Felix Scheinberger wurde 1969 in Frankfurt am Main geboren. Schlagzeug war ihm wichtiger als Schule, statt Abi zu machen spielte er bis zum 22. Lebensjahr in Punkbands. Die Begabtenprüfung wurde seine Eintrittskarte an die FH für Gestaltung in Hamburg, wo er Illustration studierte und anschließend nahtlos in die Selbstständigkeit startete.In den letzten zehn Jahren hat er über 50 Bücher illustriert, regelmäßig für angesehene Zeitungen gearbeitet, Preise gesammelt, in Mainz, Hamburg und Jerusalem gelehrt und durch seine Lehrbücher reihenweise Kreative den Zeichenstift und den Wasserfarbkasten wieder entdecken lassen. Felix Scheinberger war von 2010 -12 Stellvertretender Vorsitzender der IO – Illustratoren Organisation, des Berufsverbandes deutschsprachiger Illustratoren. Seit 2012 ist er Professor für Illustration an der Fachhochschule Münster.
Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?
Ich war das Kind, das sich für Dinosaurier interessierte, das Star Wars-Sammelbildchen und Steine sammelte, das Gruselgeschichten las und für die Sportfischerprüfung lernte. Das Dampfnudeln und Bienenstich liebte, im Wald Hütten baute und das später mal Forscher werden wollte. Und ja klar, ich habe auch gezeichnet. Aber wohl eher eben „auch“.
Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?
Ich habe einen Onkel, der eigentlich schon immer ein großer Freund schöner Bücher war. Und dieser Onkel schenkte mir jede Weihnachten einen Stapel Bücher der Büchergilde Gutenberg, deren Mitglied er seit Jahren war. Das bedeutete, dass ich nicht irgendwelche Bücher bekam, sondern Bücher, die auch „gut gemacht“ waren: mit zeitgemäßem Grafik-Design, festen Einbänden und natürlich fantastischen Illustrationen. (Illustrierte Bücher waren auch früher schon keine Selbstverständlichkeit und gerade die Büchergilde stand in den siebziger Jahren für feinste Buchkunst). Über diesen Weg lernte ich schon früh Illustratoren wie Tomi Ungerer, Ralph Steadman oder Horst Janßen kennen. Ich glaube, diese Bücher haben mich nachhaltig geprägt und sie hatten keinen geringen Anteil daran, dass ich in Hamburg Illustration studierte.
Was macht einen guten Illustratoren aus?
Von einem Illustrator erwartet man in der Praxis tatsächlich nicht wenig: Er muss Gestalter, Künstler, Designer und Manager in einer Person zu sein, Er muss sein Handwerk beherrschen, Geschmack haben und einen unverwechselbaren Stil sein Eigen nennen. Dazu kommt, dass er ja nicht nur umsetzten soll, was andere sich ausdenken, er soll auch selbst kreativ sein und im Handumdrehen Ideen, visuelle Sprachen und pfiffige Bildlösungen kreieren. Darüber hinaus muss er natürlich das gesamte grafische Vokabular vom Layout bis hin zur Druckvorstufe beherrschen und selbstredend „in time“ liefern. Dazu kommt, dass er sich selbst vermarkten muss (immerhin sind nach einer neuen Umfrage der Illustratoren Organisation nur weniger als 2% der deutschen Illustratoren festangestellt). Er muss Kunden akquirieren und das Einmaleins des Freiberuflertums von der Buchhaltung bis zum Zeitmanagement spielend beherrschen. Kurzum: Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, zumindest sofern man sie wörtlich nimmt.
Ich würde sagen, es kommt auf eine Mischung an: Primär muss man gute Ideen haben & Illustration lieben, aber man muss auch in Lage sein, sich zu vermarkten.
Ist Illustration Kunst oder Handwerk?
Illustration ist ganz klar Kunst oder kann zumindest ganz klar Kunst sein.
Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?
Ich denke, dass sie den Beruf an sich eher beflügelt haben. Allerdings haben sie die Branche tiefgreifend verändert. Das Problem an den neuen Medien ist in der Tat, dass sie Teile der Arbeitsschritte in der Illustration automatisiert haben, die noch vor einer Generation von Hand gemacht wurden. Das bringt Gutes wie Schlechtes mit sich. Gutes, weil sie uns eher langweilige Teile der Arbeit abgenommen haben, Schlechtes, weil Sie insgesamt das Mittelmaß befördern (das gilt jedoch für das gesamte grafische Gewerbe). Gestaltung ist ja nicht nur Inspiration, sie ist auch Handwerk. Der digitale Umgang mit ihr befördert eben auch jedweden gestalterischen Bluff, wenn man im Handumdrehen scheinbar praktikable Ergebnisse generieren kann, ohne gestalterische Basics zu beherrschen.
Was zeichnet Ihren Stil aus?
