70648206-00-00Pierre-Joseph Redouté kam schon in jungen Jahren mit der Botanik in Berührung: Ein Mönch der Abtei S. Hubert führte ihn in dieselbe ein und hat damit wohl seine Liebe zu den Blumen geweckt. Später ging Redoute nach Amsterdam, wo er das Werk des berühmten Blumenmalers Jan van Huysum studierte, nachher nach Paris, um als Dekorateur und Bühnenmaler zu arbeiten. Er weckte mit seinem Können bald die Aufmerksamkeit und wurde fortan mit seiner Blumen-Aquarellmalerei gefördert, unter anderem von der Königin Marie Antoinette und später von der Kaiserin Joséphine.

Der vorliegende Bildband präsentiert über 2000 seiner detailgetreuen und anmutigen Zeichnungen. Ergänzend liefert Professor H. Walter Lack, Experte für die Geschichte der Botanik, einen erläuternden Text, welcher in drei Sprachen publiziert ist.

70648206-63-00Das Buch ist mit seinen 608 Seiten, um die 4,5 kg und den Massen 26,7 x 5,7 x 36,2 cm
imposant, es besticht durch eine hochwertige Verarbeitung, klare Farben, ein schönes Layout. Ein wunderbares Buch, um in die filigrane Welt der Blumen und Blüten einzutauchen. Es gewährt einen Einblick in die Schönheit der Blumenpracht der vergangenen Pariser Gärten sowie in das herausragende Können des Künstlers Pierre-Joseph Redouté.

Fazit
Ein wunderbares Buch für Blumenliebhaber und Bewunderer herausragender Zeichenkunst. Absolute Empfehlung.

Angaben zum Buch:
Hardcover: 608
Verlag: Taschen Verlag (24. Februar 2018)
ISBN: 978-3836568937
Preis: EUR 50 / CHF 96.60

Erhältlich in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Ein Leben in Bildern

Kahlo1Frida Kahlo hatte wohl alles andere als ein ruhiges Leben. Krankheit, ein schwerer Unfall und immer wieder Schmerzen begleiteten ihr Leben – ob sie ohne diese geworden wäre, wer sie war? Sie war immer ein eigenwilliges Kind, eines, das einen eigenen Kopf hatte und diesem folgte. Das tat sie mit ihrem Leben, mit ihren Liebschaften und auch mit ihrer Kunst. Die drei sind generell nicht voneinander zu trennen, befruchten sie sich doch gegenseitig immer wieder.

Vanna Vinci, Autorin und Illustratorin des vorliegenden Buchs, erzählt die Geschichte der faszinierenden Künstlerin als Graphic Novel und in Form eines Dialogs. Frida soll dem Tod ihr Leben erzählen. Wer war sie, wie lebte sie, bis er sie holte?

Frida…Frida….Komm erzähl mir….Erzähl mir von deinem Leben….

Du weißt bereits alles über mich mich… Du wusstest schon alles, bevor wir auch nur angefangen hatten…

Aber nun würde ich mich gerne erinnern…Ich kenne die Geschichten so vieler Leute….

In Ihren Zeichnungen greift Vinci Frida Kahlos Farbpalette und auch Figurensprache auf. Es gelingt ihr zudem in der Erzählung, eine Stimmung und Erzählhaltung aufrechtzuerhalten, die durchaus authentisch wirkt, die so von Frida selber stammen könnte.

Entstanden ist ein wunderbares Buch, das tiefe Eindrücke in das Leben und Schaffen einer beeindruckenden Frau und Künstlerin gewährt, das durch Bild und Text überzeugt und auch für Menschen, die sonst keine Graphic Novels lesen mögen, durchaus ein Gewinn sein kann. Die angenehme Haptik des etwas festeren Papiers sowie das geschmackvoll und passend gestaltete Cover machen das Buch zu einem kleinen Kunstwerk.

Fazit
Ein informatives, tiefgründiges und hochwertig gestaltetes Buch, das sich authentisch und stimmig mit Frida Kahlos Leben und Schaffen auseinandersetzt. Absolut empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Prestel Verlag (28. August 2017)
ISBN: 978-3791383873
Preis: EUR: 22 ; CHF 33.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

ZwergerNussknackerHeilig Abend steht vor der Tür, die Kinder sind voller Erwartungen, was für sie auf dem Gabentisch liegt. Sie werden nicht enttäuscht; Bilderbbücher, Süssigkeiten und Spielzeug warten auf sie. Plötzlich entdeckt Marie einen kleinen Mann mit grossem Kopf und kleinem Körper: Ein Nussknacker. Weil er Marie so gut gefällt, darf sie ihn behalten. Bis alle ins Bett gehen, hat der arme Nussknacker allerdings alle Zähne verloren vom vielen Knacken der Nüsse. Marie will ihn drum besonders weich betten, damit er sich erholen kann.

Die Nacht bricht ein und plötzlich regt sich was, es wispert und flüstert und raschelt. bald sieht sich Marie umgeben von einem Mäuseheer, angeführt vom siebenköpfigen Mausekönig. Der Nussknacker ruft die anderen im Zimmer zu Hilfe – die Mäuse müssen bekämpft werden.

Am nächsten Morgen ist Marie krank. War alles nur ein Fiebertraum? Steckt doch mehr dahinter? Ein wunderbares Märchen für Gross und Klein!

E.T.A. Hoffmann erfand die Geschichte vom Nussknacker ursprünglich für die Tochter eines Freundes: Marie Hitzig. Realität und Phantasie gehen eine wunderbare Verbindung ein, indem Marie, selber mit einer reichen Phantasie ausgestattet, zur Protagonistin eines Märchens wird, das voller Magie ist, dabei aber auch immer eine Spur Witz mit sich trägt.

Lisbeth Zwerger hat die Geschichte mit ihren Illustrationen grossartig eingefangen. Mit klaren Linien, einer gedämpften Farbpalette und dem feinen Sinn für die Details entwickeln sich ihre Bilderwelten. Man kann sich nicht satt sehen an den Zeichnungen, die viel mehr sind als blosse Wiedergabe des Textes, sondern immer tiefer gehen.

Fazit:
E.T.A. Hoffmanns wunderbare Geschichte wurde gekonnt gekürzt und grossartig illustriert – ein Genuss für alle Sinne, für Gross und Klein. Sehr empfehlenswert.

Der Autor und die Mitwirkenden
E.T. A. Hoffmann kam am 24. Januar 1776 als Sohn eines Hofgerichtsadvokaten in Königsberg zur Welt. Der Jurist und Richter war ein künstlerisches Multitalent: Er arbeitete unter anderem als Komponist und Kapellmeister, Zeichner und Literat. Hoffmann starb am 25. Juni 1822 an einer schweren Krankheit in Berlin. Er hat mit seinen tiefenpsychologisch geprägten Erzählungen der deutschen Romantik Weltgeltung verschafft.

Susanne Koppe studierte Germanistik, Pädagogik und Psychologie in München sowie Children’s Literature am Simmons College in Boston. Sie leitet eine Agentur für Autoren und Illustratoren. Susanne Koppe lebt und arbeitet in Hamburg und Wien.

