Die Jagd nach dem Mörder – oder umgekehrt

Als sie sich aufrichtete, stellte sie verdutzt fest, dass sie sich auf einer groben Holzbank befand und ein kräftiger Mann halb auf ihr lag. […] Sie zuckte zurück, doch der Mann bewegte sich nicht. Scheisse!

Als Alice aufwacht, findet sie sich an einem unbekannten Ort an einen unbekannten Mann gefesselt. Als auch dieser aufwacht, teilen die Beiden das Erstaunen über die Situation, beide wissen nicht, wie sie an diesen Ort – den sie bald als New Yorks Central Park erkennen – und in diese Situation gekommen sind. Dass ihnen ihre Habseligkeiten gestohlen worden sind und die Kleidung zudem mit Blut getränkt ist, macht alles noch merkwürdiger.

Gemeinsam machen sie sich auf die abenteuerliche Suche nach den Gründen. Das wird vor allem für Alice schmerzhaft, die sich mit den dunkelsten Erlebnissen ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Die Geschehnisse überstürzen sich, bald jagen sie einen Mörder – und sind selber gejagt.

Guillaume Musso ist einmal mehr ein Meisterwerk der Spannung gelungen. Die Geschichte entwickelt sich rasant, die Figuren sind plastisch und der Plot stimmig. Ein der Geschichte zugrundeliegendes Geheimnis wird nach und nach aufgelöst, man weiss nicht genau, wo die Wahrheit genau liegt und muss fast bis zur letzten Seite durchhalten, es zu erfahren. Kein Wunder, legt man das Buch nicht mehr aus der Hand, hat man mal mit Lesen begonnen.

Müsste man einen Makel finden, so wäre es das Ende – es ist zwar völlig unerwartet, was durchaus positiv ist, dabei aber ein bisschen zu kitschig im Vergleich zum Rest des Buches (zumindest für mich).

Fazit:
Einmal angefangen, lässt einen das Buch nicht mehr los. Spannung pur für den Strand oder den Liegestuhl zu Hause. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Guillaume Musso
Guillaume Musso wurde 1974 in Antibes geboren. Er arbeitete als Gymnasiallehrer und Universitätsdozent, bis er 2001 seinen von der Kritik hoch gelobten Debütroman veröffentlichte. Der große Durchbruch gelang ihm mit seinem zweiten Roman Ein Engel im Winter, den er nach einem schweren Autounfall geschrieben hatte. Auch seine Roman Eine himmlische Begegnung und Vielleicht morgen stürmten auf Anhieb die französischen Bestsellerlisten.

Angaben zum Buch:
MussoCentralTaschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Piper Verlag (1. April 2016)
Übersetzung: Eliane Hagedorn, Bettina Runge
ISBN-Nr.: 978-3492309257
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90

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Drohendes Unheil im Paradies

Marcus Goldman, Protagonist und Erzähler, ist Schriftsteller. Er kauft sich ein Haus in Florida, um in Ruhe seinen nächsten Roman zu schreiben. Es soll der Roman seiner Familie werden.

„Samstag kommen die Baltimores, Sonntag die Montclairs.“ Was angfangs jedoch nur eine liebevolle Zuschreibung war, um uns leichter auseinanderhalten zu können, wurde im Laufe der Jahre zu einer Art Gütesiegel, das eine tiefe Spaltung im eigenen Clan ausdrückte.

Die drei Goldman-Cousins sind ein unzertrennbares Gespann. Hillel und Woody wohnen mit ihrer Familie in Baltimore, Marcus mit seiner in Montclair. wobei er sich dafür schämt, denn bei den Baltimores ist alles grösser, schöner und besser. Aus diesem Grund ist er auch so oft er kann in Baltimore, um mit seinem Onkel Saul, den er sehr bewundert, und Tante Anita, die wunderschön ist, vor allem aber mit seinen Cousins zusammen zu sein. Nichts kann das Trio auseinanderbringen, nicht einmal, dass sie sich in dieselbe Frau verlieben. Das denkt man zumindest, bis es zur Katastrophe kommt. Danach ist nichts mehr, wie es mal gewesen ist.

