Wozu Lyrik?

Ich atme

Ich atme aus,
ich atme ein.
Nehme mich mit,
einfach zu sein.

Ich atme ein,
ich atme aus.
Halte nichts fest,
lass alles raus.

Ich atme aus,
ich atme ein.
Lasse die Ruhe in
mich hinein

Ich atme ein,
Ich atme aus.
Fühle mich in mir
ganz zuhaus’.

©Sandra Matteotti

Ab und an ist das Leben nicht einfach. Ab und an bürdet es uns mehr auf, als wir tragen können. Ab und an sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr und was man sieht, ist doch nur die Spitze des Eisbergs. Ab und an… bleibt nur noch eines: Tief durchzuatmen. Innezuhalten. Bei sich zu sein.

Wozu Lyrik? Jeder kennt wohl die meist holprigen Gedichte zu Geburtstagen und anderen Festlichkeiten. Mit Lyrik verbindet man daneben sonst nur die öden Stunden in der Schule oder aber das tödliche Auswendiglernen – alles dazu tauglich, sich die Lyrik ein für alle Mal zu verderben.

Wozu also Lyrik? Wir haben so viele Probleme auf der Welt, es gibt so viel Wichtiges. Gedichte gehören da sicher nicht dazu. Gedichte bringen nicht den Frieden auf die Welt. Sie bekämpfen kein gefährliches Regime. Sie bringen die geliebten Verstorbenen nicht zurück und lösen nicht die Alltagsprobleme. Sie sind – so bei Licht betrachtet – zu nichts gut. Und das ist gut so. Und doch sind sie zu was gut. Und das ist noch besser.

Gedichte lassen innehalten. Sie halten für einen Moment die Zeit an und lassen uns eintauchen. Sie nehmen uns mit auf eine Reise hinein in Worte und Bilder. Sie lassen uns fühlen und erkennen. Sie geben Ruhe. Für diesen Moment. Und damit ein Aufatmen. Ein Durchatmen.

Deshalb lese ich gerne Gedichte. Und deswegen schreibe ich sie. Immer dem Leben entlang. So heisst auch mein Gedichtband (HIER). Verglichen mit Jazzmusik bin ich wohl nicht der improvisierte Wildjazzer, eher so der Swinger, Easy Jazzer oder dem Dixieland Zugewandte. Drum ende ich mit einem Lied.

 

12 Comments

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  1. Liebe Sandra,

    ganz genau so sehe ich zum ersten Mal Lyrik, die ich erst durch Dich entdeckt habe…
    Mich bringen Zeilen eines Gedichtes, welches mir gefällt zur Ruhe, zum Nachdenken, zur Entspannung aber auch in einen Zustand der Freude!
    «ich atme» war für mich vor einiger Zeit nahezu ein Mantra – ich konnte durch das Lesen der Zeilen ganz ruhig und entspannt werden, aber auch gleichzeitig ein Mittel zur Konzentration zur Hand haben.

    Andere Gedichte geben mir Mut, Kraft und Zuversicht. Sie geben Elan zum Aufbruch oder zum etwas Neues wagen und starten. Freue mich jeden Morgen auf Deinen Instagram-Account Deine für uns herausgesuchten Gedichte – sie passen irgendwie immer und vermitteln etwas Besonderes. Heute hat mich das Gedicht über den Regen zum Schmunzeln gebracht.

    Wunderbar, dass wir täglich diese Inspirationen über Dich erhalten, Sandra!
    Schön, dass es Dich gibt und wir Dich LESEN DÜRFEN!
    Hab‘ einen wundervollen Abend und eine gute Nacht,

    herzlichst bT!NA

    Gefällt 2 Personen

    • Ich danke dir von Herzen für diese lieben und wunderbaren Zeilen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr sie mich gefreut haben.

      Ich habe Lyrik lange gemieden. Ich habe im ganzen Studium nur die Pflichtgedichte gelesen.Und das als Germanistin.

      Ich habe sie später entdeckt. Für mich. Mir gefällt längst nicht alles, was als Gedicht daherkommt. Aber einiges hat es in sich. Und das gibt mir was. Das gibt mir viel. Und ich denke, Lyrik hat dieses Potential. Sie bringt auf den Punkt. Und wenn es anspricht, geht es tief.

      Ganz liebe Grüsse zu dir
      Sandra

      Gefällt 2 Personen

  2. Toll geschrieben. Für mich sind viele Gedichte kondensierte Gefühle. Es ist einfach die Möglichkeit mit wenigen Worten komplexe Zusammenhänge auszudrücken. Gedichte können ähnlich wie Musik bestimmte Stimmungen hervorrufen und schlafende Gefühle wecken. Das gelingt sicher nicht bei allen Gedichten und manche bleiben einfach stumm. Aber die, die „zünden“ sind besonders wertvoll für mich.

    Gefällt 1 Person

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