem Buch, welches fast ausschliesslich auf Lindsay ausgerichtet ist. Überhaupt lässt der vierte Fall der Reihe viel vermissen von dem, was Pattersons Bücher ausmachen. Hätte nicht Patterson draufgestanden, hätte ich das Buch wohl weggelegt und vor allem geschworen, dass es nicht von ihm geschrieben wurde. Die Sprache ist anders als sonst, ebenso der Spannungsaufbau und die Handlungsführung.

Das Buch ist nicht schlecht, es kommt durchaus Spannung auf und man will wissen, wie der Gerichtsfall ausgeht, ob die Mordfälle gelöst werden können und vor allem, wer der Täter ist. Die Auflösung der letzten Frage ist schlussendlich etwas sehr gesucht. Alles in allem sicher nicht Patterson in seiner Höchstform, trotzdem freue ich mich nun auf den 5. Fall und hoffe, er findet da wieder zu seiner alten Form zurück.

Fazit:
Der vierte Fall des Women’s Murder Club ist zwar durchaus spannend, kann aber nicht mit dem mithalten, was man von Patterson gewohnt ist und erwartet.

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch, Der 1. Mord, Die 2. Chance, Der 3. Grad und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (Oktober 2007)
Übersetzung: Andreas Jäger
ISBN-Nr: 978-3442367566
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
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Rezension: Elisabeth Hermann – Der Schneegänger

Tanz mit Wölfen und im Kreis herum

Ich finde dich. Verlass dich drauf, ich finde dich.

hermannder_schneegaengerEin Jäger findet im kalten Winter das Skelett eines vergrabenen Jungen. Bald ist klar, dass es sich dabei um den vor vier Jahren verschwundenen Darijo handelt, ein Fall, der niemals geklärt werden konnte und bei dem sich Lutz Gehring nicht mit Ruhm bekleckert hatte. Da Darios Eltern Kroaten sind, in den Ermittlungen damals keiner vor Ort war, der diese Sprache beherrschte, soll dieses Mal Sanela Beara mithelfen, Licht ins Dunkel zu bringen. Ihres Zeichens ehemalige Streifenpolizistin, aktuell Studentin für den Kriminaldienst und schon mal in einem Fall mit Lutz Gehring verwickelt, welche die beiden nicht zu besten Freunden hatte werden lassen, ist sie schon bald tiefer in der Geschichte drin, als allen lieb ist.

Sanela ermittelt mit Mitteln, die sich immer am Rande des gesetzlich machbaren bewegen – meist auf eigene Faust. Aber schliesslich und endlich ist es kompliziert und es geht darum, den Tod des kleinen Jungen zu klären. Verdächtige gibt es genug: Den eigenbrötlerischen, aufbrausenden und doch charmanten Vater, die zu höherem berufene Mutter, die schon während der Ehe eine Verhältnis mit ihrem Arbeitgeber hatte, diesen später geheiratet hat. Derselbe Arbeitgeber wäre auch noch auf der Liste der Verdächtigen, genauso wie seine Söhne und diese verehrende modelhafte Nachbarstöchter.

Die Figurenaufstellung macht es schon offensichtlich: Es gibt Platz für viele Klischees und der Roman greift sie alle auf. Als Leser will man wissen, wer es nun war, keine Frage, allein der Weg dahin ist lang und steinig. Man weiss als geübter Krimileser schon von der ersten Seite an, wer es nicht gewesen ist, möchte aber wissen, wie sich seine Wege erklären lassen. Auch Ahnungen, wie alles zusammen hängen könnte, sind bald mal da, man möchte sie verifiziert haben. Und so liest man durch blumige Ausschweifungen, psychologische Charakterstudien, ausführliche Background Stories hindurch, die alle wunderbar sind, damit der Autor seine Figuren kennenlernt, die im Buch selber aber nicht mehr nötig oder sinnvoll sind. Positiv ausgedrückt steigern sie die Spannung durch das Herauszögern der Antworten, negativ ausgedrückt sind sie schlicht zu kürzender Ballast – gut geschrieben, bringen die Geschichte aber nicht weiter.

Und irgendwann kommt dann das Ende. Es passiert nochmals viel, alles löst sich auf. Es ist irgendwie das einzig mögliche Ende, und doch befriedigt es nicht. Nicht mich. Wer gerne ausführliche Charakterstudien, blumige Figurenbeschreibungen, endlose Flashbacks, klischeebehaftete Beziehungsmuster und Gesellschaftsstudien hat, der kommt in dem Buch auf seine Kosten. Wer es gern knackig spannend mag, wird sich wohl eher ärgern. Was Elisabeth Hermann gelungen ist: Weglegen konnte ich das Buch nicht, ich wollte das Ende wissen. Auch die Sprache, die Schreibweise waren durchaus passend, sie versteht das Handwerk. Es war für mich persönlich das falsche Tempo und zu viel Ballast.

Fazit:
Die klassische Frage „whodunit“, auf die man eine Antwort haben will – trotz (zu?) vielen Klischees und Verzögerungen.

Der Autor
Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Sie machte Abitur auf dem Frankfurter Abendgymnasium und arbeitete nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman „Das Kindermädchen“ ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Vernau sehr erfolgreich mit Jan Josef Liefers vom ZDF. Elisabeth Herrmann erhielt den Radio-Bremen-Krimipreis und den Deutschen Krimipreis 2012. Sie lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (21. November 2016)
ISBN-Nr: 978-3442485260
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Rezension: Raymond Chandler – Die simple Kunst des Mordes

„Ich gelte als ziemlich ausgekochter Schriftsteller, aber das besagt nichts“

chandlermordesIn Briefen, Essays und Notizen beschreibt sich Raymond Chandler selber, schreibt über den Kriminalroman und dessen Stellung in der Literaturwelt und referiert über das Handwerk des Schreibens allgemein und sein eigenes im Speziellen.

Ich arbeite ziemlich sprunghaft, ohne feste Zeiten, was heissen soll, dass ich überhaupt nur arbeite, wenn mir danach ist.

Er zeigt dem Leser auf, wie es in der Filmwelt und im Verlagswesen abläuft, äussert sich über Katzen und berühmte Verbrechen sowie über seine eigenen Romane und Kurzgeschichten. Er tut dies auf eine humorvolle Weise, so dass man immer denkt, ihn vor sich zu sehen, wie er sein Gesicht zu einem Lächeln verzieht beim Schreiben.

Abgerundet wird das Buch durch den Essay Die simple Kunst des Mordes sowie das Romanfragment Die Poodle Springs Story. Wer Raymond Chandlers Krimis liebt, der wird von diesem Buch begeistert sein: Chandler so privat und persönlich wie selten. In seinem unzähligen Briefen zeigt er sich von allen Seiten, beleuchtet dabei auch die eigenen Schwächen.

Wenn eine Sammlung von Briefen überhaupt einen Wert haben soll, dann muss sie alle Seiten im Charakter eines Menschen enthüllen, nicht nur die liebenswürdigen und hellen.

Seine Briefe sind durchdrungen von polemischen Äusserungen – Chandler bezeichnete sich selber als „streitlustigen Burschen“, legen Abneigungen wie zum Beispiel gegen Agenten, Berufskritiker und Plagiatoren offen, zeigen ihn aber auch als belesenen und gebildeten Menschen, der die Literatur, die Welt und sich selber messerscharf beobachtet und analysiert.

Fazit:
Ein sehr persönliches, humorvolles, mitreissendes Buch – Raymond Chandler, wie er denkt, schreibt und lebt. Sehr empfehlenswert.

Der Autor
Raymond Chandler, geboren 1888 in Chicago, wuchs in England auf. Er arbeitete zwei Jahre im britischen Marineministerium, war dann freier Journalist, Buchhalter in einer Molkerei, Soldat im Ersten Weltkrieg und schließlich Direktor einer kalifornischen Ölgesellschaft. 1932 wurde er entlassen und begann ernsthaft zu schreiben. Mit seinen Romanen um den Privatdetektiv Philip Marlowe in Los Angeles wurde Chandler zum Klassiker der Kriminalliteratur. Er starb 1959 in La Jolla, Kalifornien.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (14. Auflage, 24. Februar 2009)
Übersetzung: Hans Wollschläger
ISBN-Nr: 978-3257202090
Preis: EUR 9.90 / CHF 15.90
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Rezension: James Patterson – Der 3. Grad

Lindsay Boxers Welt steht Kopf

Es begann als wolkenloser, windstiller, träger Aprilmorgen – und wurde der erste Tag der schlimmsten Woche meines Lebens.

patterson3Lindsay Boxer joggt wie jeden Sonntagmorgen mit ihrer Hündin Martha, als vor ihren Augen ein Haus durch eine Explosion in die Luft fliegt. Die Bewohner, eine junge Familie, waren zu Hause gewesen. Es gelingt Lindsay, den älteren Jungen aus dem brennenden Haus zu retten, für die Eltern kommt jede Hilfe zu spät und das Baby der Familie ist verschwunden. Als Lindsay vor dem Haus einen herrenlosen roten Rucksack sieht, befürchtet sie Böses. Der Inhalt entpuppt sich aber nicht als weitere Bombe, sondern als Bekennerschreiben – das war nicht nur ein Mord gewesen, sondern eine regelrechte Hinrichtung. Schon bald wird klar: Das war erst der Anfang, es geht weiter.

Die nationale Sicherheit steht auf dem Spiel, weswegen Joe Molinari vom Ministerium für Innere Sicherheit in die Ermittlungen miteinbezogen wird. Joe macht auf Lindsay nicht nur durch berufliche Kompetenz Eindruck, doch diese hat keine Zeit für solche Gefühle, zumal ihre Welt schon bald in den Grundfesten erschüttert wird.

Der dritte Fall des Women’s Murder Club spinnt die Geschichte um das Ermittlerquartett weiter: Wieder ist ein brisanter Fall zu klären, wieder tappen die Behörden im Dunkeln, verläuft jeder Hinweis im Sand. James Patterson gelingt es, die persönlichen Geschichten der einzelnen Protagonistinnen gekonnt als Nebenhandlungen einzubauen, so dass diese den Spannungsbogen des zu lösenden Falls nicht behindern oder unterbrechen, sondern noch einen weiteren dazu geben. So fiebert man auf verschiedenen Ebenen mit und legt das Buch kaum freiwillig weg, bevor sich nicht alles geklärt hat.

Es empfiehlt sich, den vierten Fall schon bereit zu halten, denn nach dem Buch ist die Erwartungshaltung gross, wie es weiter geht mit Lindsay Boxer und ihren Freundinnen.

