Vaterschaftsurlaub ade – oder: Sprache wörtlich genommen

Kürzlich hat unser Bundesrat entschieden, Vaterschaftsurlaub gebe es nicht. Zu teuer wohl. Die Enttäuschung in vielen Kreisen war gross. Einige meinten dann, man sollte statt dessen Elternzeit gewähren. Auch dagegen kamen gleich Stimmen, da ja doch die Frau das Kind kriege.

Ich persönlich finde die Bezeichnung Elternzeit gut. Schlussendlich werden zwei Menschen Eltern. Klar muss sich die Frau körperlich erholen, aber dann? Soll der da sein dürfen, der es will und kann im individuell gelebten System. Gesichert sollte in meinen Augen vor allem eines sein: Einer der Elternteile ist für das Kind voll da.

Was mich viel mehr erstaunt und befremdet: Man nennt das Vaterschafts- oder Mutterschaftsurlaub. Urlaub? Kinderbetreuung ist Urlaub? Ich bin wahrlich kein Fan der Goldwaage, aber da wird ein Bild zementiert, das schlicht nicht akzeptabel ist.

Ja, wir leben in einer Welt, in der nur Arbeit zählt, die man für Geld ausser Haus erledigt. Wir leben in einer Welt, die ohne Gratis-Arbeit von vielen Frauen in der Betreuung von Familienmitgliedern – die Bandbreite reicht von kinderbetreuenden Müttern über ebensolche Grossmütter hin zur Altenpflege von bedürftigen Anverwandten – nicht auskommen könnte. Aber:

Nicht nur, dass man sie nicht wertet, wenn es darum geht, zu belegen, was man geleistet hat, man benennt es als Urlaub. Wir haben noch viel zu tun. Nicht nur in Sachen Gleichberechtigung, sondern auch darin, Leistung von monetären Gegenleistungen zu trennen und den Wert für die Gesellschaft, den Wert an sich zu sehen. Und anzuerkennen.

#me too

In den Sozialen Medien kursiert mal wieder ein neuer #Hashtag.

#metoo

Es geht darum, aufzuzeigen, wie weit verbreitet sexuelle Übergriffe sind auf dieser Welt. Wir geben uns so aufgeklärt, wollen so weit schon sein in Sachen Gleichberechtigung. Und doch gibt es sie. Und das öfter, als man es sich träumen liesse:

Sexuelle Übergriffe

Sie finden statt und sie tun es meist im Verborgenen. Die Gründe, wieso man damit nicht hausieren geht, sind mannigfaltig: Scham, Unterdrückung, mangelnder Selbstwert, Angst und viele mehr.

Ich finde es gut und wichtig, werden diese Themen endlich öffentlich angesprochen. Es ist schwer. Es ist unschön. Es macht Angst. Es geht tief. Und: Man weiss nicht, was nach einer eigenen Äusserung auf einen zu kommt.

Das wusste man schon nicht, als es passierte. man war ausgeliefert. Einer Handlung, die über einen kam, ohne dass man es wollte und oft ohne, dass man sich dagegen hätte wehren können. Und: Wenn man sich wehrte, stiess man auf Fronten. Widerstände.

Bei #metoo geht es nur drum, aufzuzeigen, dass es viele sind, denen es passierte. Es geht um die Demonstration des Ausmasses. Damit soll ein Bewusstsein geweckt werden, wo wir stehen in unserer Welt. Nur: Das verstehen viele nicht. Einige belächeln es, andere wollen es für sich benützen. So finden die einen, dass es nichts brächte, die anderen fordern, man solle ihnen doch bitte einen Artikel liefern, Namen nennen – ganz vertrauensvoll.

Nur haben weder die einen noch die anderen sich die Mühe gemacht, hinzusehen, worum es überhaupt geht. Es sind verdammt viele Menschen in dieser grossen Welt, die sexuell angegangen wurden. Schlicht, weil jemand dachte, in einer Position zu sein, in der er sich das leisten konnte. Er hatte die Macht und jemand brauchte oder wollte etwas.

Was ich hier ganz oft höre:

Wieso hat man sich nicht gleich gemeldet?

Es liegt auf der Hand. Eine Schauspielerin, die den Produzenten angeht nach einem Film, wäre gleich abgestempelt. Sie machte die Beine breit für die Rolle. Alles, was sie beruflich geschaffen hätte, stünde unter einem Hochschlafverdacht. Sie als Mensch wäre käuflich und damit minderwertig. Kaum einer ginge den Produzenten an, der darauf setzte. Wieso? Weil die meisten Menschen in der Rolle der Suchenden und nicht der Gebenden sind. Dass jemand was schaffte, muss Abgründen geschuldet sein, ansonsten müssten wir uns selber hinterfragen. So können wir auf unsere ethischen Werte setzen bei der Begründung eigenen Misserfolges.

