Nun bin ich also durch. Ersehnte ich diesen Augenblick eine Weile, so kam er nun doch zu schnell. Die erste Folge des Revivals fand ich schrecklich. Die zweite war ok – teilweise eine zu grosse Überspitzung des sonst schon Überspitzten. In der dritten Folge wurde ich warm, um in der vierten mitzuleiden, mitzufiebern, mich in Tränen zu ergiessen und mich auch wieder zu freuen.

Das Ende war schön. In meinem Sinne. Der Schlusssatz der wohl einzige, den ich hätte gelten lassen können. Ich las – bevor ich da war – von verschiedenen Seiten, dass dieses Ende nicht das Ende sein könne. Ich bin anderer Meinung: Es ist das perfekte Ende.

Das Ende ist sicher so, dass es nun weiter gehen könnte. Man müsste aber Altes aufwärmen. Klar wäre es schön, weiter in Stars Hollow sein zu können. Klar wäre es schön, wäre das nicht das Ende, denn irgendwie wurde der Ort ein Zuhause und die Menschen wurden Freunde. Aber: Die Geschichte würde nicht gewinnen. Und das wäre irgendwie schade.

Die Serie sprach mich sicher an, weil ich mich in ganz vielen Rollen wiedererkannte. In anderen Punkten erkannte ich eigene Sehnsüchte – und ich dachte diese weiter. Die Serie war wunderbar menschlich und in ihrer Normalität nicht abgehoben. Es war nicht schwer, mich zu identifizieren. Das sogar mit verschiedenen Charakteren.

Es war toll. Es war schön. Ich weine Lorelai und Rory ein wenig nach und bin grad etwas aufgeschmissen. Keine Serie spricht mich an, kein Film packt. Nicht mal die Bücher überzeugen. Ich brauch nun wohl Zeit, Abschied zu nehmen. So ein bisschen. Klingt doof? Egal. Ich bin so.

Ich habe alle 7 Staffeln in Rekordzeit hinter mich gebracht. Ok, die Erfahrung war nicht neu, aber ich wollte die neuen Folgen nicht ohne Anschluss schauen. ich schwankte zwischen kreischender Verehrung und genervter Abneigung. Trotzdem blieb ich dran, es war irgendwie meine Familie geworden. Dann fing nun die neue Staffel an.

Sagte ich vorher schon ab du an, die ganze Sache wäre zu aufgesetzt, setzte diese Folge einen drauf. Die ersten Minuten erinnerten mich an ein Laien-Sommer-Theater auf dem Dorf. Ach so witzige Dialoge werden runtergerattert mit theatralisch gegen den Himmel gedrehten Augen. Die Protagonisten werden reihum vorgeführt. Alle in ihren Eigenheiten überzeichnet. noch mehr als vorher schon.

Und dann setzt der Lokal-Troubadour ein… und ich fühle mich zu Hause. Es ist aber auch fies, Winteratmosphäre zu nehmen mit Weihnachtsdeko. Dafür bin ich anfällig. Der ewig präsente Lorelai-Liebhaber ist auch wieder präsent. ich schwankte in den vergangenen zwei Wochen zwischen „Nimm ihn“ und „der taugt nicht für dich“. Grad fühlt er sich gut an.

Die Folgen sind nun länger – doppelt so lange. Ich weiss grad nicht, ob ich mich freue oder ärgere. Nach zwei Wochen Dauer-Stars-Hollow hatte ich mir ein schnelleres Ende erhofft. Weiss aber noch nicht genau, wohin es mich dann verschlägt. Pläne habe ich viele, aber ich fürchte trotz allem ein Vermissen. Wie bei einem langjährigen Liebhaber, der einem eigentlich nicht gut tut, den man aber doch nicht vergessen kann und sich bei ihm irgendwie zu Hause fühlt – irgendwie so, wie es Lorelais Allzeit-Bereit-Liebender ist.

Doch: Who the fuck ist Paul? Rory hat also einen neuen Freund. Man hat ihn nie gesehen und möchte ihn gleich wieder vergessen. Und man fragt sich, wo sie alle sind. Die, welche man nie ganz toll fand, aber auch nicht so schlecht. Sie waren nicht perfekt, aber doch irgendwie… süss. Aber Paul???

Lorelai und ihr aktueller Bettgenosse führen sich ein wenig so auf wie ein altes Ehepaar, bei welchem der Frau die Wolle zum Weiterstricken ausging. Ich bin nah dran, dem Fernseher den Saft abzudrehen. Nicht nur hat mir die Marathon-Schauerei die Gilmores zu offensiv vor Augen geführt. (Die Liebe überwog trotzdem) Soll ich die Gefahr eingehen, diese Liebe durch 4 überlange Folgen ganz einzumotten?

_____

Artikel zu den ersten 7 Staffeln: HIER

gg3Am 25. November kamen die neuen Folgen von Gilmore Girls auf Netflix. ich nahm das zum Anlass, die ganzen 7 Staffeln nochmals zu schauen. Dieses Mal hatte ich den Vorteil, das ganze Vergnügen nicht in kleinen Etappen zu geniessen, sondern quasi im Schnellzug durch die Geschichte zu fahren. Wobei… Aber von vorne

gg1Gilmore Girls – Lorelai ist alleinerziehende Mutter von Rory und wohnt mit dieser ins Stars Hollow. mit 16 wurde Lorelai schwanger, floh in der Folge aus ihrem sehr gut betuchten Zuhause vor ihrer überdominanten Mutter und dem beruflich eingespannten Vater. Sie lebte in der Folge ein Leben, das (irgendwie aus Prinzip) komplett gegensätzlich zu dem Leben ihrer Eltern war und sie wollte in der Folge auch nichts mehr mit den Eltern zu tun haben – bis Rory auf eine Privatschule will und Lorelai ihre Eltern um die Studiengebühren bitten muss. Bedingung dafür ist, dass Rory und Lorelai fortan immer freitags zum Nachtessen kommen. Spannungen sind vorprogrammiert.gg

Das alles wird garniert mit spitzigen Bemerkungen, Witz und Sarkasmus. Es werden Bücher, Filme und Musikstücke zitiert, Beziehungsdramen diskutiert und Dramen zelebriert. Lorelai schwankt zwischen Männern und Einsamkeit, Rory tut es ihr gleich. Als Zuschauer sitzt man da und fühlt sich mit der Zeit als Mitbewohner. Man ist unter Freunden, fiebert mit, welcher Mann das Herz wirklich erobern wird, weint mit, wenn es nicht klappt.

gg2Nun kommt das grosse Aber: So sehr ich die Serie liebte all die Jahre: Sie an einem Stück zu schauen, überforderte. Die Witze wurden schal, das Verhalten von Lorelai wirkt mit der Zeit bemühend und das Schwanken zwischen Männern ermüdete. Das ist schade. Drum mein Tipp: Mit Massen geniessen, dann kann man sich zwischendurch erholen und die Witze sind erfrischend, das Leben beschaulich und man leidet mit, mal freudig lachend, mal weinend.

Gilmore Girls – Fortsetzung

Gilmore Girls – das Ende

Mehr zur Serie: