Bücherwelten zieht um. Ich habe beschlossen, all meine Tätigkeiten unter einen Hut zu bringen und werde fortan auf meinem Blog „Denkzeiten“ neben den philosophischen Themen auch Rezensionen und Gedanken zu Büchern und Literatur posten. 

Die Trennung zwischen Philosophie und Literatur fiel mir von jeher schwer, da in meinen Augen diese Welten nicht trennbar sind, sondern sich befruchten. Während die Philosophie versucht, in klaren und logischen Gedankengängen Theorien aufzustellen und Anleitung zur Verbesserung von Problemen zu geben, behandelt die Literatur diese Theorien und Probleme in einer spielerischen, künstlerischen Form. Oft setzt sie da an, wo die Philosophie an eine Grenze stösst, weil Worte allein nicht mehr reichen. Dafür kann die Philosophie helfen, gewisse Gedanken, welche in der Literatur unterschwellig mitlaufen, ans Licht zu bringen und zu durchleuchten. Wieso also die beiden trennen? 

Bis Anfang 19. Jahrhundert waren sämtliche Disziplinen wie Juristerei, Medizin, Literatur, Psychologie Teile der Philosophie. Danach fingen die einzelnen Disziplinen an, sich zu spezialisieren und abzugrenzen. Ich setze hiermit wieder mehr auf Interdisziplinarität. Nicht weil ich denke, dass eine Disziplin höher oder besser wäre als die andere, sondern im Gegenteil, weil ich denke, dass sie sich gegenseitig befruchten können. 

Es wäre schön, wenn mir die Leser dieses Blogs zu meinem neuen/alten folgen würden:

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Die Welt soll politisch korrekter werden. Gewisse Worte sind tabu und dürfen nicht mehr gebraucht werden, weil sie die damit bezeichneten Menschen diskriminieren, herabwürdigen, diffamieren oder/und beleidigen. Dass ein bewusster Umgang mit der Sprache wichtig ist im Bestreben, eine Welt zu schaffen, in der sich alle zu Hause fühlen können und sich als Gleiche unter Gleichen fühlen, steht ausser Frage. Wie weit man in diesem Bestreben aber gehen soll, darin scheiden die Geister.

In einer neuen Debatte wird darüber diskutiert, ob man Kinderbücher sprachlich anpassen soll, Wörter wie „Neger“ sollen ersetzt werden. Noch weiter geht eine Klage, gewisse Grimm’sche Märchen enthielten sexistische Frauenbilder, vermutlich sollte man auch diese ausradieren und das ganze Märchen in eine auf Gleichberechtigung und neutrale Form bedachte Fassung bringen – oder es gleich eliminieren. Märchen, mit denen wir noch aufgewachsen sind, die unser Kulturgut waren, die Kindern einer Gesellschaft vor dem Einschlafen Halt und Trost gaben durch das Ritual des Vorlesens (aus diesen Kindern wurden u. a. die Erwachsenen, die heute die Streichung und Anpassung fordern, so dass man ketzerisch sagen könnte, dass der negative Effekt nicht so gross sein konnte, dass man diskriminierende Ausdrücke und Handlungen einfach hinnimmt, nur weil man solche Märchen hörte – aber bleiben wir sachlich) sollen nun verändert werden. Ist das wirklich nötig und vor allem angebracht?

Als Literaturwissenschaftlerin schreit mein Herz. Ein literarisches Werk entsteht in einer Zeit und spiegelt in einer Form auch diese Zeit wieder. Es ist ein Werk, das von einem Menschen in künstlerischer Gesinnung geschrieben wurde, das fertige Buch ist ein Kunstwerk, kein Gebrauchsgegenstand, an dem man nach Belieben feilen und drehen kann, sonst ist es nicht mehr das Kunstwerk, das mal entstanden ist.

Abgesehen davon, dass ich nicht denke, dass einzelne Wörter in einem Märchen einen nachhaltigen Schaden anrichten und damit in der Folge den Anstoss geben für Diskriminierung von Menschen, denke ich, dass es wertvoller wäre, mit Kindern diese Worte zu besprechen und ihnen zu erläutern, wieso man sie damals brauchte und heute nicht mehr. Das würde die Sensibilisierung der Kinder verstärken und sie auch im Alltag achtsamer machen, als wenn die Worte einfach weggestrichen wären und das Thema nie präsent.

