Sein Leben, seine Bücher

Ein Leben zwischen Unsicherheiten, Affären, Politik und immer wieder Schreiben

Man ist, was man ist. Man hält die Feder hin, wie eine Nadel in der Erdbebenwarte, und eigentlich sind nicht wir es, die schreiben; sondern wir werden geschrieben. Schreiben heisst: sich selber lesen. […] Wir können nur, indem wir den Zickzack unserer jeweiligen Gedanken bezeugen und sichtbar machen, unser Wesen kennenlernen, seine Wirrnis oder seine heimliche Einheit, sein Unentrinnbares, seine Wahrheit, die wir unmittelbar nicht aussagen könne, nicht von einem einzelnen Augenblick aus -.

In eher ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, studiert Frisch Germanistik, hält sich mit Artikeln für verschiedene Zeitungen über Wasser, mehr schlecht als recht. Er beschliesst, mit Hilfe eines vermögenden Freundes und auf Anraten seiner baldigen Ehefrau, doch noch etwas Lebenstüchtiges zu machen und studiert Architektur. Dem Schreiben schwört er ab, was nicht lange anhält. Sein erster Architekturwurf wird ein Erfolg, das von ihm entworfene Zürcher Freibad preisgekrönt. Trotzdem zieht es ihn zum Schreiben zurück. Immer wieder schreibt er Geschichten, die hauptsächlich von einem zu handeln scheinen: Ihm selber und seinem Leben zwischen Künstlertum und Bürgertum. Ein ständiges Hadern und Schwanken. Frisch ist nicht etwa der selbstbewusste Schriftsteller, als der er hätte scheinen mögen, er zerfrass sich teilweise mit Selbstzweifeln, suchte seinen Platz.

Neben dem Schreiben reiste Max Frisch viel und auch die Liebe und die Frauen kamen nicht zu kurz. Die Liebe ist ein Thema, dem sich Frisch immer wieder widmet:

Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertig werden: weil wir sie lieben; solange wir sie lieben.

Fertig wurde Max Frisch vor allem mit einer Liebe nie, auch nach der Trennung von Ingeborg Bachmann durchstreift sie dessen Werk, ist Vorlage, Hintergrund, immer präsent – nicht nur im Schreiben, auch im Denken Frischs. Seine Reaktionen auf sie angesprochen bestätigen dies.

Volker Weidermann verschränkt Leben und Werk ineinander, geht chronologisch durch Frischs Sein und Schaffen. Er überzeugt durch Ausführlichkeit und Hintergrundwissen. Seine Sprache ist leicht lesbar, ab und an ein wenig flapsig. Volker Weidermann muss sich sicherlich nicht den Vorwurf gefallen lassen, seinen Biographierten verzärtelt zu haben, geht er doch oft hart mit ihm und vor allem mit dem Wert seines Werkes ins Gericht. Teilweise stimmt seine Kritik mit Stimmen aus den Literaturkritiken der zeitgenössischen Feuilletons überein, teilweise bewegt er sich auf eigenem Terrain und widerspricht gar Literaturprofis wie Peter von Matt. Wer nun recht hat mit seiner Werkeinschätzung soll hier nicht entschieden werden.

 

Fazit:
Flüssig lesbar geschrieben gibt das Buch ausführlich und kompetent, ab und an sehr kritisch dem Werk und dessen Wert gegenüber, Auskunft über das Leben und Schreiben Max Frischs. Sehr empfehlenswert.

 

Zum Autor
Volker Weidermann
Volker Weidermann, 1969 in Darmstadt geboren, studierte Politikwissenschaft und Germanistik in Heidelberg und Berlin. Er ist Literaturredakteur und Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und lebt in Berlin. Von ihm erschienen bei Kiepenheuer & Witsch: Max Frisch. Sein Leben, seine Bücher (2010), Das Buch der verbrannten Bücher (2008) und Lichtjahre (2006).