Böse? Ja, wohl schon. Aber auch menschlich. Wir versuchen, unser Leben vor uns und nach aussen zu rechtfertigen. Wir greifen dabei auf Muster zurück. Muster sind – liegt in der Natur der Sache – immer von Gestern. Und genauso haften gewisse Verhaltensmaximen in den Köpfen. Drum gehen solche Dinge heute noch.

Wer also meint, solche #hashtag-Aktionen taugen nix: Sie bilden Boden. Auf diesem können Werte wachsen. Werte, die im neuen Boden neu gesät werden. Das passiert nicht von heute auf morgen. Das braucht Zeit. So fing aber alles an. Eine ging studieren. Und eine bewarb sich um ein Amt. Und eine…

Man muss nicht immer Namen nennen. Ab und an reicht es, hinzustehen und zu zeigen, was ist. Damit wächst ein Bewusstsein. Und dann kommt ein Umdenken. Mit der Zeit.

Ganz traurig sind im Ganzen aber Journalisten, die finden, das brächte nix, man würde besser Namen nennen, ihnen persönlich berichten, was war. Dazu sage ich nur soviel: Traurig, dass jemand, der sich Journalist nennt, nicht vorerst recherchiert, worum es in einer Aktion überhaupt geht, sondern nur den eigenen Profit wittert und gerne im Mittelpunkt stünde….sie reihen sich in all die ein, welche verunmöglichen, dass konkrete Fälle geahndet werden: Jeder schaut auf seinen Profit. Da verlieren Opfer meistens.

Sei keine Mimose

Ich wuchs damit auf:

Du bist viel zu empfindlich. Sei nicht so eine Mimose. Leg dir endlich mal eine dickere Haut zu.

Damit beschwichtigte man. Man negierte die eigenen Tiefschläge und drehte den Spiess um. Nicht der, der sprach, war der Täter, nicht er verletzte, die, die empfing war es. Sie war nicht gut genug. Nicht stark genug.

ICH war nicht gut genug.

Ich war zu sensibel. Ich reagierte zu empfindlich. Ich nahm ernst, was man mir sagte, dabei war es nur so im Gespräch gesagt. Nur: Hätte ich es nicht ernst genommen, wäre die Schelte gleich hinterher gekommen. Und nein, das ist kein Eltern-Kind-Problem. Das bleibt.

Ja, ich bin sensibel. Ich nehme mir Dinge zu Herzen. Wenn man mir etwas sagt, nehme ich die Botschaft wahr. Und ich nehme sie ernst. Schliesslich hat man sie gesagt und ich gehe davon aus, es war so gemeint. Nur kriege ich oft zu hören, dass man das gar nicht so gemeint hätte, das sei doch nur dahergesagt. Wenn ich dann antworte, ich nähme also fortan den Sprechenden nicht mehr ernst, findet er das auch nicht in Ordnung. Dann reagiere ich über, weil ich zu mimosenhaft bin. Also:

Was denn nun?

Ich bin sensibel und ich höre genau hin. Das ist so. Damit mach ich meiner Umwelt das Leben nicht leicht. Einfach so daher brabbeln geht nicht. Ich analysiere es. Ungewollt. Unbewusst. Und ich nehme die Botschaft ernst und mir zu Herzen. Und damit mache ich mir das Leben auch nicht leicht. Ab und an wünsche ich mir, Dinge überhören zu können. Sie nicht fühlen zu müssen. Ich wünsche mir selber, keine Mimose zu sein. Was ich ja nur bin, weil ich hinhöre, hineinfühle. Aber ich kann es nicht.

Ich bin, wie ich bin. Ich bin sensibel. Sehr. Ich höre hin. Ich nehme Botschaften ernst. Und wenn mir jemand was sagt, beziehe ich es auf mich. Logisch. Er hat es mir gesagt und „du“ gesagt. Theoretisch denke ich ja, dass dieses

„Du bist zu empfindlich.“

eine Entschuldigung dafür ist, dass jemand übers Ziel hinausschoss. Praktisch trifft es jedes Mal. Ich arbeite dran, dass die Wunde kleiner wird beim Einschuss.

