Ein Publizist in Ungarn ruft zur Vernichtung der Roma auf. Sie seien Tiere und man müsse sie mit allen Mitteln vernichten, da sie nicht existieren sollten. Die Regierung schweigt und dieses Schweigen trägt die Botschaft:

Rassistische Hetze ist erlaubt, wenn sie die richtige Minderheit trifft.

Die Roma in Ungarn leben in grosser Armut. Arbeit kriegen sie nicht, Geld nur wenig. Von den politischen Parolen erfahren sie nichts, ihr einziges Interesse gilt dem puren Überleben. Vermutlich verdrängen sie den Rest, haben resigniert. Dieses Phänomen zeigte sich auch in der Zwischenkriegszeit, die österreichischen Soziologen Paul Lazarsfeld und Marie Jahoda beschrieben es folgendermassen:

Armut und Langzeitarbeitslosigkeit führen nicht zu Wut und Revolte, sondern zu Hoffnungslosigkeit und Apathie. Wer einmal in diesem Zustand ist, findet kaum mehr heraus.

Die Lebensbedingungen der Roma sind menschenunwürdig. Als verachtete Minderheit leben sie in Armut. Wenn nun öffentlich zu ihrer Ausrottung aufgerufen werden darf und die Regierung wortlos zuschaut, sind das bedenkliche Zeichen. Es sind Zeichen, die zeigen, dass man aus der Geschichte nichts gelernt hat und dass das, was den Armeniern in der Türkei 1915 oder den Juden im 2. Weltkrieg passierte, jederzeit wieder geschehen kann.

Rückt die Welt nach rechts? Sind es nur einzelne Staaten? Wer gebietet ihnen Halt?

Die Zitate zu diesem Artikel stammen aus „Die Ausgestossenen“, TA vom 02.02.2013