Rezension: James Patterson – Der 1. Mord

Vier Frauen und ein paar Todesfälle

Immer wenn sich bei der offiziellen Ermittlung neue Hinweise ergaben, könnten wir uns treffen, unsere Ergebnisse austauschen und die Bürokraten und das politische Halte-dich-bedeckt umgehen. Drei Frauen, denen es einen Heidenspass machen würde, der männlichen Rechthaberei ein Schnippchen zu schlagen.

patterson1Es sollte der schönste Tag in ihrem Leben werden, doch dann werden David und Melanie Brandt grausam ermordet. Inspector Lindsay Boxer ist erschüttert über die Brutalität, mit welcher der Mörder zuschlug. Polizeiintern kriegt sie für diesen Fall Verstärkung durch Chris Raleigh, worüber sie anfangs nicht erfreut ist, was sich aber bald ändert. Als sich bald darauf ein neuer Mord ereignet, wieder an einem Hochzeitspaar, wieder äusserst grausam, merkt Lindsay, dass sie noch mehr Hilfe brauchen kann: Zusammen mit der Pathologin (und besten Freundin) Claire Washbourn, der Reporterin Cindy Thomas und später der Staatsanwältin Jill Bernhardt gründet sie den Women’s Murder Club. Gemeinsam wollen sie dem Täter auf die Spur kommen – und das möglichst, bevor dieser weiter mordet.

Der 1. Mord ist ein Pageturner. Einmal angefangen zu lesen, kann man ihn kaum zur Seite legen. Mit Lindsay Boxer hat James Patterson eine Protagonistin geschaffen, die einen gleich für sich einnimmt. Dass Lindsay zudem gleich am Anfang des Buches erfährt, dass sie todkrank ist und somit nicht nur gegen einen Mörder, sondern auch noch um ihr Leben kämpfen muss, gibt der Geschichte eine Nebenhandlung, die einen noch mehr in den Roman zieht. Die kurzen Kapitel bringen noch zusätzlich Dynamik in die ganze Sache – Patterson, wie man ihn kennt: grossartig.

Was ich an dem Buch bemängeln muss, ist höchstens das Ende, welches gar konstruiert wirkt. Es scheint, als sei James Patterson übermütig geworden und hätte noch ein paar Drehungen und Pirouetten einbauen wollen, um den Leser nochmals richtig an der Nase rumzuführen. Das wäre so nicht nötig gewesen. Trotzdem ist der Thriller eine absolute Leseempfehlung und das Beste daran: Es gibt noch 11 weitere Fälle des Women’s Murder Club.

Fazit:
Einnehmende Charaktere, guter Plot, Spannung pur von der ersten bis zur letzten Seite! Absolute Leseempfehlung!

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (11. Juni 2007)
Übersetzung: Edda Petri
ISBN-Nr.: 978-3442369195
Preis: EUR 8.95 / CHF 12.90
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Rezension: Bernhard Aichner – Totenfrau

Die Rache für verlorenes Glück

Sie wird sich nicht rühren, egal, was passiert, nicht bewegen. Da ist nur Blum, und die Sonne auf ihrer Haut. Sie ignoriert die Schreie und das Klopfen.
Zwei schwimmende Körper, verzweifelt.

aichnertotenfrauBlums Kindheit war nicht schön. Schon früh muss sie im Bestattungsunternehmen der Eltern helfen, Tote sind um sie, Tag für Tag. Zwar gewöhnt sie sich mit der Zeit an die Toten, aber an ihre Eltern gewöhnt sie sich nie, sie leidet – und setzt diesem Leiden ein Ende: Die Eltern müssen sterben.

Am selben Tag, an dem Blum die Freiheit von ihren Eltern erlangt, lernt sie Mark kennen – und damit das Glück. Sie gründen eine Familie, sind tagtäglich dankbar und glücklich – bis eines Tages Mark bei einem Unfall stirbt. Als Blum erfährt, dass es kein Unfall war, will sie Rache. Und sie tut alles dafür.
Totenfrau ist der erste Band der Trilogie um Blum. Bernhard Aichner lässt den Leser die Hauptfigur kennenlernen, er erzählt die glücklichen und traurigen Tage von Blum, zeigt, wie sich in ihr Wut entwickelt, die sie nicht mehr bändigen kann, die sie ausleben muss. Der Leser versteht Blum, er fühlt mit ihr mit.

Der Thriller weist einige Längen auf, sehr viele und lange Dialoge stoppen den Fluss. Viele Leerseiten und das grosszügig gewählte Layout führen zu einem umfangreichen Buch, der wirkliche Text nimmt wohl maximal 2/3 der Seiten ein. Der ganze Roman hängt an der sehr plastischen und authentischen Protagonistin, Spannung tritt ein wenig in den Hintergrund. Da es sich um den ersten Band einer Trilogie handelt, kann das ein geschickter Schachzug sein, denn: Wenn man die Figur so gut kennt, will man auch wissen, wie es mit ihr weitergeht.

Fazit:
Ein guter Einstieg in eine Trilogie mit authentischen Charakteren und einem stimmigen Plot.

Der Autor
Bernhard Aichner (geb. 1972) lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck/Österreich. Aichner schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Für seine Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet. Nach den Spannungsromanen Nur Blau (2006) und Schnee kommt (2009) erschienen bei Haymon die Max-Broll-Krimis Die Schöne und der Tod (2010), Für immer tot (2011) und Leichenspiele (2012). Totenfrau ist der erste Thriller, der bei btb erscheint. Für die Recherche dazu arbeitete Aichner ein halbes Jahr bei einem Bestattungsinstitut als Aushilfe.

