Angepasst verblasst

Ich wollt’ es doch
nur recht dir machen,
wollte keinen
Streit entfachen.

Nahm mich zurück.
Dachte: „Zum Glück!“

Nie hätt’ ich gedacht,
was dieses entfacht;
dieses mich Anpassen,
dieses mich selbst Verlassen.

Nahm mich zurück,
so Stück für Stück.

Angst hat regiert,
mich selber negiert,
machte mich klein,
eliminierte mein Sein.

Nahm mich zurück,
damit das Glück.

Was blieb denn noch,
so unterm Joch
der Furcht allein?
Wer könnte da noch

glücklich sein?

©Sandra Matteotti

In Liebe

Ich möchte dir
nur liebe geben
nicht nur neben
mit dir leben
dich erkunden
tief empfunden
sinn ergeben
deinem leben
und daneben
eng verbunden
all die Stunden

glück erleben

dich gefunden
unumwunden
zu nur geben
dass mein leben
dir verbunden
wie beim weben
strang um strang
dem band entlang
den faden schlagen
dass es hält
ein leben lang

©Sandra Matteotti

Öffne die Tür

Ich komme als Mensch
und ich will zu dir.
Lass mich herein,
öffne die Tür.

Nimm mich ganz an,
so wie ich halt bin,
sieh meinen Kern,
so den ganz tief drin.

Oft sind wir nur so,
wie’s and’ren gefällt,
wir passen uns an,
der ganzen Welt.

Vergessen dann schnell,
wer wir wirklich sind,
vergessen ganz schnell,
das innere Kind.

Dann spielen wir Rollen,
mal jene, mal die,
nur den, der wir sind,
den spielen wir nie.

Drum brauchen wir einen,
der uns so nimmt,
der uns erkennt,
wenn alles stimmt.

Und wie er bei uns,
so wir auch bei ihm,
von Mensch zu Mensch,
es führt nichts umhin.

So sitzen dann ich
und du vis-à-vis,
hätt’ ich nen Wunsch:
Es wär nur dies!

©Sandra Matteotti

An den Geliebten

Es gab eine Zeit,
so dunkel und leer,
da dachte ich bei mir,
das Leben sei schwer.

Es gab viele Tage,
die drückten so sehr,
ich sah weder Licht noch
Hoffnung gar mehr.

Du tratst in mein Leben,
nie hätt’ ich gedacht,
dass einer allein so
was Schönes entfacht.

Wo grade noch Dunkel,
ist nun ganz viel Licht,
wo grade noch Schweres,
ist Leichtigkeit schlicht.

Und wenn ich im Leben
was wünschte für mich:
Ich möchte dir geben,
was ich hab durch dich!

©Sandra Matteotti

Erich Kästner: Das Blaue Buch

Das geheime Kriegstagebuch des Erich Kästner

KästnerBlau1933 wurde Erich Kästner von den Nationalsozialisten als Autor verboten. Trotzdem blieb er als einer der wenigen prominenten und intellektuellen Gegner des Systems in Deutschland, sicherte sich sein finanzielles Überleben durch schreiben unter Pseudonym, entstanden sind in der Zeit einige Drehbücher zu unterhaltsamen Komödien. Dass ein kritischer Geist wie Kästner aber nicht einfach zuschaut, ohne sich Gedanken zu machen, liegt auf der Hand. Zwar konnte er diese nicht mehr schriftlich unter die Leute bringen, aber er hielt sie in einem blauen Buch fest.

