Kategorie: Gedanken
William J. Broad: The Science of Yoga. Was es verspricht – und was es kann
Das Universum in mir – von Ordnung und Unordnung
Claudia lebt mit Paul zusammen. Eigentlich haben sie es gut zusammen. Eigentlich. Wenn da nicht die Ecken und Kanten bei Paul wären, die Claudia Monat für Monat etwas mehr stören. Wenn da nicht die Schwierigkeiten wären, die das Zusammenleben bringt, und die man eigentlich lieber nicht mehr hätte. Irgendwann ist das Mass voll, Claudia trennt sich von Paul. Sie findet, dass sie nicht ihr ganzes Leben mit diesen Schwierigkeiten kämpfen möchte, es müsse da draussen einen Menschen geben, der besser zu ihr passe.
Claudia lernt Klaus kennen. Klaus ist toll. Er bleibt toll. Sie ziehen zusammen. Sie leben zusammen. Und so langsam entdeckt Claudia ganz sanft Ecken und Kanten, die ihr bekannt vorkommen. Da war doch was. Wenn Claudia nun wirklich genau hinschauen würde, sähe sie, dass das genau die Ecken und Kanten sind, die schon Paul hatte. Und wenn sie noch genauer hinschaute, sähe sie, dass auch bei Paul die Ecken und Kanten erst über die Monate hinweg zu den Schwierigkeiten führte, die am Schluss Trennungsgrund waren. Und wenn Claudia ganz ehrlich mit sich selber wäre, müsste sie sich vielleicht eingestehen, dass es gar nicht wirklich Ecken und Kanten von Paul und Klaus waren, sondern sie durchaus auch ihren Beitrag zu den Schwierigkeiten leistete.
Was in Beziehungen oft deutlich zu beobachten ist, zeigt sich auch in vielen anderen Bereichen des Lebens. Wir suchen nach einem Ideal, das wir uns im Kopf schön ausgemalt haben und steuern es an. Irgendwann merken wir, dass das Ideal gar nicht so ideal ist, wie wir es uns ausgemalt haben. Das kann viele Gründe haben: Mal sind wir selber nicht in der Lage, es zu erreichen, mal sind die Umstände schwierig, mal liegen Hürden zwischen einem selber und dem Ideal, mal fühlt es sich auch bei Erreichen nicht gut an. Und man erkennt das, geht in sich, sucht neue Ideale und steht irgendwann oft vor denselben Hürden, vor denselben Hindernissen, sieht sich mit denselben Abweichungen vom Idealbild konfrontiert.
Beim ersten Mal kann man noch denken, dass das einfach dumm gelaufen ist. Beim zweiten Mal ist es vielleicht wirklich ganz dumm gelaufen. Beim dritten Mal könnte langsam ein Licht aufgehen, dass diese ewigen Schleifen, die am selben Punkt enden, mit einem selber zu tun haben könnten. Vielleicht steckt da eine Aufgabe drin, die man selber anzugehen hat, bevor man wirklich an den Punkt kommt, den man gerne hätte. Vielleicht ist noch etwas ungeklärt, tief drin in einem, muss man erst mal genau hinsehen und bei sich selber aufräumen, um dann nach aussen zu stossen und die eigenen Idealvorstellungen im Aussen zu suchen.
Das Aussen ist oft nur der Spiegel dessen, was tief drin in einem selber abgeht. Die Beziehung, die man zu sich selber hat, spiegelt sich nicht selten in der Beziehung mit den Menschen im Aussen wieder. Wenn man also immer an ähnliche Menschen gerät, muss man sich mal fragen, welchen Punkt davon man in sich selber trägt und gegen sich oder auch andere auslebt. Wenn man immer wieder neue Projekte an dieselbe Wand fährt, muss man vielleicht mal hinschauen, welche eigene Schwäche dies symbolisiert, wo man sich selber immer wieder gegen eine innere Wand fährt.
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Wie soll man den lieben, wenn man sich selber gering schätzt? Wie soll man von ihm ernst genommen werden, wenn man es selber nicht tut? Wie soll er einen genau so haben wollen, wie man ist, und mit Respekt behandeln, wenn man selber ständig mit sich hart ins Gericht geht?
Ich bin das Universum und das Universum ist in mir.
Es gibt die Philosophie, dass alles eins ist, eine grosse Einheit. Alles, was wir um uns, in uns wahrnehmen, ist Teil dieses Ganzen, ist das Ganze, von diesem durchdrungen. Wenn ich also mit mir schimpfe, strahlt das auf meine Umwelt ab. Wenn ich meinem Gegenüber weh tue, ist der Schmerz auch in mir. Wenn ich die Dinge in mir nicht in Ordnung habe, können sie auch im Aussen nicht in Ordnung sein. Ich kann sie im Aussen in Ordnung bringen, denn das Aussen ist eine Widerspiegelung des Inneren. Es ist sogar einfacher, sie da in Ordnung zu bringen, da oft der klare Blick auf das Innen verloren gegangen ist. Allerdings ist es auch leichter, vor der Unordnung im Aussen wegzurennen, in der Hoffnung, wo anders Ordnung zu finden. Dabei vergisst man nur, dass man die Unordnung im Innen mitnimmt und wieder ans Aussen abgeben wird. Bis man das System begriffen und sich der Aufgabe gestellt hat.
Dann wartet die nächste.
Ursula Karven: Yoga für dich und überall. 60 unglaublich nützliche Übungen für jedermann und jeden Tag
Kraft, das Leben anzugehen
Wir gehen durchs Leben und das Leben fliesst so dahin. Wir hadern mit allem, was nicht passt und schimpfen, zetern, gehen weiter. Ab und an erfreut uns was, wir nehmen es zur Kenntnis, gehen weiter. Das Leben nimmt seinen Lauf, die Zeit verrinnt, vollgepackt mit Pflichten, Arbeit, Streben nach allem, was erstrebenswert scheint oder uns als solches vorgemacht wird. Und wenn das Streben nicht fruchtet, hadern wir wieder und sind unzufrieden.
Ab und an schimpfen wir mit uns selber, dass wir nicht erreichen, was wir gerne hätten. Wir schelten uns zu dumm, zu faul, zu sehr mit Unglück behaftet. Wir neiden anderen, was sie haben, weil wir es auch gerne hätten oder ab und an sogar nur, weil sie es haben. So einfach. Sie haben es, sind glücklich (oder scheinen so) und wir sehen dieses Glück und hätten das auch. Und wir finden tausend Gründe, wieso wir es mehr verdient hätten, dieses Glück zu haben, als sie .
Und irgendwann ist dieses Leben vorbei. Und wir blicken vielleicht zurück. Und denken an die schönen Dinge und sind hoffentlich zufrieden.
Hier könnte die Geschichte zu Ende sein. Sie könnte aber auch erst anfangen. Wenn wir mal hinsehen, so ganz genau, und analysieren, womit wir hadern, was unser Leben wirklich – so ganz wirklich – beinhaltet – und wonach wir streben, so fällt – ich möchte fast wetten – auf, dass das, womit wir hadern, oft Kleinigkeiten sind, sicher keine Lebenswichtigkeiten. Das, wonach wir streben, sind oft Äusserlichkeiten wie Besitz, Erfolg, Geld, Ruhm, Ehre, Zuneigung (aufgrund von Leistung oder Aussehen oder anderem).
Schauen wir das Leben an, wie es ist, sehen wir uns wohl mit Menschen konfrontiert, die das Glück hatten, in ein Land geboren zu werden, in dem mehrheitlich Frieden herrscht. Es sind Menschen, die ein Dach über dem Kopf haben, zu essen, einen Computer (sonst könnten sie das nicht lesen), Internet (dito), somit wohl fliessend Strom und wie ich denke auch Wasser. Sie können lesen, weil sie genug Bildung geniessen durften, es zu lernen. Und es gibt sicherlich noch ganz viel mehr, das positiv in die Waagschale geworfen werden könnte, das aber im Alltag einfach als selbstverständlich untergeht. Wer dankt schon jeden Tag dem Mann, dass es ihn gibt, dass er zuhört, wenn Probleme da sind? Wer dankt dem Kind, vor allem, wenn es mal ungezogen ist, dass es gesund ist und einen liebt, wie man ist, einem auch die Fehler verzeiht, die man macht? Wer ist dankbar für den Strom aus der Dose und die Schulbildung, die hinter einem liegt, statt nur die doofen Lehrer Revue passieren zu lassen und einen innerlichen Freudentanz aufzuführen, dass das Kapitel abgeschlossen ist?
Das Leben ist kein Ponyhof und es birgt vieles an Leid, an Unschönem, an Schmerz und Ungewolltem. Die Buddhisten sagen gar, das Leben sei Leid. Sie sagen aber auch, dass es Lösungen gibt für dieses Leid. Und in meinen Augen fangen diese Lösungen immer bei einem selber an. Wir können die Welt nicht ändern. Wir können oft nicht mal unser kleines Umfeld grundsätzlich ändern. Wir können uns aber bewusst werden, was alles gut ist in unserem Leben. Wir können dankbar sein dafür, dass so vieles gut ist. Und dass auch schwierige Zeiten (wenn auch oft erst im Nachhinein sichtbar) eine positive Seite mit sich brachten, weil man etwas gelernt hat, etwas erkannt hat, gewachsen ist. Und ja, es gibt auch diese ganz fiesen, miesen Dinge, die weder Sinn noch Zweck noch Erklärung haben, die einen einfach heimsuchen, umstossen, fertig machen. Es gibt kein Warum und kein Wofür. Jeder kennt sie, jeder hat sie wohl.
Aber es gibt daneben die anderen Dinge, die darüber nicht vergessen werden sollten. Vielleicht wäre es heilsam, jeden Abend aufzuschreiben, was an diesem Tag gut war. Immer 5 Dinge. Wenn man geübt ist, 10. Später 15. Und dann kann man das Licht löschen und in Dankbarkeit für diese 5, 10 oder 15 Dinge einschlafen. Am nächsten Tag hat man immer noch genug Kraft, die anderen anzugehen. Und wer weiss: Vielleicht werden sie weniger. Vielleicht auch weniger drückend. Vielleicht bleiben sie aber genauso schlimm wie sie es am Tag zuvor waren, aber man hat in und für sich ein wenig Kraft geschöpft, sie anzugehen.
Politik mit dem Tod
Ein Flieger des Schweizer Militärs stürzt ab, einer der Insassen ist ein deutscher Militärarzt, der sein ganzes Herzblut in seine Arbeit steckte, der sein Leben nun bei diesem Unfall verloren hat. Die Schweizer Politiker haben nichts besseres zu tun, als diesen Unfall für ihre Propagandazwecke zu nutzen; die einen schimpfen unter Berufung auf das Unglück gegen Fliegereinsaätze und die anderen regen sich auf, dass ein Deutscher im Schweizer Militär sitzt, und wollen gegen die Masseneinwanderung Propaganda machen. Auch das auf dem Unglück eines Menschen.
Wie krank und pietätlos ist diese Welt eigentlich, dass man nicht mal vor dem Tod eines Menschen innehält und ihn für eigene Zwecke ausschlachtet? Wie grausam und kalt agieren hier Politiker, indem sie alles instrumentalisieren, um ihre eigene Haltung zu untermauern? Die Rechtfertigung, es sei zum besten des Landes (das jeder für sich zu wissen in Anspruch nimmt), lasse ich nicht gelten, denn dafür müsste man mit Argumenten auffahren, die sachlich sind und die damit eine wirkliche Grundlage für die je eigene Meinung bieten.
Wie beruhigend wäre es doch, wenn die Politik, die sich um das Wohl eines Landes bemüht, von sachlichen Argumenten, menschlichen Gefühlen und gesundem Menschenverstand geleitet wäre. Eine Utopie?
Humor und Mitgefühl
Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Das impliziert, dass man lacht, obwohl es einem nicht gut geht. Trotzdem. Es klingt, als ob das gut ist so, gewollt.
„Niemand will dich weinen sehen, also lache, sonst stehst du alleine da. „
Diesen Rat erhielt ich als kleines Mädchen. Menschen wollen keine Probleme, die hätten sie schon selber, sie wollten Menschen, die feiern, fröhlich sind, positiv. Und wahrlich: Tauchen Probleme auf, reduzieren sich die Freunde oft. Man hört und sieht es überall.
Spass muss sein.
Muss er? Immer? Ist Ernst überholt? Antiquiert? Langweilig? Borniert? Sicher wohl abgelehnt.
Heute kann man alles durch den Kakao ziehen. Wer nicht lacht, hat den Witz nicht begriffen oder ist einfach zu steif. Humor kennt keine Grenzen und wo sie doch sind, werden sie gebrochen und die Brechenden fühlen sich als grosse Pioniere. Alle düsteren Themen werden plötzlich der Spasskultur anheim gegeben.
Szenenwechsel
Krieg, Unfrieden, Streitereien, Anonymität, Skrupellosigkeit, Unmenschlichkeit, Intoleranz. Ein paar Stichworte, die in der heutigen Gesellschaft häufig zu hören sind. Es gäbe derselben noch viele mehr. Keiner hört hin, keiner fühlt mit, jeder ist sich selbst der nächste, jeder schaut auf seinen Profit. Die Stimmen werden laut, man müsse wieder mehr für ein Miteinander einstehen, müsse wieder mehr am Leid der anderen teilnehmen, könne sie nicht einfach ihrem Schicksal überlassen.
Kinder sterben, Alte verhungern, Kranke serbeln dahin. Nahrung fehlt, Geld fehlt, Würde fehlt. Wir sehen im Internet, TV und in Magazinen Bildern von Zerstörung, von Leid, von Tod. Wir blättern um, zappen weiter, klicken uns zur nächsten Seite. Unbeirrt, nicht betroffen.
Wir seien abgebrüht, heisst es, wir seien abgestumpft durch die Überflutung durch Informationen. Unser Hirn müsse sich schützen, um nicht unterzugehen, es könne nur noch die wirklich wichtigen Dinge annehmen und darauf reagieren. Die Hürden werden höher gesetzt, es braucht immer noch mehr Blut, noch mehr Leid, noch mehr Gewalt, um etwas auszulösen.
Szenenwechsel
Ein Unglück passiert und man hört davon. Was nun?
Humor ist, wenn man trotzdem lacht?
Einfach mal einen Witz machen, wer nicht lacht ist selber doof? Oder war das Unglück nur ein Witz? Man war ja nicht dabei… Würde man nun in Tränen ausbrechen, stünde man schön blöd da… Augen zu und durch, als hätte man nichts gesehen. Damit wahrt man das Gesicht und sollte was sein, kümmert sich sicher ein anderer… und war es was, macht sicher bald jemand einen Witz darüber und man kann noch zünftig lachen, um zu zeigen, dass man voll up to date und mit Humor gesegnet ist.
Ich könnte nun schreiben, dass es dieser Welt gut tun würde, wenn die Menschen wieder achtsamer mit sich umgehen, dass sie sich überlegen, wem gewisse Witze wirklich etwas bringen und ob sie nicht nur einfach deplatziert, weil auf dem Leid vieler Menschen aufgebaut sind. Ich könnte mir wünschen, dass Worte bewusster gewählt und Gefühle tiefer gespürt würden, könnte hoffen, dass das Mitgefühl wieder vermehrt Einzug hielte und man auch nach all den grässlichen Bildern überall nicht aufhören könnte, zu trauern, wenn Unrecht und Leid passieren. Ob das jemand lesen wollte?
Cyndi Lee: Yoga für den Körper, Buddha für den Geist
Körper und Geist vereint durch Yoga und Buddhismus
Ulrich Ott – Yoga für Skeptiker
Yoga und Wissenschaft – Ulrich Ott durchleuchtet die Yogatradition auf ihre Wissenschaftlichkeit
Ich bin gross und du bist klein
Ich bin gross und du bist klein,
und wenn wir uns auch noch so ähnlich sind,
jeder bleibt, so wie er ist[…]
du und ich, wir passen nicht,
ich und du, wir sind zwei linke Schuh’;
doch können wir nicht Freunde werden,
so wollen wir doch niemals Feinde sein.
Peter Maffay singt in seinem Musical Tabaluga von der Begegnung eines Salamanders mit dem Drachen Tabaluga. Die beiden mögen sich, doch müssen sie merken, dass sie trotz ihrer Ähnlichkeiten nicht zueinander passen. Zu verschieden sind ihre Lebensumstände, zu verschieden ihre Lebensnotwendigkeiten und Gepflogenheiten. Was hier nur ein Märchen ist, geschrieben für Kinder, trägt wie so oft eine tiefe Wahrheit in sich. Wie oft treffen wir im Leben auf Menschen, die uns anziehen, die auch Gefühle in uns wecken. Anfangs ist alles schön, alles spannend, man fühlt sich vertraut ob der vielen Ähnlichkeiten. Langsam mischen sich Misstöne in den Gleichklang, Disharmonien erklingen.
