Kleine Poesie: Blüten des Lebens

Du mußt das Leben nicht verstehen

Du mußt das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und laß dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

(Rainer Maria Rilke)

Vitali Konstantinov – ein Blick hinter die Kulissen

Kurze Biografie

Geboren bei Odessa in der UdSSR (jetzt Ukraine). Studium der Architektur, Grafik, Malerei und Kunstgeschichte in der UdSSR und in Deutschland. Arbeit als freier Illustrator in den Bereichen Belletristik für Kinder und Erwachsene, Sachillustration und Editorial für deutsche und internationale Verlage. Zahlreiche Bilderbücher und Illustrationen in vielen Ländern veröffentlicht. Bebilderung der klassischen Texte von Gianni Rodari, Nikolaj Leskov, Daniil Charms, Gebrüder Grimm sowie Mitarbeit mit den zeitgenössischen Bestseller-Autoren Maxim Biller, Wladimir Kaminer, Morten Ramsland, Jens Soentgen, Herausgeben der Texte aus eigener Federführung.

Mehrfache Teilnahme an internationalen Illustrations-Ausstellungen in Belgrad, Bologna, Bratislava, New York, Tokyo. Auszeichnungen: Premio Stepan Zavrel (Italien), Buchmesse Bologna (Italien), Stiftung Buchkunst »die schönsten deutschen Bücher«, 3X3 Children’s Book Show (USA), Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011, The White Ravens 2012.

Lehrtätigkeit: Institut für Bildende Kunst der Universität Marburg (2012-2013), Bauhaus-Universität Weimar (2011), Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (2009-2010); zahlreiche Sommerkurse und Workshops für Illustration und Comic in Deutschland, Italien, Spanien, Schweiz.

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

Angeblich war ich nicht mal 1 Jahr alt, als ich meine ersten bewussten Linien gezogen habe und von enormer Begeisterung meiner Mutter: Bildhauerin (sic) und Kunsthistorikerin (also!) – überschüttet wurde. Kleine Kinder sind ja bloß Äffchen, die von den Aussenwelteinflüssen gesteuert und geformt werden. Zu früh zu viel positive Verstärkung hat wohl den weiteren Weg bestimmt, seitdem ist das Zeichnen mein Instrument auf der Suche nach Zuneigung, Bestätigung und Bewunderung ;-).

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

Zufällig… Oder doch vorbestimmt… Im Elternhaus gab es sehr viele Bücher, Kunstbücher, Bilderbücher, auch Kunstwerke etc. Als Kind habe ich obsessiv gezeichnet, (zu) viel gelesen und natürlich mich beim Illustrieren der Lieblingsbücher versucht. Ich war etwa 14, als meine erste „editorial-Arbeit“ in lokaler Zeitung erschien und meine Illustrationen zu Voltaire’s „Candide“ im professionellen Kontext ausgestellt wurden. Nur habe ich dann doch Architektur studiert, immerhin wurde man dabei fünf Jahre lang in realistischen Zeichnen und Malen exzessiv gedrillt. Als „russischer Architekt“ in Deutschland gelandet, durfte ich meinen Beruf erstmal nicht ausüben, studierte Kunst, freundete mich per Zufall mit einer Design- Firma an, für die ich mal einpaar Motive zeichnete. Diese Motive wurden in Bologna (wichtigste jurierte Illustratoren-Ausstellung und Buchmesse) gezeigt, gleich darauf kamen Verlagsanfragen aus USA, Brasilien, Taiwan und folglich die ersten Veröffentlichungen. Ich war begeistert. Hätte ich bloß damals gewusst, …

Ist eine Ausbildung zum Illustratoren unabdingbar oder lernt man Illustration eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?

Fragen Sie denjenigen, der Illustration nie studiert hat und trotzdem über 100 Bücher in 35 Ländern veröffentlichen konnte und an deutschen Hochschulen Illustration und Comic unterrichten durfte? ;-]

Was macht einen guten Illustratoren aus?

den Text lesen und dem folgen zu können (möglichst auf der Überholspur ;-). „Gute Illustration“ hat nicht viel bzw. gar keinen Platz für künstlerische Selbstsucht, in erster Linie ist sie Kunst der Interpretation und des (Mit)Erzählens.

Ist Illustration Kunst oder Handwerk?

Weiss jemand überhaupt wo das Handwerk aufhört und die Kunst beginnt? …

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

die „Medien“ sind selbstverständlicher Bestandteil des heutigen Lebens – wie beheiztes Wasserklosett o.ä. Darauf würden wir jetzt auch ungern verzichten und trotzdem sind wir nicht bei jedem Klobesuch maßlos „beflügelt“, oder? 😉

Was zeichnet Ihren Stil aus?

Habe ich etwa einen „Stil“? „Stil“ wäre etwas Angekünsteltes, Bemühtes. Ich kann bloß meine natürliche Motorik und Sehgewohnheit vorweisen. Nix Stil da.

Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/ Auftrag an?

mein allerliebstes Medium ist eigentlich meine Ukulele.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Etwa wie bei Fjodor Mischailowitsch Dostojewski, mit dem Unterschied: ich rauche nicht und mache stattdessen viel Sport 😉

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

Vorfreude – Ahnungslosigkeit – Angst zu versagen – Verzweifeln – zufälliger Einfall – Stolz auf Entstehendes – Enttäuschung. Und alles von vorn.

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Die Atmosphäre unter Illustratoren ist von Sympathie, Austausch und Anerkennung geprägt, und das wirklich international über alle Grenzen und Sprachen hinweg. Man kennt sich, man gehört schliesslich zu einer seltenen und stets bedrohten Gattung. Ausserdem ist jeder Künstler so fest in eigener Individualität und Unaustauschbarkeit überzeugt, dass eine Konkurrenz-Gedanke als absoluter Nonsens erscheint.

Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?

das nochmal zu überdenken und eventuell einen anderen – anständigen und Geld-bringenden Beruf zu lernen. Es sei, Sie taugen für nichts anderes und können sich das Leben ohne Illustrieren nicht vorstellen. Dann drucken Sie Visitenkarten, die Sie als Illustrator/in ausweisen, und legen los. Easy.

Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?

hm… nur eine/n? und ausschliesslich deutschsprachige/n? … ich will keine/n vorziehen. Es gibt sehr viele, die ich bewundere, persönlich mag etc.

Kleine Poesie: Sanfte Träume

Psst!

Träume deine Träume in Ruh.

Wenn du niemandem mehr traust,
Schließe die Türen zu,
Auch deine Fenster,
Damit du nichts mehr schaust.

Sei still in deiner Stille,
Wie wenn dich niemand sieht.
Auch was dann geschieht,
Ist nicht dein Wille.

Und im dunkelsten Schatten
Lies das Buch ohne Wort.
Was wir haben, was wir hatten,

Was wir – –
Eines Morgens ist alles fort.

Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Kleine Poesie: Schmetterling

Die Raupe und der Schmetterling

Freund, der Unterschied der Erdendinge
Scheinet groß und ist so oft geringe;
Alter und Gestalt und Raum und Zeit
Sind ein Traumbild nur der Wirklichkeit.

Träg und matt auf abgezehrten Sträuchen
Sah ein Schmetterling die Raupe schleichen
Und erhob sich fröhlich, argwohnfrei,
Daß er Raupe selbst gewesen sei.

Traurig schlich die Alternde zum Grabe:
„Ach, daß ich umsonst gelebet habe!
Sterbe kinderlos und wie gering!
Und da fliegt der schöne Schmetterling.“

Ängstig spann sie sich in ihre Hülle,
Schlief, und als der Mutter Lebensfülle
Sie erweckte, wähnte sie sich neu,
Wußte nicht, was sie gewesen sei.

Freund, ein Traumreich ist das Reich der Erden.
Was wir waren, was wir einst noch werden,
Niemand weiß es; glücklich sind wir blind;
Laß uns eins nur wissen: was wir sind.

(J. G. Herder)

Kooni – ein Blick hinter die Kulissen

Wie würde eine kurze Biographie von Ihnen aussehen?

Geschlüpft in Schaffhausen, den gestalterischen Vorkurs besucht an der F+F in Zürich, studiert an der HSLU in Luzern, lebt und arbeitet in Hamburg.

Kooni ist nicht dein Taufname – wie und wieso kamst du auf den Namen und ist das nur deine Künstleridentität oder bist du auch privat Kooni?

Ich habe unter Kooni, einer Ableitung des Spitznamens meines Großvaters, in meiner Jugend Streetart gemacht. Mittlerweile nennen mich aber alle so.

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

Zeichnen hat schon eine große Rolle gespielt, ja, aber ich habe mich viel draußen rumgetrieben, die Stifte waren eher Waffen gegen langweilige Schulstunden oder Regentage.

Sind Sie heute immer mit einem Skizzenbuch unterwegs, um auch vom Leben zu zeichnen, oder dienen Ihnen diese nur zu Studienzwecken/Skizzen für Illustrationen?

Tatsächlich habe ich das Skizzenbuch immer dabei, ich halte spontane Einfälle fest oder überbrücke langweilige Wartezeiten. Das Skizzenbuch ist mein Fundus, mein Sammelbecken, daraus entsteht alles.

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

Mein Vater hat mir ein kleines leeres Buch geschenkt, als ich 4 Jahre alt war, ich habs aufgeschlagen und angefangen zu zeichnen. Ich muss auch gestehen, ich habe nie wieder besser gezeichnet als in dieses erste Skizzenbuch, absoluter Karrierehöhepunkt.

Ist eine Ausbildung zum Illustratoren unabdinglich, hilfreich, unnötig?

Der größte Pluspunkt meines Studiums war und ist das riesige Netzwerk an Menschen, von dem ich wahrscheinlich das ganze Leben lang profitieren werde. Außerdem ist es für kreative Menschen sicher auch nicht schlecht, nach einer langen Schullaufbahn, die auf Standartberufe ausgelegt ist, unter Gleichgesinnten zu sein und für Fähigkeiten, die bis anhin als unwichtig abgestempelt wurden, ernstgenommen zu werden.
Techniken, Verfahren und sonstiges Wissen kann man sich aber gut selber erarbeiten.

Ich hörte mal die Aussage, Talent gebe es nicht, Können von Willen, Ehrgeiz, Ausdauer, Schweiss und Tränen. Wie sehen Sie das? Alles Talent oder kann man Zeichnen/Illustrieren lernen?

Ich glaube nicht so sehr an Talent und bin auch kein Fan von dieser Schweiß-Tränen-Leiden-Nummer. Klar, ein Mensch hat bestimmt gewisse Veranlagungen, aber gerade Zeichnen ist Übungssache. Ich zeichne seit ich denken kann, klar bin ich da gut drin, das wäre jeder andere Mensch auch. Und zu Schweiß und Tränen: Ich zeichne besser, wenn ich Spaß habe, als wenn ich mich wochenlang selbstgeißele für ein Projekt.

Was macht einen guten Illustratoren aus?

Ich finde, dass Illustrator*Innen einen neuen Blickwinkel aufzeigen sollten, bei einem Bilderbuch zum Beispiel nicht einfach das zeichnen, was der Text sagt, sondern eine neue Ebene einbauen, einen zusätzlichen Witz erzählen, eine Nebengeschichte zum Text aufmachen, den Betrachtern etwas zutrauen. Zudem flashen mich ganz persönlich Illustrator*Innen, die bei ihren Figuren eine große Diversität in der Mimik haben.

Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer den jeweiligen Ideen an?

Ich experimentiere immer wieder gerne mit neuen Techniken, aber hauptsächlich arbeite ich analog mit Tusche oder Bleistift und mache die Nachbearbeitung in Photoshop, die Layouts im InDesign.

Ihre Illustrationen sind mehrheitlich sehr linear, Farben setzen sie sparsam ein. Was bedeutet Ihnen Farbe?

Die komplette Überforderung, ich habe keine Ahnung davon.

Sie arbeiten hauptsächlich im Bereich Editorial, Cover und Plakate – wieso kam es dazu? Reizt Sie das mehr als zum Beispiel Buchillustrationen?

Ich bin eine spontane Zeichnerin, ich sitze nicht gerne monatelang an einem Projekt und mache 1000 Skizzen vor der Reinzeichnung, darum passe ich gut in die schnelllebige Medienlandschaft. Die Aufträge aus der Kulturszene kommen, weil ich mich da auch gerne bewege, ich mag Konzerte, gute Restaurants und Bars, die Clubkultur… Ein ewiges Rätsel, das mich immer reizt, ist: Wie visualisiere ich Musik? Wie zeichne ich die Klänge unterschiedlicher Instrumente, wie zeichne ich Bass, Rausch, Sphäre?

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Vor 11:00 passiert nichts Brauchbares, außer ich finde in meinem Posteingang einen wichtigen Spontanauftrag. Aber normalerweise beantworte ich im Bett E-Mails und reagiere auf kleine Korrekturwünsche. Danach ein Blick in den Kalender und auf die To-Do-Liste. Ich beginne mit dem dringendsten Projekt, dazu hör ich Podcasts. Ich arbeite gerne in die Nacht hinein, um 1:00 – 2:30 ist meine Konzentration am höchsten. 1-2 Tage die Woche arbeite ich als Ausgleich in einem Café.

Ich hörte mal, der grösste Feind des Künstlers sei nicht mangelndes Talent, sondern die Störung durch andere Menschen. Brauchen Sie zum Arbeiten Stille und Einsamkeit, oder stören Sie andere Menschen nicht?

Wenn ich im Ungleichgewicht oder von einem Projekt nicht überzeugt bin, nervt mich selbst das kleinste Geräusch. Dann versuche ich, mich mit Noise Cancelling Kopfhörern oder in einer ungestörten Nachtschicht zu konzentrieren. Im Grunde bin ich aber ein extrovertierter Mensch, ich brauche meine Leute um mich herum. Die Illustration ist schon eher ein einsamer Beruf, darum setze ich mich auch gerne mal in den Flur meiner großen WG oder in ein überfülltes Café. Ich glaube, da braucht man einfach für jeden Tagesbedarf eine Strategie.

Woher holen Sie Ihre Inspirationen/Ideen?

Alltagssituationen, Internet, Museen, ein Thema während der Arbeit im Café tagelang zerdenken oder ohne nachzudenken stundenlang im Flow zeichnen.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zum fertigen Bild beschreiben?

Manchmal hat man in der ersten Sekunde die richtige Idee, manchmal braucht man dafür tagelang, das ist unterschiedlich. Wenn ne Idee dann aber da ist, habe ich das Endprodukt schon ziemlich klar vor Augen. Ich zeichne nicht vor, ich arbeite direkt mit Tusche, lasse Fehler stehen und korrigiere danach am Computer, so spare ich Zeit.

Wenn sie an Ihre vergangenen Arbeiten denken: Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders am Herzen liegt? Wenn ja: Welches, und wieso?

Das Plakat und der visuelle Auftritt für das Schaffhauser Jazzfestival. Als die Organisator*innen für 2018 anfragten, hab ich mich riesig gefreut, denn das stand schon ewig lange auf meiner Traumauftragsliste. Ich habe im Projekt alte Konzepte weiterentwickelt, eine neue Sprache gefunden, auch aus heutiger Sicht stimmt da noch immer alles.

Wenn Sie ein Traumprojekt beschreiben könnten: Was würden Sie gerne illustrieren?

Ich würde gerne noch mehr Aufträge in den Themenbereichen machen, die mich auch als Mensch privat beschäftigen, z.B. für Seenotrettung-NGO’s, feministische Organisationen, Klimaschutz, …

Wie erleben Sie das Klima unter Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man sich gerne austauscht?

Ich habe, das Studium miteingerechnet, noch nie Rivalität erlebt, es ist eher das Gegenteil: es werden sich Aufträge zugespielt, Illustrator*innen mit passenderem Stil empfohlen, gegenseitig um Rat gefragt bei Unsicherheiten…

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

Ich denke nicht, dass sich ein Medium so einfach in gut oder schlecht kategorisieren lässt. Die elektronischen Medien gehören zu unserer Zeit, mit allen Vor- und Nachteilen.

Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?

Ein gut gepflegtes Portfolio im Internet und/oder ein Instagram Account. Charme und ein lockeres Mundwerk, um Leute, für die man gerne arbeiten würde, vollzusabbeln. Sich bei den Themen Urheberrecht und Nutzungsrecht schlau machen.
Die Bereitschaft, dass man mit unregelmäßigem Einkommen auskommen und sich um Rente, Steuern, Krankenkasse und den ganzen Kram selber kümmern muss. Sich nicht verrückt machen, wenn man mal einen Monat gar nicht zeichnen kann. Ich nenne das Input-Phasen, in der Zeit einfach neue Eindrücke sammeln, Museen besuchen, Dokus schauen, Neues kennenlernen.
Und am Anfang ist ein regelmäßiger Job, der öffentlich zu sehen ist, das Allerbeste, selbst wenn der Lohn lausig ist. Also das Veranstaltungsprogramm für ein Club oder Theater, was dann Monat für Monat in der ganzen Stadt hängt, eine wechselnde Speisekarte für ein Restaurant, eine Illustration in einer Wochenzeitung und sei es nur ein Inserat für eine Firma, irgendwie sowas. Beste Werbung!

Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?
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Wer mehr von Kooni sehen will, findet ihr Portfolio HIER

Auch auf Instagram hat sie ein Profil: HIER

Felix Scheinberger – Ein Blick hinter die Kulissen

Kurzbiografie

Felix Scheinberger wurde 1969 in Frankfurt am Main geboren. Schlagzeug war ihm wichtiger als Schule, statt Abi zu machen spielte er bis zum 22. Lebensjahr in Punkbands. Die Begabtenprüfung wurde seine Eintrittskarte an die FH für Gestaltung in Hamburg, wo er Illustration studierte und anschließend nahtlos in die Selbstständigkeit startete.In den letzten zehn Jahren hat er über 50 Bücher illustriert, regelmäßig für angesehene Zeitungen gearbeitet, Preise gesammelt, in Mainz, Hamburg und Jerusalem gelehrt und durch seine Lehrbücher reihenweise Kreative den Zeichenstift und den Wasserfarbkasten wieder entdecken lassen.
Felix Scheinberger war von 2010 -12 Stellvertretender Vorsitzender der IO – Illustratoren Organisation, des Berufsverbandes deutschsprachiger Illustratoren. Seit 2012 ist er Professor für Illustration an der Fachhochschule Münster.

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

Ich war das Kind, das sich für Dinosaurier interessierte, das Star Wars-Sammelbildchen und Steine sammelte, das Gruselgeschichten las und für die Sportfischerprüfung lernte. Das Dampfnudeln und Bienenstich liebte, im Wald Hütten baute und das später mal Forscher werden wollte. Und ja klar, ich habe auch gezeichnet. Aber wohl eher eben „auch“.

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

Ich habe einen Onkel, der eigentlich schon immer ein großer Freund schöner Bücher war. Und dieser Onkel schenkte mir jede Weihnachten einen Stapel Bücher der Büchergilde Gutenberg, deren Mitglied er seit Jahren war. Das bedeutete, dass ich nicht irgendwelche Bücher bekam, sondern Bücher, die auch „gut gemacht“ waren: mit zeitgemäßem Grafik-Design, festen Einbänden und natürlich fantastischen Illustrationen. (Illustrierte Bücher waren auch früher schon keine Selbstverständlichkeit und gerade die Büchergilde stand in den siebziger Jahren für feinste Buchkunst). Über diesen Weg lernte ich schon früh Illustratoren wie Tomi Ungerer, Ralph Steadman oder Horst Janßen kennen.
Ich glaube, diese Bücher haben mich nachhaltig geprägt und sie hatten keinen geringen Anteil daran, dass ich in Hamburg Illustration studierte.

Was macht einen guten Illustratoren aus?

Von einem Illustrator erwartet man in der Praxis tatsächlich nicht wenig: Er muss Gestalter, Künstler, Designer und Manager in einer Person zu sein, Er muss sein Handwerk beherrschen, Geschmack haben und einen unverwechselbaren Stil sein Eigen nennen. Dazu kommt, dass er ja nicht nur umsetzten soll, was andere sich ausdenken, er soll auch selbst kreativ sein und im Handumdrehen Ideen, visuelle Sprachen und pfiffige Bildlösungen kreieren. Darüber hinaus muss er natürlich das gesamte grafische Vokabular vom Layout bis hin zur Druckvorstufe beherrschen und selbstredend „in time“ liefern. Dazu kommt, dass er sich selbst vermarkten muss (immerhin sind nach einer neuen Umfrage der Illustratoren Organisation nur weniger als 2% der deutschen Illustratoren festangestellt). Er muss Kunden akquirieren und das Einmaleins des Freiberuflertums von der Buchhaltung bis zum Zeitmanagement spielend beherrschen.
Kurzum:
Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, zumindest sofern man sie wörtlich nimmt.

Ich würde sagen, es kommt auf eine Mischung an:
Primär muss man gute Ideen haben & Illustration lieben, aber man muss auch in Lage sein, sich zu vermarkten.

Ist Illustration Kunst oder Handwerk?

Illustration ist ganz klar Kunst oder kann zumindest ganz klar Kunst sein.

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

Ich denke, dass sie den Beruf an sich eher beflügelt haben. Allerdings haben sie die Branche tiefgreifend verändert. Das Problem an den neuen Medien ist in der Tat, dass sie Teile der Arbeitsschritte in der Illustration automatisiert haben, die noch vor einer Generation von Hand gemacht wurden. Das bringt Gutes wie Schlechtes mit sich. Gutes, weil sie uns eher langweilige Teile der Arbeit abgenommen haben, Schlechtes, weil Sie insgesamt das Mittelmaß befördern (das gilt jedoch für das gesamte grafische Gewerbe). Gestaltung ist ja nicht nur Inspiration, sie ist auch Handwerk. Der digitale Umgang mit ihr befördert eben auch jedweden gestalterischen Bluff, wenn man im Handumdrehen scheinbar praktikable Ergebnisse generieren kann, ohne gestalterische Basics zu beherrschen.

Was zeichnet Ihren Stil aus?

Das ist schwer zu beantworten. Sich selbst gegenüber ist man ja immer etwas „betriebsblind“. Ich glaube, ich mag einfach Zeichnungen. Ich arbeite fast immer aus der Linie heraus und koloriere hinterher mit Wasserfarben (und manchmal mit Buntstiften oder Collageschnipseln aus buntem Papier.)
Kurz gesagt sehe ich mich selbst deshalb vor allem als Zeichner.

Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?

Zeichnung und Aquarell. Am liebsten direkt „vor Ort“ in ein Skizzenbuch gemalt.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Das ist sehr unterschiedlich. Ich unterrichte ja noch an der FH Münster Illustration. Deshalb ist meine Woche eigentlich immer in zwei Hälften zerschnitten. In der einen Hälfte sitze ich in Berlin am Schreibtisch und in der anderen bemühe ich mich, unseren Studierenden Zeichnung und Illustration nahezubringen.

Ich hörte mal, der grösste Feind des Künstlers sei nicht mangelndes Talent, sondern die Störung durch andere Menschen. Brauchen Sie zum Arbeiten Stille und Einsamkeit, oder stören Sie andere Menschen nicht?

Nein ☺

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

In der Regel habe ich gleich ein paar Visionen im Kopf – und in der Regel erweisen sich diese dann beim genauen Hinsehen (und aufzeichnen) als ziemlicher Mumpitz.
Tatsächlich kommen mir die besten Ideen beim Weiterverarbeiten von schlechteren Ideen.
Ich bin da ein großer Freund vom „machen“. Ich zeichnen einfach los und entwickele nach und nach ( und ebnen auch über -oft notwendige- schlechtere Zwischenschritte) bessere Ideen.
Ich habe festgestellt, dass ich meistens nur meine Zeit verschwende , wenn ich darauf warte , dass mich die Muse küsst. Drum: Ich nehme einfach ein Schmierpapier und zeichne los.

Wenn sie an Ihre vergangenen Arbeiten denken: Gibt es ein Projekt, das Sie als Ihr Lieblingsprojekt bezeichnen würden? Wenn ja: Welches, und wieso?

Ich habe vor ein paar Jahren ein Buch mit Skizzen aus dem Berliner Nachtleben veröffentlicht, mit Zeichnungen von Orten an denen fotografieren explizit verboten ist. Ich mochte den Gedanken etwas zeichnerisch zu dokumentieren was eben nur zeichnerisch zu dokumentieren ist. Aus Clubs, aus Techno Parties aus explizit sexuellen Zusammenhängen.
Und ich mag den Effekt, dass dies durch Zeichnung greifbar wird ohne die Protagonisten bloss zu stellen.

Welches Projekt würden Sie einem Leser gerne vorstellen?

Ich würde gerne mein neuestes Buch vorstellen. Mein Mix-Max Kochbuch. Ein Buch dessen Idee ich sehr mag. Es ist kein „normales“ Kochbuch das einem Rezepte vorschreibt und in dem Kochen einfach das Abarbeiten von Einkaufslisten darstellt. Das Mix Max Kochbuch hilft einem wirklich kreativ zu sein. Ich habe mir die Idee zusammen mit meiner Freundin Doro einfallen lassen, und ich glaube, es ist wirklich etwas neues und hilft allen, die wirklich Kochen lernen wollen, indem es spielerisch die Möglichkeiten aufzeigt, die unterschiedliche Zutatenkombinationen bieten.

Ein kleiner Blick ins Buch:

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Ich mag Illustration und deshalb mag ich auch die Menschen, die sie machen.
Die meisten meiner Freunde haben mit Gestaltung oder Illustration zu tun und ich empfände mein Leben als ärmer, wenn ich mich nicht immer wieder mit Gleichgesinnten treffen und über unsere Kunst unterhalten könnte.
Ich glaube tatsächlich, dass wir nur gemeinsam die Situation der Illustratoren verbessern können. Deshalb war ich auch lange im Vorstand der IO Illustratoren Organisation aktiv. Ich glaube zudem, dass das Kontraproduktivste, was man in einer wirtschaftlich schwierigen Situation entwickeln kann, Konkurrenzdenken ist. Im Gegenteil ist es die Solidarität, die uns stark macht.

Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?

In einem Satz? Man sollte kreativ, fleißig und mutig sein.

Welchen Illustrator oder Künstler soll ich hier noch vorstellen?

Meinen Atelierkollegen Aljoscha Blau 😉

Ein Blick hinter die Kulissen – Saskia Wragge

Saskia Wragge,
geb. 1989 im Sauerland, lebt und arbeitet als Illustratorin in Köln.
Sie hat an der ecosign Akademie für Gestaltung bei Boris Servais,
Leo Leowald und Ivo Ringe Illustration studiert.
Sie bebildert Romane und Magazine und vieles mehr.

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?
So könnte man es ausdrücken. Eine Freundin, die ich schon seit Grundschulzeiten kenne, sagt immer „Gebt ihr bloß keinen Stift in die Hand, sie hört nie wieder auf!“

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?
Nach der Schule wollte ich Kunst studieren und in der Reihe meiner Bewerbungen, wurde ich dann an der ecosign/ Akademie für Gestaltung angenommen, wo ich zunächst Illustration und Typographie studierte, mich dann aber relativ schnell auf Illustration spezialisierte.

Ist eine Ausbildung zum Illustratoren unabdingbar oder lernt man Illustration eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?
Ich finde, dass das zwei sehr verschiedene Fragen sind.
Zum Thema Talent: Ich bin der Meinung, dass einem nichts in die Wiege gelegt ist und man kann es einfach. Sicher fällt jedem Menschen das Lernen von Irgendetwas leichter als anderen. Das ist dann Talent. Aber auch da muss man daran arbeiten, um es auszubauen.

