Wer bin ich tief drin?
Früher oder später muss man mit der Tatsache Frieden schliessen, dass man einfach existiert. Warum es so ist, lässt sich nicht herausfinden. Man kann Theorien aufstellen, aber es wird nie schlüssige Beweise geben.
Jeden Morgen wacht A in einem neuen Körper auf. Jeden Morgen lebt er ein anderes Leben als ein Anderer, bleibt aber tief drin immer auch er selber. Äusserlich wechselt er das Geschlecht, die Hautfarbe und den Aufenthaltsort (wobei er immer im gleichen Bundesstaat bleibt), nur das Alter ist immer dasselbe. Er denkt die Gedanken der anderen, verhält sich wie diese, aber tief drin kann er darüber nachdenken, alles hinterfragen. Manchmal hilft er, seinem Tagescharakter, manchmal bringt er auch Chaos in dessen Leben, meistens versucht er, den Tag möglichst so zu leben, dass seinem Tageskörper nichts passiert und der am nächsten Tag wieder ganz als er selber sein gewohntes Leben weiterführen kann.
Ich bin Treibgut, und so einsam das mitunter sein kann, es ist auch enorm befreiend. Ich werde mich niemals über jemand anderen definieren. Ich werde nie den Druck von Gleichaltrigen oder die Last elterlicher Erwartungen spüren. Ich kann alle als Teil eines Ganzen betrachten und mich auf das Ganze konzentrieren, nicht auf die Teile.
A hat sich Regeln gegeben für dieses Leben. Die wichtigste dabei lautet: Lass dich auf nichts zu sehr ein. Das gelingt ihm gut bis zum Tag, als er Justin ist und sich Hals über Kopf in dessen Freundin Rhiannon verliebt. Wie soll das weitergehen? Er immer an einem anderen Ort als ein Anderer, sie die Freundin von Justin, der ihr aber – davon ist A überzeugt – nicht gut tut?
Letztendlich sind wir dem Universum egal ist eigentlich ein Jugendbuch, das all die Probleme, die sich in der Pubertät stellen, anspricht: die eigene Identität, das Verhalten dem anderen Geschlecht gegenüber, der eigene Körper. Es behandelt aber auch Fragen der Gerechtigkeit, der Toleranz, des Miteinanders, fragt nach der wirklichen Liebe und woran sie sich festmacht. Das alles sind Fragen, die einen auch nach der Pubertät nicht ganz loslassen, die einen immer wieder begleiten. Gerade darum ist das Buch wohl viel mehr als ein Jugendbuch, es ist ein Buch für jeden, der sich Fragen stellt. Es ist ein Buch, das einen tief hineinnimmt ins Leben und in die eigenen Fragen danach, was ein Mensch ist und wie wir als Menschen miteinander und mit uns umgehen sollen.
David Levithan hat in diesem Buch alles richtig gemacht. Seine Charaktere sind authentisch und tief, die Idee hinter der Geschichte brilliant, der Plot gut und stimmig aufgebaut. Ich habe das Buch von der ersten bis zur letzten Seite in einem Zug durchgelesen, mochte es kaum weglegen, war gefangen und berührt.
Fazit:
Ein tiefgründiges, einnehmendes, gefühlvolles und wunderbar erzähltes Buch. Absolute Leseempfehlung.
Zum Autor
David Levithan, geboren 1972, ist Verleger eines der größten Kinder- und Jugendbuchverlage in den USA und Autor vieler erfolgreicher Jugendbücher, unter anderem ›Will & Will‹ (gemeinsam mit John Green) und ›Two Boys Kissing‹. Sein Roman ›Letztendlich sind wir dem Universum egal‹ erhielt den Deutschen Jugendliteraturpreis 2015 in der Kategorie Jugendjury. Er lebt in Hoboken, New Jersey.
Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch (22. September 2016)
Übersetzung: Martina Tichy
ISBN-Nr.: 978-3596811564
Preis: EUR 9.99 / CHF 31.90
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Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Taschenbuch: 384 Seiten
Taschenbuch: 288 Seiten
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten