er sagte so
du mach mal was
mit sichelmond*
du reimst so schön
das müsste gehn

nimm halt noch
ein bisschen schmus
so herz und schmerz
und bitte sehr
nicht zu konfus

bleib im takt
ohne zäsur
das wirkt sonst gleich
so hart und nach

nem bruch
das mag ich nicht
das macht mir das
gefühl kaputt

so schreib mal was
ich kann ja dann
noch kontrolliern
ob alles passt

wie ich es möcht

_________

Für die abc.etüden, Woche 25.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von autopict und lauten: Mondsichel, Zäsur, kontrollieren.

*Ich entschuldige mich für die Umdrehung, ich hoffe, das geht so noch so knapp irgendwie….

Der Ursprungspost: HIER

Ich stiess als Kind
auf Limericks
und fand die dann
auch ach so toll.

Nur: Limericks,
die sind vorbei,
da ist man heut
so drüber weg.
Das ist heut halt
nicht mehr ganz hipp,
man wächst ja auch

– und sollte das!!! –

so über sich
hinaus – was sonst.

Das nennt man dann
laut Weitergehn –
und Schritt nach vorn,
so ist das heut.

Ich mache nun
nen Schritt zurück.
Und mach mal so
nen Limerick.
Mir war grad so
genau danach
und es hat sogar
viel Spass gemacht.

(Eine Einleitung – man kann sie singen, wenn man singen kann. Ansonsten liest man sie besser. Auch gerne laut. Wenn man laut lesen kann. Ansonsten lieste man sie besser leise. Zum Schutz. Der Umwelt.)

Et voilà:

Der mallorquinische Vamp
Da war noch die Frau auf Malle,
die hatte ne scharfe Kralle,
die war ganz pink
die war auch flink,
und krallt’ sich die Männer alle.

Der Geniesser
Es gibt diesen Mann aus Bern
den hatten sie alle gern,
er war ganz rund
und pumperlgsund,
er konnt’ sich Genuss nur schlecht verwehr’n.

Beruf und Privatleben sollte man trennen
Kennen’s Frau Horn aus der Pathologie?
Die sagte allen nur immer sie.
Sie hielt halt Distanz
und ging nie zum Tanz.
„Weil irgendwann sezier ich die!“

Namen sind Schall und Rauch
Es war mal ein Kamel im Zoo,
das nannten sie alle nur Boo.
Es hiess eigentlich Fritz,
das ist nun kein Witz,
aber es reimte halt einfach nur so.

Wo ich bin
kann ich nicht bleiben.
Was ich muss,
will ich nicht tun.
Was ich kann,
muss ich noch finden,
was ich darf
lässt keine Wahl.

Was ich will,
muss ich noch werden.
Was ich soll,
erdrückt mich oft.
Wer ich bin,
wird einmal sterben.
Was ich weiss,
ist einzig das:

Wo ich bin
kann ich nicht bleiben.

©Sandra Matteotti

Wenn Tränen fliessen,
sich ergiessen
Bäche werden
in der Wanne des Lebens,
als Badesalz,
das in die Wunden
sich streut.

Wenn man platt
vom Leben gewalzt
am Boden liegt
und nur noch ein Wort
im Sinn ist:
flundernplatt.

Ist doch oft das Leben
der beste Lehrmeister
gerade dann,
wenn es ist, wie man es
nicht haben will.

©Sandra Matteotti

_____

2017_25-17_2_zwei

Für die abc.etüden, Woche 25.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Elke (elke-boehm.de) und lauten: Badesalz, flundernplatt, Lehrmeister.

Der Ursprungspost: HIER

Zwei Segel erhellend
Die tiefblaue Bucht!
Zwei Segel sich schwellend
Zu ruhiger Flucht!

Wie eins in den Winden
Sich wölbt und bewegt,
Wird auch das Empfinden
Des andern erregt.

Begehrt eins zu hasten,
Das andre geht schnell,
verlangt eins zu rasten,
Ruht auch sein Gesell.

Conrad Meyer (1825 – 1898) hat dieses Gedicht 1882 verfasst. Sonst eher für seine melancholischen Gedichte bekannt, stimmt er hier eine positive Grundstimmung an. Das Gedicht gehört durch seine idealisierten Züge zur Epoche des Symbolismus.

