Ein Leben in Bildern

Kahlo1Frida Kahlo hatte wohl alles andere als ein ruhiges Leben. Krankheit, ein schwerer Unfall und immer wieder Schmerzen begleiteten ihr Leben – ob sie ohne diese geworden wäre, wer sie war? Sie war immer ein eigenwilliges Kind, eines, das einen eigenen Kopf hatte und diesem folgte. Das tat sie mit ihrem Leben, mit ihren Liebschaften und auch mit ihrer Kunst. Die drei sind generell nicht voneinander zu trennen, befruchten sie sich doch gegenseitig immer wieder.

Vanna Vinci, Autorin und Illustratorin des vorliegenden Buchs, erzählt die Geschichte der faszinierenden Künstlerin als Graphic Novel und in Form eines Dialogs. Frida soll dem Tod ihr Leben erzählen. Wer war sie, wie lebte sie, bis er sie holte?

Frida…Frida….Komm erzähl mir….Erzähl mir von deinem Leben….

Du weißt bereits alles über mich mich… Du wusstest schon alles, bevor wir auch nur angefangen hatten…

Aber nun würde ich mich gerne erinnern…Ich kenne die Geschichten so vieler Leute….

In Ihren Zeichnungen greift Vinci Frida Kahlos Farbpalette und auch Figurensprache auf. Es gelingt ihr zudem in der Erzählung, eine Stimmung und Erzählhaltung aufrechtzuerhalten, die durchaus authentisch wirkt, die so von Frida selber stammen könnte.

Entstanden ist ein wunderbares Buch, das tiefe Eindrücke in das Leben und Schaffen einer beeindruckenden Frau und Künstlerin gewährt, das durch Bild und Text überzeugt und auch für Menschen, die sonst keine Graphic Novels lesen mögen, durchaus ein Gewinn sein kann. Die angenehme Haptik des etwas festeren Papiers sowie das geschmackvoll und passend gestaltete Cover machen das Buch zu einem kleinen Kunstwerk.

Fazit
Ein informatives, tiefgründiges und hochwertig gestaltetes Buch, das sich authentisch und stimmig mit Frida Kahlos Leben und Schaffen auseinandersetzt. Absolut empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Prestel Verlag (28. August 2017)
ISBN: 978-3791383873
Preis: EUR: 22 ; CHF 33.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

ZwergerNussknackerHeilig Abend steht vor der Tür, die Kinder sind voller Erwartungen, was für sie auf dem Gabentisch liegt. Sie werden nicht enttäuscht; Bilderbbücher, Süssigkeiten und Spielzeug warten auf sie. Plötzlich entdeckt Marie einen kleinen Mann mit grossem Kopf und kleinem Körper: Ein Nussknacker. Weil er Marie so gut gefällt, darf sie ihn behalten. Bis alle ins Bett gehen, hat der arme Nussknacker allerdings alle Zähne verloren vom vielen Knacken der Nüsse. Marie will ihn drum besonders weich betten, damit er sich erholen kann.

Die Nacht bricht ein und plötzlich regt sich was, es wispert und flüstert und raschelt. bald sieht sich Marie umgeben von einem Mäuseheer, angeführt vom siebenköpfigen Mausekönig. Der Nussknacker ruft die anderen im Zimmer zu Hilfe – die Mäuse müssen bekämpft werden.

Am nächsten Morgen ist Marie krank. War alles nur ein Fiebertraum? Steckt doch mehr dahinter? Ein wunderbares Märchen für Gross und Klein!

E.T.A. Hoffmann erfand die Geschichte vom Nussknacker ursprünglich für die Tochter eines Freundes: Marie Hitzig. Realität und Phantasie gehen eine wunderbare Verbindung ein, indem Marie, selber mit einer reichen Phantasie ausgestattet, zur Protagonistin eines Märchens wird, das voller Magie ist, dabei aber auch immer eine Spur Witz mit sich trägt.

Lisbeth Zwerger hat die Geschichte mit ihren Illustrationen grossartig eingefangen. Mit klaren Linien, einer gedämpften Farbpalette und dem feinen Sinn für die Details entwickeln sich ihre Bilderwelten. Man kann sich nicht satt sehen an den Zeichnungen, die viel mehr sind als blosse Wiedergabe des Textes, sondern immer tiefer gehen.

