Keine Zeit

Zuerst wollte ich über das Alter schreiben. Das Thema, das vernachlässigt dahin dümpelt, weil nur Leben und Tod interessieren, sich niemand mit dem Alter und den Gebrechen, dem Umstand des nicht mehr gebraucht Werdens und allem mehr beschäftigen will. 

Dann kam mir die Idee der Kindheit. Ist man Kind, sehnt man sich nach Freiheit, nach dem älter werden, Erwachsen sein. Man denkt, ist man mal gross, ist alles gut, man kann selber entscheiden und ist frei. Ist man dann gross, denkt man, wie schön es nur war, als man noch klein war, keine Pflichten hatte, nicht entscheiden musste, einfach sein konnte. Das Thema hatte so was von „und was man hat, das will man nicht und was man will, das hat man nicht.“

Dann kam mir das Thema… das habe ich vergessen, Aber ich hätte sicherlich auch was drüber geschrieben… in den Sinn. Und so wechseln die Themen, man denkt sich rein, schreibt sich raus, geht weiter. Das Leben dreht, im Kopf, im Sein, und immer geht es weiter. Und immer denkt man: es fehlt die Zeit, für das, was wirklich wichtig wäre. Das, was man wirklich machen möchte. Wären da nicht all die andern Dinge, die ablenken, weil sie kurz interessieren. 

Sind es die Dinge? Wohl kaum. Es ist die eigene Wahl. Man entscheidet, wie man seine Zeit einteilt. Man ist Herr des Lebens. Regisseur. Nur vergisst man das dann und wann. Unterwirft sich. Dem Aussen. Vergisst das Innen. Oder man flieht davor, weil man Angst hat. Angst, es nicht zu erfüllen, nicht zu genügen. Verliert sich im Beiläufigen, um nicht ans Wirkliche zu gehen. Ginge man dran, müsste man sich beweisen. Und könnte scheitern. Die kleine Lebenslüge von „keine Zeit“. Sie hilft, selbst gemacht Ängste zu verdecken.

Gerade sah ich meine Hände im Spiegel. Skeletthände. Heute las ich etwas von Wurstfingern. Welche sind schöner? Wer bestimmt es? Wer gibt überhaupt die Namen? Wer wertet ständig dieses Leben und uns selber? Was ist überhaupt Wert?

Ich gehe nun schlafen. Ganz wertfrei. Mal sehen, welche Themen da hochkommen. Die Zeit nehme ich mir einfach mal. 

Gerade im TV läuft so ne sanft seichte deutsche irgendwas. Komödie? Tragödie? Eindeutig ist das nie, immer aber ist es psychologisch geschwängert. Der kleine Junge mit abwesendem Vater, schwangerer Mutter, aufmüpfiger Grossmutter, Problemen in der Schule.. Am Schluss brennt der Garten. Und alle sind wieder happy. Oder so. 

 

 

 

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