Andreas Franz: Teufelsleib. Ein neuer Fall für Peter Brandt

Kindheitstrauma und Serienmord

„…Hey, komm, lass mich am Leben, bitte!…“
[…]
„Tja“, sagte er mit gespieltem Bedauern, „es gibt da nur ein klitzekleines Problem – ich habe die Entscheidung schon getroffen, heute eine Hure zu töten, bevor ich dich gesehen habe. Sagen wir’s mal so, du warst einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.“

Offenbach wird erschüttert durch einen Serienmörder, welcher auf brutale Weise Prostituierte umbringt. Peter Brandt, sonst schon sehr belastet durch seine aktuellen Fälle, muss dieses Mal bei seinen Ermittlungen auf seine Partnerin, Nicole Eberl verzichten, welche wegen einer aggressiven Form von MS den Dienst quittieren musste und nun auf den baldigen Tod wartet. Zum Glück steht  ihm seine Freundin, die Staatsanwältin Elvira Klein zur Seite. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem bestialischen Täter.

Teufelsleib ist ein solide gestrickter Krimi mit einem sauber aufgebauten Plot bestehend aus dem Hauptstrang der Serienmorde und den Nebensträngen bestehend aus Brandts Privatleben und allem, was dazu gehört, den Lebensgeschichten der Opfer, der Krankheit von Brandts Partnerin bei der Polizei. Das Mordmotiv ist vielleicht ein wenig sehr klischeehaft, dadurch aber nicht weniger glaubwürdig. Der Krimi hätte eine Überarbeitung gut vertragen, da sich einige Redundanzen darin befinden, die schade sind und dem Buch einen Anschein von Rohfassung verleihen. Dazu kommt eine etwas zu gesuchte Schlusswendung. Trotz alledem ist es ein guter Krimi und ein würdiger Abschluss der Peter Brandt-Reihe.

Fazit:
Ein kurzweiliger Krimi mit einigen stilistischen Mängeln, die aber den Lesegenuss nicht schmälern. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Andreas Franz
Andras Franz wurde am 12. Januar 1954 in Quedlinburg/Sachsen-Anhalt, geboren und zog danach mit seinen Eltern nach Helmbrechts. Nach der Trennung der Eltern folgte 1967 der Umzug nach Frankfurt a.M., wo er das Gymnasium besuchte, dann beschloss, „etwas Ordentliches“ aus seinem Leben zu machen und die Sprachschule besuchte, welche er mit einem Abschluss in Wirtschaftsenglisch und –französisch verliess. Danach frönte Andreas Franz seinem Hobby, der Musik, welche er zum Beruf machen wollte. Es folgten Jobs als LKW-Fahrer oder Mädchen für Alles in einer Werbeagentur, danach eine Kaufmännische Ausbildung, da die mittlerweile 7köpfige Familie ernährt sein wollte. 1990 eröffnete Frank ein Übersetzungsbüro.

Nach einigen Manuskripten, die bei den Verlagen abblitzten, wurde Jung, blond, tot vom Droemer Knaur Verlag angenommen. Es folgten 20 weitere Romane, Teufelsleib war der letzte. In der Schublade warteten noch viele Ideen, umgesetzt zu werden, leider machte ein plötzliches Herzversagen am 13.März 2011 diese Pläne zunichte. Von ihm erschienen sind unter anderem die Julia Durant-Reihe [Jung, blond, tot (2000), Das Verlies (2004), Mörderische Tage (2009), etc.], die Peter Brandt-Reihe [Tod eines Lehrers (2004), Schrei der Nachtigall (2006), Teufelsleib (2010), etc.] sowie die Kieler Reihe Sören Henning und Lisa Santos.

FranzTeufelsleibAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 252 Seiten
Verlag: Knaur Taschenbuch Verlag (10. November 2010)
ISBN: 978-3426639436
Preis: EUR  9.99/ CHF 17.90

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Håkan Nesser: Die Einsamen

Wenn die Zeit keine Wunden heilt

Letztes Mal. Wie viele Jahre war das jetzt her? 1975. Mit anderen Worten: fünfunddreissig Jahre. Ein Menschenalter, wie man so sagte. […]

Ich träume, dachte Elis Bengtsson. Es ist nicht möglich, dass die gleiche Geschichte noch einmal passiert.

Eines Morgens findet ein Hundebesitzer am Fusse eines Abhangs eine Leiche. Das wäre schon beunruhigend genug, aber noch beunruhigender ist der Umstand, dass an derselben Stelle vor 35 Jahren schon einmal eine Leiche lag. Wie hängen die beiden Fälle zusammen?

