Vertrauen

Schenkt man Vertrauen im Voraus? Muss Vertrauen erst verdient werden? Kann man Vertrauen aufbauen? Zerstören kann man es. Was dann? Ist es dann weg? Für immer oder nur bei diesem einen Menschen? Machen schlechte Erfahrungen das Vertrauen in andere schwerer? Ist das fair? Lässt man dann nicht Menschen für etwas zahlen, das andere verbrochen haben? Was ist Vertrauen überhaupt? So etwas wie der naive Glaube an das Gute im Leben und im Menschen? Ist Naivität gut? Oder vielleicht auch dumm?

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser.

Wo ist das Vertrauen noch, wenn man denkt, kontrollieren zu müssen? Oder ist blindes Vertrauen dumm? Wäre dann Liebe auch dumm, da sie ja blind macht. Und Vertrauen soll – so sagt man – die Basis von Beziehungen sein, welche – im besten Falle – auf Liebe basieren. Wenn ich nun also nicht in den anderen vertraue, was liebe ich dann? Etwas, dem ich nicht traue? Oder denke ich, etwas nicht zu kennen, liebe aber das, was ich kenne? Oder kenne ich vielleicht die kritischen Punkte, habe darum Mühe mit Vertrauen?

Was ist Misstrauen? Selbstschutz, weil man zu oft auf die Nase fiel? Oder eine evolutionäre Massname zum Überleben, die schon ohne Vorerfahrungen da ist? Lässt uns Misstrauen nicht ständig auf der Hut und in Anspannung sein? Wie verträgt sich das mit Liebe, in der man sich einfach mal fallen lassen müsste? Oder ist die Welt vielleicht doch nicht ganz so einfach, dass Liebe auf Vertrauen baut, alles rosig und im Lot ist? Hat überhaupt jemand gesagt, es sei einfach?

Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen.
(Berthold Brecht: Der gute Mensch von Sezuan)

Sophie McKenzie: Seit du tot bist

Verratenes Vertrauen

Als Gen ihr Kind durch eine Totgeburt verliert, hört auch ihr Leben ein Stück weit auf, der Schmerz hüllt es ein und legt es lahm. Zwar führt sie eine gute Ehe mit Art, einem erfolgreichen Unternehmer, doch sie selbst bringt neben ein paar Kursen in kreativem Schreiben nichts mehr auf die Reihe. Alle Versuche, wieder schwanger zu werden, sind erfolglos, Gen ist nicht mal mehr sicher, ob sie noch weiter machen will. Acht Jahre ist der Verlust her, als plötzlich eine Frau vor Gens Tür steht. Ihre Behauptungen sind ungeheuerlich.

„Es…“ Die Frau holt tief Luft. „Es geht um Ihr Baby.“
Ich starre sie an. „Wie meinen Sie das?“
Sie zögert. „Es lebt.“ Ihre dunklen Augen scheinen mich zu durchdringen. „ Ihr Baby, Beth, ist am Leben.“

Der Boden unter Gens Füssen scheint sich aufzutun. Nicht nur soll ihr totgeglaubtes Kind noch am Leben sein, sie weiss nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Spricht die Frau die Wahrheit oder geht es ihr nur um Geld? Wer hat davon gewusst? Wieso will sie niemand verstehen, wenn sie der Sache nachgehen will?

Gens Mann Art macht sich Sorgen um Gen, er denkt, sie habe den Verstand verloren, will ihr helfen, will nach vorne schauen mit ihr, der Frau, die er über alles liebt. Kann sie ihm trauen oder ist auch das nur eine Masche? War sein Schmerz nicht echt damals?

Gen macht sich auf die Suche nach Anhaltspunkten, niemand will etwas wissen, alle damals involvierten Personen sind verschwunden, tot oder kommen unter mysteriösen Umständen ums Leben.

Sophie McKenzie ist mit Seit du tot bist ein packender Thriller gelungen, der einen von der ersten Seite an nicht mehr loslässt. Ein sauber gestrickter Plot, geschickt platzierte Cliffhanger, plastisch gezeichnete Figuren lassen das Buch zum Lesegenuss werden. Als Leser leidet man mit Gen mit, wird man immer wieder in Zweifel gestürzt, wer wirklich die Wahrheit spricht, wem man trauen soll, worauf man hoffen darf.

Fazit:
Spannung und Tiefe in eine packende Form gebracht. Ein Thriller, der seinem Namen alle Ehre macht. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Sophie McKenzie

Sophie McKenzie wurde in London geboren und wuchs auch da auf. Sie arbeitete als Journalistin und als Herausgeberin eines Magazins, entdeckte als sie arbeitslos wurde die Liebe zum Schreiben und meldete sich in einem Kurs über Kreatives Schreiben an. Sophie McKenzie hat bereits mehr als fünfzehn Romane geschrieben, darunter die preisgekrönten Teenage-Thriller Girl, Missing, Sister, Missing und Missing Me. Sie erhielt zahlreiche Preise und stand zwei mal auf der Longlist für die Carnegie Medal. Sophie McKenzie lebt mit ihrem Sohn in London. Von ihr erschienen sind unter anderem Lauren vermisst (2013), Seit du tot bist (2013).

McKenzieTotAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (13. Mai 2013)
Übersetzung; Ursula Pesch und Friedrich Pflüger
ISBN-Nr.: 978-3453410442
Preis: EUR  9.99 / CHF 15.90

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Frank Schmitter: Der Tote von der Isar

Geschichten unter der glatten Oberfläche

Die Leiche eines offensichtlich obdachlosen Mannes wird am Isarufer gefunden. Steckt die selbsternannte Quartierpolizei dahinter, die sich von der Polizei im Kampf gegen die überhand nehmenden Obdachlosen im Stich gelassen fühlt? Als herauskommt, dass die Leiche nur in zerrissenen Kleidern dalag, es sich beim Toten aber um einen Münchner Anwalt handelt, treten neue Verdächtige auf den Platz. Die beiden Ermittler Gerald van Loren und Batzko stehen vor immer neuen Erkenntnissen, die immer noch mehr Fragen aufwerfen statt sie zu beantworten. Dass Gerald neben seiner Arbeit noch mit Beziehungsproblemen belastet ist, bei denen sein Kollege Batzko eher unerwünschte Ratschläge platzieren will, runden die Geschichte ab.

Frank Schmitter ist ein solider Krimi gelungen, der von seinen menschlichen Figuren, dem Lokalkolorit Münchens und einer nicht gleich durchschaubaren Haupthandlung lebt. Es werden am Rande Gesellschaftsprobleme angesprochen, gewisse Psychologisierungen wirken ein wenig gesucht, sind dadurch aber nicht störend oder wirklich fehl am Platz. Alles in allem genau das Richtige für einen leichten und unterhaltenden Lesegenuss.

