WolfPhilosophie

Ursula Wolf macht sich in diesem Buch auf die Suche nach dem guten Leben und sie startet bei den Anfängen der Griechischen Philosophie, bei Platon und Aristoteles.

Jedes Handeln und Bewirken, jede Art praktischer Betätigung strebt, wie Aristoteles zu Beginn der Nikomachischen Ethik sagt, nach einem Gut. Fragt man, warum jemand etwas strebt, so lautet der Grund häufig, es sei das Mittel zu einem weiter gehenden Ziel. Soll das Streben auf diese Weise nicht ins Unendliche laufen, dann muss es, argumentiert Aristoteles, einen Endpunkt des Wünschens geben, ein höchstes Gut oder Ziel […] es ist die Eudaimonia, das Glück oder gute Leben; nicht einig aber sind sie sich, worin dieses besteht.

Alle wollen es also haben, das gute Leben, keiner weiss, was es wirklich ist. Die Frage nach dem guten Leben ist im alltäglichen Leben selten zu finden und auch die Philosophie hat sie eher stiefmütterlich behandelt. Zentral wird sie, so scheint es, immer dann, wenn die Zeiten schwierig sind.

Nach einer Begriffserklärung und dem Aufzeigen der Unterschiede zwischen Moral (Handeln nach gesellschaftlichen Normen) und Ethik (Lehre vom richtigen oder guten menschlichen Verfasstsein und Handeln) geht es darum, mit welcher Methode der Frage beizukommen wäre. Danach führt die Reise quer durch die Philosophiegeschichte, fängt bei Platon an, welcher das menschliche Leben als eines im sozialen Kontext sieht, so dass das individuelle Leben immer mit der Verfasstheit der guten Ordnung in der Gesellschaft zusammenhängt. Platon wirft die Frage, was ein gutes Leben ist, zurück auf die Frage, was ein guter Mensch ist. Eine wirkliche Antwort finden wir bei ihm nicht.

Als nächstes folgt Aristoteles mit seiner Spaltung von Ethik und Metaphysik. Bei ihm beleuchtet Wolf die Lehre der dreigeteilten Seele, beleuchtet ethische Tugenden und die Frage nach vollkommener Eudaimonia. Aristoteles unterscheidet zwischen Dingen, die wir in der Hand haben und solchen, die ohne unser Zutun auf uns zukommen.

Der Kunstgriff, mit dem man eine Konzeption eines im ganzen guten menschlichen Lebens finden kann, liegt also darin, auch auf derjenigen Seite des Lebens, wo wir uns nicht aktiv Ziele setzen, sondern auf gegebene Situationen reagieren, zu unterscheiden zwischen dem, was für unser Wollen Nützliches oder Schädliches geschieht, und der Frage, wie wir uns dazu verhalten. Diese Verhaltensweise (hexis) ist immer unser Beitrag […]

Weiter geht es im Text mit Kant und einer Herangehensweise an die Frage nach dem guten Leben. Es kommen in der Folge Erich Fromm, Karl Jaspers, Martin Heidegger hinzu, um danach nochmals zurückzublenden und einen Streifzug durch die Geschichte der Philosophie in Bezug auf Metaphysik und Metaphysikkritik zu machen. Fazit ist die Erkenntnis,

dass die jeweils grossen philosophischen Theorien jeweils durch eine existentielle Spannung aus demjenigen Lebensbereich motiviert sind, der auch konkret-alltäglich in der jeweiligen Epoche besondere Probleme aufwirft.

Diese Erkenntnis ist nun nicht wirklich neu und auch nicht erstaunlich, sie liegt sogar auf der Hand. Wolf wendet sich daraufhin Nietzsche und seiner Dekonstruktion der Metaphysik zu. Diese führt zur Frage, ob wir uns nicht nur um das individuelle Gute sorgen können, das allgemeine aber ausserhalb unserer Möglichkeiten steht. Wolf plädiert aber für die Streichung der Ideale, um dann doch den intersubjektiven Aspekt der Frage weiter zu verfolgen.

Doch wie man die Frage nach dem Guten auch dreht und wendet, wohin man schaut, findet man nur Herangehensweisen und Annäherungen, nie aber eine Antwort. Wolf konstatiert denn auch:

Wie wir in dem kurzen Gang durch die Philosophiegeschichte gesehen haben, reagieren die metaphysischen Konzeptionen auf die Unerreichbarkeit eines vollkommenen Guten dadurch, dass sie die Frage nach dem guten Leben umbiegen.

Eine Antwort scheint es nicht zu geben, man ist am Ende des Buches versucht, wie Goethes Faust zu denken:

Da steh ich nun, ich armer Thor,
und binn so klug als wie zuvor.

Ursula Wolf konnte keine Antwort finden auf die Frage, auf die es keine klare Antwort gibt. Trotzdem befriedigt weder die Herangehensweise, die durch die vielen Zeitsprünge und Wechsel sehr unruhig und wenig durchdacht erscheint, noch das Fazit des Buches. Wenn schon so viele Philosophen auf diese Frage hin untersucht werden, wäre eine konzisere Zusammenfassung von deren Meinungen wünschenswert gewesen. Dazu wäre ein chronologischer Aufbau sinnvoller gewesen als dieses Hin und Her in der Zeit.

