Graham Swift: Ein Festtag (Rezension)

Dichtung und Wahrheit

Es war März 1924. Es war nicht Juni, aber es wr ein Tag wie im Juni. Es musste kurz nach zwölf Uhr mittags sein. Ein Fenster stand offen, und er ging unbekleidet durch das sonnendurchströmte Zimmer, sorglos, nackt; er wirkte wie ein Tier. Es war ja sein Zimmer.

SwiftFesttagJane, eine Waise, arbeitet als Dienstmädchen bei einer reichen Familie. Dass sie daneben eine Beziehung zu Paul hat, dem Sohn einer mit ihren Arbeitgebern befreundeten, ebenso wohlhabenden Familie, ist ihr Geheimnis. Sie wird es nie jemandem erzählen. Am 30. März 1924 wird sie das letzte Mal mit Paul zusammen sein, denn Paul heiratet bald standesgemäss. Es ist nochmals eine Chance, für eine kurze Zeit ein Glück zu geniessen, das nachher blosse Erinnerung ist. Danach wird alles anders sein. Wie sehr, ahnt sie mittags um 12 noch nicht, erst gegen Abend ist ihr klar: Es wird nie mehr sein, wie es mal war.

Graham Swift schreibt in einer wunderbar flüssigen, klaren, poetischen Sprache über die Geschichte der jungen Jane, die allein in der Welt, sich ihren Ort darin sucht. Jane ist belesen, tiefgründig. Sie hat ein Faible für Wörter, hinterfragt diese – was läge näher, als dass sie später Schriftstellerin wird? Mit 90 blickt Jane auf ihr Leben zurück und erzählt ihre Geschichte.

Ein Festtag ist ein Buch über die Gesellschaftsverhältnisse im England der 20er Jahre, ein Buch über Literatur, das Schreiben, Wörter. Es ist ein Buch über die Liebe und ein Buch über den Weg einer Frau, die sich ihren Weg von ganz unten nach ganz oben erarbeitet hat. Es ist ein Buch über Geheimnisse und Geschichten, ein Buch darüber, wo Dichtung anfängt und Wahrheit aufhört – und umgekehrt. Es ist ein wunderbares Buch!

Fazit:
Ein wunderbar berührendes, tiefgründiges, poetisches Buch über eine junge Waise, die als alte Schriftstellerin über ihr Leben erzählt. Absolute Leseempfehlung!

Zum Autor und zur Übersetzerin
Graham Swift, geboren 1949 in London, wo er auch heute lebt. Nach dem Studium in Cambridge arbeitete er zunächst als Lehrer. Seit seinem Roman ›Wasserland‹, der mit Jeremy Irons verfilmt wurde, zählt er zu den Stars der britischen Gegenwartsliteratur. ›Letzte Runde‹, wurde 1996 mit dem Man Booker-Prize ausgezeichnet und, hochkarätig besetzt, von Fred Schepisi verfilmt. Zuletzt erschien der hochgelobte Erzählungsband ›England und andere Stories‹. ›Ein Festtag‹, in siebzehn Sprachen übersetzt, wurde enthusiastisch als sein herausragendes Werk gefeiert und auf Anhieb ein internationaler Bestseller.
Susanne Höbel, geboren 1953, lebt in Südengland und arbeitet seit über zwanzig Jahren als Übersetzerin englischer und amerikanischer Literatur.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. August 2004)
Übersetzer: Susanne Höbel
ISBN-Nr.: 3423281103
Preis: EUR 18 / CHF 26.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

F. W. Bernstein: Frische Gedichte (Rezension)

Munter in die Welt gedichtet

Morgenstund
Wolkenballen, tonnenschwer,
schweben himmelhoch.
Nebelkrähen schreien heiser.
Solln se doch.
Nur bitte, wenn’s recht ist, etwas leiser.

Wunderbar satirisch, mit Witz und Humor dichtet sich Bernstein im vorliegenden Gedichtband durch die Welt. Egal, ob es sich um Tiere, das alltägliche Leben, Politik oder Musik handelt, er findet die richtigen Worte und verpackt sie in muntere Reime. Dabei versteigt er sich nie in die Tiefen des zu plakativen Witzes oder gar der Gassenhauer. Stilsicher spielt er die Klaviatur des gepflegten Humors, lässt den Leser schmunzeln.

So nimm denn, Freund, dir dieses Büchlein vor
und überprüfe Inhalt, Ton und Form.
Und wenn’s der Worte wert ist, dann besprich es
als etwas Gutes oder Wunderliches.
[…]

Die Gedichte überzeugen durch einen gekonnten Aufbau, durch zu Musik gewordener Sprache und Rhythmus. Die Frischen Gedichte sind ein Spätwerk, das von Munterkeit nur so strotzt und eines sicher tut: Gute Laune verbreiten.