Fazit:

Ein kurzweiliger Krimi mit menschlichen Figuren, einem interessanten Plot und einigen unerwarteten Wendungen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Frank Schmitter
Frank Schmitter wurde 1957 in Krefeld NRW geboren, studierte nach dem Abitur Germanistik und versuchte sich nach dessen Abbruch in diversen Jobs. Es folgte das Studium in Bibliothekswesen in Stuttgart, nach dessen Abschluss er in dem Beruf arbeitete. Nach einem Abstecher zu Kirch-Media in München als Dokumentar und Medien-Redakteur arbeitet er seit 2005 für das Literaturarchiv der Monaccensia. Frank Schmitter ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in München. Von ihm erschienen sind unter anderem neben Lyrik und Prosa in Anthologien und Zeitschriften Das leichte Leben (2004), Späte Ruhestörung (2006), Der Tote von der Isar (2013).

SchmitterIsarAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: btb Verlag (10. Juni 2013)
ISBN-Nr.: 978-3442745449
Preis: EUR  9.99 / CHF 15.20

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Riikka Pulkkinen: Wahr

Das Leben und die Liebe leben

Neben ihm schlief Elsa. Sie atmete ein wenig stockend, aber nicht anders als Gesunde. Martti war also doch eingeschlafen, auch wenn er am Abend befürchtet hatte, aus Sorge kein Auge zutun zu können. Es war Elsas erste Nacht zu Hause, seit zwei Wochen. Anfangs hatte Marti sich gegen ihre Heimkehr gesträubt. Nicht, weil er seine Frau nicht gerne um sich hätte, im Gegenteil. Elsas Platz war hier, seit über fünfzig Jahren schon gehörte sie hierher. Aber er hatte Angst, sie eines Morgens tot neben sich zu finden, mit erkalteten Beinen.

Elsa, eine emeritierte Psychologieprofessorin, und Martti, erfolgreicher Künstler, sind seit über 50 Jahren ein Paar, haben eine gemeinsame Tochter, Eleonore, und zwei Enkelinnen, Maria und Anna. Die Krebsdiagnose Elsas und ihr bevorstehender Tod bringt das Leben aller Familienmitglieder ins Wanken. Elsa hat das Bedürfnis, vor ihrem Tod die Wahrheit über die Vergangenheit loszuwerden und damit die Verstrickungen in der Familiengeschichte offenzulegen. Zentrale Figur in dieser Geschichte ist Eeva, ehemaliges Kindermädchen Eleonores und grosse Liebe von Martii. Elsa wählt Anna, um ihr von Eeva zu erzählen, vielleicht, weil Anna Eeva in gewissen Belangen ähnlich ist. Anna macht sich auf die Suche nach Eeva, sie will mehr über sie erfahren, denn auch sie erkennt sich in ihr wieder und möchte wohl durch Eevas Geschichte ihrer eigenen auf die Spur kommen. Im Zentrum von allem steht die Frage nach der Liebe.

„Ich würde es eher so sehen: Deine Liebe gehört dir, dir allein. Sie ist kein Gefängnis oder etwas, das deiner Freiheit im Weg steht. Eeva hat das nicht erfasst und das hat sie zu einem traurigen Menschen gemacht. Möglicherweise war sie von Anfang an trauriger als alle, die wir kennen. Anna, niemand kann dir deine Liebe wegnehmen, aber genauso wenig die Welt. Beide gehören dir.“

Riikka Pulkkinen erzählt eine Familiengeschichte und deren Hintergründe in sehr philosophischer und poetischer Weise. Es gelingt ihr, mühelos zwischen verschiedenen Zeiten und Erzählsträngen hin und her zu wechseln, den Strang der vergangenen Liebe von Martii und Eeva und die gegenwärtige Abschiedszeit miteinander zu verweben. Wahr erzählt von der Liebe, von den Menschen, die sich in ihr finden oder verlieren. Es ist eine Geschichte, die vom Leben ausgeht und alle seine Belange hinterfragt, ohne dabei in Stein gemeisselte Antworten zu finden. Man findet sich als Leser philosophischen Gedankengängen gegenüber, die nie dogmatisch sind, nicht trocken oder aus dem Lehrbuch, sondern lebensecht und tief.

Wahr zieht einen als Leser in den Bann. Man fühlt mit, will wissen, wie die Geschichte ausgeht. Die Ahnung, wie das Ende aussehen wird, gewinnt an Gewissheit im Zuge des Lesens, das Vertrauen, dass genau dieses Ende das einzig passende ist, ergibt sich aus der Erzählsicherheit, der man sich in diesem Buch ganz hingeben kann. Wahr ist eine Geschichte, in die man eintauchen möchte, die man miterlebt, die einen packt und nicht mehr loslässt, indem sie einen tief berührt und vor die grundlegenden Fragen des eigenen Lebens stellt.

Fazit:
Eine berührende, philosophische, tiefe Geschichte. Sehr empfehlenswert.

Zur Autorin:
Riikka Pulkkinen
Riikka Pulkkinen, wurde 1980 geboren. Sie stammt aus der nordfinnischen Stadt Oulu und hat in Helsinki Literatur und Philosophie studiert. Sie ist eine der erfolgreichsten jungen Autorinnen Finnlands. Wahr wurde für den wichtigsten finnischen Literaturpreis, den Finlandia-Preis, nominiert. Riikka Pulkkinen lebt in Tampere in Südfinnland.

PulkkinenWahrAngaben zum Buch:
Hardcover: 368 Seiten
Verlag: List Hardcover Verlag (9. März 2012)
Übersetzung: Elina Kritzokat
ISBN: 978-3471350713
Preis: EUR 18; CHF 16.90

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Erich Segal (*16. Juni 1937)

Erich Wolf  Segal wird am 16. Juni 1937 in Brooklyn, New York City als Sohn eines Rabbis geboren. Er studiert ab 1955 in Harvard klassische Philologie und promoviert 10 Jahre später über antike klassische Komödien. Danach arbeitet er als Gastdozent und Assistent an verschiedenen Universitäten, unter anderem in Yale und München und publiziert eine Vielzahl literaturwissenschaftlicher Werke, wie es zur akademischen Karriere gehört. Er hat neben Drehbüchern und Romanen auch ein Musical geschrieben. 1970 gelingt ihm der Durchbruch als Romanschriftsteller mit seinem Roman Love Story.

Der Ruhm ist nicht nur Segen. In seiner Funktion als Literaturprofessor muss sich Segal dem oft harten Urteil seiner Studenten stellen und auch die Literaturkritik ist nicht nur voll des Lobes, es wird im Gegenteil als „dümmstes, zynischstes und langweiligstes Buch“ (FAZ) und bezeichnet und es heisst, nichts daran sei interessant, ausser dem Erfolg (Spiegel). Der Erfolg der durchaus seichten Geschichte liegt wohl in dem vermittelten Gefühl, welches der Zeit entspricht.

Nach einer Schaffenspause, die Segal braucht, den Tumult um seine Liebesgeschichte zu verarbeiten, fährt Segal fort zu schreiben, sowohl im wissenschaftlichen wie auch im belletristischen Rahmen, beides auf immer höherem Niveau, allerdings mit weniger Erfolg. Erich Segal erkrankt an Parkinson, unterrichtet aber weiter. Zuletzt lehrt er in Oxford und lebt in London, wo er am 17. Januar 2010 an einem Herzinfarkt stirbt.