Fazit
Informativ, wenn auch ohne wirkliche Antwort. Das Fazit des Buches erscheint wenig befriedigend. Trotzdem ist es durchaus lesenswert.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 216 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag 1999
Preis: EUR: 8.50 ; CHF 36.90

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Wer denkt, wenn ich denke, wer fühlt, handelt, wenn ich handle oder fühle? Erich Fromm beleuchtet die wirkliche Motivation hinter dem Handeln, Fühlen, Denken, hinter dem Sein des Menschen. Lebt er wirklich selbstbestimmt und frei oder sprechen durch ihn die vielen Stimmen der Umwelt, die er als Erwartungen an sich zu Handlungsmaximen erhoben hat?

[…] dass wir Gedanken, Gefühle, Wünsche, ja sogar Sinnesempfindungen haben können, die wir subjektiv als unsere empfinden, obwohl sie uns von aussen suggeriert wurden und uns daher im Grunde fremd sind und nicht das, was wir wirklich denken, fühlen und so weiter.

Der Mensch entfernt sich damit immer mehr von sich selber, wird zum Ding, zur Ware auf dem Markt, die daran gemessen wird, ob sie Erfolg hat, ankommt, die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt. Dies wirkt sich sowohl auf das menschliche Selbstgefühl als auch auf die Beziehungen zwischen Menschen aus.

Es handelt sich nicht um eine Beziehung zwischen zwei menschlichen Wesen, die ein Interesse aneinander haben, abgesehen davon, dass sie sich gegenseitig von Nutzen sind.

Erich Fromm analysiert in diesem Buch den Menschen in seinem Sein, er schaut auf die Gesellschaft und ihre Instrumentalisierung von Menschen hin zu Waren, die ihr dienen. Er analysiert die Ohnmachtsgefühle, die das im Menschen auslöst und wie er darauf reagiert. Und er versucht, durch diese Analyse ein Bewusstsein für diese Mechanismen zu wecken, die dabei helfen können, zu sich selber und dem wirklich eigenen Denken, Fühlen, Handeln zu finden.

Mut, sich um nichts zu kümmern als um die Wahrheit und zwar um die Wahrheit nicht nur in Bezug auf das eigene Denken, sondern auch in Bezug auf das eigene Fühlen.

Fazit:
Ein Buch, das dem Leser auf gut lesbare Weise das Wesen und die Masken des eigenen Seins aufzeigt. Sehr empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 155 Seiten
Verlag: Herder Verlag 2000
Preis: EUR: 8.95 ; CHF 14.90

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Eine Geschichte von morgen

Aus dataistischer Sicht können wir die gesamte menschliche Spezies als ein einziges Datenverarbeitungssystem betrachten, in dem die einzelnen Menschen als dessen Mikrochips fungieren.

HarariWir stehen am Anfang des dritten Jahrtausends und blicken auf eine lange Geschichte zurück. Was bei dieser Geschichte auffällt, ist, dass es immer Veränderungen und Umbrüche gab, und: Diese werden immer schneller.

Als Menschen sind wir kaum mehr in der Lage, mit den ständigen Neuerungen und Anforderungen fertig zu werden, geschweige denn können wir wirklich voraussagen, wohin das alles führen wird.

Unser neu entdecktes Wissen führt zu schnelleren wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungen; mit jedem Versuch zu begreifen, was geschieht, beschleunigen wir die Akkumulation von Wissen, was wiederum zu noch schnelleren und grösseren Umwälzungen führt.

Fakt ist: Die Digitalisierung schreitet voran. Wo früher Menschen als Könige des Universums agierten, stehen sie heute mehr und mehr in der Gefahr, von Maschinen abgelöst zu werden. Und nicht nur das: Maschinen sind sogar in vielen Dingen besser als wir Menschen, einschliesslich dessen, herauszufinden, was wir selber wirklich wollen.

Harari erklärt, wieso alle Organismen eigentlich Algorythmen sind. Ein Algorythmus ist eine methodische Abfolge von Schritten, die es erlaubt, Probleme zu lösen, Entscheidungen zu treffen oder Dinge zu berechnen. Wenn wir etwas tun, passiert das nach einer genauen Abfolge von Schritten, welche nach unserer Erfahrung (so denken wir) dazu geeignet ist, das zu tun. In Tat und Wahrheit ist in unserem Gehirn quasi ein Schaltkreis entstanden, welcher uns nun dies nach vorgegebener Methode tun lässt.

Hat der Humanismus noch sehr auf den einzelnen Menschen und seine individuelle Freiheit gesetzt, fragt sich nun, wo der Mensch, einst Krone der Schöpfung, bleiben wird. Dass wir kein Selbst sind, keinen freien Willen haben, eigentlich aufgrund von Hirnverschaltungen agieren, hat uns die Hirnforschung schon erklärt. Nun geht es eine Stufe weiter. Der Mensch schafft sich quasi selber ab durch seine sich immer schneller entwickelnden Innovationen im Bereich Datensammlung und –vernetzung. Damit droht dem Menschen bald das gleiche Schicksal, welches den Tieren durch den Menschen angetan wurde.

Klingt gruselig? Das Ganze soll nicht als Prognose verstanden werden, so Harari, sondern als (wohl ziemlich realistisches) mögliches Szenario einer nahen Zukunft. Harari besticht durch fundierte historische Kenntnisse, welche vor allem in den ersten beiden Teilen (Homo sapiens erobert die Welt & Homo Sapiens gibt der Welt einen Sinn) zum tragen kommen. Er versteht es, die historischen Abläufe und das menschliche Leben in den verschiedenen Bereichen auf eine detaillierte, informative und doch unterhaltsam lesbare Weise zu vermitteln. Teil drei führt die Geschichte weiter in die Zukunft, indem die vorhandenen Kriterien und Erkenntnisse konzis ermittelt und zusammengeführt werden, um den Strom der Geschichte auf eine nachvollziehbare und durchaus einleuchtende Weise weiter fliessen zu lassen.