Lisbeth Zwerger, geboren 1954 in Wien. Sie gewann mit ihren zahlreichen Werken unter anderem zweimal den Goldenen Apfel der Internationalen Biennale für Illustration in Bratislava und dreimal den Preis der ‚New York Times‘ für die zehn bestillustrierten Bücher. Für ihr Lebenswerk wurde sie mit dem H. C. Andersen Preis ausgezeichnet, der als Nobelpreis der Kinder- und Jugendliteratur bezeichnet wird.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 40 Seiten
Verlag: NordSüd Verlag (26. September 2016)
Empfohlenes Alter: 4 – 6 Jahre
ISBN-Nr.: 978-3-314-10413-8
Preis: EUR 16.99 / CHF 23.90
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 Ein grosser Denker ganz privat

HerzogKantWenn man an Immanuel Kant denkt, denkt man an Philosophie. Man hat Begriffe wir Kritik, Kategorischer Imperativ, Vernunft im Sinn und denkt an einen der grössten deutschen Denker. Immanuel Kant, der nie sein Königsberg verliess, ein Philosoph, der wohl selten als Mensch wahrgenommen wird, mehr durch seine Schriften.

Antje Herzog ist neue Wege gegangen. Sie forschte dem privaten Immanuel Kant nach und beleuchtete diesen durch sein Verhältnis zu seinem Diener Lampe – eine Verbindung, die über vierzig Jahre gedauert hat und von einem Tag auf den anderen aufhörte.

In dieser Graphic Novel ist Antje Herzog mehreres gelungen: Sie lässt uns hinter die Kulissen des irgendwie unnahbar scheinenden Philosophen schauen. Sie präsentiert skurrile Eigenheiten Kants und lässt ihn durch Alltagsgeschichten menschlich werden. Wir sehen Immanuel Kant mit Nachtmütze und Leselicht, lesen zwischendurch immer auch wieder Sätze, die aus Schriften oder Briefen stammen, die aus den Philosophiebüchern bekannt sind und nun in ein Leben eingebettet werden. Mit viel Humor und doch auch Tiefgang und Hintergrundwissen lässt Antje Herzog Immanuel Kant lebendig werden.

Vollendet wird alles durch ihren wirklich wunderbaren Zeichnstil mit Tusche und Feder, detailliert und fein schraffiert. Akzente setzt die Zugabe der Farbe Gelb in die sonst schwarz-weiss gehaltenen Zeichnungen.

Fazit:
Ein wunderbar illustriertes Buch mit viel Tiefgang, Witz und Hintergrundwissen. Eine absolute Leseempfehlung!

Antje Herzog
Antje Herzog, geboren 1981, studierte Design und Illustration an der Hochschule Düsseldorf sowie Animation und Animationsfilm an der Konstfack-Universität in Stockholm. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der Illustratoren Organisation e.V. Seit 2008 lebt und arbeitet Antje Herzog als Illustratorin in Köln.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 152 Seiten
Verlag: Edition Büchergilde (16. März 2017)
ISBN-Nr: 978-3864060687
Preis: EUR 26 / CHF 36.90
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(Hühner Zeichnen)

Du brauchst: eine Zeichenfeder, einen Federhalter, gute Augen

9783791372471_CoverWer möchte nicht auch gut zeichnen können und sagt sich immer wieder: Ich kann nicht zeichnen, ich lass es sein. Jean-Vincent Sénac zeigt, dass es ganz einfach ist, ein Huhn zu zeichnen:

Man zeichne ein Dreieck, darunter eine senkrechte Linie, noch eine, und dann noch ein paar Striche dran… und merkt: Da fehlt was. Neuer Versuch.

Man merkt es wohl schon: Das vorliegende Buch ist keine Zeichenschule, auch wenn Jean-Vincent Sénac durchaus zeigt, wie man ein einfaches Huhn zeichnen kann. Dabei beschreibt er, was er tut, und zeigt es anhand kleiner Illustrationen. Das Ganze macht er mit viel Witz, Charme und Ironie. Ein Buch, das einen oft schmunzeln lässt, ein Buch, das eigentlich nur aus wenigen handgeschriebenen Worten und wenigen Tintenstrichen besteht, aber ganz viel Freude beinhaltet, so dass man es immer wieder anschauen möchte – und ja, man versucht das mit dem Hühnerzeichnen, ganz bestimmt. Man wird angeregt, kreativ zu werden, neue Wege zu gehen, mit Formen zu spielen. Und dann sieht man, was auch Jean-Vincent Sénac sagt: Es ist ganz einfach, ein Huhn zu zeichnen – und vieles mehr. Und: Es macht Spass.

Da ich Hühner sehr liebe, war dieses Buch natürlich ein Muss für mich.

Fazit:
Ein wunderbares, witziges kleines Buch für Kinder und Erwachsene. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Jean-Vincent Sénac ist ein in Frankreich lebender Illustrator. Er produzierte bereits Bücher, Daumenkinos und Spielzeuge und gibt Kunstworkshops für Kinder.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 70 Seiten
Verlag: Prestel Verlag (21. März 2016)
ISBN-Nr: 978-3791372471
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Es war eine anstrengende Woche mit vielen Zugfahrten. Gerade dadurch war es aber auch eine kreative Woche, da ich die Wartezeiten und die Zugfahrten zum Zeichnen nutzte. Die Challenges im Netz kamen ein wenig zu kurz, die Zeit reichte schlicht nicht mehr für alles – aber schaut selber.

Ich habe weiter Menschen gezeichnet, auch wenn die nach wie vor die grösste Herausforderung für mich sind:

Auch gelettert habe ich wieder:

Die Blumenliebe fand ihren Ansporn in einer Instagram-Aktion – unter dem Hashtag #floralsyourway gab es alle zwei Tage eine Blume zu zeichnen:

Ein neuer Challenge ist die #blumenkranzliebe auf Instagram:

Obwohl die bislang verfolgten Challenges etwas zu kurz kamen, habe ich mich für einen neuen entschieden, nämlich #365doodlesmitjohanna – ich hoffe, ich kann dabei bleiben:

Auch mit bunten Farben und Blumen habe ich weiter experimentiert. Ich merke immer wieder, wie befreiend diese lose Form des Gestaltens ist:

Unterwegs hatte ich mein kleines Sketchbook dabei und überbrückte Busfahrten oder Wartezeiten :

Neu habe ich auch mal eine andere Papierfarbe ausprobiert und mir ein Sketchbook mit braunem Papier besorgt:

Und dann entstand noch dies und das – kleine Kritzeleien und mehr:

Ich bin gespannt, was die nächste Woche bringt. Ab und an denke ich, ich sollte mal mehr bei einem Thema bleiben, sprich, eine Woche nur Bleistiftzeichnungen, die nächste nur Aquarell, die folgende… davon könnte ich sicher profitieren im Sinne von mich am besten weiterentwickeln im entsprechenden Gebiet – aber es macht einfach zu viel Spass, alles nach Lust und Laune zu machen – und das brauche ich aktuell auch.

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Nun freue ich mich auf die neue kreative Woche!

profil_beschtart_bwKünstlerin – Mensch – Punkt. Mehr bin ich nicht – und minder auch nicht. Meine Kunst- fernab von abstraktem Nihilismus und Unvermögen in Abstrakt getarnt, weg von emotionsloser Frontalfotografie.

Mit diesen Worten stellt sich Ute Bescht selber vor. Lieber erfährt sie vom anderen etwas, als sich selber mit Worten in den Mittelpunkt zu stellen:

Sei du mal anders. Erzähle (mir) & DIR deine Geschichte zu meinen Werken. Lenk dich ab, denke quer, traue dich zu träumen – auch dunkel!

avatar_bescht_uteEinige Punkte aus dem Leben sind denn doch bekannt: Geboren wurde sie am 14. Mai 1968, ihre künstlerischen Stationen führten sie zu Reinhold Pichler, Kunstverein Rosenheim, zu einer Zulassung an der AdbK München und über viele autodidaktische Weiterbildungen und experimentelles Gestalten mit immer neuen Medien. Ihre unermüdliche Kreativität und Entdeckerfreude führten sie immer weiter. Wichtig ist ihr dabei

Ich male nicht zur Gefälligkeit – ich mache Kunst für wache Augen und Köpfe

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

Nein – eher schlimmer (lach) – ich habe alles Mögliche zu Malmaterial umgemünzt: Sand, Dreck, etc. und habe, während ich eigentlich Mittagsschlaf halten sollte, Mamas Auftragsarbeit in Öl bearbeitet, was das sonst nicht so übliche Lächeln meiner künstlerischen Ergüsse auf ihre Lippen gezaubert hat . Aber wenn man so will, bin ich mit Stiften und Pinseln aufgewachsen.

Wie sah Ihr Weg in die Kunst aus?

Wenn man von Förderung sprechen möchte, war da neben meinen Eltern ein Erlebnis in Bad Bevensen: mein Besuch bei der Oma, die nicht so recht wusste, was sie mit einem 9jährigen Mädchen anstellen sollte. So steckte sie mich in den Malkurs eines dort ansässigen Künstlers, der allerdings recht bald merkte, dass mir die als Gruppenaufgabe zugeteilten Blumen zu lahm waren und ich sie auch konnte. Also gab er mir ein Pferdeskelett zum Abzeichnen und hinterher haben wir das Tier dann „angezogen“ – und es sah selbst mit Umrissen aus wie ein Pferd.

lamarr_done_1200Wann haben Sie gesagt: Ich bin Künstler? Beim ersten verkauften Bild? Schon früher?

Ich habe mich immer als Künstler bezeichnet – weil eigentlich alles mit Passion eine Kunst ist – egal welches Genre, ob auf der Leinwand, dem Instrument oder auch als Chirurg am Menschen.

Ist eine Ausbildung zum Künstler unabdingbar oder wird/ist man Künstler eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?

Ich denke eine Spur Talent sollte sein – dann etwas professionelle Anleitung – allerdings nicht in Form von stil-tötenden Akademien und eitlen Professoren, die ihre Studenten als Mal-Lakaien missbrauchen, sondern durch einen strich-vertiefenden Förderer. Und dann: Leidenschaft, Leidenschaft, Leidenschaft. Und Durchhaltevermögen.

garbarekWas macht einen guten Künstler aus?

Der Willen, sich weiterzuentwickeln, und auch die Empathie, sein Wissen weiterzugeben – frei nach dem Motto: Wer oben angekommen ist, sollte den Aufzug wieder nach unten schicken!

Sie beschreiben Ihre Kunst als „fernab von Nihilismus und Unvermögen in Abstrakt“ – ist abstrakte Kunst nur getarntes Unvermögen?

In vielen Fällen ja.

Muss ein Maler fotorealistisch zeichnen/malen können?

Nein, ein Maler nicht – aber ein Künstler muss für mich persönlich definitiv Anatomie, Perspektiven und klassische Elemente erkennbar und leicht beherrschen.

Was zeichnet Ihren Stil aus?

Dass man mich nicht in eine Schublade stecken kann – ich fühle mich im Realismus/ Surrealismus genauso zuhause wie im angehaucht Abstrakten, im Symbolismus oder auch schlichtem Porträtieren und Comic oder Mystic/ Dark Art.

familylegacyWo holen Sie Ihre Inspirationen/Ideen?

Ich bin ein Fotoapparat: Eindrücke entwickeln sich aus einem Sekundenbruchteil in ein fertiges Bild – das kann aus Nachrichten, Film, dem Eindruck an der Kasse, einem Gespräch entstehen. Inspiration ist mein tägliches Leben. Allerdings geht es mir aktuell wie „Vergil“ aus Dante Alighieris` göttlicher Komödie: Nur aus Leid schöpfe ich die besondere Kraft des Schaffens.

Gibt es Maler/Künstler, die Sie inspiriert haben oder die Ihnen speziell gefallen?

Sehr viele – ich nenne hier nur ein paar: Leon Ariev, Giger, Istvan Sandorfi, Monet, Picasso, Jens Rusch, Jake Baddely, moderne Künstler wie Gregory Hergert… und viele mehr

Machen Sie auch Auftragsarbeiten oder arbeiten Sie immer frei?

Sowohl als auch.

Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese (sofern Sie auf Auftrag arbeiten) dem jeweiligen Thema/Auftrag an?

Ich passe sie tatsächlich an – so sind zum Beispiel meine ganzen Splashporträts© entstanden: Tuschebilder, Aquarelle, die ich ursprünglich nur aus Farbflecken entstehen lasse. Und die sind auf Papier. Sonst Platte/ Leinwand – wahlweise Acryl oder Öl.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Strenge Arbeitszeiten oder warten Sie auf den Musenkuss und legen los, wie man sich das gerne so vorstellt?

Herrlich.. die Muse ist bei mir männlich. Nein, im Ernst.. ich habe damals NICHT den professionellen Weg der Akademie der bildenden Künste in München, auf der ich bereits eingeschrieben war, gewählt, um nicht künstlerisch sein zu MÜSSEN. Denn ich bin ein Individualist, der unter Zwang und Doktrin keine Leistung bringt. Ich habe zwei Jobs, mit denen ich mir meine Materialien bezahlen kann. Aber ja: Disziplin spielt insofern eine Rolle, sich immer weiterzuentwickeln, und auch beharrlich dran zu bleiben, selbst wenn man den Pinsel gerade schwebend mit zwei Daumen der linken Hand führt. Ich selbst bin ein sehr schneller Künstler – soll heißen: Ich brauche im Schnitt weniger Zeit im Gesamten – arbeite aber auch nie mehr als drei Stunden am Stück , weil ich danach einfach müde bin durch die Konzentration. Aber sie ist schon frei, die Arbeit.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zum fertigen Bild beschreiben? Legen Sie einfach los oder gibt es Notizen, Vorskizzen?

Ich male im Kopf und fange physisch sofort an. Außer bei Auftragsarbeiten – da gibt es den sogenannten Konzeptentwurf, um den neuen Besitzer ins Bild zu setzen, meinen Leitfaden zu haben und auch später ein Stück Original meines Werkes zu haben. Ich bin da sehr eigen – ich habe immer das Gefühl, ein Stück von mir wegzugeben – und so behalte ich jedes ein bisschen bei mir. Allerdings wird das Resultat dann immer ein Stück anders – weil mir während des Schaffensprozesses dann noch Feinheiten auffallen, die ich vorher im Kopfentwurf nicht beachtet hatte.

Wie ist das Klima zwischen Künstlern? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Oh nein, ich selber bin in großartiger Gesellschaft und wir befeuern und stützen und werben für uns gegenseitig. Ich selber feature andere Künstler, die ich für förderungswürdig halte mit meiner Manpower im Sinne von Webdesign (einer meiner Jobs) und der Bildung von Gruppen – lokal oder genre-technisch. Es soll eine Gemeinschaft sein, wir haben alle eine phantastische Leidenschaft. Außerdem – gibt man jedem Künstler aus meinem Genre ein Motiv, das alle gleich malen sollen, kommt jedes Werk individuell daher – wir fürchten untereinander keine Konkurrenz – wir sind uns unseres Könnens und unseres Stils bewusst. Das „Künstler-Stuten-Beißen“ haben nur die nötig, die auch Konkurrenz und somit wohl weniger Butter auf dem Brot fürchten müssen. Sprich die, die doch eher den malerischen Einheitsbrei bedienen oder schlicht die Materie / das Material nicht beherrschen.

Habe ich noch eine Frage vergessen?