Werke:
Belletristik:
Love Story (1970; dt: Love Story)
Oliver’s Story (1977; dt: Olivers Story)
Man, Woman and Child (1970; Mann, Frau und Kind)
Class (1985; …und sie wollten die Welt verändern)
Doctors (1988; dt: Die Ärzte / Die das Leben lieben)
Acts of Faith (1992; dt: Die Gottesmänner)
Prizes (1995; dt. Der Preis des Ruhms)
Only Love (dt: Only Love)

Drehbücher:
1967: Yellow Submarine
1970: The Games
1970: Kampf der Talaren
1971: Jennifer on my Mind
1980: Jahreszeiten einer Ehe (A Change of Seasons)

Literarische Vorlage zu einem Film:
1969: Love Story
1978: Olivers Story
1982: Herzen im Aufruhr (Man, Woman and Child)
1998: Nur die Liebe hält ewig (Only Love)

Perfektes Leben

Gaby ist einsam und schrecklich gemein, denn Klaus ist ein Schwein. Davon singen die Prinzen und viele erkennen sich wieder. Die als Schwein geouteten Kläuse finden das wohl ungerecht, da sie Gaby als höchst undankbar und sich selber als toll erachten. Die Gabys nicken zustimmend mit dem Kopf. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte, doch die ist weder spektakulär noch spannend und schon gar nicht prägnant in ein Lied zu verpacken. Schlussendlich steckt wohl ein wenig Wahrheit drin – in beiden Seiten.

Gaby lernt Klaus kennen und er ist einfach perfekt. Einfühlsam, sensibel, sieht gut aus, trägt sie auf Händen. Gaby fühlt sich am Ziel ihrer Träume. Sie heiraten, kriegen Kinder. Klaus hilft, wo er kann, nimmt ab, was er kann, ist da, wo er gebraucht wird. Gaby kann sich glücklich schätzen. Tut sie nicht. Ihr ist langweilig und Klaus ist ein Weichei. Gibt nie Paroli, steht nie hin. Wo ist da der Mann im Klaus? Der, welcher weiss, wo es lang geht?

Gaby lernt Klaus kennen und er ist einfach perfekt. Wilder Streuner, Wolf im Wald, Hecht im Teich. Gross, stark, beschützend steht er da und sie weiss: Neben dem bin ich nie mehr allein und klein, er wird immer neben, vor und hinter mir stehen und ich fühle mich geborgen. Klaus und Gaby heiraten, kriegen Kinder. Gaby könnte glücklich sein, ist sie nicht. Klaus wildert noch immer, ist gross und stark, aber nie da, grad mit Mann Sein beschäftigt.

Gaby steht da und sieht all das, was fehlt. Wo ist der Mann, der so perfekt war? Zurück bleibt nur, was noch zusätzlich gewünscht wäre. Und meist sieht Gaby dann einen Klaus, der genau das hat, was nun fehlt. Und sie findet diesen neuen Klaus so viel besser als den alten, der so mangelhaft ist. Sie fragt sich, wie sie je auf den alten reinfallen konnte und dass das Leben noch so viel mehr bereit hält als das, was sie gerad erlebt. Gaby hat nun zwei Möglichkeiten: Sie kann feige sein und bleiben oder aber ganz mutig und sich vom alten Klaus trennen, um zum neuen Klaus zu wechseln – oder zu einem, der genauso gut ist wie der.

Wir folgen der mutigen Gaby und sehen, wie sie den neuen Klaus wählt. Sie kommen zusammen und Gaby ist auf Wolke sieben. Alles, was sie vermisste ist da, sogar im Übermass. Sie geniesst diesen bislang nur ersehnten Segen und schwebt hoch und höher. Bis sie fällt. Denn nun fehlt plötzlich was anderes. Der alte Klaus hatte das gehabt, das war ihr gar nie aufgefallen. Logisch, es war ja immer da. Und langsam schwindet das Schweben ob der neu gefundenen Qualitäten und das nun neu Fehlende wird gross und grösser. Wolke um Wolke schwindet – von sieben auf sechs auf fünf auf vier auf drei, zwei, eins, bis Gaby unsanft auf dem Boden aufschlägt.

Moral von der Geschicht’? Alles haben kann man nicht. Neue Heilsversprechen wollen das zwar bestreiten und versprechen die allseligmachende Realität, wenn man ihnen nur folgt und schön dran glaubt (und genügend bezahlt, um wirklich dazuzugehören). Das reale Leben ist weder Ponyhof noch Schokoladenkiste. Es gilt, eine Entscheidung zu treffen, was man vom Leben wirklich will, was schön zu haben wäre und worauf man notfalls verzichten kann. Träumt Gaby also von einem Häuschen mit Familie, Hund und Urlaub in den Bergen, wird der draufgängerische Klaus von nebenan zwar sehr verlockend erscheinen, weil er so stark und selbstbewusst dasteht, aber auf Dauer wird er eher anstrengend und enttäuschend sein – Leidenschaft hin oder her. Und umgekehrt wird man als Revoluzzerin mit dem häuslichen und sicherheitsbewussten Klaus nicht das Paradies auf Erden finden, so verliebt und auf Händen tragend er auch ist.

Nun gibt es natürlich trotz alledem die unermüdlichen Optimisten, die noch an die grosse und alles erfüllende Liebe und das dazugehörige perfekte Leben mit all den erfüllten Träumen, Wünschen und Zielen glauben. Denen empfehle ich eine gute Backstube. Und wenn es klappt: Unbedingt patentieren. Ansonsten bleibt wohl nur hinzuschauen und zu sehen, was man hat. Meist ist es mehr, als man sich bewusst ist. Wir neigen wohl dazu, das, was ist, gering zu schätzen, weil das, was fehlt, unendlich grösser scheint im Gefühl des Mangels. Eigentlich schade.

Beziehungen von gestern?

Früher wurden Beziehungen aus verschiedenen Gründen eingegangen. Liebe war selten zentral dabei, ökonomische und (familien)politische Überlegungen waren vordergründig. Durch die übliche und gesellschaftlich einzig akzeptierte Rollenverteilung war Frau, einmal geheiratet, gar nicht mehr in der Lage, sich anders zu entscheiden. Hätte sie es getan, wäre sie nicht nur gesellschaftlich geächtet gewesen, sondern auch wirtschaftlich ruiniert, hing sie doch am Mann dran. Sie war aber selber durchaus zu was gut, galt doch ein verheirateter Mann vor allem auch beruflich als gefestigter, hatte er noch eine Vorzeigefamilie, stieg er gar zum Bilderbuchmann auf. Was er nebenher so laufen hatte, kümmerte keinen, denn das hatte jeder, man wusste es, man sah drüber weg. Man hatte wohl nicht den Anspruch, dass es anders wäre, da man gar nicht die Hoffnung hatte, es könnte anders sein.