„Der Entschluss ist gefasst. Ich werde ab heute wichtige Einzelheiten des Kriegsalltags aufzeichnen. Ich will es tun, damit ich sie nicht vergesse, und bevor sie, je nachdem wie dieser Krieg ausgehen wird, mit Absicht und auch absichtslos allgemein vergessen, verändert, gedeutet oder umgedeutet sein werden.“

Kästner hütete das kleine Buch wie seinen Augapfel, schrieb oft auch stenografisch, damit das Entziffern des Geschriebenen nicht so leicht fiele, sollten es in falsche Hände geraten. So entstand zwischen 1941 bis zum Kriegsende ein Buch mit persönlichen Aufzeichnungen Kästners zu den Ereignissen an der Front in Berlin sowie zum Kriegsgeschehen allgemein. Auch Kneipenwitze, Zeitungsmeldungen und der Alltag der Zivilisten fanden Eingang in das blaue Buch, wurden von Kästner wiedergegeben und kommentiert. Der Tonfall reicht dabei von deprimiert bis hin zu bissig und böse.

Das Blaue Buch ist nun als geschmackvoll gestaltetes Buch mit vielen erklärenden Anmerkungen im Atrium Verlag erschienen. Es stellt sich die Frage, wieso Kästner seine Aufzeichnungen nicht selber in Buchform publizieren wollte, als der Krieg vorbei war. Ein Grund dafür mag sein, dass man sich gleich nach Kriegsende mit der Erinnerungskultur noch eher schwer tat. Es mussten einige Jahre vergehen, bis diese sich ausbreitete und auch Gehör fand. Dass dieses doch sehr persönliche Werk nun doch noch seinen Weg zum Publikum findet, ist eine Bereicherung, da es einen sehr direkten, eindringlichen und kritischen Blick auf das Kriegsgeschehen des Zweiten Weltkrieges präsentiert.

Fazit:
Ein persönliches, informatives, eindrückliches ab und an auch humorvolles Buch eines kritischen Geistes. Absolute Leseempfehlung!

Zum Autor
Erich Kästner wurde 1899 in Dresden geboren und starb 1974 in München. Der Schriftsteller, Satiriker, Dramatiker und nicht zuletzt Autor der berühmten Kinderklassiker ›Das doppelte Lottchen‹, ›Das fliegende Klassenzimmer‹, ›Pünktchen und Anton‹, ›Emil und die Detektive‹ und ›Die Konferenz der Tiere‹ wurde mit zahlreichen Preisen bedacht (u.a. mit dem Büchner-Preis und der Hans-Christian Andersen-Medaille).

»Erich Kästner war ein wehmütiger Satiriker und ein augenzwinkernder Skeptiker. Er war Deutschlands hoffnungsvollster Pessimist und der deutschen Literatur positivster Negationsrat. War er ein Schulmeister? Aber ja doch, nur eben Deutschlands amüsantester und geistreichster. Er war ein Prediger, der stolz die Narrenkappe trug.« Marcel Reich-Ranicki

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 405 Seiten
Verlag: Atrium Verlag AG (9. Februar 2018)
ISBN-Nr.: 978-3855350193
Preis: EUR 32 / CHF 44.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

ich und du

ich bin ich
und du bist du.
und ich bin ich
nur weil du bist.

ohne dich
bin ich schlicht nicht,
nicht nur nicht ich.
gilt auch für dich.

denn erst das du
macht mich zum ich.
und ich mach dich
zum du durch mich.

drum einer nur
ist keiner denn
ein jemand ist
nur der zu zweit.

Zu zweien ist
ein jeder ich
und zeugt das du
durch dieses ich.

herbstnacht

herbst sei
abschied, sei
ein verlust.

es hiess,
die dinge enden,
fielen weg.

doch nein,
man kriegt so viel
dazu an:

farben und auch
laub, das tanzt, und
wind, der singt.

und irgendwann,
im klirrend kalt:
flocken aus schnee,

im stillen tanz,
sich niederlegend,
sanft bedeckend

die welt
in watte packend,
ruh dazu.

was einst hiess,
abschied nehmen,
war schlicht

neubeginn

©Sandra Matteotti

Dankbarkeit

Sonnenschein und Meereswogen,
Sternenhimmel, Traumesnacht,
Blaue Wellen, Windesflüstern,
und ein Mond, der oben wacht.