Fazit:
Auch beim dritten Fall des Women’s Murderclub herrscht Spannung pur von der ersten bis zur letzten Seite. Absolute Leseempfehlung!

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch Der 1. Mord, Die 2. Chance und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (11. Juni 2007)
Übersetzung: Andreas Jäger
ISBN-Nr: 978-3442369218
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
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Rezension: James Patterson – Die 2. Chance

Wenn die Vergangenheit an die Tür klopft

Finden Sie den Mörder. Dann möge das Gericht über ihn urteilen. Es geht nicht um Politik, Religion oder Rasse. Es geht um das Recht, frei von Hass zu leben. Ich bin überzeugt, dass die Welt selbst angesichts des schrecklichsten Verbrechens nicht zerbricht. Die Welt heilt sich selbst.

patterson2Die Chorprobe in der La-Salle-Heights-Kirche ist zu Ende. Als die Kinder ins Freie treten, empfängt sie ein Kugelhagel, in welchem die kleine Tasha Catchings stirbt. Schon bald ist klar, dass es sich bei dem kleinen Mädchen nicht um ein Zufallsopfer handelt, sie starb durch einen gezielten Schuss. Als sich Verbindungen zu einem Mord an einer älteren Frau feststellen lassen, stellt sich die Frage, ob der Täter rassistische Motive hat. Doch ist das wirklich schon alles? Steckt noch mehr dahinter? Und: Wann schlägt der Täter wieder zu?

Auch der zweite Fall des Women’s Murder Club ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend. In einem atemlosen Tempo führt Patterson den Leser durch die Ermittlungen von Lindsay Boxer und ihren Freundinnen, bringt Cliffhanger an, baut Kniffs und Wendungen ein, die immer wieder überraschen, lässt verschiedene Möglichkeiten in der Luft hängen, so dass man das Buch kaum weglegen kann, bis man den Mörder ganz sicher hat.

Neben dem packenden Fall findet auch wieder viel Persönliches von den vier Frauen Eingang in die Geschichte und auch eine Prise Liebe ist wieder mit drin. Zudem blickt der aktuelle Roman in Lindsay Boxers Vergangenheit, rollt die Geschichte mit ihrem Vater auf und führt so zusätzlich zu einer Verwirrung der Gefühle. Die 2. Chance bringt die vier Protagonisten mehr als einmal in Gefahr, und es ist nicht sicher, ob sie heil raus kommen. Ein rundum gelungener Thriller.

Fazit:
Einnehmende Charaktere, guter Plot, Spannung pur von der ersten bis zur letzten Seite! Absolute Leseempfehlung!

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (11. Juni 2007)
Übersetzung: Edda Petri
ISBN-Nr: 978-3442369201
Preis: EUR 8.95 / CHF 12.90
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Rezension: Kathrin Lange – Ohne Ausweg

Undercover gegen den Terror

Du bist nicht mehr Amira.
Du bist jetzt eine Soldatin des Herrn.
Sei ohne Furcht.

langeohne-auswegMuhammed al-Sadiq plant mit seiner Terrororganisation einen grossen Giftanschlag auf Berlin. Da die SERV, die Sondereinheit für die Ermittlung bei religiös motivierten Verbrechen nicht weiss, wann und wo das Ganze passiert, soll der Ermittler Faris Iskander in die Gruppierung eingeschleust werden – eine gefährliche Angelegenheit. Umso gefährlicher ist das Unterfangen, weil al-Sadiq, der einzige, der die nötigen Informationen hat, aktuell im Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses sitzt, in welchem es für Faris gefährlich werden kann, wenn er auffliegt.

Kathrin Lange erzählt die Geschichte mit einem auktorialen Erzähler aus zwei Perspektiven: Einerseits folgt man Faris Iskander, andererseits der terroristischen Organisation. Die beiden Erzählstränge laufen langsam zueinander, dem Leser wird dadurch immer mehr klar – aber nie so klar, dass man weiss, wie wirklich alles zusammen passt. Dadurch wird ein Spannungsbogen gespannt, der nie abbricht, man liest Seite für Seite weiter, um ans Ziel zu kommen.

Das neue Buch von Kathrin Lange ist an Aktualität nicht zu überbieten, was einerseits reizvoll ist, andererseits auch eine Gefahr sein kann. Die ganz klare Verteilung von Gut und Böse, die von der ersten Seite an offensichtlich ist, könnte leicht ins Plakative verkehren. Kathrin Lange ist dieser Gefahr gekonnt ausgewichen. Ihr sehr schönes Nachwort rundet das Buch wunderbar ab und ist gerade bei der Geschichte wichtig, wie ich finde.

Fazit:
Eine spannende, an Aktualität kaum zu überbietende Geschichte mit geschickt gesetzten Cliffhangern, plastischen Figuren und einem fulminanten Tempo. Empfehlenswert.