Die Zeiten haben sich geändert, die herkömmlichen Rollenmuster sind aufgeweicht und politische und finanzielle Heiratsgründe verpönt. Die Liebe zählt – und nur sie allein. Was auf Liebe gründet, soll ewig währen. Nebengeschäfte sind tabu. Dass es sie noch immer gibt, weiss man, will man aber nicht wirklich wahrhaben oder aber man hofft, dass der Kelch an einem vorüber zöge. Frau hat den Vorteil, einfach gehen zu können, sie hat heute Möglichkeiten und Wege, hängt nicht mehr zwangsläufig am Mann dran. Mann findet sich als nicht verheirateter in guter Gesellschaft, je höher die Karrierestufe – so liest man – in umso zahlreicherer.

Die Scheidungsraten sind gestiegen, Beziehungen sind nicht mehr Dauerware, sondern höchstens Etappen füllend. Woran liegt es? Bauen Beziehungen auf dem falschen Grund auf? Ist Liebe zwar wunderbar zu haben aber nicht dauerhaft? Ist es mit den Gefühlen zu Menschen wie mit dem Geschmack beim Essen? Das heutige Leibgericht ist morgen ersetzt? Wechseln wir nicht nur unsere eigenen Wesensarten, sondern damit auch das, was wir im Aussen suchen? Möglich wäre es.

Die heutige Unabhängigkeit von Mann und Frau könnten aber auch die Erwartungen ans Gegenüber wachsen lassen. Da ich den anderen nicht wirklich brauche, muss er noch viel besser sein, damit ich bleibe, denn ich muss ja nicht. Wenn man bleiben muss, sieht man (gezwungener Massen) über mehr hinweg als wenn man gehen kann. Sicherte früher das Bleiben das (zumindest gesellschaftliche) Überleben, so kann heute schneller der Gedanke aufkommen, dass Bleiben eher das Leben belastet. Wozu etwas behalten, das man nicht braucht und das nicht ist, was man gerne hätte?

Wozu also geht man heute noch Beziehungen ein, wenn man sie nicht mehr braucht (zum Überleben) und Liebe selten ewig hält? Ist der Mensch von heute Einzeltierchen mit zeitweiligem Bedürfnis nach Austausch, jegliche weiterführende Verbindlichkeit mehr Ballast denn Lust?

Ellen Berg: Ich koch dich tot. (K)ein Liebesroman

Nicht nur Liebe geht durch den Magen

Auf Zehenspitzen näherte sie sich ihm. Beugte sich über die reglose Gestalt. Sah die starren, weit aufgerissenen Augen. Dann liess sie die Dessertschüssel fallen. Scheppernd zerbrach sie auf dem Natursteinboden. Werner atmete nicht. Er würde nie wieder atmen. Er war tot.

Vivi ist soeben ihren Gatten und Haustyrannen Werner losgeworden. Er starb am Rattengift, welches ins Essen gelangt ist. Ist sein Tod noch ein Zufall, welcher Vivi aber durchaus gelegen kommt, so sind die nächsten toten Männer, welche sich als Enttäuschung entpuppen, geplant. Es wird gekocht, was das Zeug hält, die Folgen lassen nicht lange auf sich warten. Bis das Blatt sich wendet und der Richtige kommt. So sieht es zumindest aus.

Auf locker flockige Weise erzählt Ellen Berg die Geschichte ihrer mörderischen Köchin Vivi. Ihre Suche nach dem richtigen Mann fürs Leben endet immer mit dem Tod. Die im Anhang nachgereichten Rezepte laden zum Nachkochen ein, die nötigen Zusätze für alle Fälle erfährt man im Buch.

Fazit:
Leichte und amüsante Unterhaltung für zwischendurch. Sehr empfehlenswert.

Zur Autorin
Ellen Berg
Ellen Berg, geboren 1969, studierte Germanistik und arbeitete als Reisebegleiterin und in der Gastronomie, wo sie auch die erotische Küche kennenlernte. Sie lebt mit ihrer Tochter auf einem Bauernhof im Allgäu. Von ihr erschienen sind Du mich auch. Ein Rache-Roman (2011), Das bisschen Kuchen. (K)ein Diät-Roman (2012), Den lass ich gleich an. (K)ein Single-Roman (2013).

BergkochdichAngaben zum Buch:
Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag GmbH (20. Mai 2013)
ISBN-Nr.: 978-3746629315
Preis: EUR 9.99 / CHF 15.90

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Liebe

Ich liebe ihn. Ich kann es ihm nicht sagen. Was wird er von mir denken? Wir kennen uns kaum. Und vielleicht liebt er mich ja nicht. Findet mich nett, ja, aber mehr? Was denkt er dann, wenn ich so raus presche, einfach sage, was ich fühle, was ich will. Er denkt, ich sei vorschnell, voreilig, er will gar nichts. Er findet mich lächerlich, belächelt mich. Vielleicht erzählt er seinem Freund. Er erzählt es allen, die lachen dann hinter meinem Rücken. Wenn ich komme, verstummen sie, weil sie vorher grad noch darüber lästerten, dass ich so eine naive verliebte Kuh bin. Nein, diese Blösse gebe ich mir nicht. Ich werde nichts sagen. Werde warten. Wenn nichts kommt, wird mich das bestätigen und ich werde froh sein, nichts gesagt zu haben.

Wie oft halten wir mit positiven Gefühlen hinterm Berg. Dem anderen zu sagen, was er falsch macht scheint fast einfacher, als die positiven Gefühle offenzulegen. Wir mauern uns ein, schützen uns vor Spott und Häme. Wir fürchten, uns blosszustellen, wenn wir zu uns stehen, weil wir denken, dass wir mit unseren Gefühlen schwach aussehen, vor allem, wenn sie nicht erwidert werden. Wenn ich liebe und nicht geliebt werde, so denken wir, dann ist der andere der Grosse, er ist mehr wert, weil er von mir geliebt wird, ich von ihm nicht. Wir setzen uns damit schon von vornherein in die kleine Position, in die des Schwächlings. Wir denken, unsere Fassade wahren zu müssen, indem wir mit dem Innersten nicht nach aussen treten. Wir nennen es Selbstschutz. Stellen ihn in den Dienst des Gesichts nach aussen, das es zu wahren gilt. Wir merken dabei nicht, dass wir uns selber klein machen, dass wir uns selber nicht Wert genug sind, zu uns zu stehen. Wie soll es ein anderer?

Sind Gefühle wirklich Ausdruck von Schwäche? Ist es wirklich Unterlegenheit, zu lieben und nicht widergeliebt zu werden? Ich denke nicht. Liebe ist das grösste Gefühl überhaupt. Dazu fähig zu sein hebt den so Fühlenden schon über sehr viele Menschen hinweg, die nur noch dem eigenen Profit nachrennen und diesem alles unterordnen, bis sie auf dieser Jagt nach Ruhm, Ehre und Erfolg straucheln und sich ganz tief in Loch sitzen sehen – allein und einsam.

