Sterne am Himmel

Heute sass ich so da und träumte mich durch die Welt. Ich stellte mir vor, wo ich hin könnte und was ich da alles erleben, erreichen wollte. Ich malte mir mein Leben in der neuen Welt bunter aus, als es hier je werden könnte, sah all die Möglichkeiten, Schönheiten, Neuheiten, Abenteuer in den glänzendsten Farben und Lichtern. Wie Sterne glitzerten sie am Himmel. Sterne, die ich greifen wollte, erfassen wollte, an mich reissen, nie mehr loslassen.

Die Sterne erschienen verlockend und unerreichbar. Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr fehlende Tritte auf der Leiter hin zu den Sternen sah ich. Ich sah sie da oben, mich hier unten, sah sie glitzern, während meine Welt sich immer mehr verdunkelte.  All die Wünsche, Pläne, Träume – unerreichbar? Ich an diese Welt gebunden, gekettet, darin eingesperrt?

Ich sah mich in einer Welt, in der so viel fehlte, das ich gerne hätte. Ich sah diese Welt, die so klein, so eng, so düster schien. Ich fühlte mich ihr ausgeliefert, gehalten nur von äusserlichen Ketten, da mich innerlich nichts an sie band. Zuhause, Heimat, Wurzeln – alles dieses hatte ich nie und fühlte ich nie. Nicht hier. Nicht jetzt. Nie und nirgends. Ich war nicht mal entwurzelt, ich war ganz und gar wurzellos und doch gebunden.

Was wäre, wenn ich einfach die Ketten sprengte, sie hinter mir liesse, ohne zurückzublicken drauf los liefe, den Sternen entgegen? Wenn ich mich befreite von all den Zwängen, all den Einengungen, mein Leben gestaltete, wie ich es mir wünschte? Die fehlenden Tritte auf der Leiter könnte ich bauen und so einen Schritt nach dem anderen näher an die Sterne gelangen, bis ich sie hätte, da wäre. Es wäre machbar.

Ich ging in mich und fragte mich, wieso ich das nicht schon längst gemacht hatte. Was hat mich gehindert? Andere? Ich? Ketten? Ängste? Vermutlich ein bisschen von allem. Und die Frage: Was, wenn die Sterne, bin ich erst da, wieder weiter weg hängen? Wenn sie quasi eine Fata Morgana meines eigenen Wunschdenkens sind und mir immer knapp vor der Nase hangen? Vielleicht sind Sterne ja dazu da, in der Ferne zu funkeln, um uns anzutreiben und zu schwelgen. Und wenn wir lange genug geschwelgt haben, besinnen wir uns wieder darauf zurück, was wichtig ist und was nur Illusion. Sterne am Himmel – was wäre noch, wären sie alle gepflückt? Der Himmel wäre schwarz und leer. Aber bräuchten wir die Sterne da oben noch, wenn wir alle für uns gewünschten in der Hand hielten? Wären wir dann glücklich?

4 Kommentare zu „Sterne am Himmel

  1. Wunderschöner Artikel, hat mich sehr berührt, danke!
    Mit seinem Echo in mir steigen Bilder auf, die in Worte fliessen wie „….was wäre, wenn die Sterne da oben tatsächlich nur eine Spiegelung wären….eine Spiegelung meines inneren Himmels……vielleicht sagen sie mir, daß die Türe offen ist und daß, je tiefer ich nach innen tauche, um so höher werde ich hinaufgetragen in Ebenen von Erfülltheit ohne Bedingungen….und vielleicht finde ich hier gleichgesinnte Himmelstaucher oder auch Wegweiser hin zu meiner Heimat, von der ich nur weiß, daß ich sie vermeintlich irgendwann verlassen habe, aber sie mich wahrscheinlich niemals….
    – Mit träumenden Gedanken; Grüssle – Armin

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    1. Danke für diesen schönen Kommentar. Ja, wenn man wüsste, wie es wäre, wäre es wohl einfacher. Die Angst, es könnte schlimmer komme, ist wohl das bremsenste Element, weswegen die meisten sogar in eher unschönen Seinszuständen bleiben, statt das Neue zu wagen.

      Und damit gehe ich wieder in meine Traumwelten und überlege, was für mögliche Welten offen stünden, die ich noch erreichen wollte.

      Träumerische Gedanken zurück, Sandra

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  2. Gefällt mir sehr dein Artikel!
    Die Sterne bewegen die Menschen ja schon seit Jahrtausenden – wie die Ursprünge der Astronomie und auch der Astrologie zeigen.
    Leider sind so wohl so weit weg – dass wir sie nie erreichen werden – auf jeden Fall nicht mit den heutigen Mitteln. Auf der anderen Seite sind sie aber da – also keine Fata Morgana.
    Schlimm fände ich wenn du die Sterne plötzlich so weit weg empfindest dass du nicht mehr davon träumen kannst. Auch wenn sie so weit weg sind – wir können uns mit ihnen beschäftigen – darüber Wissen erlangen und so wohl auch über uns lernen. Und – an einem schönen Sommerabend auch nur die Schönheit geniessen.
    Wünsche weitere Träume voller Sterne – und in der Wirklichkeit viele Schönheiten und Möglichkeiten!

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