 

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: btb Verlag (11. Mai 2015)
ISBN-Nr.: 978-3442749263
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Rezension: Harlan Coben – Der Insider

Myron Bolitar ermittelt

Ein Comeback mit Hintergedanken

„Benehmen Sie sich anständig.“
„Ich?“, sagte Myron. „Ich bin doch immer ganz entzückend.“
[…]
„Myron, wir möchten Ihnen ein interessantes Angebot machen“, sagte Clip Arnstein.

cobeninsiderMyron Bolitar war ein vielversprechendes Talent im Basketball, bis ein Unfall seiner Karriere ein abruptes Ende bescherte. Bolitar lässt den Kopf nicht hängen, studiert Jura, arbeitet kurzzeitig fürs FBI und ist nun als Sportagent selbständig. Als aus heiterem Himmel das Angebot auf ihn zukommt, für ein grosses NBA-Team zu spielen, traut er seinen Ohren kaum. Allerdings geht es weniger um Bolitars Spielkünste, die ihn qualifizieren, als eher seine Fähigkeiten als Ermittler: Er soll als Insider das Verschwinden seines alten Kameraden Greg aufklären.

Gemeinsam mit seinem Partner Win macht er sich auf die Suche – und er muss feststellen, dass die ganze Geschichte tiefer reicht, als er gedacht hätte. Und: Es wird gefährlich.

Harlan Coben besticht einmal mehr durch seinen gewohnt leichten, humorvollen und gut lesbaren Schreibstil, der einen in die Geschichte zieht und festhält. Witzige Dialoge, ein stimmiger Plot mit den nötigen Kniffen und Überraschungen sowie plastisch und authentisch charakterisierte Figuren machen das Buch zu einem absoluten Lesevergnügen.

Der Insider ist der dritte Band der Reihe um Myron Bolitar, doch man kann ihn gut ohne Kenntnis der ersten beiden Bände lesen. Zwar erfährt man von einer Vorgeschichte Bolitars, doch fehlt einem keine Information fürs Verständnis des vorliegenden Bands, zumal jeder Charakter immer eine Vorgeschichte hat, selbst wenn die in keinem früheren Band beschrieben wurde.

Fazit:
Ein witzig und spannend erzählter Krimi mit einem stimmigen Plot und authentischen Charakteren. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Harlan Coben wurde 1962 in New Jersey geboren. Nachdem er zunächst Politikwissenschaft studiert hatte, arbeitete er später in der Tourismusbranche, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Seine Thriller wurden bisher in über 40 Sprachen übersetzt und erobern regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten. Harlan Coben, der als erster Autor mit den drei bedeutendsten amerikanischen Krimipreisen ausgezeichnet wurde – dem Edgar Award, dem Shamus Award und dem Anthony Award – gilt als einer der wichtigsten und erfolgreichsten Thrillerautoren seiner Generation. Er lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in New Jersey.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (19. September 2016)
Übersetzung: Kathrin Passig, Gunnar Kwisinski
ISBN-Nr.: 978-3764505424
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Rezension: Lee Child – Die Gejagten

Ein Jack-Reacher-Roman, Band 18

Fangen oder gefangen werden

„Jack Reacher, ab sofort sind sie wieder zum Militärdienst einberufen.“
Reacher schwieg.
„Sie sind wieder in der Army, Major“, sagte Morgan. „Und ihr Arsch gehört mir.“

childgejagtenNachdem Reacher aus der Militärpolizei ausgetreten ist, will er eines Tages spontan seine Nachfolgerin in seiner ehemaligen Einheit besuchen – ihre Stimme hat am Telefon so sympathisch geklungen und er könnte sich durchaus vorstellen, diese Sympathie auszubauen. Vor Ort angekommen, erfährt er, dass Major Susan Turner wegen Bestechung angeklagt ist und er selber wieder eingezogen wird, damit man ihn wegen zwei Fällen, die 16 Jahre zurückliegen, ebenfalls anklagen kann. Reacher soll einen Mann geprügelt haben, der danach starb, und er soll eine Tochter haben, für die er nie sorgte. Von beidem weiss Reacher nichts, ahnt aber nichts Gutes. Nachdem er verhaftet wird, gelingt ihm die Flucht und er muss versuchen, der Wahrheit hinter allem auf die Spur zu kommen.

Die Gejagten ist der 18. Teil der Jack-Reacher-Reihe, aber man kommt auch gut mit, wenn man die 17 vorhergehenden Bände nicht gelesen hat. Child baut seinen Hauptcharakter gut auf, es braucht wenig Beschreibungen, wie er ist, man erlebt ihn in seinen Handlungen und seiner Sprache, wodurch Reacher sehr plastisch und authentisch wirkt. Mit Susan Turner bekommt Reacher einen ebenbürtigen, intelligenten und sympathischen Charakter an die Seite, so dass die sich entwickelnde Liebesgeschichte stimmig wirkt.

Zentral im Buch bleibt die Jagd nach dem unsichtbaren Feind, der irgendwo im Verborgenen sitzt und an den Fäden zieht, die für Reacher und Turner den Untergang bedeuten könnten – wenn sie ihn nicht vorher entlarven, ohne selber gefunden zu werden.

Ein spannender Roman mit einem stimmigen Plot, der ab und an über Längen verfügt. Es wird sehr viel gesprochen und rumgefahren. Bei einem ungeduldigen Leser, der ich ab und an bin, juckt es da manchmal in den Fingern, ein paar Seiten zu überspringen. Lee Childs unterschwelliger und sarkastischer Humor beim Erzählen macht diesen Kritikpunkt wieder wett.

Fazit:
Stimmiger Plot, authentische Charaktere und Spannung gewürzt mit einer Prise Liebe. Empfehlenswert!

Zum Autor
Lee Child wurde in den englischen Midlands geboren, studierte Jura und arbeitete dann zwanzig Jahre lang beim Fernsehen. 1995 kehrte er der TV-Welt und England den Rücken, zog in die USA und landete bereits mit seinem ersten Jack-Reacher-Thriller einen internationalen Bestseller. Er wurde mit mehreren hoch dotierten Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem »Anthony Award«, dem renommiertesten Preis für Spannungsliteratur.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 4148 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (27. Juni 2016)
Übersetzung: Wulf Bergner
ISBN-Nr.: 978-3764505424
Preis: EUR 19.99 / CHF 28.90
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Rezension: Stuart MacBride: Zwölf tödliche Gaben

Zwölf kurze Weihnachtskrimis

Gestorben wird immer

Billy Partridge war nicht gerade der geborene Fassadenkletterer, aber Dillon hatte ihm kaum eine Wahl gelassen. Entweder würde er den Bruch machen oder bis Donnerstag die dreizehntausend auftreiben… oder sie würden ihm beide Beine brechen. Und die Alternative mit den Beinen verlor viel von ihrem Reiz, wenn man bedachte, dass sie seine Schulden bei Dillon ja nicht tilgte, sondern nur einen Zinsaufschub bedeutete.

macbridezwolfIn Anlehnung an das alte Weihnachtslied „The Twelve Days of Christmas“ erzählt Stuart MacBride zwölf skurrile Kurzkrimis. Der Leser begleitet tollpatschige Einbrecher bei der Hausdurchsuchung, Gerichtsmediziner in die Überstunden und Köche an die Pfannen. Nie gelingt alles reibungslos und meistens ist am Schluss einer tot.

Mit viel Witz präsentiert MacBride die Abgründe des Lebens, verpackt diese in unterhaltsame und kurzweilige Geschichten, die man schnell mal zwischendurch lesen und dabei schmunzeln kann.

Fazit:
Kurzweilig, unterhaltsam und teilweise bitterbös. Empfehlenswert!

Zum Autor
Stuart MacBride hat bereits in einigen Berufen gearbeitet, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. „Die dunklen Wasser von Aberdeen“ war sein erster Roman mit dem Ermittler Logan McRae und sorgte in Großbritannien sofort für Furore. Der Roman wurde als bestes Krimidebüt des Jahres mit dem Barry Award ausgezeichnet. Mittlerweile liegen bereits mehrere Logan-McRae-Romane vor, die die Bestsellerlisten stürmten. Außerdem wurde die Serie als Favorit der Leser mit dem ‚Dagger in the Library‘ ausgezeichnet. Stuart MacBride lebt mit seiner Frau im Nordosten Schottlands.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (17. Oktober 2016)
Übersetzer: Andreas Jäger
ISBN-Nr.: 978-3442480470
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
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Rezension: Christoffer Carlsson: Der Turm der toten Seelen

Wie einer wird, was einer ist

Ich streiche um dein Haus herum, genau wie früher. Aber es ist nicht mehr dein Haus, du bist nicht hier. Warst lange nicht hier. Ich weiss das, denn ich verfolge dich. Nur ich bin hier. Und eigentlich nicht mal ich. Du kennst mich nicht. Keiner kennt mich mehr.

carlssonturmEine junge Frau wird in der Notschlafstelle, die sich im Haus von Leo Junker befindet, erschossen. Junker, aktuell vom Dienst suspendiert, weil er einen Kollegen erschossen hat, ist schnell am Tatort und gilt schon bald als Verdäc
htiger. Schon bald fühlt er, dass dieser Fall in der Tat etwas mit ihm zu tun hat und er beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.

Der Turm der toten Seelen ist der erste Band einer Reine rund um Leo Junker. Vielleicht wird darum so viel Zeit darauf verwendet, dessen ganze Geschichte aufzurollen, von der Kindheit in einem sozial schwachen Umfeld über die erste Liebe, erste Freundschaft, hin zu Schlägereien und Jugendkriminalität. Zwar hat diese Geschichte durchaus Bezug zum aktuellen Fall, trotzdem wirkt sie oft zu ausschweifend, hemmt den Erzählfluss und bremst die Spannung.

Es lohnt sich, dranzubleiben (notfalls kann man das eine oder andere überblättern), denn das Buch nimmt mit der Zeit an Tempo zu und wird am Schluss wirklich spannend, so dass man sich auf weitere Fälle des vielschichtigen Ermittlers freut. Das ab und an schleppende Tempo wird aufgewogen durch eine eingängige und leicht lesbare Erzählweise, durch einen durchdachten und stimmigen Plot und komplexe Charaktere.

Fazit:
Stimmige Geschichte, die langsam anfängt, weit ausschweift, dann an Tempo zulegt und spannend wird. Empfehlenswert!

Zum Autor
Christoffer Carlsson, geboren 1986, ist promovierter Kriminologe und hat bereits während des Studiums mehrere Thriller veröffentlicht. Inzwischen zählt er zu den erfolgreichsten Krimiautoren Schwedens. Seine Leo-Junker-Serie erhielt international höchstes Lob und erscheint in 18 Ländern. Jetzt erscheint die Reihe erstmals im Taschenbuch.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Penguin Verlag (22. August 2016)
Übersetzer: Susanne Dahmann
ISBN-Nr.: 978-3328100416
Preis: EUR 10 / CHF 14.90
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Rezension: Nicci French: Böser Samstag

Die Vergangenheit lässt nie los

frenchbosersamstagNach all den Aufregungen der Vergangenheit wollte die Psychologin Frieda Klein eigentlich nichts mehr mit Polizeiarbeit und Ermittlungen zu tun haben. Sie wollte sich ganz auf ihre Praxis und ihr Privatleben konzentrieren. Doch sie schuldet noch jemandem einen Gefallen – und der hat es in sich:

Eines Nachts hatte die damals erst 18jährige Hannah Docherty ihre ganze Familie grausam umgebracht und wurde danach in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Bei ihrem ersten Besuch bei Hannah fällt Frieda Klein aus, in welch schrecklichem Zustand Hannah ist. Nicht nur scheint sie völlig verstört und redet nicht, sie ist auch geschunden und verletzt. Die Meinungen der Ärzte vor Ort (und auch die aller anderen Menschen) sind eindeutig: Die junge Frau sei gestört, gewalttätig und vor allem: Ganz bestimmt die Täterin von damals. Frieda ist sich da nicht sicher und will auf eigene Faust ermitteln, denn die Polizei weigert sich, den Fall neu aufzurollen.