Joël Dickers Roman Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert war ein Riesenerfolg, die Erwartungen an den neuen Roman waren entsprechend hoch. Gelingt Dicker erneut ein Pageturner? Schafft er es wieder, den Leser zu fesseln und nicht mehr loszulassen? Die Antwort ist eindeutig: Ja. Die Geschichte der Baltimores erzählt die Geschichte einer Familie in Amerika. Von der ersten Seite an weiss man, dass mit der Familie etwas schreckliches passieren wird, aber man hat keine Ahnung was. Ausser ein paar Andeutungen auf die kommende Katastrophe erzählt Dicker unterhaltsam von drei Jungen, ihren Gefühlen, ihrem Werdegang. Es gelingt ihm dabei, gekonnt zwischen den Zeiten zu wechseln, die Gegenwart des Schreibens mit der erinnerten Vergangenheit zu durchmischen und dadurch die Spannung immer grösser werden zu lassen.

Dicker überzeugt einmal mehr mit Erzählkunst auf ganz hohem Niveau: Plastische Figuren, stimmiger Plot, perfekt eingesetzter Spannungsaufbau. Müsste man dem Buch etwas Negatives anlasten, wäre es, dass die doch immerhin 509 Seiten viel zu schnell gelesen sind.

Fazit:
Eines der besten Bücher seit langem. Plot, Sprache, Charaktere – Erzählkunst auf höchstem Niveau. Packend, unterhaltend, wunderbar. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Joël Dicker
Joël Dicker wurde 1985 in Genf geboren. Der studierte Jurist hat bislang zwei Romane geschrieben: Les Derniers Jours de nos Pères und La Vérité sur l’Affaire Harry Quebert (Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert). Für Letzteren bekam er den Grand Prix du Roman der Académie Française zugesprochen sowie den Prix Goncourt des Lycéens. Das bei einem winzigen Verlag erschienene Buch wurde in Frankreich zur literarischen Sensation des Jahres 2012 und mittlerweile in über 30 Sprachen übersetzt.

Angaben zum Buch:
DickerBaltimoresGebundene Ausgabe: 512 Seiten
Verlag: Piper Verlag (2. Mai 2016)
Übersetzung: Andrea Alvermann, Brigitte Grosse
ISBN-Nr.: 978-3492057646
Preis: EUR 24 / CHF 27.90

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Wer ist gut, wer böse?

Prison-BreakLincoln Burrows soll den Bruder der Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten ermordet haben und ist deswegen zum Tod verurteilt. Trotzdem er seine Unschuld beteuert, steht ihm der elektrische Stuhl bevor, bis dahin sitzt er Fox-River-State-Gefängnis. Der einzige, der an seine Unschuld glaubt, ist sein Bruder Michael Scofield. Da kein legales Mittel greift, den Inhaftierten aus dem Knast zu holen, plant Michael Scofield, ihn aus dem Gefängnis zu befreien. Er lässt sich dazu bei einem inszenierten Banküberfall verhaften und kommt in der Folge ins gleiche Gefängnis wie sein Bruder. Von da soll nach einem genauen Plan der Ausbruch gelingen.

PrisonBreakDie Bedingungen vor Ort sind von mehr Problemen behindert, als Michael sie auf dem Reissbrett beim Planen berücksichtigt hat. Immer wieder droht die Aktion zu scheitern, immer tauchen neue Hindernisse auf, die es aus dem Weg zu räumen gilt. Dabei werden immer mehr Leute in den Ausbruch involviert, was schwierig ist, da nicht alle schlussendlich mit können. Wird der Ausbruch gelingen? Und wenn ja: Wie soll es nachher weiter gehen?

In vier Staffeln entwickelt sich eine Serie, die an Spannung und Dynamik kaum zu überbieten ist. Einmal geht es nicht darum, den Bösen zu erwischen, sondern das System soll überlistet werden, um aus einem sicheren Gefängnis auszubrechen. Die Protagonisten sind mehrheitlich Verbrecher, die alle ihre eigene Situation als Priorität setzen und dementsprechend bestechlich sind, wodurch immer wieder neue Probleme auftauchen. Zudem sieht man, dass nicht ganz einfach zwischen gut und böse, Verbrecher und Polizist unterschieden werden kann, da in beiden Lagern alle Schattierungen von Charakteren anzutreffen sind.