Fazit
Ein spannendes, gut lesbares, unterhaltsames und sehr eindrückliches Buch über die menschliche Geschichte und wohin sie zu steuern scheint. Eine ganz grosse Leseempfehlung.

Zum Autor
Yuval Noah Harari wurde 1976 in Haifa, Israel, geboren. Er promovierte 2002 an der Oxford University. Aktuell lehrt er Geschichte an der Hebrew University in Jerusalem mit einem Schwerpunkt auf Weltgeschichte. Sein Weltbestseller „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ wurde in fast 40 Sprachen übersetzt.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 653 Seiten
Verlag: C.H.Beck Verlag 4. September 2018
Übersetzer: Andreas Wirthensohn
ISBN: 978-3406727863
Preis: EUR: 14.95 ; CHF 24.90

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Wir Menschen sind stolz auf unsere Begabung zur Vernunft und zur Liebe. Deswegen neigen wir zu ziemlich aufwendigen Zeremonien und beglückwünschen uns gern selbst, wenn wir den Eindruck haben, tatsächlich eine dieser Fähigkeiten zu realisieren. […] Beide sind problematisch, und ihr Verhältnis zueinander ist unklar.

In den beiden Vorlesungen Uns selbst ernst nehmen und Richtigliegen versucht Harry G. Frankfurt, dieses Verhältnis zu durchleuchten und die Liebe und die Vernunft als dem Menschen inhärente Fähigkeiten zu erklären. Harry G. Frankfurt stellt die Autorität der Liebe über die der Vernunft. Die Autorität der Vernunft gründe gar in der der Liebe. Die Liebe selber erachtet er als Sache des Willens. Und somit steht dieser an erster und oberster Stelle, von wo alles ausgeht.

Frankfurts Liebesbegriff ist frei von romantischen Spuren, Liebe ist für ihn verbunden mit der Sorge um etwas, dem sich Kümmern um eine Person oder Sache. Diese Form von Liebe setzt Ziele und somit Handlungen in Gang. Indem wir wissen, was uns wichtig ist, worum wir uns kümmern wollen, können wir unser Handeln auf diese Punkte fokussieren. Wir setzen also unseren freien Willen um.

Wichtig dabei ist, so Frankfurt, dass man sich immer wieder interfragt, um sich näher kennen zu lernen. Diese Fähigkeit der Selbsthinterfragung nennt Frankfurt denn auch das, was den Menschen grundlegend ausmacht.

Es ist unser besonderes Talent, uns von dem unmittelbaren Inhalt und Fluss unseres eigenen Bewusstseins abzusetzen und eine Art Spaltung innerhalb unseres Denkens einführen zu können. Dieses elementare Manöver etabliert eine nach innen gerichtete kontrollierende Überwachung. Es schafft eine elementare reflexive Struktur, die es uns ermöglicht, unsere Aufmerksamkeit

Erst wenn wir uns selber hinterfragen, nehmen wir uns auch ernst. Dann finden wir heraus, was wir wirklich wollen, welches wirklich die Stimme der Liebe und der Vernunft ist und wo wir Irrtümern und falschen Beweggründen aufsitzen.

Fazit:
Ein hoch komplexes und trotzdem schön lesbares Werk über die Liebe und die Vernunft. Diese beiden Vorlesungen behandeln Themen, die für den Menschen zentral sind: Wie sollen wir handeln, worauf unser Handeln stützen. Drei Kommentare runden das Ganze ab, einerseits Christine Korsgaards Beitrag über die Beziehung von Sorge und Moral, Michael Bratmans Frage, ob wirklich die Liebe handlungsbegründend ist, sowie Meir Dan-Cohens Untersuchung nach der Rolle der Verantwortung in Harry G. Frankfurts Essays.

 

BildAngaben zum Buch:
Harry G. Frankfurt: Sich selbst ernst nehmen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007.

Gebundene Ausgabe: 145 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag (2007)
Preis: EUR: 18.80 ; CHF 34.50

 

Ein Weg zu Liebe und Gelassenheit

Liebe ist für den anderen da. Sie darf nicht, wie es leider allzu oft im Alltag der Fall ist, vergiftet sein von Eifersucht und Obsession. Liebe braucht Gelassenheit. Um gelassen zu sein, muss ich mich selbst wie auch den anderen annehmen können, ihn sein lassen. Nur wer sich und den andere in seinem Sein annehmen kann, erfährt Gelassenheit.

muhoWas ist Liebe? Eine Frage, die sich wohl jeder schon mal gestellt hat, sogar Lieder wurden darüber gesungen. Abt Muho widmet sich dieser Frage und unterscheidet dabei zwischen den vier klassischen Liebesbegriffen storge, eros, philia und agape. Kommend aus einer christlichen Kultur nun im Buddhismus zu Hause verbindet er diese Begriffe mit der buddhistischen Lehre, bringt die Liebe mit Gelassenheit in Beziehung

Muho belässt es aber nicht bei der Erklärung der Begriffe, er erzählt auch seine Geschichte, die Geschichte eines eher unsicheren deutschen Jungen, der nach dem Studium beschliesst, nach Japan zu gehen und schlussendlich Abt des grössten Zen-Klosters da wird. Er erzählt von seinen Liebeserfahrungen, stellt dabei immer auch sein eigenes Verhalten in Frage. Heute lebt er mit seiner Frau und drei Kindern im Kloster, sieht sich dabei immer auch in Situationen, in denen er sich entscheiden muss, wem er seine Aufmerksamkeit nun schenken muss: Seiner Familie oder seiner Gemeinde. Nicht immer leicht zu fällen, die Entscheidung, und nicht immer gelingt es, die richtige zu treffen.

