seelenhalt

ein schleier liegt auf meiner seele
legt sich über freud und leid
nun liegt sie da in ihrer leere
und wirkt gar erdenschwer

es fehlen worte, fehlt gefühl
es fehlt der halt und wer ich bin
es weint das kind von ganz tief drin
ich fühl mich klein und ohne sinn

ich träume leis von bunten wiesen
sehne mich nach sternenmeer
ich möchte singen, möchte lachen
doch es fliessen tränen mehr

so leg ich mich dann auf den boden
schling die Arme eng um mich
als ob mich jemand ganz fest hielte
und im herzen dieser stich

eine kleine stimme flüstert
dass auch dann wenn alles fällt
die hoffnung bleibt auf neues licht
und bis dahin halt ich mich

©Sandra von Siebenthal

Rezension: Hans Rath – Manchmal ist der Teufel auch nur ein Mensch

Gott ist tot

„…Und ich dachte, es wäre für uns einfacher, in die Verhandlungen einzusteigen, wenn wir uns darüber einig sind, dass es einen Gott gibt.“
Wieder mal stehe ich auf der Leitung. „Weil?“
„Weil dann meistens auch über die Existenz des Teufels Einigkeit herrscht…“

Vor drei Jahren hatte der Psychotherapeut Jakob Jakobi eine Begegnung mit Gott. Zumindest hatte Abel Baumann behauptet, Gott zu sein. Noch heute ist sich Jakob nicht sicher, ob er es wirklich mit Gott zu tun hatte oder aber eine Psychose vorlag bei dem guten Mann. Da dieser mittlerweile tot ist, lässt sich das nicht mehr klären. Anton Auerbach scheint ein dringendes Anliegen zu haben, denn er lässt nicht locker, bevor sich Jakob nicht Zeit für ihn nimmt. Das Anliegen ist denn auch klar: Er ist ein Abgesannter des Teufels und er will Jakobs Seele. Dafür ist er bereit, so viel zu zahlen, wie Jakob nur will, denn in der Hölle ist Geld unbeschränkt vorhanden. Kein Wunder, wenn schon Banken Unsummen davon beschaffen können.

Das Leben wird nicht einfacher, als sich auch noch Jakobs Exfrau Ellen auf den Leibhaftigen einlässt, irgendwie scheint der Teufel plötzlich überall die Finger – und mehr – im Spiel zu haben.

„Ihr habt sogar schon über das Thema Familienplanung gesprochen“, sage ich. „Beeindruckend.“
„Nicht nur das“, erwidert Ellen lächelnd. „Wir haben auch längst mit der Familienplanung angefangen.“

Manchmal ist der Teufel auch nur ein Mensch ist ein witziges Buch, das die Faust-Thematik in die heutige Zeit transportiert, sie mit Liebeswirren anreichert und so zu lockerer und leichter Unterhaltung werden lässt. Hans Roth lässt subtile Seitenhiebe gegen diverse Institutionen heutiger Zeiten fallen, ohne dabei moralisierend oder politisch zu wirken. Das Buch ist durch und durch unterhaltend, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Fazit:
Lockere, leichte, witzige Unterhaltung. Sehr empfehlenswert.

 

Zum Autor
Hans Rath
Hans Rath, Jahrgang 1965, studierte Philosophie, Germanistik und Psychologie in Bonn. Er lebt mit seiner Familie in Berlin, wo er unter anderem als Drehbuchautor tätig ist. Mit der Romantrilogie Man tut, was man kann, Da muss man durch und Was will man mehr hat Rath sich eine große Fangemeinde geschaffen. Zwei der Bücher wurden bereits fürs Kino verfilmt. Sein Roman Und Gott sprach: Wir müssen reden! ist ebenfalls ein Bestseller.