Eventuell vielleicht ein Vorurteil, mit dem Künstler immer zu kämpfen haben – Ist Kunst das Geld wert, das man für sie zahlt? Wie oft hört man: „Das ist doch nur ein Bild, wie kann das soooo teuer sein?“ Manch einer zweifelt sogar selber die Legitimität an, für ein eigenes Bild überhaupt Geld zu nehmen. Kunst ist immer noch in vielen Köpfen „brotlos“ – allerdings, wächst die Zahl der Liebhaber. .

Was raten Sie jemandem, der als Künstler leben will?

Durchhalten. Netzwerken.

Welchen Künstler soll ich hier noch vorstellen?

Dajana (Danny) Larsen (Larsen Art)

Weitere Informationen zu Ute Bescht finden sich auf ihrer Homepage: LINK

Auch zu finden ist sie bei Facebook: LINK

selbstportrait

Saskia Wragge,
geb. 1989 im Sauerland, lebt und arbeitet als Illustratorin in Köln.
Sie hat an der ecosign Akademie für Gestaltung bei Boris Servais,
Leo Leowald und Ivo Ringe Illustration studiert.
Sie bebildert Romane und Magazine und Anderes.

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

So könnte man es ausdrücken. Eine Freundin, die ich schon seit Grundschulzeiten kenne, sagt immer „Gebt ihr bloß keinen Stift in die Hand, sie hört nie wieder auf!“

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

Nach der Schule wollte ich Kunst studieren und in der Reihe meiner Bewerbungen, wurde ich dann an der ecosign/ Akademie für Gestaltung angenommen, wo ich zunächst Illustration und Typographie studierte, mich dann aber relativ schnell auf Illustration spezialisierte.

bilder-3Ist eine Ausbildung zum Illustratoren unabdingbar oder lernt man Illustration eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?

Ich finde, dass das zwei sehr verschiedene Fragen sind.

Zum Thema Talent: Ich bin der Meinung, dass einem nichts in die Wiege gelegt ist und man kann es einfach. Sicher fällt jedem Menschen das Lernen von Irgendetwas leichter als anderen. Das ist dann Talent. Aber auch da muss man daran arbeiten, um es auszubauen.

Zum Thema Ausbildung oder Autodidakt: 
Ich glaube, dass Menschen viel ohne Ausbildung lernen können, zumal es abgesehen von Lehrbüchern ja heute etwas wie „Unterrichtsstunden“ durch Youtube-Videos gibt. Ob in einer gesteuerten Ausbildung oder als Autodidakt, wichtig ist bei beidem das regelmäßige Üben, um Fortschritte zu erzielen. Der Vorteil bei einer Ausbildung ist aber, dass die Ausbilder einem selbst – zumindest am Anfang – einiges voraus haben und sehen können, in welche Richtung man arbeiten sollte oder wo man noch optimieren kann. Eine geführte Ausbildung kann dabei helfen, nicht unkoordiniert in alle Richtungen zu Strampeln.

bilder-4Was macht einen guten Illustratoren aus?

Ein guter Illustrator muss verstehen, worum es in einem Text, in der Musik, oder was immer er illustrieren soll, geht. Bei einem Roman beispielsweise ist es wichtig, dass man nicht nur die Sachebene erfasst, sondern sein Augenmerk auch auf den Erzählstil des Autors legt. Illustrieren bedeutet, etwas anderes mit einem Bild zu unterstützen, verständlicher zu machen und ihm vielleicht sogar einen zusätzlichen Blickwinkel zu geben. Hübsche Bilder allein reichen nicht.

Ist Illustration Kunst oder Handwerk?

Illustratoren sind zunächst einmal Dienstleister. Sie bekommen einen Auftrag und setzen diesen um. Daraus kann Kunst werden. Auch die Bilder der alten Meister, die wir heute in Kunstmuseen sehen, waren oft Auftragsarbeiten. Wenn man sein Handwerk beherrscht, kann daraus Kunst werden.

bilder-1Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

Das kann ich kaum einschätzen, da ich schon mit den elektronischen Medien angefangen habe. Sicher ist, dass es durch die Computerprogramme andere Möglichkeiten gibt, als ohne diese, und dass diese eng mit Onlinemagazinen, animierter Werbung und Blogs verbunden sind.

Was zeichnet Ihren Stil aus?

Im Stil bin ich vielseitig. Meine Herangehensweise bei Aufträgen ist nicht an einen festen Zeichen- oder Malstil gebunden. Ich entscheide mich nach einiger Vorarbeit, welches der passende Stil für den jeweiligen Auftrag ist. Das wechselt zwischen Tuschezeichnungen, Aquarellen, Acrylmalereien, digitalen Arbeiten und Mischtechniken aus diesen. Wenn ich frei arbeite, bin ich eher motiv- als stil-gebunden.

bilder-5Wo holen Sie Ihre Inspirationen/Ideen?

Ich gehe oft in verschiedene Museen – nicht nur Kunstmuseen – und lese viel.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich wache früh auf und lese im Bett (zur Zeit die Biographie von Vincent van Gogh, S. Fischer Verlag), dann arbeite ich bis zu einer frühen Mittagspause meist Bürokratisches ab. Den Rest des Tages sitze ich über dem Papier. Ein bis drei Tage in der Woche habe ich einen Nebenjob, bei dem ich viel mit Menschen rede. Das ist ein guter Ausgleich.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

Wenn ich nicht „einfach nur so vor mich hinmale“ und einen Auftrag habe, leiste ich schon vor der „ersten Idee“ zu einem Bild viel Denkarbeit. Wenn eine Bildreihe entstehen soll, beschäftige ich mich zuerst mit dem Thema und welches die wichtigsten Punkte desselben sind, oder was im bereits vorhandenen Material zu kurz kommt, worauf ich den Blick des Betrachters lenken will. Danach entscheide ich mich für ein Format und die Technik. Erst dann überlege ich, wie die jeweiligen Themen darstellbar sind. Die ersten Ideen schreibe ich untereinander auf und überlege, wo in der Reihe noch etwas fehlt oder gegen welche Idee ich mich entscheiden muss, um ein stimmiges Ganzes zu erzeugen. Wichtig dabei ist, welche Perspektiven, Schwerpunkte und Kontraste die einzelnen Bilder haben und wie sie aufeinander folgen. Wenn das alles erledigt ist, male ich irgendein Bild aus der Reihe, das mich gerade am meisten anspricht. Daraus ergibt sich die Bildsprache der ganzen Reihe.

Durch viel Einschränkung schaffe ich mir einen sicheren Rahmen, in dem ich dann frei arbeiten kann.

Sie haben kürzlich Neil Gaimans „Niemalsland“ illustriert. Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gefreut/gereizt?

Neil Gaiman ist einer meiner liebsten Autoren, deshalb habe ich auch schon in meiner Diplomarbeit das Buch „Der Ozean am Ende der Straße“ von ihm illustriert. Neil Gaiman war ursprünglich Comic-Autor und daher kann er sehr bildgewaltig schreiben. Ich fand an der Aufgabe „Niemalsland“ zu illustrieren besonders reizvoll quasi genau das Gegenteil von dem zu machen, was Chris Riddle tat, der Illustrator der englischen Ausgabe von „Niemalsland“ („neverwhere“), der dem comichaften treu blieb und die Figuren darstellte, wie er sie sich vorstellte. Ich finde das schwierig für den Leser eines Romans, da der Illustrator dem Leser so viel vorgibt. Darum habe ich bewusst auf die Darstellung von Protagonisten verzichtet. Folgt man der Interpretation von Volker Klotz (Literaturwissenschaftler), verwendet Neil Gaiman subtil Tiere als „Helfershelfer der Geschichte“: Welche Tiere wo auftauchen und welche Stellung sie im Roman einnehmen, weist noch auf viel mehr hin. Diesem Aspekt der Geschichte habe ich durch meine Illustrationen Raum gegeben.

bilder-2Wenn Sie ein Traumprojekt nennen könnten: Was würden Sie gerne illustrieren?