Gerade die persönliche Geschichte zeigt viel über das Thema des Buches: Liebe ist vielfältig und vielschichtig, sie muss im Alltag gelebt werden, denn da bewährt sie sich. Und: Ohne eine Spur Gelassenheit geht es nicht. Erst durch sie gelingt es in der Liebe, dass auch schwierige Zeiten, persönliche Macken und falsche Entscheidungen nicht zum Abbruch führen.

Die theoretischen Kapitel sind mitunter etwas gar abstrakt und teilweise zu kurz gehalten geschrieben, was vor allem durch den Vergleich mit den persönlichen Kapiteln noch stärker ins Auge fällt. Sie weisen aber auch auf die grosse Belesenheit und das Hintergrundwissen des Autors hin, so dass man ihm das gerne nachsieht.

Fazit
Ein sehr offenes, eingängiges, persönliches Buch zum Thema Liebe und Gelassenheit, das einen von der ersten Seite an in den Bann zieht. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Muhô ist Abt von Antaiji, einem tief in den japanischen Bergen gelegenen Zen-Kloster. Er wurde 1968 in Berlin geboren und kam mit 16 Jahren mit Zazen in Kontakt. 1993 wurde er zum Mönch ordiniert und 2001 von seinem Lehrer als eigenständigen Zenmeister anerkannt. Er beschloss, als Obdachloser in Ôsaka zu leben, wo er eine Zengruppe leitete. Am 14. Februar 2002 erreichte ihn die Nachricht vom Tod seines Lehrers, und er wurde als dessen Nachfolger zum Abt von Antaiji berufen.

Muhô ist der Autor von „Ein Regentropfen kehrt ins Meer zurück“, „Das Meer weist keinen Fluss zurück“ (beide im Berlin-Verlag), „Futter für Pferd und Esel“ (Angkor Verlag) und „Zazen oder der Weg zum Glück“ (Rowohlt Taschenbuch-Verlag) und hat die Bücher „An dich“, „Zen ist die größte Lüge aller Zeiten“ und „Tag für Tag ein guter Tag“ von Sawaki Kôdô ins Deutsche übersetzt. Homepage: http://www.antaiji.org

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Berlin Verlag (4. September 2018)
ISBN-Nr.: 978-3827013804
Preis: 18 Euro /28.90 CHF

 

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Das geheime Kriegstagebuch des Erich Kästner

KästnerBlau1933 wurde Erich Kästner von den Nationalsozialisten als Autor verboten. Trotzdem blieb er als einer der wenigen prominenten und intellektuellen Gegner des Systems in Deutschland, sicherte sich sein finanzielles Überleben durch schreiben unter Pseudonym, entstanden sind in der Zeit einige Drehbücher zu unterhaltsamen Komödien. Dass ein kritischer Geist wie Kästner aber nicht einfach zuschaut, ohne sich Gedanken zu machen, liegt auf der Hand. Zwar konnte er diese nicht mehr schriftlich unter die Leute bringen, aber er hielt sie in einem blauen Buch fest.

„Der Entschluss ist gefasst. Ich werde ab heute wichtige Einzelheiten des Kriegsalltags aufzeichnen. Ich will es tun, damit ich sie nicht vergesse, und bevor sie, je nachdem wie dieser Krieg ausgehen wird, mit Absicht und auch absichtslos allgemein vergessen, verändert, gedeutet oder umgedeutet sein werden.“

Kästner hütete das kleine Buch wie seinen Augapfel, schrieb oft auch stenografisch, damit das Entziffern des Geschriebenen nicht so leicht fiele, sollten es in falsche Hände geraten. So entstand zwischen 1941 bis zum Kriegsende ein Buch mit persönlichen Aufzeichnungen Kästners zu den Ereignissen an der Front in Berlin sowie zum Kriegsgeschehen allgemein. Auch Kneipenwitze, Zeitungsmeldungen und der Alltag der Zivilisten fanden Eingang in das blaue Buch, wurden von Kästner wiedergegeben und kommentiert. Der Tonfall reicht dabei von deprimiert bis hin zu bissig und böse.

Das Blaue Buch ist nun als geschmackvoll gestaltetes Buch mit vielen erklärenden Anmerkungen im Atrium Verlag erschienen. Es stellt sich die Frage, wieso Kästner seine Aufzeichnungen nicht selber in Buchform publizieren wollte, als der Krieg vorbei war. Ein Grund dafür mag sein, dass man sich gleich nach Kriegsende mit der Erinnerungskultur noch eher schwer tat. Es mussten einige Jahre vergehen, bis diese sich ausbreitete und auch Gehör fand. Dass dieses doch sehr persönliche Werk nun doch noch seinen Weg zum Publikum findet, ist eine Bereicherung, da es einen sehr direkten, eindringlichen und kritischen Blick auf das Kriegsgeschehen des Zweiten Weltkrieges präsentiert.