Man möchte sie nicht hören, man denkt an die Ähnlichkeiten, an das Hochgefühl, den so Ähnlichen gefunden zu haben. Man möchte ihn festhalten, sich an ihm festhalten. Man möchte das Gefühl bewahren und ignoriert die Misstöne. Irgendwann sind sie nicht mehr zu ignorieren, dann nimmt man sie zwar wahr, redet sie aber klein. Das Kleinreden nimmt immer mehr Zeit in Anspruch, die Disharmonien nehmen überhand. Noch immer kämpft man um das zuerst gesehen, will sich den Irrtum nicht eingestehen, weil mit ihm etwas zu sterben droht, was man so gerne am Leben halten würde.
Der Kampf um die wohlklingende Melodie wird härter, anstrengender, er raubt Energie, zu viel Energie. Man kommt an den Punkt, zu sehen, dass die Melodie so nicht mehr gefällt, dass sie wenig gemeint hat mit der, die man anfangs hörte. Man kommt zu dem Punkt, dass man sich lieber die Ohren zuhalten möchte als weiter zu hören, weiss aber nicht, trauert aber noch immer dem Wohlgesang nach.
Tief drin hätte man es schon ganz am Anfang wissen können. Die erste Zeile offenbarte es:
Ich bin gross und du bist klein.
Diese Sicht trägt nie für die Ewigkeit. Keiner mag sich auf Dauer in der Sicht des Kleinen sehen. Schon bei Kindern sieht man ihr Bemühen, als Grosse wahrgenommen zu werden. Schaut man auf Beziehungen unter Erwachsenen, sollte umso mehr die Sicht eine gleich grosse sein. Kommt nur irgendwann das Gefühl auf, einen ganz Grossen vor sich zu haben, sollte man sich fragen, wieso man sich selber als kleiner empfindet. Was ist der Massstab, wer hat ihn gesetzt? Wieso denke ich, einen Grossen zu brauchen und wieso er, dass ich klein sei? Ist er wirklich so gross, wenn er mich klein haben muss?
Ich bin gross und du bist es auch – lass uns zusammen wachsen.
So könnte es gehen.
Philipp Probst – Nachgefragt
Philipp Probst
Philipp Probst ist ein Schweizer Schriftsteller, Buschauffeur, Journalist, LKW-Fahrer – und noch einiges mehr. Bereits früh begann er zu schreiben, die ersten Geschichten entstanden während des Schulunterrichts. Im Alter von 16 und 17 Jahren schrieb er zwei Drehbücher, welcher auf Super-8 gleich selber verfilmte: Den Krimi Der Lebensretter und den Teenagerfilm Hoffnung, welcher zugleich Abschlussarbeit der Rudolf-Steiner-Schule war. Mit diesem Film gewann er in den 80er Jahren den zweiten Preis der Schweizer Jugendfilmtage. Nach einem kurzen Abstecher in den Buchhandel landete Philipp Probst im Journalismus, arbeitete für diverse Redaktionen und Medien und schrieb schliesslich 1994 sein erstes Buch Ich, der Millionenbetrüger Dr. Alder, welches 2009 unter dem Titel Der Fürsorger verfilmt wurde. Von ihm erschienen sind daneben unter anderem Der Storykiller, Die Boulevard-Ratten und diverse Kurzkrimis .
Wer sind Sie? Wie würden Sie Ihre Biographie erzählen?
Ich bin ein kreativer und tüchtiger Mensch mit Ecken und Kanten – und vielen Schwächen. Die Biographie würde ich als unterhaltenden Roman erzählen, gäbe eine nette Ferienlektüre.
Wieso schreiben Sie? Wollten Sie schon immer Schriftsteller werden oder gab es einen Auslöser für Ihr Schreiben?
Ich schreibe wegen dem Basler Autor Hans-Peter Hammel, alias –minu. Seine Geschichten in der Zeitung fand ich toll. Zuerst wurde ich allerdings Journalist und Lastwagenfahrer. Auf dem LKW habe ich dann angefangen, meinen ersten Roman zu schreiben. Die langen Fahrten auf der Autobahn haben mich inspiriert.
Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie haben Sie gelernt zu schreiben?
Schreiben zu lernen ist eine harte Ausbildung. Wichtig ist, einen guten Mentor oder Textchef zu haben. Dann ist es learning by doing. Und aus Fehlern lernen. Kritisch sein. Mutig. Grundsätzlich kann man Schreiben lernen. Talent hilft natürlich, doch das Wichtigste ist die Disziplin.