Fazit:
E.T.A. Hoffmanns wunderbare Geschichte wurde gekonnt gekürzt und grossartig illustriert – ein Genuss für alle Sinne, für Gross und Klein. Sehr empfehlenswert.

Der Autor und die Mitwirkenden
E.T. A. Hoffmann kam am 24. Januar 1776 als Sohn eines Hofgerichtsadvokaten in Königsberg zur Welt. Der Jurist und Richter war ein künstlerisches Multitalent: Er arbeitete unter anderem als Komponist und Kapellmeister, Zeichner und Literat. Hoffmann starb am 25. Juni 1822 an einer schweren Krankheit in Berlin. Er hat mit seinen tiefenpsychologisch geprägten Erzählungen der deutschen Romantik Weltgeltung verschafft.

Susanne Koppe studierte Germanistik, Pädagogik und Psychologie in München sowie Children’s Literature am Simmons College in Boston. Sie leitet eine Agentur für Autoren und Illustratoren. Susanne Koppe lebt und arbeitet in Hamburg und Wien.

Lisbeth Zwerger, geboren 1954 in Wien. Sie gewann mit ihren zahlreichen Werken unter anderem zweimal den Goldenen Apfel der Internationalen Biennale für Illustration in Bratislava und dreimal den Preis der ‚New York Times‘ für die zehn bestillustrierten Bücher. Für ihr Lebenswerk wurde sie mit dem H. C. Andersen Preis ausgezeichnet, der als Nobelpreis der Kinder- und Jugendliteratur bezeichnet wird.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 40 Seiten
Verlag: NordSüd Verlag (26. September 2016)
Empfohlenes Alter: 4 – 6 Jahre
ISBN-Nr.: 978-3-314-10413-8
Preis: EUR 16.99 / CHF 23.90
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 Ein grosser Denker ganz privat

HerzogKantWenn man an Immanuel Kant denkt, denkt man an Philosophie. Man hat Begriffe wir Kritik, Kategorischer Imperativ, Vernunft im Sinn und denkt an einen der grössten deutschen Denker. Immanuel Kant, der nie sein Königsberg verliess, ein Philosoph, der wohl selten als Mensch wahrgenommen wird, mehr durch seine Schriften.

Antje Herzog ist neue Wege gegangen. Sie forschte dem privaten Immanuel Kant nach und beleuchtete diesen durch sein Verhältnis zu seinem Diener Lampe – eine Verbindung, die über vierzig Jahre gedauert hat und von einem Tag auf den anderen aufhörte.

In dieser Graphic Novel ist Antje Herzog mehreres gelungen: Sie lässt uns hinter die Kulissen des irgendwie unnahbar scheinenden Philosophen schauen. Sie präsentiert skurrile Eigenheiten Kants und lässt ihn durch Alltagsgeschichten menschlich werden. Wir sehen Immanuel Kant mit Nachtmütze und Leselicht, lesen zwischendurch immer auch wieder Sätze, die aus Schriften oder Briefen stammen, die aus den Philosophiebüchern bekannt sind und nun in ein Leben eingebettet werden. Mit viel Humor und doch auch Tiefgang und Hintergrundwissen lässt Antje Herzog Immanuel Kant lebendig werden.

Vollendet wird alles durch ihren wirklich wunderbaren Zeichnstil mit Tusche und Feder, detailliert und fein schraffiert. Akzente setzt die Zugabe der Farbe Gelb in die sonst schwarz-weiss gehaltenen Zeichnungen.

Fazit:
Ein wunderbar illustriertes Buch mit viel Tiefgang, Witz und Hintergrundwissen. Eine absolute Leseempfehlung!

Antje Herzog
Antje Herzog, geboren 1981, studierte Design und Illustration an der Hochschule Düsseldorf sowie Animation und Animationsfilm an der Konstfack-Universität in Stockholm. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der Illustratoren Organisation e.V. Seit 2008 lebt und arbeitet Antje Herzog als Illustratorin in Köln.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 152 Seiten
Verlag: Edition Büchergilde (16. März 2017)
ISBN-Nr: 978-3864060687
Preis: EUR 26 / CHF 36.90
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(Hühner Zeichnen)

Du brauchst: eine Zeichenfeder, einen Federhalter, gute Augen

9783791372471_CoverWer möchte nicht auch gut zeichnen können und sagt sich immer wieder: Ich kann nicht zeichnen, ich lass es sein. Jean-Vincent Sénac zeigt, dass es ganz einfach ist, ein Huhn zu zeichnen:

Man zeichne ein Dreieck, darunter eine senkrechte Linie, noch eine, und dann noch ein paar Striche dran… und merkt: Da fehlt was. Neuer Versuch.