Fazit:
Ein persönliches, informatives, eindrückliches ab und an auch humorvolles Buch eines kritischen Geistes. Absolute Leseempfehlung!

Zum Autor
Erich Kästner wurde 1899 in Dresden geboren und starb 1974 in München. Der Schriftsteller, Satiriker, Dramatiker und nicht zuletzt Autor der berühmten Kinderklassiker ›Das doppelte Lottchen‹, ›Das fliegende Klassenzimmer‹, ›Pünktchen und Anton‹, ›Emil und die Detektive‹ und ›Die Konferenz der Tiere‹ wurde mit zahlreichen Preisen bedacht (u.a. mit dem Büchner-Preis und der Hans-Christian Andersen-Medaille).

»Erich Kästner war ein wehmütiger Satiriker und ein augenzwinkernder Skeptiker. Er war Deutschlands hoffnungsvollster Pessimist und der deutschen Literatur positivster Negationsrat. War er ein Schulmeister? Aber ja doch, nur eben Deutschlands amüsantester und geistreichster. Er war ein Prediger, der stolz die Narrenkappe trug.« Marcel Reich-Ranicki

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 405 Seiten
Verlag: Atrium Verlag AG (9. Februar 2018)
ISBN-Nr.: 978-3855350193
Preis: EUR 32 / CHF 44.90

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Platon ist der folgenreichste Denker unserer Geschichte. Er hat die abendländische Zivilisation und die Kultur Europas geprägt wie kein zweiter. Die Weise, wie wir heute denken, fühlen, handeln, leben, wäre ohne Platon gar nicht vorstellbar.

QuarchPlatonChristoph Quarch ermöglicht im vorliegenden Buch einen kurzen, gut lesbaren und informativen Überblick über Platons Denken. Ausgehend von der Aussage, dass Platon nicht nur der einflussreichste, sondern auch der am meisten missverstandene Philosoph unserer Kultur ist, zeigt er die Missverständnisse auf, die über die Jahrtausende – angefangen ei Aristoteles – in den Interpretationen Platons zu Tage traten, und zeigt die richtige Lesart auf.

Er behandelt dabei die grossen Themen Platons, schreibt über das Mass aller Dinge, das Wunder des Werdens und den Sinn des Lebens. Er beleuchtet die Idee des Guten und wie wir diese verwirklichen können nach Platon. Das Ringen um Gerechtigkeit ist genauso Thema wie die Unsterblichkeit der Seele, Eros und Schönheit finden ebenso ihr Gehör wie das Göttliche.

Es gelingt Quarch, auf gut lesbare und kompetente Weise die Gedanken Platons darzulegen und ihre Folgen in der heutigen Zeit und die Einflüsse auf diese darzulegen. Er geht dabei auf die Quantenphysik ebenso ein wie auf die wünschenswerte Ordnung in Gemeinwesen oder eine sinnvolle Bildungspolitik.

Das Buch zeigt deutlich, dass Platon noch immer aktuell und zeitgemäss ist, dass wir bei der genauen Lektüre des alten Griechen viel über unser Leben und Miteinander erfahren könnten, dass wir Einsichten gewinnen könnten, was ein gutes Leben ist und wie Glück entsteht. Es ist ein Buch, das Lust darauf macht, Platons Werk in die Hand zu nehmen und es zu lesen.

Fazit:
Die zeitlosen Gedanken eines grossen und prägenden Philosophen auf gut lesbare Weise kompetent vermittelt. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Christoph Quarch
Dr. phil. Christoph Quarch (*1964 in Düsseldorf) ist Philosoph, Bestsellerautor, und Reiseleiter/-veranstalter für Philosophiereisen in Zusammenarbeit mit ZEIT-REISEN.

Er ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Fulda. Seine Lebensmotti lauten: „Erkenne dich selbst“ und „Nichts im Übermaß“. Mehr Infos erhalten Sie unter www.christophquarch.de

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 186 Seiten
Verlag: J.B. Metzler; Auflage: 1. Aufl. 2018 (20. September 2018)
ISBN-Nr.: 978-3476046352
Preis: EUR 19.99 / CHF 36,90

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Ist unser Geist fröhlich und mitfühlend, ist es auch die Welt; ist er voller negativer Gedanken, wirkt auch die Welt negativ. Wenn du also überlastet und hektisch bist, ruf dir in Erinnerung, dass du nicht machtlos bist. Wenn dein Geist innehält, kommt auch die Welt zur Ruhe.

SunimDingeDer ehemalige Professor und nun als Zen-Mönch wurde Haemin Sunim oft nach seinem Rat gebeten bei Lebensfragen. Bald ging er dazu über, diese Ratschläge nicht nur in Mails oder persönlichen Gesprächen zu geben, sondern auch in den sozialen Medien verschiedene Aspekte des Lebens und seiner Sicht darauf zu vermitteln. Die Themen waren vielfältig, sie reichten von der Entschleunigung in der heutigen hektischen Welt über die Möglichkeiten, gute Beziehungen zu führen bis hin zu Achtsamkeit und Mitgefühl im Umgang mit sich und anderen.