Zum Autor  
Kathrin Lange wurde 1969 in Goslar am Harz geboren. Obwohl sie sich beruflich der Hundestaffel der Polizei anschließen wollte, siegte am Ende ihre Liebe zu Büchern, und sie wurde zuerst Buchhändlerin und dann Schriftstellerin. Heute ist sie Mitglied bei den International Thriller Writers und schreibt sehr erfolgreich Romane für Erwachsene und Jugendliche. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in einem kleinen Dorf bei Hildesheim in Niedersachsen.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (19. Dezember 2016)
ISBN-Nr.: 978-3734102653
Preis: EUR 9.99/ CHF 14.90
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Rezension: Hakan Nesser – Die Lebenden und die Toten von Winsford

Viele Andeutungen und nichts passiert

Eine einsame fremde Frau reiferen Alters, die nachmittags hereinschaut und ein grosses Glas Wein trinkt, hinterlässt in eine kleinen Dorf zweifellos Spuren. So lauten die Bedingungen, und wenn man keine Dichterin oder Künstlerin ist, macht es wenig Sinn, blind dagegen anzurennen. Ich bin weder das eine noch das andere.

nesserlebendenMaria Anderson mietet im kleinen Ort Winsford eine kleine und eher heruntergekommene Wohnung, in die sie mit ihrem Hund Castor für ein halbes Jahr einziehen will. Gemeinsam unternehmen die beiden ausgedehnte Spaziergänge, lernen die verschiedenen Bewohner des Ortes kennen, unterhalten sich mit ihnen.

Maria Anderson heisst eigetlich nicht so, zudem hat sie eine Vergangenheit, die sie dazu brachte, nun in Winsford zu sein. Von dieser Vergangenheit erzählt sie in Andeutungen – mal mehr mal weniger präzis, immer etwas offenlassend, das sie später noch erzählen will.

Und so blättert man als Leser Seite um Seite um, fragt sich, wann denn nun endlich was passiert und was überhaupt wirklich passiert ist – und sitzt bei beidem auf dem Trockenen. Was spannend sein könnte, wirkt mit der Zeit schlicht sehr lange, um nicht zu sagen langweilig. Immer wieder scheint Håkan Nessers philosophisches Gespür durch, gibt es kleine wunderbare und tiefgründige Stellen, mehrheitlich juckte es zumindest mir in den Fingern, die Seiten einfach zu überblättern, in der Hoffnung, dass dann endlich mal etwas passiert.

Håkan Nesser ist ein grossartiger Erzähler, darum entschied ich mich für dieses Buch. Allerdings kannte ich ihn bisher vor allem als Autor wirklich spannungsgeladener, grossartiger Thriller und aufgrund des Titels und des Klappentextes erwartete ich auch hier einen. Mit dieser Erwartungshaltung konnte der Roman nicht gefallen, denn er ist weit davon entfernt.

Fazit:
Eine Erzählung im wahrsten Sinne des Wortes: Es passiert kaum was, die Protagonistin erzählt über ihr Leben damals und heute.

Zum Autor und zum Übersetzer 
Håkan Nesser, geboren 1950, ist einer der beliebtesten Schriftsteller Schwedens. Für seine Kriminalromane erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, sie sind in über zwanzig Sprachen übersetzt und mehrmals erfolgreich verfilmt worden. Håkan Nesser lebt abwechselnd in Stockholm und auf Gotland.
Paul Berf, geboren 1963 in Frechen bei Köln, lebt nach seinem Skandinavistikstudium als freier Übersetzer in Köln. Er übertrug u. a. Henning Mankell, KjellWestö, Aris Fioretos und Selma Lagerlöf ins Deutsche. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: btb Verlag (9. Mai 2016)
Übersetzung: Paul Berf
ISBN-Nr.: 978-3442713899
Preis: EUR 9.99/ CHF 14.90
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Rezension: Harper Lee – Wer die Nachtigall stört

Wenn bloss alle Menschen wie Atticus Finch wären

Atticus, Jem und ich sowie Calpurnia, unsere Köchin, lebten in der Hauptstrasse des Wohnviertels. Jem und ich waren mit unserem Vater zufrieden: Er spielte mit uns, las uns vor und behandelte uns im Übrigen mit höflicher Zurückhaltung.

leenachtigallAtticus Finch lebt als alleinerziehender Vater mit seinen beiden Kindern Scout und Jem sowie der Köchin Calpurnia in der Kleinstadt Monroeville im tiefen Süden der USA. Die kleine Familie ist im ganzen Ort beliebt, bis Atticus in seiner Rolle als Rechtsanwalt die Verteidigung des schwarzen Landarbeiters Tom Robinson übernehmen soll, welcher wegen Vergewaltigung eines weissen Mädchens angeklagt ist. Atticus ist von der Unschuld seines Mandanten überzeugt, was ihm den Hass seiner Mitbürger einbringt.

Atticus Finch ist der wohl liebenswürdigste, warmherzigste und mitfühlendste Mensch, den man sich vorstellen kann. Er ist für seine Kinder da, ohne sie zu erdrücken, lässt sie die Welt entdecken und bringt ihnen bei, was wichtig ist, was Werte sind, was Menschlichkeit, Offenheit, Toleranz und Mitgefühl sind. Atticus hat ein Herz für die, welche nichts haben, und er setzt sich für die ein, denen Unrecht widerfährt. Gäbe es in dieser Welt mehr Menschen wie Atticus, wäre die Welt ein schönerer Platz.