Die zweite Leiche war der Lebensgefährte der 35 Jahre früher zu Tode gestürzten Frau. Schon damals war der Ermittler der Meinung, es stecke mehr als ein Unfall oder Selbstmord dahinter, fand aber keine Beweise, so dass er den Fall einstellen musste. Auch dieses Mal deutet alles darauf hin, dass es wieder genau so enden wird. Und doch bleibt bei den Ermittlern, Gunnar Barbotti und Eva Backman ein Gefühl, dass mehr dahinter stecken muss. Sie tauchen ein in eine Geschichte, die in die 70er Jahre zurückreicht und noch weiter. Sie treffen auf eine Gruppe von sechs (oder sieben) Menschen, die irgend ein Geheimnis zu hegen scheinen, eines mit tödlichen Folgen.

Håkan Nesser beginnt langsam, man findet sich oft in neuen Zeiten und an neuen Plätzen, weiss nicht, mit wem man es zu tun hat, wie alles zusammen hängt. Die Einsamen erzählt die Geschichte von sechs Studenten aus Uppsala und überbrückt dabei einen Zeitrahmen von über 40 Jahren. In einem ständigen Wechsel zwischen den Zeiten verweben sich die verschiedenen Handlungsstränge des Buches immer weiter. Immer tiefer taucht man als Leser ein und will nur eines: herausfinden, was wirklich passiert ist – vor 35 Jahren, wie es dazu gekommen ist und wie es zu dieser neuen Leiche kam.

Steigt anfangs die Spannung immer mehr an, so dass man sich für jeden einzelnen Handlungsstrang interessiert, weil in jedem ein neues Puzzleteil zu Tage tritt, so wird das Buch in der zweiten Hälfte etwas zu ausführlich, weil man kaum schnell genug zur Lösung durchdringen kann. Man kann dies dem Buch nicht mal wirklich anlasten, denn wäre es nicht so spannend, hätte man mehr Geduld beim lesen.

Håkan Nesser gelingt es, eine Geschichte auf mehreren Ebenen zu konstruieren, die Ebenen wild zu durchmischen und dabei die Cliffhanger so zu setzen, dass man schnell die Fortsetzung der entsprechenden Ebene erreichen will. Dafür muss man durch die nächste Erzählebene durch, welche sich als genauso packend erweist wie die letzte. Ein Buch, das einen packt und nicht mehr loslässt. Bis zum Ende.

Fazit:
Ein packender, spannender Roman, den man nicht mehr aus den Händen legen mag, bis man weiss, was hinter der Geschichte steckt. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Håkan Nesser
Håkan Nesser wurde am 21. Februar 1950 in Kumla geboren, machte 1968 Abitur  und studierte ab 1969 an der Universität Uppsala Soziologie, Englisch, Literaturgeschichte, Skandinavistik, Geschichte und Philosophie . Nach einem Lehramtsstudium in den Fächern Schwedisch und Englisch arbeitete er als Gymnasiallehrer und begann daneben, Romane zu schreiben. Seit 1998 lebt Håkan Nesser als freier Autor in London und auf Gotland. Von ihm erschienen sind unter anderem die Krimi-Reihen um Kommissar Van Veeteren und Inspektor Barbotti sowie Romane wie Barins Dreieck (2003), Die Fliege und die Ewigkeit (2006), In Liebe (2006), Die Perspektive des Gärtners (2010).

Ein Einblick in Håkan Nessers Schreiben

NesserEinsamenAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 608 Seiten
Verlag: btb Verlag (9. April 2013)
Übersetzung: Christel Hildebrandt
ISBN-Nr.: 978-3442743797
Preis: EUR  9.99 / CHF 15.90

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Lucie Flebbe – Nachgefragt

FlebbeLucieLucie Flebbe wurde 1977 in Hameln geboren. Bereits mit 14 Jahren verfasste sie ihren ersten belletristischen Text, Die Geschichte eines Rennpferdes, welchen sie in einem spanischen Verlag veröffentlichen konnte. Lucie Flebbe ist Physiotherapeutin und lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Bad Pyrmont. Mit ihrem Krimidebüt Der 13. Brief wurde sie mit dem Friedrich-Glauser-Preis als beste Newcomerin ausgezeichnet. Von ihr erschienen sind bislang unter anderem Der 13. Brief (2008), Hämatom (2010), Fliege machen (2011), 77 Tage (2012), Das fünfte Foto (2013).

