Schelmengeschichte

Paul und Anne wohnen in einem kleinen Bergdorf in der Schweiz. Sie zogen dahin, als beide noch arbeiteten, lebten sich ein, fühlten sich zu Hause. Vorher waren sie durch die ganze Welt gezogen, lebten auf verschiedenen Kontinenten, in grossen Städten, aber auch in kleinen Ortschaften. Nun sind sie alt. Paul ist pensioniert, Anne arbeitet noch immer als selbständige Künstlerin. Zudem sind sie wundervolle Gastgeber für die Bewohner ihrer zwei Ferienwohnungen.

Da man auch in kleinen Dörfern mit der Zeit gehen will, Alter dem Fortschritt nicht gleichgültig gegenübersteht, wollten die beiden die Telefonanlage im Haus modernisieren. Schliesslich sollten ihre Gäste Komfort geniessen können. Paul nahm also das Telefon in die Hand und rief beim hiesigen Telekommunikationsriesen an. Der Herr am anderen Ende des Drahtes war ausnehmend freundlich. Er hörte sich Pauls Anliegen an, tippte auf seinem Computer rum (man hörte es gut vernehmlich klappern im Hintergrund) und sagte dann mit einem Unterton der Überzeugung:

„Herr Paul, das erledigen wir gerne für Sie. Dazu müssen wir uns vor Ort ein Bild machen. Preis für die Abklärung und das Erstellen der entsprechenden Offerte würden wir 5000 Franken verrechnen.“

Paul schluckte leer. Er hatte zwar schon gedacht, dass die Erneuerung der ganzen Anlage nicht ganz günstig würde, dass aber schon vor dem ersten gelegten Kabel solche Kosten auf ihn zukämen, das überstieg dann doch sein Vorstellungsvermögen und liess die Absicht der Erneuerung ein bisschen weniger dringend erscheinen.

Abends telefonierte Paul mit seinem Sohn Paul Junior. Der verstand erstens ein bisschen was von Telekommunikation, zweitens musste er seinem Schock über das Angebot des überaus freundlichen Beraters Luft verschaffen. Pauls Sohn schluckte auch, als er den Betrag hörte. Er konnte es kaum glauben und nahm die Sache selber in die Hand. Er rief also selber beim Anbieter an, schilderte dasselbe Problem kriegte die postwendende Antwort:

„Herr Paul Junior, gerne erledigen wir das für sie. Dazu müssen wir uns vor Ort ein Bild machen. Für die Abklärung und das Erstellen der Offerte entstehen Ihnen selbstverständlich keine Kosten.“

Paul Junior schluckte leer. Er hatte zwar schon gedacht, dass der seinem Vater genannte Betrag etwas gar hoch war, aber diese Diskrepanz machte ihn sprachlos.

Ein Schelm, der dächte, die Firma versuche die (vermeintliche) Unwissenheit alter Bergbewohner auszunutzen…

3 Comments

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  1. So machen (- oder machten??? -) es einzelne Garagisten mit Leuten, die ihr Auto vorbeibrachten mit dem Auftrag „….es zur Strassenverkehrsamt Prüfung vorbereiten und es vorführen gehen….“.
    Was da nicht alles unnötig ersetzt wurde! Wie gesagt, es sind wohl Einzelfälle (gewesen – hoffentlich Vergangenheit!).

    Gefällt mir

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