Klar kann man dieses Thema auch in der Theorie irgendwann völlig aus der Luft gegriffen ansprechen, wieso aber eine solche Gelegenheit nicht nutzen? Mit dem schönen Nebeneffekt, dass das Kunstwerk  damit als Kunst und als Zeitzeugnis  erhalten bliebe.

Artikel zum Thema:

20 Minuten vom 29. Januar 2013

Zeit vom 25. Januar 2013

Cicero vom 20. Januar 2013

Radio Schweden vom 24. Januar 2013

 

Goethe: Zum neuen Jahr
Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüsst,
Doch vor allen Dingen,
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.

Als Geschenk und noch als gelungenes dazu darf man das Buch „Mit Gedichten durchs Jahr“ des DioBildgenes Verlag sehen. Quer durch die mit wenigen Ausnahmen deutsche Poesie führt uns dieser literarische Kalender, hält für jeden Tag des Jahres ein Gedicht bereit. Manche Gedichte beziehen sich explizit auf die Zeit, in der sie im Kalender stehen, andere fügen sich belebend in die Reihe ein, entführen den Leser für kurz in eine andere Welt.

Das Buch bietet sich an, sich ein tägliches Ritual zu schaffen, eine kleine poetische Oase im Alltag einzurichten. Ob man mit dem Gedicht in den Tag starten will oder ihn damit beenden, jeder Tag ist ein guter Tag für ein Gedicht.

Rilke: Guter Tag
Guter Tag. Da prüft man noch:: was bringt er?
Und wie langsam liest man seine Schrift.
Rascher, reiner, kühner, unbedingter:
Oh wie uns die Freude übertrifft.

Mein Sohn und ich hatten schon einmal die Tradition, mit Gedichten beim Frühstück in den Tag zu starten. Leider schlief sie ein, wurde aber mit diesem Gedichtband wieder ins Leben gerufen. Wir lesen das Gedicht, überlegen, was es uns sagen will und nehmen diese Gedanken mit in den Tag. Manche Gedichte gehen tiefer, manche sind leicht, einige sind bekannt, andere persönliche Neuentdeckungen. Eine schöne Idee für Menschen, die Lyrik lieben und solche, die gerne mehr davon kennen lernen wollen und nicht wissen, wo suchen, womit anfangen.

Fazit:
Ein wunderbares Geschenk für jeden Tag. Zwar sind die meisten Gedichte der Deutschen Literatur entnommen, nur wenige stammen von ausserhalb des deutschsprachigen Raumes, doch tut dies dem Wert des Buches keinen Abbruch. Absolut empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 507 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (Dezember 2012)
Sprache: Deutsch
Preis: EUR: 11.90 ; 18.90 CHF
Zu kaufen u.a. bei: AMAZON.DE und BOOKS.CH

Das Netz-Buch-Dickicht etwas lüften will die Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“. Gedacht ist das so: Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber ich wiederum einlade, die acht Fragen zu beantworten. –  Langfristig, könnte so ein bibliophiles Blog-Brevier entstehen, das von allgemeinerem Interesse ist. Und darüber hinaus profitieren wir von den Erfahrungen anderer Blogger für unsere eigenen Wege im Netz … (Wer es noch genauer wissen will, was die lose Gesprächsreihe soll, kann das hier nachlesen.)

Den acht Fragen stellt sich heute die Schweizerin Sandra Matteoti, die seit einigen Jahren bloggt. Ihre beiden Hauptblogs sind „Bücherwelten“ und „Denkzeiten“. Als Interviewgäste empfiehlt sie die Betreiber von „Buchkolumne“ und „Zeitspiegel“.

