Wenn jeder denkt, wählen sei für ihn nicht mehr nötig, muss sich keiner über das Resultat wundern.
©Sandra Matteotti
Denkzeiten – Vom Lesen und Leben
Dr. Sandra von Siebenthal
Wenn jeder denkt, wählen sei für ihn nicht mehr nötig, muss sich keiner über das Resultat wundern.
©Sandra Matteotti
Lass dir von keinem den Rücken einschmieren, der dir nicht auch den Regenschirm hält.
©Sandra Matteotti
Heute stiess ich im Netz auf die Aktion der wunderbaren Künstlerin Ute Bescht (ihr erinnert euch vielleicht an ihr Porträt HIER):
Sie spricht damit ein Thema an, das mich schon viele Jahre begleitet:
Du bist nicht gut genug!
Sprich:
Ich bin nicht gut genug.
Ich hatte dieses Gefühl in vielen Varianten – teilweise kriegte ich es vermittelt oder ich sagte mir die Sätze selber:
Du bist nicht schön genug.
Du bist nicht klug genug.
Du bist nicht gut genug.
Du bist nicht offen genug.
Du bist nicht talentiert genug.
Du bist nicht fröhlich genug.
Du bist nicht umgänglich genug.
Du bist nicht normal genug.
Du bist nicht … genug.
Ich war einfach nie genug, was ich auch tat. Als ich jung war, litt ich sehr darunter. Je älter ich wurde, desto öfter konnte ich hinstehen und sagen:
He, ich bin wie ich bin – und das ist gut so.
Zumindest gegen andere. Innen nagte es weiter und im Innern wiederholte ich die Sätze und stand mir damit im Weg. Ich verfolgte Dinge nicht weiter, weil ich mir sagte, nicht gut genug zu sein. Damit nahm ich mir die Freude und auch die Möglichkeit, mir selber zu beweisen, dass ich es eben doch kann. Dass ich eben doch gut bin, gut genug.
Damit möchte ich nicht sagen, dass ich alles kann und überall gut bin. Aber: Ich bin gut genug und wenn ich es will, dann kann ich auch besser werden. Das kann ich aber nur, indem ich die Dinge tue und an sie glaube. Indem ich an mich glaube.
Es wird immer wieder Menschen geben, die mir sagen wollen, wie ich mein Leben leben müsste. Das sind Menschen, die denken, ihre Form des Lebens sei die (einzig) richtige und die mich in diese Form pressen wollen. Aber ich bin nicht wie sie. Und ich muss es nicht sein. Das müssen sie nicht begreifen, wichtig ist, dass ich es begreife – und danach lebe.
Ich bin gut, wie ich bin. Ich bin gut genug. Ich bin genug.
Es ist wieder soweit: Der Freitag ist da und damit auch der Freitagsfüller. Es war eine sehr anstrengende Woche – ich bin jeden Tag nach Thun gefahren, um meinen Papa zu besuchen, der da im Spital liegt. Drum kommt der heutige Freitagsfüller nun auch später als sonst, ich bin nämlich soeben erst wieder zu Hause angekommen. Jetzt noch ein paar liegengebliebene Dinge abarbeiten, Mails checken, welche schreiben, eine Offerte machen und dann: Wochenende – und das sieht diese Woche noch mehr so aus, wie sonst schon immer: ruhig. Und los geht es:
Die Nummer sieben kann ich eigentlich meistens einigermassen übernehmen:
Danke für die Inspiration an Barbara, die diese tolle Aktion gestartet hat. Ihr Ursprungspost: HIER
Manchmal muss das Leben erst schwierig werden, damit man seine guten Seiten erkennt.
©Sandra Matteotti
Wenn man nur tut, was andere gut finden, tut man bald gar nichts mehr.
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Was du mir willst, ehrt dich. Was du mir tust, trifft mich.
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Wer darauf schielt, anderen zu gefallen, verfälscht den Blick.
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Es gibt immer mehr, die wissen, wie man richtig leben sollte, als solche, die es wirklich leben.
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Es ist wieder soweit: Der Freitag ist da und damit auch der Freitagsfüller. Es war eine sehr anstrengende Woche – vor allem emotional. Ich bin froh, ist Freitag, auch wenn der nochmals ein paar schwierige Situationen mit sich bringt. Aber danach ist Wochenende und das sieht diese Woche noch mehr so aus, wie sonst schon immer: ruhig. Und los geht es:
Die Nummer sieben kann ich eigentlich meistens übernehmen:
Danke für die Inspiration an Barbara, die diese tolle Aktion gestartet hat. Ihr Ursprungspost: HIER
Wenn es kommt, wie es kommt, ist es halt, wie es ist.