 

Angaben zum Buch:
WeidermannFrischGebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag (10. November 2010)
ISBN-Nr.: 978-3462042276
Preis: EUR 22.95 / CHF 32.30

 

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Max Frisch wird am 15. Mai in Zürich geboren, wo er die Schule besucht und studiert. Germanistik soll es sein, will Max Frisch doch Schriftsteller werden. Schon bald merkt er, dass ihm dazu das Studium herzlich wenig bringt. 1931 erscheint sein erster Artikel in der NZZ, nach dem Tod des Vaters weitet Max Frisch seine Tätigkeit im Journalismus aus, um zum Unterhalt der Mutter beizutragen. Daneben entsteht sein erster Essay mit dem Titel Was bin ich?, der bereits die Grundthemen späterer Werke in sich trägt. Noch immer belegt er vereinzelte Kurse an der Uni, schreibt für verschiedene Zeitungen und daneben Arbeiten, die sich allesamt um ein Thema drehen: Max Frisch und wer er sei.

1933 unternimmt Frisch eine Reise gegen Osten, Prag, Budapest, Belgrad und viele weitere Orte stehen auf dem Plan. Er verwirklicht damit einen von seiner Mutter lange gehegten Traum. Zu der Zeit entsteht Frischs Roman Jürg Reinhart, welcher sinnigerweise von einem Balkanreisenden handelt. Noch immer dreht sich also Frischs Denken und Schreiben um die eigene Person.

Politik ist für Frisch kein Thema, seine Haltung Deutschland und dem Nationalsozialismus gegenüber ist fast schon merkwürdig unbeteiligt. Dies ist wohl aber seiner Arbeit als Schriftsteller dienlich, kann er seine ersten Romane so problemlos bei der Deutschen Verlags-Anstalt veröffentlichen.

1937 erscheint Max Frischs zweiter Roman Antwort aus der Stille. Frisch selber äussert sich später vernichtend über das Werk, die übrigen kritischen Stimmen weisen eine grosse Bandbreite auf. Sicher ist es kein Meisterwerk, vereint aber auch wieder die für Frisch so typischen Themen der Selbstfindung und des Schwankens zwischen Bürgertum und Künstlertum. Max bezieht Stellung und entscheidet sich im Roman wie im Leben für das Bürgertum. Er verbrennt alle bisherigen Schriften und wendet sich einer solideren Materie als dem Schreiben zu: Der Architektur.

Die Würde des Menschen besteht in der Wahl.

Der Entschluss, das Schreiben zu beenden, hält nicht lange, schon 1938 gewinnt Frisch den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis. Es folgt Militärzeit, die er verschriftlicht und unter dem Titel Aus dem Tagebuch eines Soldaten veröffentlicht. Das Architekturstudium gedeiht, durch eine Anstellung kann Frisch endlich aus der gemeinsamen Wohnung mit der Mutter ausziehen, lernt eine Frau (Gertrude Anna Constanze von Meyenburg) kennen, die er am 30. Juli 1942 heiratet.

1943 gewinnt Frisch einen Architekturwettberb für den Bau des Letzibads in Zürich. Wirklich viel baut er trotzdem nicht, die Schriftstellerein nimmt noch immer einen grossen Platz in seinem Leben ein. Es entstehen in der folgenden Zeit diverse Arbeiten, darunter literarische Tagebücher.

1954 schreibt er seinen Roman Stiller. Frisch nimmt das Thema der Unvereinbarkeit von Kunst und bürgerlichem Leben wieder auf, bezieht nun Stellung für die Kunst und übernimmt diese Haltung ins Leben, indem er sich von seiner Familie trennt. Nicht dass er vorher ein Kind der Traurigkeit gewesen wäre, einige Liebschaften säumen seinen Weg. 1955 schliesst er auch sein Architekturbüro, um fortan als freier Schriftsteller zu leben. Im selben Jahr beginnen die Arbeiten zu Homo Faber.

Die Frau ist ein Mensch, bevor man sie liebt, manchmal auch nachher; sobald man sie liebt, ist sie ein Wunder.

1958 folgt dann das wohl prägendste Erlebnis in Max Frischs Leben: Er lernt Ingeborg Bachmann kennen. Die beiden gehen eine Beziehung ein, in welcher Eifersucht, ein ausgeprägtes Nähe-Distanzproblemen, ausserdem die Problematik von zwei durch und durch gegensätzlichen Menschen unter einem Dach sowie grosse Liebe miteinander kämpfen. Die beiden Schriftsteller ziehen nach Rom, danach nach Zürich, wo die Beziehung zerbricht. Frisch wandelt weiter zu Marianne Oeller, Bachmann kann er aber zeitlebens nicht vergessen, sie spukt weiter durch seine Romane und damit wohl offensichtlich auch in seinem Kopf.