Gerade diese Offenheit und Toleranz wird ihm allerdings fast zum Verhängnis, da er in einem rassistischen Umfeld lebt, wo Schwarze die Untertanen, die Weissen die herrschende Rasse sind. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Harper Lee greift in ihrem Roman die Rassendiskriminierung im Süden Amerikas auf. Sie zeigt auf, welche Dynamik falsche Verdächtigungen annehmen können. Wer die Nachtigall stört ist ein Blick in die Abgründe der menschlichen Seele. Das Buch zeigt auf, dass Vorurteile oft nicht mehr sind als zu Unrecht vertretene Meinungen, es zeigt weiter auf, dass es nicht immer einfach ist, zwischen gut und böse zu unterscheiden. Menschen werden verteufelt und stellen sich als liebenswürdig und ehrlich heraus, andere werden verteidigt und sind eigentlich zu verurteilen.

„Sie haben ihn verfolgt und konnten ihn nie erwischen…- du Atticus, der hatte das alles gar nicht getan… Er war nett, Atticus, so nett…“ […]
„Das sind die meisten Menschen, Scout, wenn man sie endlich zu Gesicht bekommt.“

Fazit:
Ein hervorragendes Buch voller Philosophie, Menschlichkeit und Herzenswärme.
Absolute Leseempfehlung!

Zum Autor
Harper Lee, geboren 1926 in Monroeville, studierte Jura an der University of Alabama, zog nach New York und begann zu schreiben. Sie war befreundet mit Truman Capote, der ihr Kindheitsfreund war und dem sie bei den Recherchen für «Kaltblütig» half. Nach dem Welterfolg ihres in 40 Sprachen übersetzten Romans «Wer die Nachtigall stört…», für den sie 1961 den Pulitzerpreis erhielt, zog sie sich aus dem literarischen Leben und weitgehend auch aus der Öffentlichkeit zurück. 2015 wurde eine frühe Manuskriptfassung von «Wer die Nachtigall stört …» gefunden und publiziert, die 50 Jahre lang als verschollen galt. Harper Lee starb 2016 in ihrer Heimatstadt Monroeville in Alabama.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag (22. Juli 2016)
Übersetzung: Claire Malignon
ISBN-Nr.: 978-3499217548
Preis: EUR 9.99/ CHF 14.90
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Wer die Nachtigall stört wurde mit Gregory Peck als Atticus Finch verfilmt. Ein wunderbarer Film mit einem grossartigen Hauptdarsteller. Gregory Peck sagte selber, dass dieser Film sein Lieblingsfilm gewesen sei (nachzusehen in der Dokumentation A conversation with Gregory Peck:

Die ganze Sendung ist auf Netflix abrufbar)

Trailer zum Film To Kill A Mockingbird

Rezension: James Patterson – Der 1. Mord

Vier Frauen und ein paar Todesfälle

Immer wenn sich bei der offiziellen Ermittlung neue Hinweise ergaben, könnten wir uns treffen, unsere Ergebnisse austauschen und die Bürokraten und das politische Halte-dich-bedeckt umgehen. Drei Frauen, denen es einen Heidenspass machen würde, der männlichen Rechthaberei ein Schnippchen zu schlagen.

patterson1Es sollte der schönste Tag in ihrem Leben werden, doch dann werden David und Melanie Brandt grausam ermordet. Inspector Lindsay Boxer ist erschüttert über die Brutalität, mit welcher der Mörder zuschlug. Polizeiintern kriegt sie für diesen Fall Verstärkung durch Chris Raleigh, worüber sie anfangs nicht erfreut ist, was sich aber bald ändert. Als sich bald darauf ein neuer Mord ereignet, wieder an einem Hochzeitspaar, wieder äusserst grausam, merkt Lindsay, dass sie noch mehr Hilfe brauchen kann: Zusammen mit der Pathologin (und besten Freundin) Claire Washbourn, der Reporterin Cindy Thomas und später der Staatsanwältin Jill Bernhardt gründet sie den Women’s Murder Club. Gemeinsam wollen sie dem Täter auf die Spur kommen – und das möglichst, bevor dieser weiter mordet.

Der 1. Mord ist ein Pageturner. Einmal angefangen zu lesen, kann man ihn kaum zur Seite legen. Mit Lindsay Boxer hat James Patterson eine Protagonistin geschaffen, die einen gleich für sich einnimmt. Dass Lindsay zudem gleich am Anfang des Buches erfährt, dass sie todkrank ist und somit nicht nur gegen einen Mörder, sondern auch noch um ihr Leben kämpfen muss, gibt der Geschichte eine Nebenhandlung, die einen noch mehr in den Roman zieht. Die kurzen Kapitel bringen noch zusätzlich Dynamik in die ganze Sache – Patterson, wie man ihn kennt: grossartig.

Was ich an dem Buch bemängeln muss, ist höchstens das Ende, welches gar konstruiert wirkt. Es scheint, als sei James Patterson übermütig geworden und hätte noch ein paar Drehungen und Pirouetten einbauen wollen, um den Leser nochmals richtig an der Nase rumzuführen. Das wäre so nicht nötig gewesen. Trotzdem ist der Thriller eine absolute Leseempfehlung und das Beste daran: Es gibt noch 11 weitere Fälle des Women’s Murder Club.

Fazit:
Einnehmende Charaktere, guter Plot, Spannung pur von der ersten bis zur letzten Seite! Absolute Leseempfehlung!