Mit seinen Gedanken traf er viele Menschen mitten ins Herz, und so wurde bald auch ein Verlag auf ihn aufmerksam, der seine Gedanken in Buchform zusammenfassen wollte. Was für ein Glück! „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“ ist ein Geschenk. In einführenden Texten und nachfolgenden kurzen Gedanken werden verschiedene Themen aufgegriffen. Es ist kein Buch, das man schnell so nebenbei liest, sondern eines, das einen immer wieder zum Innehalten und Nachdenken aufruft.

Liebe kann das Leben der Menschen ändern.

Das Buch ist sehr liebevoll illustriert, so dass es nicht nur ein wunderbarer Begleiter und Ratgeber, sondern auch eine Freude zum Anschauen ist.

Fazit
Ein wunderbar inspirierendes, liebevoll illustriertes Buch, das zum Nachdenken anregt. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

Haemin Sunim
Haemin Sunim, geboren in Korea, ging in die USA, um in Berkeley, Harvard und Princeton Film zu studieren, nur um zu erkennen, dass er sein Leben dem Buddhismus und spirituellen Leben widmen möchte. Er kehrte nach Korea zurück, wurde Mönch und wurde einer der meistgelesenen spirituellen Autoren. Sein Buch „Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst“ verkaufte sich mehr als drei Millionen Mal, und er hat über eine Million Follower auf Twitter und Facebook. Wenn Hamin Sunim nicht auf Reisen ist, um Vorträge in der ganzen Welt zu halten, lebt er in Seoul.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Scorpio Verlag (4. August 2017)
Übersetzung: Claudia Seele-Nyima
ISBN: 978-3958031340
Preis: EUR: 18 ; CHF 28.90
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51UcxyM8K5L._SX313_BO1,204,203,200_Manchmal muss man gar nicht weit gehen, um Geschichten zu finden. Sie sind überall, in der Nachbarschaft, auf dem Friedhof, im Bahnhof, in der Schule oder im Theater. Man findet sie am Morgen, am Abend und dazwischen. Man muss nur die Augen und die Ohren offenhalten.

Das hat Franz Hohler getan und präsentiert in diesem kleinen Band alltägliche Geschichten von sich und seinen Mitmenschen. Es sind Geschichten, die das Leben schreibt, Geschichten, in denen man sich als Leser auch mal wieder findet. Franz Hohler gelingt es, mit einem feinen Humor menschliche Schwächen fast liebevoll ans Tageslicht zu bringen.

Dadurch, dass die einzelnen Geschichten sehr kurz sind, eignet sich das Buch gut auch als Lektüre zwischendurch bei einer Fahrt im Zug, vor dem Einschlafen oder nach dem Aufstehen. Man muss nur aufpassen, dass man ob der Lektüre nicht die eigenen kleinen Geschichten verpasst. Aber vielleicht nimmt man sie durch die Lektüre nachher besser und bewusster wahr.

Fazit:
Ein wunderbares Buch voller Sprachbilder und Witz, das die Geschichten im Alltäglichen Geschichten ans Tageslicht bringt.. Absolute Leseempfehlung!

Zum Autor
Franz Hohler wurde 1943 in Biel, Schweiz, geboren, er lebt heute in Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Erzähler seines Landes. Hohler ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Alice-Salomon-Preis und den Johann-Peter-Hebel-Preis. Sein Werk erscheint seit über vierzig Jahren im Luchterhand Verlag.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch:128 Seiten
Verlag: btb Verlag (13. november 2017)
ISBN-Nr.: 978-3442715824
Preis: EUR 9 / CHF 13.90

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Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft

Wir alle wollen in Würde sterben, aber sollten wir nicht erst einmal in Würde leben?

Der erste Artikel des Grundgesetzes besagt, dass die Würde des Menschen unantastbar sei. Was aber meint man, wenn man von Würde spricht, und wie kann man diese schützen. Wie müssen wir miteinander und jeder für sich leben, dass wir unsere Würde bewahren und die des anderen nicht antasten?

41eEyy5txmL._SX311_BO1,204,203,200_Diesen Fragen geht der bekannte Neurobiologe im vorliegenden Buch nach. Anhand von Beispielen aus der Biologie erläutert er, wie die Vorstellung der Würde beim Menschen überhaupt entstanden ist, weswegen wir eine solche Vorstellung brauchen und wie ein Bewusstsein für die eigene Würde entsteht. Ziel ist es, den Menschen für den Begriff der Würde wieder zu sensibilisieren und ihn damit in die Lage zu versetzen, ein würdevolles Leben zu leben.

Hüther schreckt in seinem Buch nicht davor zurück, einmal mehr Schule und Erziehung zu hinterfragen, Diagnosen wie ADHS und die Gesellschaft kritisch zu beleuchten.

Fazit:
Ein wichtiges Thema gut lesbar, informativ und kompetent umgesetzt. Leseempfehlung.

Zum Autor und Mitwirkenden
Gerald Hüther, geboren 1951, zählt zu den bekanntesten Hirnforschern in Deutschland. Der Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung schreibt Sachbücher, hält Vorträge, berät Politiker und Unternehmer und ist häufiger Gesprächsgast in Rundfunk und Fernsehen. Er versteht sich als Brückenbauer zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlicher bzw. individueller Lebenspraxis mit dem Ziel, günstige Voraussetzungen für die Entfaltung der menschlichen Potentiale zu schaffen.

Für „Würde“ arbeitete Gerald Hüther wie auch bei dem Bestseller „Jedes Kind ist hoch begabt“ mit dem „Stern“-Autor Uli Hauser zusammen.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag (5. März 2018)
ISBN-Nr.: 978-3813507836
Preis: EUR 20 ; CHF 29.90

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70648206-00-00Pierre-Joseph Redouté kam schon in jungen Jahren mit der Botanik in Berührung: Ein Mönch der Abtei S. Hubert führte ihn in dieselbe ein und hat damit wohl seine Liebe zu den Blumen geweckt. Später ging Redoute nach Amsterdam, wo er das Werk des berühmten Blumenmalers Jan van Huysum studierte, nachher nach Paris, um als Dekorateur und Bühnenmaler zu arbeiten. Er weckte mit seinem Können bald die Aufmerksamkeit und wurde fortan mit seiner Blumen-Aquarellmalerei gefördert, unter anderem von der Königin Marie Antoinette und später von der Kaiserin Joséphine.

Der vorliegende Bildband präsentiert über 2000 seiner detailgetreuen und anmutigen Zeichnungen. Ergänzend liefert Professor H. Walter Lack, Experte für die Geschichte der Botanik, einen erläuternden Text, welcher in drei Sprachen publiziert ist.

70648206-63-00Das Buch ist mit seinen 608 Seiten, um die 4,5 kg und den Massen 26,7 x 5,7 x 36,2 cm
imposant, es besticht durch eine hochwertige Verarbeitung, klare Farben, ein schönes Layout. Ein wunderbares Buch, um in die filigrane Welt der Blumen und Blüten einzutauchen. Es gewährt einen Einblick in die Schönheit der Blumenpracht der vergangenen Pariser Gärten sowie in das herausragende Können des Künstlers Pierre-Joseph Redouté.

Fazit
Ein wunderbares Buch für Blumenliebhaber und Bewunderer herausragender Zeichenkunst. Absolute Empfehlung.

Angaben zum Buch:
Hardcover: 608
Verlag: Taschen Verlag (24. Februar 2018)
ISBN: 978-3836568937
Preis: EUR 50 / CHF 96.60

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Es schien mir einfach und klar, dass man leben musste, um glücklich zu sein, und die Zukunft schien mir viel Glück zu verheissen.

Die junge Masa verliebt sich nach dem Tod ihrer Mutter in ihren viele Jahre älteren Vormund. Nachdem dieser sich anfänglich weigert, zuzugeben, dass die Liebe gegenseitig ist, kommt es schlussendlich doch zur Offenbarung und die beiden heiraten. Zusammen ziehen sie aufs Land, auf Sergej Michailycs Gut. Eine wunderbar verliebte Zeit beginnt.

…es gab nur das eine selbstsüchtige Gefühl der Liebe zueinander, den Wunsch, geliebt zu werden, grundlose, unaufhörliche Heiterkeit und das Vergessen von allem anderen auf der Welt.

Schon bald wird es Masa langweilig auf dem Land, sie sehnt sich nach mehr Abwechslung, nach dem Stadtleben und den Gesellschaften da. Sergej hat Bedenken, kann ihr aber keinen Wunsch abschlagen. Seine Bedenken sollen sich aber bewahrheiten, das grosse Glück bekommt Risse.

TolstojFamilienglückFamilienglück ist eine wunderbare Liebesgeschichte, eine Charakterstudie, die Geschichte einer Ehe durch schwierige Zeiten hindurch. Masa kann dabei als Vorgängerin Anna Kareninas gesehen werden, viele Züge Annas sind schon in Masa angelegt, auch Teile der Geschichte lassen sich wiederfinden.

Mit dieser neuen Übersetzung von Dorothea Trottenberg liegt nun eine wunderbar moderne Fassung des Romans vor, es ist ihr gelungen, Tolstojs Poesie ins Deutsche zu übersetzen. Dass das Buch auch optisch schön daher kommt, ist das Sahnehäubchen obendrauf. Ein wahrer Lesegenuss, bei dem man kaum umhin kann, ab und an laut zu seufzen, Sätze nochmals zu lesen, weil sie so wunderschön sind.

Fazit:
Ein wunderbares Buch rund um die Liebe, die Ehe, das Glück. Absolute Leseempfehlung.

Zum Autor
Leo Tolstoi wurde 1828 in Jasnaja Poljana als Sohn eines Grafen und Großgrundbesitzers geboren. 1847 brach er sein Studium ab, um sich um die Verwaltung des elterlichen Gutes zu kümmern. Durch Landreformen versuchte er die Situation der Leibeigenen zu verbessern. Nach Militärdienst und diversen Reisen durch Europa zog er sich schließlich nach Jasnaja Poljana zurück, wo er seine großen Romane schrieb. Tolstois lebenslange Suche nach der geeigneten Lebensform kulminierte 1910 darin, daß er seine Frau verließ, da diese nicht bereit war, sich von den gemeinsamen Besitztümern zu trennen. Er starb kurze Zeit darauf an einer Lungenentzündung am 7. November 1910 in Astapowo, heute Lew Tolstoi in der Oblast Lipezk.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 189 Seiten
Verlag: Dörlemann Verlag (20. Juni 2018)
Übersetzung: Dorothea Trottenberg
ISBN: 978-3038200628
Preis: EUR 17

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Notwendige feine Gedichte

StormWohinSo betitelt und untertitelt kommt dieser kleine, aber feine Gedichtband daher. Kannte ich aus Schulzeiten nur den Schimmelreiter und die ach so norddeutschen Novellen, entdeckte ich den Lyriker Storm erst spät. Das bedaure ich sehr, bin aber froh, dass es nicht zu spät war, ich ihn entdeckte. Eine wunderbar klare Sicht aufs Leben, so viel Herz und Verstand.