Dein Steckbrief in wenigen Stichworten …

Ich habe als Kind die ganze Ortsbibliothek verschlungen und die Liebe zu Büchern, zur Literatur führte mich dann geradewegs ins Studium. Ich habe Germanistik, Philosophie und Geschichte studiert, mit einer Arbeit über Thomas Mann, der mich als Schriftsteller und Mensch fasziniert, abgeschlossen. Danach promovierte ich in Philosophie, mit literarischem Exkurs. Dabei ging es mir weniger um den Titel als mehr ums Schreiben, die Vertiefung in ein Thema. Danach schrieb ich in den unterschiedlichsten Bereichen und zu unterschiedlichen Themen weiter. Sei es freischaffend als Journalistin, als Texterin im Bereich Kommunikation und PR oder als Autorin in eigenen Projekten. – Schreiben ist mein Leben, bestimmt es maßgeblich.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit einigen Jahren. Den genauen Anfang weiß ich nicht mal mehr, der erste Blog existiert auch nicht mehr. Früher war es Tagebuch, waren es Texte für die eigenen Notizbücher und die Nachttischschublade, heute geschieht das meiste Schreiben am Computer. Schreiben ist meine Leidenschaft, ich muss schreiben, sonst fehlt mir etwas. Ich drücke mich in Buchstaben und Texten aus, lebe mich aus, finde auch immer wieder ganz neue Dinge über mich heraus, indem ich schreibe, Texte fließen lassen. Oft haben die Texte wie auch die Gedichte eine eigene Dynamik. Ich beginne irgendwo und am Schluss hat mich mein Schreiben geleitet. Das geht natürlich nicht in allen Bereichen. In mir gibt es zwei Seiten, die sehr strukturierte und die kreativ-intuitive. Ich habe gelernt, dass ich beiden ihren Raum geben muss.

Sandra Matteotti © Sandra Matteotti

Ich habe zwei Hauptblogs. Einer enthält meine Gedanken, meine Gedichte. Er befasst sich mit dem Leben, der Welt, mit dem, was mir gerade durch den Kopf geht, mich beschäftigt, mir zufliegt. Er heiß Denkzeiten. Hier lebe ich meine philosophische Ader aus. Der andere heißt Bücherwelten. Hier findet man hauptsächlich Rezensionen, aber auch Artikel und Gedanken zur Literatur. Den zweiten Blog habe ich relativ neu gestartet. Ich habe früher schon Rezensionen verfasst und natürlich rund um die Literatur geschrieben, allerdings in anderen Formaten und zu anderen Zwecken.

Ich bloggte zuerst auf Blogger, wechselte dann zu WordPress. Das hatte nicht einmal wirkliche Gründe. Zuerst hatte ich meine Blogs auf beide Portale verteilt, dann entschloss ich mich, dass es einfacher wäre, nur bei einem zu sein. Bei WordPress habe ich mehr Vernetzung, da die meisten Blogs, die mir gefallen, bei WordPress sind. Dazu kommt, dass mir die Plattform irgendwie sympathisch ist. Bauchgefühl.

Der Austausch ist dir beim Bloggen wichtig …

Ja, ich schätze es, wenn ich Menschen kennen lerne, die mit ähnlichen Interessen und Themen beschäftigt sind, ich finde einen Austausch da schön. Das ist mir insofern auch wichtig, als ich doch meistens alleine zu Hause an meinem Tisch sitze und vor mich hin schreibe. Vom universitären Bereich bin ich jedoch vielleicht ein wenig vorbelastet, als ich da sehr viel Neid und Intrigen kennenlernte. Das hat mich sicher ein Stück weit zurückhaltend und vorsichtig gemacht. Bislang kann ich mich aber nicht beklagen. Alle werden sich nie mögen, in keinem Bereich …

Deine Themenschwerpunkte …

Die Schwerpunkte sind – wie bereits erwähnt – Literatur und Philosophie. Ich bin lange Zeit immer hin und her geschwankt, dachte, mich für das eine oder andere entscheiden zu müssen. Es hat beides Platz, manchmal überwiegt das eine, manchmal das andere …

Was treibt dich in der Literatur-, Kulturszene derzeit besonders um?