Fazit:
Humor, Rhythmus und tiefgründige Munterkeit mit satirischem Einschlag. Absolute Leseempfehlung.

Zum Autor
F.W. Bernstein gehört mit Robert Gernhardt, F.K. Waechter, Eckhard Henscheid u.a. zur legendären »Neuen Frankfurter Schule«. Er arbeitete für Pardon und Titanic und als Professor für Karikatur und Bildgeschichte an der HdK Berlin. Er wurde mit dem »Göttinger Elch«, dem »Binding-Kulturpreis« der Stadt Frankfurt, dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor, dem Wilhelm-Busch-Preis und dem Preis für Kunst und Kultur der Hans Platschek Stiftung ausgezeichnet. F.W. Bernstein, alias Fritz Weigle, Jahrgang 1938, lebt mit seiner Familie in Berlin.

Angaben zum Buch:
BernsteinFrischeGedichteTaschenbuch: 208 Seiten
Verlag: Verlag Antje Kunstmann GmbH (15. Februar 2017)
ISBN-Nr: 978-3956141690
Preis: EUR 18/ CHF 26.90
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Limericks – mir war danach

Ich stiess als Kind
auf Limericks
und fand die dann
auch ach so toll.

Nur: Limericks,
die sind vorbei,
da ist man heut
so drüber weg.
Das ist heut halt
nicht mehr ganz hipp,
man wächst ja auch

– und sollte das!!! –

so über sich
hinaus – was sonst.

Das nennt man dann
laut Weitergehn –
und Schritt nach vorn,
so ist das heut.

Ich mache nun
nen Schritt zurück.
Und mach mal so
nen Limerick.
Mir war grad so
genau danach
und es hat sogar
viel Spass gemacht.

(Eine Einleitung – man kann sie singen, wenn man singen kann. Ansonsten liest man sie besser. Auch gerne laut. Wenn man laut lesen kann. Ansonsten lieste man sie besser leise. Zum Schutz. Der Umwelt.)

Et voilà:

Der mallorquinische Vamp
Da war noch die Frau auf Malle,
die hatte ne scharfe Kralle,
die war ganz pink
die war auch flink,
und krallt’ sich die Männer alle.

Der Geniesser
Es gibt diesen Mann aus Bern
den hatten sie alle gern,
er war ganz rund
und pumperlgsund,
er konnt’ sich Genuss nur schlecht verwehr’n.

Beruf und Privatleben sollte man trennen
Kennen’s Frau Horn aus der Pathologie?
Die sagte allen nur immer sie.
Sie hielt halt Distanz
und ging nie zum Tanz.
„Weil irgendwann sezier ich die!“

Namen sind Schall und Rauch
Es war mal ein Kamel im Zoo,
das nannten sie alle nur Boo.
Es hiess eigentlich Fritz,
das ist nun kein Witz,
aber es reimte halt einfach nur so.

Norbert Hummelt: Fegefeuer (Rezension)

Dem eigenen Leben auf der Spur

Ich trug einmal die züge meines vaters, sie waren leicht
zu tragen, ganz ohne gewicht; über die wiesen, bei den
wasserspiegeln, im ersten frühling, an den hellen tagen.
[…]

In seinem neusten Gedichtband ist Norbert Hummelt auf der Reise in seine eigene Vergangenheit. Er durchforstet seine Träume und verhaftet sie in den Realitäten seines Herkunftsortes, er sucht Stellen auf, an denen er als Kind gespielt hat, nimmt Kontakt zu seinem toten Vater auf und wandelt auf den Pfaden vergangener Lieben.

mein leben war zur hälfte schon vorüber
da ging ich einmal durch den dunklen wald
fand den rechten weg so bald nicht wieder.
[…]

HummeltFegefeuerDa es keine verbindlichen Regeln gibt für die Lyrik, ist ein Lyriker in der Pflicht, sein eigenes Regelwerk zu schaffen, sich seine Theorie, wie (s)ein Gedicht zu sein habe, aufzubauen. Wenn man die Entwicklung von Norbert Hummelt sieht, zeigen sich seine selber gesetzten Regeln, sein Anspruch an Dichtung deutlich. Immer aber stellt er die Form in die Pflicht des Inhalts, nie ist etwas einfach beliebig gesetzt, egal ob es sich dabei um Satzzeichen, Gross- oder Kleinschreibung oder auch metrisches Mass handelt.

Stilistisch ist Norbert Hummelt schon lange auf dem Weg der Loslösung des Verses von der Länge der Zeilen. Das Ziel, möglichst gleichlange Zeilen zu bilden, um so einen visuelles Ebenmass zu erzeugen, zeigt sich im vorliegenden Band deutlich. Dass es sich trotz des wie Blocksatz erscheinenden Schriftbildes keinesfalls um Prosa handelt, merkt man spätestens beim lauten Lesen: Wie Musik fliessen die Verse und zeigen: Da hat einer am Rhythmus gefeilt, bis nichts mehr stockte oder holperte – es sei denn, der Inhalt fordert es.

