Die Fussball EM steht vor der Tür. Wetten werden bereits heute abgeschlossen – Terrorakte geplant. Man weiss nur von denen, die man vor Beginn aufdeckte, gibt es weitere? Man weiss es nicht, drum sorgt man vor: Man macht Trockenübungen, wie man im Falle eines Aktes agieren müsste… Man hat keine Ahnung, wie der Akt aussehen könnte, aber man übt.

Das ist sicher löblich, man sollte sich ja nicht unvorbereitet in ein Wagnis stürzen, nur: Ist das Wagnis zu gross in Anbetracht der heutigen Lage? Paris ist noch nicht vergessen, Brüssel sitzt fast noch in den Knochen, Istanbul ganz frisch. Vorzeichen gibt es auch für die EM.

Müsste man die EM absagen? Wäre das ein Sieg des Terrors, weil man klein beigab? Oder dürfen Menschen Bauernopfer der eigenen Standhaftigkeit sein? Kann man diese EM wirklich guten Muts und ohne Angst verfolgen? Muss man die Angst, die überall latent sein könnte, einfach ignorieren?

Man könnte nun einwenden, dass die Durchführung einer EM/WM in den letzten Jahren immer Fragen aufwarf: Enteignung der (hauptsächlich) armen Bevölkerung, Schliessung von Schulen, Bestechung, etc…. der Sport läuft schon lange mit Nebenwirkungen. Ist Terror nur eine von vielen oder ändert er alles?

Des Lebens Fluss

Mein Leben ist in diesen zwölf Jahren keineswegs übel gewesen, und das ist es auch heute noch nicht. Es ist in fast jeder Beziehung phantastisch gewesen. Und obwohl mir mit zunehmendem Alter immer mehr Dinge Angst machen, und obwohl mir immer klarer wird, dass einem üble Dinge passieren können und auch tatsächlich passieren, gibt es sehr wenig, was mich wirklich beunruhigt oder nachts nicht schlafen lässt. Ich glaube immer noch an die Liebe und Leidenschaft. Und ich würde nicht viel oder gar nichts ändern. Vielleicht würde ich mich nicht mehr scheiden lassen. Und mein Sohn, Ralph Bascombe, würde nicht sterben.

Frank Bascombe lebt im New Jersey der 80er Jahre, ist Mitte 30, geschieden, Sportreporter. Er lebt ein eigentlich einfaches Leben, reist durchs Land, um Interviews mit Sportlern zu machen. Ab und an trifft er sich mit seiner Exfrau, die er X nennt – vermutlich weil ihm der richtige Name zu nahe ginge und er nichts wirklich an sich heran lässt.

Während Frank sein beschauliches Leben lebt, verliert er sich immer wieder in Gedanken und Erinnerungen. Er denkt über seine Kindheit nach, über seine Beziehungen, einzelne Erlebnisse, die ihn in der Vergangenheit prägten, über die Brüche in seinem Leben. Diese Brüche  scheinen die Konstante in Franks Leben zu sein: der Verlust des Sohnes, der Ehefrau, der literarischen Ambitionen. Frank ist Mitglied im Club der geschiedenen Männer, obwohl er von sich behauptet, über seine Scheidung hinweg zu sein. Dieser eher oberflächliche Club besticht durch zwei Dinge: Seine Mitglieder haben alle Brüche im Leben erlebt, wie Frank selber und es sind die einzigen Menschen, zu denen er eine irgendwie geartete Beziehung hat, so oberflächlich sie auch sein mag.

Frank möchte ein neues Leben aufbauen, allerdings vermeidet er alles, was ihn wirklich aus der Vergangenheit lösen und in die Gegenwart eintauchen liesse. Und so zerbrechen auch seine Neuanfänge und er sucht weiter. Und glaubt weiter, dass er finden wird, was er sucht.

Möglichkeiten brauchen wir alle. Und wenn ich in die gemauerte Welt dieser amerikanischen Städte hinausgehe, empfinde ich genau das. Jede Menge Möglichkeiten. Dinge, von denen ich keine Ahnung habe, die mir aber möglicherweise gefallen, sind hier und warten vielleicht auf mich. Selbst wenn sie’s nicht tun. Die Heiterkeit eines Neuankömmlings.

Der Sportreporter ist der erste Teil einer Trilogie (Teil zwei und drei sind Unabhängigkeitstag und Die Lage des Landes) um Frank Bascombe, einen durchschnittlichen Menschen, der sich selber zu erfinden versucht, sich dabei immer wieder auf starke Frauen stützt, die nie bleiben, der sein eigenes und das Scheitern Amerikas über Seiten hinweg reflektiert und den Leser auf diese Weise eintauchen lässt in seine Gedanken, seine Irrläufe, sein Leben.

 

Fazit:
Ein ruhiges Buch, ein Buch voller Erzählungen und mit wenig Erlebtem. Das Buch lässt einem Frank Bascombe ans Herz wachsen, indem es einen mit in die Tiefen seiner Gedanken mitnimmt. Empfehlenswert.

 

Zum Autor
Richard Ford
Richard Fordwurde 1944 in Jackson, Mississippi, geboren und lebt heute in Maine. Er studierte zunächst Hotelmanagement, dann Englische Literatur und schließlich creative writing bei E.L Doctorow. Er hat sechs Romane sowie Novellen, Kurzgeschichten und Essays veröffentlicht. 1996 erhielt er für Unabhängigkeitstag den Pulitzer Prize und den Pen/Faulkner Award. Er zählt mit Raymond Carver und Tobias Wolf zu den Begründern des dirty realism. Von ihm erschienen sind unter anderem Unabhängigkeitstag, Die Lage des Landes, Kanada, Der Sportreporter.

 

FordSportreporterAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Dezember 2013)
Übersetzung: Hans Hermann
ISBN-Nr.: 978-3423142717
Preis: EUR  12.90 / CHF 21.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online unter andrem bei AMAZON.DE und BOOKS.CH