Und alle schauen zu…

Gestern schaute ich eine Dok über einen ehemals gefeierten Pädagogen, der nun als pädophiler Vergewaltiger am öffentlichen Pranger steht. Der gute Mann kam irgendwann mal daher, redete, obwohl er im eloquent vertretenen Gebiet keine Abschlüsse oder sonstigen nachweisbaren Kenntnisse hatte, klug daher und wurde ernst genommen. Er trällerte öffentlich ein paar schlecht gereimte und lagerfeuerromantisch geklimperten Liedchen und spielte sich als grossen Pädagogen mit Durchblick und Herz für die Kinder auf, während er im Hintergrund denselben in die Hose griff. Da alles gut klappte, schrieb er ein paar Bücher, die zu Kassenschlagern wurden – Grundpfeiler der Pädagogik. Klappte ja so gut…

Eines seiner Opfer schrieb ein Buch. Der Fall flog auf, plötzlich war der Musterknabe ein Buhmann. Ein Grossteil seiner Opfer konnte mit dem Erlebten nicht umgehen, sie verfielen dem Alkohol und stärkeren Drogen. Ein paar Unbelehrbare finden, man könne ja immer noch selber entscheiden, was Erlebnisse mit einem machen, die Mehrzahl erklärt den einst hochgejubelten Pädagogen zum schwarzen Schaf der Nation (ich möchte nicht wissen, wie viele seiner ach so bahnbrechenden Erkenntnisse im heutigen Schulsystem federführend sind).

Nun könnte man sagen: Alles gut, man hat es aufgedeckt. Klar, die Opfer sind nun gefallen, rettet man wohl kaum mehr, aber immerhin kam es ans Licht. Was er tat, ist verjährt. Die Leben derer, die er zerstörte, sind im Eimer. Man wird das nicht mehr ändern können. Das ist traurig und sollte die Dringlichkeit zeigen, wieso Vergewaltigung keine Verjährung haben darf. Klar kann der Täter sagen, er hätte dazugelernt und sei nun an einem anderen Ort. Das Opfer hatte die Chance nicht immer. Und nein, es hat es nicht immer in der Hand, wie es mit dem Geschehenen umgeht. Gewisse Dinge übermannen, nehmen einem die Zügel aus der Hand. Wir sind nicht so willensbestimmt, wie wir gerne glauben würden. Würde diesbezüglich was geändert in der Gesetzgebung, hätte alles immerhin etwas Gutes gehabt – wenigstens für künftige Opfer.

Mich hat aber ein anderer Punkt verstört: Da waren Menschen rundherum. Und irgendwie schauten alle weg damals. Kann man machen, man verurteilt ja nicht gerne so schnell und ein etwas flaues Bauchgefühl ist noch kein Beweis. ABER: Sie rechtfertigten das Wegschauen noch heute. Versuchten es mit platten Sprüchen zu überspielen und verniedlichten ihre Rolle und was passierte. Amtsinhaber wollten plötzlich keine Amtspflichten mehr gehabt haben, gute Freunde redeten lieber über gemeinsame Fress- und Saufgelage als darüber, was der tolle Freund geleistet hat. Das eigene Wegschauen wird mit Handbewegungen weggewischt und mit hohlen Worten kleingeredet.

Für mich ist DAS eine Fortführung der Vergewaltigung. Klar verliert niemand gerne das Gesicht. Niemand steht gerne öffentlich hin und sagt: Ja, ich habe einen Fehler gemacht, ja, ich habe nicht hingeschaut, oder aber: Ja, ich WOLLTE es wohl nicht sehen. ABER: Wenn man es nun kleinredet, macht man das Opfer zum zweiten Mal zum Opfer. Man erkennt ihm seinen Opferstatus ab, indem man sagt: War alles nicht so schlimm, konnte ja keiner wissen. Und: Was keiner wusste, war quasi nicht da.

Es war da und man ahnte es. Man sah Unstimmigkeiten und hinterfragte im Stillen, liess aber alles laufen, weil alles andere a) Umtriebe gebracht hätte, und b) hätte unbequem werden können. Lieber ging man nett essen und trinken und jubelte auf den selbsternannten Superpädagogen.

Ich bin erschüttert. Unschuldige Kinder, die schon so Probleme mit der Welt hatten, wurden dem Löwen zum Frass vorgeworfen. Weil er so schön und überzeugend brüllte. Und man sah weg, wenn er sie verspeiste, tut es eigentlich noch heute. Um den eigenen Hals aus der Schlinge zu ziehen.

Welt – quo vadis?

Vor einigen Monaten schaute alles nach USA und schimpfte lauthals. Wie konnten sie nur. Wie konnten sie nur so blöd sein, einen Menschen wie den an die Macht zu wählen. Nun war Wahl in Deutschland. Was passierte? Die AFD ergatterte 13% – so die aktuelle Hochrechnung, es könnte noch ein wenig schwanken.