©Sandra Matteotti
Immer wieder schlagen unsere Fernsehgebühren Wellen. Immer werden Stimmen laut, die fordern, diese abzuschaffen. Ja, ich fände das auch nett. Zumal mein Budget nicht unendlich und das Leben teuer ist.
Ich schaue selten fern. Schon gar nicht am Fernseher. Der hängt eher so als dekoratives schwarzes Rechteck in der Stube und wird nie benutzt. Wenn ich am Computer schaue, geht die Auswahl des Programms quer durch die Sender, je nach aktuellen Vorlieben. Meist Zattoo und Netflix. Ich käme auch mit Netflix alleine aus. Wieso also Billag? Was hab ich mit dem Schweizer Fernsehen am Hut?
Ich mag vieles auf SRF. Vieles auch nicht. Manches finde ich höchst fragwürdig. Zum Beispiel die Übertragung stundenlanger Imam-Gebete. Am Sonntag Morgen. Ich möchte auch keine anderen Gebete schauen – aber das bin ich, andere sind anders. Die Mischung macht’s und SRF kriegt die gut hin. Ganz viel hat ganz viel Hand und Fuss – man denke an die Sternstunden, die Doks, die Nachrichtenformate.
Krimi und Liebesschnulz halten sich die Waage, die Informationsformate sind (ok, Arena ausgeschlossen) informativ – ja, für Leistung soll man bezahlen. Heute herrscht aber leider eine Mentalität vor: Ich will möglichst viel und ich möchte es gerne gratis. Irgendeiner verkauft sich sicher für lau. Damit erpresst man dann die, welche für ihre Leistung Geld wollen.
Und die, die so handeln, gehen dann dahin und predigen Ethik und Werte. Sie stellen sich hin und fordern eine menschlichere Welt. Wo man sich so gegenseitig schätzt. Anerkennt, was jeder leistet. Da gebe ich ihnen Recht. So soll es sein. Nur: Das hört dann wohl beim eigenen Geldbeutel auf.
Klar kann man hinterfragen, wofür die gezahlten Gelder gebraucht werden. Schlussendlich sollte das Programm einer möglichst breiten Masse entsprechen und es soll diese über das, was in unserer Welt passiert, informieren. Das passiert aktuell eigentlich sehr gut. Darum werde ich weiter zahlen. Nicht gerne, ich zahle nichts gerne. Aber:
Jeder soll kriegen, was er verdient.
Es ist wieder soweit: Der Freitag ist da und damit auch der Freitagsfüller. Es war eine sehr bewegte Woche mit vielen Tiefschlägen, aber auch dem wunderbaren Gefühl, Menschen um mich zu haben, die da sind, denen ich nicht egal sind. Die vielen aufbauenden Worte, die mich erreicht haben, taten mir sehr gut. Dafür bin ich sehr dankbar. Und los geht es:
Die Nummer sieben kann ich eigentlich meistens übernehmen:
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Danke für die Inspiration an Barbara, die diese tolle Aktion gestartet hat. Ihr Ursprungspost: HIER
Schon wieder so ein Tag. Einer gleicht dem anderen. Das Frühstück kommt um sieben, also zu einer Zeit, zu der kein normaler Mensch Hunger hat. Zwei Scheiben Brot, Butter, Marmelade. Hans nimmt immer zwei Tassen Kaffee mit viel Milch dazu. Das erzählt er jedem, der es hören will. Den anderen auch. Nach dem ersten Tag mit zwei Scheiben hat er allerdings gesagt, eine Scheibe reiche auch. Schliesslich esse er zu Hause auch nur eine und hier mache er ja nichts als rumzuliegen.
Hans liegt nicht alleine hier, er teilt das Spitalzimmer mit drei Männern in seinem Alter. Also eigentlich dachte er, als er eintrat, das seien alles alte Männer, bis er merkte, dass er der Älteste in der Runde ist. Wenn man aber die anderen sähe, würde man das nicht glauben. Sagt Hans. Und er muss es ja wissen, er liegt hier täglich.
Die Tage sind lang, schon der Morgen zieht sich hin. Irgendwann kommt die Visite. Heute sind sie zu fünft. Der leitende Arzt – den hat er noch nie gesehen, bislang kam eine junge Assistenzärztin, eine sehr nette – mit vier angehenden Ärztinnen. Die waren auch schon dabei, alle jung, sehr jung. Am Anfang hätte er gedacht, das seien Schwestern, so jung hätten die ausgesehen. Aber nein, das seien alles schon angehende Ärztinnen. Aber alle sehr nett, beeilt er sich zu sagen. Der Arzt redet dann auch von diesem und jenem, vornehmlich um den heissen Brei. Hans findet, das hätte ihm die nette Ärztin am Vortag alles schon erklärt und da hätte er es auch verstanden. Er hört drum gar nicht mehr richtig zu. Dann sind der Redner und seine Entourage auch schon weg und beim nächsten Bett.