Zum Thema Ausbildung oder Autodidakt: Ich glaube, dass Menschen viel ohne Ausbildung lernen können, zumal es abgesehen von Lehrbüchern ja heute etwas wie „Unterrichtsstunden“ durch Youtube-Videos gibt. Ob in einer gesteuerten Ausbildung oder als Autodidakt, wichtig ist bei beidem das regelmäßige Üben, um Fortschritte zu erzielen. Der Vorteil bei einer Ausbildung ist aber, dass die Ausbilder einem selbst – zumindest am Anfang – einiges voraus haben und sehen können, in welche Richtung man arbeiten sollte oder wo man noch optimieren kann. Eine geführte Ausbildung kann dabei helfen, nicht unkoordiniert in alle Richtungen zu Strampeln.

Was macht einen guten Illustratoren aus?
Ein guter Illustrator muss verstehen, worum es in einem Text, in der Musik, oder was immer er illustrieren soll, geht. Bei einem Roman beispielsweise ist es wichtig, dass man nicht nur die Sachebene erfasst, sondern sein Augenmerk auch auf den Erzählstil des Autors legt. Illustrieren bedeutet, etwas anderes mit einem Bild zu unterstützen, verständlicher zu machen und ihm vielleicht sogar einen zusätzlichen Blickwinkel zu geben. Hübsche Bilder allein reichen nicht.

Ist Illustration Kunst oder Handwerk?
Illustratoren sind zunächst einmal Dienstleister. Sie bekommen einen Auftrag und setzen diesen um. Daraus kann Kunst werden. Auch die Bilder der alten Meister, die wir heute in Kunstmuseen sehen, waren oft Auftragsarbeiten. Wenn man sein Handwerk beherrscht, kann daraus Kunst werden.

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?
Das kann ich kaum einschätzen, da ich schon mit den elektronischen Medien angefangen habe. Sicher ist, dass es durch die Computerprogramme andere Möglichkeiten gibt, als ohne diese, und dass diese eng mit Onlinemagazinen, animierter Werbung und Blogs verbunden sind.

Was zeichnet Ihren Stil aus?
Im Stil bin ich vielseitig. Meine Herangehensweise bei Aufträgen ist nicht an einen festen Zeichen- oder Malstil gebunden. Ich entscheide mich nach einiger Vorarbeit, welches der passende Stil für den jeweiligen Auftrag ist. Das wechselt zwischen Tuschezeichnungen, Aquarellen, Acrylmalereien, digitalen Arbeiten und Mischtechniken aus diesen. Wenn ich frei arbeite, bin ich eher motiv- als stil-gebunden.

Wo holen Sie Ihre Inspirationen/Ideen?
Ich gehe oft in verschiedene Museen – nicht nur Kunstmuseen – und lese viel.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Ich wache früh auf und lese im Bett, dann arbeite ich bis zu einer frühen Mittagspause meist Bürokratisches ab. Den Rest des Tages sitze ich über dem Papier. Ein bis drei Tage in der Woche habe ich einen Nebenjob, bei dem ich viel mit Menschen rede. Das ist ein guter Ausgleich.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?
Wenn ich nicht „einfach nur so vor mich hinmale“ und einen Auftrag habe, leiste ich schon vor der „ersten Idee“ zu einem Bild viel Denkarbeit. Wenn eine Bildreihe entstehen soll, beschäftige ich mich zuerst mit dem Thema und welches die wichtigsten Punkte desselben sind, oder was im bereits vorhandenen Material zu kurz kommt, worauf ich den Blick des Betrachters lenken will. Danach entscheide ich mich für ein Format und die Technik. Erst dann überlege ich, wie die jeweiligen Themen darstellbar sind. Die ersten Ideen schreibe ich untereinander auf und überlege, wo in der Reihe noch etwas fehlt oder gegen welche Idee ich mich entscheiden muss, um ein stimmiges Ganzes zu erzeugen. Wichtig dabei ist, welche Perspektiven, Schwerpunkte und Kontraste die einzelnen Bilder haben und wie sie aufeinander folgen. Wenn das alles erledigt ist, male ich irgendein Bild aus der Reihe, das mich gerade am meisten anspricht. Daraus ergibt sich die Bildsprache der ganzen Reihe.
Durch viel Einschränkung schaffe ich mir einen sicheren Rahmen, in dem ich dann frei arbeiten kann.

Sie haben kürzlich Neil Gaimans „Niemalsland“ illustriert. Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gefreut/gereizt?
Neil Gaiman ist einer meiner liebsten Autoren, deshalb habe ich auch schon in meiner Diplomarbeit das Buch „Der Ozean am Ende der Straße“ von ihm illustriert. Neil Gaiman war ursprünglich Comic-Autor und daher kann er sehr bildgewaltig schreiben. Ich fand an der Aufgabe „Niemalsland“ zu illustrieren besonders reizvoll quasi genau das Gegenteil von dem zu machen, was Chris Riddle tat, der Illustrator der englischen Ausgabe von „Niemalsland“ („neverwhere“), der dem comichaften treu blieb und die Figuren darstellte, wie er sie sich vorstellte. Ich finde das schwierig für den Leser eines Romans, da der Illustrator dem Leser so viel vorgibt. Darum habe ich bewusst auf die Darstellung von Protagonisten verzichtet. Folgt man der Interpretation von Volker Klotz (Literaturwissenschaftler), verwendet Neil Gaiman subtil Tiere als „Helfershelfer der Geschichte“: Welche Tiere wo auftauchen und welche Stellung sie im Roman einnehmen, weist noch auf viel mehr hin. Diesem Aspekt der Geschichte habe ich durch meine Illustrationen Raum gegeben.

Wenn Sie ein Traumprojekt nennen könnten: Was würden Sie gerne illustrieren?
Ich würde sehr gerne ein Plattencover gestalten, für Musik, die ich mag.