Drittstärkste Partei? Echt jetzt? Während manche sich im Vorfeld übermässig über die Kanzlerin ausliessen (eine wirkliche Alternative gab es ja nicht), zog die AFD einfach vorbei…. Einmal mehr haben vielleicht pseudoplakative Scheingefechte verursacht, dass etwas Macht gewann, das niemals an selbige hätte gelangen dürfen.

Lernen wir was draus? Vermutlich nicht.

Ich bin leider nicht erstaunt, aber sehr besorgt. Wir leben keine Demokratie mehr. Die, welche gemässigt und menschenfreundlich denken, blockieren alle, die das nicht tun. Die, welche Ängste haben und ihre Pfründe schützen wollen, gehen so ungehemmt weiter. Wir lassen uns aus über kleinere oder grössere Übel, lassen dabei aber das grösste einfach mal durchmarschieren. Wir urteilen über die anderen, während wir selber genauso Mist bauen.

Wo soll es hinführen? Wir leben in einer Welt, in der sich die USA und Nordkorea Sandkastengefechte liefern, die leider nicht im Sandkasten ausgetragen werden, sondern globale Konsequenzen haben können. Wir sind soweit, dass ein Putin als Vernünftigster im Umzug erscheint. Nur schon das müsste einem zu Denken geben. Ein Machthaber, der jegliche Menschenrechte missachtet, der nicht Gleichgesinnte mit fadenscheinigen Begründungen aus dem Verkehr zieht – die Kette wäre unendlich länger – steht plötzlich da und man denkt: Wenigstens einer sieht, was passiert.

Ja, ich mache mir Sorgen. Wobei: Wenn dieser verrückte Nordkoreaner die Welt in die Luft sprengt – who cares? Alle Merkelgegner können aufatmen, sie ist nicht mehr relevant, die AFD ebensowenig, auch Trump ist Geschichte. Wir alle mit. Und wenn das doch zu radikal ist, sollte man vielleicht mal anfangen, die wirklichen Gefahren zu sehen und da anzusetzen. Merkel mag nicht optimal sein, aber die Probleme liegen tiefer. Da schwelen sie und untergraben alles, was wir mal unsere Werte nannten. Und das tut sie nun weiter. Merci, danke!

Freitagsfüller – Klappe, die zwölfte

Der Freitagfüller geht in die 12. Woche für mich. Ich bin sehr müde heute. Ich schlafe momentan schlecht, die Gedanken drehen, die Nacht ist zu Ende – zumindest was den Schlaf betrifft. Aber: So hat man mehr Zeit für all die Dinge, die man tun möchte. Und los geht es:

  1. Wenn ich heute  mit dem Finger schnippen könnte und ein Wunsch wäre erfüllt, würde ich mich irgendwohin wünschen, wo ich einfach Mal Ruhe hätte, für mich sein könnte, ausspannen könnte. Niemand wäre da, der was wollte, brauchte oder täte, nur ich und ich. Das wäre grad dringend nötig.
  2. Wie sagte man so schön: Das Leben geht immer weiter. Auch wenn es mal nicht rosig aussieht, ist das kein Untergang, sondern es geht irgendwann irgendwo eine Tür auf.
  3. 3.  Ich muss daran denken, … ich bin sehr vergesslich. Drum schreibe ich mir alles auf. Selbst Banalitäten.
  4. Irgendwas gibt es heute zum Abendessen. Soviel ist schon mal ziemlich sicher, nur was? Ich bin im Moment nicht so motiviert zum Kochen, habe auch wenig Hunger. Meistens bleibt es dann bei Käse und Brot – das geht ja immer.
  5. Meine letzte Mail begann mit den Worten : Sehr geehrte Damen und Herren – nicht sehr originell, aber halt passend.
  6. Einfach einschlafen – das täte grad gut. Sagte ich schon, dass ich müde bin? Nun denn: Die nächste Nacht kommt bestimmt.

Die Nummer sieben kann ich eigentlich meistens einigermassen übernehmen:

  1. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf einen ruhigen Abend mit einem Glas Wein, Käse und Brot (siehe 3), morgen habe ich geplant, neben allen Wochenenderledigungen wie putzen, einkaufen und dergleichen mit dem Hund spazieren zu gehen, viel zu zeichnen und zu lettern, etwas zu lesen und dann den Tag ausklingen zu lassen. Am Sonntag möchte ich wieder viel zeichnen, lettern, lesen, meinen Sonntagsfilm schauen und hoffentlich viel Ruhe haben.

Danke für die Inspiration an Barbara, die diese tolle Aktion gestartet hat. Ihr Ursprungspost: HIER