Fazit:
Sprache, die zu Musik wird, Gedichte, die dem Leben nachspüren. Ein wunderbares Buch und eine absolute Leseempfehlung.

Zum Autor
Norbert Hummelt wurde 1962 in Neuss geboren und lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Für seine Gedichte wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Rolf-Dieter-Brinkmann-Preis, dem Mondseer Lyrikpreis und dem Niederrheinischen Literaturpreis. Er übertrug T.S. Eliots Gedichtzyklen „Das öde Land“ und „Vier Quartette“ neu in Deutsche und ist Herausgeber der Gedichte von W.B. Yeats. Bei Luchterhand erschienen seine Gedichtbände „Zeichen im Schnee“ (2001), „Stille Quellen“ (2004), „Totentanz“ (2007) und „Pans Stunde“ (2011) sowie der Essay „Wie Gedichte entstehen“ (mit Klaus Siblewski, 2009).

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag (24. Oktober 2016)
ISBN-Nr: 978-3630875217
Preis: EUR 18/ CHF 26.90
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Ich und das Fernsehprogramm

Da wollte ich mal eine Spielesendung im Schweizer Fernsehen schauen. Der Moderator redete wie ein Buch, ein Gassenhauer folgte dem anderen. Toni war der Gastspieler. Er sagte weniger. Plötzlich sagt doch der Moderator:

Ich muss nun Distanz gewinnen, ich bin schliesslich der Gastgeber, der Moderator, der, der entscheidet.

Ich sitze so da und denke mir so:

What the fuck!!!!!????!!!!

Gut, eigentlich mag ich keine Anglizismen, ich mag es so deutsch. Ich dachte also eher:

WAS SOLL DAS DENN??

Doch irgendwie trifft es das nicht ganz, es war eher so:

SO EIN SCHEISS!!!!

Nur: Scheiss sagt man nicht, das gehört sich nicht. Das mach ich nicht.

Ich ändere in:

Das geht ja gar nicht?!?!?!

Das ist zu flach. Es fehlen grad die Worte, ich glaube, ich habe die Lösung:

Ich schalte um!

Passt. Ich denke:

Super. Geht doch!

Wie weiter?

Wo ich bin
kann ich nicht bleiben.
Was ich muss,
will ich nicht tun.
Was ich kann,
muss ich noch finden,
was ich darf
lässt keine Wahl.

Was ich will,
muss ich noch werden.
Was ich soll,
erdrückt mich oft.
Wer ich bin,
wird einmal sterben.
Was ich weiss,
ist einzig das:

Wo ich bin
kann ich nicht bleiben.

©Sandra Matteotti

Die Pfauen der Grossstadt

Ein Bahnhof in Zürich. Heimreisependler stehen sich die Füsse platt. Es ist heiss, alle schwitzen, alle sind müde. Alle drehen in ihrem Universum. Sie lesen Gratiszeitungen, tippen auf dem Handy, hören Musik. Und mitten drin liegt ein Mann. Einfach so am Boden. Der Kopf ist hochrot, Schweissperlen auf der Stirn. Aber das sehen die anderen nicht. Ihr Blick ist gebannt. Und wenn sie es sehen, dann nur aus den Augenwinkeln, genauer hinzuschauen, erlaubt sich keiner, denn: Würde man sehen, dass er was gesehen hätte, müsste er helfen. Und das scheint keiner zu wollen.

Ein Mann steht auf dem Perron. Auf einem anderen. Er sieht den Liegenden und all die Menschen in ihren eigenen Universen. Er läuft unter den Gleisen durch, kommt zum liegenden Mann. Noch immer liegt er alleine da. Noch immer kümmert sich niemand. Noch immer schaut keiner hin. Schauen alle bemüht weg.

Der Helfer kühlt mit dem vorhandenen Wasser das Gesicht des Liegenden, lagert ihn entsprechend, dann kommt endlich die Bahnpolizei, kurz darauf dann auch der alarmierte Notarzt.

Nun schauen alle hin. Sie verändern sogar die Position, um besser sehen zu können. Schliesslich hat man dann später was zu erzählen. Man war dabei, man war Zeuge. Man wird spannend und kann sich mit einer Situation brüsten. Beim gepflegten Weisswein in der angesagten Gartenbeiz.

So funktioniert das Leben in der heutigen Zeit: Ein Dummer findet sich immer, der rennt, der Rest knüpft sich die Federn ans Hemd.

