Tagesgedanken: Neues wagen

Wieder beginnt ein neuer Tag, wieder besteht die Chance, neu anzufangen. So sah zumindest Hannah Arendt das Leben und mir gefällt der Gedanke, dass wir frei sind in unseren Entscheidungen, in unserem Tun, so dass wir auch entscheiden können, alte Pfade und Denkmuster zu verlassen und neue Wege zu beschreiten. In Hannah Arendts Worten klingt das so:

„Wir fangen etwas an. Wir schlagen unseren Faden in ein Netz von Beziehungen. Was daraus wird, wissen wir nie.“

Im letzten Satz schwingt eine Unsicherheit mit, die Angst machen kann: Was kommt dabei raus, wenn ich etwas Neues tue? Das Alte kenne ich schon, das ist – selbst wenn es nicht gut ist – vertraut und damit auf eine Weise sicher. Beim Neuen kommt ein Wagnis dazu, die Offenheit des Ausgangs und damit die Möglichkeit des Nicht-Gelingens. Damit sind Ängste verbunden, denn wir leben in einer Welt mit einer miserablen Fehlerkultur, so dass wir fürchten, für die unseren ausgelacht, verspottet zu werden. Da hilft nur das Vertrauen in die anderen Menschen:

„Wir sind alle darauf angewiesen, dass sie sagen: „Herr vergib ihnen, was sie tun, denn sie wissen nicht, was sie tun. Es ist ein Wagnis.“

Darin steckt die Botschaft, dass es allen so geht, dass damit auch alle Verständnis aufbringen können für das Tun (und auch mal Misslingen) von anderen. Wie traurig wäre es, aus Angst das Wagnis und die Freiheit des Neuen nicht zu geniessen? Frei nach Seneca:

„Nicht weil es schwierig ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwierig.“