Die Serie hat Suchtfaktor. Am Besten besorgt man sich gleich die komplette Staffel auf DVD und hofft auf ruhige und regnerische Wochenenden, an denen man ungestört Serienmarathon feiern kann.

Fazit
Spannung pur mit Suchtfaktor. Einmal angefangen, lässt einen die Serie kaum mehr los. Absolut sehenswert.

Informationen:

Deutscher Titel Prison Break
Originaltitel Prison Break
Prouktionsjahr 2005 – 2009
Umfang 4 Staffeln / 81 Episoden
Besetzung:
Michael Scofield Wentworth Miller
Lincoln Burrows Dominic Purcell
Fernando Sucre Amaury Nolasco
Dr. Sara Tancredi Sarah Wayne Callies
Alexander Mahone William Fichtner
Theodore „T-Bag“ Bagwell Robert Knepper
John Abruzzi Peter Stormare

Trailer

breaking-bad-castFamilienidylle in der Kleinstadt, ein eher biederer Chemielehrer mit schwangerer Frau und Sohn mit Geburtsgebrechen. Die Liebe ist gross, das Geld eher knapp, doch alles kann dem Familienglück nichts anhaben, bis die Diagnose kommt: Walter White hat Lungenkrebs. Die zweite Hiobsbotschaft folgt sogleich: Die Behandlung ist teuer und die Krankenkassen zahlen nicht.

Um den Kranken etwas abzulenken, nimmt ihn Hank, seines Zeichens Schwippschager und DEA Agent, zu einem Einsatz mit, bei dem ein Methamphetamin-Labor ausgehoben wird. Von da an überschlagen sich die Zufälle und die Geschichte nimmt ihren Lauf:

BreakingBadWalter erkennt einen ehemaligen Schüler (Jesse Pinkman), der vom Tatort flieht und sieht die Summen an Geld, die in dem Geschäft zu holen sind. Schnell sieht er die Lösung all seiner Probleme: Als Chemielehrer kann er das Zeug herstellen und in seinem ehemaligen Schüler hat er den geeigneten Partner. Seine Behandlung wäre finanziert und seine Familie abgesichert.

So könnte die Idylle weitergehen, wäre das Kochen und Verkaufen von Drogen nicht etwas riskanter als das von Bolognese-Sauce. Walt verstrickt sich in Lügen und Geheimniskrämereien, die einst glückliche Ehe wird zur Zitterpartie, das ganze Leben zu einer tickenden Zeitbombe – und dabei ist der Krebs längst das kleinste Risiko.

Als Zuschauer wird man Zeuge des langsamen Wandels eines Menschen, der einst biederer und korrekter Lehrer war und sich nach und nach zum skrupellosen Gangster entwickelt, der über Leichen geht, um seine Ziele zu verwirklichen. Zwar scheinen immer wieder Gewissensbisse durch, doch verliert man mit der Zeit die Sicherheit, was nun echt und was gespielt ist. Ganz grosses Kino. Wer findet, Spannung alleine sei noch viel zu wenig, dem winken als Sahnehäubchen noch eine gute Menge schwarzer Humor und Komik (nicht zuletzt durch den nicht ganz gesetzestreuen Anwalt Saul Goodman, der überall seine Finger im Spiel hat). Intelligente Schachzüge, gut gesetzte Cliffhanger, unerwartete Twists runden das Ganze ab.

Aber Achtung: Wer gerne mal ab und an einen spannenden Film schaut, dem sei dringendst abgeraten, denn: Diese Serie hat Suchtfaktor. Die fünf Staffeln ziehen einem förmlich den Ärmer rein und man betet um verregnete Wochenenden und Entschuldigungen, nie mehr vom Sofa aufstehen zu müssen.

Fazit
Spannung pur. Brillante Schauspieler, tolles Drehbuch, gut umgesetzt – Der Suchtfaktor sprengt alles vorher Dagewesene. Unbedingt schauen!

