Verlockungen….

Früher gab es das nicht. Black Friday. Und ja, er ist rabenschwarz. Ich kriege fast minütlich Nachrichten, was ich alles günstiger haben könnte. Eigentlich brauche ich nichts, ich habe alles, aber: Der Fernseher wäre grad zum halben Preis zu haben. Nie käme ich so günstig an einen neuen Fernseher. Klar, ich schaue nie fern, zumindest nie an einem Fernseher, aber: Das kümmert grad nicht, oder?

Stereoanlagen wären grad unglaublich günstig. Ich höre mehrheitlich klassische Musik, sehr gerne Opernsängerinnen. Ohne die entsprechende Wiedergabequalität könnte ich auch selber singen. Und nein, ich kann nicht singen. Ich treffe die Töne, aber die Stimme reicht nicht. Ich müsste das haben. Auch wenn ich das nie gedacht hätte, aber wo sie es so anbieten???

Notebooks kriegte man aktuell zum halben Preis. Nur Windows, aber ich bin ja kein Banause. Und: Ich habe grad erlebt, wie es ist, wenn das eigene Notebook aussteigt… wäre doch praktisch, eines für den Notfall zu haben??

Alle meine Künstlerseiten präsentieren mir Prozente auf Farben, Malgründe und alles drum rum. Ich habe zwar von allem genug, aber irgendwann brauch ich das wieder und dann wäre es teurer….

Und so sitze ich hier und kämpfe. Gegen Verlockungen. Ich brauche nichts von alledem, aber ich denke, es wäre nie mehr so günstig wie jetzt. Nur wenn ich es jetzt nicht kaufen würde, kaufte ich es wohl kaum je. Und wenn, dann würde ich es dann wirklich brauchen. Und da ich all das, das ich eigentlich nicht brauchte, nicht kaufte, wäre das, was ich dann wirklich brauche, immer noch günstiger, als wenn ich wegen des schwarzen Freitags eine neue Stereoanlage, einen neuen Computer, Farben, Malgründe und alles mehr gekauft hätte….

Wie weit darf freie Meinungsäusserung gehen?

Kürzlich lief ich mit dem Hund durch die Pampa und liess mich über Kopfhörer willkürlich beschallen. Eine Mischung aus allem lief, es war wunderbar. Ab und an kamen langjährige Lieblinge, dann und wann Dinge, die ich nicht mehr auf dem Radar hatte oder aber gar nicht kannte. Und dann kam das:

Ich dachte, ich höre nicht recht. Ich versuchte bislang, Rap etwas abzugewinnen. Sprachkönnen war da, oft auch Tiefgang. Eine Botschaft. Es war nie mein Gebiet, aber es war eines. Das hier ist aber nur noch destruktiv und abwertend. Und es hat Erfolg. Es ist unsere Jugend, die das hört. Und sie nimmt es sich zum Vorbild.

Wir hatten Jahrhunderte, in denen nur Männer was waren. Frauen gab es natürlich, doch sie waren mehrheitlich untergeben und weniger wert, die unbequemen wurden gar verbrannt. Dann standen ein paar auf und fingen zu kämpfen an. Einige Nachfolgerinnen haben es übertrieben, sie wollten den Spiess umkehren statt für ein Miteinander einzustehen. Ich denke, dem schulden wir das hier unter anderem…

Wann wird der Mensch endlich lernen, dass es nicht geht, wenn einer nur für sich und Seinesgleichen einsteht, alle anderen bekämpft? Es wird nur klappen, wenn wir miteinander in die Welt gehen. Die ist schon schwer genug, wir sollten die Kräfte bündeln.

Was aber machen wir nun mit solchem Schrott? Darf man das verbieten? Ich meine, es ist ein Aufruf, Mütter (das sind alle Frauen, die ein Kind haben) einfach von hinten zu nehmen, egal ob sie wollen. Damit wäre doch der Tatbestand des Aufrufs zu einer Straftat gegeben? Kann oder muss man es einfach laufen lassen? Ich weiss es nicht, aber: Solche Texte sind mehr als grenzwertig.

Vaterschaftsurlaub ade – oder: Sprache wörtlich genommen

Kürzlich hat unser Bundesrat entschieden, Vaterschaftsurlaub gebe es nicht. Zu teuer wohl. Die Enttäuschung in vielen Kreisen war gross. Einige meinten dann, man sollte statt dessen Elternzeit gewähren. Auch dagegen kamen gleich Stimmen, da ja doch die Frau das Kind kriege.

Ich persönlich finde die Bezeichnung Elternzeit gut. Schlussendlich werden zwei Menschen Eltern. Klar muss sich die Frau körperlich erholen, aber dann? Soll der da sein dürfen, der es will und kann im individuell gelebten System. Gesichert sollte in meinen Augen vor allem eines sein: Einer der Elternteile ist für das Kind voll da.

Was mich viel mehr erstaunt und befremdet: Man nennt das Vaterschafts- oder Mutterschaftsurlaub. Urlaub? Kinderbetreuung ist Urlaub? Ich bin wahrlich kein Fan der Goldwaage, aber da wird ein Bild zementiert, das schlicht nicht akzeptabel ist.

Ja, wir leben in einer Welt, in der nur Arbeit zählt, die man für Geld ausser Haus erledigt. Wir leben in einer Welt, die ohne Gratis-Arbeit von vielen Frauen in der Betreuung von Familienmitgliedern – die Bandbreite reicht von kinderbetreuenden Müttern über ebensolche Grossmütter hin zur Altenpflege von bedürftigen Anverwandten – nicht auskommen könnte. Aber:

Nicht nur, dass man sie nicht wertet, wenn es darum geht, zu belegen, was man geleistet hat, man benennt es als Urlaub. Wir haben noch viel zu tun. Nicht nur in Sachen Gleichberechtigung, sondern auch darin, Leistung von monetären Gegenleistungen zu trennen und den Wert für die Gesellschaft, den Wert an sich zu sehen. Und anzuerkennen.