Wie ich in Zürich auf Godot wartete – in der Walliser Kanne

Ich war mal wieder im Ausgang mit einer lieben Freundin. Ich kenne sie nicht lang, aber irgendwie passt das Wort, es war vertraut und schön. Nun wohnen wir beide in der teuersten Stadt der Welt, in eben der wollten wir was trinken, nicht zu weit vom Bahnhof, da beide müde von des Tages Lasten. Wir landeten in der Walliser Kanne, mehr aus Zufall, da wir eigentlich ins 0815 wollten, aber den Tisch daneben erwischten.

Das wäre alles kein Problem gewesen, waren doch die Tische nett und zu trinken schien es zu geben. Der Kellner (aufgeführt hat er sich wie der Besitzer des Lokals und der König von Zürich) kam auch bald – meine Begleitung wollte gerade bestellen gehen, weil sie Selbstbedienung annahm – und meinte auf ihre entsprechend lautende Äusserung von oben herab: „Wir sind hier schliesslich kein Pöb (er meinte wohl Pub), sondern ein Reschtoraaand.“ Wir bestellten Bier und Wasser, was mit leicht säuerlicher Miene gebracht wurde (gut, vielleicht kann der arme Mann nicht anders, könnte durchaus sein, macht es aber nicht wirklich besser).

Wir trinken, reden, reden, reden, trinken. Der gute Mann kommt wieder, kriegt noch eine Bierbestellung, welche er fast schon lächelnd entgegen nimmt, allerdings schnell wieder mürrisch guckend wird, als ich sage, dass ich nichts mehr will. Es wird langsam kühl, meine Begleitung geht rein, will zahlen, wird ignoriert, worauf wir draussen der Dinge harren, die da kommen. Ob er wohl Godot hiess, der gute Mann? Fast schon schien es so, denn er kam nicht mehr. Und als er mal kam und ich ihm sagte, dass wir gerne zahlen würden, war er auch schnell wieder weg, obwohl er das Portemonnaie dabei hatte und unsere Konsumation durchaus übersichtlich war.

Ich sah ihn durchs Fenster wenig tun, mal hier was bringen, da eine Bestellung aufnehmen, ab und an nur da stehen und selber der Dinge harren – oder ging er grad in sich und versank in Meditation? Ich werde es nie erfahren, gekommen ist er jedenfalls nicht – in keinster Weise. Und dann: Wunder geschehen – er kam – also zu unserem Tisch. Und rechnete. Und wunderte sich. Dass er kein Trinkgeld kriegte. Schaute uns auch nicht mehr an. War schneller weg als er je hätte kommen (also zum Tisch) können. Das tat unserer guten Laune keinen Abbruch, im Gegenteil, ist doch nichts so wunderbar wie ein Objekt, über das sich lästern lässt. Ein grosses Merci dafür, wir haben uns köstlich amüsiert, kommen werden wir aber nicht mehr. Das wird dem guten Mann sicher nichts ausmachen, denn er schien es eh nicht nötig gehabt zu haben, denn hätte er es nötig gehabt, wäre er doch sicher ein zuvorkommender, freundlicher Gastgeber gewesen, bei dem wir nächstes Mal unser Nachtessen eingenommen hätten.

2 Comments

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  1. Ich hatte schon drei oder viermal versucht, ohne Reservation in der Walliser Kanne mit ausländischen Gästen essen zu gehen. War nie möglich, immer ausverkauft.
    Jetzt muss ich sagen, Gott sei Dank! Werde es nie mehr versuchen.
    Beschrieb ist allerdings echt amüsant. Danke.

    Gefällt mir

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