Informationen:

Deutscher Titel Breaking Bad
Originaltitel Breaking Bad
Prouktionsjahr 2014
Umfang 5 Staffeln (7/13/13/13/16 Episoden)
Besetzung:
Walter „Walt“ White /Heisenberg Bryan Cranston
Jesse Pinkman Aaron Paul
Skyler White Anna Gunn
Walter White Jr RJ Mitte
Hank Schrader Dean Norris
Marie Schrader Betsy Brandt
Saul Goodman Bob Odenkirk

Trailer

Ich liebe meine Tochter über alles. Und wenn Sie ihr das Herz brechen, dann breche ich Ihnen das Genick. Ich schwöre es.

Der Satz ist typisch für die Serie und ich liebe diese Haltung. Sie drückt Kraft, Spannung, Energie und völlig verschwurbelte Verhältnisse aus. Worum es geht? Um einen Familienbetrieb, der mal auf Eislauf setzt, dann auf Sport, dann auf Wellness, schliesslich auf Tanzen – bis alle Tänzer bei einem Busunglück ums Leben kommen und die Firma vor dem Ruin steht und sich neu erfindet. Schliesslich und endlich aber geht es um die Irrungen und Wirrungen einer Familie: den Steinkamps.

An vorderster Front Richard und Simone, die schon mehrfach verheiratet und wieder geschieden waren (aktuell geschieden zusammen). Gemeinsam haben sie ein paar Kinder (ich weiss gar nicht wie viele, zwei sind grad präsent) – er hat ein paar mehr als sie, wobei sie vor kurzem nachzog mit dem Geliebten ihrer Tochter. Noch alles klar soweit? Auf alle Fälle zeigt das so ziemlich den Charakter der Serie, der in etwa als Dallas und Denver für überm Teich zu umschreiben wäre.

AWZHochstehend ist das nicht, aber die Serie wartet immer gerade mit soviel Liebe und Spannung auf, dass ich unbedingt die nächste Folge sehen möchte. Aktuell zapple ich, weil ich wissen will, was mit Vanessa (eine Tochter von Richard und Simone) und „Big Daddy“ (viel älter, verheiratet, aber es ist kompliziert und er kein Schwein) wird.

Alles was zählt schafft es, immer so viel Neugier zu wecken, dass man dranbleiben will. Glaubwürdigkeit fällt als Entscheidungskriterium unter den Tisch, einmal gefangen, bleibt man haften. Da es nur eine halbe Stunde täglich ist und man die im Replay gestaffelt und zu Zeiten, die passen, schauen kann, bin ich seit einer ganzen Weile dabei… und bleibe noch, bis die Sache mit Vanessa geklärt ist. Dann hör ich auf (wobei ich sicher bin, dass bis dahin sicher eine andere tolle Liebesgeschichte so spannend ist, dass ich unbedingt deren Ende abwarten muss….).

Für die, welche nicht so auf Liebeschnulzen stehen, gibt es auch das Krimielement. Für diese Fälle hat Simone einen verkommenen Sohn, der immer und überall für kriminelle und mörderische Intermezzi sorgt. Auch Richard nimmt es nicht immer so genau mit dem Gesetz und wenn es um die Familie geht, drückt sogar Simone alle Augen zu – man sieht es beim Zitat am Anfang – und sie meint das so. Was nämlich ganz zentral ist bei dieser Serie: Wenn es hart auf hart kommt, gelten Liebe, Familie, Freundschaft – und alle stehen füreinander ein.

Fazit:
Nicht hochstehend oder hochtrabend, aber wunderbare Unterhaltung mit der nötigen Spannung, verworrenen Verbandelungen und menschlichen Werte, die man sich im Alltag wünscht. Das perfekte Programm zum Abschalten.

Die Rache des Verlassenen

Seit November hatte Jeremias das Haus nicht mehr verlassen, seit jenem unglückseligen Tag, an dem er zurück zu seinem Vater in seine alte Wohnung gezogen war. Tagelang lag er im Bett, dachte an Carina. Die Dunkelheit umfing ihn, sogar am Tag.