Man merkt es wohl schon: Das vorliegende Buch ist keine Zeichenschule, auch wenn Jean-Vincent Sénac durchaus zeigt, wie man ein einfaches Huhn zeichnen kann. Dabei beschreibt er, was er tut, und zeigt es anhand kleiner Illustrationen. Das Ganze macht er mit viel Witz, Charme und Ironie. Ein Buch, das einen oft schmunzeln lässt, ein Buch, das eigentlich nur aus wenigen handgeschriebenen Worten und wenigen Tintenstrichen besteht, aber ganz viel Freude beinhaltet, so dass man es immer wieder anschauen möchte – und ja, man versucht das mit dem Hühnerzeichnen, ganz bestimmt. Man wird angeregt, kreativ zu werden, neue Wege zu gehen, mit Formen zu spielen. Und dann sieht man, was auch Jean-Vincent Sénac sagt: Es ist ganz einfach, ein Huhn zu zeichnen – und vieles mehr. Und: Es macht Spass.

Da ich Hühner sehr liebe, war dieses Buch natürlich ein Muss für mich.

Fazit:
Ein wunderbares, witziges kleines Buch für Kinder und Erwachsene. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Jean-Vincent Sénac ist ein in Frankreich lebender Illustrator. Er produzierte bereits Bücher, Daumenkinos und Spielzeuge und gibt Kunstworkshops für Kinder.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 70 Seiten
Verlag: Prestel Verlag (21. März 2016)
ISBN-Nr: 978-3791372471
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Es war eine anstrengende Woche mit vielen Zugfahrten. Gerade dadurch war es aber auch eine kreative Woche, da ich die Wartezeiten und die Zugfahrten zum Zeichnen nutzte. Die Challenges im Netz kamen ein wenig zu kurz, die Zeit reichte schlicht nicht mehr für alles – aber schaut selber.

Ich habe weiter Menschen gezeichnet, auch wenn die nach wie vor die grösste Herausforderung für mich sind:

Auch gelettert habe ich wieder:

Die Blumenliebe fand ihren Ansporn in einer Instagram-Aktion – unter dem Hashtag #floralsyourway gab es alle zwei Tage eine Blume zu zeichnen:

Ein neuer Challenge ist die #blumenkranzliebe auf Instagram:

Obwohl die bislang verfolgten Challenges etwas zu kurz kamen, habe ich mich für einen neuen entschieden, nämlich #365doodlesmitjohanna – ich hoffe, ich kann dabei bleiben:

Auch mit bunten Farben und Blumen habe ich weiter experimentiert. Ich merke immer wieder, wie befreiend diese lose Form des Gestaltens ist:

Unterwegs hatte ich mein kleines Sketchbook dabei und überbrückte Busfahrten oder Wartezeiten :

Neu habe ich auch mal eine andere Papierfarbe ausprobiert und mir ein Sketchbook mit braunem Papier besorgt:

Und dann entstand noch dies und das – kleine Kritzeleien und mehr:

Ich bin gespannt, was die nächste Woche bringt. Ab und an denke ich, ich sollte mal mehr bei einem Thema bleiben, sprich, eine Woche nur Bleistiftzeichnungen, die nächste nur Aquarell, die folgende… davon könnte ich sicher profitieren im Sinne von mich am besten weiterentwickeln im entsprechenden Gebiet – aber es macht einfach zu viel Spass, alles nach Lust und Laune zu machen – und das brauche ich aktuell auch.

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Nun freue ich mich auf die neue kreative Woche!

profil_beschtart_bwKünstlerin – Mensch – Punkt. Mehr bin ich nicht – und minder auch nicht. Meine Kunst- fernab von abstraktem Nihilismus und Unvermögen in Abstrakt getarnt, weg von emotionsloser Frontalfotografie.