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (11. Juni 2007)
Übersetzung: Edda Petri
ISBN-Nr.: 978-3442369195
Preis: EUR 8.95 / CHF 12.90
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Rezension: Bernhard Aichner – Totenfrau

Die Rache für verlorenes Glück

Sie wird sich nicht rühren, egal, was passiert, nicht bewegen. Da ist nur Blum, und die Sonne auf ihrer Haut. Sie ignoriert die Schreie und das Klopfen.
Zwei schwimmende Körper, verzweifelt.

aichnertotenfrauBlums Kindheit war nicht schön. Schon früh muss sie im Bestattungsunternehmen der Eltern helfen, Tote sind um sie, Tag für Tag. Zwar gewöhnt sie sich mit der Zeit an die Toten, aber an ihre Eltern gewöhnt sie sich nie, sie leidet – und setzt diesem Leiden ein Ende: Die Eltern müssen sterben.

Am selben Tag, an dem Blum die Freiheit von ihren Eltern erlangt, lernt sie Mark kennen – und damit das Glück. Sie gründen eine Familie, sind tagtäglich dankbar und glücklich – bis eines Tages Mark bei einem Unfall stirbt. Als Blum erfährt, dass es kein Unfall war, will sie Rache. Und sie tut alles dafür.
Totenfrau ist der erste Band der Trilogie um Blum. Bernhard Aichner lässt den Leser die Hauptfigur kennenlernen, er erzählt die glücklichen und traurigen Tage von Blum, zeigt, wie sich in ihr Wut entwickelt, die sie nicht mehr bändigen kann, die sie ausleben muss. Der Leser versteht Blum, er fühlt mit ihr mit.

Der Thriller weist einige Längen auf, sehr viele und lange Dialoge stoppen den Fluss. Viele Leerseiten und das grosszügig gewählte Layout führen zu einem umfangreichen Buch, der wirkliche Text nimmt wohl maximal 2/3 der Seiten ein. Der ganze Roman hängt an der sehr plastischen und authentischen Protagonistin, Spannung tritt ein wenig in den Hintergrund. Da es sich um den ersten Band einer Trilogie handelt, kann das ein geschickter Schachzug sein, denn: Wenn man die Figur so gut kennt, will man auch wissen, wie es mit ihr weitergeht.

Fazit:
Ein guter Einstieg in eine Trilogie mit authentischen Charakteren und einem stimmigen Plot.

Der Autor
Bernhard Aichner (geb. 1972) lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck/Österreich. Aichner schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Für seine Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet. Nach den Spannungsromanen Nur Blau (2006) und Schnee kommt (2009) erschienen bei Haymon die Max-Broll-Krimis Die Schöne und der Tod (2010), Für immer tot (2011) und Leichenspiele (2012). Totenfrau ist der erste Thriller, der bei btb erscheint. Für die Recherche dazu arbeitete Aichner ein halbes Jahr bei einem Bestattungsinstitut als Aushilfe.

 

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: btb Verlag (11. Mai 2015)
ISBN-Nr.: 978-3442749263
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Rezension: Harlan Coben – Der Insider

Myron Bolitar ermittelt

Ein Comeback mit Hintergedanken

„Benehmen Sie sich anständig.“
„Ich?“, sagte Myron. „Ich bin doch immer ganz entzückend.“
[…]
„Myron, wir möchten Ihnen ein interessantes Angebot machen“, sagte Clip Arnstein.

cobeninsiderMyron Bolitar war ein vielversprechendes Talent im Basketball, bis ein Unfall seiner Karriere ein abruptes Ende bescherte. Bolitar lässt den Kopf nicht hängen, studiert Jura, arbeitet kurzzeitig fürs FBI und ist nun als Sportagent selbständig. Als aus heiterem Himmel das Angebot auf ihn zukommt, für ein grosses NBA-Team zu spielen, traut er seinen Ohren kaum. Allerdings geht es weniger um Bolitars Spielkünste, die ihn qualifizieren, als eher seine Fähigkeiten als Ermittler: Er soll als Insider das Verschwinden seines alten Kameraden Greg aufklären.

Gemeinsam mit seinem Partner Win macht er sich auf die Suche – und er muss feststellen, dass die ganze Geschichte tiefer reicht, als er gedacht hätte. Und: Es wird gefährlich.

Harlan Coben besticht einmal mehr durch seinen gewohnt leichten, humorvollen und gut lesbaren Schreibstil, der einen in die Geschichte zieht und festhält. Witzige Dialoge, ein stimmiger Plot mit den nötigen Kniffen und Überraschungen sowie plastisch und authentisch charakterisierte Figuren machen das Buch zu einem absoluten Lesevergnügen.

Der Insider ist der dritte Band der Reihe um Myron Bolitar, doch man kann ihn gut ohne Kenntnis der ersten beiden Bände lesen. Zwar erfährt man von einer Vorgeschichte Bolitars, doch fehlt einem keine Information fürs Verständnis des vorliegenden Bands, zumal jeder Charakter immer eine Vorgeschichte hat, selbst wenn die in keinem früheren Band beschrieben wurde.

