Tagesgedanken: Dialoge statt Fronten

„Es gibt vielleicht jetzt kein besser geglaubtes Vorurteil als dies: dass man wisse, was eigentlich das Moralische ausmache.“  Friedrich Nietzsche*

Ich lese immer wieder über die steigenden Benzinpreise wegen des Krieges im Nahen Osten. Und dann sitze ich so hier und frage mich, ob das wirklich das grösste Problem an all dem ist? Und ich frage mich weiter, was in Köpfen vorgeht, die das als Argument gegen den Krieg einbringen.

Aber fragen tue ich mich ja sowieso. Wie oft lese ich einen Satz, der einen Krieg klar analysieren und in gut und böse einteilen will. Wie schön wäre es, wenn das Leben so einfach wäre? Hier die Guten, da die Bösen. Aber das scheint die Weltsicht vieler Menschen zu sein. Und sie schreien sie laut in die Welt hinaus und merken nicht, dass sie damit neue Fronten schaffen. Dann haben wir nicht nur Krieg vor Ort, sondern auch in den Köpfen. Die schlagen wir uns gegenseitig ein bei anderer Einordnung.

Wie schön wäre es, wenn wir wieder lernen würden, hinzuschauen, hinzufühlen, zuzuhören, abzuwägen. Wenn wir wieder lernen würden, Dialoge zu führen statt Kriege mit Argumenten, nur dazu gedacht, den anderen zu schlagen, ihn mundtot zu machen, sich zu überhöhen. Weil man ja weiss. Und das absolut und unumstösslich.

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*Friedrich Nietzsche, Morgenröte 132


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4 Kommentare zu „Tagesgedanken: Dialoge statt Fronten

  1. Ein Schüler fragt: „Wie bestimmt man die Stunde, in der die Nacht endet und der Tag beginnt?“ Der alte Rabbi sagt: „Die Nacht endet, wenn dir im Dunkeln ein Mensch begegnet und du deinen Bruder erkennst.“

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