Sind wir schwach und klein, nur weil uns der, den wir lieben, nicht genauso liebt? Hat das irgendetwas mit unserem eigenen Wert zu tun? Auch da denke ich, dass dies nicht der Fall ist. Klar tut es weh und klar wünscht man sich Liebe gegenseitig. Aber wenn man nur darauf abzielte, geliebt zu werden, wäre das Lieben kein Gefühl, schon gar nicht bedingungslos, es wäre ein Tauschgeschäft. Und so funktioniert sie nicht. Liebe fordert nicht, sie gibt. Und ja, man selber wird gerne geliebt. Aber es gibt sicher Menschen, die einen lieben. Nur gerade der eine nicht, den man nun halt gerne hätte. Damit muss man umgehen lernen. Das bedeutet nicht, Mauern bauen und keine Gefühle mehr nach aussen dringen zu lassen. Das bedeutet, sich selber zu lieben, zu sich und seinen Gefühlen zu stehen. Dankbar zu sein, dass man sie hat und an sich zu glauben. Liebe ist kein Tauschgeschäft. Gegenseitige Liebe ist die Sahnehaube, Liebe an sich ist das, was das Leben lebenswert macht. Und wenn man sich wieder mal ungeliebt fühlt, sollte man einfach ganz ehrlich hinschauen und sehen, wer alles da ist, der einen liebt. Und meist sind das ganz viele Menschen. Und wenn es auch nur einer wäre – es beweist: man ist liebenswert.

Wichtig ist, das selber einzusehen und gleich anzufangen, sich selber so zu sehen und sich selber zu lieben. Wenn man das nicht tut, können noch so viele Liebende einem beteuern, wie toll man ist, man wird es nicht glauben und damit irgendwann Keile in diese Liebe drängen. Wenn man es tut, braucht es keinen, weil man zu sich steht. Aber jeder, der mit Liebe kommt, ist dann ein Geschenk, welches das Leben bunter macht – und lebenswert.

Tom Winter: Unbekannt verzogen

Lebenswege und Kreuzungen

Carol will sich befreien. Endlich will sie Bob sagen, dass sie ihn nicht mehr liebt, ihn nie geliebt hat, dass sie sich trennen will. Dass sie auch ihre Tochter nicht liebt, macht diesen Schritt noch einfacher, sie weiss nur eines, sie muss endlich weg. Just an dem Tag, an dem sie diese Botschaft überbringen will, entdeckt Bob einen Knoten in seiner Hode, welcher sich als Krebs entpuppt. Die ersehnte Freiheit muss warten.

Bobs Diagnose platzt wie eine Bombe in Carols Leben, reisst ihr den keimfreien Boden der schicken Praxis mit einem Ruck unter den Füssen weg.

In ihrem Frust schreibt sie Briefe ans Universum, die sie aber per Post verschickt. Albert, kurz vor der Pension stehend und mit der Aufgabe betraut, unzustellbare Briefe zu sortieren, fängt die Briefe auf, liest sie und nimmt so an ihrem Leben teil.

Obwohl ich ihn nicht LIEBE […], hat mich der Krebs daran erinnert, was ich an ihm liebe. Und damit meine ich nicht etwa seine sympathischen Marotten oder seine lustigen Witze, weil er nämlich keine sympathischen Marotten hat und seine Witze eher lahm sind. Ich glaube, ich will eher darauf hinaus, dass wir eine gemeinsame Geschichte haben.

Da er selber einsam ist seit seine Frau vor 40 Jahren starb, hat er nun einen neuen Lebensinhalt gefunden. Die Briefe verändern sowohl Carols wie auch Alberts Leben. Beide erkennen sie etwas über sich selber und ihre Geschichte und fassen Vorsätze für den weiteren Lebensweg.

Tom Winter erzählt mit viel Humor, teilweise feinem, teilweise herben, nie aber bösartigem Humor die Geschichte von zwei Menschen, die sich in ihr Leben ergeben und damit eigentlich zu leben aufgehört haben. Die Geschichte selber lebt hauptsächlich von den Figuren, welche sehr liebevoll gezeichnet sind und einem damit ans Herz wachsen. Ihr Vermeiden von Entschlüssen, welche lebensverändernd sein könnten, haben etwas zutiefst menschliches, das wohl jeder schon mal selber erlebt hat.

Fazit
Die Geschichte zweier Menschen, deren Wege sich durch Briefe kreuzen, ohne dass sie sich kennen, erzählt mit viel Humor und Liebe. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Tom Winter
Martin Walker wurde 1974 in der Nähe von London geboren. Nach 15 Jahren in Hongkong und Shanghai lebt er nun in Berlin, wo er als Werbetexter für internationale Firmen arbeitet. Unbekannt verzogen ist sein erstes Buch, der zweite ist gerade in Arbeit.

winterunbekanntAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 281 Seiten
Verlag: Insel Verlag (13. März 2013)
Übersetzung von: Regina Rawlinson und Sabine Lohmann
ISBN-Nr.: 978-3458359166
Preis: EUR  12.99 / CHF 21.90

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Moritz Rinke: Wir lieben und wissen nichts

Lebenslügen und Ausbruchsversuche

Du sitzt ja immer noch da! Es kann jeden Moment losgehen…

Hannah muss für einen Job nach Zürich, Sebastian soll gegen seinen Willen mit, weil Hannah ihre Wohnung für die Zeit mit Roman getauscht hat, welcher beruflich in die Stadt kommt und seine Frau Magdalena mitbringt.

Sebastian, pack bitte deinen Koffer, unsere Tauschpartner sind in einer Stunde da! Und ich weiss nicht, ob die hier wohnen wollen mit einem fremden Mann in der Abstellkammer!

Die Wohnungsübergabe ist alles anderes als reibungslos, Sebastians Unwille zeigt sich in mangelndem Antrieb und ausufernden Wortergüssen, welche sich meist gegen die Welt von Romans und Hannahs Geschäftsumfeld wenden, Roman und Hannah treiben zur Eile an und Magdalena fühlt sich von Sebastians Unkonventionalität angezogen, was sich nach einigen Gläsern Champagner noch verstärkt.

Schon bald liegen sämtliche Abgründe der beiden Beziehungen offen, teilweise durch die Dialoge unter den Partnern, teilweise durch die Verständigung übers Kreuz zwischen den jeweils verwandten Charakteren.

Moritz Rinke gelingt mit seinem Theaterstück quasi ein Mikrokosmos, welcher ein Abbild der Gesellschaft darstellt. Die vier Personen widerspiegeln sowohl die einzelnen Klassen der Gesellschaft (Wirtschaft/Technik, Kunst, Spiritualität, welche sich allerdings in den Dienst der Wirtschaft stellt und anpassungsfähige Ehefrau) und die Kräfte, die dazwischen wirken. Man sieht sich mittendrin in den gegenseitigen Abhängigkeiten und Verachtung. Auf der tatsächlichen Beziehungsebene wird man Zeuge von lange gehegten Lebenslügen, die über die Jahre aufrecht erhalten wurden, um die Beziehung zu stützen, die sie aber langsam unterhöhlten und den gegenseitigen Respekt absterben liessen. Die Ahnung, die von Anfang an geschürt wird, bestätigt sich: Das kann kein gutes Ende nehmen. Und irgendwie nimmt es keines, weil die Geschichte noch nicht fertig ist, die Gesellschaft noch nicht am wirklichen Scheidepunkt. Alles ist möglich, der Preis zeigt sich schon im bislang gesagten, doch man hat ihn so lange gezahlt, man wird es weiter tun.

