DSCF0005Schon lange war die Wanderung auf die Alp Sigel im Alpstein geplant, das Wetter zeigte sich von seiner guten Seite, allerdings fühlte ich mich eher müde und schlapp und hätte gerne gekniffen. Mein Wandergefährte zeigte sich unerbittlich, Tagwach 6 Uhr, Abfahrt 7 Uhr, alles Klagen über müde Beine, müden Körper, müden Kopf half nichts. Wir fuhren mit dem Auto nach Brülisau, wo wir auf dem Parkplatz der Bahn zum Hohen Kasten parkten. Der Hohe Kasten war nicht unser Ziel, somit wurde auch nichts aus einer gemütlichen Gondelfahrt.

DSCF0006Nach einer kurzen Stärkung mit Kaffee und Nussgipfel ging der Weg los. Anfangs noch gemässigt die Strasse hinunter, danach in die Wiese hinein und ziemlich schnell steiler werdend. Meine Beine zeigten sich schwer, ich konnte mir innerlich selber zuhören, wie ich mir vorbetete, dass ich das heute nicht schaffe, ich heute viel zu schlapp sei, meine Beine zu müde seien und überhaupt. Mit diesem innerlichen Monolog stieg ich weiter hoch, äusserlich wie immer schweigsam, ich bin kein grosser Redner – wenn, dann eher mit mir selber.

DSCF0011DSCF0016Ich sagte mir schon bald, dass es wenig bringt, die Litanei ständig zu wiederholen, zumal die Kräfte nicht wirklich zunehmen, wenn man sich ständig sagt, dass sie nicht da sind. Woran lag es, dass ich so haderte? Kämpfte ich mit einem Inneren Schweinehund, der sich von der speziell trotzigen Seite zeigte? Vielleicht versuchte er, zu obsiegen, doch da hatte er die Rechnung ohne meinen stoisch über der Situation stehenden Wanderpartner gemacht. Schweigend stiegen wir hoch und höher, immer wieder wurde ich gefragt, ob es mir gut gehe und auf das durchaus wunderbare Gefühl verwiesen, das beim Erreichen des Gipfels, welcher zudem noch mit einer wunderbaren Aussicht aufwarte, aufkäme. Wollte ich das am Anfang nicht wirklich hören – ich stand meinem Schweinehund in Sachen Trotz in nichts nach –, so klärte sich meine Laune doch mit jedem Meter  mehr auf. Der Blick wurde weiter, das Herz auch. Schon bald fand ich in meinen üblichen eher schnellen Tramp und flog förmlich den Berg hoch.

DSCF0024Der Weg war steil, er führte über wunderbar bunte Bergwiesen und durch Wälder immer höher. Die imposante Bergwand thronte immer eindrücklicher über uns – wüsste man es nicht besser, würde man nicht denken, dass der Berg ohne Klettern begehbar sei. Kurz unter der Wand machten wir  eine letzte Pause bei einer Hütte, liessen den Blick schweifen. Mittlerweile war ich einfach nur noch zufrieden, versöhnt mit mir und meinem Schicksal. Ein wenig brodelte das schlechte Gewissen in mir, war ich wohl nicht wirklich eine angenehme Wanderpartnerin gewesen die erste Hälfte. An dieser Stelle drum ein grosses Dankeschön an meinen geduldigen Wandergefährten, ohne den ich all die Wanderungen bislang nie gemacht hätte und der auch heute treu und aufmerksam an meiner Seite war.

DSCF0022Dann ging der Aufstieg weiter. Der Blick weitete sich mit jedem Schritt, reichte bald schon bis zum Bodensee, über weite Felder, viele Dörfer, eine Landschaft wie im Bilderbuch, die sich unter schönen Kumuluswolken an einem sonst blauen Himmel erstreckte. Schon bald stand ich am Fuss der Felswand. Durch die Zahme Gocht, einen Spalt im Felsen, der mit Stahlseilen gesichert ist, ging es hoch auf das Plateau.