Jeremias zieht sich aus dem Leben zurück, als ihn Carina verlässt. Seine Welt liegt in Trümmern, er verkriecht sich förmlich vor ihr. Als er sich langsam erholt, beschliesst er, eine Reise zu machen, um auf andere Gedanken und zurück ins Leben zu kommen. Er bucht spontan nach Teneriffa, wo er langsam wieder Lebensmut schöpft, Pläne macht, bis er eines Abends Carina mit ihrem Mann, ihrem Bruder und dessen Frau in einem Café sieht.

Seine Hand krampfte sich zusammen, drückte den Fuss des Weinglases, bis sich der angeschlagene Rand in seinen kleinen Finger bohrte. Jeremias spürte den Schmerz in der Hand wie eine Verletzung von innen, überall in seinem Körper, an jeder Stelle. Es schien, als öffne sich eine alte Wunde, ein eiterndes Geschwür, das abgeheilt sein sollte.

 Jeremias beschliesst Rache. Er will Carina all den Schmerz heimzahlen, den sie ihm angetan hat. Er verfolgt Carina, wo sie geht und steht, verwanzt ihr Haus, ist überall, wo sie ist, ohne sich zu erkennen zu geben – als bedrohlicher Schatten, als Angst einflössende Gefahr.

Carina zuckte zusammen, als sie hinter sich eine Person bemerkte. Die Geräusche der Absätze dröhnten in ihren Ohren, Schlich ER hinter ihr her? […] Drohend empfand sie die hohen Häuser, die eng um sie herum standen […] Auf einmal erschien ihr die Nacht schwarz und böse. Ein Rückweg war nicht möglich.

Langsam gleitet Carina in eine immer grösser werdende Angst hinein, fühlt sich nirgends mehr sicher. Von der Polizei alleine gelassen, fühlt sie sich dieser dunklen Macht hilflos ausgeliefert und fürchtet ab und an gar, den Verstand zu verlieren. Die Geschichte spitzt sich zu, als der Verfolger auch vor Mord nicht zurückschreckt. Lässt er sich noch aufhalten?

 Sabine Ibing ist eine spannende, mitreissende Geschichte zum Thema Stalking gelungen. Sie versteht es, den Plot folgerichtig aufzubauen, so dass man als Leser gebannt Seite um Seite umblättert, um die Auflösung dieses Schreckens zu erleben. Das Thema Stalking wird geschickt in eine Geschichte verpackt, die aufkommende Hilflosigkeit des Opfers glaubhaft und mitfühlbar dargestellt. Die Psyche des Täters bleibt ein wenig zu sehr im Verborgenen, was aber der Glaubhaftigkeit der Geschichte keinen Abbruch tut.

 So gesehen wäre es Lesegenuss pur gewesen, wären nicht die vielen Längen gewesen, die man hätte ausmerzen müssen, weil sie den Lesefluss stoppten, zu viel und zu umständlich Informationen lieferten, die für die Geschichte nicht relevant waren. Dass sich dazu noch Unsummen an Grammatik- und Orthographiefehlern gesellten, machte es nicht besser und ich war einige Male kurz davor, die Lektüre zu beenden, weil ich solche sprachliche Schlamperei nicht mag. Da die Geschichte selber wirklich gut und auch packend erzählt ist, wäre das aber schade und so kann ich nur jeden Leser auffordern, über diese Schwächen hinwegzulesen.

Fazit:
Stalking als Thema spannend erzählt. Packende Story mit sprachlichen Schwächen. Sehr empfehlenswert!

Zum Autor
Sabine Ibing
Sabine Ibing wurde 1959 in Hannover geboren. Ihr Weg führte sie über Teneriffa zurück nach Deutschland und schliesslich in die Schweiz, wo sie heute mit ihrem Mann wohnt. Die studierte Sozialpädagogin veröffentlichte 1999 (noch unter ihrem alten Namen Sabine Rieger) ihren ersten Roman Ch@tlove, seit da liess sie das Schreiben nicht mehr los. 2014 erschien nun ihr zweiter Roman Zenissimos Jagd.