Ich würde sehr gerne ein Plattencover gestalten, für Musik, die ich mag.

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Ich habe bis jetzt noch keinen Konkurrenzkampf wahrgenommen und bekomme immer hilfreiche Tipps. Wir schicken uns gegenseitig mögliche Jobs zu. Ich finde es spannend mit anderen Illustratoren über den Job zu reden und mir ihre Arbeiten anzusehen.

Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?

Museen und Buchläden besuchen und üben. Wenn möglich unter Anleitung.

Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?

Boris Servais,
bei ihm habe ich studiert und bin Fan seiner lockeren Linien.

Lars Henkel,
der es wunderbar schafft mit dem Computer zu arbeiten, ohne dass es nach Plastik aussieht. Er bebildert heimlich meine Alpträume.

Die Mowgli-Geschichten

Ruft Chil der Greif: Die Nacht ist reif!
Trägt Mang sie auf Fledermausflügeln.
Im Stall geborgen sind die Herden bis morgen,
doch uns vermag keiner zu zügeln.
Denn die Stunden der Nacht
sind die Stunden der Macht
für Reisszahn, Klaue und Pfote.
Glück auf nun zur Jagd, bis es dämmert und tagt!
Und achtet des Dschungels Gebote!
(Nachtgesang im Dschungel)

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Mowgli, des Findelkindes, das bei wilden Tieren im indischen Dschungel aufwächst. In einer Reihe von Erzählungen sieht man die Entwicklung von Mowgli vom kleinen hilflosen Kind hin zum verspielten Jungen und schliesslich zum Herrn über die Tierwelt.

Das hier vorliegende Buch fasst die bekanntesten dieser Erzählungen zusammen. Mit Mowgli erlebt man die verschiedensten Abenteuer, immer mit dabei sind auch der Panther Bagheera als Beschützer und der Bär Baloo, der Mowgli beibringt, was man im Dschungel wissen muss. Es sind Geschichten über die Gefahren des Lebens, aber auch Geschichten über Freundschaft, Respekt und Geborgenheit.

In der letzten Geschichte heisst es dann: Abschied nehmen. Mowgli verlässt den Dschungel und geht in die Zivilisation zurück.

Ein wunderbares Buch, das von Aljoscha Blau neu illustriert wurde. Der schöne Leineneinband sowie das hochwertige Papier machen aus dem Leseerlebnis auch eine Sinnenfreude. Ein Buch, das man gerne immer wieder zur Hand nimmt, drin blättert, über die Seiten fährt, die Bilder bestaunt und liest. Nicht nur als Kind.

Fazit:
Die Geschichten des kleinen Mowgli wunderbar neu illustriert. Absolut empfehlenswert.

Die Mitwirkenden
Rudyard Kipling wurde 1865 in Bombay geboren und ging in England zur Schule. Kipling reiste viel und lebte in Indien, England, Südafrika und in den USA. Er arbeitete als Journalist und schrieb Kurzgeschichten für verschiedene Zeitungen. Als die Dschungelbücher 1894 und 1895 erschienen, war Kipling bereits einer der bekanntesten Schriftsteller Großbritanniens. 1907 erhielt er als erster Brite den Nobelpreis für Literatur.

Aljoscha Blau, 1972 in St. Petersburg geboren, studierte Illustration und Freie Grafik in Hamburg. Er stellte in Europa, Japan, Neuseeland und in den USA aus und hat zahlreiche Bücher illustriert. Gelegentlich unterrichtet er Illustration und Zeichnen an Kunsthochschulen in Dänemark und Deutschland. Der vielfach preisgekrönte Illustrator wurde unter anderem bereits je zweimal mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis und dem Troisdorfer Bilderbuchpreis ausgezeichnet und erhielt 2006 den Bologna Ragazzi Award. Aljoscha Blau lebt heute als freier Künstler in Berlin.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: NordSüd Verlag (17. September 2015)
Übersetzer: Wolf Harranth
ISBN-Nr: 978-3314102929
Preis: EUR 26 / CHF 31.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Leben und Werk von Dostojewski

Mit diesem Buch gehen mir zwei Träume in Erfüllung: meinen Lieblingsschriftsteller zu illustrieren und mich ausgiebig mit dem Genre Graphic Novel zu beschäftigen.

Fjodor Dostojewski, einer der bedeutendsten russischen Schriftsteller, durchlebte ein bewegtes Leben, das sich selber wie ein Roman liest: Kindheitstrauma, Verlust der Mutter, vom Vater verordneter Beruf statt Schriftstellerlaufbahn, Verhaftung und Straflager, Spielsucht und Alkohol, Schulden, um nur einige Punkte daraus zu nennen. Eines aber verfolgte er trotz allem immer: Sein Schreiben. Entstanden sind so all die grossartigen Werke der Weltliteratur: Schuld und Sühne, Der Spieler, Der Idiot, Die Brüder Karamasow und viele mehr.

Vitali Konstantinov verbindet in seiner Graphic Novel FMD Leben und Werk des grossen Literaten auf eine wunderbare Weise. In dichten Tuschezeichnungen arbeitet er sich dem Leben Dostojewiskis entlang, illustriert die wichtigen Punkte in diesem und ordnet die einzelnen Werke mitsamt illustriertem Inhalt in dieses ein.

Ich entdecke Dostojewski immer wieder für mich, bewundere ihn als einen grossen Schriftsteller und Sprachkünstler, als einen Präparator der menschlichen Seele und auch als einen unbeirrt unbeugsamen Freiberufler.

Wer denkt, in nur 80 Seiten könne kaum viel drin stehen, täuscht sich. Durch die ineinander übergehenden und sich gegenseitig ergänzenden Bilder und Texte zum Leben und Werk Dostojewiskis entsteht eine grosse Dichte an Inhalten. Romanzitate, Stellen aus Briefen und Tagebüchern, die Konstantinov selber übersetzt und quasi als Collagen in die Bilderwelt integriert hat, liefern eine Fülle von Informationen und Einblicken. Entstanden ist so ein wahres Kunstwerk von einem Buch, das man mehr als einmal lesen kann und muss, um alles zu sehen und aufzunehmen.

Fazit:
Ein wunderbar dichtes und grossartig illustriertes Buch über das Leben und Schaffen Dostojewskis. Absolut empfehlenswert.

Vitali Konstantinov
Vitali Konstantinov, 1963 geboren bei Odessa, Ukraine, studierte Kunst und Architektur in Russland, Grafik, Malerei und Byzantinische Kunstgeschichte in Deutschland. Er unterrichtete Buch illustration u. a. an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Seine Bücher erhielten zahlreiche Preise, u. a. die Auszeichnung ‚Schönstes deutsches Buch‘ von der Stiftung Buchkunst für Seltsame Seiten.

Ein Interview mit Vitali Konstantinov: HIER

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 80 Seiten
Verlag: Knesebeck Verlag (12. Oktober 2016)
ISBN-Nr: 978-3868738506
Preis: EUR 22 / CHF 31.90
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Diese Woche war irgendwie müde und es ging nicht viel. Ich habe aber immerhin jeden Tag mindestens etwas gezeichnet. Geholfen hat mir da auch ein Challenge bei Facebook, bei welchem man jeden Tag einen vorgegebenen Gegenstand zeichnen muss. Das hat den Vorteil, dass man sich selber keine Gedanken machen muss, was man nun zeichnen soll, man zudem auch immer sieht, wie andere die Aufgabe lösen, bringt aber mit sich, dass man zu vielem gar keinen Bezug hat. Trotzdem mag ich das ab und an. Für diese Aktion sind unter anderem diese Skizzen entstanden:

 

 

Was ich auch ab und an gerne mache, ist meinen Tag in Bild und Text zu illustrieren:

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Und dann wäre da noch mein Lieblingsmodell: Caruso. Auch er war diese Woche sehr faul, so dass man ihn eigentlich nur schlafend zeichnen konnte.