Man sieht es vor sich, das kleine Segelschiff mit den zwei Segeln. Es tanzt auf den Wellen, Wind kommt auf, bläst eines der Segel auf und das zweite geht mit. In schneller Fahrt gleitet das Schiff nun dahin, die beiden Segel ziehen es zusammen in die gleiche Richtung, bestimmen zusammen das Tempo. Würde eines in eine andere Richtung ziehen, bestünde für das Schiff die Gefahr, zu kentern.

Das Gedicht nimmt den Inhalt in die Form auf. Es ist in einem regelmässigen Rhythmus geschrieben, drei Strophen mit je vier Versen, alle zweihebig mit Auftakt, nur der letzte Vers verzichtet auf denselben, wechselt den Rhythmus, so dass das Gedicht, das vorher den Segelschiffen gleich dahinglitt, auch formal zum Stehen kommt.

Das ist die eine, bildhafte Ebene, das, was dasteht. Darunter liegt aber natürlich eine zweite, eine, für welche die bildhafte Ebene als Metapher steht.

Wenn wir mit einem Menschen zusammen sein wollen, gilt es, sich diesen Segeln ähnlich zu verhalten. Nur wenn man in die gleiche Richtung schaut, das gleiche Ziel ansteuert, ergibt sich ein gemeinsamer Weg. Nur wenn einer auf den anderen Rücksicht nimmt, sich vom anderen berühren und mitziehen lässt, befindet man sich auf gemeinsamer Fahrt.

Vielleicht würde man gewisse Dinge alleine anders angehen, hätte auch mal andere Ziele, ist nicht immer einer Meinung – es hilft nichts: Wenn zwei auf Dauer in entgegengesetzte Richtungen steuern, verliert man das gemeinsame Ziel aus den Augen. So verlangt ein Miteinander immer mal wieder, nachzugeben, Kompromisse einzugehen. Es heisst, sich anzupassen, auch mal den Wind des anderen aufzunehmen und am gleichen Strick zu ziehen. Alles andere wäre ein Kräftezehren, ein ständiger Kampf und Wettbewerb, die schlussendlich das Beziehungsschiff zum Kentern bringen, weil sie das Ende der ruhigen Fahrt bedeuten würden.

Das heisst nicht, dass man sich selber aufgeben sollte. Jedes Segel steht trotz allem für sich und jedes Segel ist mal am Zug, die Richtung anzugeben, je nachdem, woher der Wind kommt. Das Schiff bewegt sich nur gut auf dem Wasser, wenn beide Segel für sich intakt sind, beide ihren Dienst fürs Ganze tun.

Eingeschlagen
mit Feuer und Schwert

gebrandschatzt
in Hof und Keller

DURCHBRUCH
leer und verletzt

Türen geschlossen
hermetisch zu

Mauern gezogen
um mich herum

__________________

2017_23-17_2_zwei

Für die abc.etüden, Woche 23.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Bernd (redskiesoverparadise.wordpress.com) und lauten: Kellerdurchbruch, hermetisch, brandschatzen.

Der Ursprungspost:

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/06/04/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-23-17-wortspende-von-redskiesoverparadise/

Bis hier und nun weiter,
geh’n wir nach aussen
fröhlich und heiter,
tief drinnen verstummt.

Bis hier und nun weiter,
heisst es von allen.
die nichts weiter wissen,
als nutzlosen Rat.

Bis hier und nicht weiter,
denke ich oft und
plane den Ausstieg,
den’s für mich nicht gibt.

Bis hier und nun weiter,
denn weiter geht’s immer,
sagen sie alle
und wissen von nichts.

Bis hier und NICHT weiter,
das sage ich ihnen,
und bin ganz entschlossen!
– und gehe dann doch.

@Sandra Matteotti

 

Es ist wieder mal Zeit für die abc.etüden, wir sind schon bei Woche 21, ich freue mich, wieder dabei zu sein – von mir wieder ein Gedicht:

Die Zeit
Wir lassen sie fliegen,
in alle Winde,
Schirme der Pusteblume.

Wir teilen sie auf
scheibenweise
mit dem Käsehobel.

Wir versteigern, verschenken,
verschwenden sie,
als ob sie unendlich wäre.

Dann klagen wir,
dass sie zerränne
fliessend durchs Sandglas.

©Sandra Matteotti

______________________

2017_21-17_3_dreiFür die abc.etüden, Woche 21.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von von Andrea aus Bremen und lauten: Pusteblume, Käsehobel, versteigern.

Der Ursprungspost: HIER