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?
Ich habe bis jetzt noch keinen Konkurrenzkampf wahrgenommen und bekomme immer hilfreiche Tipps. Wir schicken uns gegenseitig mögliche Jobs zu. Ich finde es spannend mit anderen Illustratoren über den Job zu reden und mir ihre Arbeiten anzusehen.

Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?
Museen und Buchläden besuchen und üben. Wenn möglich unter Anleitung.

Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?
Boris Servais,bei ihm habe ich studiert und bin Fan seiner lockeren Linien.
Lars Henkel,der es wunderbar schafft mit dem Computer zu arbeiten, ohne dass es nach Plastik aussieht. Er bebildert heimlich meine Alpträume.

Frohe Weihnachten

Nun ist es also so weit. Dieses Jahr waren die Weihnachtstage wohl noch mehr Thema als sonst, da sie durch all die Einschränkungen, Bestimmungen und Ge- und Verbote im kleinen Rahmen stattfinden müssen – oft anders als gewohnt.

Ich hoffe, ihr habt für euch einen Weg gefunden, der für euch stimmig und schön ist, diese Tage zu verbringen. Ich wünsche euch von Herzen frohe Weihnachten und eine besinnliche und frohe, lichtvolle Zeit.

Ich möchte mich an dieser Stelle bedanken für all die, welche immer wieder reinschauen, auch mal einen Kommentar und/oder Gruss da lassen. Es ist schön, zu sehen, dass das, was ich tue, bei anderen Menschen ankommt und gesehen wird.

Herzlich, Sandra

Ein Blick hinter die Kulissen: Doris Lecher

Kurze Biographie
Doris Lecher wuchs in einem Dorf am Zürichsee auf. Ihre Berufswünsche schwankten zwischen Malerin und Schriftstellerin, nach einem ersten Roman mit 13 kamen Bühnenauftritte und der Gedanke, Schauspielerin zu werden. Mit 24 zog Doris Lecher mit ihrem Mann nach New York, sie nutzte die Zeit und lernte an einer Kunstgewerbeschule das Handwerk des Malens, Illustrierens und Schreibens für Kinder. In New York wurde auch ihr erstes Kinderbuch, Angelita’s Magic Yarn, verlegt.
Doris Lecher lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Basel, wo auch ihre wunderbaren Bildergeschichten entstehen.

Fragen

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

Ja, ich hab immer schon gern gezeichnet und Geschichten erfunden. Bevor ich schreiben konnte mittels Bildern.

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

Irgendwann realisierte ich, dass, wenn ich schreiben und malen will, die beste Kombination Bilderbücher sind. Damals lebten wir in New York. Und ich entdeckte, dass man das sogar studieren kann. So besuchte ich dort die Parsons School of Design.

Ist eine Ausbildung zum Illustratoren unabdingbar oder lernt man Illustration eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?

Wie in jeder Kunstsparte läuft ohne Talent nichts und mit nur Talent noch weniger. Ein Werk erschaffen bedeutet Knochenarbeit. Mein Weg war vor allem Learning by doing mit guten Tipps von Lehrern, Lektoren, Kollegen und anderen kritischen Geistern. Ein Diplom in der Tasche bedeutet in dieser Branche aber weniger als ein publiziertes Buch.

Was macht einen guten Illustratoren aus?

Dass er einem Text Tiefe verleiht und ihn erleuchtet, wortwörtlich illuminiert. Dass er die Geschichte ergänzt und das Buch bereichert.

Ist Illustration Kunst oder Handwerk?

Ich persönlich unterscheide nicht zwischen Kunst und Kunsthandwerk, sondern halte es wie die alten Meister, die nur einen Begriff dafür hatten. (Ars)

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

Was eindeutig einfacher wurde, ist die Recherche. Wenn ich heute ein Okapi zeichnen will, muss ich dafür weder in die Bibliothek noch in den Zoo gehen. Obwohl ich mir bei grossen Projekten die Dinge gerne immer live anschaue, weil ich sie dann mit allen Sinnen erfahre. Ansonsten gehöre ich zu den alten Hasen und bin mit Papier und Pinsel und Stiften unterwegs. Den Computer brauche ich manchmal für nachträgliche Korrekturen oder dort, wo er sehr viel praktischer ist (bei Spiegelungen, Wiederholungen etc.) Der erste Strich entsteht aber immer von Hand auf Papier.

Was zeichnet Ihren Stil aus?

Fantasie, Humor und sehr viele Details vielleicht? Einer bestimmten „Schule“ gehöre ich nicht an.

Wo holen Sie Ihre Inspirationen/Ideen?

Woher die Ideen kommen ist mir selber ein Rätsel. Und ich habe mehr als mir lieb ist. Mein Problem ist eher, wie bündle ich sie, sodass ein Bild oder Text nicht überladen wird.

Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?

Am liebsten male ich mit Aquarellfarben. Für mein letztes Buch „Spiegel, das Kätzchen“ machte ich Kupferdrucke mit Radier- und Kaltnadeltechniken. Das passt mit dem vielen Schwarz gut zu der hintergründigen und auch etwas unheimlichen Geschichte. Jedes Buch verlangt ein bisschen nach einer anderen Technik.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Wie der eines Beamten: Morgens am Schreibtisch die kreative Arbeit, Mittagspause, nachmittags Korrespondenz oder Haushalt oder Tierarzt oder was sonst noch alles anfällt. Wenn eine Arbeit sehr eilt, illustriere ich auch noch am Nachmittag.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

Nicht in zwei, drei Sätzen! Die Entstehung eines ganzen Buches ist es ein langer Prozess, der bei mir in mindestens ein Jahr in Anspruch nimmt.

Sie haben kürzlich Gottfried Kellers „Spiegel, das Kätzchen“ illustriert. Wie kam es dazu?