Angaben zum Buch:
IbingZenissimoTaschenbuch: 392 Seiten
Verlag: C. Portmann Verlag (14. Juli 2014)
ISBN-Nr.: 978-3906014197
Preis: EUR 17.80

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 Die Vergangenheit zieht ihre Fäden

Wie hängen ein toter Résistance-Veteran, eine Einbruchserie und ein brutaler Mord an einem schwulen Antiquitätenhändler zusammen? Nachdem es anfänglich wenige Verbindungen gibt, finden sich mehr und mehr Fäden, die sich schliesslich zu einem dichten Netz verstricken. Bruno, der sympathische Chef de Police von Saint-Denis hat alle Hände voll zu tun. Dass diese Fälle in eine Zeit fallen, die wegen anstehender Neuwahlen und dadurch angestachelte Profilierungszwänge politisch schwierig ist, erleichtert die Aufklärung nicht. Bruno lässt sich nicht beirren, verfolgt die Ursprünge der Verbrechen bis in die tiefe Vergangenheit, in die Zeit der Résistance und zurück zu einem nie aufgeklärten, sagenumwobenen Zugüberfall in Neuvic 1944. Dank der tatkräftigen Hilfe seiner Freunde setzt sich das Puzzle langsam zusammen.

Man mische ein (oder mehrere) Verbrechen, einen Sympathieträger als Ermittler, dessen Frauengeschichten und des Mannes Schwanken zwischen ihnen sowie viele Freunde, gutes Essen und ebensolchen Wein in einer malerischen Umgebung: Fertig ist ein Walker-Krimi. Auch die Spannung kommt nicht zu kurz, allerdings wird sie im neuen Fall arg oft durch unnötige Längen strapaziert, die ein guter Lektor hätte eliminieren müssen. Hätte der Korrektor noch alle Fehler (und es hatte so einige) gefunden, wäre der Lesegenuss noch grösser gewesen.

Trotzdem ist zu sagen, dass das Buch unterhält, man sich schnell hineinfindet in die Geschichte und sich bei all den bekannten Charakteren gleich wieder zu Hause fühlt. Wie schon beim fünften Fall von Bruno ist auch bei diesem zu sagen: Nach Schreiblehrgang vorgehend ist der Protagonist perfekt gezeichnet, der Antagonisten relativ farblos, aber ausreichend, der Schauplatz lebendig, so dass man sich mittendrin fühlt, der Plot stringent.

[Mich hat das Buch zeitweise so gepackt, dass ich vergass, aus dem Zug aus- oder in den Zug einzusteigen, weil ich so ins Lesen vertieft war. Wie bei jedem Buch von Martin Walker nehme ich mir auch dieses Mal vor, diese Region mal besuchen zu wollen (vielleicht in der leisen Hoffnung, dort auf Bruno und seine Freunde zu treffen).]

 

Fazit:
Leichte Unterhaltung mit Spannung und ans Herz wachsenden Protagonisten. Sehr empfehlenswert.

 

Zum Autor
Martin Walker
Martin Walker wurde 1947 in Schottland geboren. Er studierte in Oxford Geschichte, wechselte dann nach Harvard, um internationale Beziehungen und Wirtschaft zu studieren. Nach dem Abschluss war er viele Jahre im Journalistischen Bereich (The Guardian, Global Businell Policy Council) tätig. Und veröffentlichte daneben Werke über politische Themen. 1999 folgte der Umzug nach Périgord, wo er durch die Umgebung und ihre Bewohner zu seinen Kriminalromanen rund um Bruno, Chef de Police, inspiriert wurde. Von ihm erschienen sind unter anderen Bruno, Chef de police (2009), Grand cru. Zweiter Fall für Bruno, Chef de police (2010), Schatten an der Wand (2012), Femme fatale. Der fünfte Fall für Bruno, Chef de police (2013), Reiner Wein. Der sechste Fall für Bruno, Chef de police (2014).

 

Angaben zum Buch:
WalkerReinerWeinGebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (30. April 2014)
Übersetzung von: Michael Windgassen
ISBN-Nr.: 978-3257068962
Preis: EUR 22.90 / CHF 34.90

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