DSCF0046DSCF0026Oben angekommen war ich ergriffen von dem, was ich sah. Berge erhoben sich hinter dem Grat, über den wir gekommen waren, teilweise noch im Schnee, staken sie steil und stolz in den Himmel. Auf der Seite, von der wir gekommen waren, eröffnete sich eine endlos scheinende Weite.  Einmal mehr kam mir der Gedanke, dass die Schweiz ein wunderschönes Land sei. Einmal mehr fühlte ich Demut in mir ob der Schönheit und Grösse der Natur, die sich bei jedem Schritt schon gezeigt hatten, nun in einer Dimension vor mir lagen, die überwältigend war.

DSCF0050Unser Weg ging dem Grat entlang weiter zuerst zum ersten Gipfel der Alp Sigel, welcher später dem zweiten, um 31 Meter höheren weichen musste, den wir ansteuerten. Nach einem Eintrag ins Gipfelbuch nahmen wir den Abstieg in Angriff. Zuerst ging es runter zur Alp Sigel. DSCF0051 Tief unter uns sahen wir bereits den Sämtisersee. Danach führte der Weg ziemlich steil weiter bis zum Gasthof Plattenbödeli, wo viele Wandersleute sich von den vergangenen Strapazen erholten und für die noch kommenden stärkten. Da alles gut besucht war, liefen wir weiter. Teilweise auf einer breiten Strasse, teilweise auf einem schönen Waldweg ging es zügig bergab, bis wir endlich im Tal ankamen und wieder nach Brülisau zurück liefen.

DSCF0060Ich bin froh, nahm mir mein Weggefährte die anfänglichen Ermüdungserscheinungen und Unlustbekundungen nicht übel und versicherte mir, dass ich auch bei der nächsten Wanderung wieder mit dabei bin.

 

Fazit:
Die Wanderung ist nicht sehr lang, wir schafften alles in einer Zeit von 2 Stunden und 50 Minuten reiner Laufzeit, angeschrieben sind 2 Stunden 20 hoch und 1,5 Stunden runter. Sie ist nicht sehr anspruchsvoll, aber grossenteils sehr steil, was doch in die Beine geht. Der Blick von ganz oben ist eine Wucht, er entschädigt für alles, was man bis dahin durchgestanden hat an körperlichen Strapazen.

Die Zeit reichte nicht für eine ausgedehnte Bergtour, so dass der Weg heute ins Zürcher Unterland führte. Mit dem Auto fuhren wir nach Dielsdorf, ein ausserordentlich malerisches Städtchen, das ich vorher nur vom Namen her kannte. Zwischen Riegelhäusern liefen wir hoch, kamen bald auf einen Weg, der von Wald und Rebbergen gesäumt war. Am Himmel ballten sich Wolken, es war nicht ganz sicher, ob wir den Weg trocken schaffen würden, doch die Sonne drückte immer wieder durch. Der Vorteil des Wetters war, dass es nicht zu heiss war, so dass der doch eher steile Aufstieg keine Schweissflüsse auslöste.

IMG_3204Nächstes Ziel war Regensberg, ein mittelalterliches Städtchen, welches auf einem Felssporn der Lägern hoch über Dielsdorf liegt. Schon vom Städtchen aus hat man einen Blick, der seinesgleichen sucht, steigt man  noch die Stufen zum Turm hoch, wird das noch getoppt, man sieht über weite grüne Flächen, kleine Dörfchen (sogar ein paar Geographielücken meinerseits konnten geschlossen werden) bis hin nach Deutschland, sieht Zürich winzig klein in weiter Ferne. Alles, was mal gross war, wird plötzlich überschaubar.

 Manchmal muss man nur hoch genug steigen, um die Relationen der Dinge zu sehen.