Für all die, welche keine Federn wollen, sondern als Dumme rennen (ist auch gut für die eigene Fitness):

Sonnenstich: Erste-Hilfe auf einen Blick

  • Wenn der Betroffene noch beweglich ist: an einen kühlen, schattigen Ort bringen
  • Mit leicht erhöhtem Kopf und Oberkörper lagern
  • kalte Umschläge auf Kopf, und Nacken – notfalls auch sachte Wasser an die Stellen giessen
  • Nicht allein lassen und beruhigen
  • Wenn kein Brechreiz besteht, langsam Flüssigkeit zuführen

Lebenssuppe

Wenn Tränen fliessen,
sich ergiessen
Bäche werden
in der Wanne des Lebens,
als Badesalz,
das in die Wunden
sich streut.

Wenn man platt
vom Leben gewalzt
am Boden liegt
und nur noch ein Wort
im Sinn ist:
flundernplatt.

Ist doch oft das Leben
der beste Lehrmeister
gerade dann,
wenn es ist, wie man es
nicht haben will.

©Sandra Matteotti

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2017_25-17_2_zwei

Für die abc.etüden, Woche 25.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Elke (elke-boehm.de) und lauten: Badesalz, flundernplatt, Lehrmeister.

Der Ursprungspost: HIER

Franz Hohler: Alt? (Rezension)

Einsichten beim Älterwerden

Täuscht du dich
oder zittert manchmal
die Hand ein bisschen
wenn du den Suppenlöffel hältst?
[…]

HohlerAltNachdem Franz Hohler vor 30 Jahren seinen ersten Gedichtband veröffentlichte mit dem Titel Vierzig vorbei, wendet er sich nun – aus gegebenem Anlass wohl – dem Thema zu, welches in der Prosa-Literatur eher ein Tabu ist: dem Älterwerden. Die Dichter befassen sich mehr damit.

Ob gereimt oder in lyrischer Prosa, immer bringt bringt Hohler die Dinge auf den Punkt. Die Verse erscheinen, als ob sie ihm einfach aus der Feder geflossen wären, so locker und leicht lesen sie sich, lassen sie sich laut vorlesen. Mal schaut Franz Hohler genau hin, nennt die Dinge beim Namen, mal verpackt er sie in Bilder, die dem so gern gemiedenen Thema Würde und Schönheit geben.

Da wirbeln sie
braun und vertrocknet
über die Dächer
drehen sich tanzend
[…]

Zwar ist das Bild des welkenden Blattes nicht neu, viele Dichter haben es verwendet, um das Alter zu beschreiben, trotzdem wirkt es nicht verbraucht oder zu herkömmlich. Eine wunderbare Melancholie zieht sich durch die Gedichte, nicht ohne dabei den Witz zu vergessen. Fragen werden gestellt und geschaut, was sein könnte, hätte sein können und noch ist. Das alles passiert in verschiedenen Sprachen: Deutsch, Französisch, Mundart, Englisch und sogar Altgriechisch – Ein wunderbares Potpourri.

Fazit:
Melancholie nicht ohne Heiterkeit, offengelegte und auf den Punkt gebrachte Einsichten zum Älterwerden, Tiefgang in Versform – ein wunderbares Buch. Absolute Leseempfehlung!

Zum Autor
Franz Hohler wurde 1943 in Biel, Schweiz, geboren, er lebt heute in Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Erzähler seines Landes. Hohler ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Alice-Salomon-Preis und den Johann-Peter-Hebel-Preis. Sein Werk erscheint seit über vierzig Jahren im Luchterhand Verlag.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag (27. Februar 2017)
ISBN-Nr: 978-3630875446
Preis: EUR 16/ CHF 23.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

#abcliteraturchallenge – Runde 2

img_2432Ich habe ja vor einiger Zeit auf Instagram eine #abcliteraturchallenge gemacht, daraus entstand dieser Artikel: HIER

Gerade lief die zweite Runde aus, dieses waren die Bücher, die ich auswählte:

A: Hannah Arendt: Denktagebücher
Nirgendwo taucht man so tief in ihr Denken, in ihren Arbeitsprozess, in ihr Dichten auch ein wie hier. Und man lernt unglaublich viel kennen und wird auch selber immer wieder zum Denken angeregt!

B: Gottfried Benn: Gedichte
Ein vielseitiger, tiefgründiger Dichter, welcher wie kein anderer Tabuthemen wie Krankheit, Verwesung und Tod aufgriff, aber auch in ehrlichen, poetischen Versen voller Melancholie und Feingefühl. Der Band enthält seine Gedichte von den frühen bis zu den späten und lässt so gut die Entwicklung Benns erkennen, sowohl inhaltlich wie auch sprachlich und formal.