Strandessand und Kieselsteine,
Muschelmeer und Fischgesang,
und Libellen zirpen leise:
Lebenszeit nimmt ihren Gang.

Tagestraum und roter Wein,
Herzgefühl und auch Sehnsucht,
könnt es so doch immer bleiben,
dass es ist, lässt dankbar sein.

©Sandra Matteotti

Liebesrausch

Hier sitz ich nun,
so ganz allein,
und könnte gut
auch bei dir sein.

Doch sitz ich hier
und du bist da,
und du trinkst Gin
und ich trink’ Wein.

Ich sitze hier
und denk’ an dich,
und denk’ mir schlicht:
so sollt’s nicht sein.

Wir könnten auch
beisammen sein,
tränken erst Gin
und danach Wein.

©Sandra Matteotti

Nomen est omen

Wenn Liebe einen Namen hätte,
hiesse sie wie du.
Wenn Fühlen Sinn und Zweck,
wären sie so gut.

Sie sind es klar,
doch ohne Ziel,
denn du bist du,
auch namenlos.

Wenn Liebe einen Namen hätte,
hiesse sie wie du.
Nun heisst sie nicht,
doch da bist du und

alles, was man Liebe nennt,
und alles, was man ach so kennt
ist als die Eine
tief gefühlt.

Wenn Liebe einen Namen hätte,
hiesse sie wie du.
Das tut sie schlicht,
das tut sie immerzu.

©Sandra Matteotti

Glück im Blick

Könnte die Welt umarmen
und meine nur dich,
weil schlicht in deinen Armen
die Welt liegt für mich.

Möcht’ in der Sonne lachen
ein Strahlen im Blick,
verrückt tolle Sachen machen
und singen vor Glück.

Spüre das pralle Leben
und spüre ganz mich
fühle mein Herz erbeben,
und das nur durch dich.

Könnte die Welt umarmen
und meine nur dich,
weil schlicht in deinen Armen
die Welt liegt für mich.

©Sandra Matteotti

Franz Hohler: Ein Feuer im Garten

51UcxyM8K5L._SX313_BO1,204,203,200_Manchmal muss man gar nicht weit gehen, um Geschichten zu finden. Sie sind überall, in der Nachbarschaft, auf dem Friedhof, im Bahnhof, in der Schule oder im Theater. Man findet sie am Morgen, am Abend und dazwischen. Man muss nur die Augen und die Ohren offenhalten.

Das hat Franz Hohler getan und präsentiert in diesem kleinen Band alltägliche Geschichten von sich und seinen Mitmenschen. Es sind Geschichten, die das Leben schreibt, Geschichten, in denen man sich als Leser auch mal wieder findet. Franz Hohler gelingt es, mit einem feinen Humor menschliche Schwächen fast liebevoll ans Tageslicht zu bringen.

Dadurch, dass die einzelnen Geschichten sehr kurz sind, eignet sich das Buch gut auch als Lektüre zwischendurch bei einer Fahrt im Zug, vor dem Einschlafen oder nach dem Aufstehen. Man muss nur aufpassen, dass man ob der Lektüre nicht die eigenen kleinen Geschichten verpasst. Aber vielleicht nimmt man sie durch die Lektüre nachher besser und bewusster wahr.

Fazit:
Ein wunderbares Buch voller Sprachbilder und Witz, das die Geschichten im Alltäglichen Geschichten ans Tageslicht bringt.. Absolute Leseempfehlung!

Zum Autor
Franz Hohler wurde 1943 in Biel, Schweiz, geboren, er lebt heute in Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Erzähler seines Landes. Hohler ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Alice-Salomon-Preis und den Johann-Peter-Hebel-Preis. Sein Werk erscheint seit über vierzig Jahren im Luchterhand Verlag.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch:128 Seiten
Verlag: btb Verlag (13. november 2017)
ISBN-Nr.: 978-3442715824
Preis: EUR 9 / CHF 13.90

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