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Wenn ich mit dem Bus unterwegs bin, zeichne ich gerne beim Warten auf den Bus. Dazu habe ich immer ein kleines Skizzenbuch dabei.

 

Hat Spass gemacht, ich freue mich auf die nächste Woche, ich will auf alle Fälle weiter machen und jeden Tag mindestens eine kleine Skizze anfertigen.

Halt in einer kalten Welt

Jeder Schatten ist im letzten doch auch Kind des Lichts, und nur wer Helles und Dunkles, Krieg und Frieden, Aufstieg und Niedergang erfahren, nur der hat wahrhaft gelebt.

Ein Kunstantiquar reist zu Kriegszeiten aus Berlin in ein kleines Dorf, wo er einen Sammler alter Zeichnungen besucht, um ihm eventuell die eine oder andere abkaufen zu können. Er trifft einen alten Mann, der mittlerweile erblindet ist, dessen grösste Freude im Leben aber immer noch seine Kunstsammlung ist. Wer denkt, dass er diese wegen seiner Blindheit nicht mehr geniessen kann, der irrt, denn: Er kann sie gerade deswegen noch geniessen.

Jakob Mendel ist Buchtrödler mit Leib und Seele. Er kennt alle Bücher mit Namen, Seitenzahlen, Erscheinungsdatum- und Ort und mehr. Er wird mitunter auch „Magier und Makler der Bücher genannt“ und wer ihn sieht, der sieht einen alten Mann, der ganz im Lesen aufgeht – so wie andere Menschen im Beten.

Er las mit einer so rührenden Versunkenheit, dass alles Lesen von anderen Menschen mir seither immer profan erschien.

Von morgens bis abends sitzt Jakob Mendel im Hinterzimmer des Café Gluck in Wien und liest und empfängt die verschiedensten Menschen, die auf ihn hoffen in ihrer Büchersuche – bis er eines Tages von der Polizei abgeholt wird.

Stefan Zweig ist ein Meister der Personenbeschreibungen sowie der Beschreibung von Stimmungen. Dabei nennt er die Dinge nicht einfach profan beim Namen und stösst den Leser drauf, nein, er lässt den Leser die Geschichte erleben, indem er sie ihm plastisch macht in seiner wunderbar blumigen, von Metaphern durchsetzten Sprache. Man taucht ein in neue Welten, sitzt dabei, wenn was geschieht. Die Menschen der Geschichten werden einem vertrauter und man glaubt, sie zu kennen, sie zu erleben.

In diesen beiden Novellen zeichnet Stefan Zweig das Bild von zwei Liebhabern: einer liebt die Kunst, einer die Bücher – und beide tun sie das mit einer Hingabe, die ihresgleichen sucht. Sie finden ihr Glück, sie versinken in ihrem Tun und tauchen so selber in eine Welt ein, die ihnen Zuhause ist, Geborgenheit – selbst (oder gerade) wenn das Leben äusserlich wenig davon spüren lässt.

In einem Nachwort erfährt der Leser mehr über Stefan Zweigs Leben im Exil und seinen selbstgewählten Abschied von dieser Welt.

Begleitet werden die Geschichten durch Illustrationen von Joachim Brandenburg und Florian Arnold. Es ist ihnen auf ihre je eigene Weise gelungen, die Stimmung der Erzählung einzufangen und sie durch eine weitere, bildhafte Ebene zu erweitern. Dass das Buch selber sehr kunst- und liebevoll gestaltet ist, macht dieses Buch zu einer wahren Freude.

Fazit
Feinfühlige Personenbeschreibungen, philosophische Betrachtungen und Sprachschönheit verbunden mit wunderbaren Illustrationen, kunstvollem Layout und hochwertigen Materialien. Ein Fest für alle Sinne. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor und den Illustratoren:
Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien als Sohn des Textilindustriellen Moritz Zweig geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Wien 1891-1899 studierte er Germanistik und Romanistik und wurde mit einer Arbeit über Die Ursprünge des zeitgenössischen Frankreich 1904 in Wien zum Dr. phil. promoviert. Unter dem Einfluß Hofmannsthals schrieb er früh Gedichte (Silberne Saiten, 1901). Seine ersten Novellen (D) erschienen 1904. Weitere Novellenbände (Brennendes Geheimnis, 1911, Amok, 1922, Sternstunden der Menschheit, 1927) folgten und machten ihn weltberühmt wie auch seine großen Biographien (Romain Rolland, 1921, Joseph Fouché, 1929, Maria Stuart, 1935,Magellan, 1938, Balzac, postum 1946). Viele Studien- und Vortragsreisen führten ihn nicht nur in die westeuropäischen Länder, sondern auch nach Indien 1910, Nord- und Mittelamerika 1912, die Sowjetunion 1928 und ab 1935 mehrfach nach Südamerika. 1938 war seine erste Ehe geschieden worden, 1939 heiratete er Lotte Altmann. Er lebte kurze Zeit in New York und siedelte 1941 nach Petropolis (Brasilien) über, wo er am 22. Februar 1942 zusammen mit seiner zweiten Frau den Freitod suchte.

Der 1979 in Günzburg geborene Joachim Brandenberg legte mit seiner Comic-Bearbeitung einer Kurzgeschichte von O. Henry („Tobisch“) eine visuell unverkennbare Visitenkarte seines Könnens als Illustrator vor. Das Buch erschien 2015 im Jaja Verlag, Berlin. Auf dem Comicsalon 2016 wurde „Tobisch“ mit dem ICOM Independent Comic Preis als „Bester Independent Comic 2015“ ausgezeichnet und für den „Max und Moritz Preis“ nominiert.

Florian L. Arnold wird 1977 in Ulm/Do. geboren und hat Kunstwissenschaften studiert.
Der Nachtarbeiter mit österreichischen Wurzeln arbeitet als freier Zeichner, Schriftsteller und Sprecher. Nach den satirisch-sprachspielerischen Publikationen „A biß Z! Handwörterbuch zur Beseitigung der modernen Ratlosigkeit“ (2012) und „Würstelessen mit Aliens“ (2013) erschien im Frühjahr 2015 die Novelle „Ein ungeheuerlicher Satz“ im Mirabilis Verlag. Das Buch wurde 2015 vom Kuratorium der Hotlist unter die besten 30 Bücher aus unabhängigen Verlagen gewählt.
Seit 2016 ist Florian L. Arnold zudem Mitbegründer des Literaturverlags „Topalian & Milani“.Florian L. Arnold lebt in Ulm und Leipzig.

Angaben zum Buch:
zweigbuchmendelGebundene Ausgabe: 152 Seiten
Verlag: Topalian & Milani Verlag (20. September 2016)
ISBN: 978-3946423058
Preis: EUR: 23 ; CHF 31.90
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Die ungeschönte Wahrheit

Familienleben – eine Idylle der anderen Art

Hätte ich meine Zeit mit Putzen verbracht, wäre dieses Buch nie zustande gekommen.