Als wäre das nicht genug, melden sich auch Menschen aus Friedas eigener Vergangenheit wieder – ob nun der ganze Schrecken von früher nochmals losgeht?

Böser Samstag ist der sechste von acht Fällen um die Psychologin Frieda Klein. Auch wenn man die vorhergehenden Fälle nicht kennt, kommt man gut mit und sieht sich einem packenden und spannenden Fall ausgesetzt. Als Leser tappt man mit der Ermittlerin im Dunkeln, versucht genau wie sie, die verschiedenen Fäden zu packen und sich einen Reim drauf zu bilden. Es erstaunt nicht, dass man das Buch kaum mehr weglegen mag und genauso verbissen wie die Ermittlerin selber dran bleibt.

Am Schluss des Buches sitzt man da und hofft nur eines: Dass der siebte Fall bald erscheinen möge!

Fazit:
Authentische und plastische Charaktere, spannender und stimmiger Plot – packender Lesegenuss. Absolut empfehlenswert!

Zum Autor
Nicci French – hinter diesem Namen verbirgt sich das Ehepaar Nicci Gerrard und Sean French. Seit dem Erscheinen ihres Longsellers „Der Sommermörder“ sorgen sie mit ihren Psychothrillern international für Furore und verkauften weltweit über 8 Mio. Exemplare. Die beiden leben in Südengland. „Böser Samstag“ ist der sechste Band der achtteiligen Thrillerserie.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag (31. Oktober 2016)
Übersetzer: Birgit Moosmüller
ISBN-Nr.: 978-3570102282
Preis: EUR 14.99 / CHF 22.90
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Rezension: Martha Grimes: Ein Mord macht noch keinen Sommer

Das gefährliche Verlagswesen

grimesmordsommerCindy Stella sitzt ihr ehemaliger Agent im Nacken, weil er für ein Roman Provision will, mit dem er eigentlich nichts zu tun hatte. Das will die junge Autorin nicht auf sich sitzen lassen. Zu Hilfe kommen zwei skurrile Auftragskiller, welche das Problem lösen sollen.

Nachdem ich einen Krimi im üblichen Stil von Martha Grimes erwartet hatte, war ich doch eher erstaunt – und enttäuscht. Das Ganze sollte wohl eine Persiflage sein, allein ich bin mit dem Stil nicht warm geworden. Es ging mir zu sehr hin und her, ich vermisste den roten Faden.

Vermutlich liegt die Enttäuschung aber an meinen Erwartungen, denn: Der Roman war als Roman und nicht als Thriller bezeichnet, ich habe mich wohl vom Namen der Autorin in die Irre leiten lassen.

Wenn man das beachtet und man solche Persiflagen mag, welche durch verschrobene Figuren, witzige Dialoge und durchaus einen durchdachten Plot glänzen, wird man sicher auf seine Kosten kommen beim Lesen. Auch schafft es die Autorin, die einzelnen Charaktere in ihrer Eigenart und Sprechweise authentisch wirken zu lassen.

Fazit:
Eine Persiflage, welche durch skurrile und plastische Charaktere glänzt.

Zum Autor
Martha Grimes zählt zu den erfolgreichsten Krimiautorinnen unserer Zeit. Lange Zeit unterrichtete sie kreatives Schreiben an der Johns-Hopkins-University. Durch ihre Serien um Inspektor Richard Jury und die 12-jährige Ermittlerin Emma Graham wurde sie weltbekannt. Die „Mystery Writers of America“ kürten sie 2012 für ihr Lebenswerk zum „Grand Master“, und ihre Inspektor-Jury-Reihe wurde nun auch fürs deutsche Fernsehen entdeckt und erfolgreich verfilmt. Martha Grimes lebt heute abwechselnd in Washington, D.C., und in Santa Fe, New Mexico.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (19. September 2016)
ISBN-Nr.: 978-3442484546
Preis: EUR 14.99 / CHF 22.90
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Rezension: Beate Maxian: Mord in Schönbrunn

Märchenhafter Mord

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.“

maxianschonbrunnAls Valentina wie so oft früh morgens durch den Schlosspark Schönbronn joggt, bietet sich ihr ein grausames Bild: Eine auf einem Tisch aufgebahrte Leiche in einem Hochzeitskleid, umgeben von Kerzen. Die Polizei identifiziert diese als die seit fünf Jahren vermisste Daniela Müller. Diese war kurz vor ihrer Hochzeit mit dem reichen Hotelier Felix Beermann verschwunden. Das Pikante an der Geschichte: Valentina war damals die Hochzeitsplanerin des Paares gewesen und sie wollte in zwei Wochen Felix Beermanns Ehefrau werden.

Nicht nur die Polizei tappt im Dunkeln, auch die Journalistin Sarah Pauli will der Sache auf den Grund gehen. Ihr Interesse wird noch dadurch angestachelt, dass sich rund um den Mord mystische und symbolische Zeichen offenbaren – Sarahs Steckenpferd.

Mord in Schönbrunn ist bereits der sechste Kriminalroman aus Wien mit der Journalistin Sarah Pauli. Man muss die ersten fünf aber nicht gelesen haben, um gleich in den Bann der Geschichte gezogen zu werden. Beate Maxian gelingt es, den Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Seite zu spannen. Die Charaktere sind plastisch und authentisch und der Plot stimmig. Der Leser wird von Seite zu Seite getrieben von seiner eigenen Neugier, wer der Täter mit Märchenphantasie war und vor allem: Wer sein nächstes Opfer ist, denn eines ist klar: Es wird noch eines geben.