Fazit:
Ein Theaterstück über eine Beziehung, welche der Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Sehr gelungen.

Zum Autor
Moritz Rinke
Moritz Rinke wurde 1967 in Worpswede bei Bremen geboren und studierte in Giessen Angewandte Theaterwissenschaft. Danach arbeitete er für verschiedene Zeitungen wie Die Zeit, die Süddeutsche Zeitung, FAZ, u.a., wurde da für seine Tätigkeit zweimal mit dem Axel-Springer-Preis ausgezeichnet. Seit 1999 schreibt Moritz Rinke Theaterstücke. Sein Bühnenstück Republik Vineta wurde 2001 zum besten deutschsprachigen Theaterstück gewählt und 2006 verfilmt. 2003 debütierte er als Schauspieler und schaffte es bis nach Cannes. 2010 erschien sein erster Roman Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel. Moritz Rinke lebt als freier Autor in Berlin. Von ihm erschienen sind unter anderem Republik Vineta (2000), Die Nibelungen (2002), Die Optimisten (2003), Cafe Umberto (2005), Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel (2010), Wir lieben und wissen nichts (2013).

4B56696D677C7C33353230323836377C7C434F50Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag (2. Mai 2013)
ISBN-Nr.: 978-3499245190
Preis: EUR  9.99 / CHF 15.90

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Andreas Izquierdo: Das Glücksbüro

Die Suche nach dem kleinen Glück

Das Amt ist Albert Glücks Zuhause. Nicht nur arbeitet er dort, er wohnt da auch. Albert Glück ist ein grauer, unscheinbarer Mann der Ordnung, der Strukturen, der geregelten Abläufe, sein kleines Glück sind Formulare jeglicher Art, die in ihrer Aufteilung, Funktion und Bearbeitung genauen Vorschriften folgen. So zieht sein Leben durch die Jahre, Tag für Tag die gleichen Abläufe.

Das Amt war wie eine Familie, nur ohne störende Verwandtschaft. Eine Burg, wehrhaft besetzt von Tausenden, in der man ganz geschützt ganz alleine sein konnte. Während die Welt draussen immer grösser, komplizierter und chaotischer geworden war, war sie hier drinnen immer noch überschaubar, ordentlich und sehr gemütlich. Ein Ort der Geborgenheit, den Albert sehr schätzte, weil er im Umgang mit Menschen zuweilen ziemlich ratlos war.

Ab und an wagt Albert einen kleinen Ausbruch aus der täglichen Routine. Er spielt den Mitarbeitern kleine Streiche, zwar mit Hintergrund, aber ohne Gedanken an die Folgen. Danach geht er zurück in sein Muster. Bis eines Tages alles anders ist. Alles beginnt mit einem Formular, einem sehr schönen Formular, dessen einziger Fehler die Nummer ist: E45. Alberts Leben gerät aus dem Takt. Nicht nur weiss er nicht, was mit dem Formular machen, er wird es auch nicht los. Egal, was er anstellt, am nächsten Tag liegt es wieder auf seinem Pult. Die einzige Lösung scheint ein Besuch bei der Antragsstellerin und diese Aufgabe führt ihn das erste Mal nach über 30 Jahren aus dem Amt heraus.

Einen Moment lang stand Albert völlig erstarrt da. Raus? Vor die Türe? In die Welt, die sich weitergedreht hatte? Die er nicht kannte? Die voller Feinde war? Albert hatte das Amt seit mehr als dreissig Jahren nicht verlassen, aber jetzt musste er.

Der erste Besuch bei Anna Sugus – ein wunderbar ordentlicher Name, wie Albert Glück findet – endet mit einer vor der Nase zugeschlagenen Tür, der zweite ist erfolgreicher. Vor ihm steht eine kleine Frau, Künstlerin, die wilde, bunte, unorganisierte, farbenfrohe, lebendige Bilder malt.

„Ist das Kunst?“, fragte er neugierig.
„Natürlich ist das Kunst!“
„Dann verstehe ich nichts von Kunst.“

Durch Anna kommt Farbe auch in Alberts Leben. Sie zeigt ihm, dass hinter den Formularen Menschen stehen (das war ihm bislang entgangen) und dass er diesen Menschen helfen kann, ihnen zu ihrem kleinen Glück verhelfen kann. Die Menschen kommen in Scharen, Glück boomt. Doch das gefällt nicht allen.

Andreas Izquierdo ist mit Das Glücksbüro eine humorvolle, leicht erzählte, trotzdem tiefgründige Geschichte gelungen. Es ist die Geschichte von Amtsschimmel und menschenfernen Formularen, die Geschichte von Menschen und dass ihr Schein ab und an trügt, die Geschichte einer Liebe, die Geschichte auch des kleinen Glücks, das jedem zugänglich ist, wenn er es nur sieht und ergreift.

Wenn man dem Buch etwas anlasten möchte, so ist das sein etwas langatmiger und wenig packender Anfang. Auch in der Mitte des Buches gibt es nochmals einen kurzen Teil, in dem alle verschiedenen existierenden Ämter aufgezählt werden, was eher wie eine Schreibübung anmutet denn literarisch wichtig zu sein, so dass man ihn besser gestrichen hätte. Das alles ist aber zu vernachlässigen, sieht man all das Positive des Buches wie die sich entwickelnden Figuren, den scharfen Blick für Details des Amtsalltags, die leisen Töne, die Gefühle, die das Buch im Leser weckt.

Fazit:
Ein vielschichtiger, kritischer, trotzdem leichter, menschlicher, tiefgründiger, herzerwärmender Roman. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Andreas Izquierdo
Andreas Izquierdo wurde 1968 in Euskirchen geboren, ist in Iversheim aufgewachsen und in Bad Münstereifel zur Schule gegangen. Nach dem Abitur sammelte er erste Erfahrungen in den Massenmedien – bei Zeitungen und Rundfunk -, welche ihm einen Preis bei einem bundesweiten Wettbewerb für Nachwuchsjournalisten einbrachten. Neben einer Krimireihe um den Protagonisten Jupp Schmitz schrieb Andreas Izquierdo verschiedene Drehbücher für Sitcoms und Serien und veröffentlichte im Internet eine Kriminalpersiflage. Von ihm erschienen sind unter anderem Dartpilots (2007), König von Albanien (2007), Apocalypsia (2010), Das Glücksbüro (2013).

