Zuhause

Ich bin in meinem Leben oft umgezogen, wohnte an vielen Orten, kreuz und quer über die Schweiz verteilt. Oft stiess ich damit auf Unverständnis, hörte was von Nomadentum, von zuviel Wechsel. Die Wechsel des Ortes sind unbestritten, die sind sogar in Zahlen auszudrücken. Und doch kommt mir das Leben nicht wirklich wechselhaft vor. Ich sehe viel Konstanz darin.

Ich gehe nicht gerne in die Ferien. Damit stosse ich oft auf Unverständnis. Neue Orte, neue Kulturen, neue Strukturen. Einfach mal ausbrechen, ein neues Leben auf Zeit haben. Das klingt sicher spannend, ich mag es nicht. Wieso? Ich mag keine Wechsel. Ich bin am liebsten zu Hause.

Wenn man diese beiden Punkte gegenüber stellt, könnte man einen Widerspruch erkennen und das tun auch die meisten. Ich sehe darin viel Logik. Die Auflösung liegt im Wort Zuhause. Was ist Zuhause? Wo ist es? Ich bin an einem Ort aufgewachsen, habe im nächsten studiert, das dritte gefiel mir sehr, ich verband damit viel, zum vierten Ort kam ich aus äusseren Gründen – und so kam ein Ort zum anderen. Und überall war ich zu Hause – und auch nicht.

Es gibt für mich keinen Ort, den ich Zuhause nennen würde, keine Stadt, kein Dorf. Zuhause ist meine Wohnung, ist mein Leben, der Ablauf desselben. Das ist mein geschützter Rahmen, innerhalb dessen ich mich wohl und gut fühle. Ich baue ihn auf, ich gestalte ihn, er ist alles, was ich für mich brauche, für mich will. Er riecht nach mir, er sieht nach mir aus, ist mit allem angefüllt, was mir gehört, mir wichtig ist. Ziehe ich um, nehme ich ihn mit. Gehe ich in die Ferien, muss ich ihn zurück lassen. Ich kann nur gewisse Teile davon mitnehmen und meist ist es das falsche. Das Buch passt nicht zur Leselaune, die Kleider nicht zum Wetter, der Tagesablauf nicht zu meinen Gewohnheiten. Und ich will nur eins: nach Hause. Zurück zu all meinen Dingen, zurück in meinen Alltag, zurück zu meinem Tagesablauf.

Ab und an dachte ich, so ganz normal ist das nicht. Ein fremdes Parfum, von aussen auferlegte Termine, fremde Räume, Ferien gar – ein Graus. Mein Gefühl von Zuhause, von Halt, von Meins sind am Wanken. Ich werde verdrängt und Fremdes nimmt Einzug. Ich mag das einfach nicht. Und ich denke, es ist eigentlich egal, ob das nun normal ist oder nicht, es ist, wie es ist. Jeder hat wohl Seiten, die er nicht mag an sich, Seiten, an denen er nagt, die an ihm zehren. Klar kann man versuchen, sich zu ändern, kann versuchen, sich gewissen Forderungen anzupassen. Trotzdem sollte man nie ignorieren, wer man ist, wie man ist und man sollte sich nicht dafür schämen oder sich gar dafür verurteilen.   Schliesslich und endlich gibt es viele andere, einen selber gibt es nur einmal.

4 Comments

Kommentar verfassen

  1. Mir geht es ähnlich oder auch nicht. ich bin im ganzen über 10 Mal umgezogen bis mich es in den Norden verschlug. Mein Gatte sagt dann immer (Oje der Nordwind) , wenn es mich mal wieder nach einer neuen Umgebung gelüstet. im urlaub mochte ich am meisten das immer weiterziehen, keine Nacht am selben Platz für kinder ist das ein Graus. uns so quälte ich mich manchmal wirklich durch die beständigen Ferien. Jeder ist wie er ist und das Leben wäre eintönig mit einer Sorte Mensch:)

    LG Xeniana

    Liken

    • Ja, denn dann sässen alle auf einem Haufen, bewegten sich im Gleichschritt von A nach B und würden sich verstehend anlächeln. Irgendwie eine grausame Vorstellung, zumal es sehr eng würde hier 😉

      Liken

  2. Ich bin ebenfalls eine sehr territoriale Person. Bin in den letzten 22 Jahren einmal umgezogen – 5 Kilometer weiter. Und es hat mir fast das Herz zerrissen, monatelang war ich desorientiert, bis sich neue Routinen eingeschliffen hatten.
    Reisen… naja, das Weggehen, mich Trennen vom Gewohnten ist das Schlimmste. Drei Wochen Urlaub im Urlaubsparadies muss ich aber ganz und gar nicht haben, wenn Reisen, dann jeden Tag an einem anderen Ort, nur entdecken und forschen, keine Beziehungen aufbauen, so dass auch keine Trennungen nötig werden.
    Wenn zwei oder drei Wochen Urlaub am gleichen Ort, dann am liebsten im Grosselternhaus meines Mannes, wo es immer etwas zu Werkeln gibt im Garten, in der Olivenplantage, beim Fischen…
    Ansonsten, zum Lesen, Faulenzen, Nichtstun, Schreiben, Denken,…. bin ich am wohlsten zuhause. Home is, where my Kaffeemaschine stands, meine Bücher, meine Nachschlagewerke, mein Computer, mein Tisch, mein Stuhl, mein Garten, wo ich weiss welcher Nachbar um welche Zeit wo durch spaziert, damit ich ihm aus dem Weg gehen oder mit ihm ein Schwätzchen halten kann je nachdem, ob ich Lust zum Schwatzen habe oder nicht.

    Liken

    • So etwas wünsche ich mir, ja. So ein Ankommen, einen Ort, an dem ich mich auskenne, die Leute kenne, die Gewohnheiten. Bislang war ich innerlich wohl zu getrieben, brauchte aber für mich meine Routine im Alltag, in meinem kleinen Kreis. Im Aussen hoffe ich, dass ich ihn auch kriege. Wobei ich nicht weiss, ob ich dann das innere Konstrukt aufweichen könnte, ich denke, das ist für mich das, was ich für mich elementar brauche.

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s