Das ist schwer zu beantworten. Sich selbst gegenüber ist man ja immer etwas „betriebsblind“. Ich glaube, ich mag einfach Zeichnungen. Ich arbeite fast immer aus der Linie heraus und koloriere hinterher mit Wasserfarben (und manchmal mit Buntstiften oder Collageschnipseln aus buntem Papier.) Kurz gesagt sehe ich mich selbst deshalb vor allem als Zeichner.
Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?
Zeichnung und Aquarell. Am liebsten direkt „vor Ort“ in ein Skizzenbuch gemalt.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Das ist sehr unterschiedlich. Ich unterrichte ja noch an der FH Münster Illustration. Deshalb ist meine Woche eigentlich immer in zwei Hälften zerschnitten. In der einen Hälfte sitze ich in Berlin am Schreibtisch und in der anderen bemühe ich mich, unseren Studierenden Zeichnung und Illustration nahezubringen.
Ich hörte mal, der grösste Feind des Künstlers sei nicht mangelndes Talent, sondern die Störung durch andere Menschen. Brauchen Sie zum Arbeiten Stille und Einsamkeit, oder stören Sie andere Menschen nicht?
Nein ☺
Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?
In der Regel habe ich gleich ein paar Visionen im Kopf – und in der Regel erweisen sich diese dann beim genauen Hinsehen (und aufzeichnen) als ziemlicher Mumpitz. Tatsächlich kommen mir die besten Ideen beim Weiterverarbeiten von schlechteren Ideen. Ich bin da ein großer Freund vom „machen“. Ich zeichnen einfach los und entwickele nach und nach ( und ebnen auch über -oft notwendige- schlechtere Zwischenschritte) bessere Ideen. Ich habe festgestellt, dass ich meistens nur meine Zeit verschwende , wenn ich darauf warte , dass mich die Muse küsst. Drum: Ich nehme einfach ein Schmierpapier und zeichne los.
Wenn sie an Ihre vergangenen Arbeiten denken: Gibt es ein Projekt, das Sie als Ihr Lieblingsprojekt bezeichnen würden? Wenn ja: Welches, und wieso?
Ich habe vor ein paar Jahren ein Buch mit Skizzen aus dem Berliner Nachtleben veröffentlicht, mit Zeichnungen von Orten an denen fotografieren explizit verboten ist. Ich mochte den Gedanken etwas zeichnerisch zu dokumentieren was eben nur zeichnerisch zu dokumentieren ist. Aus Clubs, aus Techno Parties aus explizit sexuellen Zusammenhängen. Und ich mag den Effekt, dass dies durch Zeichnung greifbar wird ohne die Protagonisten bloss zu stellen.
Welches Projekt würden Sie einem Leser gerne vorstellen?
Ich würde gerne mein neuestes Buch vorstellen. Mein Mix-Max Kochbuch. Ein Buch dessen Idee ich sehr mag. Es ist kein „normales“ Kochbuch das einem Rezepte vorschreibt und in dem Kochen einfach das Abarbeiten von Einkaufslisten darstellt. Das Mix Max Kochbuch hilft einem wirklich kreativ zu sein. Ich habe mir die Idee zusammen mit meiner Freundin Doro einfallen lassen, und ich glaube, es ist wirklich etwas neues und hilft allen, die wirklich Kochen lernen wollen, indem es spielerisch die Möglichkeiten aufzeigt, die unterschiedliche Zutatenkombinationen bieten.
Ein kleiner Blick ins Buch:
Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?
Ich mag Illustration und deshalb mag ich auch die Menschen, die sie machen. Die meisten meiner Freunde haben mit Gestaltung oder Illustration zu tun und ich empfände mein Leben als ärmer, wenn ich mich nicht immer wieder mit Gleichgesinnten treffen und über unsere Kunst unterhalten könnte. Ich glaube tatsächlich, dass wir nur gemeinsam die Situation der Illustratoren verbessern können. Deshalb war ich auch lange im Vorstand der IO Illustratoren Organisation aktiv. Ich glaube zudem, dass das Kontraproduktivste, was man in einer wirtschaftlich schwierigen Situation entwickeln kann, Konkurrenzdenken ist. Im Gegenteil ist es die Solidarität, die uns stark macht.
Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?
In einem Satz? Man sollte kreativ, fleißig und mutig sein.
Welchen Illustrator oder Künstler soll ich hier noch vorstellen?
So wie das Jahresende oft zu Rückblicken und Bilanzen anregt, steht das neue für Anfänge und Neues – und beides geht meist Hand in Hand. So auch bei mir in Bezug auf meinen Blog. Ich habe schon letztes Jahr damit begonnen, meine Blogs zusammenzuziehen und mich auf einen Blog zu konzentrieren: Denkzeiten. Für dieses Jahr habe ich neue Ideen für Inhalte, schon Bestehendes wird ausgebaut, etwas in Vergessenheit geratenes wird wieder belebt, Neues kommt dazu.