Lucie Flebbe hat sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu ihrem Schreiben zu beantworten.

Wieso schreiben Sie? Wollten Sie schon immer Schriftsteller werden oder gab es einen Auslöser für Ihr Schreiben?

Ich schreibe schon immer, habe schon als Kind davon geträumt, Schriftstellerin zu werden. Allerdings habe ich es nicht geschafft, wirklich daran zu glauben, dass das klappen könnte. Deshalb habe ich nach dem Schulabschluss erst einmal eine ‚solide‘ Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht. (Im Nachhinein keine schlechte Voraussetzung für den Beruf der Krimi-Autorin, denn durch die medizinischen Vorkenntnisse weiß ich natürlich, welche Mordmethode den gewünschten Erfolg bringen könnte 😉 ).

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie haben Sie gelernt zu schreiben?

Ich glaube, eine gewisse Veranlagung muss vorhanden sein. Für Menschen, die sich quälen müssen, um einen halbseitigen Aufsatz aufs Papier zu bringen, kann ein Dreihundert-Seiten-Roman leicht zur Folter werden.

Doch ein druckreifes Manuskript fertigzustellen, hätte ich ohne das notwendige Handwerk nicht geschafft. Ich habe ja über zwanzig Jahre an meinem Stil gearbeitet, bevor mein Debüt „Der 13. Brief“ 2008 im Dortmunder Krimiverlag Grafit erschien.

Wie sieht Ihr Schreibprozess aus? Schreiben Sie einfach drauf los oder recherchieren Sie erst, planen, legen Notizen an, bevor Sie zu schreiben beginnen? Wann und wo schreiben Sie?


Ich weiß, lange bevor ich die Idee zu einer Geschichte habe, welche Themen mich interessieren und sammele schon mal prophylaktisch Information.

Am Schauplatz meiner Geschichte – in Bochum – recherchiere ich erst, wenn ich die Geschichte bereits im Kopf habe und weiß, welche Orte ich mir ansehen will. Durch die Vor-Ort-Recherche verändert sich die Handlung meist noch einmal grundlegend.

 

Woher holen Sie die Ideen für Ihre Bücher? Natürlich erlebt man viel, sieht man viel. Aber wie entsteht plötzlich eine Geschichte daraus? Was inspiriert Sie?

Wie gesagt, beschäftigt mich eine interessante Thematik meist lange bevor der Gedanke an ein Buch entsteht.

Die Idee, mit der die Geschichte beginnt, entsteht oft aus einer Kleinigkeit heraus. Bei meinem zweiten Krimi „Hämatom“ war es zum Beispiel eine Magentablette.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Ferien? Wie schalten Sie ab?

Als Mutter von einigen, kleinen Kindern ist meine Freizeit momentan begrenzt.

Goethe sagte, alles Schreiben sei autobiographisch. Das stimmt sicher in Bezug darauf, dass man immer in dem drin steckt in Gedanken, was man schreibt. Sind Sie auch in Ihren Figuren? Gibt es eine, mit der Sie sich speziell identifizieren?


Meine Ich-Erzählerin – die Detektiv-Azubine Lila Ziegler – ist natürlich die Figur, mit der ich mich seit über zehn Jahren eindeutig am meisten beschäftige. Allerdings kann ich nicht behaupten, dass wir uns besonders ähnlich sind. Eher ist Lila mittlerweile zu so etwas wie meinem ‚zweiten Ich‘ geworden, weil ich sehr viel Zeit damit verbringe, die Welt durch die Augen einer unkonventionellen 20-jährigen zu betrachten.

 

Wieso schreiben Sie Krimis? Ist es das, was sie auch am liebsten lesen oder ist es die Freude, das ausleben zu können, was man im realen Leben eher unterdrückt?

Der Krimi bietet mir als Autorin sehr viel Freiraum für eigene Ideen. Ich schreibe über das, was mich selbst bewegt, egal ob es Putzfrauen, obdachlose Jugendliche, Seeungeheuer oder Serienmorde sind. Die Thematik kann sehr ernst, sozial oder eher unterhaltsam, wie in „Das fünfte Foto“, sein. Der Krimi setzt meiner Fantasie keine Grenzen.

Das fünfte Foto spielt im Schrebergartenmilieu und handelt von Kleinstadtidylle (mehr vordergründiger als wirklicher) – Wollen Sie ihrer Nachbarschaft etwas sagen damit?

Nein, die Figuren sind ja alle frei erfunden – und einige davon sind ja auch ziemlich schräge Gestalten. Die meisten finde ich selbst interessant und auf ihre Art sympathisch.


Was muss ein Buch haben, dass es Sie anspricht? Gibt es Bücher/Schriftsteller, die Sie speziell mögen?

Ein Buch sollte meinen Horizont erweitern, mir eine neue Sicht auf Dinge ermöglichen. Besonders gefallen mir die psychologischen Romane, die Agatha Christie unter dem Pseudonym Mary Westmacott veröffentlicht hat.


Wenn Sie sich mit drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?

Eines reicht mir: Anders ;-).

Ich bedanke mich herzliche für diesen offenen und persönlichen Einblick.

Lucie Flebbe: Das fünfte Foto

Die neugierigen Nachbarinnen sind besorgt, weil Bine Kopelski seit Tagen nicht mehr gesehen wurde, nachdem es zu einem Streit mit ihrem eher grobschlächtigen Mann gekommen war. Dass sogar Blut in der Küche der Verschwundenen gesehen wurde, verschärft die Unruhe noch. Ben Danner und Lila Ziegler, Privatdetektive und ungleiches Paar, sollen Licht in die Sache bringen. Ihre Ermittlungen führen sie in eine Schrebergartenkolonie, konfrontieren sie mit Lamas, an Dinosaurier erinnernde Schildkröten und aus Jugendzeiten stammende Kleinstadtrivalitäten. Schon bald gibt es mehrere mögliche Täter und mehr mögliche Opfer. Die Lage spitzt sich zu.

Das fünfte Foto ist ein solide gestrickter Krimi, der mit Witz und einem Augenzwinkern erzählt wird. Er hat einige sehr gut aufgebaute Spannungsmomente, setzt daneben aber auf die ganzen Klischees von Bier trinkenden Exhäftlingen und philosophische Fragen über gut und böse.  Ganz nebenbei gelingt es Lisa noch, ihre traumatische Vergangenheit zu bewältigen und ihre Beziehung zu durchleuchten.

Nicht ganz nachvollziehbar ist in dem Krimi die Begründung der Polizei, wieso sie nicht ermittelt. Eine verschwundene Frau und Blut in der Küche wäre Grund genug. Ebenso unrealistisch ist, dass aus einem durch ein Handy abfotografierten Bild plötzlich ein Video entsteht. Des Weiteren ist der ständige Hinweis auf Danners Exfreundin, die nun stellvertretende Polizeipräsidentin ist, für den Handlungsablauf irrelevant, zumal es nie über einen Hinweis ohne Tiefe hinausgeht.

Trotz alledem ist Lucie Flebbe mit Das fünfte Foto ein leicht zu lesender, unterhaltsamer und amüsanter Krimi gelungen. Dass darin ein paar Details unsauber und nicht nachvollziehbar sind,  schmälert den Lesegenuss nicht, ist aber schade und wäre zu vermeiden gewesen. Krimifreunde werden bei dem Buch auf ihre Kosten kommen.

Fazit:
Ein locker-flockiger Krimi mit einigen inhaltlichen Unsauberkeiten, die aber den Lesegenuss nicht schmälern.

 

Zur Autorin
Lucie Flebbe
Lucie Flebbe wurde 1977 in Hameln geboren. Bereits mit 14 Jahren verfasste sie ihren ersten belletristischen Text, Die Geschichte eines Rennpferdes, welchen sie in einem spanischen Verlag veröffentlichen konnte. Lucie Flebbe ist Physiotherapeutin und lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Bad Pyrmont. Mit ihrem Krimidebüt Der 13. Brief wurde sie mit dem Friedrich-Glauser-Preis als beste Newcomerin ausgezeichnet. Von ihr erschienen sind bislang unter anderem Der 13. Brief (2008), Hämatom (2010), Fliege machen (2011), 77 Tage (2012), Das fünfte Foto (2013).

flebbeFotoAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 252 Seiten
Verlag: Grafit Verlag (7. März 2013)
ISBN: 978-3894254179
Preis: EUR  9.99/ CHF 15.90

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Jakob Arjouni: Bruder Kemal. Kayankayas fünfter Fall

Marieke war sechzehn und nach den Worten ihrer Mutter „sehr talentiert, belesen, politisch engagiert, neugierig und voller Humor…

Bei Mariekes Verschwinden wendet sich ihre Mutter, Valerie de Chavanes an den Privatdetektiven Kayankaya. Was zuerst nach dem Verschwinden eines Teenagers aussieht, welcher sich für zwielichtigen Freund statt für das eigene Elternhaus entscheidet, konfrontiert Kayankaya bald mit Drogen, Vergewaltigung und Mord. Während der vermisste Teenager bald wieder zu Hause ist, haben für Kayankaya die Probleme erst begonnen.

