9. Mai

„Sprache kann schöpferisch oder zerstörerisch sein. Achtsames Sprechen kann wahres Glück bringen; unachtsames Sprechen kann töten.“ (Thich Nhat Hanh)

Wie oft reden wir miteinander und nehmen doch wenig davon wahr, was der andere wirklich sagt? Wir sind zu sehr mit unseren eigenen Gedanken zum Thema beschäftigt, sortieren unsere Argumente, statt die des anderen mit offenem Ohr und Geist zu prüfen. Reden ist so reiner Informationsaustausch, kein Dialog.

Wie viel entgeht uns da? Wir erfahren nicht nur nichts über den anderen, auch wir selber gewinnen keine neue Sicht auf die Dinge. Ein wirklicher Dialog ist mehr als nur ein Austausch von Informationen. Er ist das bewusste Zuhören und Wahrnehmen des anderen, er ist ein offener Umgang mit neuen Sichten. Im Dialog kommt es zu einer wirklichen Begegnung zwischen Menschen. Wir nehmen einander ernst mit allem, was wir denken, fühlen und sagen.

Wenn wir in einen Dialog treten, entsteht etwas Neues: In uns, im anderen und zwischen uns beiden. Achte beim nächsten Gespräch mal darauf, ob du wirklich zuhörst oder mehr mit dir selber beschäftigt bist. Und vielleicht ändert sich was in dir und in deinen Beziehungen zur Welt da draussen.

Herzblut

Erst wenn etwas in dir brennt,
und dich von allem andern trennt,
weisst du genau, was leben heisst,
weil dich dann etwas wirklich beisst

und weiter treibt und so gar sticht,
und es zu tun ist nicht mehr Pflicht.
Es ist Notwendigkeit sogar,
weil nie etwas so wichtig war.

Dann setze drauf und leb es aus,
und mach dem Rest schnell den Garaus,
denn nichts wird wirklich etwas werden,
das nicht das Wichtigste auf Erden.

Wo Herzblut trifft auf ein Talent,
sei keine Zeit mehr nur verschwendt
für anderes als dieses Eine,
von dem du weisst: „Das ist das Meine.“

©Sandra Matteotti

8. Mai

„Das Denken ist die Basis von allem. Es ist wichtig, dass wir jeden unserer Gedanken mit dem Auge der Achtsamkeit erfassen.“ (Thich Nhat Hanh)

Wie viele Gedanken rasen täglich durch unseren Kopf und wir nehmen sie nicht bewusst wahr? Das fällt einem spätestens dann auf, wenn wir uns sich ruhig hinsetzen und denken, mal nicht denken zu wollen – der Widerspruch in sich entlarvt sich sofort. Auch wer nicht meditiert, hat die unendlich schwirrenden Gedanken sicher schon kennengelernt: In schlaflosen Nächte, in denen man versucht, das Hirn abzuschalten und die Gedanken statt dessen immer schneller drehen.

Wenn wir mal bewusst hinschauen, was wir denken, sehen wir, wie wir die Welt wahrnehmen – und auch uns. Wie oft laufen innerlich Monologe ab, die nur dazu da sind, uns selber und die Welt um uns zu bewerten? Wie oft vergiften wir uns innerlich mit negativen Gedanken?

Wenn die Welt uns mal wieder düster vorkommt, wir mit uns hadern, haben wir ein wunderbares Mittel in der Hand, unsere Sicht auf die Welt zu ändern: Indem wir uns bewusst werden, was sich in unserem Kopf abspielt, welche Gedanken wir denken. Es sind selten die Dinge an sich, die sind wie sie sind, es ist unsere Haltung zu den Dingen. Die haben wir in der Hand.

Das Ende einer Freundschaft

Menschen kommen, Menschen gehen,
manche bleiben für ein Jahr.
Manche bleiben auch für länger,
das ist selten anfangs klar.

Zählen tut, was man erlebt
und nicht wie lang es dauert.
Wer weiss, wenn einer wirklich geht,
ob nicht der nächste bereits lauert?

So mancher Freund betritt dein Leben,
macht es reich und macht es schön,
doch wenn er wieder gehen will,
dann sage tschüss und lass ihn gehn.

Zurück bleibt die Erinnerung,
auch Wehmut, das ist klar,
doch noch viel mehr die Dankbarkeit
für das, was einmal war.

