Ich lebe das Leben – weil ich es muss

Und dann sitze ich hier
und frag’ mich wozu.
Ich frage mich,
wer mich vermisste,
was ich so wirklich
bewirke
und wo ich nur
ansteh’.

Ich male mir aus,
wie mein Leben denn wäre,
sein könnte,
wenn ich nicht,
wie ich es tue,
hier sässe.
Und ich sitze weiter,
weil ich es muss.

Und ich sitze hier,
und ich sehe,
was ginge.
Ich sehe die Orte,
die ich nie kannte,
die Träume,
die ich nie lebte.
Und ich wünschte mich –
hin.

Ich sitze hier,
und bin gefangen
in fremden Ansprüchen,
in Pflichten und Zwängen.
Vor allem aber
in eigenen Ängsten:
Was wäre wenn?

Und ich male mir aus,
wie es denn wäre,
liess’ ich zurück,
was hier so ist.
Ich ginge einfach
in die Welt hinaus.
Ich eroberte sie,
wie ICH es wollte.
Weil ich es
könnte.

Und ich fühle mich glücklich,
ich sehe die Farben,
die im eigenen Dunkel
schon längst gestorben.
Ich sehe das Leben –
bin selber tot.
Ich möchte nur leben
und weiss nicht mehr
wie.

Und so sitze ich hier,
und denke ans Leben.
Ich erhoffe mir,
dass es im Leben
mal möglich wird.
Ich zähle die Stunden,
ich sammle die Kraft,
ich gehe weiter,
weil ich es
muss.

8 Gedanken zu “Ich lebe das Leben – weil ich es muss

  1. Gefällt mir ja eigentlich nicht. Denn, das tönt nicht glücklich, nicht zufrieden. Ok, man soll nie mit dem Erreichten zufrieden sein, sondern nach besserem streben. Das ist auch mein Credo, teilweuse, denn ich bin hin und wieder ganz zufrieden und glücklich. Und ich geniesse das.

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  2. …Sandra, dein Text berührt, ich sitze hier, denke wie es hätte sein können, wie es sein könnte, wie sein werden könnte…so sitze ich hier…und die Stunden vergehen, die Tage zerrinnen…

    (hat mich wirklich berührt, das letzte Pendent schrieb ich an Ingeborg Bachmann und Brigitte Meng: Mein Haus)

    Gefällt 3 Personen

  3. Es gefällt mir sehr, wie gewisse Fragen, Stimmungen die wohl jede/n mal überkommen in wunderbaren Worten und Versen formuliert sind.
    Ich frage mich, wie macht man bzw. wie macht Sandra das einfach mal so und bewundere Deine Fähigkeiten.
    Ja, was wäre, wie wäre es denn, ich könnte das auch.
    Und ich vermisse den Optimismus, den Glauben daran, dass so wie es ist und noch wird schon auch gut ist, sehr gut ist und sein wird. Den wirklich zuversichtlichen Blick in die Zukunft. Das Hinausfinden aus dem eher unbefriedigenden Sein.

    Gefällt 3 Personen

  4. „Ich möchte nur leben
    und weiss nicht mehr
    wie.“
    Ein Freund hatte mir gestern gesagt: „Wieviele Baustellen hast Du? An wieviel Fronten kämpfst Du?“ Ich meinte, sehr viele. „Überall siehst Du Dich als Opfer“, konstatierte er.
    Das stimmt. Man quält mich, man malträtiert mich – zumindest kommt es mir so vor.
    Die meisten Kämpfe aber sind gegenstandslos oder verzehren mich nur oder führen nicht weiter. Bin ich ein Don Quichotte?
    Heute erlebte ich ein Glücksgefühl, vielleicht weil ich heute mehr loslasssen konnte.
    Vielleicht hiflt Dir das.

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  5. Für mich strahlst Du so hell, wie kaum jemand den ich kenne. Bist Du wirklich gefangen oder erscheint Dir Deine eigene Kraft nur zu wenig für das Füllhorn, welches Du zu leeren suchst? Du forscht nach der Stirnseite des riesigen Tisches der Möglichkeiten und übersiehst, dass dieser Tisch rund ist. Du bist längst angekommen, es hat Dir nur noch niemand gesagt und Du bist noch nicht bereit es zuzulassen.
    Ich wurde kürzlich gefragt wann ich so wurde wie ich jetzt bin. Ich habe kurz überlegt und geantwortet, „mit 14 Jahren“. Nach einem erstaunten Blick folgte die nächste Frage, „was wünschen sie sich für die Zukunft?“ – Ich will nur den nächsten Tag gut hinbekommen, denn es ist Zeitverschwendung an Übermorgen zu denken, bevor Morgen nicht vorbei ist.“

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  6. Berg und Tal, das durchschreiten wir alle. Manchmal könnte es auch Langeweile oder Einsamkeit sein. Diese Talsohlen kennen wir alle, mehr oder minder. Mit dem Unterschied, dass sie individuell verkraftet werden…

    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

    Gefällt 2 Personen

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