C: J. M. Coetzee: Die jungen Jahre
Autobiographie, Künstlerroman und Zeugnis einer Zeit und eines Zeitgefühls. Die Suche nach dem eigenen Platz in dieser Welt beschrieben in einer oft poetisch anmutenden Sprache. Sehr berührend!

D: Friedrich Dürrenmatt: Stoffe I-III und IV-IX
Mein Lieblingsschweizer mit Humor, Biss und Tiefgang liefert hier eine Art poetischer Autobiografie, die zugleich beispielhaft für sein philosophisches Denken und seinen scharfen Blick auf sich und vor allem die Welt ist.

E: T. S. Eliot: Gesammelte Gedichte
„Ich verbrachte mein Leben mit Versuchen, mich selbst zu vergessen. Versuchen, mich mit der Rolle zu identifizieren, die ich mir gewählt hatte.“ Das lässt Eliot seinen Lord Claverton sagen und es steckt nur schon in diesen zwei Versen unglaublich viel drin: über sein Denken, seine Zeit, den Menschen generell in seinem täglichen Tun. Berühmt wurde Eliot vor allem für „The Waste Land“, aber auch seine übrigen Gedichte sind sehr zu empfehlen.

F: Claire Fuller: Eine englische Ehe
„Was ich wirklich liebe: Wie wir damals waren und wie wir hätten werden können.“ Ein wunderbares Buch über die Liebe, über Träume, Verletzungen, das Älterwerden, Hoffnung und vieles mehr. Für mich das grosse Highlight unter den Neuerscheinungen.

G: Françoise Gilot: Mein Leben mit Picasso
Françoise Gilot schreibt über ihre Zeit an der Seite des wohl grössten Künstlers: Pablo Picasso. Eine wunderschöne Liebesgeschichte, die aber für beide Seiten auch schmerzhaft war. Zudem die Geschichte einer starken Frau.

H: Patricia Highsmith: Ediths Tagebuch
Ediths Tagebuch handelt von der Sehnsucht einer Frau nach einem harmonischen Familienleben, allerdings sitzt dieselbe in der amerikanischen Pampa, wird vom Mann betrogen, dessen Onkel sie dafür pflegen soll und kämpft mit einem egoistischen Sohn. Um der Öde zu entkommen, schreibt sie von ihrem imaginären Wunschleben in ihr Tagebuch.

I: Kazuo Ishiguro: Die Ungetrösteten
Die Geschichte eines Konzertpianisten, der von verschiedenen Menschen um Gefallen gebeten wird und darüber sein eigenes Leben mehr und mehr aus den Augen verliert.

J: Uwe Johnson: Die Mutmassungen über Jakob
Ein Buch über den Tod von Jakob Ab: Wie kam er, der ins Visier der Staatssicherheit gekommen war, ums Leben? War es Mord, Selbstmord oder ein Unfall? Ein Roman über die Suche nach Wahrheit , ein Roman auch über die Verhimg_2387ältnisse in der DDR.

K: Franz Kafka: Das Schloss
Das Schreiben sollte für ihn therapeutische Wirkung haben, er litt unter psychischen Problemen und wollte sich quasi auf einen friedlichen Tod hinschreiben, zu gross war in ihm die Vorstellung eines baldigen Endes. Entstanden ist ein skurriler, grotesker Roman, ein Meisterwerk der Literatur.

L: Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
Es gibt wohl kaum einen liebenswürdigeren Protagonisten als Atticus Finch. Die Geschichte eines liebevollen Vaters, der seinen Kindern die Werte des friedlichen Miteinanders vorlebt, der einsteht für seine Überzeugungen und sich einsetzt im Kampf gegen Rassismus und Ungerechtigkeit. Ein Mensch mit dem Herzen auf dem richtigen Fleck. Eigentlich müsste das Buch Pflichtlektüre sein, es schlägt alle langatmigen philosophischen Abhandlungen über Sitte und Moral auf wunderbare Weise. Toll übrigens auch die gelungene Verfilmung mit Gregory Peck.

M: Heinrich Mann: Professor Unrat
Die Tyrannei des kleinen Mannes, erzählt als eine makabre Groteske.

N: Friedrich Nietzsche
Keine leichte Kost. Für einmal kein theoretisches Buch, Nietzsche schreibt in hymnischer Prosa über den Denker Zarathustra und legt diesem eigentlich die eigene Philosophie in den Mund. Dabei hält er die zeitgenössische Leserschaft für dem Werk nicht gewachsen, weswegen er es auch ein Buch für Alle und Keinen nennt.

O: Lori Ostlund: Das Leben ist ein merkwürdiger Ort
Die Geschichte von Aaron Englund, der nach vielen Jahren Beziehung und 149 Einträgen in seinem persönlichen Klagenkatalog beschliesst, nochmals neu anzufangen und sein Leben hinter sich zu lassen. Er fährt nach San Francisco, findet einen Job sowie eine neue Unterkunft und merkt dann, dass er etwas mitgenommen hat: seine Vergangenheit in Form von vielen Erinnerungen.