IzquierdoGlücksbüroAngaben zum Buch:
Broschiert: 268 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag (25. Februar 2013)
ISBN-Nr.: 978-3832162252
Preis: EUR  9.99 / CHF 16.90

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Karin Nohr: Vier Paare und ein Ring

Lebenswogen mit Wagner

Das Ringprojekt: Drei Paare und eine Witwe mit ihre Tochter besuchen an vier aufeinander folgenden Sonntagen Wagners „Ring der Nibelungen“ in der Semper Oper in Dresden. Bei einem gemeinsamen Nachtessen wollen sie sich jeweils auf die bevorstehende Aufführung einstimmen, bei einem Treffen nach den vier Aufführungen soll eine Nachbetrachtung stattfinden.

Es ist immer dasselbe: Du planst, ich soll mitmachen. Na gut Also ich weiss nicht – vier Sonntage hintereinander Wagner? So lang. So laut. Und dann immer nach Dresden. So weit.

Alle Beteiligten haben unterschiedliche Motivationen, an diesem Projekt teilzunehmen und bei allen löst es Unterschiedliches aus. Sie sehen sich mit sich selber und ihrer Beziehung sowie den Beziehungen untereinander konfrontiert.

Wieder wanderten ihre Gedanken zur Ring-Einladung. Sie lehnte den Kopf zurück und begann zu “fantasieren“, wie sie ein inneres Mäandern bei sich nannte, das sie sonst unterdrückte. Von ihnen beiden war Thomas der Versponnene, der sich oft in seine Gedanken verlor; während sie sich als eine eher kontrollierte Frau empfand […]

Auch die Abgründe kommen ans Licht, die schwelenden negativen Gefühle in der Beziehung,

Wie Brigitte ausgesehen hatte! Wie ein Engel, die Hände erhoben: „Fürchtet euch nicht! Es ist schon gut.“ Er konnte sie provozieren, wie er wollte: Sie bleib ruhig. Der unschuldige Engel. Der wohlmeinende Engel. Der ihn immer und immer ins Unrecht setzende Engel.

sowie zwischen den Teilnehmern:

Da hatten sie nebeneinander gestanden, zwei Frauen, die eine älter aussehend, als sie war, die andere jünger. Was Annegret plötzlich wie eine Kluft empfunden hatte. Ihr eigenes Spiegelbild hatte sich zu wohl und weich neben Evas hagerem ausgenommen; […]

Annegret überliess sich dem schmerzenden Gefühl, das in ihr aufkam, schob es nicht weg. Das hatte sie gelernt in den Jahren nach Alfreds Tod.

Das Ringprojekt nimmt eine eigene Dynamik an und zieht die einzelnen Figuren immer tiefer in einen Strom, der sie einerseits zu sich selber und ihren oft unterdrückten Gefühlen und Gedanken führt, dabei aber auch auf ein Ziel hinsteuert, das so nicht voraussehbar war.

 Aus den verschiedenen Perspektiven der Teilnehmenden des Ringprojekts wird eine Geschichte erzählt, die sich am roten Faden der „Ring der Nibelungen“ orientiert und dann die Auseinandersetzung jedes einzelnen mit Wagners Stück sowie dessen Wirkung auf sich selber aufzeigt. Es wird ein Panoramablick in die Seelenleben jedes einzelnen, der die tiefgreifende Dynamik zwischen den Protagonisten offenlegt.

Karin Nohr gelingt es, die psychologischen Innenschauen und auch Abgründe der jeweiligen Figuren ohne Pathos darzustellen, sachlich, fein, leise, trotzdem so, dass man sich darin wiederfindet, sie nachvollziehen kann.

Fazit:
Ein psychologischer, lebensnaher Roman über menschliche Beziehungen. Ich kann es empfehlen.

Zur Autorin
Karin Nohr
Karin Nohr, geboren in Hamburg, studierte Literaturwissenschaft und Psychologie. Nach jahrelanger Therapietätigkeit entschied sie sich, ihre Zeit ganz dem Schreiben zu widmen. Karin Nohr hat eine Tochter und lebt in Berlin und im Wendland. Neben verschiedenen Fachbüchern sind von ihr erschienen Herr Merse bricht auf (2012) und Vier Paare und ein Ring (2013).

NohrRingAngaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag (18. Februar 2013)
ISBN-Nr.: 978-3813505269
Preis: EUR  19.99 / CHF 31.90

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Peter Cameron: Die merkwürdige Ehe der Coral Glynn

Eine merkwürdige Geschichte mit merkwürdigen Leuten

Die junge Krankenschweste Coral Glynn kommt in das herrschaftliche Hart House, um die alte, krebskranke Mrs Hart zu pflegen. Vor Ort trifft sie auf deren Sohn, den vordergründig gut aussehenden, unter der kleidenden Oberfläche aber kriegsversehrten Major Hart, seines Zeichens Junggeselle, sowie auf die Haushälterin Mrs Prence. Schon nach kurzer Zeit stirbt die Patientin. Damit könnte der Aufenthalt von Coral Glynn in Hart House vorbei sein, wenn nicht Major Hart aus heiterem Himmel einen Heiratsantrag machte, was umso verwunderlicher erscheint, da die beiden kaum ein Wort miteinander gewechselt haben bis anhin. Dazu kommt, dass weder Carol Glynn noch Major Hart sich in der Gegenwart des anderen wohl zu fühlen scheinen.

Sein versehrter Körper disqualifizierte ihn als Liebhaber und somit auch als Gatten, und bei der Aussicht, Liebe und Ehe sowie den sie begleitenden Qualen und Verwirrungen zu entgehen, erfüllte ihn tiefe Erleichterung. Der Major war fest überzeugt, unwiderruflich aus der Welt intimer Beziehungen ausgeschlossen zu sein, und empfand dies als Gnade, weil er sich in Gesellschaft, vor allem von Frauen, stets unwohl gefühlt hatte.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf, die Ehe wird geschlossen, die Gründe dafür sind undurchsichtig wie die Charaktere selber. Psychologische Innensichten und Erklärungsversuche bleiben eher unfassbar und unverständlich – für die Romanfiguren selber und den Leser. Erste Wolken zeigten sich schon vor der Eheschliessung, verdichten sich am Tag derselben und brechen in der Nacht vollends auf. Coral zieht nach London und beginnt ein neues Leben. Die ganze Geschichte handelt generell von vielen verschiedenen neuen und alten Leben verschiedener Personen. Nicht immer ist klar, was sie alle miteinander zu tun haben, die Leben wie die Personen.

Die merkwürdige Ehe der Coral Glynn ist eine merkwürdige Geschichte voller merkwürdiger Menschen. Der Plot ist schulbuchmässig aufgebaut, erstes Hoch bei der Eheschliessung, anschliessender Tieffall, langsames Aufrappeln, kurze Dramatik kurz vor Schluss und finales Happy End. Dieses ist allerdings anders als man es sich denken würde oder könnte, es scheint eher weit hergeholt, wirklich happy wirkt irgendwie auch niemand.