IMG_3207Unser Weg führte weiter zur Hochwacht. Wir waren nicht alleine, was an einem Feiertag und bei doch schönem Wetter nicht erstaunlich ist, trotzdem blieben die ganz grossen Massen aus, was wohl dem nicht ganz klaren Wetter zu verdanken war. Durch einen sehr gepflegten Wald stiegen wir hoch, schon ziemlich hungrig und hoffend, dass das Restaurant auf der Hochwacht geöffnet sei, wir einen ersehnten Wurst-Käse-Salat bekommen können. Wir wurden nicht enttäuscht, das Selbstbedienungsrestaurant war offen. Zwar war der Wurst-Käse-Salat nicht erhältlich (ein kurzes Grummeln wurde durch den Anblick der Alternative schnell beendet), dafür konnten wir uns auf eine sehr leckere Bauernplatte stürzen, die neben einem gut gereiften Greyerzer Speck und Salsiz enthielt. Dass der Ausblick von der Aussichtsfläche einmal mehr wunderbar war, wäre wohl kaum nötig zu erwähnen.

IMG_3209Gestärkt und beschwingt nahmen wir den Abstieg unter die Füsse, er ging zügig, das Wetter hielt den ganzen Tag und schon bald standen wir wieder neben dem Auto, das uns nach Hause fuhr. Insgesamt sind wir wohl 2,5 Stunden gelaufen, keine Anspruchsvolle Geschichte, aber wunderschön und sehr empfehlenswert.

DSCF0036Heute führte die Wanderung in meine Heimat, verbrachte ich doch die schönste Zeit meiner Kindheit im wunderbaren Berner Oberland, genauer im Diemtigtal – mit Ausflügen ins Simmental. Seit ich denken kann, habe ich einen Kraftberg, einen Berg, der mir was bedeutet, an den ich Erinnerungen habe, der mir Mut macht, wenn ich ihn sehe, den ich lange vom Wohnzimmerfenster her sah und den ich als Kind jährlich mindestens einmal bestieg.

DSCF0041DSCF0043Um 10 Uhr landeten wir am Bahnhof Erlenbach und liefen zur Talstation der Stockhornbahn hoch. Nicht mehr ganz früh dran, waren wir nicht alleine. Aus Zeitgründen fuhren wir mit der Seilbahn bis zur Mittelstation. Sehr willkommen war die Gepäckannahme der Bahn, so dass wir nicht mit Rollkoffer den Berg hinauf kraxeln mussten. Da der Gepäckraum nicht wirklich bewacht (eigentlich gar nicht) war, blieb der Kitzel, ob wir unten angekommen unser Gepäck wiederfinden würden. Die Fahrt hinauf war wunderbar und eng – wie wohl immer an schönen Tagen. Bald schon sah ich auf der gegenüberliegenden Hangseite das Diemtigbergli, in dem ich einen Grossteil meiner Kindheit verbracht habe, wo ich Ski fahren lernte und einfach zu Hause war. Die Seilbahn landete im Chrindi, der Mittelstation. Aus dem Gebäude getreten eröffnete sich schon der Blick auf den Hinterstockensee – wunderbar zum Fischen und einfach malerisch gelegen. Vor uns steil empor das Stockhorn – des Berges zweiter Teil. Wir marschierten los, leider war der eine Weg noch geschlossen wegen Schnee, so dass wir den Touristenweg wählen mussten. Schnell war ein rhythmischer Tritt gefunden und so ging der Aufstieg flott, er floss förmlich. Heute waren die Gedanken frei, einer Meditation gleich flogen sie dahin, ohne irgendwo anzustehen, einfach im Fluss.

Mit jedem Schritt erweiterte sich auch hier das Panorama. Kindheitserinnerungen kamen auf, wie oft war ich diesen Weg gegangen, teilweise vom Diemtigbergli runter, Stockhorn rauf, runter, wieder zum Bergli rauf. Eine Kindheitsepisode kam mir in den Sinn. Ich war schon den ganzen Hang vom Bergli runtergelaufen, nun wieder auf halbem Weg bis zur Mittelstation rauf, da zog über unserm Kopf die Seilbahn durch, Kinder winkten runter. Empört sagte ich zu meinem Vater: „Wenn ich mal Kinder habe, frage ich die, ob sie fahren oder laufen wollen.“ Mein Vater, der nun nicht wirklich ein Unmensch war ( alles andere) sagte bei der Ankunft an der Mittelstation zu mir: „Schau, hier können wir noch bis zum Gipfel fahren. Magst du?“ Trotzig sagte das Kind (also ich): „Nun bin ich bis dahin gelaufen, nun lauf ich auch noch den Rest.“ Sagte es und lief hoch, wieder runter und die andere Seite wieder hoch. Der Trotz, gemischt mit Ehrgeiz, geht mir wohl heute noch nach.