Fazit:
Ein witzig und spannend erzählter Krimi mit einem stimmigen Plot und authentischen Charakteren. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Harlan Coben wurde 1962 in New Jersey geboren. Nachdem er zunächst Politikwissenschaft studiert hatte, arbeitete er später in der Tourismusbranche, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Seine Thriller wurden bisher in über 40 Sprachen übersetzt und erobern regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten. Harlan Coben, der als erster Autor mit den drei bedeutendsten amerikanischen Krimipreisen ausgezeichnet wurde – dem Edgar Award, dem Shamus Award und dem Anthony Award – gilt als einer der wichtigsten und erfolgreichsten Thrillerautoren seiner Generation. Er lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in New Jersey.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (19. September 2016)
Übersetzung: Kathrin Passig, Gunnar Kwisinski
ISBN-Nr.: 978-3764505424
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Rezension: Lee Child – Die Gejagten

Ein Jack-Reacher-Roman, Band 18

Fangen oder gefangen werden

„Jack Reacher, ab sofort sind sie wieder zum Militärdienst einberufen.“
Reacher schwieg.
„Sie sind wieder in der Army, Major“, sagte Morgan. „Und ihr Arsch gehört mir.“

childgejagtenNachdem Reacher aus der Militärpolizei ausgetreten ist, will er eines Tages spontan seine Nachfolgerin in seiner ehemaligen Einheit besuchen – ihre Stimme hat am Telefon so sympathisch geklungen und er könnte sich durchaus vorstellen, diese Sympathie auszubauen. Vor Ort angekommen, erfährt er, dass Major Susan Turner wegen Bestechung angeklagt ist und er selber wieder eingezogen wird, damit man ihn wegen zwei Fällen, die 16 Jahre zurückliegen, ebenfalls anklagen kann. Reacher soll einen Mann geprügelt haben, der danach starb, und er soll eine Tochter haben, für die er nie sorgte. Von beidem weiss Reacher nichts, ahnt aber nichts Gutes. Nachdem er verhaftet wird, gelingt ihm die Flucht und er muss versuchen, der Wahrheit hinter allem auf die Spur zu kommen.

Die Gejagten ist der 18. Teil der Jack-Reacher-Reihe, aber man kommt auch gut mit, wenn man die 17 vorhergehenden Bände nicht gelesen hat. Child baut seinen Hauptcharakter gut auf, es braucht wenig Beschreibungen, wie er ist, man erlebt ihn in seinen Handlungen und seiner Sprache, wodurch Reacher sehr plastisch und authentisch wirkt. Mit Susan Turner bekommt Reacher einen ebenbürtigen, intelligenten und sympathischen Charakter an die Seite, so dass die sich entwickelnde Liebesgeschichte stimmig wirkt.

Zentral im Buch bleibt die Jagd nach dem unsichtbaren Feind, der irgendwo im Verborgenen sitzt und an den Fäden zieht, die für Reacher und Turner den Untergang bedeuten könnten – wenn sie ihn nicht vorher entlarven, ohne selber gefunden zu werden.

Ein spannender Roman mit einem stimmigen Plot, der ab und an über Längen verfügt. Es wird sehr viel gesprochen und rumgefahren. Bei einem ungeduldigen Leser, der ich ab und an bin, juckt es da manchmal in den Fingern, ein paar Seiten zu überspringen. Lee Childs unterschwelliger und sarkastischer Humor beim Erzählen macht diesen Kritikpunkt wieder wett.

Fazit:
Stimmiger Plot, authentische Charaktere und Spannung gewürzt mit einer Prise Liebe. Empfehlenswert!

Zum Autor
Lee Child wurde in den englischen Midlands geboren, studierte Jura und arbeitete dann zwanzig Jahre lang beim Fernsehen. 1995 kehrte er der TV-Welt und England den Rücken, zog in die USA und landete bereits mit seinem ersten Jack-Reacher-Thriller einen internationalen Bestseller. Er wurde mit mehreren hoch dotierten Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem »Anthony Award«, dem renommiertesten Preis für Spannungsliteratur.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 4148 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (27. Juni 2016)
Übersetzung: Wulf Bergner
ISBN-Nr.: 978-3764505424
Preis: EUR 19.99 / CHF 28.90
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Rezension: David Levithan – Letztendlich sind wir dem Universum egal

Wer bin ich tief drin?

Früher oder später muss man mit der Tatsache Frieden schliessen, dass man einfach existiert. Warum es so ist, lässt sich nicht herausfinden. Man kann Theorien aufstellen, aber es wird nie schlüssige Beweise geben.

levithanletztendlichJeden Morgen wacht A in einem neuen Körper auf. Jeden Morgen lebt er ein anderes Leben als ein Anderer, bleibt aber tief drin immer auch er selber. Äusserlich wechselt er das Geschlecht, die Hautfarbe und den Aufenthaltsort (wobei er immer im gleichen Bundesstaat bleibt), nur das Alter ist immer dasselbe. Er denkt die Gedanken der anderen, verhält sich wie diese, aber tief drin kann er darüber nachdenken, alles hinterfragen. Manchmal hilft er, seinem Tagescharakter, manchmal bringt er auch Chaos in dessen Leben, meistens versucht er, den Tag möglichst so zu leben, dass seinem Tageskörper nichts passiert und der am nächsten Tag wieder ganz als er selber sein gewohntes Leben weiterführen kann.

Ich bin Treibgut, und so einsam das mitunter sein kann, es ist auch enorm befreiend. Ich werde mich niemals über jemand anderen definieren. Ich werde nie den Druck von Gleichaltrigen oder die Last elterlicher Erwartungen spüren. Ich kann alle als Teil eines Ganzen betrachten und mich auf das Ganze konzentrieren, nicht auf die Teile.