Fazit:
Krimigenuss auf höchstem Niveau – Achtung: Suchtgefahr! Absolut empfehlenswert!

Zum Autor
Die Österreicherin Beate Maxian wurde in München geboren und verbrachte ihre Jugend u.a. in Bayern und im arabischen Raum. Heute lebt sie mit ihrer Familie abwechselnd in Oberösterreich und Wien und arbeitet neben dem Schreiben als Moderatorin und Journalistin sowie als Dozentin an der Talenteakademie. Ihre in Wien angesiedelten Krimis um die Journalistin Sarah Pauli haben eine treue Leserschaft erobert und sind Bestseller in Österreich. Des Weiteren ist Beate Maxian die Initiatorin und Organisatorin des ersten österreichischen Krimifestivals: Krimi-Literatur-Festival.at

Interview mit Beate Maxian: HIER

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (19. September 2016)
ISBN-Nr.: 978-3442482962
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
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Rezension: James Patterson: Die Tote Nr. 12

Vorhergesagte und verschwundene Leichen

Ich wurde von einem lauten Knall geweckt. Es klang, als hätte jemand direkt neben meinem Kopf eine Pistole abgefeuert. Ich riss die Augen auf und sass schlagartig aufrecht im Bett.

Ausgerechnet in einer Sturmnacht will die kleine Tochter von Lindsay Boxer zur Welt kommen. Der Weg ins Krankenhaus ist unmöglich, bleibt nur noch die Feuerwehr, die zu Hilfe eilt. Nachdem die Geburt problemlos vonstatten ging, freut sich Lindsay auf die Zeit zu Hause mit ihrer kleinen Familie, doch dann wird sie zum Dienst gerufen: Die Freundin eines bekannten Sportlers wurde umgebracht. Dass die Leiche kurz darauf aus der Pathologie verschwindet, macht den Fall noch komplizierter. Nun ist auch Lindsays Freundin Claire aus der Rechtsmedizin unter Strom.

Die dritte im Bunde des Women’s Murder Club, die Staatsanwältin Yuki, versucht zur selben Zeit, einen unsympathischen Anwalt für den Mord an seiner Frau und Tochter hinter Gitter zu bringen, und Cindy, ebenfalls Mitglied und Journalistin, versucht sich mit viel Einsatz in ihrem Beruf zu behaupten, wofür sie ihre Beziehung aufs Spiel setzt.

Als ob das alles nicht genug wäre, sagt ein verrückter Professor ständig neue Morde voraus, von welchen er geträumt habe – und sie passieren wirklich.

Die Tote Nr. 12 ist der zwölfte Band aus der Reihe um den Women’s Murder Club. Die vier Frauen stehen wieder einmal unter Strom, jede für sich und alle doch durch die gleichen Fälle verstrickt (diesmal allerdings weniger als in den vorherigen Bänden). Der anfänglich schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Personen und Schauplätzen kann etwas verwirren, aber das legt sich schnell und man ist als Leser in den Sog der Geschichte hineingezogen, der nicht mehr loslässt. Auch wenn man die ersten 11 Bände nicht kennt, kommt man gut mit, findet sich schnell in die Geschichte hinein.

James Patterson führt in 110 Kurzkapiteln rasant durchs Geschehen und reisst den Leser mit. Dadurch, dass jedes Kapitel nur 3-4 Seiten umfasst, liest man immer noch schnell eines, bis man schliesslich am Ende ist und der Fall gelöst.

Fazit
Rasant erzählte und packende Geschichte, die einen in den Bann zieht und nicht mehr loslässt. Absolut empfehlenswert!

Zum Autor:
James Patterson, geboren 1947, war Kreativdirektor bei einer großen amerikanischen Werbeagentur. Seine Thriller um den Kriminalpsychologen Alex Cross machten ihn zu einem der erfolgreichsten Bestsellerautoren der Welt. Auch die Romane seiner packenden Thrillerserie um Detective Lindsay Boxer und den „Women´s Murder Club“ erreichen regelmäßig die Spitzenplätze der internationalen Bestsellerlisten. James Patterson lebt mit seiner Familie in Palm Beach und Westchester, N.Y.

Angaben zum Buch:
patterson12Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (15. August 2016)
Übersetzung: Leo Strohm
ISBN: 978-3734103285
Preis: EUR: 8.99 ; CHF 13.90
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Rezension: Michel Bussi: Die Frau mit dem roten Schal

Trügerische Erinnerungen?

Wenn Sie am Rand einer Klippe einer schönen jungen Frau begegnen, reichen Sie ihr nicht die Hand. Man könnte glauben, Sie hätten sie hinabgestossen.

Jamal joggt den Klippen entlang, als er zuerst den roten Schal, dann die Frau sieht. Sie will sich von den Klippen stürzen. Jamal will ihr helfen, doch er kommt zu spät – sie springt. Jamal rennt nach unten, mit ihm sind zwei Zeugen da, die die junge Frau fallen sahen. Ein tragischer Selbstmord.

Die Polizei geht bald von Mord aus und sie hat den Mörder gefunden: Jamal. Alles spricht gegen ihn. Erschwerend kommt hinzu, dass auf dieselbe Weise schon andere junge Frauen zu Tode kamen. Und immer war Jamal in der Nähe. Die Schlinge um seinen Hals zieht sich enger und enger und er versucht verzweifelt, seine Unschuld zu beweisen. Er erhofft sich Unterstützung von den anderen beiden Zeugen – doch die sind plötzlich vom Erdboden verschwunden, als ob es sie gar nie gegeben hätte.

Eine spannende Geschichte, die durch Verknüpfungen mit der Vergangenheit immer mysteriöser wird. Bald sieht sich der Leser am gleichen Punkt wie der Protagonist steht: Er weiss nicht mehr, was richtig und was falsch ist.

Die Rückblenden in Form von Mails aus den vergangenen Fällen wirken ab und an ermüdend und langweilig, lassen sich aber gut etwas schneller überfliegen, um im Lesefluss zu bleiben.

Fazit:
Fängt etwas langsam an, wird dann aber immer spannender und zieht einen schliesslich gänzlich in den Bann. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Michel Bussi
Michel Bussi, geb. 1965, Politologe und Geograph, lehrt an der Universität in Rouen. Er ist einer der drei erfolgreichsten Autoren Frankreichs. Seine Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und sind internationale Bestseller. Bei Rütten und atb liegen seine Romane „Das Mädchen mit den blauen Augen“ und „Die Frau mit dem roten Schal“ vor. „Beim Leben meiner Tochter“ und „Das verlorene Kind“ erscheinen im Frühjahr 2016 Mehr zum Autor unter www.michel-bussi.fr

Angaben zum Buch:
BussiFrauRotTaschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Rütten & Loening Verlag (21. August 2015)
Übersetzung: Dr. Olaf Matthias Roth
ISBN-Nr.: 978-3352006760
Preis: EUR 14.99 / CHF 21.90

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Rezension: Tim Parks – Der ehrgeizige Mr. Duckworth

Wenn jedes Mittel recht wird

Morris lag auf dem Rücken und heulte jämmerliche Tränen des Selbstmitleids. Er war verflucht, das war alles. Verflucht, nicht mehr und nicht weniger. Das zeigte sich schon daran, dass sich offenbar niemand sonst an dem Hund störte. Die anderen waren alle immun. Die weckte das Bellen nicht auf. Aber er war mit irgendeiner schrecklichen Krankheit geschlagen, die all diese Plagen über ihn brachte. Und das hatte er nicht verdient. Das hatte er ganz bestimmt nicht verdient.

Morris arbeitet in Verona als Privatlehrer für reiche und verwöhnte Kinder, für die, welche all das haben, was ihm eigentlich zusteht. Das Schicksal hat es, da ist sich Morris sicher, schlecht mit ihm gemeint, es hat ihn um sein wirkliches Leben betrogen. Zum Glück ist da Massimina. Junges, hübsches Mädchen aus gutem Hause und dazu in Morris verliebt. In ihr sieht er die Lösung all seiner Probleme: Er muss sie heiraten. Wollen wäre anders, aber was tut man nicht alles, um zu Geld zu kommen.

Leider ist Massiminas Mutter von der Liaison wenig angetan, so dass die beiden beschliessen, zu flüchten. Damit hören die Geldsorgen Morris’ aber nicht auf, im Gegenteil, er muss sich etwas einfallen lassen. Allerdings ist er auch als Ganove wenig erfolgreich, so dass er sich immer wieder einen neuen Schelmenstreich ausdenken muss, um mit seiner vermeintlichen Retterin zu überleben. Zudem ist er damit beschäftigt, alles vor ihr geheimzuhalten, was aber nicht sonderlich schwer ist, da Massimina einerseits sehr naiv und andererseits sehr verliebt ist. Der Diebstahl eines Gucci-Koffers ist nur der Anfang einer sich steigernden Reihe von Ungesetzlichkeiten, die darüber hinaus von Fall zu Fall schwerwiegender werden.

Morris Duckworth ist ein Ganove, der an Felix Krull oder Ripley erinnert. Verschlagen lügt und betrügt er sich durchs Leben um den Lebensstandard zu erreichen, der ihm in seinen Augen zusteht. Dass er so skrupellos handeln muss, ist allerdings nie seine Schuld, sondern die all derer, die sein Genie missachten, die ihm nicht zubilligen, was ihm gebührt, nämlich Geld, Ruhm, Ehre.

Tim Parks führt ihn und alle anderen Charaktere sorgfältig und über ihre Erlebnisse und Verhaltensweisen ein, lässt den Leser sie so langsam erleben und kennenlernen. Auf dieser Basis ist es schwer, die mal geknüpften Bande zu lösen, wenn die Geschichte sich mehr und mehr zuspitzt, der Charakter des Protagonisten, der anfänglich selbstmitleidig und sehr selbstverherrlichend war, schlussendlich immer bösartiger und gnadenloser wird auf dem Weg zu seinem Ziel. Man sitzt gebannt und liest sich von Seite zu Seite, einerseits hoffend, er möge endlich auffliegen, andererseits bangend, das könnte der Fall und damit das Buch zu Ende sein.

Zu Ende ist die Geschichte – wenn auch in diesem Buch durchaus abgeschlossen für sich – lange nicht, denn Der ehrgeizige Mr. Duckworth ist erst der Anfang einer Trilogie, deren weiteren Teile im Juli und im September 2015 erscheinen werden. Man darf gespannt sein.

Fazit:
Eine Ganovengeschichte, die durch lebensnahe Figuren und einen stimmig aufgebauten Plot besticht. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Tim Parks
Tim Parks, geboren 1954 in Manchester, wuchs in London auf und lebt seit 1981 in Italien. In vielen seiner Romane und erzählenden Sachbücher hat er das Leben in Italien thematisiert. Er hat das Werk von Italo Calvino, Roberto Calasso, Alberto Moravia und Machiavelli ins Englische übersetzt und lebt als Professor für Literarisches Übersetzen in Mailand. Zuletzt erschien von ihm Italien in vollen Zügen.

Angaben zum Buch:
Parksder_ehrgeizige_mr_duckworthTaschenbuch: 300 Seiten
Verlag: Verlag Antje Kunstmann (27. Mai 2015)
ISBN-Nr.: 978-3888979309
Originaltitel: Cara Massimina
Übersetzung: Lutz-W. Wolff
Preis: EUR 16.95 / CHF 23.90

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Rezension zur Serie: True Detective

Matthew-McConaughey-and-Woody-Harrelson-in-True-Detective-Season-1-Episode-3Lousianna 1995. Eine ehemalige Prostituierte wird ermordet, das Ganze erinnert an ein Ritual. Die beiden Kriminalpolizisten Martin Hart und Rustin Cohle, sie könnten unterschiedlicher nicht sein, untersuchen den Fall. Der Verdacht erhärtet sich, dass dies nicht der erste Mord des Täters war, sie finden weitere Mordfälle mit ähnlich ritualhaftem Vorgehen. Trotz aller Anstrengungen gelingt die Aufklärung nicht. Die beiden Detectives zerstreiten sich, beide steigen 2002 aus dem Polizeidienst aus, gehen getrennte Wege. Während sich Martin Hart mit einer Sicherheitsfirma selbständig machte, fristet Cohle sein Leben als Aussteiger und Pegeltrinker. Nach 10 Jahren Sendepause werden beide getrennt voneinander zu dem Fall befragt. Anlass dafür ist ein neuer Mord, der an die alten erinnert. Matthew-McConaughey-and-Woody-Harrelson-in-True-Detective-Season-1-Episode-1True Detective ist ein brilliant aufgegleister Krimi. Aus den Erzählungen der beiden ehemaligen Detectives erfährt der Zuschauer nach und nach, was vor 17 Jahren vor sich ging, wie die Ermittlungen liefen. Spannung pur wird vermischt mit philosophischen Betrachtungen über das Leben und generell von Cohle, markigen Sprüchen von Hart und epischen Autofahrten durch endlose Weiten.Und immer schweben über allem viele Fragezeichen darüber, was wirklich vorgefallen ist, wem man trauen kann, wo die Lösung des Geheimnisses liegt. Man wähnt sich immer knapp vor der Erkenntnis, wird aber immer wieder in neue Zweifel geworfen. Diese erste Staffel umfasst insgesamt 8 Folgen an je einer Stunde, wobei das Ende einer jeden so spannungsgeladen ist, dass man gleich weiter schaut. Ich als Serienjunkie habe es geschafft, acht Stunden am Stück auf dem Sofa angewachsen zu sitzen und wie gebannt in den Fernseher zu starren. Darum meine Warnung: Absolute Suchtgefahr, nur schauen, wenn genügend Zeit ist. Fazit Brillante Schauspieler, tolles Drehbuch, gut umgesetzt – Spannung pur mit Suchtfaktor 10. Unbedingt schauen! Informationen:

Deutscher Titel True Detective
Originaltitel True Detective
Prouktionsjahr 2014
Besetzung:
Rustin „Rust“ Cohle Matthew McConaughey
Martin Hart Woody Harrelson
Maggie Hart Michelle Monaghan

Trailer

Rezension: Zoë Beck – Schwarzblende

Das Fremde in unseren Städten

Niemand lief mit einer Machete durch London. Abgesehen von den beiden Männern, die gerade an ihm vorbeigingen. Niall lehnte an der Brückenbrüstung […] Der Blick des Mannes blieb eine Sekunde zu lang an ihm hängen.

Zwei junge Männer ziehen mit Macheten durch London, vorbei am Kameramann Niall Stuart, der gerade für eine Dokumentation recherchiert. Ein kurzer Blickaustausch lässt Niall unruhig werden. Soll er die Polizei anrufen? Ist alles nur Karneval? Er folgt den beiden bis in einen Park, wo sie stehen bleiben, sich entspannt unterhalten. Niall ist froh, nicht gleich Alarm geschlagen zu haben, dreht sich um, geht weg – und hört Schreie. Als er wieder zurückkehrt, sieht er die beiden Männer, wie sie auf einen dritten jungen Mann losgehen, mit den Macheten auf ihn einschlagen, ihm schliesslich den Kopf abschlagen. Niall filmt alles mit. Danach hissen die beiden die Fahne des Islamischen Staates. Sie fordern Niall auf, weiter zu filmen, geben ihm ein Interview.

Die Polizei kommt, einer der Täter wird dabei lebensbedrohlich verletzt, Niall verhaftet und sehr unsanft behandelt. Er landet im Gefängnis, Verdacht auf Mithilfe bei einem Terrorakt. Der Irrtum klärt sich zum Glück auf. Niall macht sich auf die Suche nach den Hintergründen dieses Attentats, auf die Suche nach den Hintergründen solcher Taten überhaupt. Er will den Terror verstehen, will herausfinden, wem diese Taten wirklich nützen, wer dahinter stecken kann.

Zoë Beck greift – wie schon in früheren Romanen – ein brennendes Thema auf: der IS und seine Gewalt, seine Bedrohung. Sie lässt Niall den Vorfall und seine Motive erforschen und präsentiert dem Leser auf diese Weise Verstrickungen, politische Muster und Vorgänge. Der Ursprungsfall selber hat eine reale Vorlage im Mord am jungen Soldaten Lee Rigby aus dem Jahr 2013. Die Erklärungen und der erarbeitete Kontext, die Zusammenhänge mit dem Nahen Osten sowie die Thematik der Immigration mit ihren Problemen von Ehre, Macht und Sinnsuche im neuen Land fallen teilweise etwas klischeehaft aus, erscheinen ab und an etwas gesucht verstrickt. Da wir es hier aber mit einem Roman und nicht mit einem Geschichtsbuch zu tun haben, kann man das als literarische Freiheit erachten, zudem stört es den Lesefluss nicht, im Gegenteil, das Buch ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

Niall bleibt als Hauptfigur seltsam kühl und wenig emotional involviert in die ganze Geschichte, er nimmt hin, was auf ihn kommt, und macht, wohin der Plot ihn führt. Zudem stimmen ein paar Details in Bezug auf die beiden Täter nicht. Dies alles sind aber Kleinigkeiten, Zoë Becks Roman hat eine spannende Geschichte, der Plot ist stimmig und packend aufgebaut, die Sprache ist flüssig und lesbar, die Schauplätze plastisch und realistisch. Ein Krimi, wie man ihn sich wünscht!

Fazit:

Schwarzblende – ein Krimi, bei dem der Autor sein Handwerk beherrschte, Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Absolut empfehlenswert.

 

Zum Autor
Zoë Beck
Zoë Beck, geboren 1975, wuchs zweisprachig auf und pendelt zwischen Großbritannien und Deutschland. Ihre grosse Liebe neben der Literatur ist die Musik: Mit drei Jahren begann sie, Klavier zu spielen, gewann bald darauf diverse Wettbewerbe und gab zahlreiche Konzerte. Heute arbeitet sie als freie Autorin, Redakteurin und Übersetzerin. 2010 erhielt sie den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte „Bester Kurzkrimi“. Von ihr erschienen sind unter anderem Das zerbrochene Fenster (2012), Der frühe Tod (2011), Das alte Kind (2010), Brixton Hill (2013)..

Mehr zu Zoë Beck und ihrem Schreiben unter Zoë Beck – Nachgefragt.

 

Angaben zum Buch:
BeckSchwarzblendeTaschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (9. März 2015)
ISBN-Nr.: 978-3453410435
Preis: EUR 9.99 / CHF 15.90
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Rezension: Horst Eckert – Schattenboxer

Intrigen, Vertuschungen und Wettlauf mit der Zeit

Etwas schimmerte dort obenauf. Torsten stoppte das Boki-Mobil und stieg aus, um sich die Sache anzusehen. Hatte sich jemand einen bösen Scherz erlaubt?
Nach wenigen Schritten wurden ihm die Knie weich. Seine Eingeweide verkrampften sich. Er hielt die Luft an.
Nein. Bitte nicht.

EckertSchattenboxerVincent Che Veih, Enkel eines Nazis und Sohn einer RAF-Terroristin hat es in diesem Fall mit dem grausamen Mord an einer jungen Frau zu tun. Einen Tag nach der Beerdigung der tochter eines Kollegen, die sich das Leben genommen hatte, liegt auf deren Grab die schrecklich zugerichtete Leichte einer anderen jungen Frau. Zwar kannten sich die beiden Frauen nicht, aber es gibt ein verbindendes Element: Beide engagierten sich in einer Initiative, die sich für die Freilassung eines zu Unrecht inhaftierten – und in ihren Augen unschuldigen – Mörders einsetzte. Der Fall zieht immer weitere Kreise, reicht zurück in die aktive Zeit der RAF und zum Mord des Managers Rolf-Werner Winneken (angelehnt an den Fall um Detlev Karsten Rohwedder, den man aber nicht kennen muss, um das Buch zu verstehen).

Dann verschwindet eine zweite junge Frau, die Polizei arbeitet auf Hochtrab. Als auch noch Veihs Lebensgefährtin wie vom Erdboden verschluckt ist, wird die Suche zu einem Wettlauf mit der Zeit.

Horst Eckert ist wieder einmal ein spannender Krimi gelungen, der den Leser packt und nicht mehr loslässt. Es gelingt ihm, Fakten aus der Realität mit Fiktion zu verbinden. Mit plastischen Figuren – allen voran Vincent Che Veih, welcher im Privaten immer ein bisschen neben sich zu stehen scheint, im Beruf aber zielgerichtet seinen Dienst tut – schafft er es, seine Kriminalgeschichte real erscheinen zu lassen. Der Schauplatz Düsseldorf, Eckerts eigener Wohnort, tut durch seine wirklichkeitsgetreue Darstellung, die auf der persönlichen Kenntnis des Autoren beruht, das Seine dazu.

Schattenboxer ist ein detailgetreuer, authentischer Krimi, der alles vereint, was einen guten Krimi ausmacht: Charakterstarke Figuren, Verdächtige – auch falsche –, falsche Spuren, Tempo, Cliffhanger. Ab und an ist das Hin und Her in den Zeiten ein bisschen verwirrend, vor allem wenn man verpasst, die Daten am Kapitelanfang genau zu lesen, dies ist aber eher dem ungenauen Leser (der zu seiner Verteidigung nur die Spannung anbringen kann) denn dem Autor anzulasten.

Fazit:
Horst Eckert ist mit Schattenboxer wieder ein Krimi gelungen, der Lesevergnügen und Spannung bis zur letzten Seite verspricht. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Horst Eckert
Horst Eckert wurde am 7. Mai 1959 in Weiden/Oberpfalz geboren und wuchs in Pressrath auf. Er studierte in Erlangen und Berlin Soziologie und Politische Wissenschaften, jobte als Bierschlepper und Fahrstuhlführer, später als Hospitant im Berliner ZDF-Studio. Nach einem Umzug nach Düsseldorf 1987, die Liebe war Schuld, arbeitete er 15 Jahre lang als Fernsehreporter, seitdem ist er hauptberuflich als freier Schriftsteller tätig. Von ihm erschienen sind unter anderem Annas Erbe (1995), Finstere Seelen (1999), Ausgezählt (2002), Der Abrsprung (2006), Sprengkraft (2009), Schwarzer Schwan (2011).

Ein Interview mit dem Autoren findet sich hier: Horst Eckert – Nachgefragt

Porträt der Frankfurter Rundschau

Angaben zum Buch:
EckertSchattenboxerGebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Wunderlich Verlag (27. Februar 2015)
ISBN-Nr.: 978-3805250795
Preis: EUR 19.95 / CHF 29.90

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