Migros eröffnet das Konzept der Zukunft. „Welle 7“ heisst es, ist beim Bahnhof Bern. Am Morgen kann man – wann immer man will – ein Fitnessprogamm wählen – woher auch immer. Man muss aber nicht, man ist nicht verpflichtet. Man entscheidet so aus Lust und Laune.

Danach kann man einen „Workingspace“ mieten. Wenn man ihn grad braucht. Wenn nicht, kann man es auch lassen. Auch hier: Freiheit pur. Alles ist frisch aufgebaut, mit markigen Wörtern, unverbindlichen Angeboten. Das zieht heute. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man sich nicht mehr verpflichten will. Schliesslich steigen auch die Scheidungsraten. Und wenn schon nicht hält, was man auf ewig schwört, wie will man noch in andern Bereichen hinstehen und bleiben?

Wir leben in einer Gesellschaft, in der man einfach mal nimmt, was man kriegt. Und dann sagt: Aber so ganz weiss ich das eigentlich noch nicht. Darf ich mal probieren? Und oft trifft man auf solche, die Leute brauchen, die kommen. Und sie hoffen, dass die dann bleiben. Und straucheln, weil die nur mal schauen wollen. Um eventuell zu bleiben. Es ist nicht so klar. Man weiss es nicht. Aber man kann es ja. Man ist schliesslich Kunde. Egal, was das für einer ist, der das Angebot gibt. Es ist ein Angebot. Man muss es nicht nehmen.

Die Angebote spriessen. Immer mehr. Weil viele nicht mehr wissen, wie überleben, ohne ein Angebot zu liefern. Und die andern sind froh: Sie haben die Wahl. Und sie nutzen sie. Unbarmherzig. Denn: Sie können es. IN ihrem Bereich sind sie dann wieder die, die warten. Weil andere auch nutzen. Weil sie es können. Und so geht der Kreislauf weiter und malmt Menschenseelen nieder. Jeder, der kann, drückt einen anderen nieder. Schliesslich wird er ja auch niedergedrückt. Von anderen, die können. Das geht so endlos weiter. Bis einer „Stop“ sagt. Und dann hadert. Was, wenn er untergeht, weil andere drüber laufen?

Was aber, wenn keiner „stop“ sagt?

Die Migros macht’s schon lange. Sie gibt Leckerli für brave Kunden, zieht diese mit Geschenkversprechen an. Mal sind es Einklebbücher, dann überdimensionale Tic Tacs, nun sind es Minieinkaufskörbchen. Wozu man sie braucht? Nach der ersten Freude für die nächste Müllabfuhr.

Aber: Es zieht. Die Menschen sehen

„Ich kann was kriegen, wenn ich kaufe, also kaufe ich, damit ich es kriege.“

Der wollende Mensch sieht ganz viele Gründe für das Haben-Wollen, nur: Es gibt eigentlich keinen sinnvollen. Man kann das Teil nicht brauchen. Damit nun all die Haben-Wollenden Minikörbchen kriegen können, zahlt jeder Verbraucher ein Plus an Einkaufspreis an jedes Produkt. Dieses Plus finanziert die Minikörbchen und die Werbeaktionen.

Würde sich jeder Kunde fragen, wozu er das Körbchen bräuchte, käme keiner mehr kaufen, um ein Körbchen zu kriegen. Es würden alle sparen: an Einkaufspreis, an Abfallsäcken, an Ressourcen, die für das Körbchen draufgehen.

Aber eben: So funktioniert der Mensch nicht. Das weiss die Migros.