Wie sieht Ihr Schreibprozess aus? Schreiben Sie einfach drauf los oder recherchieren Sie erst, planen, legen Notizen an, bevor Sie zu schreiben beginnen?
Ich schreibe einfach drauf los und versuche, so wenig wie möglich korrigieren zu müssen. Die Phantasie soll arbeiten!
Wann und wo schreiben Sie?
Meistens zu Hause am Esstisch. Aber unterwegs geht auch. Eigentlich völlig egal wo, es geht sogar auf dem Smartphone.
Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Ferien? Wie schalten Sie ab?
Wenn ich schlafe.
Was bedeutet es für Sie, Autor zu sein? Womit kämpfen Sie als Schriftsteller, was sind die Freuden?
Die Freude ist, den Leserinnen und Lesern Freude zu bereiten. Als Autor zähle ich mich zur Unterhaltungsbranche. Ich stehe also nicht nur im Wettbewerb mit anderen Autoren, sondern auch mit Kino, TV, Internet und Games. Ein Buch zu schreiben macht Spass, es zu verkaufen ist pickelharte Arbeit.
Wie ist das Verhältnis zu den Verlagen? Hat sich das verändert in den letzten Jahren? Man hört viele kritischen und anklagenden Stimmen, was ist deine Sicht der Dinge?
Da die Spielregeln der freien Marktwirtschaft gelten, gibt es wenig zu jammern. Ein Buch ist ein Produkt, das es zu vermarkten gilt. Ende.
Sie wohnen in der Schweiz, schreiben meist über Schweizer Schauplätze. Die Schweiz ist ein kleines Land mit einer kleinen Literaturszene. Wie sehen Sie Ihre Stellung innerhalb des deutschsprachigen Raums? Sehen Sie sich im Nachteil als Schweizer, gibt es Vorteile oder ist das irrelevant?
Kommt darauf an, ob man sich als Autor im Buchmarkt oder in der Literaturszene bewegt. Die Literaturszene hat etwas Elitäres und zählt auf staatliche Förderung. Wer da rein kommt, darf sich „von“ nennen, wird eingeladen und kann sich in den anderen subventionierten Literaturszenen des deutschsprachigen Raums bewegen. Alle anderen Schriftsteller kämpfen im Buchmarkt, also in der freien Marktwirtschaft.
Woher holen Sie die Ideen für Ihr Schreiben? Natürlich erlebt man viel, sieht man viel. Aber wie entsteht plötzlich eine Geschichte daraus? Was inspiriert Sie?
Die Geschichte entsteht beim Schreiben. Am Anfang ist einfach eine Idee, die man im Leben aufschnappt. Ich lasse meinen Figuren und deren Handlungen grossen Freiraum: Manchmal machen sie das, was ich von ihnen erwarte, ab und zu überlisten sie mich aber auch. Dazu kommen plötzlich ganz neue Ideen, dann kommt die Geschichte halt anders heraus. Das ist aber egal, Hauptsache sie ist spannend und unterhaltend.
Goethe sagte, alles Schreiben sei autobiographisch. Das stimmt sicher in Bezug darauf, dass man immer in dem drin steckt in Gedanken, was man schreibt. Wie viel Philipp Probst steckt in ihren Geschichten? Stecken Sie auch in Ihren Figuren? Gibt es eine, mit der Sie sich speziell identifizieren?
Natürlich bestehen meine Figuren aus mir. Aber nicht nur. Da werden noch andere Menschen drin verpackt. Da die Geschichten für mich realistisch sein müssen, könnte ich sie selbst auch erleben. Viele Szenen in meinen Büchern habe ich auch erlebt. Allerdings ist das kein Verarbeitungsprozess, sondern die Möglichkeit, etwas hautnah zu erzählen. Da werde ich dann wieder zum Reporter.
Wieso schreiben Sie Krimis? Ist es das, was Sie auch am liebsten lesen oder kann man dabei die eigenen bösen Seiten ausleben, die man im realen Leben eher unterdrückt?
Ich fühle mich wohler mit dem Ausdruck Thriller. Nein, es geht nicht darum, das „Böse in mir“ auszuleben. Es geht nur darum, dass in einer Geschichte ja irgendetwas passieren muss. Sonst ist es keine Geschichte oder eben eine langweilige. Wenn ich lese, will ich eine Geschichte erleben. Das gilt auch beim Schreiben. Toll finde ich aber auch Liebesromane.
Ruhm, Ehre, Moral, ethische Prinzipien – deswegen wird in Ihren Krimis gemordet. Strebt (heute?) nicht jeder danach? Steckt in jedem Menschen ein Mörder, der über Leichen ginge, um das ihm höchste Ziel zu erreichen?
Nein. Viele Menschen sind zufrieden, sich im Mittelmass der Gesellschaft zu bewegen. Das bewundere ich.
Sie haben verschiedene interaktive Kurzkrimis realisiert, kürzlich haben Sie einen Fortsetzungskrimi für das Onlinemagazin buchmagazin.ch nach 35 Folgen beendet, bei welchem Sie Inputs von Lesern annehmen und damit die Geschichte weiter gesponnen haben. Was reizt Sie an diesem Vorgehen? Wie kamen Sie auf die Idee, solche Projekte in Angriff zu nehmen?
Das sind äusserst sportliche Projekte, die viel Phantasie und Disziplin abverlangen. Das Tolle daran ist, dass mit den neuen Medien viele neue Möglichkeiten entstanden sind, die im Buchmarkt und noch mehr in der Literaturszene überhaupt keine Anwendung finden. Heute kann man als Kunde beinahe jedes Produkt online mitgestalten – warum sollte man da nicht auch auf seine Lektüre Einfluss nehmen dürfen? Zudem sind solche Projekte Werbung für mich als Autor und meine Bücher. Eines meiner besten Projekte war ein SMS-Roman für eine Freundin. Brutal hart. Aber einfach toll. Hätte ich genügend Interessenten – ich würde einen Roman per SMS/WhatsApp liefern. Jeden Tag ein Stück …
Viele Autoren heute und auch in der Vergangenheit haben sich politisch geäussert. Hat ein Autor einen politischen Auftrag in Ihren Augen?
Nein. Aber er kann und darf und soll seine Meinung äussern. Da er aber heute praktisch gar nicht mehr nach seiner Meinung gefragt wird, muss er sich auch nicht damit beschäftigen. Da Medien ebenfalls nach den Regeln der freien Marktwirtschaft funktionieren, werden Prominente zu allem Möglichen befragt werden. Und falls es ein Schriftsteller zum Bestsellerautor schafft, trifft es automatisch auch ihn. Meistens allerdings zu Themen wie: „Kaufen Sie lieber im Coop oder in der Migros ein?“
Was muss ein Buch haben, dass es Sie anspricht?
Es muss spannend sein. Jeder Schriftsteller bekommt bei mir die Chance von 50 Seiten. Falls ich dann nicht mitfiebere, bin ich weg!
Gibt es Bücher/Schriftsteller, die Sie speziell mögen, die sie geprägt haben?
Ja, aber das sind so viele … Immerhin war ich mal Buchhändlerlehrling.
Wenn Sie einem angehenden Schriftsteller fünf Tipps geben müssten, welche wären es?
- Schreibe mal 100 000 Zeichen, die einen Sinn ergeben, innert weniger Tage. Falls du dich schwer tust damit, mache was anderes in deiner Freizeit.
- Schreibe einem Freund oder einer Freundin einen Monat lang einen Fortsetzungsroman per SMS. Damit testest du deine Phantasie.
- Treibe Sport oder schaff dir einen Hund an. So lernst du Disziplin.
- Betrachte die Schreiberei als Hobby. Auch eine Modelleisenbahn ist toll!
- Werde auf irgendeine Weise TV-Promi. Denn nur wer dich kennt, wird dein Buch kaufen.
Ich bedanke mich herzlich für diese Antworten!
Inge Schöps: Yoga. Ein Praxisbuch für Einsteiger und Fortgeschrittene
Ein wundervolles Buch für begeisterte Yogi(ni)s
Elena Brower, Erica Jago: Die Kunst der Aufmerksamkeit
Mit Yoga zu mehr Aufmerksamkeit gelangen und die eigenen Energieräuber erkennen.