Bleiben werden die leisen Poesien und auch die eigenen Gedichte. Ebenso wird es weiter schräge Vögel und andere Illustrationen (auch mit Geschichten, Gedichten) geben. Die Interviews werden regelmässiger erscheinen, Buchtipps möchte ich wieder vermehrt im Blog besprechen und neu: Jeden Freitag möchte ich einen Beitrag mit fünf Dingen publizieren, die mich in dieser Woche inspiriert/beeindruckt/bewegt haben. Damit fange ich nun heute schon an, ausnahmsweise an einem Sonntag.
„Sie sind zwar nicht immer ihres Glückes Schmied, aber noch weniger sind sie NUR Opfer der Umstände.“
Der Film „Werk ohne Autor“ hat mich bewegt, beeindruckt und zum Nachdenken angeregt. Das Schicksal des Protagonisten Kurt Barnert, welches in jungen Jahren massgeblich durch das Nazi-Reme geprägt und belastet war hat ganz viele Fragen in den Raum gestellt, über die ich schon lange nachdenke und es auch weiter tun werde. Der Film ist übrigens angelehnt an die Biographie von Gerhard Richter, den ich als grossartigen und tiefgründigen Künstler sehr schätze.
Dann liess ich mir das Buch von Wilhelm Schmid vorlesen „Unglücklich sein. Eine Ermutigung“ (zu finden auf Spotify). Schmid sieht darin das permanente Streben nach Glück als Weg zum Unglück. Das Leben, so Schmid, besteht nicht nur aus Schönem und Glücklichem, auch das Negative gehört dazu. Wären die Menschen ihr Leben lang nur glücklich gewesen, so Schmid, sässen sie noch heute auf den Bäumen. Dass Auch aus Negativem etwas wachsen kann – mehrheitlich sogar mehr als aus dem Positiven – ist nicht neu, aber es ist immer wieder heilsam, es zu hören und zu verinnerlichen.
Zu guter letzt folgt noch ein einzelnes Zitat:
„Du selbst zu sein in einer Welt, die dich ständig anders haben will, ist die grösste Leistung.“ (Ralph Waldo Emerson)
Ich wünsche mir, diese Leistung so oft wie möglich erbringen zu können.
Ich hoffe, es ist etwas für euch dabei! Vielleicht mögt ihr mir schreiben, was euch so inspiriert hat letzte Woche?
Saskia Wragge, geb. 1989 im Sauerland, lebt und arbeitet als Illustratorin in Köln. Sie hat an der ecosign Akademie für Gestaltung bei Boris Servais, Leo Leowald und Ivo Ringe Illustration studiert. Sie bebildert Romane und Magazine und vieles mehr.
Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat? So könnte man es ausdrücken. Eine Freundin, die ich schon seit Grundschulzeiten kenne, sagt immer „Gebt ihr bloß keinen Stift in die Hand, sie hört nie wieder auf!“
Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus? Nach der Schule wollte ich Kunst studieren und in der Reihe meiner Bewerbungen, wurde ich dann an der ecosign/ Akademie für Gestaltung angenommen, wo ich zunächst Illustration und Typographie studierte, mich dann aber relativ schnell auf Illustration spezialisierte.
Ist eine Ausbildung zum Illustratoren unabdingbar oder lernt man Illustration eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen? Ich finde, dass das zwei sehr verschiedene Fragen sind. Zum Thema Talent: Ich bin der Meinung, dass einem nichts in die Wiege gelegt ist und man kann es einfach. Sicher fällt jedem Menschen das Lernen von Irgendetwas leichter als anderen. Das ist dann Talent. Aber auch da muss man daran arbeiten, um es auszubauen.
Zum Thema Ausbildung oder Autodidakt: Ich glaube, dass Menschen viel ohne Ausbildung lernen können, zumal es abgesehen von Lehrbüchern ja heute etwas wie „Unterrichtsstunden“ durch Youtube-Videos gibt. Ob in einer gesteuerten Ausbildung oder als Autodidakt, wichtig ist bei beidem das regelmäßige Üben, um Fortschritte zu erzielen. Der Vorteil bei einer Ausbildung ist aber, dass die Ausbilder einem selbst – zumindest am Anfang – einiges voraus haben und sehen können, in welche Richtung man arbeiten sollte oder wo man noch optimieren kann. Eine geführte Ausbildung kann dabei helfen, nicht unkoordiniert in alle Richtungen zu Strampeln.
Was macht einen guten Illustratoren aus? Ein guter Illustrator muss verstehen, worum es in einem Text, in der Musik, oder was immer er illustrieren soll, geht. Bei einem Roman beispielsweise ist es wichtig, dass man nicht nur die Sachebene erfasst, sondern sein Augenmerk auch auf den Erzählstil des Autors legt. Illustrieren bedeutet, etwas anderes mit einem Bild zu unterstützen, verständlicher zu machen und ihm vielleicht sogar einen zusätzlichen Blickwinkel zu geben. Hübsche Bilder allein reichen nicht.
Ist Illustration Kunst oder Handwerk? Illustratoren sind zunächst einmal Dienstleister. Sie bekommen einen Auftrag und setzen diesen um. Daraus kann Kunst werden. Auch die Bilder der alten Meister, die wir heute in Kunstmuseen sehen, waren oft Auftragsarbeiten. Wenn man sein Handwerk beherrscht, kann daraus Kunst werden.
Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt? Das kann ich kaum einschätzen, da ich schon mit den elektronischen Medien angefangen habe. Sicher ist, dass es durch die Computerprogramme andere Möglichkeiten gibt, als ohne diese, und dass diese eng mit Onlinemagazinen, animierter Werbung und Blogs verbunden sind.
Was zeichnet Ihren Stil aus? Im Stil bin ich vielseitig. Meine Herangehensweise bei Aufträgen ist nicht an einen festen Zeichen- oder Malstil gebunden. Ich entscheide mich nach einiger Vorarbeit, welches der passende Stil für den jeweiligen Auftrag ist. Das wechselt zwischen Tuschezeichnungen, Aquarellen, Acrylmalereien, digitalen Arbeiten und Mischtechniken aus diesen. Wenn ich frei arbeite, bin ich eher motiv- als stil-gebunden.
Wo holen Sie Ihre Inspirationen/Ideen? Ich gehe oft in verschiedene Museen – nicht nur Kunstmuseen – und lese viel.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Ich wache früh auf und lese im Bett, dann arbeite ich bis zu einer frühen Mittagspause meist Bürokratisches ab. Den Rest des Tages sitze ich über dem Papier. Ein bis drei Tage in der Woche habe ich einen Nebenjob, bei dem ich viel mit Menschen rede. Das ist ein guter Ausgleich.
Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben? Wenn ich nicht „einfach nur so vor mich hinmale“ und einen Auftrag habe, leiste ich schon vor der „ersten Idee“ zu einem Bild viel Denkarbeit. Wenn eine Bildreihe entstehen soll, beschäftige ich mich zuerst mit dem Thema und welches die wichtigsten Punkte desselben sind, oder was im bereits vorhandenen Material zu kurz kommt, worauf ich den Blick des Betrachters lenken will. Danach entscheide ich mich für ein Format und die Technik. Erst dann überlege ich, wie die jeweiligen Themen darstellbar sind. Die ersten Ideen schreibe ich untereinander auf und überlege, wo in der Reihe noch etwas fehlt oder gegen welche Idee ich mich entscheiden muss, um ein stimmiges Ganzes zu erzeugen. Wichtig dabei ist, welche Perspektiven, Schwerpunkte und Kontraste die einzelnen Bilder haben und wie sie aufeinander folgen. Wenn das alles erledigt ist, male ich irgendein Bild aus der Reihe, das mich gerade am meisten anspricht. Daraus ergibt sich die Bildsprache der ganzen Reihe. Durch viel Einschränkung schaffe ich mir einen sicheren Rahmen, in dem ich dann frei arbeiten kann.
Sie haben kürzlich Neil Gaimans „Niemalsland“ illustriert. Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gefreut/gereizt? Neil Gaiman ist einer meiner liebsten Autoren, deshalb habe ich auch schon in meiner Diplomarbeit das Buch „Der Ozean am Ende der Straße“ von ihm illustriert. Neil Gaiman war ursprünglich Comic-Autor und daher kann er sehr bildgewaltig schreiben. Ich fand an der Aufgabe „Niemalsland“ zu illustrieren besonders reizvoll quasi genau das Gegenteil von dem zu machen, was Chris Riddle tat, der Illustrator der englischen Ausgabe von „Niemalsland“ („neverwhere“), der dem comichaften treu blieb und die Figuren darstellte, wie er sie sich vorstellte. Ich finde das schwierig für den Leser eines Romans, da der Illustrator dem Leser so viel vorgibt. Darum habe ich bewusst auf die Darstellung von Protagonisten verzichtet. Folgt man der Interpretation von Volker Klotz (Literaturwissenschaftler), verwendet Neil Gaiman subtil Tiere als „Helfershelfer der Geschichte“: Welche Tiere wo auftauchen und welche Stellung sie im Roman einnehmen, weist noch auf viel mehr hin. Diesem Aspekt der Geschichte habe ich durch meine Illustrationen Raum gegeben.
Wenn Sie ein Traumprojekt nennen könnten: Was würden Sie gerne illustrieren? Ich würde sehr gerne ein Plattencover gestalten, für Musik, die ich mag.
Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt? Ich habe bis jetzt noch keinen Konkurrenzkampf wahrgenommen und bekomme immer hilfreiche Tipps. Wir schicken uns gegenseitig mögliche Jobs zu. Ich finde es spannend mit anderen Illustratoren über den Job zu reden und mir ihre Arbeiten anzusehen.
Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will? Museen und Buchläden besuchen und üben. Wenn möglich unter Anleitung.
Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen? Boris Servais,bei ihm habe ich studiert und bin Fan seiner lockeren Linien. Lars Henkel,der es wunderbar schafft mit dem Computer zu arbeiten, ohne dass es nach Plastik aussieht. Er bebildert heimlich meine Alpträume.