DSCF0060Nach kurzer Zeit schon war es leider mit der Stille der Berge vorbei. War ich bislang sehr happy, einen Wandergenossen gefunden zu haben, der genauso wie ich schweigend Berge hoch läuft, trafen wir alle paar Meter auf Turnschuhtouristen, die den Berg mit der Bahn hochgefahren waren und nun eifrig plappernd runterliefen. Das trübte das Bergerlebnis ein wenig, hatte ich es doch aus der Zeit vor 30 Jahren (Zahl bitte sofort wieder vergessen) ruhiger in Erinnerung. Nichts desto trotz entschädigte  das Panorama von Meter zu Meter. Eiger, Mönch und Jungfrau, Blüemlisalp, Finsterarhorn – alle zeigten sie sich immer mehr. Erlenbach weit unten im Tal wurde zur Spielzeugeisenbahnlandschaft.

DSCF0063Vorbei an der Oberstockenalp, welche übrigens im Sommer wunderbare Wanderbauernplatten mit leckerem Käse und Hobelfleisch serviert, die kühlenden Getränke nicht zu vergessen, ging der Weg weiter bis zum Gipfel, welcher um die Mittagszeit an einem Sonntag natürlich gut bevölkert war.

 

 

DSCF0076Schnell ein Gipfelfoto geschossen, den Blick in die Weite über Thun bis nach Bern (dieses Mal im Dunst, sonst gut sichtbar) genossen, machten wir uns an den Abstieg, um ein ruhiges Plätzchen für die Mittagspause zu finden. Wir fanden es am Vorderstockensee, wo nicht alle Turnschuhtouristen hinkamen. Von da führte unser Weg über sehr steile Bergwanderwege zuerst nochmals hinauf, dann hinunter, die Knie begannen zu schlottern, aber die Ruhe war herrlich.

DSCF0084Anfangs noch ein wenig grummlig, weil meine Kindheitserinnerung nicht mehr ganz so idyllisch war, wie gedacht, weil ich an einer noch nicht ganz abgeheilten Verletzung litt, der Zeitdruck spürbar wurde, ich musste nach Hause, und Selbstzweifel dem Ganzen die Krone aufsetzten, kehrte schon bald ein wohliges Gefühl zurück: Der Weg war gut ausgeschildert, menschenleer, die Gedanken und der Schritt flossen wieder dahin und die Welt war in Ordnung. Nach 5 Stunden und 45 Minuten Wanderzeit kamen wir bei der Talstation an, wo wir unser noch vorhandenes Gepäck aufgriffen, zum Bahnhof pilgerten und die Heimreise antraten. Im Kopf schon beim Fahren das Lied im Kopf „Ich han Heimweh nach de Berge…..“. Einmal Bergkind, immer Bergkind. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei meinem wunderbaren Wanderbegleiter, der sich als Einzelbergwanderer in dieses Tourigewimmel stürzte für mich und mich aus meinen zeitweilig trüben Gedanken riss. Es war wunderbar.

 

Fazit:

Von unten hoch und wieder runter ist das Stockhorn eine Herausforderung für die Ausdauer, da es mitunter sehr steil ist, was beim Weg hinunter (vor allem ab dem Chrindi) in die Knie geht. Wer andere Leute beim Wandern liebt, kann getrost hinaufsteigen, wer die Stille der Berge sucht, sollte den „üblichen“ Weg meiden und andere Routen wählen oder aber unter der Woche hinaufsteigen, wenn es deutlich ruhiger ist. Der Ausblick vom Gipfel ist wundervoll, den kann ich jedem nur ans Herz legen.