©Sandra Matteotti

7. Mai

„Achtsamkeit ist nichts anderes als Aufmerksamkeit. Eine Haltung des Gewahrseins voller Respekt und frei von Wertungen.“ (Jack Kornfield)

Es gibt das Sprichwort, dass man keine zweite Chance für einen ersten Eindruck hat. Ist der Eindruck mal da, das Urteil gefällt, findet selten eine zweite Überprüfung statt. So laufen wir durch die Welt, welche wir eingeteilt haben in gut und böse, hässlich und schön. Wir bewerten die Dinge danach, ob wir sie haben wollen oder meiden, rennen dem einen nach, vor dem anderen weg.

In vielen Fällen mag diese Haltung durchaus sinnvoll sein, da sie uns Zeit spart. Wir müssen nicht jedes Mal neu bewerten, ob die Herdplatte heiss ist, wir wissen es nach einem Versuch, und rühren sie nicht mehr an. In anderen Fällen entgeht und vielleicht viel Schönes, weil wir den Blick verschliessen und nicht mehr hinschauen. Vielleicht hatte ein Mensch beim ersten Treffen nur einen schlechten Tag, wäre nun ein wunderbarer Freund? Vielleicht war das Gemüse beim ersten Versuch nur schlecht gekocht, könnte nun unsere Lieblingsspeise werden? Erfahren werden wir es nur, wenn wir aufmerksam durchs Leben gehen, die Dinge mit offenem und neuem Blick sehen.

Digitalisierung und Bildung

Nutzte man früher Papieragenden, verwaltet man heute die Termine elektronisch. Papierbücher sehen sich in Konkurrenz mit eReadern, Bibliotheken mit Buchbeständen rüsten um. Der Liebesbrief weicht der eMail, Anrufe werden durch Whatsappnachrichten ersetzt. Wir sind angekommen – in der digitalen Welt.

Die oben genannten Veränderungen sind allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Dass ich heute auf meinem iPad herumtippe, statt auf Papier zu kritzeln, heisst noch wenig. Digitalisierung geht weiter.

Anfänge der Digitalisierung
Anfänglich ging es in der Tat darum, analog verfügbare Daten digital zugänglich zu machen. Erstens sind digitale Daten einfacher zu teilen und von überall einzusehen, zweitens stellen sie auch eine Sicherung von teilweise dem Verfall ausgelieferten Beständen dar. Zudem ist es einfacher, in digitalen Dokumenten zu suchen als analog. Auch die Verarbeitung ist deutlich einfacher und auch umfangreicher möglich. Dass das Ganze noch zusätzlich Platz sparte, kam obendrauf. Digitalisiert wurden Texte, Bilder, Tondokumente, Filme.

Die Digitalisierung oben genannter Daten führte zu einer ständig verfügbaren, von überall und zu jeder Zeit zugreifbaren Masse an Wissen. Eine Gefahr für den Menschen. Was eine Maschine weiss, die systematisch mit Wissen gefüllt werden kann, übersteigt um ein Weites das, was ein Mensch sich merken kann. Die Maschine vergisst nicht (es sei denn, das System liegt ab, aber dafür gibt es Backups, die ja hoffentlich jeder regelmässig macht). Der Mensch vergisst nicht nur, er kann sich schon viel gar nicht merken. Schon gar nicht so schnell und schon gar nicht endlos und umfassend.

Unser Schulsystem
Schaut man auf unsere Lehrpläne, sieht man hauptsächlich eines: Was an Wissen muss in welchem Zeitraum in Kinderköpfe gepaukt werden. Man behandelt Kinder also wie Computer, indem man sie mit Wissen füttert, das sie dann auf Abruf wieder ausspucken müssen. Das mag kurzfristig bei Prüfungen noch gelingen (ob es sinnvoll ist, sei dahingestellt und wird hier nicht weiter thematisiert), mittel- und langfristig führt es nur zu einem: Wir bilden unsere Kinder zu Unterlegenen aus. Kein Kind wird je mit einem Computer mithalten können. Wenn das Kind mit all dem angehäuften Wissen aus der Schule kommt – und wir gehen vom Optimalfall aus, dass es noch alles weiss, nichts vergessen hat – , wird es nie mit der abrufbaren Informationsmasse eines Computers mithalten können.