Und nochmals heisst es heute „Frohe Weihnachten“ – ich bin nicht ganz sicher, ob mein Huhn die Geschenke noch von den letzten Ostern übrig hatte oder aber schon in der neuen Produktion ist….
Ab morgen ist dann die Weihnachtsfeierei zu Ende, wir schreiten aufs Jahresende zu.
Nun ist es also so weit. Dieses Jahr waren die Weihnachtstage wohl noch mehr Thema als sonst, da sie durch all die Einschränkungen, Bestimmungen und Ge- und Verbote im kleinen Rahmen stattfinden müssen – oft anders als gewohnt.
Ich hoffe, ihr habt für euch einen Weg gefunden, der für euch stimmig und schön ist, diese Tage zu verbringen. Ich wünsche euch von Herzen frohe Weihnachten und eine besinnliche und frohe, lichtvolle Zeit.
Ich möchte mich an dieser Stelle bedanken für all die, welche immer wieder reinschauen, auch mal einen Kommentar und/oder Gruss da lassen. Es ist schön, zu sehen, dass das, was ich tue, bei anderen Menschen ankommt und gesehen wird.
Johann Wolfgan von Goethe Bleibe nicht am Boden heften, Frisch gewagt und frisch hinaus! Kopf und Arm mit heitern Kräften, Überall sind sie zu Haus; Wo wir uns der Sonne freuen, Sind wir jede Sorge los. Daß wir uns in ihr zerstreuen, Darum ist die Welt so groß.
Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben, wird im selben Kreisall sein Leben traben; kommt am Ende hin, wo er hergerückt, hat der Menge Sinn nur noch mehr zerstückt. (Christian Morgenstern)
Kurze Biographie Doris Lecher wuchs in einem Dorf am Zürichsee auf. Ihre Berufswünsche schwankten zwischen Malerin und Schriftstellerin, nach einem ersten Roman mit 13 kamen Bühnenauftritte und der Gedanke, Schauspielerin zu werden. Mit 24 zog Doris Lecher mit ihrem Mann nach New York, sie nutzte die Zeit und lernte an einer Kunstgewerbeschule das Handwerk des Malens, Illustrierens und Schreibens für Kinder. In New York wurde auch ihr erstes Kinderbuch, Angelita’s Magic Yarn, verlegt. Doris Lecher lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Basel, wo auch ihre wunderbaren Bildergeschichten entstehen.
Fragen
Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?
Ja, ich hab immer schon gern gezeichnet und Geschichten erfunden. Bevor ich schreiben konnte mittels Bildern.
Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?
Irgendwann realisierte ich, dass, wenn ich schreiben und malen will, die beste Kombination Bilderbücher sind. Damals lebten wir in New York. Und ich entdeckte, dass man das sogar studieren kann. So besuchte ich dort die Parsons School of Design.
Ist eine Ausbildung zum Illustratoren unabdingbar oder lernt man Illustration eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?
Wie in jeder Kunstsparte läuft ohne Talent nichts und mit nur Talent noch weniger. Ein Werk erschaffen bedeutet Knochenarbeit. Mein Weg war vor allem Learning by doing mit guten Tipps von Lehrern, Lektoren, Kollegen und anderen kritischen Geistern. Ein Diplom in der Tasche bedeutet in dieser Branche aber weniger als ein publiziertes Buch.
Was macht einen guten Illustratoren aus?
Dass er einem Text Tiefe verleiht und ihn erleuchtet, wortwörtlich illuminiert. Dass er die Geschichte ergänzt und das Buch bereichert.
Ist Illustration Kunst oder Handwerk?
Ich persönlich unterscheide nicht zwischen Kunst und Kunsthandwerk, sondern halte es wie die alten Meister, die nur einen Begriff dafür hatten. (Ars)
Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?
Was eindeutig einfacher wurde, ist die Recherche. Wenn ich heute ein Okapi zeichnen will, muss ich dafür weder in die Bibliothek noch in den Zoo gehen. Obwohl ich mir bei grossen Projekten die Dinge gerne immer live anschaue, weil ich sie dann mit allen Sinnen erfahre. Ansonsten gehöre ich zu den alten Hasen und bin mit Papier und Pinsel und Stiften unterwegs. Den Computer brauche ich manchmal für nachträgliche Korrekturen oder dort, wo er sehr viel praktischer ist (bei Spiegelungen, Wiederholungen etc.) Der erste Strich entsteht aber immer von Hand auf Papier.
Was zeichnet Ihren Stil aus?
Fantasie, Humor und sehr viele Details vielleicht? Einer bestimmten „Schule“ gehöre ich nicht an.
Wo holen Sie Ihre Inspirationen/Ideen?
Woher die Ideen kommen ist mir selber ein Rätsel. Und ich habe mehr als mir lieb ist. Mein Problem ist eher, wie bündle ich sie, sodass ein Bild oder Text nicht überladen wird.
Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?