Die Geschichte zieht ihre Kreise, breitet sich über seinen zweiten Fall, in dem er den muslimischen Schriftsteller Malik Rashid vor Übergriffen schützen soll. Rashid hat mit  seinem neusten Roman, welcher Homosexualität in der arabischen Welt thematisiert, die Wut muslimischer Gruppierungen auf  sich gezogen und befindet sich in Gefahr. Diese blüht ihm auch wirklich.

 „Hören Sie mir gut zu: Die Lage hat sich verändert, wir haben eine Geisel. […] Wenn Sie die Polizei verständigen, verschwindet die Geisel für immer.

Kayankaya sieht sich vor dem Problem, wie er seinen Schützling und sich selber aus dieser Situation heil herausbringt.

Mit viel Humor erzählt Jakob Arjouni Kayankayas neusten Fall. Dabei kriegt auch die Bücher- und Verlegerbranche ihr Fett weg, wird sie doch unbarmherzig und nicht ohne Zynismus portraitiert. Der neuste Fall des türkischstämmigen Kayankaya verliert ab und an den Spannungsbogen und weicht zu stark auf persönliche Erinnerungen und die private Geschichte des Ermittlers ab, macht dies aber durch viel Witz wieder wett. Die eingestreuten Rassenprobleme und Vorurteile wirken nie belehrend oder moralisierend, sondern immer angemessen und in die Erzählung passend.

Fazit:

Der fünfte Fall von Kemal Kayankaya führt durch die ganze kriminelle Palette von Drogen, religiösem Wahn, Vergewaltigung bis hin zu Mord. Der Kriminalroman besticht durch Witz und Leichtigkeit, ein Lesevergnügen auf der ganzen Linie.

(Jakob Arjouni: Bruder Kemal. Kayankayas fünfter Fall, Diogenes Verlag, Zürich 2012.)

Bild Angaben zum Buch:

Taschenbuch: 225 Seiten

Verlag: Diogenes Verlag (28. August 2012)

Preis: EUR: 19.90 ; CHF 29.90

 

 

 

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Wenn Krimi Wirklichkeit wird

Es gab Situationen in meinem Beruf, die ich mein Lebtag nicht vergessen werde, und dazu gehört der Tag, an dem ich das erste Mal eine Todesnachricht zu überbringen hatte.

Peter Schnieders blickt nach 43 Jahren bei der Kölner Polizei, 36 davon als Kriminalpolizist, zurück auf die Situationen und Fälle, die seine Polizeikarriere massgeblich prägten, weil sie ihn am meisten bewegten. Als Leser begleitet man den heute pensionierten Polizisten zu den Tatorten des Geschehens, erfährt mehr über die erforderlichen Schritte der Polizeiarbeit und sieht, wie diese weit weg von Kameras und Drehbuch abläuft. Der Leser sieht sich immer wieder konfrontiert mit den Abgründen des wahren Lebens, die insofern betroffener machen als es ein Krimi je tun könnte, da hier die Wirklichkeit erzählt wird.

Der Stoff bietet viel Potential zum spannenden Bestseller, leider kommt die sprachliche Aufbereitung dem nicht nach. Das Buch verliert sich in detaillierten Beschreibungen des Polizeialltags. Als Leser sieht man wenig Handlung, wenig aktives und aktuelles Geschehen. Es will dabei wenig Spannung aufkommen, weil das Buch so eher an ein Sachbuch, denn an eine Sammlung von Erzählungen erinnert. Wenn man sich allerdings für den Polizeialltag  interessiert, die Welt der Krimis mit der Realität vergleichen will, ist man bei diesem Buch an der richtigen Adresse.

Fazit:

Sehr trocken geschriebener Stoff, der an sich Potential hätte, auch interessant wäre, aber durch die Sprache und die Art der Aufbereitung nicht zum Lesen animiert.

Peter Schnieders: Im Spiegel des Bösen. Ein Kriminalkommissar erzählt, Goldmann Verlag, München 2012.

Angaben zum Buch:

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

Verlag: Goldmann Verlag (15. Mai 2012)

Sprache: Deutsch

Preis: EUR 17.99 ; CHF 28.90

 

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