Was heisst das? Überall, wo ein Computer Menschen ersetzen kann, wird der Mensch ersetzt. Wenn wir nun unseren Kindern das beibringen, was der Computer besser kann, setzen wir sie durch unsere Bildungsmassnahmen auf die Ersatzbank. Zwar können diese Kinder sicher nett im Smalltalk mit ihrer Allgemeinbildung brillieren, sie können das Brutverhalten von Singvögeln erklären, die Flüsse in den Kontinenten einzeichnen, wenn sie Humor haben, sogar unterhaltsam darlegen, wieso beim Aufeinandertreffen gewisser Chemikalien eine Explosion entsteht. Nur: Das wird ihnen im Arbeitsleben wenig helfen.

Was noch dazu kommt: Die Digitalisierung schreitet voran. Heute werden nicht mehr nur Daten und Fakten von analog auf digital umgestellt, heute ist es möglich, Simulationen von realistischen Situationen herzustellen. Computer sind in der Lage, auf Aussagen zu reagieren und sie antworten. Zu einem grossen Prozentsatz angepasst und kompetent.

Was nun?
Fassen wir zusammen: Computer speichern mehr Daten als sich ein menschliches Hirn merken kann. Computer können diese schneller abrufen. Sie sind zudem so vernetzt, dass von überall zu jeder Zeit auf die Daten und Fakten zugegriffen werden kann. Computer werden mehr und mehr interaktiv, auch sprachlich. Ich frage was, der Computer antwortet. So kann ich von Computern Wissen erfragen, Zimmer in Hotels buchen oder aber einen Tisch fürs Abendessen.

Die Forschung geht weiter. Es gibt mittlerweile Computer, die die Körpersprache lesen und darauf reagieren können. es existieren Roboter, die aussehen wie Menschen (auf Wunsch wie ein bestimmter Mensch mit den diesem typischen Ausdrucksweisen, seiner Stimme und mehr). Die Technik rüstet auf.

Wo bleibt der Mensch?
Mit Wissen werden wir keine Chance haben. Mit ganz viel anderem auch nicht. Die Maschine holt uns ein. Was bleibt sind Beziehungen, sind Werte, sind Fähigkeiten. Klar kann ein Computer von Liebe, Mitgefühl und Hingabe erzählen, er lebt sie nicht, er vermittelt sie nicht. Was menschlich bleibt, sind unsere tief inneren Qualitäten. Vielleicht will uns die Digitalisierung lehren, uns wieder darauf zu besinnen? Vielleicht wäre es an der Zeit, unsere Kinder auf das einzustimmen, was wirklich zählt, darauf, wo sie Experten sind und sein werden. Vielleicht ist es an der Zeit, zu merken, dass reines Faktenwissen anhäufen nicht lernen heisst. Und dass es vor allem nichts bringt.

Fazit
Die Digitalisierung ist unglaublich spannend, sie treibt unsere Welt in immer schnellerer Zeit zu immer neuen Ausgangslagen. Das macht Angst. Immer mehr übernehmen Computer Dinge, die mal von Menschen ausgeführt wurden. Menschen wurden ersetzt durch Maschinen, es werden mehr werden. Es wäre an der Zeit, umzudenken. Und wo müsste man damit nicht anfangen, wenn nicht in der Schule? Einfach neu iPads statt Notizblöcke zu verteilen reicht nicht aus, um mit der Digitalisierung mitzuhalten. Umdenken ist gefordert. Und dann sind iPads toll. Man kann damit auch spielen, kreativ sein. Nutzt man sie zur reinen Checkliste für erfolgte Leistungen, kann man auch zum Notizblock zurückkehren.

Der Strassenhund

Ein scheuer Blick von Weitem nur,
schon dreht er ab und geht.
Was mag ihm widerfahren sein?
Wo führt sein Leben hin?

Bei Sonne, Hagel, Schnee und Sturm,
ist stets die Strasse sein Zuhaus’.
er kennt die Härten dieser Welt,
kennt Hunger, Durst und Einsamkeit.

Statt Liebe kriegt er Steine ab,
er nimmt sie schweigend hin.
Im Blick ein wenig Sehnsucht noch,
im Herz ein leises Zieh’n.