Am liebsten male ich mit Aquarellfarben. Für mein letztes Buch „Spiegel, das Kätzchen“ machte ich Kupferdrucke mit Radier- und Kaltnadeltechniken. Das passt mit dem vielen Schwarz gut zu der hintergründigen und auch etwas unheimlichen Geschichte. Jedes Buch verlangt ein bisschen nach einer anderen Technik.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Wie der eines Beamten: Morgens am Schreibtisch die kreative Arbeit, Mittagspause, nachmittags Korrespondenz oder Haushalt oder Tierarzt oder was sonst noch alles anfällt. Wenn eine Arbeit sehr eilt, illustriere ich auch noch am Nachmittag.
Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?
Nicht in zwei, drei Sätzen! Die Entstehung eines ganzen Buches ist es ein langer Prozess, der bei mir in mindestens ein Jahr in Anspruch nimmt.
Sie haben kürzlich Gottfried Kellers „Spiegel, das Kätzchen“ illustriert. Wie kam es dazu?
Als unsere Jugendlichen Gottfried Keller in der Schule lesen mussten, war ich entsetzt über ihr Gejammer. Da hab ich ihn auch wieder gelesen und ganz wunderbar gefunden. Besonders der Spiegel hat es mir angetan. Und weil darin genau das vorkommt, das ich am allerliebsten male: Katzen, Eulen, Hexereien, alte merkwürdige Dinge, Gutes zu Essen und einen leicht schrägen Humor, konnte ich nicht widerstehen, die Geschichte neu und kürzer zu erzählen und Bilder dazu zu malen.
Wie wählen Sie generell aus, was Sie illustrieren wollen? Gäbe es Dinge, die Sie nicht illustrieren wollen oder sehen Sie hinter allem die kreative Herausforderung?
Wenn eine Weltanschauung mir gar nicht entspricht, (Esoterik z.B.) würde ich ein Buch nicht illustrieren. Und nicht stimmige Geschichten oder sprachlich schlecht geschriebene nehme ich auch nicht an. Dafür arbeite ich zu lange an den Illustrationen und ist mir die Sprache zu wichtig.
Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?
Natürlich sind wir Konkurrenten, aber ob man die anderen Illustrierenden als Konkurrenz oder Kollegen anschaut ist eine Frage der Persönlichkeit. Ich bin in zwei Vereinen, wo wir uns austauschen, auch mal helfen, und sogar Aufträge weiter reichen, wenn wir selber keine Zeit dafür haben oder denken, der andere kann das besser.
Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?
Noch einen anderen Beruf dazu zu lernen! Nicht nur als Einkommensquelle – es ist hart und sehr unsicher, nur vom Illustrieren zu leben –, sondern auch, weil die Arbeit ausgesprochen einsam ist. Da tut es gut, noch ein anderes, sozialeres Tätigkeitsfeld zu haben.
Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?
Käthi Bhend und/oder Albertine. Die beiden gefallen mir ganz besonders unter den Schweizer Illustratoren und haben vollendete Kunstwerke von Büchern geschaffen.
Rittiner & Gomez – Spiez *1960 Simplon-Dorf Bildermacher und Webbewohner seit 1985 diverse Ausstellungen im In- und Ausland vertreten in mehreren Publikationen WWW: www.rittiner-gomez.ch / www.isla-volante.ch
Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?
Nein.
Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?
Schleichend, wir machten unsere Bilder, die dann zur Illustration verwendet wurden.
Was macht einen guten Illustrator aus?
Sie unterstützt treffend einen Text und erklärt zusätzlich Dinge die sich nicht mit Worten sagen lassen.
Ist Illustration Kunst oder Handwerk?
Als Bildermacher haben wir uns diese Frage noch nie gestellt. Sind aber eindeutig Handwerker.
Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?
Beflügelt, die meisten Arbeiten entstanden durch Onlinekontakte und die Zusammenarbeit läuft, fasst ausschliesslich über das Internet.
Was zeichnet Ihren Stil aus?
Eine eigene Bildsprache, die wir über Jahre entwickelt haben, die vom Comic inspiriert ist.
Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?
Zeichnung und Aquarellmalerei, die sich vermischt, wobei es oft das zeichnerische und dann wieder das malerische im Vordergrund ist.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
7 30 – 11 00h / 14 00 – 17 00h und mit Kaffeepause.
Ich hörte mal, der grösste Feind des Künstlers sei nicht mangelndes Talent, sondern die Störung durch andere Menschen. Brauchen Sie zum Arbeiten Stille und Einsamkeit, oder stören Sie andere Menschen nicht?
Zu Talent können wir nichts sagen. Zum arbeiten brauchen wir nicht Stille. Hören oft Radio oder Musik . Das mit den Menschen ist tatsächlich so eine Sache, selbes wenn sie nicht im gleichen Raum sind können wir nicht arbeiten.
Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?
Meistens kommen beim Lesen eines Textes, die Bilder ganz automatisch, es gilt dann eine Auswahl zu treffen. Machen auch nie Entwürfe, lassen die Bilder quasi, aus dem Papier heraus wachsen.
Wenn sie an Ihre vergangenen Arbeiten denken: Gibt es ein Projekt, das Sie als Ihr Lieblingsprojekt bezeichnen würden? Wenn ja: Welches, und wieso?