Eigentlich nicht viel. Ich befasse mich wenig mit der Szene.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich verbreite sie momentan hauptsächlich über Twitter und Facebook. Die Rezensionen findet man auch auf anderen Bücherseiten wie LovelyBooks und Amazon.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich denke, das muss jeder für sich selber wissen. Wichtig ist, dass man sich immer bewusst ist, dass das, was man schreibt, danach öffentlich sichtbar ist, wenn man es nicht schützt. Man muss sich also immer überlegen, was man preisgeben will, wie offen man sein will. Es kommen Reaktionen und die Menschen neigen dazu, das, was steht, eins zu eins auf dich anzuwenden.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ab und an kommt die Sinnfrage auf: Wozu machst du das eigentlich? Das liest doch eh niemand, das braucht die Welt doch nicht, niemand wartet auf deine Texte. Das zweite Problem ist die Isolation teilweise. Kein berufliches Umfeld da ist beim Schreiben, wie ich es tue. Auf der anderen Seite ist es ja genau das Leben, das ich leben will. Die Zweifel gehören wohl einfach zu mir dazu.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Schön sind Feedbacks, die mir sagen, sie hätten sich wiedererkannt in meinen Texten, die Texte hätten ihnen etwas gegeben. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und Freude. Es ist schön, jemandem etwas mit auf den Weg geben zu können. Und wenn es nur ein Lächeln ist oder eine kleine Hilfe, etwas zu sehen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Grundsätzlich freue ich mich darüber. Schwierig wird es ab und an, wenn ich das Buch wirklich schlimm finde. Schönreden werde ich nie ein Buch, dann verzichte ich eher auf eine Rezension. Einen Verriss schreiben möchte ich eher nicht, Kritikpunkte anmerken aber immer!

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe ein iPad und sowohl darauf wie auch auf dem Computer die Kindle-App. Ich war schon einmal froh darum, im Store Bücher zu finden, die nicht mehr publiziert werden und vergriffen sind. Sie waren sogar gratis! In schlaflosen Nächten nutzte ich den Kindle auch deshalb, weil man dann kein Licht anmachen muss. Ich mag es allerdings nicht wirklich, so zu lesen. Ich bin sehr technisch interessiert, kenne mich mit Technik auch recht gut aus, aber etwas wird dadurch nie zur Seite geschoben: Papier und vor allem Bücher. Dass ich auch meine Papieragenda liebe, gehört hier wohl nicht her. Ist aber auch so.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

SteglitzMind darf ich nicht empfehlen, lese ich aber sehr gerne. Daneben lese ich eigentlich wenig Bücher- oder Literaturblogs. Ich klicke mich ab und an durch die Blogs durch, finde einzelne Artikel gelungen. Einige möchte ich aber doch nennen, die mir als Ganzes positiv aufgefallen sind: Gunnar Kaisers Philosophieblog Philosophisch leben – eine Reise durch verschiedene Themen des Alltags, philosophische Themen, die zum Nachdenken anregen.Zeitspiegel – vielfältige Themen wie Politik, Kultur, Leben, Wissen. Schön geschrieben, mit viel Hintergrund und Tiefe. Christian Köllerers Blog „Dr. Christian Köllerers Notizen“ – ich mag seinen Zugang zur Literatur und seine Auswahl der Werke. Und Karla Pauls Buchkolumne –  ein Blog direkt aus dem Leben. Ihre Texte gefallen mir durch ihre Natürlichkeit. Zudem spricht eine große Liebe zur Literatur aus ihren Zeilen. Ich kenne sie nicht persönlich, aber irgendwie habe ich sie ins Herz geschlossen. – Für ein Gespräch würde ich gerne die Betreiber von „Buchkolumne“ und „Zeitspiegel“ empfehlen. Da möchte ich mich nicht festlegen.

Danke sehr, Sandra. Vielleicht unterstützt du mich dabei, Karla Paul und den Betreiber von Zeitspiegel dazu zu bewegen, die Fragen ebenfalls zu beantworten?

Im Original nachzulesen bei SteglitzMind – Ich danke für die Plattform und das Interesse. Hat Spass gemacht!

Das Netz-Buch-Dickicht etwas lüften will die Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“. Gedacht ist das so: Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber ich wiederum einlade, die acht Fragen zu beantworten. –  Langfristig, könnte so ein bibliophiles Blog-Brevier entstehen, das von allgemeinerem Interesse ist. Und darüber hinaus profitieren wir von den Erfahrungen anderer Blogger für unsere eigenen Wege im Netz … (Wer es noch genauer wissen will, was die lose Gesprächsreihe soll, kann das hier nachlesen.)