Wer je gelebt in Liebesarmen,
Der kann im Leben nie verarmen;
Und müsst’ er sterben, fern, allein,
Er fühlte noch die selge Stunde,
Da er gelebt an ihrem Munde,
Und noch im Tode ist sie sein.

Ein wunderbares Buch voller Gefühl, voller Poesie, voller Leben und aus dem Leben.

Was mich sehr traurig stimmt – und da kommt nun eine Kritik in eine Rezension, die nicht dem Inhalt des Buches, sondern der heutigen Zeit gilt: Lyrik wird zu gering geschätzt. Lyrik trägt so viel an Leben, an Philosophie, an Gefühl. Sie regt zum Denken an, lädt zum Innehalten ein, kann Halt in schweren Stunden sein oder Begleiter in den leichten.

Wir haben hier ein gebundenes Buch. Für 6 Euro. 9.90 CHF. Jeder seichte Krimi ist teurer. Und der wird nie nachhallen. Er ist Unterhaltung und dafür toll, ich las viele davon und möchte sie nicht schlecht reden. Nur: Wo bleiben unsere Werte? Dies ein kurzer Exkurs einer Lyrik-Liebhaberin.

Fazit:
Ein kleiner, feiner, tiefgründiger, gefühlvoller Gedichtband. Lyrik, die berührt. Absolute Leseempfehlung.

Zum Autor und den Mitwirkenden
Theodor Storm wurde 1817 in Husum geboren und studierte Jura in Kiel und Berlin. Anschließend ließ er sich als Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt nieder. Neben seinem Beruf widmete er sich jedoch leidenschaftlich seinem eigenen literarischen Schaffen: Er schrieb Gedichte, Märchen und Novellen. Im Jahr 1888 verfassteStorm sein letztes und erfolgreichstes Werk: die Novelle ‚Der Schimmelreiter‘. Noch im gleichen Jahr erlag er einer schweren Erkrankung und starb am 4. Juli.

Prof. Dr. Gerd Eversberg war 22 Jahre lang Sekretär der Theodor-Storm-Gesellschaft in Husum. Er studierte Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte, Germanistik, Philosophie und Pädagogik in Köln und leitet seit 1989 das Theodor- Storm-Zentrum mit Archiv und Museum in Husum. Er war Herausgeber der Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft, der Editionen aus dem Storm-Haus und der Storm-Briefwechsel. Neben seinen Arbeiten zur Literatur des poetischen Realismus und zur Mediengeschichte veröffentlichte er Beiträge zur „Fachdidaktik Deutsch“ und zum Philosophieunterricht sowie zur Ausstellungsdidaktik und zur Kulturgeschichte Nordfrieslands. Seit 2011 lehrt er als Honorarprofessor am Seminar für deutsche Philologie der Georg-August-Universität in Göttingen.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg; Auflage: 1 (18. August 2017)
ISBN-Nr: 978-3737410526
Preis: EUR 6/ CHF 9.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Es ist der Beginn einer Geschichte.
Einer neuen Geschichte, jedes Mal.
In meinen Händen erwacht sie zum Leben.

ColombaniDrei Frauen, drei Geschichten, die ihren Lauf nehmen. Smita, eine Frau aus Indien, die für ihre Tochter ein besseres Leben wünscht, als sie selber hatte, Giulia, die nach dem Tod des Vaters den Familienbetrieb retten will, und Sarah, Karrierefrau, die an Krebs erkrankt. Sie alle finden sich in den Gefängnissen ihres Lebens und setzen zum Befreiungsschlag. Sie alle könnten verschiedener nicht sein, leben an den unterschiedlichsten Orten, und doch: Etwas verbindet sie, bindet sie wie Strähnen eines Zopfes zusammen.

Ein wunderbares Buch, das einnimmt und es in einem Zug lesen lässt. Die Geschichte, die aus drei Einzelgeschichten besteht, ist von Anfang an absehbar, was dem Buch keinen Abbruch tut. Colombani ist es gelungen, authentische Figuren zu schaffen, mit denen man weiter gehen will. Sie schafft es, Schicksalsschläge ohne zu viel Betroffenheit und doch mit viel Mitgefühl zu schildern, sie erzählt gekonnt, wie Menschen aus ihren (teilweise selber, teilweise von aussen geschaffenen) Gefängnissen auszubrechen, was in ihnen vorgeht, wie sie ihre Ängste und Muster überwinden.

Fazit:
Ein wunderbares Buch, leicht zu lesen. Dass die Geschichte sehr absehbar ist, tut ihr keinen Abbruch. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Laetitia Colombani wurde 1976 in Bordeaux geboren, sie ist Filmschauspielerin und Regisseurin. ‚Der Zopf‘ ist ihr erster Roman und sorgte gleich nach Erscheinen für internationales Aufsehen. Der Roman steht seit Erscheinen weit oben auf der Bestsellerliste und erscheint in 27 Ländern. Die Filmrechte sind bereits vergeben. Laetitia Colombani lebt in Paris.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: S. FISCHER; Auflage: 3 (21. März 2018)
Übersetzung aus dem Englischen: Claudia Marquardt
ISBN: 978-3103973518
Preis: EUR 20/ CHF 29.90
Zu kaufen bei jedem Buchhändler vor Ort oder online unter anderem bei AMAZON.DE oder BOOKS.CH