A hat sich Regeln gegeben für dieses Leben. Die wichtigste dabei lautet: Lass dich auf nichts zu sehr ein. Das gelingt ihm gut bis zum Tag, als er Justin ist und sich Hals über Kopf in dessen Freundin Rhiannon verliebt. Wie soll das weitergehen? Er immer an einem anderen Ort als ein Anderer, sie die Freundin von Justin, der ihr aber – davon ist A überzeugt – nicht gut tut?

Letztendlich sind wir dem Universum egal ist eigentlich ein Jugendbuch, das all die Probleme, die sich in der Pubertät stellen, anspricht: die eigene Identität, das Verhalten dem anderen Geschlecht gegenüber, der eigene Körper. Es behandelt aber auch Fragen der Gerechtigkeit, der Toleranz, des Miteinanders, fragt nach der wirklichen Liebe und woran sie sich festmacht. Das alles sind Fragen, die einen auch nach der Pubertät nicht ganz loslassen, die einen immer wieder begleiten. Gerade darum ist das Buch wohl viel mehr als ein Jugendbuch, es ist ein Buch für jeden, der sich Fragen stellt. Es ist ein Buch, das einen tief hineinnimmt ins Leben und in die eigenen Fragen danach, was ein Mensch ist und wie wir als Menschen miteinander und mit uns umgehen sollen.

David Levithan hat in diesem Buch alles richtig gemacht. Seine Charaktere sind authentisch und tief, die Idee hinter der Geschichte brilliant, der Plot gut und stimmig aufgebaut. Ich habe das Buch von der ersten bis zur letzten Seite in einem Zug durchgelesen, mochte es kaum weglegen, war gefangen und berührt.

Fazit:
Ein tiefgründiges, einnehmendes, gefühlvolles und wunderbar erzähltes Buch. Absolute Leseempfehlung.

Zum Autor
David Levithan, geboren 1972, ist Verleger eines der größten Kinder- und Jugendbuchverlage in den USA und Autor vieler erfolgreicher Jugendbücher, unter anderem ›Will & Will‹ (gemeinsam mit John Green) und ›Two Boys Kissing‹. Sein Roman ›Letztendlich sind wir dem Universum egal‹ erhielt den Deutschen Jugendliteraturpreis 2015 in der Kategorie Jugendjury. Er lebt in Hoboken, New Jersey.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch (22. September 2016)
Übersetzung: Martina Tichy
ISBN-Nr.: 978-3596811564
Preis: EUR 9.99 / CHF 31.90
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Rezension: Christopher Kloeble: Die unsterbliche Familie Salz

Familien und ihre Geheimnisse

Ich habe nie jemandem von 1914 erzählt. Es war das Jahr, in dem meine Familie einen Mord beging und ich Mama rettete. […] Meine Kinder müssen davon erfahren. Sie sollen wissen, dass ich mehr bin als die teuflische Person, für die sie mich halten.

kloeblesalzMünchen, 1914, Herr Salz will hoch hinaus. Da kommt ihm das Inserat, dass in Leipzig der Fürstenhof zum Verkauf steht, genau recht, wäre er doch als Patron des Hauses quasi in den Fürstenstand erhoben. Die nötigen Intrigen lassen den Kauf gelingen, aber ein Tod in der Familie trübt den Höhenflug bei einigen Familienmitgliedern vorübergehend. Das soll nicht der letzte Schicksalsschlag sein, es scheint aber der Anfang eines feinen Risses zu sein, der sich über die Jahre ausdehnt.

Christopher Kloeble begleitet die Familie Salz durch die Jahre und bettet ihre Geschichte in die Geschichte Deutschlands ein. Er spannt einen Bogen von den Weltkriegen über die Zustände in der DDR hin zum Mauerfall und bis ins Jahr 2015. Die einzelnen Etappen der Geschichte werden von verschiedenen Mitgliedern der Familie Salz erzählt, so dass diese aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und weitergesponnen wird.

Ohne dich gäbe es deinen Schatten nicht und ohne deinen Schatten dich nicht.

2015 ist es Emma Salz, die den Familiengeheimnissen auf den Grund gehen und die Schatten durchleuchten will, die sich über die Jahre auf die Familie gelegt haben.

Die unsterbliche Familie Salz ist ein wunderbares Familienepos. Es besticht durch eine sensible und sehr bildhafte Sprache, die sich dem jeweiligen Erzähler anpasst, aus dessen Perspektive man einen Blick auf die Geschichte erhält. So entsteht ein authentisches und lebhaftes Bild sowohl von der Familiengeschichte und ihren Irrungen und Wirrungen sowie vom historischen Kontext, in welchem sich die einzelnen Familienmitglieder bewegen.

Fazit:
Eine packende Familiengeschichte erzählt in einer bildhaften und einfühlsamen Sprache. Sehr empfehlenswert!

Zum Autor
Christopher Kloeble studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Beiträge von ihm erschienen u.a. in der ZEIT, der Süddeutschen Zeitung und der taz. Er war Stipendiat des International Writing Programs der University of Iowa und Writer-in-Residence der Cambridge University (GB). Sein Theaterstück ‚Memory‘ war für den Heidelberger Stückemarkt nominiert. Für sein Romandebüt ‚Unter Einzelgängern‘ wurde er mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung ausgezeichnet. 2009 erschien sein Erzählband ‚Wenn es klopft‘. Sein erstes Drehbuch wurde 2011 verfilmt.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 440 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (26. August 2016)
ISBN-Nr.: 978-3423280921
Preis: EUR 22 / CHF 31.90
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