Marianne Oeller und Frisch heiraten, was Frisch nicht davon abhält, weiter über den Zaun zu grasen, Affären zu pflegen. Auch Marianne geht eine nebeneheliche Beziehung ein, welche Max Frisch in seinem Roman Montauk thematisiert. Diese Vermischung von Privatem und Öffentlichem führt zum Zerwürfnis zwischen den Eheleuten, die Scheidung folgt 1979.

Die Zeit verwandelt uns nicht. Sie entfaltet uns nur.

Frisch wird nicht jünger, gesundheitliche Probleme kommen und das Thema Alter zieht in Frischs Werk ein. Nach Abstechern nach New York und teilweisem Leben im Tessin zieht Max Frisch zurück nach Zürich, wo er am 4. April 1991 stirbt.

Das klare Todesbewußtsein von früh an trägt zur Lebensfreude, zur Lebensintensität bei. Nur durch das Todesbewußtsein erfahren wir das Leben als Wunder.

 

Max Frischs Schreiben

Max Frischs Schreiben dreht sich vor allem in den Anfängen um Max Frisch. Zu den frühen Veröffentlichungen gehören denn auch Tagebücher. Im Tagebuchstil findet er eine Art der Schilderung, welche Fakten und Fiktion vereint. In den ersten Tagebüchern finden sich Vorlagen für seine späteren Romane, die sich auch stilistisch noch immer am Tagebuchstil orientieren.  Max Frisch sieht sich dieser Schreibform ausgeliefert, denkt, keine Wahl zu haben, da nur diese Form ihm zugänglich sei. Dies mag sicher zu einem gewissen Teil so sein, kann vielleicht mit seinem nach wie vor sehr um sich selber kreisenden Denken und Sein zu tun haben.

Frisch feiert grosse Erfolge mit Theaterstücken, veröffentlicht daneben aber hauptsächlich Prosawerke, Romane, Erzählungen und Tagebücher. Zentrale Themen sind immer wieder die Künstler-Bürger-Thematik, die Identitätsfindung des Menschen und das Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Wenn bei einem Autor das Diktum Goethes, dass alles Schreiben autobiographisch sei, zutrifft, dann sicher bei Max Frisch.

 

Ausgewählte Werke

  • Jürg Reinhart (1934)
  • Antwort aus der Stille (1937)
  • Tagebuch mit Marion (1947)
  • Tagebuch 1946 – 1949 (1950)
  • Graf Öderland (1971)
  • Stiller (1954)
  • Homo Faber (1957)
  • Mein Name sei Gantenbein (1964)
  • Tagebuch 1966 – 1971 (1972)
  • Montauk (1975)
  • Triptychon (1978)
  • Der Mensch erscheint im Holozän (1979)

 

 

 

Eine Liebe zwischen Intimität und Öffentlichkeit

Von Anfang an ist die reale Begegnung zwischen Bachmann und Frisch nicht zu trennen von den Worten, den Sätzen, die sie schreiben, schreiben werden, von ihren Texten, von den gegenseitigen Erfindungen.

Max Frisch, noch verheiratet, liest Bachmanns Gedichte, ist davon angetan und bittet um ein Treffen. Er ist erstaunt, nicht einfach ignoriert zu werden von dieser grossen Schriftstellerin, die auch als Diva bekannt ist. Da sitzen sie nun im Café, es ist schon da etwas zwischen ihnen. Vieles davon ist reine Spekulation, die Ingeborg Gleichauf sprachlich gekonnt in die Geschichte der zwei Schriftsteller einbaut. Frisch und Bachmann werden ein Paar, ziehen zusammen nach Zürich, dann nach Rom, reisen durch die Welt, oft getrennt, weil sie zu viel Nähe nicht aushalten, sich dann aber doch sehnen nach dem anderen – vor allem Max Frisch nach Ingeborg Bachmann.