©Sandra Matteotti

 

6. Mai

„Lebenskunst heisst, jedem Augenblick gegenüber sensibel zu sein, ihn als neu und einzigartig zu betrachten, während der Geist offen und empfänglich bleibt.“ (Alan Watts)

Tagtäglich wiederholen sich gewisse Abläufe, wir gehen gleiche Wege, erledigen ähnliche Dinge, gehen durch die immer gleiche Welt. Und schauen oft gar nicht mehr wirklich hin. Wie sieht der Baum aus, der gleich neben der Busstation steht? Welche Haarfarbe hat die Verkäuferin, die uns täglich bedient? Was für einen Pullover trug der eigene Partner am Morgen?

Durch die immer gleichen Abläufe stumpft sich nach und nach oft der Blick ab. Wir sind gefangen in unseren Automatismen und sehen nicht mehr, was um uns vor sich geht. Wir merken nur vielleicht eine sich steigernde Unzufriedenheit, weil wir uns gefangen fühlen in Mechanismen, weil wir unter der Eintönigkeit des Alltags zu leiden beginnen.

Wieso nicht mal etwas Neues probieren? Wieso nicht mal einen anderen Weg zur Arbeit nehmen? Oder wieso nicht mal bewusst beschliessen, den alltäglichen Ablauf mal ganz genau und mit offenem Blick wahrzunehmen? Den Baum wirklich zu sehen? Wieder zu staunen über alles, was da ist, als sähe man es zum ersten Mal (und vielleicht tut man das sogar in der Tat).

5. Mai

„Es gibt keine Methode, es gibt nur Achtsamkeit.“ (Jiddu Krishnamurti)

Wenn wir Neues lernen, sind wir schon aus der Schule gewöhnt, dass es jemanden gibt, der uns das vermittelt, und eine Methode, wie man es am besten lernt. So gedrillt haben wir etwas Grundlegendes verloren: Den eigenen Blick auf die Welt, die eigene Neugier, Dinge zu entdecken. Wirklich lernen werden wir nie durch Autoritäten. Wirklich lernen können wir auch nicht über Methoden. Lernen gelingt nur über den eigenen Blick auf das, was ist. Nur wenn ich sehe, was auf dieser Welt vor sich geht, kann ich mir davon ein Bild machen – eines, das sich mir erschliesst.

Lernen ist immer mit Achtsamkeit verbunden. Nur wenn wir auf unsere eigene Neugier bauen, wenn wir uns selber vertrauen, werden wir wirklich lernen. Alles andere ist reine Wissensanhäufung – und das meist nicht auf Dauer. So war es schon in der Schule, so bleibt es im Leben.

Also: Augen auf!

Ein Kopf voller Ideen

Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust?
Ach wären’s doch nur deren zwei.
Ein ganzes Rudel scheint zu hausen,
scheint sein Unwesen zu treiben.
Alle rufen durcheinander,
jeder will der Chef der andern sein.

So zieht mal dieser, dann mal der,
und allen folgen fällt oft schwer.
Ich gehe hier hin, dann auch dort,
versuche mich in Bild und Wort,
schreibe in Versen und auch klar,
bin mal fiktiv und oft auch wahr.

Zücke dann den Lichtbildkasten,
will damit die Welt abtasten,
mal in Farbe, mal schwarzweiss,
lebe meine Träume aus.
So lebe ich mit dieser Schar,
und finde sie auch wunderbar.

©Sandra Matteotti

4. Mai

„Der Anfang aller Weisheit ist immer das Staunen.“ (Aristoteles)

Weshalb, wieso, warum? – Wer kennt die unermüdlichen Fragen von Kindern nicht? Alles wollen sie wissen, alles hinterfragen sie. Sie sehen die Welt mit neuen und frischen Augen, staunen über Dinge, die uns schon lange selbstverständlich sind. Kinder sind Philosophen der ersten Stunde. Alles ist spannend, weil sie nicht denken, schon alles gesehen zu haben, weil sie nicht glauben, alles bereits zu wissen.