Mit diesen Worten stellt sich Ute Bescht selber vor. Lieber erfährt sie vom anderen etwas, als sich selber mit Worten in den Mittelpunkt zu stellen:

Sei du mal anders. Erzähle (mir) & DIR deine Geschichte zu meinen Werken. Lenk dich ab, denke quer, traue dich zu träumen – auch dunkel!

avatar_bescht_uteEinige Punkte aus dem Leben sind denn doch bekannt: Geboren wurde sie am 14. Mai 1968, ihre künstlerischen Stationen führten sie zu Reinhold Pichler, Kunstverein Rosenheim, zu einer Zulassung an der AdbK München und über viele autodidaktische Weiterbildungen und experimentelles Gestalten mit immer neuen Medien. Ihre unermüdliche Kreativität und Entdeckerfreude führten sie immer weiter. Wichtig ist ihr dabei

Ich male nicht zur Gefälligkeit – ich mache Kunst für wache Augen und Köpfe

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

Nein – eher schlimmer (lach) – ich habe alles Mögliche zu Malmaterial umgemünzt: Sand, Dreck, etc. und habe, während ich eigentlich Mittagsschlaf halten sollte, Mamas Auftragsarbeit in Öl bearbeitet, was das sonst nicht so übliche Lächeln meiner künstlerischen Ergüsse auf ihre Lippen gezaubert hat . Aber wenn man so will, bin ich mit Stiften und Pinseln aufgewachsen.

Wie sah Ihr Weg in die Kunst aus?

Wenn man von Förderung sprechen möchte, war da neben meinen Eltern ein Erlebnis in Bad Bevensen: mein Besuch bei der Oma, die nicht so recht wusste, was sie mit einem 9jährigen Mädchen anstellen sollte. So steckte sie mich in den Malkurs eines dort ansässigen Künstlers, der allerdings recht bald merkte, dass mir die als Gruppenaufgabe zugeteilten Blumen zu lahm waren und ich sie auch konnte. Also gab er mir ein Pferdeskelett zum Abzeichnen und hinterher haben wir das Tier dann „angezogen“ – und es sah selbst mit Umrissen aus wie ein Pferd.

lamarr_done_1200Wann haben Sie gesagt: Ich bin Künstler? Beim ersten verkauften Bild? Schon früher?

Ich habe mich immer als Künstler bezeichnet – weil eigentlich alles mit Passion eine Kunst ist – egal welches Genre, ob auf der Leinwand, dem Instrument oder auch als Chirurg am Menschen.

Ist eine Ausbildung zum Künstler unabdingbar oder wird/ist man Künstler eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?

Ich denke eine Spur Talent sollte sein – dann etwas professionelle Anleitung – allerdings nicht in Form von stil-tötenden Akademien und eitlen Professoren, die ihre Studenten als Mal-Lakaien missbrauchen, sondern durch einen strich-vertiefenden Förderer. Und dann: Leidenschaft, Leidenschaft, Leidenschaft. Und Durchhaltevermögen.

garbarekWas macht einen guten Künstler aus?

Der Willen, sich weiterzuentwickeln, und auch die Empathie, sein Wissen weiterzugeben – frei nach dem Motto: Wer oben angekommen ist, sollte den Aufzug wieder nach unten schicken!

Sie beschreiben Ihre Kunst als „fernab von Nihilismus und Unvermögen in Abstrakt“ – ist abstrakte Kunst nur getarntes Unvermögen?

In vielen Fällen ja.

Muss ein Maler fotorealistisch zeichnen/malen können?

Nein, ein Maler nicht – aber ein Künstler muss für mich persönlich definitiv Anatomie, Perspektiven und klassische Elemente erkennbar und leicht beherrschen.

Was zeichnet Ihren Stil aus?

Dass man mich nicht in eine Schublade stecken kann – ich fühle mich im Realismus/ Surrealismus genauso zuhause wie im angehaucht Abstrakten, im Symbolismus oder auch schlichtem Porträtieren und Comic oder Mystic/ Dark Art.

familylegacyWo holen Sie Ihre Inspirationen/Ideen?

Ich bin ein Fotoapparat: Eindrücke entwickeln sich aus einem Sekundenbruchteil in ein fertiges Bild – das kann aus Nachrichten, Film, dem Eindruck an der Kasse, einem Gespräch entstehen. Inspiration ist mein tägliches Leben. Allerdings geht es mir aktuell wie „Vergil“ aus Dante Alighieris` göttlicher Komödie: Nur aus Leid schöpfe ich die besondere Kraft des Schaffens.