Den acht Fragen stellt sich heute die Schweizerin Sandra Matteoti, die seit einigen Jahren bloggt. Ihre beiden Hauptblogs sind „Bücherwelten“ und „Denkzeiten“. Als Interviewgäste empfiehlt sie die Betreiber von „Buchkolumne“ und „Zeitspiegel“.

Dein Steckbrief in wenigen Stichworten …

Ich habe als Kind die ganze Ortsbibliothek verschlungen und die Liebe zu Büchern, zur Literatur führte mich dann geradewegs ins Studium. Ich habe Germanistik, Philosophie und Geschichte studiert, mit einer Arbeit über Thomas Mann, der mich als Schriftsteller und Mensch fasziniert, abgeschlossen. Danach promovierte ich in Philosophie, mit literarischem Exkurs. Dabei ging es mir weniger um den Titel als mehr ums Schreiben, die Vertiefung in ein Thema. Danach schrieb ich in den unterschiedlichsten Bereichen und zu unterschiedlichen Themen weiter. Sei es freischaffend als Journalistin, als Texterin im Bereich Kommunikation und PR oder als Autorin in eigenen Projekten. – Schreiben ist mein Leben, bestimmt es maßgeblich.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit einigen Jahren. Den genauen Anfang weiß ich nicht mal mehr, der erste Blog existiert auch nicht mehr. Früher war es Tagebuch, waren es Texte für die eigenen Notizbücher und die Nachttischschublade, heute geschieht das meiste Schreiben am Computer. Schreiben ist meine Leidenschaft, ich muss schreiben, sonst fehlt mir etwas. Ich drücke mich in Buchstaben und Texten aus, lebe mich aus, finde auch immer wieder ganz neue Dinge über mich heraus, indem ich schreibe, Texte fließen lassen. Oft haben die Texte wie auch die Gedichte eine eigene Dynamik. Ich beginne irgendwo und am Schluss hat mich mein Schreiben geleitet. Das geht natürlich nicht in allen Bereichen. In mir gibt es zwei Seiten, die sehr strukturierte und die kreativ-intuitive. Ich habe gelernt, dass ich beiden ihren Raum geben muss.

Sandra Matteotti © Sandra Matteotti

Ich habe zwei Hauptblogs. Einer enthält meine Gedanken, meine Gedichte. Er befasst sich mit dem Leben, der Welt, mit dem, was mir gerade durch den Kopf geht, mich beschäftigt, mir zufliegt. Er heiß Denkzeiten. Hier lebe ich meine philosophische Ader aus. Der andere heißt Bücherwelten. Hier findet man hauptsächlich Rezensionen, aber auch Artikel und Gedanken zur Literatur. Den zweiten Blog habe ich relativ neu gestartet. Ich habe früher schon Rezensionen verfasst und natürlich rund um die Literatur geschrieben, allerdings in anderen Formaten und zu anderen Zwecken.

Ich bloggte zuerst auf Blogger, wechselte dann zu WordPress. Das hatte nicht einmal wirkliche Gründe. Zuerst hatte ich meine Blogs auf beide Portale verteilt, dann entschloss ich mich, dass es einfacher wäre, nur bei einem zu sein. Bei WordPress habe ich mehr Vernetzung, da die meisten Blogs, die mir gefallen, bei WordPress sind. Dazu kommt, dass mir die Plattform irgendwie sympathisch ist. Bauchgefühl.

Der Austausch ist dir beim Bloggen wichtig …

Ja, ich schätze es, wenn ich Menschen kennen lerne, die mit ähnlichen Interessen und Themen beschäftigt sind, ich finde einen Austausch da schön. Das ist mir insofern auch wichtig, als ich doch meistens alleine zu Hause an meinem Tisch sitze und vor mich hin schreibe. Vom universitären Bereich bin ich jedoch vielleicht ein wenig vorbelastet, als ich da sehr viel Neid und Intrigen kennenlernte. Das hat mich sicher ein Stück weit zurückhaltend und vorsichtig gemacht. Bislang kann ich mich aber nicht beklagen. Alle werden sich nie mögen, in keinem Bereich …

Deine Themenschwerpunkte …

Die Schwerpunkte sind – wie bereits erwähnt – Literatur und Philosophie. Ich bin lange Zeit immer hin und her geschwankt, dachte, mich für das eine oder andere entscheiden zu müssen. Es hat beides Platz, manchmal überwiegt das eine, manchmal das andere …

Was treibt dich in der Literatur-, Kulturszene derzeit besonders um?