„Ewig Dein“ eine Liebesgeschichte mit einem wortlosen Comic auf 26 Bildern für die Ausstellung „Liebes Radio“ im historischen Museum Luzern. Jede Woche der Ausstellung kam ein neues Bild hinzu. Den Auftrag erhielten wir 4 Tage vor der Ausstellungseröffnung. Es war also ein Sprung in das kalte Wasser und wie die Geschichte enden würde, wussten wir beim Start noch nicht.
Welches Projekt würden Sie einem Leser gerne vorstellen?
Arbeiten nun seit 19 Jahren an dem Weblog „Isla Volante“ und sind selber erstaunt wie sich der Blog immer wieder veränderte und was daraus alles entstand. Sind aber auch gespannt wie sich die Isla Volante weiter entwickeln wird.
Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?
Kennen persönlich gar keine Illustratoren. Sind aber immer in Kontakt mit diversen Menschen, aus verschiedensten Berufen, die unsere Arbeit beeinflussen und weiterbringen. Selbstverständlich, hätten wir grosses Interesse, uns mit Illustratorinnen auszutauschen und zu vernetzen.
Was raten Sie jemanden, der Illustrator werden will?
Zeichnen, malen, zeichnen, malen, zeichnen, malen, zeichnen und viel Radfahren.
Welchen Illustrator oder Künstler soll ich hier noch vorstellen?
Das Jahr neigt sich dem Ende zu, immer wieder eine gute Gelegenheit, zurückzublicken, Bilanz zu ziehen, Einsichten zu formulieren und auf Aussichten zu hoffen aufgrund von Plänen, die man aus allem heraus schmiedet.
Müsste ich für das Jahr ein Wort finden, das es beschriebe, wäre es wohl „Fragezeichen“. Wie vieles kam aus dem Nichts und vorher unvorstellbar, wie oft verstand ich Dinge nicht, arrangierte mich mit Situationen, versuchte, mir einen Reim aus allem zu machen und stand doch an. Wie oft hinterfragte ich mich selber, kam auch da auf keine abschliessende Antwort. Und irgendwann beschloss ich, das Jahr genau so zu nehmen: Als Entdeckungsreise in einem praktisch allumfassenden Suchen und (auch mich) finden.
Solche Suchen, sind sie wirklich tief und unbarmherzig, gehen selten ohne Herausforderungen und auch Schmerz vonstatten – das war auch in meinem Selbst-Entdecker-Jahr so. Es gab ein paar Täler und Tiefschläge, es gab ganz oft Selbstzweifel und Wehmut und Trauer. Es gab Hoffnungslosigkeiten und Gefühle der Hilflosigkeit, es gab Zeiten der Sinnsuche (und des nicht Findens). ABER: Es gab ganz viel Schönes, Wunderbares, Geschenktes, Erarbeitetes, Gefundenes.
Ich startete ins neue Jahr in meiner Paradiesheimat Spanien. Ein wunderbarer Silvester, eine ganz tolle Zeit danach, mein Geburtstag als Versprechen, wie das Jahr aussehen kann, da in Liebe gefeiert. Ein paar Zeichen standen auf Sturm – schon da. Aber ja… es stand ein gutes Jahr vor mir. Im Frühjahr meinte es das Leben wieder gut, ich durfte für einige Woche zurück nach Spanien. In der Schweiz war Corona in aller Munde, in Spanien merkte ich wenig davon. Ich wurde krank. Schwer. So schwer, dass ich zeitweise dachte, ich würde lieber sterben, als noch eine Nacht länger so zu leiden. Corona war kein Thema beim Arzt. Es ging langsam aufwärts – eine Stunde inhalieren, zwei Stunden schlafen. So kam ich durch die nächste Woche. Und dann mit grösseren Schlaffenstern weiter. Es mag komisch klingen, aber ich habe mir die Zeit eingerichtet, dass sie auch Positives hat. Ich habe die Inhalationszeiten genutzt, mich mit Schönem und Wertvollem für mich zu beschäftigen. Das fehlte mir fast, als ich endlich wieder wirklich schlafen konnte.
Dann schloss Spanien die Grenzen und riegelte die Haushalte ab. Statt wie geplant anfangs April kam der erste mögliche Rückflug anfangs Juni, dazwischen harter Lockdown. Stallpflicht. Ich nutzte die Zeit zur Experimentation. Ich probierte, was ich zu probieren lustig war. Kam von Zeichnungen in die gemalte Abstraktion, von da zu zarten Botanik-Aquarellen, zurück in die expressive Porträt-Malerei… und flog dann irgendwann zurück. Und hatte keine Ahnung mehr, wer ich nun sei und was ich wirklich wolle. Und ich war erschöpft. Total. Egal, wie ich schlief, ich konnte nicht mehr. Ich war am Ende und kraftlos. Und machte weiter. Was sonst? Ein Modell, das ich seit Jahren erprobe.