 

Angaben zum Buch:
RathTeufelBroschiert: 288 Seiten
Verlag: Wunderlich Verlag (26. September 2014)
ISBN-Nr.: 978-3805250740
Preis: EUR 14.95 / CHF 22.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

 

Rafael Ferber: Philosophische Grundbegriffe 2

Folgende Wesenszüge zeichnen also den Menschen aus: Er ist das sprechende und denkende Wesen, nach dem Bilde Gottes geschaffen und bildet sich selbst nach seinem eigenen Urteil.

Rafael Ferber widmet sich im zweiten Band seiner Grundbegriffe den philosophisch komplexen Themen wie Mensch, Bewusstsein, Leib und Seele, Willensfreiheit und Tod zu. Diesen Begriffen gemeinsam ist, dass sie nicht leicht zu fassen sind. Was ist ein Mensch? Was macht ihn aus? Wie kann ich das, was ihn ausmacht als ihn ausmachend begründen und beweisen? Diese Fragen führen in die Innenperspektive des Menschen, aus der heraus er über sich selbst und sein Menschsein urteilen muss. Die Fähigkeit, über sich selber zu urteilen, die eigenen Gedanken reflexiv zu betrachten und zu werten ist sicher eine menschliche Eigenschaft, sie hebt den Menschen von den anderen Lebewesen ab.

Die in der Fähigkeit zur Argumentation begründete Autonomie hebt den Menschen insbesondere über das Tierreich hinaus. Sie begründet aber auch einen Unterschied zwischen den Menschen untereinander.

Um so weit zu kommen bedarf es der Erklärung, was überhaupt das Bewusstsein ist. Ein Wesen hat dann ein Bewusstsein, wenn es in einer Beziehung zu sich selber steht. Das menschliche geht über das tierische hinaus, insofern es reflexiv ist. Zudem verfügt ein Mensch als Person über eine intuitive Einheit seines Bewusstseins.

Als Einheit/Eins erscheint uns auch ein Mensch, selbst wenn er über psychische wie physische Phänomene verfügt. Die Frage, ob ein Mensch nun wirklich eins ist, Leib und Seele eine Einheit oder aber zwei Dinge sind, stellt das nächste Problem dar, welchem sich Rafael Ferber widmet. Dazu beleuchtet er die unterschiedlichen Theorien und philosophischen Strömungen seit der Antike quer durch die Zeit, um am Schluss sein Fazit zu ziehen, dass das eine Wesen Mensch in zwei Aspekten erscheint, deren Einheit nicht vollständig erfassbar ist.

Ebenso wenig erfassbar ist auch die Willensfreiheit, welche zwar als Illusion so stark ist, dass sie kaum von einer Realität zu unterscheiden ist, da sie auch Wirkungen zeigt. Die Lösung zeigt sich in einer relativen Freiheit, welche mit dem Determinismus vereinbar ist. Die absolute Freiheit bleibt unbegreiflich.

Schlussendlich endet jedes Leben mit dem Tod, wovon der Mensch ein Bewusstsein hat, trotzdem er ihn nicht aus der Innenperspektive beschreiben kann. Der Tod als solches existiert als Begriff, wird aufgrund von Kriterien begründet, welche mit bestimmten Verfahren erfasst werden. Schlussendlich bleibt zu sagen, dass der Tod als biologische Tatsache philosophisch je nach Seelenbegriff variiert. Was über den Tod hinaus bleibt, sind Erinnerung und Nachkommenschaft sowie das Interesse am Überdauern des guten Namens.

Fazit:

Das Buch  zeugt von der Belesenheit, dem Wissen und der Fähigkeit des Autors, dieses trotz der Komplexität der Materie wiederzugeben. Die wohl schwierigsten Begriffe dessen, was den Menschen zum Menschen macht und damit sein Wesen ausmachen werden in diesem Buch vorgestellt, beleuchtet und hinterfragt. Das Buch ist uneingeschränkt zu empfehlen.

Bild

Angaben zum Buch:

Taschenbuch: 277 Seiten

Verlag: C.H. Beck (2003)

Preis: EUR: 12.90 ; CHF 17.90

Zu kaufen bei: Bild und Bild