Eigentlich nicht viel. Ich befasse mich wenig mit der Szene.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich verbreite sie momentan hauptsächlich über Twitter und Facebook. Die Rezensionen findet man auch auf anderen Bücherseiten wie LovelyBooks und Amazon.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich denke, das muss jeder für sich selber wissen. Wichtig ist, dass man sich immer bewusst ist, dass das, was man schreibt, danach öffentlich sichtbar ist, wenn man es nicht schützt. Man muss sich also immer überlegen, was man preisgeben will, wie offen man sein will. Es kommen Reaktionen und die Menschen neigen dazu, das, was steht, eins zu eins auf dich anzuwenden.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ab und an kommt die Sinnfrage auf: Wozu machst du das eigentlich? Das liest doch eh niemand, das braucht die Welt doch nicht, niemand wartet auf deine Texte. Das zweite Problem ist die Isolation teilweise. Kein berufliches Umfeld da ist beim Schreiben, wie ich es tue. Auf der anderen Seite ist es ja genau das Leben, das ich leben will. Die Zweifel gehören wohl einfach zu mir dazu.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Schön sind Feedbacks, die mir sagen, sie hätten sich wiedererkannt in meinen Texten, die Texte hätten ihnen etwas gegeben. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und Freude. Es ist schön, jemandem etwas mit auf den Weg geben zu können. Und wenn es nur ein Lächeln ist oder eine kleine Hilfe, etwas zu sehen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Grundsätzlich freue ich mich darüber. Schwierig wird es ab und an, wenn ich das Buch wirklich schlimm finde. Schönreden werde ich nie ein Buch, dann verzichte ich eher auf eine Rezension. Einen Verriss schreiben möchte ich eher nicht, Kritikpunkte anmerken aber immer!

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe ein iPad und sowohl darauf wie auch auf dem Computer die Kindle-App. Ich war schon einmal froh darum, im Store Bücher zu finden, die nicht mehr publiziert werden und vergriffen sind. Sie waren sogar gratis! In schlaflosen Nächten nutzte ich den Kindle auch deshalb, weil man dann kein Licht anmachen muss. Ich mag es allerdings nicht wirklich, so zu lesen. Ich bin sehr technisch interessiert, kenne mich mit Technik auch recht gut aus, aber etwas wird dadurch nie zur Seite geschoben: Papier und vor allem Bücher. Dass ich auch meine Papieragenda liebe, gehört hier wohl nicht her. Ist aber auch so.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

SteglitzMind darf ich nicht empfehlen, lese ich aber sehr gerne. Daneben lese ich eigentlich wenig Bücher- oder Literaturblogs. Ich klicke mich ab und an durch die Blogs durch, finde einzelne Artikel gelungen. Einige möchte ich aber doch nennen, die mir als Ganzes positiv aufgefallen sind: Gunnar Kaisers Philosophieblog Philosophisch leben – eine Reise durch verschiedene Themen des Alltags, philosophische Themen, die zum Nachdenken anregen.Zeitspiegel – vielfältige Themen wie Politik, Kultur, Leben, Wissen. Schön geschrieben, mit viel Hintergrund und Tiefe. Christian Köllerers Blog „Dr. Christian Köllerers Notizen“ – ich mag seinen Zugang zur Literatur und seine Auswahl der Werke. Und Karla Pauls Buchkolumne –  ein Blog direkt aus dem Leben. Ihre Texte gefallen mir durch ihre Natürlichkeit. Zudem spricht eine große Liebe zur Literatur aus ihren Zeilen. Ich kenne sie nicht persönlich, aber irgendwie habe ich sie ins Herz geschlossen. – Für ein Gespräch würde ich gerne die Betreiber von „Buchkolumne“ und „Zeitspiegel“ empfehlen. Da möchte ich mich nicht festlegen.