Sylvia Plath: Die Tagebücher
Die Tagebücher einer sensiblen, melancholischen, mit sich unbarmherzigen, intensiven, zerrissenen, nach Anerkennung dürstenden Dichterin.

Q musste leider ausfallen

img_2439R: Rainer Maria Rilke: Gesammelte Gedichte
Das ist eines der Bücher für die berühmte einsame Insel für mich. Dadurch, dass von den frühen bis zu den späten Gedichten alle da sind, kann man Rilkes Entwicklung als Dichter schön nachvollziehen. Der eher schwülstig flache Jungdichter entwickelt eine Sprachprägnanz und Bildkraft, arbeitet mit Rhythmus und Enjambements mit einem Können , das seinesgleichen sucht. Ich habe mich wohl grad als Fan geoutet.

S: Arthur Schnitzer: Der Weg ins Freie
Eine Geschichte über die Liebe, das Streben nach Freiheit, Ausbrüche und Lebenslügen. „Ungetrübte Erinnerungen bewahren wir doch nur an versäumte Gelegenheiten.“

img_2474T: George Tabori – verschiedene Werke
Mein T widmete ich einem Autoren, nicht einem seiner Werke: George Tabori, der sich in seinen Werken mit Themen wie Rassismus und Diskriminierung auseinandersetzte, der unermüdlich die Gräueltaten, die Menschen einander antun und vor allem im Zweiten Weltkrieg angetan haben (Taboris Vater starb in Auschwitz), thematisierte.

Das eine U, das in meinem Regal steht, brachte ich schon letztes Mal, so dass das U dieses Mal ausfallen musste.

V: Voltaire: Über die Toleranz
Dass das Buch aktueller denn je ist, zeigt das Zitat: „Was soll man einem Menschen entgegenhalten, der sagt, er wolle lieber Gott als den Menschen gehorchen, und daher überzeugt ist, in den Himmel zu kommen, wenn er einem den Hals abschneidet?“

img_2488W: Oscar Wilde: Bunbury
Wildes letzte Komödie handelt von Dandys und Liebeleien, kommt in locker-flockigem Stil mit viel Humor daher und ist doch bitterböse Gesellschaftskritik.

Mit dem X ist es jedes Mal dasselbe: Ich habe keines.

Y: Irvin D. Yalom: Die Liebe und ihr Henker
Yalom plaudert aus dem Nähkästchen der Psyhoanalyse, entstanden sind unterhaltsame Geschichten rund um die Menschen, ihre Beziehungen, Sorgen und Absurditäten.

Z: Emile Zola: Das Kunstwerk
Zola beschreibt einen an sich selber verzweifelnden Künstler, der schliesslich nur einen heilsamen Weg sieht: Selbstmord.

Es war eine schöne Runde, ich glaube, ich mache wohl noch eine Runde, dann werde ich aber die Titel dem ABC entlang laufen lassen. Start ist am 1. Juli, vielleicht macht jemand auf Instagram mit?

Musik und das Leben

Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.

Der Ausspruch stammt von Nietzsche. Nun kann man sagen, das sei bloss ein irrer Philosoph gewesen, der am Schluss seinem Wahnsinn erlegen ist. Nur: Ich denke, er hat ganz viel ganz klar gesehen. Wohl zu klar. Mitunter kann man auch an der klaren Sicht, die anderen vernebelt ist, verzweifelt. Viele kennen das aus Situationen, wenn sie sich im Streit unverstanden fühlen. Statt Nietzsche einen Irren zu schimpfen können sie im nächsten Streit sagen:

Schon Nietzsche wusste von meinem Leiden.

Aber von vorne:

Ich liebte – man glaubte es kaum, wüsste man, dass ich um eine absolut unmusikalische Mutter aufgewachsen bin – Musik schon immer. (Nun gut, die besagte Mutter las auch kein Buch lief aber unermüdlich mit mir zur Bibliothek und hat mich so mit der wohl prägendsten Sache infiziert: Literatur) Ich war die, welche irgendwo irgendwas aufschnappte und das haben wollte. Sie beauftragte den Papa und der zog los. Durch alle Geschäfte der (nicht gar so grossen, aber immerhin damals auf siebter Stelle im helvetischen System rangierenden) Stadt. Auskunft war immer: Das hört hier noch keiner, oder: das hört hier keiner mehr. Ich war immer ausserhalb von Zeit und Raum.

