Hier ist die Sonne

Lange gewartet
nun ist sie da,
Spring just has started
und ich sage: JA!

Strahlen, die wärmen,
Licht, das erquickt,
Vögel, die lärmen,
Trauer erstickt.

Es knospen die Blüten,
es jubelt das Herz,
nun reimen nur Tüten,
das bereitet mir Schmerz.

Was sollte mal werden
ein Frühlingsgedicht,
liegt nun im Verderben,
dies meine Sicht.

Es hat alles drin,
was man so will…
Schaut nur mal hin!!!
Und seid dann schön still!

Gotthold Ephraim Lessing: Lied aus dem Spanischen

Gestern liebt‘ ich,
Heute leid‘ ich,
Morgen sterb‘ ich:
Dennoch denk‘ ich
Heut und morgen
Gern an gestern.

Gotthold Ephraim Lessing hat dieses Gedicht geschrieben. Zwar trägt es den Titel „Lied aus dem Spanischen“, allerdings findet sich trotz Suchen kein spanisches Original, das diesem Gedicht auch nur ähnlich sähe. Dazu kommt, dass es zu gut in die Biographie des Dichters passt: Kurz zuvor war seine Frau gestorben, der kleine Sohn wurde kaum einen Tag alt. Das deutet darauf hin, dass er mit dem Nachsatz von sich ablenken, dem Gedicht einen allgemeinen Anstrich geben wollte.

Liebe gilt als höchstes der Gefühle. Wir alle streben danach, suchen sie, brauchen sie gar zum Überleben. So gewünscht und gewollt sie ist, so schwer kann sie auch sein. Die Liebe ist ein Wagnis. Sich darauf einzulassen bedeutet immer ein Risiko, denn nichts macht verletzlicher als zu lieben und diesem Gefühl freien Lauf zu lassen. Der Geliebte besitzt eine Macht und eine Kraft, die alles übertrifft. Kaum einer litt nicht an der Liebe, und doch: Wir sehnen uns immer wieder danach. Wir nehmen das Leiden in Kauf, nehmen sehr viel in Kauf, nur um diese Liebe spüren und erleben zu können.

Das lyrische Ich (Lessing?) spricht nur von sich. Die Geliebte ist kein Thema. Das Gefühl des Liebens ist an sich schon Glück bringend. Ob die Liebe gegenseitig war, ist kein Thema im Gedicht. Das Ich steht im Zentrum, es erscheint vier Mal in sechs Zeilen.

Das Gedicht spiegelt die Innensicht eines einst Liebenden wieder, der diese Liebe verloren hat, leidet, gar sterben wird, aber trotzdem zurück denkt. Damit geht er auf die rationale Ebene. Er denkt. Das Fühlen hat aufgehört, es ist nur noch Erinnerung, nun denkt er daran zurück. Das Ich ist das Bleibende, alles andere verändert sich. Während die Welt im Wandel ist, erlebt das Ich diese Welt, bleibt aber bestehen als (wenn auch sich veränderndes, aber trotzdem im Kern bleibendes) Ich. Es setzt dem Ausgeliefertsein an den Wandel ein „dennoch“ entgegen, das auf dem Verstand gründet. Hier drückt klar die Aufklärung der Zeit des Verfassers durch.

Selbst beim Denken erscheint das Fühlen richtig. Trotz des Wissens, wie es endete. Der Verstand rechtfertigt das Gefühl – das vergangene Gefühl. Es rechtfertigt ein Gefühl, das zum Leid führte. Damit sagt der hier Sprechende, dass das Fühlen der Liebe das Leid, das resultieren kann, übertrifft. Das ist wohl der Grund, wieso man das Risiko immer und immer wieder eingeht. Weil man weiss, dass dieses Gefühl alles übertrifft und jedes Leid wert ist. Selbst wenn man beim Scheitern schwört, nie mehr lieben zu wollen, nie mehr vertrauen zu wollen. Schlussendlich siegt die Sehnsucht nach der Liebe.

Weil:

Ohne Liebe ist alles nichts.

Abgang

Ab und an
würde ich gerne ausbrechen
aus dem Leben.
Aus allem

Ich möchte verlassen.
Dich! – alles,
wohl auch mich…
Ja – so ganz.

Und dann sitze ich hier
und schreibe Briefe
zum Abschied.
Gemeinte.

Ich schicke sie nicht ab.
Weil ich weiss,
ich bleib’ ja doch
Irgendwie.

Ein Teil geht immer.
Der Rest bleibt hier.
Es wird weniger.
Ich geh aus.

Vorsätze

Ich setze sie
so Jahr für Jahr –
und teilweis’ auch mal
zwischendurch.

Ich glaube dran
und will sie auch!
Sie leuchten ein,
sie klingen gut.

Dann sitz ich da
und überdenke,
sehe mich
und diesen Plan.

Und merke dann,
das bin ich nicht!
Ich lass’ sie fallen,
Stück für Stück.

Nun sitz ich da
und bleibe halt
die, die ich bin
bis nächstes Jahr.

Ich möchte

Ich möchte
verrückt sein
auf Tischen tanzen
einfach tun
nicht überlegen.

Ich möchte
Worte schreiben
keine Leser denken
einfach reihen
Wort an Wort

Ich möchte
Bilder malen
Farbe setzen
zeichnen
ohne Perspektive.

Ich möchte
Witze machen
nie verletzen
frei sein
ohne Grenzen.