Gibt es Maler/Künstler, die Sie inspiriert haben oder die Ihnen speziell gefallen?

Sehr viele – ich nenne hier nur ein paar: Leon Ariev, Giger, Istvan Sandorfi, Monet, Picasso, Jens Rusch, Jake Baddely, moderne Künstler wie Gregory Hergert… und viele mehr

Machen Sie auch Auftragsarbeiten oder arbeiten Sie immer frei?

Sowohl als auch.

Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese (sofern Sie auf Auftrag arbeiten) dem jeweiligen Thema/Auftrag an?

Ich passe sie tatsächlich an – so sind zum Beispiel meine ganzen Splashporträts© entstanden: Tuschebilder, Aquarelle, die ich ursprünglich nur aus Farbflecken entstehen lasse. Und die sind auf Papier. Sonst Platte/ Leinwand – wahlweise Acryl oder Öl.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Strenge Arbeitszeiten oder warten Sie auf den Musenkuss und legen los, wie man sich das gerne so vorstellt?

Herrlich.. die Muse ist bei mir männlich. Nein, im Ernst.. ich habe damals NICHT den professionellen Weg der Akademie der bildenden Künste in München, auf der ich bereits eingeschrieben war, gewählt, um nicht künstlerisch sein zu MÜSSEN. Denn ich bin ein Individualist, der unter Zwang und Doktrin keine Leistung bringt. Ich habe zwei Jobs, mit denen ich mir meine Materialien bezahlen kann. Aber ja: Disziplin spielt insofern eine Rolle, sich immer weiterzuentwickeln, und auch beharrlich dran zu bleiben, selbst wenn man den Pinsel gerade schwebend mit zwei Daumen der linken Hand führt. Ich selbst bin ein sehr schneller Künstler – soll heißen: Ich brauche im Schnitt weniger Zeit im Gesamten – arbeite aber auch nie mehr als drei Stunden am Stück , weil ich danach einfach müde bin durch die Konzentration. Aber sie ist schon frei, die Arbeit.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zum fertigen Bild beschreiben? Legen Sie einfach los oder gibt es Notizen, Vorskizzen?

Ich male im Kopf und fange physisch sofort an. Außer bei Auftragsarbeiten – da gibt es den sogenannten Konzeptentwurf, um den neuen Besitzer ins Bild zu setzen, meinen Leitfaden zu haben und auch später ein Stück Original meines Werkes zu haben. Ich bin da sehr eigen – ich habe immer das Gefühl, ein Stück von mir wegzugeben – und so behalte ich jedes ein bisschen bei mir. Allerdings wird das Resultat dann immer ein Stück anders – weil mir während des Schaffensprozesses dann noch Feinheiten auffallen, die ich vorher im Kopfentwurf nicht beachtet hatte.

Wie ist das Klima zwischen Künstlern? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Oh nein, ich selber bin in großartiger Gesellschaft und wir befeuern und stützen und werben für uns gegenseitig. Ich selber feature andere Künstler, die ich für förderungswürdig halte mit meiner Manpower im Sinne von Webdesign (einer meiner Jobs) und der Bildung von Gruppen – lokal oder genre-technisch. Es soll eine Gemeinschaft sein, wir haben alle eine phantastische Leidenschaft. Außerdem – gibt man jedem Künstler aus meinem Genre ein Motiv, das alle gleich malen sollen, kommt jedes Werk individuell daher – wir fürchten untereinander keine Konkurrenz – wir sind uns unseres Könnens und unseres Stils bewusst. Das „Künstler-Stuten-Beißen“ haben nur die nötig, die auch Konkurrenz und somit wohl weniger Butter auf dem Brot fürchten müssen. Sprich die, die doch eher den malerischen Einheitsbrei bedienen oder schlicht die Materie / das Material nicht beherrschen.

Habe ich noch eine Frage vergessen?

Eventuell vielleicht ein Vorurteil, mit dem Künstler immer zu kämpfen haben – Ist Kunst das Geld wert, das man für sie zahlt? Wie oft hört man: „Das ist doch nur ein Bild, wie kann das soooo teuer sein?“ Manch einer zweifelt sogar selber die Legitimität an, für ein eigenes Bild überhaupt Geld zu nehmen. Kunst ist immer noch in vielen Köpfen „brotlos“ – allerdings, wächst die Zahl der Liebhaber. .