 

 

DSCF0003DSCF0017Der Weg startete in Gstaad, zuerst noch harmlos am Bach entlang, durch ein lauschiges Wäldchen, später dann an Bauernhöfen und Chalets vorbei. Bald wurden die Häuser weniger, die Wiesen grüner, vor uns lag der steile Hang. Forschen Schrittes stiegen wir auf, bis wir merkten, dass der verfolgte Weg nicht dem auf der Karte verzeichneten Weg entsprach, worauf wir beschlossen, das Bord gerade hinauf zu kraxeln. Schnell hatte ich meinen Rhythmus gefunden und damit floss der Aufstieg wie von selber.


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Die Gedanken folgten ihm, ich sinnierte über die Zeit. Fragte mich, ob alles seine Zeit habe im Leben (und auch sonst), ob Zeit wirklich Rat bringt oder man ihn sich selber beschaffen muss. Zeit ist grundsätzlich gegeben, wir haben sie und sie fliesst gemächlich dahin. Ab und an wollen wir sie anhalten, dann wieder beschleunigen, wir klagen über Dinge, die unsere Zeit stehlen und verschwenden sie an anderen Ecken und Enden. Haben zu wenig davon und doch dauert manches zu lange, weil zu viel Zeit bis zum Ersehnten liegt. Wenn wir keine Zeit haben – wer hat sie dann? Wenn wir uns Zeit lassen – fliesst sie dann langsamer? Wenn die Zeit vergeht – wo geht sie hin?

DSCF0021 Und mit diesen Gedanken im Kopf stieg ich Meter für Meter den Berg hinauf, nicht ohne immer wieder den Blick in die Ferne schweifen zu lassen und die wunderbare Aussicht zu geniessen. Irgendwann landeten wir bei der stillgelegten Bergstation des Lifts, das Bergrestaurant war geschlossen und wir hatten die Terrasse für uns. Ich genoss ein Sonnenbad auf einer Holzbank, welches wohl für meinen doch sehr ausgeprägt roten Kopf verantwortlich gewesen sein dürfte. Das Panorama vom Wasserngrat ist bombastisch. Gstaad, Saanen – alle liegen sie ganz klein unten im Tal, mitten in stolz sich erhebenden Bergen, die noch mit Schnee bedeckt sind. Es klingt kitschig zu sagen, dass die Weite des Blicks Herz und Geist sich weiten lässt, aber genau so fühlte es sich an.

DSCF0031 Wir packten unsere sieben Sachen und stiegen weiter hoch. Es folgten Schneefelder und mörderisch rutschige und steile Hänge. Wegweiser waren nicht zu finden, die lagen wohl unter Schneedecken, das einzige, was zu lesen war, war eine Absturz- und Todesnachricht eines an dieser Stelle Verunglückten. Wir beschlossen, dies nicht zu wagen, kehrten um und wanderten wieder ins Tal runter. Der Abstieg führte zuerst wieder über die mit Krokussen übersäten Wiesen, später stiessen wir dann auf den Weg, welchem wir zurück nach Gstaad folgten.

Im Bernerhof (übrigens als Wanderhotel sehr zu empfehlen, stellt es doch am Morgen Reiseproviant für hungrige Wanderer zur Verfügung, ist zentral beim Bahnhof gelegen und überzeugt durch sehr nettes und zuvorkommendes Personal, einladende Zimmer und vieles mehr) in Gstaad gelandet, genossen wir, in die Lounge gelümmelt, eine eiskalte Erfrischung und liessen den wunderbaren Tag nochmals Revue passieren.

 

Fazit:
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Eine wunderbare Wanderung, nicht wirklich schwierig, von Gstaad bis zur Bergstation und zurück in 3,5 Stunden gut machbar – flinke Wanderer schaffen es wohl schneller. Das Bergpanorama ist eine Wucht, die Gegend wunderbar. Absolut empfehlenswert.

DSCF0002War ich als Kind viel gewandert, das sogar gerne (wenn ich mal unterwegs war, vorher konnte es durchaus vorkommen, dass ich motzte und nicht wirklich begeistert war), hörte das Wandern mit der Pflicht durch die Eltern ziemlich auf. Nicht dass ich nicht bei jedem Bild von Bergen das Reissen bekam, noch immer war ich Bergkind, die Berge für mich Kraftorte und wenn ich die Wahl hatte zwischen Bergen und Meer, wählte ich immer die Berge, aber ich raffte mich nicht mehr auf, hatte auch niemanden, der half, Motivation wachzurufen und ohne sah ich mich nicht in der Lage, meine eher faulen Glieder in Bewegung zu kriegen.

DSCF0009Heute kam die Veränderung. Ich wanderte aufs Schnebelhorn, seines Zeichens höchster Berg des Kantons Zürich. Die Wettervorhersagen waren eher mässig, meine sonst wirklich liebe Mama lachte sich kaputt, als sie von meinen Plänen erfuhr, ich aber zog es dank wunderbarer Begleitung durch (zumal ich nicht das Gesicht verlieren wollte und mich auch wirklich freute).

Mit dem Zug ging es nach Steg, von wo die Wanderung losging. Schon nach kurzer Zeit waren wir mitten im Grünen. Nach all den Jahren einfach nur wunderbar. Die ersten Meter waren eher steil, aber gut machbar. Ich spürte einen lange nicht mehr gekannten Elan, stieg munter bergan. Das Grün nahm zu, mit jedem gewonnenen Meter wurde der Horizont weiter, die Sicht ging mehr in die Ferne. Berge erhoben sich weit hinten, umschlossen von Tälern, Ebenen mit Städten und Dörfern. Weit hinten erkannte man alsbald auch den Bodensee – ein Panorama, das seinesgleichen sucht (zumindest für einen Langzeitnichtmehrwanderer).

DSCF0019Der Aufstieg war problemlos, auch das als schmal und gefährlich ausgewiesene Weglein war gut machbar (an dieser Stelle auch mal ein grosses Dankeschön an meine Eltern und vor allem meinen Papa, der mir ein guter Lehrmeister in Sachen Wandern gewesen ist).  Das stille und gleichmässige Hochsteigen liess meine Gedanken fliessen, ohne dass ich sie gross lenkte. Eine Weite und Klarheit tat sich auf – aussen wie innen – und das war wunderbar. Ich gestand mir ein, dass ich vor der Wanderung schon meine Ängste hatte – Angst, den Mund zu voll genommen zu haben, Angst, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Angst, dadurch das Gesicht zu verlieren. Und ich lernte über mich viel dabei:

Oft sehen wir die Herausforderungen grösser als sie sind, weil wir uns selber kleiner einschätzen, als wir in Tat und Wahrheit sind.

DSCF0030Der Gipfel kam nah und näher, am Ende wartete nochmals ein eher steiles Stück. Oben angekommen war das Hochgefühl grandios. Geschafft. Was am Anfang so gross und hoch erschien, war einfach erlaufen worden. Ich war oben und ich fühlte mich toll. Das Wetter hatte ziemlich gehalten, ein paar sehr starke und kalte Winde liessen mich zwar vor Kälte erbeben, das tat meinem Glücksgefühl keinen Abbruch. Auf das geplante Picknick wurde zugunsten einer Einkehr im Tierhag verzichtet. Ein zünftiges Bergplättli gab neue Kraft und der Abstieg konnte beginnen.

DSCF0040Es gab mehrere Optionen, eine war wegen Forstarbeiten geschlossen. Wir wählten eine Variante, die teilweise sehr steil durch den Wald ging, schlussendlich aber bei der Tössscheide ankam und dem Fluss entlang bis nach Steg zurückführte. Insgesamt sind wir wohl an die 4,5 Stunden gelaufen – die Pausen nicht eingerechnet. Es war wunderbar, es war ein Erlebnis, wie ich es schon lange nicht mehr hatte. Klar hat es Kraft gebraucht, aber es gab noch viel mehr zurück. Drum meine Erkenntnis:

Der Weg auf einen Berg mag dich Kraft kosten, ihn bezwungen zu haben wird dir aber ein Vielfaches an Kraft zurück geben.

DSCF0049Die Zugfahrt zurück war eine erfüllte, eine sehr stille, ein wenig müde, aber glückliche. Fazit des Tages: Das war erst der Anfang (und was für einer), es geht weiter und ich freue mich drauf.