Bachmann und Frisch sind Reisende und Bleibende in einem. Sie kennen Herkunfts- und Sehnsuchtsorte, -städte, -landschaften. Sie suchen Orte, an denen sie länger verweilen, ja vielleicht sogar für immer wohnen könnten. Und sie verlassen diese Orte, um auf ausgedehnte Reisen zu gehen. Und nie sind sie ganz da, wo sie gerade weilen, denn den eigentlichen Aufenthaltsort bestimmt schliesslich die Arbeit, das Schreiben.

Ingeborg Bachmann und Max Frisch sind ein Paar, wie es unterschiedlicher nicht sein könnte. Während sie die Freiheit sucht, unabhängig sein will, sucht er Struktur und Ordnung, sie will Liebe erfinden, als Kunstwerk gestalten, er muss sie leben. Sie abstrakt, er konkret, sie erfindet das Leben mit der Sprache, benutzt die Natur, um Gefühle zu versinnbildlichen, er erfährt das Leben, um darüber zu schreiben, liebt die Natur um ihrer selber willen. Die Beispiele wären unendliche mehr. Dies und der Umstand, dass beide mit einer ausgeprägten Eifersucht ausgestattet sind – Ingeborg Bachmann auf Frischs Schreiben, das diesem unermüdlich aus den Fingern fliesst, während es bei ihr öfters stockt, Frisch auf Bachmanns Verehrer und nie ganz abgelegte frühere Lieben, lässt die Beziehung immer anstrengender werden. Die Trennung bahnt sich wohl schon von Anfang an an, trotzdem ist es eine Liebe, die tief ist, die wohl nie ganz endet, die weiter wirkt, in den Werken der beiden, in den Herzen.

Er denkt häufig an sie, aber nicht mit einem Bewusstsein der Schuld, wohl aber mit dem Gefühl der Reue. Schuld wirkt endgültig, trennend, schafft eine letzte Realität. Reue hingegen bewahrt einen Zwischenraum aus ungelebten Möglichkeiten.

Ingeborg Gleichauf gelingt es, die zwei Persönlichkeiten Max Frisch und Ingeborg Bachmann einzufangen, lebendig werden zu lassen. Man taucht als Leser in eine Beziehung ein, wie sie spannender nicht sein könnte. Man lernt die jeweiligen Charakterzüge, Neigungen, Herangehensweisen ans Leben der beiden kennen und erhält dadurch auch immer wieder einen Zugang zu ihrem Werk, zur Motivation und zu den Hintergründen ihres Schreibens. Ab und an rutscht Gleichauf ins Pathetische ab, manchmal nimmt das Spekulative zu den Beziehungshintergründen und –gedanken der beiden ein wenig überhand, was aber dem Lesegenuss und dem Buch an sich keinen Abbruch tut. Es ist wunderbar, informativ, reich an Eindrücken und ein  Lesegenuss.

Fazit:
Ein wunderbares Buch über zwei spannende Menschen, geschrieben mit viel Hintergrundwissen, trotzdem leicht zu lesen. Sehr empfehlenswert.

 

Zum Autor
Ingeborg Gleichauf
Ingeborg Gleichauf, geboren 1953 in Freiburg, studierte Philosophie und Germanistik und promovierte über Ingeborg Bachmann. Sie ist die Autorin erfolgreicher Bücher, u. a. von Biografien über Max Frisch, Hannah Arendt und Simone de Beauvoir, und lebt in Freiburg.

 

Angaben zum Buch:
GleichaufBachmannFrischGebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Piper Verlag (1. Oktober 2013)
ISBN-Nr.: 978-3492054782
Preis: EUR  19.99 / CHF 32.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

 

 

 

 

Am 2. April 1725 erblickt Giacomo Casanova in Venedig das Licht der Welt. Als Kind ist er weit vom Lebemann entfernt, als den man ihn später in diversen Romanen beschreibt: Als eher kränkliches Wesen steht er dem Tod oft näher als dem Leben. Das hätte seinen Kampfgeist wachsen lassen, behauptet er später.

