Meine Nacht mit Elvis

Ich sass so da und fühlte mich allein, dachte an Facebook und daran, dass ich ein Lied reinstellen könnte, das meinen Zustand beschreibt. Ich dachte so bei mir, dass ich mich, würde ich mich mitteilen, nicht mehr so alleine fühlte, weil andere es sähen, sich meldeten.

Ich dachte als alter (das alt ist nicht wörtlich gemeint – also schon, aber mehr auf die Dauer des Fanens, denn auf mein Alter, wobei das nicht gar so jung sein kann, wenn die Fanschaft schon so lange andauert) Elvisfan an Are you lonesome tonight. Was könnte sehnsuchtsvoller sein als das? Und welche Stimme ist es, die mich immer durch die eher düsteren Zeiten begleitet? Und auch durch die romantischen? Und die freudigen – ach durch alle eigentlich? Genau.

Are you lonesome tonight?

Do you miss me tonight?

Are you sorry we drifted away?

Dann dachte ich weiter, dass das Lied gar nicht passt. Es war ja gar nicht Nacht, sondern heller Nachmittag. Wobei, gar so hell war es nicht, lagen doch dichte Wolken vor der Sonne (die man nicht sah, aber da sein musste sie ja grundsätzlich, wenn ich mich richtig an meinen Schulunterricht erinnerte, der doch auch schon ein paar Jährchen zurücklag – ich wollte nun aber nicht nachrechnen, sonst wäre aus dem Lied When I’m 64 geworden und das war nun nicht gewollt).

Ich beschloss, dass das Lied nicht an der Tageszeit scheitern sollte. ich war einsam, egal ob Tag oder Nacht. Aber schon die zweite Zeile machte mir wieder einen Strich durch die Rechnung. Ich vermisste gar nichts und niemanden, ich war nur allein. Und ich war auch von niemandem davon gedriftet, was ich nun bereuen müsste. Wieso muss der sowas singen, das gar nicht passt, wenn ich das Lied doch nun nutzen möchte? Nun fragt er auch noch, ob mein Herz mit Schmerz gefüllt sei und ob ich mir ausmale, er wäre hier. Der wollte doch wohl nicht von den Toten auferstehen, nur damit ich nicht alleine war? Irgendwie fühlte ich mich plötzlich nicht mehr so allein, sondern beinahe schon gerührt.

Doch was war das? Nun unterstellte der Typ mir auch noch Lügen. Ich hätte ihn nie geliebt, aber er wolle noch mehr Lügen hören, nur um nicht von mir getrennt zu sein. Hach – das ist ja… irgendwie schön. Was, wenn ich ihm nun sagte, er solle kommen, ich wäre allein und mir täte auch alles leid (was auch immer, egal, nur kommen solle er)?

Nun, für Facebook blieb mir nun leider keine Zeit mehr, ich musste mich zurecht machen, schliesslich klingelte es bald und Elvis stünde da. Vielleicht fände ich irgendwann die Zeit, Angel zu posten und leise mitzusingen

 

May I  hold you tight, never kissed an angel, let me kiss one tonight.

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