Paul und Pauline
Wenn ich mir so den Paul anschaue, dann hat er alles, was so ein richtiger Mann haben sollte. Er ist intelligent, charmant, sieht gut aus, kümmert sich um mich, buhlt um mich, versteht alles, was ich sage, findet alles gut, was ich mache, versteht nicht, wie das mein Mann nicht machen kann. Ja – mein Mann. Der ist nicht wie Paul. Mein Mann hat Fehler. Und zwar so richtig viele. Von den Socken am Boden angefangen über Chaos wohin man schaut bis hin zu so unangenehmen Angewohnheiten, die ich gar nicht alle aufzählen will, da sie mir sonst nur wieder zu präsent sind und ich mich darüber aufrege. Wieso ich diesen Mann habe und nicht Paul? Paul war grad nicht im Angebot, als ich meinen Mann kennen lernte und zudem war mein Mann auch mal ein Paul.
Was ist geschehen? Wo hörte mein Mann auf, Paul zu sein? Wo ging Paul verloren und mein Mann blieb? Und wieso kommt nun ein neuer Paul, wenn ich doch meinen Mann habe? Ich möchte eigentlich keinen Paul haben, denn der zeigt mir die Schwächen meines Mannes noch viel deutlicher. Und ich möchte keinen Mann haben, denn dann könnte ich Paul haben. Gut, ich könnte meinen Mann verlassen und Paul nehmen, Paul wäre bereit und würde sich freuen, er findet mich ja so gut und er ist ja auch so gut. Aber das macht man nicht. Nicht so einfach. Oder doch?
Allerdings: Wenn mein Mann auch mal Paul war und nun mein Mann ist, was ist, wenn Paul auch plötzlich mein Mann und nicht mehr Paul ist? Was, wenn ich dann wieder einen Paul treffe und wieder dastehe und einen Mann habe statt einem Paul? Was, wenn ich dann wieder von Mann zu Paul wechseln muss und wieder nur warten kann, bis auch aus dem Paul ein „mein Mann“ wird? Ist nicht jeder Paul ein Mann? Und sieht man nicht nur anfangs den Paul und irgendwann nur noch den Mann? Ist das der Lauf des Lebens? Oder aber der Lauf der eigenen Wertigkeiten? Vielleicht ist es auch der Preis der Nähe?
Je näher ein Mensch kommt, je mehr Zeit man mit ihm verbringt, desto mehr kommen alle Seiten zum Tragen. Zeigt man in frühen Phasen des Zusammenseins nur die guten, will man das zwar vielleicht später auch noch – wobei eine gewisse Nachlässigkeit wohl sicherlich normal ist –, aber es lässt sich nicht mehr so einfach durchhalten, weil die Zeiten, die schlechten auszuleben, kleiner werden, während die gemeinsamen Zeiten zunehmen, so dass es nicht ausbleibt, dass man eben die nicht gewollten Seiten öfters mal zu sehen kriegt. Während anfangs die Socken in Pauls Wohnung ungesehen am Boden liegen, tun sie das irgendwann in der gemeinsamen und fallen da ins Auge. Wer weiss, was bei Paul zu Hause alles so rumliegt?
Und irgendwann kommt es hart auf hart. Und Paul sucht das Weite, weil alles so schwierig und alles so kompliziert ist und Paul eigentlich lieber schönes Wetter hat als Regen. Und mein Mann steht da und zückt den Regenschirm. Und ich denke: Was kümmern mich Socken, wenn ich nicht im Regen stehen muss? Was störe ich mich an all den Kleinigkeiten statt die wirklich wichtigen Dinge zu sehen? Wieso bin ich nicht dankbar für das, was ist, statt zu hadern über das, was nicht ist? Natürlich ist nicht alles erlaubt und ein wenig Paul täte jedem Mann gut. Aber ich bin ja auch nicht nur Pauline, sondern ab und an halt auch nur die Frau mit Jogginghose und schlechter Laune. Ab und an bin auch ich nur die Frau, welche nicht alles am Manne lobt und gut findet und ihn den schönsten und liebsten und besten, und trotzdem erwarte ich, dass er nicht gleich zu einer Pauline springt, die all das tut, weil er das ja durchaus sein kann – und mal war für mich und noch sein könnte, würde ich nicht nur die Socken und Alltäglichkeiten sehen.
Vielleicht sollten wir immer mal wieder den Paul im eigenen Mann sehen und auch ab und an Pauline sein.
Bei sich selber bleiben
Wenn man zu stark im Aussen orientiert ist, vergisst man ab und an die eigenen Grenzen, was schmerzhaft enden kann.