Was raten Sie jemandem, der als Künstler leben will?

Durchhalten. Netzwerken.

Welchen Künstler soll ich hier noch vorstellen?

Dajana (Danny) Larsen (Larsen Art)

Weitere Informationen zu Ute Bescht finden sich auf ihrer Homepage: LINK

Auch zu finden ist sie bei Facebook: LINK

selbstportrait

Saskia Wragge,
geb. 1989 im Sauerland, lebt und arbeitet als Illustratorin in Köln.
Sie hat an der ecosign Akademie für Gestaltung bei Boris Servais,
Leo Leowald und Ivo Ringe Illustration studiert.
Sie bebildert Romane und Magazine und Anderes.

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

So könnte man es ausdrücken. Eine Freundin, die ich schon seit Grundschulzeiten kenne, sagt immer „Gebt ihr bloß keinen Stift in die Hand, sie hört nie wieder auf!“

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

Nach der Schule wollte ich Kunst studieren und in der Reihe meiner Bewerbungen, wurde ich dann an der ecosign/ Akademie für Gestaltung angenommen, wo ich zunächst Illustration und Typographie studierte, mich dann aber relativ schnell auf Illustration spezialisierte.

bilder-3Ist eine Ausbildung zum Illustratoren unabdingbar oder lernt man Illustration eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?

Ich finde, dass das zwei sehr verschiedene Fragen sind.

Zum Thema Talent: Ich bin der Meinung, dass einem nichts in die Wiege gelegt ist und man kann es einfach. Sicher fällt jedem Menschen das Lernen von Irgendetwas leichter als anderen. Das ist dann Talent. Aber auch da muss man daran arbeiten, um es auszubauen.

Zum Thema Ausbildung oder Autodidakt: 
Ich glaube, dass Menschen viel ohne Ausbildung lernen können, zumal es abgesehen von Lehrbüchern ja heute etwas wie „Unterrichtsstunden“ durch Youtube-Videos gibt. Ob in einer gesteuerten Ausbildung oder als Autodidakt, wichtig ist bei beidem das regelmäßige Üben, um Fortschritte zu erzielen. Der Vorteil bei einer Ausbildung ist aber, dass die Ausbilder einem selbst – zumindest am Anfang – einiges voraus haben und sehen können, in welche Richtung man arbeiten sollte oder wo man noch optimieren kann. Eine geführte Ausbildung kann dabei helfen, nicht unkoordiniert in alle Richtungen zu Strampeln.

bilder-4Was macht einen guten Illustratoren aus?

Ein guter Illustrator muss verstehen, worum es in einem Text, in der Musik, oder was immer er illustrieren soll, geht. Bei einem Roman beispielsweise ist es wichtig, dass man nicht nur die Sachebene erfasst, sondern sein Augenmerk auch auf den Erzählstil des Autors legt. Illustrieren bedeutet, etwas anderes mit einem Bild zu unterstützen, verständlicher zu machen und ihm vielleicht sogar einen zusätzlichen Blickwinkel zu geben. Hübsche Bilder allein reichen nicht.

Ist Illustration Kunst oder Handwerk?

Illustratoren sind zunächst einmal Dienstleister. Sie bekommen einen Auftrag und setzen diesen um. Daraus kann Kunst werden. Auch die Bilder der alten Meister, die wir heute in Kunstmuseen sehen, waren oft Auftragsarbeiten. Wenn man sein Handwerk beherrscht, kann daraus Kunst werden.

bilder-1Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

Das kann ich kaum einschätzen, da ich schon mit den elektronischen Medien angefangen habe. Sicher ist, dass es durch die Computerprogramme andere Möglichkeiten gibt, als ohne diese, und dass diese eng mit Onlinemagazinen, animierter Werbung und Blogs verbunden sind.

Was zeichnet Ihren Stil aus?