Sjöberg1Mit diesen Worten wird das Buch Family Living eingeleitet. Der Satz ist bezeichnend für das ganze Buch: Es könnte so schön sein mit dem Familienleben, wenn einen nur nicht die Realität einholen würde. Lotta Sjöberg erzählt aus dem ganz alltäglichen Familienirrsinn. Alles fängt damit an, dass mit den Kindern die ach so tolle Stadtwohnung zu klein und unpraktisch wird. Mehr Platz ist dringend nötig. Umzug und andere Strapazen bleiben nicht aus. Aber auch im Traumhaus ist nicht alles einfach. Kinder werden krank, der Spagat zwischen Beruf und Familie fordert seinen Tribut und auch das Leben als Paar hat so seine Tücken. Doch trotz all den täglichen Gewissenbissen, Hürden und Notlösungen ist es doch wunderbar, das Familienleben. Irgendwie.

Sjöberg2Lotta Sjöberg erzählt mit viel Humor und Sinn für die Alltäglichkeiten aus dem ganz normalen Familienleben. Illustriert hat sie das Buch mit herrlichen Zeichnungen, welche die Erzählung stützen und mit viel Liebe zum Detail weiterentwickeln, mit neuen Facetten würzen. Entstanden ist ein witziges, unterhaltsames und ehrliches Buch. Family Living ist ein Buch, das mit Illusionen aufräumt, einem zeigt: Man ist nicht allein in diesem Wahnsinn, andern geht es genauso.

Fazit:
Ein witziges, unterhaltsames und ehrliches Buch mit wunderbaren Illustrationen. Absolut empfehlenswert.

Die Autorin
Lotta Sjöberg
Lotta Sjöberg *1971, arbeitet als Zeichnerin und lebt mit ihren drei Töchtern, ihrem Mann und einem Hund in Stockholm.

Zum Buch gibt es auch eine Facebookseite: Family living the true story

Angaben zum Buch:
SjöbergFamilyGebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Edition Moderne (1. Oktober 2015)
Übersetzung: Ulrike Samuelsson
ISBN-Nr: 978-3037311431
Preis: EUR 19.80 / CHF 29.90

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http://www.amazon.de/Family-Living-Die-ungesch%C3%B6nte-Wahrheit/dp/3037311436/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1445846201&sr=8-1&keywords=lotta+sj%C3%B6berg

http://www.books.ch/shop/home/suchartikel/family_living/lotta_sjoeberg/EAN9783037311431/ID42374358.html?jumpId=31307229&suchId=9ffc1b1d-36c2-483c-9e40-96905cae1c85

VK_portrait01Vitali Konstantinov wurde bei Odessa (damals UdSSR, heute Ukraine). Nach dem Studium der Architektur, Grafik, Malerei und Kunstgeschichte in der UdSSR und in Deutschland arbeitet er heute als freier Illustrator in den Bereichen Belletristik für Kinder und Erwachsene, Sachillustration und Editorial für deutsche und internationale Verlage. Er hat in dieser Zeit zahlreiche Bilderbücher und Illustrationen in vielen Ländern realisiert sowie auch klassische Texte bebildert. Mehrfach nahm er auch an internationalen Illustrations-Ausstellungen teil (Belgrad, Bologna, Bratislava, New York, Tokyo) und gewann einige Auszeichnungen: Premio Stepan Zavrel (Italien), Buchmesse Bologna (Italien), Stiftung Buchkunst »die schönsten deutschen Bücher«, 3X3 Children’s Book Show (USA), Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011, The White Ravens 2012. Neben der freien Illustrationstätigkeit unterrichtete Vitali Konstantinov am Institut für Bildende Kunst der Universität Marburg (2012-2013), an der Bauhaus-Universität Weimar (2011), der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (2009-2010) und leitet zahlreiche Sommerkurse und Workshops für Illustration und Comic in Deutschland, Italien, Spanien, Schweiz.

Vitali_DasFestWaren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

 Angeblich war ich nicht mal 1 Jahr alt, als ich meine ersten bewussten Linien gezogen habe und dabei von enormer Begeisterung meiner Mutter (ihres Zeichens Bildhauerin (sic) und Kunsthistorikerin (also!) ) überschüttet wurde. Da kleine Kinder zumeist wie Äffchen von den Einflüssen der Aussenwelt gesteuert und geformt werden, hat diese zu frühe und zu positive Verstärkung wohl den weiteren Weg bestimmt. Seitdem ist das Zeichnen mein Instrument auf der Suche nach Zuneigung, Bestätigung und Bewunderung ;-).

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

 Zufällig… Oder doch vorbestimmt… Im Elternhaus gab es sehr viele Bücher, Kunstbücher, Bilderbücher, auch Kunstwerke etc. Als Kind habe ich obsessiv gezeichnet, (zu) viel gelesen und mich natürlich auch beim Illustrieren der Lieblingsbücher versucht. Ich war etwa 14, als meine erste „editorial-Arbeit“ in einer lokalen Zeitung erschien und meine Illustrationen zu Voltaire’s „Candide“ im professionellen Kontext ausgestellt wurden. Studiert habe ich dann aber doch Architektur, immerhin wurde man dabei fünf Jahre lang exzessiv in realistischem Zeichnen und Malen gedrillt. Als „russischer Architekt“ in Deutschland gelandet, durfte ich meinen Beruf erstmal nicht ausüben, studierte Kunst, freundete mich per Zufall mit einer Design-Firma an, für die ich ein paar Motive zeichnete. Diese Motive wurden in Bologna (wichtigste jurierte Illustratoren-Ausstellung und Buchmesse) gezeigt. Gleich darauf kamen Verlagsanfragen aus USA, Brasilien, Taiwan und danach die ersten Veröffentlichungen. Ich war begeistert. Hätte ich bloß damals gewusst, …

RodariIst eine Ausbildung zum Illustratoren unabdingbar oder lernt man Illustration eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?

Das fragen Sie denjenigen, der Illustration nie studiert hat und trotzdem über 100 Bücher in 35 Ländern veröffentlichen konnte und an deutschen Hochschulen Illustration und Comic unterrichten durfte? ;-]

Was macht einen guten Illustratoren aus?

 Er muss den Text lesen und ihm danach folgen können (möglichst auf der Überholspur ;-). „Gute Illustration“ hat nicht viel bzw. gar keinen Platz für künstlerische Selbstsucht, in erster Linie ist sie die Kunst der Interpretation und des (Mit)Erzählens.

main_alch_coverIst Illustration Kunst oder Handwerk?

 Weiss jemand überhaupt, wo das Handwerk aufhört und die Kunst beginnt? …

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

 Die „Medien“ sind selbstverständlicher Bestandteil des heutigen Lebens – wie beheiztes Wasserklosett o.ä. Darauf würden wir jetzt auch ungern verzichten und trotzdem sind wir nicht bei jedem Klobesuch maßlos „beflügelt“, oder? 😉

Was zeichnet Ihren Stil aus?

 Habe ich etwa einen „Stil“? „Stil“ wäre etwas Angekünsteltes, Bemühtes. Ich kann bloß meine natürliche Motorik und Sehgewohnheit vorweisen. Nix Stil da.

main_alch_MendelejewHaben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?

 Mein allerliebstes Medium ist eigentlich meine Ukulele.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Etwa wie bei Fjodor Mischailowitsch Dostojewski, mit dem Unterschied: Ich rauche nicht und mache stattdessen viel Sport 😉

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

 Vorfreude – Ahnungslosigkeit – Angst zu versagen – Verzweifeln – zufälliger Einfall – Stolz auf Entstehendes – Enttäuschung. Und alles von vorn.

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

 Die Atmosphäre unter Illustratoren ist von Sympathie, Austausch und Anerkennung geprägt – und das wirklich international über alle Grenzen und Sprachen hinweg. Man kennt sich, man gehört schliesslich zu einer seltenen und stets bedrohten Gattung. Ausserdem ist jeder Künstler so fest von seiner eigenen Individualität und Unaustauschbarkeit überzeugt, dass ein Konkurrenz-Gedanke als absoluter Nonsens erscheint.

Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?

 Das nochmal zu überdenken und eventuell einen anderen – anständigen und Geld bringenden – Beruf zu lernen. Es sei denn, er taugt für nichts anderes und kann sich das Leben ohne Illustrieren nicht vorstellen. Dann soll er Visitenkarten drucken, die ihn als Illustrator/in ausweisen, und loslegen. Easy.

Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?

 Hm… nur eine/n? und ausschliesslich deutschsprachige/n? … Ich will keine/n vorziehen. Es gibt sehr viele, die ich bewundere, persönlich mag etc. Soll ich eine Liste zusammenstellen?

Ich bedanke mich sehr herzlich für diese humorvollen Antworten, für diesen Einblick in den Illustratorenalltag, und freue mich schon auf die Liste.

Homepage von Vitali Konstantinov: pittore.de

AutorenfotoDorisLecherDoris Lecher wuchs in einem Dorf am Zürichsee auf. Ihre Berufswünsche schwankten zwischen Malerin und Schriftstellerin, nach einem ersten Roman mit 13 kamen Bühnenauftritte und der Gedanke, Schauspielerin zu werden. Mit 24 zog Doris Lecher mit ihrem Mann nach New York, sie nutzte die Zeit und lernte an einer Kunstgewerbeschule das Handwerk des Malens, Illustrierens und Scheibens für Kinder. In New York wurde auch ihr erstes Kinderbuch, Angelita’s Magic Yarn, verlegt.

Doris Lecher lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Basel, wo auch ihre wunderbaren Bildergeschichten entstehen.

“Ein neues Haus für Charlie” @ Beltz und Gelberg
“Ein neues Haus für Charlie” @ Beltz und Gelberg

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

Ja, ich hab immer schon gern gezeichnet und Geschichten erfunden. Bevor ich schreiben konnte mittels Bildern.

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

Irgendwann realisierte ich, dass, wenn ich schreiben und malen will, die beste Kombination Bilderbücher sind. Damals lebten wir in New York. Und ich entdeckte, dass man das sogar studieren kann. So besuchte ich dort die Parsons School of Design.

“Spiegel, das Kätzchen” @ NordSüd Verlag
“Spiegel, das Kätzchen” @ NordSüd Verlag

Ist eine Ausbildung zum Illustratoren unabdingbar oder lernt man Illustration eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?

Wie in jeder Kunstsparte läuft ohne Talent nichts und mit nur Talent noch weniger. Ein Werk erschaffen bedeutet Knochenarbeit. Mein Weg war vor allem Learning by doing mit guten Tipps von Lehrern, Lektoren, Kollegen und anderen kritischen Geistern. Ein Diplom in der Tasche bedeutet in dieser Branche aber weniger als ein publiziertes Buch.

Was macht einen guten Illustratoren aus?

Dass er einem Text Tiefe verleiht und ihn erleuchtet, wortwörtlich illuminiert. Dass er die Geschichte ergänzt und das Buch bereichert.

 

“Spiegel, das Kätzchen” @ NordSüd Verlag
“Spiegel, das Kätzchen” @ NordSüd Verlag

Ist Illustration Kunst oder Handwerk?

Ich persönlich unterscheide nicht zwischen Kunst und Kunsthandwerk, sondern halte es wie die alten Meister, die nur einen Begriff dafür hatten. (Ars)

 

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

Was eindeutig einfacher wurde, ist die Recherche. Wenn ich heute ein Okapi zeichnen will, muss ich dafür weder in die Bibliothek noch in den Zoo gehen. Obwohl ich mir bei grossen Projekten die Dinge gerne immer live anschaue, weil ich sie dann mit allen Sinnen erfahre. Ansonsten gehöre ich zu den alten Hasen und bin mit Papier und Pinsel und Stiften unterwegs. Den Computer brauche ich manchmal für nachträgliche Korrekturen oder dort, wo er sehr viel praktischer ist (bei Spiegelungen, Wiederholungen etc.) Der erste Strich entsteht aber immer von Hand auf Papier.

 Was zeichnet Ihren Stil aus?

Fantasie, Humor und sehr viele Details vielleicht? Einer bestimmten „Schule“ gehöre ich nicht an.

Wo holen Sie Ihre Inspirationen/Ideen?

Woher die Ideen kommen ist mir selber ein Rätsel. Und ich habe mehr als mir lieb ist. Mein Problem ist eher, wie bündle ich sie, sodass ein Bild oder Text nicht überladen wird.

 Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?

Am liebsten male ich mit Aquarellfarben. Für mein letztes Buch „Spiegel, das Kätzchen“ machte ich Kupferdrucke mit Radier- und Kaltnadeltechniken. Das passt mit dem vielen Schwarz gut zu der hintergründigen und auch etwas unheimlichen Geschichte. Jedes Buch verlangt ein bisschen nach einer anderen Technik.

“My Secret Garden” © Doris Lecher
“My Secret Garden” © Doris Lecher

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

 Wie der eines Beamten: Morgens am Schreibtisch die kreative Arbeit, Mittagspause, nachmittags Korrespondenz oder Haushalt oder Tierarzt oder was sonst noch alles anfällt. Wenn eine Arbeit sehr eilt, illustriere ich auch noch am Nachmittag.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

Nicht in zwei, drei Sätzen! Die Entstehung eines ganzen Buches ist es ein langer Prozess, der bei mir in mindestens ein Jahr in Anspruch nimmt.

“Spiegel, das Kätzchen” @ NordSüd Verlag
“Spiegel, das Kätzchen” @ NordSüd Verlag

Sie haben kürzlich Gottfried Kellers „Spiegel, das Kätzchen“ illustriert. Wie kam es dazu?

 Als unsere Jugendlichen Gottfried Keller in der Schule lesen mussten, war ich entsetzt über ihr Gejammer. Da hab ich ihn auch wieder gelesen und ganz wunderbar gefunden. Besonders der Spiegel hat es mir angetan. Und weil darin genau das vorkommt, das ich am allerliebsten male: Katzen, Eulen, Hexereien, alte merkwürdige Dinge, Gutes zu Essen und einen leicht schrägen Humor, konnte ich nicht widerstehen, die Geschichte neu und kürzer zu erzählen und Bilder dazu zu malen.

 Wie wählen Sie generell aus, was Sie illustrieren wollen? Gäbe es Dinge, die Sie nicht illustrieren wollen oder sehen Sie hinter allem die kreative Herausforderung?

Wenn eine Weltanschauung mir gar nicht entspricht, (Esoterik z.B.) würde ich ein Buch nicht illustrieren. Und nicht stimmige Geschichten oder sprachlich schlecht geschriebene nehme ich auch nicht an. Dafür arbeite ich zu lange an den Illustrationen und ist mir die Sprache zu wichtig.

 Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Natürlich sind wir Konkurrenten, aber ob man die anderen Illustrierenden als Konkurrenz oder Kollegen anschaut ist eine Frage der Persönlichkeit. Ich bin in zwei Vereinen, wo wir uns austauschen, auch mal helfen, und sogar Aufträge weiter reichen, wenn wir selber keine Zeit dafür haben oder denken, der andere kann das besser.

 Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?

Noch einen anderen Beruf dazu zu lernen! Nicht nur als Einkommensquelle – es ist hart und sehr unsicher, nur vom Illustrieren zu leben –, sondern auch, weil die Arbeit ausgesprochen einsam ist. Da tut es gut, noch ein anderes, sozialeres Tätigkeitsfeld zu haben.

Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?

Käthi Bhend und/oder Albertine. Die beiden gefallen mir ganz besonders unter den Schweizer Illustratoren und haben vollendete Kunstwerke von Büchern geschaffen.