Danke sehr, Sandra. Vielleicht unterstützt du mich dabei, Karla Paul und den Betreiber von Zeitspiegel dazu zu bewegen, die Fragen ebenfalls zu beantworten?

Im Original nachzulesen bei SteglitzMind – Ich danke für die Plattform und das Interesse. Hat Spass gemacht!

Das Leben hält oft mehrere Möglichkeiten bereit. Man steht davor und hadert mit sich, weiss nicht, welche ergreifen. Wenn dann noch äussere Faktoren dazu kommen, von denen man abhängig ist, wird alles noch schwerer. Dann steht man wie auf einem Abstellgleis, wartet auf eine Entscheidung von aussen, auf ein Feedback, auf eine Zu- oder Absage, und hat in dieser Zeit viel Musse, darüber nachzudenken, was man selber wollte, was man selber könnte, wenn man könnte, wie man wollte und wüsste, was man wollte.

Es bleibt nicht aus, dann schwarz zu malen, mit einer Absage von aussen zu rechnen. Man biegt sich diese innerlich zurecht, redet sich ein, andere Wege wären sowieso besser, um dann wieder zurückzufallen auf die Möglichkeit, die eben noch nicht steht. Man schafft sich mit den eigenen Gedanken neue Realitäten, die noch gar nicht wirklich sind, aber wirklich scheinen, weil sie bis ins letzte Detail ausgemalt sind von der eigenen Phantasie. Man wägt Konsequenzen ab, für die noch nicht mal die Ursachen geschaffen sind. Und irgendwann steht man da und weiss nicht mehr, wo einem der Kopf steht. 

 

„Du musst dich endlich entscheiden, was du tun willst, sonst machst du nie etwas.“

Muss ich das? Wieso? Gibt es nicht auch ab und an Zeiten, die zum Suchen da sind? Bringt nicht die Suche auch immer wieder neue Erkenntnisse, solche, die man nie gehabt hätte, wenn man einfach drauflosgeschossen wäre? Klar steht irgendwann eine Entscheidung an, denn keine Entscheidung wäre ein Treten an Ort oder gar ein Rückschritt. Eine vorschnelle Entscheidung kann aber auch Sackgasse sein und wenn nicht, so doch einen Weg zur Folge haben, der einem nicht entspricht. Und ab und an sind die Möglichkeiten, zwischen denen man entscheiden soll, so vielschichtig, dass es nicht leicht fällt, zu sehen, welche am besten passt. 

Ich schwanke seit Jahren zwischen Literatur und Philosophie hin und her. Klar kann man sagen, das eine tun und das andere nicht lassen. Zwei grosse Projekte lassen sich aber nicht parallel verwirklichen, dazu fehlt die Zeit und die Kraft. Und man kann kaum je wirklich auf zwei Hochzeiten tanzen und mit dem ganzen Herzen dabei sein. Und ohne ganzes Herz bleibt die Freude am Tun aus und es bleibt auch die Tiefe im Ergebnis aus. Und das würde mich nicht befriedigen. 

Welche Strasse nehme ich also? Tauche ich besser in Plots und Charaktere ein oder verstricke ich mich in Gedanken, Thesen und normative Konstrukte? Zeichne ich lieber Welten und lasse die Figuren darin tanzen oder analysiere ich die vorhandene? Ab und an denke ich auch, dass mir die eine liegt, die andere gefällt. Dann wieder sehe ich, dass beide passen, jede auf ihre Weise.

Im Moment gefallen mir beide Welten sehr und ich bewege mich in beiden. Irgendwann wird die Entscheidung für mein nächstes grösseres Projekt fallen müssen. Wie sie ausfallen wird, weiss ich noch nicht – oder weiss es jeden Tag neu, aber jeden Tag anders. Irgendwann wird die Klarheit da sein. Da es dieses Mal wohl  für eine Weile die letzte Weiche ist, die sich stellt, fällt die Entscheidung schwerer als sonst. Treu bleiben werde ich beiden Welten, die Frage ist: Was ist Haupt-, was Nebenwelt.