Die Charaktere bleiben durch die Geschichte hindurch merkwürdig blass und farblos, man kann sie nicht fassen und sich schon gar nicht mit ihnen identifizieren. Die Dialoge sind gestammelt unsicher, wobei die Unsicherheit nicht nur in den Figuren selber zu liegen scheint, sondern beim Erzähler zu suchen ist. Was für einen alltäglichen Dialog zwischen unsicheren Menschen in der Realität durchgehen mag, wirkt in einem Roman eher schwach und unbeholfen.

Die Geschichte wimmelt von merkwürdigen Menschen. Neben den für sich schon sehr verworrenen Protagonisten wären da die Freunde des Majors Hart, ein Ehepaar, das in einem Sammelsurium von kuriosen Möbeln lebt. Sie trinkt zuviel, plaudert dabei unentwegt und verdrückt zu allen Gelegenheiten Tränen, er ist eigentlich schwul und dem Major zugetan, trotzdem findet er sich plötzlich im Bett seiner Ehefrau wieder, die – wie könnte es anders sein – weint, weil er sie wieder mal beehrt. Die Haushälterin wird zum klischeemässigen Hausdrachen. Ein Mord bringt Spannung in die ganze Geschichte, Flucht, Verrat, eine brennende Sexszene sollen den Leser bei der Stange halten.

Trotz all der offenkundigen Mängel, trotz der unglaubwürdigen Geschichte, der flachen Charaktere, der farblosen Beschreibungen der Schauplätze, Landschaften und Szenerien, trotz des unwahrscheinlichen Handlungsablaufs ist es kein Buch, das man einfach auf die Seite legen will. Man möchte wissen, wie diese Aneinanderreihung von Merkwürdigkeiten zu Ende geht, welchen Schluss sie findet. Es darf verraten werden, dass das Ende nicht minder merk- und fragwürdig ist als der ganze Rest des Buches. Zurück bleiben viele Fragezeichen, eine gewisse Erleichterung, dass man durch ist und trotz allem ein Lächeln ob so viel Merkwürdigkeit.

Fazit:
Es ist merkwürdig: Literarisch gesehen kann ich es nicht empfehlen, und doch, merkwürdigerweise, war es merkwürdig erheiternd.

Zum Autor
Peter Cameron
Peter Cameron wurde am 29. November 1959 in New Jersey geboren und ist ebenda und in London aufgewachsen. Er hat am Hamilton College in New York einen B.A in Englischer Literatur gemacht und lebt heute als Schriftsteller in New York. Für seine Werke erhielt er  zahlreiche Auszeichnungen. Von ihm erschienen sind unter anderem Das Wochenende (1998), Die Stadt am Ende der Zeit (2004), Du wirst schon noch sehen wozu es gut ist (2008), Die merkwürdige Ehe der Coral Glynn (2013).

cameronglynnAngaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Albrecht Knaus Verlag (9. April 2013)
Übersetzung aus dem Englischen: Henning Ahrens
ISBN: 978-3813504774
Preis: EUR  19.99/ CHF 31.90

 

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Traum

Der Tisch ist gedeckt, der Wein kühl gestellt. Häppchen in Schalen, eine neben der anderen. Nüsse, Chips, Knabberzeugs, alles klein, alles fein, alles wartet, wie ich auch. Ich rücke die Kerzen zurecht. Richte Blumen aus. Welche Musik passt? Zu romantisch wär’ zuviel. Zu wild wäre nervös. Ich bin nervös. Ich fühl’ mich dumm. Es ist ein Abend mit Wein und Knabberei. Nichts Besonderes. Einfach mal Zeit gemeinsam, reden, lachen, unbeschwert sein. Wann konnten wir dies das letzte Mal? Ich kann mich kaum erinnern. Der Alltag frass uns auf. Und mit ihm kam die Spannung, die nicht mehr reizte, nur noch zehrte.

Wann hat das alles angefangen? Was war es überhaupt? Und wieso? Ein Wort, ein Blick, schon geht es los. Selbständig reihen sich Worte aneinander, die immer tiefer treffen. Blicke werden stechender, verletzter auch. Ich bin nie zufrieden. Sagst du. Du bist nie da. Sage ich. Wir sind beide woanders. Gefangen in den eigenen Welten, die sich kaum mehr berühren und doch so dringend nach Berührung suchen. Diese erzwingen wollen, wo sie nicht ist. Ein Wort, ein Blick reichen aus, die Distanz zu spüren, den Schmerz zu fühlen, aufzubegehren, weil man es nicht will. Ich nicht, du nicht.

Ich zünde die Kerzen an, wechsle die Musik. Französische Chansons. Das hörte ich auch am Anfang. Du kanntest es nicht, heute gefällt es dir fast besser als mir. Haben wir uns aneinander vorbei bewegt? Du heute da, wo ich gestern war, weil dich aufgabst, ich dort, wo du warst, weil ich zu dir wollte? Im Wollen und Sehnen nach Gemeinsamkeit? Eigentlich gefällt mir die Musik noch immer, nur hat sie nun Untertöne. Ich verbinde etwas damit und weiss nicht mal was. Ein Gefühl, eine erdrückende Ahnung?

Wann fing das Anpassen an? Was ist so falsch daran? Wenn sich zwei finden, bleiben wollen, braucht es nicht Gemeinsamkeit? Sie war auch da, was ist nun falsch? Du hast dich für mich interessiert, alles aufgesogen, mich eingenommen. Mit Haut und Haar. Es war so ernst, so gross, so ersehnt. Zu gross? Bald war es nicht mehr meines. Alles hattest du übernommen, zu deinem gemacht. Da war für mich kein Platz mehr, das Terrain war besetzt. Wo war ich noch? Habe ich es bei dir gleich gemacht? Ich weiss eigentlich so wenig von dir.

Ich schenke schon einmal ein. Es sieht alles so schön aus. So war es immer. Wir zelebrierten diese Abende zusammen. Setzten uns hin und sprachen. Sprachen über uns und das Leben, über Träume und Wünsche. Malten die Zukunft in allen bunten Farben. Wessen Farben waren es? Ich weiss es gar nicht mehr. Das Träumen und Wünschen verkam zur Gewohnheit des Hinsetzens. Die Freiheit wurde gefangen in Ritualen. Und in mir brach der Glaube dran.

Du kommst heim. Siehst alles, lachst vor Freude. Ist sie echt? Sie wirkt so gross, zu gross. Was ist Spiel, was ist Ernst? Und wenn es Ernst ist, wieso ihn so herausstreichen? Ist das meine Welt? Sprechen wir dieselbe Sprache? Lese ich in dir, was nie da stand? Schreibst du Dinge, die ich nicht verstehe? Will ich sie verstehen? Schreibst du nur für mich und nicht aus dir?

Ich frage dich. Du schaust mich an. Du verstehst mich nicht. Ich mich auch nicht. Einfach mal tun als ob. Nicht verstehen wollen, nicht mal müssen. Über Ideen und Wünsche sprechen, Schlösser bauen, seien sie nur aus Luft. All das Schwere aussen vor lassen, einfach sein. Wie es mal war. Bevor das alles anfing. Oder ist das nun Leben, vorher war es Traum? Ich möchte wieder träumen, leben kann ich morgen – oder nie.