Bereits mit 17 Jahren ist er Doktor der Rechte, tritt danach – wieder entgegen des späteren Bildes – in die Kirche ein, um die Priesterlaufbahn einzuschlagen (der Wunsch der Grossmutter ist hier massgebend). Ein betrunkener Fall von der Kanzel beendet diese Laufbahn. Danach sucht er erneut Kontakt mit dem Recht, allerdings nicht in Anwaltsrobe, sondern als Inhaftierter wegen Erbstreitigkeiten.

Casanovas nächste Etappe ist Rom. Nach netten Plaudereien mit dem Papst, kommt er seinem später überlieferten Bild näher: Ein Liebesabenteuer wird vermeldet. Dieses bringt neuen Wind in sein Leben und zwingt ihn in die Flucht: weg aus Rom ist die Devise. Es folgen neue Abenteuer, von diversen Kindern ist die Rede, ihm selber fehlt der Überblick.

Trotz seinem eher unehrenhaften Abgang aus dem Klerikerkreis versteht er sich mit dem Papst ausnehmend gut, erwirkt sich einige Privilegien und Sonderrechte, wird sogar zum „Ritter des Goldenen Sporns“ ernannt. Das lässt er sich nicht zweimal sagen und nennt sich fortan Cavaliere. Damit die Herkunft zum Titel passt, erfindet er statt des sowieso nicht sicher feststehenden Schauspielers den passenden Vater dazu, was allerdings auffliegt und ihn erneut zur Flucht zwingt – es soll nicht das letzte Mal gewesen sein.

Reisen, Engagements an Theatern, erneute Fluchten, Inhaftierungen – langweilig wird Casanovas Leben auch in der Folge nicht, die Schreiberlinge kommen nicht mehr nach, alles festzuhalten, weswegen nichts wirklich belegt und mit Sicherheit zu bestimmen ist.   Belegt ist erst wieder seine Inhaftierung in Venedig, er ist zwischenzeitlich den Freimaurern beigetreten. Nun darbt er in den Bleikammern Venedigs und versucht, mithilfe des Buches von Ludovico Ariosto, L’Orlando Furioso, die Flucht, was ihm auch gelingt. Er schreibt dies seinem als krankes Kind erprobten Kämpfergeist zu. Solches Material kann er nicht einfach versanden lassen, er schreibt darüber ein Buch.

Es folgten Reisen kreuz und quer durch Europa. In England treibt ihn eine unerwiderte Liebe zu einer 18-Jährigen fast in den Selbstmord, er überlebt auch das – ganz Kämpfer. Weitere Reisen werden unternommen, eine Stelle gesucht, was sich als schwer erweist. Was er kriegt – eine Stelle als Landjunker – will er nicht und was er will – eine Stelle bei der russischen Zarin, kriegt er nicht. Das alles lässt ihm aber genügend Zeit für weitere Abenteuer, es wird von Duellen berichtet, von Flucht und von Geliebten. In der Hoffnung, in Venedig etwas Gnade zu finden, verfasste er sein Werk „Confutazione della Storia del Governo veneto d’Amelot de la Hussaie“ (eine Antwort auf ein Venedig kritisches Werk ), was gelingt, so dass er nach Venedig zurückkehren kann.

Erneute Vatererfindungen lassen auch diesen Aufenthalt wieder enden, weitere Reisen folgen. Erst in Wien kommt er zur Ruhe, arbeitet da auf Schluss Dux als Bibliothekar. Damit es nicht zu ruhig wird, legt er sich ab und an mit den Schlossherren an, beschwert sich über Kaffee und Kuchen und andere wichtigen Dinge.

Sein wohl wichtigstes Werk sind seine Memoiren, die zur Weltliteratur gezählt werden und in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden. Ansonsten glänzt er wohl mehr als Romanvorlage denn als Literat, was bei seinem Lebenswandel und bewegten Leben nicht zu verwundern vermag.

Werke von Giacomo Casanovas

Memoiren – Geschichte meines Leben

Dieses Buch ist eigentlich das einzige von Giacomo Casanovas Werken, das Bekanntheitsgrad erreichte und auch übersetzt wurde. Viele seiner Bücher sind nur auf Italienisch erschienen und von eher nicht erwähnenswertem literarischem Wert.