Ich könnte nun noch anfügen, wie mein Papa die unmusikalische Mutter damals erobert hatte: Er zog von Diskothek zu Diskothek und sang denen ein Lied vor, das seiner Angebeteten ach so gefiel, um diese dann mit der Platte zu überraschen. Ob er gut sang, sei dahin gestellt, nur: Welche Frau würde sich so einen Einsatz nicht wünschen? Er hatte es gefunden. Ich füge das nun nicht an, es würde zu weit führen, wenn es auch erklären könnte, wieso ich exakt ihn engagierte, meine Musikwünsche heimzubringen (die eigene Bequemlichkeit kehre ich mal ganz unter den Teppich).

Langer Rede kurzer Sinn: Irgendwann war das besagte Album bei mir zu Hause. Zuerst auf Vinyl, dann auf CD. Meist gefiel das eine Lied, weswegen man das Album haben wollte, der Rest war so „na ja“. Klar gab es Sampler, die beherbergten dann viele tolle Lieder. Nur: Die waren nie alle dem Geschmack entsprechend. Also auch mehrheitlich „na ja“. Weil man die Künstleralben schon mal hatte, hörte man sie auch. Wir hatten nicht so viel, es ist lange her. Und irgendwann erschloss sich meist auch der Sinn in den weniger eingängigen Stücken. Und nicht selten war plötzlich ein ganz anderes Lied Liebling auf einem Album, welches wir nur wegen eines Liedes gekauft hatten.

Zwischendurch hörte man Radio. Daher hatte man ja all die Lieder, die es nicht oder nicht mehr gab – ab und an auch von obskuren Bekanntschaften oder aus Diskos, Filmen oder mehr…. Das ist heute obsolet. Wir haben Spotify. Da kann man suchen, was man will und findet es. Man dreht musikalisch im immer gleichen Universum. Am Anfang nur ansatzweise, weil man reinträgt, was man irgendwo hörte. Bald schon schlägt einem Spotify vor, was einem gefallen könnte. Spotify packt das gar in einen Mix der Woche. Da klingen dann alle Lieder so wie das, was man oft hörte. Und klar gefällt es, man hätte das andere sonst nicht gehört. Wenn man ein wenig Musikvergangenheit hat, kennt man auch alles Vorgeschlagene. Und man hat nie mehr das Bedürfnis, weiter zu suchen, denn: Man kriegt geliefert, was gefällt. Was will man mehr? Man dreht im eigenen Universum, man muss nie mehr raus. Man muss nicht suchen, nicht Neues entdecken. Da ist ein Dienst, der einem sagt, was zu einem passt.

So funktioniert wohl bald das ganze Leben. Nicht nur in der Musik.

Annette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche

Ein Sittengemälde aus dem gebirgigen Westfalen

Inhalt

Friedrich Mergel startet alles andere als gut ins Leben: Der Vater ein Säufer, die Mutter – schön, stolz und fromm – ist nach dem Tod ihres Mannes mit allem überfordert und mausarm, so dass er schon früh die Härte des Lebens kennenlernt. Durch seinen Onkel wird er zudem in unlautere Machenschaften verwickelt. Bei dieser Vorgeschichte ist es kaum verwunderlich, dass der Verdacht auf ihn fällt, als die Leiche des ermordeten Juden Aaron gefunden wird.

Friedrich Mergel kommt als Sohn des Säufers Friedrich Mergel und der stolzen und schönen Margret Semmler in einem kleinen westfälischen Dorf auf die Welt. Schon früh nimmt sein Leben einen schwierigen Gang, sein Vater stirbt, als Friedrich neun Jahre alt ist, Armut ist das Los von Friedrich und seiner Mutter. Friedrich arbeitet als Kuhhirt, bis ihn sein Onkel Simon Semmler unter die Fittiche nimmt und ihm durch dunkle Geschäfte zu etwas Geld verhilft. Bei seinem Onkel lernt er auch dessen unehelichen Sohn, den Schweinehirten Johannes Niemand kennen, die zwei werden unzertrennlich.

Friedrich ist Teil der sogenannten Blaukitte,, welche im Dorf immer wieder Holz stehlen. Als bei einem solchen Vorfall der Oberförster Brandis zu Tod kommt (Friedrich hat durch einen warnenden Pfiff an seine Mitganoven eine Teilschuld), meldet sich Friedrichs Gewissen – doch die Geschichte lässt sich nicht mehr drehen, das Unheil nimmt seinen Lauf, Friedrich kann den Pfad von Gewalt und Vergehen nicht mehr verlassen.