Hans seufzt schon innerlich. Der da Liegende hat immer zu jammern. Ständig läutet er nach dem Personal, ständig tut was weh, fehlt was – und dann ist doch nichts. Ausserdem beklagt der sich über alles. Klingelt nach den Schwestern, weil die Bauarbeiter vor dem Spital zu laut sind. Reklamiert, weil sonst zu viel Lärm herrscht. Aber kürzlich, da liess der doch Musik laufen in einer Lautstärke, da kriegte man Kopfschmerzen von. Hans hat ihm dann gesagt, er solle die Musik runterschrauben. Es war zwar gute Musik, aber laut war sie. Zu laut. Und das von dem, dem sonst alles zu laut ist. Denkt Hans. Und erzählt es, wenn er jemanden hat, dem er es erzählen kann.
Schon bald kommt das Mittagessen. Er mag die Krankenhausküche nicht. Sie sähe immer schön angerichtet aus, aber nach dem ersten Bissen sei fertig. Alles hat so einen komischen Beigeschmack, findet Hans. Er kann sich das nicht erklären. Schliesslich kochen da Köche. Er zwingt sich immer, eine oder zwei Gabeln zu essen von allem. Immerhin sei es gut für die Figur, erzählt Hans seinem Besuch. Er hätte schon zwei Kilo abgenommen. Der Schalk sitzt ihm im Nacken beim Erzählen. Wenn man Hans kennt, weiss man wohl, an welche Leckereien er denkt, mit denen er die Gewichtsverluste wieder beheben will.
Aber nun kommt erst mal das Mittagessen, dann ein lang(weilig)er Nachmittag, dann das Abendessen mit gleichem Nicht-Ess-Ritual und dann die Nacht. Und morgen startet alles wieder neu. Und Hans wird alle Gedanken wieder neu denken. Und wenn Besuch kommt, erzählt er davon.
Und jeden Tag kommt Sabine vorbei, setzt sich zu Hans, hört sich alles an und nickt. Und sie ist froh, ihn hier reden zu hören, denn zu Hause ist der Platz auf dem Sofa plötzlich leer. Und im Bett schnarcht niemand mehr und hält sie vom schlafen ab. Fast glaubt sie nun, ohne das nicht mehr schlafen zu können.
Und wieder sitze ich da. Und weiss nicht, was kommt. Denke an die Zeit zurück. An die Erzählungen, wie er sich freute, als er erfuhr, dass ich zur Welt gekommen und ein Mädchen bin. Durch ganz Winterthur sei er gelaufen, hätte alle auf alles eingeladen in seiner Freude. Ein Mädchen. Seine Tochter. Und ich war/bin seine Tochter. Ich bin ein Papakind. Er ist mir ein wunderbarer Papa. Als Kind baute er mit mir, balgte mit mir, zeigte mir die Welt. Oft seine, die er für die einzig richtige hielt, aber wer tut das nicht ab und an.
Ich erinnere mich, wie ich später in die Stadt ging, Kieselsteine an sein Fenster schoss. Er zeigte mir die neue Ausgabe des Landboten, an der er bastelte. Erklärte mir die Welt von Layout und Typografie. Und kam mit mir zum Plattenladen, wo ein Album darauf wartete, von mir besessen zu werden.
Er fuhr mich zu Verabredungen, holte mich von Parties. Ein Anruf genügte, er holte mich von der Schule ab – samt Veloverlad für die faule Tochter. Er half mir beim Auszug und bei vielen Umzügen danach. Er kam mich besuchen und war immer da. Er ist der Mensch, auf den ich bau. Immer baute. Bauen konnte. Sonst auf wenige im Leben.
Heute Morgen der Anruf.
Papa liegt im Spital.
Der Boden rutschte unter den Füssen weg, das Herz fiel in die Magengrube. Da sitzt es noch. Untersuchungen, Ungewissheit. Warten. Aus einem Tag bleiben sind 4 geworden. Biopsie ist das Damoklesschwert, das am Himmel hängt.
Ich schiebe hartnäckig die Gedanken weg, die kommen. Sie scheinen mir den Meister zeigen zu wollen. Angst macht sich breit. Ja, ich bin schon gross. Ich lebe seit 22 Jahren mein eigenes Leben. Und doch ist er der, der da ist. Er ist die Institution für mich. Ich habe ihn schon mal fast verloren. Das darf nicht sein. Nicht jetzt.
Verstummt
Ich wollte es
in Gedichten schreiben,
eine Geschichte spinnen.Wollte Worte reihen,
dass sie Bilder werden –
sie in Farbe tauchen.Allein: es schweigt.