Wann geht das alles verloren? Wo verlieren sich die kindliche Neugier und das Staunen? Und: Was können wir tun, dass das nicht passiert? Denn: Nur wo wir mit frischem Blick auf die Dinge sehen, lernen wir neues. Wie oft gehen wir durch die Welt und glauben, alles zu kennen? Wie wäre es, das einfach mal zu ändern? Wenn wir das nächste Mal durch die Welt laufen, könnten wir alles mit neuen Augen sehen. Wir könnten die Blumen in Nachbars Garten bestaunen, die neuen Triebe an den Ästen des Baumes bemerken, an dem wir vorher achtlos vorüber gegangen sind. Wir könnten bei all den alltäglichen Dingen neue Schönheiten entdecken, die unser Leben bereichern.
Und vielleicht könnten wir auch eine fremde Meinung als solche annehmen und staunen, wie man die Welt auch sehen kann, statt sie gleich zu verurteilen. Und so könnten wir unseren Horizont erweitern. Wie würde sich wohl so die Welt verändern? Und wie wir uns mit ihr?

Die Liebende

Ich denk an dich und sehne mich
Nach deinem Blick und deiner Nähe.
Bist du auch stur und unbeugsam,
bringst mich so oft um den Verstand,
die Liebe wiegt die Schwächen auf
und Eigensinn ist Wesenskern.

Was bleibt ist echt, was zählt ist Wert,
und meine Liebe, du mein Herz,
ist gross und warm und tief.
Ich danke dir für uns’re Zeit
und schreib dir dies Gedicht.

©Sandra Matteotti

3. Mai

„Es ist dein Leben – geh achtsam damit um.“ (Osho)

Wenn Menschen mit Bitten oder Wünschen an uns herantreten, fällt es nicht immer leicht, nein zu sagen. Wir erfüllen ihnen gerne einen Gefallen, helfen gerne, wenn wir können. Nun gibt es aber auch Menschen, die sich nur dann melden, wenn sie etwas brauchen, sonst hört man kaum etwas von ihnen. Sie saugen Energie, ohne etwas zurückzugeben. Sicher soll Hilfe nicht aus dem einzigen Grund einer Gegenerwartung geschehen, aber es ist doch gut, ab und an hinzuschauen, mit wem man sich umgibt und wofür man seine Zeit braucht.

Zeit ist nicht unendlich, wir haben nur dieses eine Leben und sollten es so leben, dass es möglichst viel Freude bringt. Wenn du also wieder einmal das Gefühl hast, zu wenig Zeit für deine wichtigen Dinge oder zu wenig Freude im Leben zu haben, schau, wo deine Zeit hinfliesst. Meist haben wir genügend Zeit, nur nutzen wir sie für die falschen Dinge.

Neue Wege

Einmal gemerkt, was wirklich zählt,
dann weisst du, wonach streben.
Wenn du einsiehst, was dich quält,
gestaltest du dein Leben

fortan ganz anders, deinem Sinn nach,
lässt du Dinge liegen,
an dem, was schon so lang liegt brach,
bleibst du nun nicht mehr kleben.

Das Dasein fordert manchmal Wenden,
zeigt dir Grenzen und was geht,
so mancher Weg muss schlicht verenden,
damit was Sinn macht dann besteht.

Halte nichts fest, lass auch mal los,
du hast dich schlicht verstiegen.
Was auf dich wartet, wird famos,
betraure nicht das Enden.

©Sandra Matteotti

Eva Strittmatter: Werte

Eva Strittmatter 8. Februar 1930 – 3. Januar 2011

Währung

Für alles zahlt man den Gegenpreis:
Für Güte, für Liebe, für Treue.
Dem Leben macht man nichts über sich weis:
Wenn ich nicht den Samen ausstreue,
Aus dem die menschliche Heilpflanze treibt,
Ist Öde um mich und Kälte.
Und was auf Erden von mir wirklich bleibt,
Ist: was ich anderen gelte.*

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Für das Projekt „Lyrische Helfer“ – Gedichte, wie man leben soll

Alles im Leben hat einen Preis und man muss sich immer fragen, ob man bereit ist, den zu zahlen. Zu denken, dass man Dinge einfach umsonst kriegt, greift zu kurz. Drum gilt es, gut zu prüfen, was man wirklich will im Leben, um dann darauf zu setzen. Und das, was ich als meine Werte bestimme, das strahle ich dann nach aussen aus, so wirke und gelte ich.

*zit. nach Eva Strittmatter, Sämtliche Gedichte