Auf einer Hochzeitsfeier wird Friedrich vom Juden Aaron gedemütigt, kurz darauf findet man dessen Leiche im Brederwald unter einer Buche. Der Verdacht fällt auf Friedrich, welcher zusammen mit Johannes Niemand flieht. Zwar gesteht kurze Zeit darauf jemand anderes den Mord, Friedrich bleibt aber verschwunden. Erst nach 28 Jahren, die Tat ist mittlerweile verjährt, kehrt Friedrich heruntergekommen und verkrüppelt zurück – er ist unterzwischen in türkischer Gefangenschaft gewesen – und bestreitet fortan einen kargen Lebensunterhalt durch Botengänge. Hartnäckig meidet er den Brederwald, welcher ihn aber doch immer anzieht. Schliesslich erhängt er sich an der Buche, unter welcher Aaron damals (von ihm) ermordet gefunden worden ist.

Wenn du dich diesem Orte nahest, so wird es dir ergehen, wie du mir getan hast.

Entstehung

Die Novelle von Annette von Droste-Hülshoff ist 1842 im Cotta’schen Morgenblatt für gebildete Leser erschienen. Sie beruht auf einer wahren Gegebenheit, von welcher die Autorin seit ihren Kindertagen durch Erzählungen Kenntnis hatte. Ihr Onkel August von Haxthausen hatte seinerseits die ganze Ursprungsgeschichte anhand von Gerichtsakten aufgezeichnet und sie unter dem Titel Geschichte eines Algier Sklaven veröffentlicht. In Die Judenbuche erfand Annette von Droste-Hülshoff quasi eine Vorgeschichte zu dieser wahren Geschichte.

Zum Werk

In ihrer Novelle gelingt es Annette von Droste-Hülshoff, begangenes Unrecht als eine Folge der Verhältnisse in der Gesellschaft darzustellen. Sie beschreibt diese Gesellschaft selber dadurch als problematisch, als

die Begriffe von Recht und Unrecht einigermassen in Verwirrung geraten waren.

Neben dem eigentlichen Recht hat sich ein zweites, von den Mitgliedern der Gesellschaft selber bestimmtes eingebürgert, welches sich in der öffentlich geäusserten Meinung niederschlug und durch entsprechendes Verhalten oder Nicht-Verhalten Vergehen gegen so gedachte Ordnungen ahndete – oder ignorierte.

es hatte sich neben dem gesetzlichen ein zweites Recht gebildet, ein Recht der öffentlichen Meinung, der Gewohnheit und der durch Vernachlässigung entstandenen Verjährung.

Droste-Hülshoff legt diese Mechanismen anhand des Einzelschicksals von Friedrich Mergel dar, welcher schon von Geburt kaum eine Chance auf ein erfolgreiches Leben hat, sein Schicksal wird ihm quasi in die Wiege gelegt dadurch, dass schon der Vater ein „gänzlich verkommenes Subjekt“ ist.

Die Natur fungiert in dieser in einem westfälischen Dorf spielenden Geschichte als Zeuge und Richter. Alles, was passiert, geschieht im Brederwald, der Tod von Friedrichs Vater, der von Förster Brandis sowie der spätere Mord an Aaron in der Nähe der Buche, die so zum Dingsymbol für das Unheil wird. An dieser Buche erhängt sich schliesslich Friedrich auch, als er mit der auf sich geladenen Schuld nicht mehr umgehen kann. Damit erfüllt er den Spruch, der als Mahnung an den Judenmord 28 Jahre zuvor in die Rinde geschnitzt worden war:

Wenn du dich diesem Orte nahest, so wird es dir ergehen, wie du mir getan hast.

Annette von Droste-Hülshoff

Annette von Droste-Hülshoff wurde 1797 bei Münster geboren und zeigte schon früh literarisches Talent. Neben dem beschaulichen Leben im Münsterland reiste sie gern und viel, nach der Hochzeit ihrer Schwester und deren Wegzug nach Meersburg am Bodensee bevorzugt dahin, so dass sie den Ort bald als zweite Heimat erlebte und 1844 vor Ort auch selber ein Haus erwarb, wo sie ab 1846 ganz wohnen blieb und 1848 starb.

Bittersüsses Leben

Gefangen im dunklen Bunker der Ängste
krebs’ ich zurück und decke mich zu.
Was hier eingestürzt ist die längste
Zeit, machte so müde, nun such ich nur Ruh.

Träume vom Leben mit Farben und Sommer
blüten, so süss und so fein.
Es ist oft einfach Wunsch nur, ein frommer,
und doch kann’s so ab und an sein.

So ist wohl das Leben denn mitunter bitter
und süss auch mit Sonne, Gewitter
Wolken, die ziehen – und dann kommt der Knall.

Ich stelle mir vor, sie wären nur Decken, die
einhüllen, schützen, dass von den Blüten sie
Erinnerung sind, ein Nachhall.

©Sandra Matteotti

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2017_24-17_3_drei

Für die abc.etüden, Woche 24.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Sabine Wortgeflumsel (wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com) und lauten: Bunker, Sommerblüten, bittersüss.

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