Als unsere Jugendlichen Gottfried Keller in der Schule lesen mussten, war ich entsetzt über ihr Gejammer. Da hab ich ihn auch wieder gelesen und ganz wunderbar gefunden. Besonders der Spiegel hat es mir angetan. Und weil darin genau das vorkommt, das ich am allerliebsten male: Katzen, Eulen, Hexereien, alte merkwürdige Dinge, Gutes zu Essen und einen leicht schrägen Humor, konnte ich nicht widerstehen, die Geschichte neu und kürzer zu erzählen und Bilder dazu zu malen.

Wie wählen Sie generell aus, was Sie illustrieren wollen? Gäbe es Dinge, die Sie nicht illustrieren wollen oder sehen Sie hinter allem die kreative Herausforderung?

Wenn eine Weltanschauung mir gar nicht entspricht, (Esoterik z.B.) würde ich ein Buch nicht illustrieren. Und nicht stimmige Geschichten oder sprachlich schlecht geschriebene nehme ich auch nicht an. Dafür arbeite ich zu lange an den Illustrationen und ist mir die Sprache zu wichtig.

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Natürlich sind wir Konkurrenten, aber ob man die anderen Illustrierenden als Konkurrenz oder Kollegen anschaut ist eine Frage der Persönlichkeit. Ich bin in zwei Vereinen, wo wir uns austauschen, auch mal helfen, und sogar Aufträge weiter reichen, wenn wir selber keine Zeit dafür haben oder denken, der andere kann das besser.

Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?

Noch einen anderen Beruf dazu zu lernen! Nicht nur als Einkommensquelle – es ist hart und sehr unsicher, nur vom Illustrieren zu leben –, sondern auch, weil die Arbeit ausgesprochen einsam ist. Da tut es gut, noch ein anderes, sozialeres Tätigkeitsfeld zu haben.

Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?

Käthi Bhend und/oder Albertine. Die beiden gefallen mir ganz besonders unter den Schweizer Illustratoren und haben vollendete Kunstwerke von Büchern geschaffen.

Rittiner & Gomez – ein Blick hinter die Kulissen

Rittiner & Gomez  – Spiez
*1960 Simplon-Dorf
Bildermacher  und Webbewohner
seit 1985 diverse Ausstellungen im In- und Ausland
vertreten in mehreren Publikationen
WWW:  www.rittiner-gomez.ch / www.isla-volante.ch

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

Nein.

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

Schleichend, wir machten unsere Bilder, die dann zur Illustration verwendet wurden.

Was macht einen guten Illustrator aus?

Sie unterstützt treffend einen Text und erklärt zusätzlich Dinge die sich nicht mit Worten sagen lassen.

Ist Illustration Kunst oder Handwerk?

Als Bildermacher haben wir uns diese Frage noch nie gestellt. Sind aber eindeutig Handwerker.

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

Beflügelt, die meisten Arbeiten entstanden durch Onlinekontakte und die Zusammenarbeit läuft, fasst ausschliesslich über das Internet.

Was zeichnet Ihren Stil aus?

Eine eigene Bildsprache, die wir über Jahre entwickelt haben, die vom Comic inspiriert ist.

Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?

Zeichnung und Aquarellmalerei, die sich vermischt, wobei es oft das zeichnerische und dann wieder das malerische im Vordergrund ist.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

7 30 – 11 00h / 14 00 – 17 00h und mit Kaffeepause.

Ich hörte mal, der grösste Feind des Künstlers sei nicht mangelndes Talent, sondern die Störung durch andere Menschen. Brauchen Sie zum Arbeiten Stille und Einsamkeit, oder stören Sie andere Menschen nicht?

Zu Talent können wir nichts sagen. Zum arbeiten brauchen wir nicht Stille. Hören oft Radio oder Musik . Das mit den Menschen ist tatsächlich so eine Sache, selbes wenn sie nicht im gleichen Raum sind können wir nicht arbeiten.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

Meistens kommen beim Lesen eines Textes, die Bilder ganz automatisch, es gilt dann eine Auswahl zu treffen. Machen auch nie Entwürfe, lassen die Bilder quasi, aus dem Papier heraus wachsen.

Wenn sie an Ihre vergangenen Arbeiten denken: Gibt es ein Projekt, das Sie als Ihr Lieblingsprojekt bezeichnen würden? Wenn ja: Welches, und wieso?

„Ewig Dein“ eine Liebesgeschichte mit einem wortlosen Comic auf 26 Bildern für die Ausstellung „Liebes Radio“ im historischen Museum Luzern. Jede Woche der Ausstellung kam ein neues Bild hinzu. Den Auftrag erhielten wir 4 Tage vor der Ausstellungseröffnung. Es war also ein Sprung in das kalte Wasser und wie die Geschichte enden würde, wussten wir beim Start noch nicht.

Welches Projekt würden Sie einem Leser gerne vorstellen?

Arbeiten nun seit 19 Jahren an dem Weblog „Isla Volante“ und sind selber erstaunt wie sich der Blog immer wieder veränderte und was daraus alles entstand. Sind aber auch gespannt wie sich die Isla Volante weiter entwickeln wird.

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Kennen persönlich gar keine Illustratoren. Sind aber immer in Kontakt mit diversen Menschen, aus verschiedensten Berufen, die unsere Arbeit beeinflussen und weiterbringen. Selbstverständlich, hätten wir grosses Interesse, uns mit Illustratorinnen auszutauschen und zu vernetzen.

Was raten Sie jemanden, der Illustrator werden will?

Zeichnen, malen, zeichnen, malen, zeichnen, malen, zeichnen und viel Radfahren.

Welchen Illustrator oder Künstler soll ich hier noch vorstellen?

Patricia Keller

Der Link zum im Interview erwähnten Weblog: HIER