Ich bin sehr dankbar. Ich hatte in all der Zeit einen lieben Menschen an meiner Seite, den ich wohl als Geschenk und Glück meines Lebens bezeichnen darf und möchte. Zwar verstand und versteht er nicht immer, was in mir vorgeht, aber wer könnte das schon – ich hadere schon damit. Er war da. Und bot mir den Boden und den Platz und die dargebotene Hand. Immer wieder.
Auf alle Fälle rappelte ich mich auf, durchlief eigentlich im Schnelldurchlauf noch all meine Suchphasen von vorher, verlor mich, fand mich vordergründig, suchte weiter, fand, verlor… verzweifelte, schöpfte Kraft, verzweifelte noch mehr…. immer wieder fragte ich mich, was ich tun muss, wo ich hin will, was Sinn ergibt, wer ich bin, wieso ich nicht bin, wo ich will – ohne zu wissen, wo das sein könnte… oder: Es war immer wieder irgendwo anders.
Und dann kam ich doch an. Und merkte, was ich will, was mir Spass macht, was ich gehen lassen muss, was ich pflegen will… wenn ich alles von aussen aussen vor lasse, wenn ich nur auf mich höre, was mir wirklich gefällt in meinem eigenen Tun, wenn ich nur schaue, wo ich herkomme, was mir was bedeutet, was ich will…spricht es eine so deutliche Sprache. Ich bin ein Mensch der Geschichten, ich bin ein Mensch, der in Bildern sprechen will, der aber auch Texte liebt. Ich bin ein Mensch der Sprache, im Wissen, dass ich den Text allein nie stehen lassen mag, ich bin ein Mensch der Linie, ich mag Flächen wenig. Ich mag das Langsame und Langwierige nicht, ich bin ein Mensch des Moments, der spontanen Reaktion. Es mag nicht die grosse Kunst sein, es ist eher das kurze Hinsehen oder aber das in Linien Darstellende. Ich mag den Ausdruck in der Kürze – das ist in der Sprache so, darum meine Liebe zur Lyrik oder aber zur Fabel oder dem Märchen, ich mag auch den bildhaften Ausdruck aus der Reduktion.
Auf den Punkt.
So bin ich. Das klingt ab und an hart. Das tut mir immer leid, denn: Das bin ich nicht und so meine ich es nicht. Aber ich mag den Schmus drumrum nicht. Und er liegt mir nicht. Ich schweige lieber, als dass ich ihn bringe. Und oft schweige ich zu lange, weil ich nicht weiss, wie ich das, was brennt, ausdrücken will… und dann… schiesst es raus.
Und so habe ich für das neue Jahr ganz viele Pläne und Wünsche:
Meinen Weg weiter gehen. MEINEN!
Geduldiger werden (bitte schnell!!!!!)
Selbstsicherer werden
Gelassener werden (ebenso schnell!!!!!)
an mir arbeiten (das ist immer gut, damit möchte ich nie aufhören)
Und so schliesse ich meinen Rückblick. Er war nicht umfassend, er würde sonst noch beinhalten, dass ich glücklich bin, über dieses merkwürdige Jahr (vermutlich sogar durch Corona) eine Mutter kennen- und lieben gelernt zu haben, wie ich das nie für möglich gehalten hätte (und ebenso wenig erwartet war das gegenseitig), dass sich meine sonst schon sehr übersichtliche Familie um einen sehr wichtigen und zentralen Punkt in meinem Leben reduziert hat (ich werde darauf nicht weiter eingehen, es ist schmerzhaft genug und doch als Fakt akzeptiert). Und: ich habe dieses Jahr ein neues Zuhause bezogen, das sich so sehr nach Zuhause anfühlte, wie noch keines zuvor.
Es gab sicher noch viel mehr. Was noch bleibt ist nochmals ein grosses Danke. An den wichtigsten Menschen in meinem Leben, der immer da ist, mit seinem Dasein Halt gibt. Es ist schön, einen Menschen im Leben zu haben, wo man sich nur schon im Wissen um sein Dasein zu Hause fühlt. Das Glück habe ich seit bald 3 Jahren. Und nach allem, was ich hatte, bin ich mir bewusst, was für ein Glück das ist. Und ja, es ist ein genauso grosses Glück, jemanden zu haben, dem man die eigene Liebe zeigen darf. Ich bin nach wie vor überzeugt: Zu lieben ist das grössere Geschenk als geliebt zu werden. Was aber ein Geschenk ist im Lieben: Dass die Liebe angenommen wird und auf fruchtbaren Boden stösst. Und all das wurde mir dieses Jahr zuteil.
Was ich mir für das nächste Jahr wünsche: Dass das so bleibt. Und: Dass ich auf diesem Boden gestärkt meinen Weg gehe. Wohin er auch führen mag. Pläne habe ich, ich bin neugierig, gespannt und auch freudvoll. Und ich weiss: Es wird auch beim Rückblick in einem Jahr nicht nur eitel Sonnenschein sein. Aber: Das war eines meiner besten Jahre. Trotz allem. Dafür bin ich dankbar.