Im Stil bin ich vielseitig. Meine Herangehensweise bei Aufträgen ist nicht an einen festen Zeichen- oder Malstil gebunden. Ich entscheide mich nach einiger Vorarbeit, welches der passende Stil für den jeweiligen Auftrag ist. Das wechselt zwischen Tuschezeichnungen, Aquarellen, Acrylmalereien, digitalen Arbeiten und Mischtechniken aus diesen. Wenn ich frei arbeite, bin ich eher motiv- als stil-gebunden.

bilder-5Wo holen Sie Ihre Inspirationen/Ideen?

Ich gehe oft in verschiedene Museen – nicht nur Kunstmuseen – und lese viel.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich wache früh auf und lese im Bett (zur Zeit die Biographie von Vincent van Gogh, S. Fischer Verlag), dann arbeite ich bis zu einer frühen Mittagspause meist Bürokratisches ab. Den Rest des Tages sitze ich über dem Papier. Ein bis drei Tage in der Woche habe ich einen Nebenjob, bei dem ich viel mit Menschen rede. Das ist ein guter Ausgleich.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

Wenn ich nicht „einfach nur so vor mich hinmale“ und einen Auftrag habe, leiste ich schon vor der „ersten Idee“ zu einem Bild viel Denkarbeit. Wenn eine Bildreihe entstehen soll, beschäftige ich mich zuerst mit dem Thema und welches die wichtigsten Punkte desselben sind, oder was im bereits vorhandenen Material zu kurz kommt, worauf ich den Blick des Betrachters lenken will. Danach entscheide ich mich für ein Format und die Technik. Erst dann überlege ich, wie die jeweiligen Themen darstellbar sind. Die ersten Ideen schreibe ich untereinander auf und überlege, wo in der Reihe noch etwas fehlt oder gegen welche Idee ich mich entscheiden muss, um ein stimmiges Ganzes zu erzeugen. Wichtig dabei ist, welche Perspektiven, Schwerpunkte und Kontraste die einzelnen Bilder haben und wie sie aufeinander folgen. Wenn das alles erledigt ist, male ich irgendein Bild aus der Reihe, das mich gerade am meisten anspricht. Daraus ergibt sich die Bildsprache der ganzen Reihe.

Durch viel Einschränkung schaffe ich mir einen sicheren Rahmen, in dem ich dann frei arbeiten kann.

Sie haben kürzlich Neil Gaimans „Niemalsland“ illustriert. Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gefreut/gereizt?

Neil Gaiman ist einer meiner liebsten Autoren, deshalb habe ich auch schon in meiner Diplomarbeit das Buch „Der Ozean am Ende der Straße“ von ihm illustriert. Neil Gaiman war ursprünglich Comic-Autor und daher kann er sehr bildgewaltig schreiben. Ich fand an der Aufgabe „Niemalsland“ zu illustrieren besonders reizvoll quasi genau das Gegenteil von dem zu machen, was Chris Riddle tat, der Illustrator der englischen Ausgabe von „Niemalsland“ („neverwhere“), der dem comichaften treu blieb und die Figuren darstellte, wie er sie sich vorstellte. Ich finde das schwierig für den Leser eines Romans, da der Illustrator dem Leser so viel vorgibt. Darum habe ich bewusst auf die Darstellung von Protagonisten verzichtet. Folgt man der Interpretation von Volker Klotz (Literaturwissenschaftler), verwendet Neil Gaiman subtil Tiere als „Helfershelfer der Geschichte“: Welche Tiere wo auftauchen und welche Stellung sie im Roman einnehmen, weist noch auf viel mehr hin. Diesem Aspekt der Geschichte habe ich durch meine Illustrationen Raum gegeben.

bilder-2Wenn Sie ein Traumprojekt nennen könnten: Was würden Sie gerne illustrieren?

Ich würde sehr gerne ein Plattencover gestalten, für Musik, die ich mag.

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Ich habe bis jetzt noch keinen Konkurrenzkampf wahrgenommen und bekomme immer hilfreiche Tipps. Wir schicken uns gegenseitig mögliche Jobs zu. Ich finde es spannend mit anderen Illustratoren über den Job zu reden und mir ihre Arbeiten anzusehen.

Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?

Museen und Buchläden besuchen und üben. Wenn möglich unter Anleitung.

Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?

Boris Servais,
bei ihm habe ich studiert und bin Fan seiner lockeren Linien.

Lars Henkel,
der es wunderbar schafft mit dem Computer zu arbeiten, ohne dass es nach Plastik aussieht. Er bebildert heimlich meine Alpträume.